Kein Zug war pünktlich*

In diesem Jahr wollte der Winter erst nicht kommen, jetzt will er nicht mehr weichen. Gestern Nacht bin ich unter funkelnden Sternen eingeschlafen – herzliche Grüße an Stephen Hawkins -, als ich heute Morgen, am offiziellen Frühlingsbeginn, aufwachte, war das Dachfenster zugeschneit. Am Wochenende haben uns die Schneemassen – immerhin 8 cm Neuschnee und etwa 5 Grad Minus – eine abenteuerliche Fahrt zur Buchmesse nach Leipzig beschert.

Gut 70 Minuten stand unser Zug am Samstag  in Köthen, denn im Hauptbahnhof von Leipzig ging nichts mehr. Weil die Weichen eingefroren waren, kamen und fuhren gar keine Züge mehr. Einige Mitfahrerinnen, die die Buchmesse nicht in erster Linie wegen der Bücher, sondern als CosplayerInnen besuchten, funktionierten das Abteil kurzerhand in einen Schminksalon um und verwandelten sich in Loki und andere fabelhafte Wesen.

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Verwandlung im Zug – auf dem Weg nach Leipzig und zu Loki.

Vielleicht hätte ich gewarnt sein sollen, denn immerhin reiste ich mit Loki, der, wie ich nachgelesen habe, im Film Thor ein Nachfahre der Eisriesen ist. Auf der Buchmesse kamen wir dann trotzdem an, drei Stunden später als geplant zwar und nach einer Fahrt in einer total überfüllten Straßenbahn.

Ob der junge Mann, der mit uns von Hannover bis Halle im gleichen Abteil  gesessen hat, es bis zur Buchmesse schaffte oder ob er resigniert umkehrte, werde ich wohl nie erfahren. Denn in Halle trennten sich unsere Wege. Wir stiegen, wie alle Besucher/innen der Buchmesse, zunächst dort aus, weil die Schaffnerinnen es uns empfohlen hatten. Doch weil kein Schienenersatzverkehr in Sicht war, wählten meine Begleiterin – inzwischen halb Loki, halb Mensch – und ich dann den Weg über Leipzig Hauptbahnhof. Eine gute Wahl.

Für den jungen Mann hat sich die Fahrt nach Leipzig sicher nicht gelohnt, denn er hatte schon für den Nachmittag um 16 Uhr seine Rückfahrt nach Hannover fest gebucht. Die Zeit reichte, wenn überhaupt, gerade für eine Stippvisite bei der Buchmesse. Doch wahrscheinlich fuhren am Samstagabend die Züge ohnehin noch nicht – und vielleicht irrt er immer noch durch Leipzig.

Selbst am Sonntagnachmittag, als wir nach anderthalb Messetagen nach Hause wollten, wurden mehrere Züge zwischen Leipzig und Hannover storniert. Vom Hauptbahnhof wurden die Messebesucher mit Bussen gen Westen chauffiert, Loki entdeckte, dem Internet sei Dank, eine Verbindung vom Messebahnhof über Bitterfeld nach Hannover. Hier bewahrheitete sich die alte Weisheit, dass wenn etwas schiefgeht, es meist gründlich schiefgeht: Auch dieser Zug war nicht pünktlich. Wir wurden aus irgendeinem Grund über Hildesheim umgeleitet: Immerhin erreichten meine Begleiterin und ich nach einem Sprint noch unsere Anschlüsse und kamen wie geplant zu Hause an. Danke Loki.

Schön war es in Leipzig trotzdem. Ich mag die Buchmesse, auch wenn ich mir vorgenommen habe, im nächsten Jahr schon am Donnerstag oder Freitag zu fahren, bevor der große Ansturm vor allem der CosplayerInnen einsetzt. Sie verleihen der Buchmesse zwar ein besonderes Flair – es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie Gestalten aus Büchern und Filmen lebendig werden. Doch manchmal gibt es zwischen Göttern, Elben und Jedis kaum ein Durchkommen und die Bücher geraten für mich ein bisschen zu sehr in den Hintergrund.

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In voller Montur – Loki in Leipzig.

