12 von 12 im August: Alles dreht sich um die Sonne

Zugegeben, ich bin spät dran. Aber obwohl heute schon der 13. ist, möchte ich die Fotos, die ich gestern für das Projekt 12 von 12 gemacht* habe, noch veröffentlichen. Denn der 12. August war ein besonderer Tag: Gegen Abend verdeckte der Mond die Sonne für etwa anderthalb Minuten komplett. Das geschieht zwar im Schnitt zweimal im Jahr, ist aber nur selten an Orten zu sehen, die von Deutschland aus gut zu erreichen sind. Ich habe, obwohl ich fast 70 bin, erst eine Sonnenfinsternis erlebt – und die hat mich wirklich beeindruckt.

Mein Mann ist begeisterter Amateur-Astronom – und so sind wir, um die totale Sonnenfinsternis zu erleben, mit dem Wohnmobil nach Spanien gefahren. Einer der Orte, die fast auf der Zentrallinie liegen ist Burgos. Außerdem ist in der Region die Chance, dass der Himmel in der entscheidenden Zeit – von 19:33 bis 21:15 Uhr – wolkenlos ist, recht groß.

Die beiden letzten Nächte vor der Sonnenfinstenis verbrachten wir auf dem Campingplatz Las Fuentes Blancas in Burgos. Wegen des besonderen Ereignisses waren fast alle Stellplätze belegt, aber die Atmosphäre war sehr entspannt und ruhig.

Ob zu Hause oder unterwegs:  Mein Tag beginnt (meist) mit den Morgenseiten. Aber 2.000 Kilometer südlich und 500 Kilometer westlich von Hannover ist es kurz nach 6 noch dunkel. Doch mit meinem iPad kann ich zum Glück auch im Dunkeln schreiben.

Nach dem Morgenkaffee – diesmal im Freien –

… ging’s zu einem anderen Stellplatz gut 30 Kilometer westlich von Burgos. Der lag zwar ganz unromantisch direkt an der Autobahn, bot aber freie Sicht nach Westen und damit optimale Voraussetzungen für Sonnenfinsternis-Fotos.

Schatten gab es dort nicht – die Temperatur kletterte schon vormittags auf über 40 Grad. Trotzdem arbeitete ich eine Zeit lang in unserem Schlaf-Wohn-Ess-Büro …

… bevor ich Olmillos de Sasamón, das Dörfchen in der Nähe unseres Beobachtungsplatzes, erkundete. Gerne wäre ich auf die Türme der Burg aus dem 15. Jahrhundert gestiegen. Aber das Castillo de los Cartagena wird leider als Hotel genutzt.

Der kleine Ort war offenbar im So-Fi-Fieber; fast alle Häuser waren mit Planeten- und anderen astronomischen Motiven geschmückt.

Wieder zurück im Wohnmobil, präpariere ich die Spezialbrille, ohne die man nicht in die Sonne schauen darf.

… während mein Mann noch einmal seine Fototechnik testet.

Gegen 19.30 Uhr begann dann das besondere Naturschauspiel: Langsam „fraß“ der Mond die Sonne auf, die Landschaft wurde in ein ganz besonderes Licht getaucht, und die Corona, der Höhepunkt der Sonnenfinsternis war wirklich wunderschön.

Foto: Utz Schmidtko

Sie dauerte nur etwa eine halbe Minute, dann kehrte die Sonne zurück – am Anfang war sie noch etwas „angeknabbert“, aber nach einer Stunde war sie wieder komplett. Zum Glück.

* Das Projekt 12 von 12 wurde von Chad Darnell initiiert und wird in Deutschland von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt. 

Zu Gast im Sprengel Museum: Niki. Kusama. Murakami.

Niki de Saint Phalle kennt in Hannover fast jedeR. Als die Nanas 1974 am Leineufer aufgestellt wurden, hagelte es laut Wikipedia Proteste. „In Leserbriefen an die Hannoversche Allgemeine Zeitung wurden die Nanas unter anderem als ‚Ekelhafte Scheußlichkeiten‘, ‚Kulturschande‘ und ‚Umweltverschmutzung‘ bezeichnet“. Der damalige Stadtimagepfleger Mike Gehrke musste sogar unter Polizeischutz gestellt werden.

Geschadet hat der Aufruhr um die Kunst im öffentlichen Raum weder der Karriere der Künstlerin noch dem Ansehen der Landeshauptstadt – im Gegenteil. Die HannoverannerInnen haben die drei bunten Damen – Caroline, Sophie und Charlotte – längst liebgewonnen. Niki de Saint Phalle wurde erste Ehrenbürgerin der Stadt und schenkte dem Sprengel Museum vor 25 Jahren mehr als 400 ihrer Arbeiten – viele sind zurzeit gemeinsam mit Werken von Yayoi Kusama und Takashi Murakami in der Ausstellung „Niki. Kusama. Murakami. Love You for Infinity“ zu sehen. Insgesamt werden auf rund 2.000 Quadratmetern  etwa 120 Bilder, Skulpturen, Installationen, Grafiken und Filme präsentiert.

In der Eingangshalle: Werke von Yayoi KusamaNiki de Saint Phalle und Takashi Murakami

Von Yayoi Kusama und Takashi Murakami hatte ich – bekennende Kunstbanausin – zugegebenerweise noch nie etwas gehört. Ich habe mir die Ausstellung vor allem wegen Niki de Saint Phalle angesehen.

