Neue Blickwinkel: Springhorstsee und Pöttcherteich

Auf der Suche nach neuen Blickwinkeln für das Jahr, das ja gar nicht mehr so neu ist, bin ich – natürlich – wieder am Wasser gelandet, diesmal am Springhorstsee, dem kleinen Badesee bei Großburgwedel. Er ist, wie viele Seen in der Gegend, Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre beim Bau der A 7 entstanden, die ganz in der Nähe verläuft. Wenn viel los ist, beginnt hier der Stau nach Hamburg. Aber ein kleines Wäldchen schirmt den Springhorstsee ab, sodass man von der vielbefahrenen Autobahn kaum bis gar nichts hört.

Der See ist nicht nur etwas größer als der Würmsee, den ich im vergangenen Jahr aus immer den gleichen Blickwinkeln fotografiert habe, sondern viel tiefer: An der tiefsten Stelle sollen es 7,50 Meter sein. Man kann hier nicht nur schwimmen …

Blick vom Badestrand über den See

sondern auch angeln …

Ein Karpfen, natürlich nicht selbst geangelt. Es gibt noch viel größere, sagt der Angler, der ihn herausgezogen hat.

… mit einem Schwan über den See fahren …

… und am Ufer entlanggehen. Der Blick auf das Café, das gerade renoviert wird, ist in diesem Jahr mein Blickwinkel Nummer eins.

Frida am See. Das Café mit dem verheißungsvollen Namen eröffnet im April, so Corona es will.

Von der Terrasse und dem kleinen Strand vor dem Café hat man den See und die kleine Insel im Blick, mit einem unechten Schäfer und ebenso unechten Schafen – mein Blickwinkel Nummer zwei. Hier werde ich ab dem Frühjahr sicher öfter sitzen. Denn schon der Name des neuen Cafés ist verheißungsvoll: Frida am See. Und wenn das Café-Restaurant nicht nur auf seiner Facebookseite mit Frida Kahlo wirbt, hat es sicher Potenzial, mein Lieblingscafé zu werden.

Kleine Insel im kleinen See

Auch den neuen Pöttcherteich will ich in diesem Jahr aus immer dem gleichen Blickwinkel fotografieren, und zwar mit der Weide am Wegrand bzw. am Ufer. Weiden faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Wenn sie zurückgeschnitten wurden, befürchte ich alle Jahre wieder, dass sie sich vom Radikalschnitt nicht erholen, sondern kahl bleiben. Doch im Sommer sind sie dann wieder grün wie eh und je.

Biotop mit Weide

Zu dem kleinen Teich am Ortsrand, der eigentlich ein Vorfluter ist, gehe ich übrigens am liebsten am späten Nachmittag oder abends, wenn die Sonne hinter dem See verschwindet. Dann sieht man hier oft Reiher, die im flachen Wasser ihr Abendessen aufschnabeln, im Sommer ist auch gelegentlich ein Storch hier zu Gast. Doch bis der wiederkommt, werden wohl noch einige Monate vergehen.

Übrigens:

Erfunden hat das Projekt 1 Blickwinkel – 12 Monate Tabea Heinicker, Eva Fuchs führt die Fotoaktion seit einigen Jahren auf ihrem Blog (https://evafuchs.blogspot.com/search/label/12telBlick) und auf ihrer Instagram-Seite (@verfuchst.insta) fort. Eva Weinig (http://meine-gartenzeit.de) hat die Idee aufgegriffen und mich inspiriert: Und wie im vergangenen Jahr werde ich auch in diesem Jahr auch unseren Garten jeden Monat aus den gleichen Blickwinkeln fotografieren. Die Gartenfotos veröffentliche ich im Blog Chaosgaertnerinnen (https://chaosgaertnerinnen.de).