Eine tolle Unterkunft haben wir in Leipzig auch entdeckt. Die werde ich vielleicht im Sommer, wenn der letzte Schnee bestimmt geschmolzen ist, nutzen, um die Stadt endlich einmal kennen zu lernen.

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Mut zur Farbe – Zimmer in Leipzig.

Denn außer Bahnhof und dem Messegelände habe ich von Leipzig noch nichts gesehen. Ich setze die Stadt auf meine To-visit-Liste. Time to fly.

 

*frei nach Heinrich Bölls: Der Zug war pünktlich

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(Leere) Versprechen und dünne Gutachten

Und wer pflegt mich?

„Die Pflegereform hat zentrale Versprechen gehalten: Mehr Menschenerhalten mehr Geld aus der Pflegekasse. Demenzkranke werden endlich mehr unterstützt“, las ich am 29. Dezember in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Für mich klingt die teilweise positive Bilanz wie Hohn. Gerade habe ich das Pflegegutachen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) erhalten. Die niederschmetternde Bilanz: 8,5 Punkte. Kein Pflegegrad. 12,5 wären nötig für Pflegegrad 1, 27 gar für Pflegegrad 2, auf den wir insgeheim gehofft hatten.

Alles bestens …

Jetzt also haben wir schriftlich, was die Pflegekasse uns kurz vor Weihnachten – drei Monate nach dem Antrag – auf Nachfrage telefonisch mitteilte. Meine Mutter ist noch zu fit, um die Hilfe zu bekommen, die sie braucht. Sie kann, das versichert sie ja auch selbst immer wieder, noch alles allein. Und der Gutachter hat dies offenbar geglaubt, obwohl er eigentlich hätte merken müssen, dass es nicht stimmt. Dass sie, wie es in der Fachsprache heißt…

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Nachrichten aus dem (Winter) Garten

Seit ein paar Tagen zeigt sich der Winter auch bei uns von seiner besten Seite: Zwar kalt, aber sonnig. Offenbar will er am Ende doch noch weg vom tristen Schmuddel-Image und einen guten Eindruck hinterlassen, damit uns der Abschied schwer fällt.

Bis es wirklich Frühling wird, dauert es aber noch eine Weile, auch wenn nicht nur Schneeglöckchen und Märzbecher, sondern auch schon die ersten mutigen Blaukissenblüten den Kopf aus dem Boden stecken. Mein Zwerg hat einen weiteren Winter zwar nicht unbeschadet, aber immerhin überstanden. Jetzt  genießt er die Sonne, wie immer in sein Buch vertieft. Ob die Frösche in meinen Miniteichen überlebt haben, werde ich sehen, wenn die dicke Eisschicht geschmolzen ist.

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Seine Kleidung hat er längst verloren, nur die rote Mütze trotzt der Witterung.

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Nur ein paar mutige Blüten wagen sich schon hervor. Noch ist das Blaukissen vorwiegend grün.

Die Läuse fühlen sich auf den Zitruspflanzen im Wintergarten dagegen pudelwohl. Kein Wunder:  Windgeschützt und unterm schützenden Glas steigen die Temperaturen selbst Januar manchmal über 20 Grad Und auch für Strelitzie und die Aloe Vera hat der Frühling schon begonnen. Sie fangen sie an zu blühen – deutlich früher als im vergangenen Jahr. Der Weihnachtskaktus ist dagegen verblüht und wirkt von den vielen Blüten so ausgelaugt, dass ich wie jedes Jahr befürchte, dass er sich diesmal  nicht erholt. Aber er ist zäh.

Strelizie vorgestern DSC_2674

Strelitzie am Freitag …

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… und am Sonntag

Die Pflanzen im Wintergarten haben eine neue Gefährtin bekommen. Die Sansevieria aus der Wohnung meiner Mutter ist bei uns eingezogen, genauer gesagt, ein kleiner Teil. Denn ich habe die Pflanze gefünfteilt – wie sie bislang in dem winzigen Topf Platz hatte, ist mir ein Rätsel.

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Platz ist auch im kleinsten Topf. Aus eins …

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… mach fünf. Sansevieria Nummer fünf hat schon ein neues Zuhause in Bruchsal.