Niki de Saint Phalle French-American sculptor, painter, and filmmaker Niki de Saint Phalle with one of her pieces, 1983; Photographer: Norman Parkinson / Iconic Images/ Sprengel Museum Hannover

Manche ihrer Arbeiten, zum Beispiel die von ihr gestaltete Grotte in den Herrenhäuser Gärten und viele ihrer Zeichnungen gefallen mir sehr gut, andere, unter anderem auch die legendären Nanas oder auch den verliebten Vogel (L´ouiseau Amoureux Fontaine), den ich im Mai im Ekebergparken entdeckt habe, finde ich eher solala.  Auf jeden Fall imponiert mir, wie sie als Außenseiterin ihren Weg in der Kunstwelt gemacht hat – mit ganz ungewöhnlichen Werken und in einer Zeit, als Kunst noch viel mehr als heute eine Männerdomäne war.

Yayoi Kusama gilt als eine der bedeutendsten japanischen Künstlerinnen der Nachkriegszeit und ist bekannt für ihre Polka-Dots und immersive Installationen.

Ihr Landsmann Takashi Murakami verbindet traditionelle japanische Kunst mit zeitgenössischen Themen aus Popkultur und Konsumwelt. Die Arbeiten der beiden JapanerInnen passen sehr gut zu Niki de Saint Phalles farbenfrohen Werken. Oder, wie der Direktor des Sprengel Museums, Reinhard Spieler, es fachmännisch formulierte: „Diese Ausstellung bringt drei Ikonen der Kunstgeschichte zusammen, die auf ganz unterschiedliche Weise universelle Themen berühren und dabei Brücken schlagen – zwischen Kunst, Popkultur und gesellschaftlicher Reflexion.“ Mich hat die Ausstellung wirklich begeistert, auch wenn ich – siehe oben – nicht mit allen Werken etwas anfangen kann. Und weil Bilder mehr sagen als Worte, lasse ich hier einfach Fotos sprechen.

Highlight war für mich der letzte der insgesamt zwölf Ausstellungsräume: In der großen Ausstellungshalle verdoppelt ein verspiegelter Boden die gezeigten Werke und eröffnet ungewöhnliche Perspektiven. Niki de Saint Phalles „Skull Meditation Room“ in Form eines glitzernden Schädels können die BesucherInnen ebenso betreten wie das „Nana Maison“ und den „Infinity Mirrored Room“ von Yayoi Kusama. In ihm wäre ich gerne länger geblieben, aber die Verweildauer ist hier leider begrenzt. Aber ich komme sicher wieder.

Beeindruckt haben mich auch sechs Taststationen neben einigen Werken von Niki Saint Phalle. Sie ermöglichen nicht nur blinden und sehbehinderten Menschen barrierefreie Zugänge, sondern auch „sehende“ wie ich können die Kunstwerke dadurch auf eine neue Art „begreifen“. Eine wirklich gute Idee.

Blickwinkel im Mai

Das Warten bis zum Ende des Monats hat sich diesmal gelohnt. Nicht nur, weil das Wetter heute – ein Tag vor dem meteorologischen Sommeranfang – besser war als an den meisten anderen Maitagen. Sondern auch, weil der Zugang zum Springhorstsee endlich wieder frei war.

Morgen öffnet nämlich „Frida am See“ – nach langer Umbau- und Coronapause. Am Strand wurde heute eine Bühne für die Eröffnung aufgebaut; wenn der erste Ansturm vorbei ist, werde ich das neue Café mit dem verheißungsvollen Namen sicher auch einmal testen. Es hat nicht zuletzt wegen des Seeblicks Potenzial, mein Lieblingscafé zu werden. Und wenn es dort zu voll ist, kann ich vielleicht auf den Steg ausweichen, der noch durch Flatterbänder abgesperrt ist, oder auf die Bank, die etwas abseits am Seeufer steht.

Die Weide am Pöttcherteich ist – wie erhofft und erwartet – wieder grün geworden; wie gegelte Haare stehen die Zweige in die Luft. Der Zaun, der den kleinen Teich von der Straße und dem angrenzenden Grünstreifen abtrennt, verschwindet inzwischen fast hinterm hohen Gras. Es wird endlich Sommer.

Blickwinkel im April

Auch im April habe ich die Blickwinkelfotos wieder auf den letzten Drücker gemacht, doch diesmal habe ich einen guten Grund – oder soll ich sagen einen guten Vorwand. Ich habe gehofft, dass die Umbauarbeiten am Springhorstsee bis zum Ende des Monats beendet werden. Aber leider ist der Zugang zum Springhorstsee immer noch gesperrt, die neuen Besitzer lassen sich mit der Umgestaltung Zeit. Warum auch nicht. Das neue Café Frida am See darf coronabedingt noch nicht öffnen, und auch das Strandbad bleibt wohl noch ein paar Wochen geschlossen. Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt laden derzeit noch nicht zum Baden ein.

Doch auch der Blick aus der zweiten Reihe zeigt, dass sich nicht nur die Natur verändert: Weißer Sand vor dem Café vermittelt jetzt Strandfeeling. Der Schwan ist umgezogen; mit ihm können die Gäste des Cafés vielleicht schon bald in See stechen. Mit der Ruhe ist es dann wohl zumindest an den Wochenenden vorbei.

Am Pöttcherteich ist dagegen auf den ersten Blick alles, wie es schon im März war: Die beschnittenen Weiden sind immer noch kahl – und wie in jedem Jahr fürchte ich, dass sie in diesem Jahr nicht austreiben. Doch eigentlich weiß ich, dass ich nur Geduld haben muss; Gras wächst bekanntlich nicht schneller, wenn man daran zieht – und Weiden nicht, wenn man ungeduldig darauf wartet. Immerhin lassen die unbeschnittenen Weiden am gegenüberliegenden auch aus der Distanz das erste zarte Grün erahnen: Es wird Frühling.