Bullet Journal – zweiter Versuch

Ich habe aus der Not eine Tugend gemacht. Weil wegen des Lockdowns Buchhandlungen und Schreibwarenläden geschlossen sind, habe ich mir zu ersten Mal seit Jahrzehnten keinen Notizkalender gekauft. Natürlich hätte ich mir einen im Internet bestellen können, aber das Kalendarium, das ich seit Jahren nutze, gibt es bei dem Online Händler mit dem großen A nur als Zusatzartikel: Ich müsste also Waren im Wert von x Euro mitbestellen. Doch das wollte ich nicht – auch weil mir beim Durchblättern meiner alten Kalender wieder einmal aufgefallen ist, dass die meisten Kalenderseiten leer sind.

Typisches Kalenderblatt im letzten Jahr. Einziger Eintrag – die Leipziger Buchmesse. Und die ist leider ausgefallen.

Ich nutze eigentlich nur die Monatsübersicht am Anfang des Kalenders: Dort trage ich meine Termine ein, um den Überblick zu behalten; meine täglichen und wöchentlichen Aufgaben notiere ich in einem schlichten Notizheft mit Blankoseiten, das ich mit einem Leder- oder Gummiband in einem wunderschönen, handgefertigten Ledereinband* befestige. Mal brauche ich zwei Hefte im Jahr, gelegentlich auch drei, wenn ich viel zu notieren habe. Ich führe quasi ein Bullet Journal light, ohne es so zu nennen.

Ich habe die Mischung aus Kalender, Notizheft-, Ziel- und Gedankensammlung vor ein paar Jahren für mich entdeckt, doch der Hype, den es um Bullet Journals gibt, hat mich abgeschreckt. So gibt es in Buch- und Schreibwarenläden diverses Zubehör wie Schablonen, Stifte, Aufkleber und Handlettering-Anleitungen. Und natürlich unzählige mehr oder weniger hübsch gestaltete Notizbücher mit Aufdruck Bullet Journal, die versprechen, dass ich mit ihrer Hilfe kreativ und gut organisiert durch das Jahr komme und nicht nur meine Termine, sondern auch mein Leben besser im Griff habe.

Bei mir funktioniert diese Art des Bullet Journalings nicht. Denn die vorgedruckten Jahres-, Monatsübersichten, Vision Boards und To-do-Listen sind alles andere als übersichtlich – die Gestaltung ist, so scheint es, wichtiger als der Inhalt. Und gepunktete Seiten, in Bullet Journalen offenbar das Nonplusultra, gehen bei mir gar nicht. Außerdem widersprechen festgelegte Seiten für mich der Bullet-Journal-Idee: Wie viele Seiten beispielsweise die täglichen Aufgaben – oder in der Bullet-Journal-Diktion der Daily Log einnimmt – ist ganz unterschiedlich: „So viel oder so wenig Platz, wie Sie brauchen“, heißt es in Ryder Carrolls Buch „Die Bullet Journal Methode“. Und der muss es wissen, denn er hat das Bullet Journal angeblich erfunden.

Weil mir die Idee eigentlich gefällt, starte ich einen zweiten Versuch: Ich verzichte diesmal ganz auf ein Kalendarium, das meine Wochen in jeweils zwei Seiten presst, und begnüge mich mit einer einseitigen Jahresübersicht und einem Kalenderblatt für jeden Monat. So bleibt genügend Platz für meine Ziele und meine guten Vorsätze für dieses Jahr – und für meine geliebten Listen: mit Büchern, die ich schon gelesen habe beispielweise, mit Blogbeiträgen, die ich schreiben, und Dingen, die ich erreichen will.

Drei Bücher stehen schon auf meiner Gelesen-Liste, die Liste mit den geschriebenen Blogbeiträgen ist indes noch gähnend leer. Höchste Zeit also loszulegen, damit ich mein Jahresziel erreiche. Ob es funktioniert? Das erfahrt ihr Ende des Jahres.

*Dieser Blogbeitrag enthält unbezahlte Werbung:

Ledereinbände:

https://www.etsy.com/de/shop/FoeRodensCreations

Ryder Carroll: Die Bullet Journal Methode. Verstehe deine Vergangenheit, ordne deine Gegenwart, gestalte deine Zukunft.

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 3. Auflage 2019