Im Wintergarten scheint sich die Sansevieria wohlzufühlen, aber ihre Ansprüche sind, so scheint es, ohnehin nicht besonders hoch: Sie gilt als fast „unzerstörbar“. Weil ihre Urururahnen aus Afrika, Südasien und von der arabischen Halbinsel stammen, bereiten ihr weder Sonne noch Trockenzeiten Probleme. Beste Voraussetzungen also, auch meine Pflege zu überstehen.

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Von Schmetterlingen und ungeahnten Effekten

Gibt es ein unpassenderes Wort in der deutschen Sprache als Schmetterling? Sich das Leben nehmen vielleicht, wenn man das Leben eben nicht (an)nimmt, sondern nicht mehr leben will, sein Leben weggibt wie ein altes Kleidungsstück, das nicht mehr passt oder dessen man einfach überdrüssig geworden ist. Doch das ist ein anderes Thema.

Schmetterlinge also. Einem Schmettern gleicht der Flügelschlag dieser filigranen Wesen kaum. Davon kann man sich derzeit in den Herrenhäuser Gärten in Hannover überzeugen. Dort flattern bis Mitte März etwa 1000 Schmetterlinge im Tropenhaus – bei durchaus frühlingshaften 24 Grad. Die meisten kommen aus Costa Rica, Malaysia, Thailand und von den Philippinen, einige auch aus Afrika, wo sie in speziellen Farmen gezüchtet wurden.

Neben Schmetterlingen sind im Tropenhaus ausnahmsweise auch einmal nimmersatte Raupen gern gesehen. Sie dürfen ihren Hunger unter anderem an eigens für sie gepflanzten Bananen- und Zitruspflanzen, Pfeffergewächsen und Passionsblumen stillen. Die Schmetterlinge bevorzugen dagegen Pflanzen mit leuchtend bunten Blüten voller Nektar und Pollen, beispielsweise den Stern von Ägypten oder das Flammende Käthchen. Oder sie laben sich an Futterstationen mit reifem Obst.

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Gemeinsam schmeckt’s besser – an einer Futterstation

Mit Milchprodukten haben Schmetterlinge dagegen nichts am Hut. Dabei verdanken sie denen vielleicht sogar ihren Namen. Denn der wird angeblich vom ostmitteldeutschen Wort Schmetten abgeleitet. Das bedeutet Sahne. Einem alten Volksglauben nach verwandelten sich nämlich Hexen in Schmetterlinge und stahlen Sahne und andere Milchprodukte. Vielleicht fühle ich mich den Schmetterlingen deshalb so verbunden.

Im Berggarten sind derzeit rund 60 verschiedene Schmetterlingsarten zu Gast – manche fast so groß wie ein Handteller, andere so klein, wie wir es von den heimischen Schmetterlingen gewohnt sind. Und während beispielsweise die Bananenfalter stundenlang reglos an einer Stelle verharren …,

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Bananenfalter

 

…  scheint der Himmelsfalter oder Blaue Morphofalter (Morpho peleides) pausenlos durch die Luft zu flattern. Vergeblich versuche ich, einen an einer Blüte oder auf einer der vielen Futterstationen zu fotografieren. Vielleicht, das merke ich erst später, habe ich ihn aber nur nicht erkannt. Denn nur die Flügelinnenseiten schillern blau – und die sind eben nur im Flug zu sehen. Bei meinem nächsten Besuch werde ich genauer auf ihn achten.

Himmelsfalter DSC_2605

Himmelsfalter doppelt – Paarung im Flug?

Die Ausstellung „Gaukler der Tropen – Schmetterlinge im Berggarten“ ist noch bis zum 18. März zusehen. Viele Falter werden das Ende nicht mehr erleben. Denn die meisten leben nur zwei bis vier Wochen.

Übrigens:

Laut Edward Lorenz, dem Vater der Chaostheorie und Entdecker des sogenannten Schmetterlingseffekts, kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Shanghai einen Wirbelsturm in New York auslösen. Zumindest theoretisch. Womit wissenschaftlich bewiesen wäre, was wir schon lange wussten: Kleine Ursachen haben oft große Auswirkungen. Und vielleicht haben die Schmetterlinge in Hannover ja wirklich das politische Erdbeben ausgelöst, das derzeit die SPD erschüttert und niederschmettert. Dann wäre der Name doch nicht so unpassend, wie er auf den ersten Blick scheint.

Mehr über die Ausstellung Gaukler der Tropen: Herrenhäuser Gärten, Herrenhäuser Straße 4, 30419 Hannover, Infotelefon (0511) 168-34000, http://www.herrenhausen.de

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Alles schmeckt nach Abschied …

Der Titel der Tagebücher von Brigitte Reimann spukt ständig in meinem Kopf, seit wir Anfang Dezember für meine Mutter einen Platz im Altenheim bekommen haben. Weihnachten und Silvester, da waren meine Schwestern und ich uns einig, sollte sie noch zu Hause, an der Mosel verbringen, Mitte Januar ist sie in ein Altenheim in Norddeutschland umgezogen.

„Hast du es dir das wirklich gut überlegt“, fragt Herr B. ein Nachbar und ehemaliger Arbeitskollege meiner Mutter. Er ist gekommen ist, um sich von ihr  zu verabschieden. Ich unterdrücke den Impuls, ihn zu erwürgen. Denn eigentlich mag ich den alten Herrn und er mag mich. Er hat mir wahrscheinlich mal das Leben gerettet, das verbindet. Er hat mich mit dem Auto seines Chefs ins Krankenhaus gebracht, als mein Blinddarm geplatzt war. Hätten wir auf den Krankenwagen gewartet, wäre es vielleicht zu spät gewesen.

Das ist mehr als ein halbes Jahrhundert her, ich war damals 10 Jahre alt, jetzt bin ich über 60 und er ist 95. Dass er immer noch in seiner Wohnung leben kann, verdankt Herr B. seiner Schwiegertochter. Sie hat ihn mit dem Auto die paar Meter zu unserem Haus gefahren, weil er nicht mehr alleine aus dem Haus gehen kann. Sie kümmert sich um ihn, wäscht, kauft ein und ist im Notfall zur Stelle, wenn er – wie vor ein paar Wochen – ins Krankenhaus muss. Sie lebt im gleichen Haus wie ihr Schwiegervater, da geht das. Meine Schwestern und ich wohnen Hunderte Kilometer von unserem Heimatort, dem Wohnort meiner Mutter, entfernt.

Seit zehn Jahren, seit die Demenz meines Vaters schlimmer wurde und meine Mutter, damals auch schon über 80, Hilfe bei der Pflege brauchte, fahren meine Schwestern und ich abwechselnd an die Mosel und bleiben dort ein paar Tage bis zwei Wochen, um sie zu unterstützen. Doch jetzt stoßen wir an unsere Grenzen. Denn das Gedächtnis meiner Mutter hat in den letzten Monaten so stark nachgelassen, dass sie – anders als bisher – zwischen unseren Besuchen nicht mehr alleine leben kann. Und weil sie meint, dass sie noch alles selbst machen kann, gefährdet sie sich selbst und andere. So hat sie mehr als einmal den Herd vergessen und auch auf den losheulenden Rauchmelder nicht reagiert. In den letzten Wochen war ständig eine von uns bei ihr, aber auf Dauer geht das nicht. Wir sind berufstätig, habe unsere eigenen Leben.

Nein, die Entscheidung, unsere Mutter in ein Heim zu geben, ist uns nicht leicht gefallen und wir haben sie uns nicht leicht gemacht. Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Meine Mutter ist zwar nicht die älteste im Dorf, aber niemand hat dort länger gelebt als sie. Alle, die älter sind, sind später in den Ort gezogen. Sie ist hier geboren und eigentlich wollte sie auch hier sterben. Mit ihrem Umzug geht eine Ära zu Ende, auch für die Nachbarn, die am letzten Morgen noch einmal kommen, um sich von ihr zu verabschieden. Sie sind traurig, und manchen kommen die Tränen, aber sie wissen alle, dass es keine andere Möglichkeit gibt.

Das Heim, das wir für meine Mutter ausgesucht haben, liegt nur ein paar Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Es ist klein, familiär; ihr Zimmer ist groß und freundlich. Die Atmosphäre im Haus hat mir von Anfang an gefallen. Mein erster Eindruck war: Hier würde ich auch einziehen. Nicht nur ich, auch meine Schwestern und ihre Enkelkinder können sie hier regelmäßig besuchen. Das ist wichtigm denn an  der Mosel hat sie sich oft einsam gefühlt, obwohl sie dort viele Leute kennt und die Nachbarschaft funktioniert. Aber all ihre Freundinnen sind inzwischen gestorben  oder schon vor Jahren in Heime umgezogen  – in die Nähe ihrer Kinder, unerreichbar für meine Mutter. Der Umzug ist die beste Lösung für sie, da bin ich sicher. Und trotzdem plagt mich das schlechte Gewissen.

Ich habe die letzte Woche vor ihrem Umzug mit meiner Mutter an der Mosel verbracht und manchmal hatte ich das Gefühl, dass mir der Abschied mehr zu schaffen machte als ihr. Sie, die immer alles geplant und die Entscheidungen getroffen hat, hat sich  nie ernsthaft mit der Frage auseinandergesetzt, was ist, wenn sie nicht mehr allein leben kann. Und sie hat es meinen Schwestern und mir überlassen, ihre Sachen zu packen, die Möbel und Dinge auszuwählen, die sie in ihr neues Heim mitnimmt.

Ihr war, und das ist der Vorzug der Demenz, meist wohl gar nicht klar, was es bedeutet. Dass es nicht nur ein Ortswechsel auf Zeit ist, sondern für immer. Dass sie nie wieder in das Haus zurückkehren wird, das sie und mein Vater gebaut haben, in den Ort, in dem sie über 90 Jahre gelebt hat. Alles schmeckt nach Abschied, doch anders als bei Brigitte Reimann ist es ein Abschied auf Raten.*

 

*Die Schriftstellerin Brigitte Reimann starb 1973, mit 40 Jahren, an Krebs. Die Tagebücher aus den Jahren 1964 bis 1970 wurden unter dem Titel „Alles schmeckt nach Abschied“ veröffentlicht.

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Vom Cello und von Cellistinnen

Das nenne ich eine gute Wahl. Das Cello – mein Lieblingsinstrument – ist Instrument des Jahres 2018. Ich gebe zu. Bis vor ein paar Tagen habe ich gar nicht gewusst, dass es überhaupt ein Instrument des Jahres gibt. Aber offenbar wählen die Landesmusikräte aus verschiedenen Bundesländern schon seit 2008 ein Instrument aus, um das Interesse für es zu wecken und seine Bedeutung zu unterstreichen. Im vergangenen Jahr war es die Oboe; auch Gitarre, Trompete, Bratsche, Horn, Fagott und Harfe hatten schon die Ehre.

Ich habe das Cello während des Studiums durch meine Freundin Ursula entdeckt, die Musikwissenschaft studierte und – neben verschiedenen anderen Instrumenten – auch Cello spielte. Ich habe den tiefen, warmen Klang sofort gemocht und hätte stundenlang zuhören können.

Und dann habe ich irgendwann im Fernsehen ein Konzert von Jacqueline du Pré gesehen. Es war Musik aus einer anderen Welt, klassische Musik ganz anders, als ich sie bisher kannte. Jacquelin due Pré war nicht so steif und unnahbar wie die anderen, meist männlichen (Orchester)Musiker; sie hat auf  ihrem Cello gelebt, spielte ungeheuer leidenschaftlich, intensiv. Ich war fasziniert; noch heute ist Jacqueline du Pré meine Lieblingscellistin – natürlich außer Ursula, aber die spielt nur noch selten und außer Konkurrenz.

Für alle, die sich – wie ich – mit Musik nicht so gut auskennen: Jacqueline du Pré galt als Wunderkind, sie war Meisterschülerin von Casals und Rostropowitsch – und mit dem Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim verheiratet. Sie musizierte mit den besten Orchestern, doch dann erkrankte sie an MS und musste ihre Karriere beenden. 1973, mit erst 28 Jahren, gab sie ihr letztes Konzert. Im Oktober 1987 ist Jacqueline du Pré gestorben. Sie wurde nur 42 Jahre alt.

https://www.youtube.com/watch?v=UUgdbqt2ON0

Wer gern mehr über die Bassgeige wissen und mal einen Blick in ihr Inneres werfen möchte: Auf der Website des SWR stellt Panu Sundqvist vom SWR Symphonieorchester sein Instrument vor

https://www.swr.de/swr2/musik/instrument-des-jahres-2018-gewaehlt-cello-folgt-oboe/-/id=661124/did=20636040/nid=661124/15ll5fo/index.html

 

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Vom neuen Jahr, alten Vorsätzen und musikalischen Entdeckungsreisen

Jetzt ist es da, das neue Jahr. Gerade mal anderthalb Tage ist es alt. Und statt neue gute Vorsätze zu fassen, habe ich die alten wieder aus der Schublade geholt. Denn die meisten sind fast ungebraucht – und besonders originell waren sie ohnehin nicht: Einige gehören zu den Top Ten der guten Vorsätze der Deutschen. So wollen laut DAK/forsa 59 Prozent der Befragten wie ich Stress vermeiden oder abbauen, 53 Prozent wollen sich mehr bewegen oder Sport treiben, 48 Prozent wollen mehr Zeit für sich selbst haben.

Durchgehalten habe ich im vergangenen nur wenige gute Vorsätze – dass es mir dabei so geht wie den meisten anderen Menschen ist ein, wenn auch nur schwacher Trost. Immerhin sechs von zehn Befragten schaffen es hierzulande nach einer aktuellen Emnid-Umfrage nicht, ihre Vorhaben umzusetzen.

Immerhin habe ich am ersten Tag des neuen Jahres Sport getrieben und mir danach um Stress abzubauen gleich Zeit für mich in der Sauna gegönnt. Ich habe Yoga gemacht, einen Liter Wasser getrunken, nicht gearbeitet – zwei arbeitsfreie Tage pro Woche sollen es in diesem Jahr sein; an Wochenenden und Feiertagen will ich (meist) nicht arbeiten. Ich will regelmäßig bloggen und weil unrealistische Ziele das Scheitern vorprogrammieren, sollen es in diesem Jahr etwa 30 Blogbeiträge werden. So viele habe ich auch im letzten Jahr etwa geschafft. Dass ich am zweiten Tag des neuen Jahres meinen ersten Blogbeitrag veröffentliche, ist immerhin ein guter Ansatz: Im vergangenen Jahr war ich einen Tag später dran.

Ich habe mir auch vorgenommen, im neuen Jahr mehr Musik zu hören. Denn ich merke, dass es mir gut tut. Und weil ich zu den Fossilen gehöre, die richtige CDs hören und nicht nur Musik vom Handy, habe  ich mir zu Weihnachten eine kleine Stereoanlage für mein Zweitschlafzimmer geschenkt.

Leider bin ein musikalischer Analphabet. Ich habe keine Ahnung von Musik und wenn mich jemand nach meiner Lieblingsmusik fragte, würde ich mit den Schultern zucken. Gut, ich mag Cello- und Blockflötenmusik, dann Bach (vor allem das Weihnachtsoratorium), die Musik aus Tanz der Vampire, die Scorpions, Queen (die alten Sachen mit Freddy Mercury) und Chormusik (von gregorianisch bis Opern und Musicals).

Eine Freundin aus Wien, bekennender Mozartaddict, hat mir das Requiem von Mozart ans Herz gelegt – mit einem Dirigenten (Nikolaus Harnoncourt) und einem Chor (Arnold Schoenberg Chor), von denen ich bisher natürlich noch nie gehört hatte. Es  gefällt mir ausgesprochen gut, obwohl ich mit Mozart bisher wenig am Hut hatte. Deshalb meine Bitte an die Leserinnen und Leser meines Blogs: Nennt mir eure/Ihre Lieblingsmusik, damit ich sie mir anhören und Neues entdecken kann. Ich bin gespannt.

 

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