Blogparade: Welches Buch hat mein Leben verändert?

Ich lese viel und hatte in verschiedenen Phasen meines Lebens verschiedene LieblingsautorInnen – es waren fast immer Frauen, obwohl in meiner Schul- und Studienzeit Autoren meist männlich waren (doch das ist ein anderes Thema). Als Kind habe ich die Bücher von Enid Blyton verschlungen, später, als Erwachsene, standen u. a. die Bücher von Simone de Beauvoir, Max Frisch, Anja Meulenbelt, Marianne Frederiksen, Rebecca Solnit oder Siri Hustvedt ganz oben auf meiner Leseliste. Aber als ich Melanie Hafners Aufruf zur Blogparade „Welches Buch hat dein Leben verändert?“ las, wusste ich sofort, über welches Buch ich schreiben wollte: Über „Das Tagebuch der Anne Frank“*. Denn es hat mein Leben, mein Lesen und mein Schreiben so beeinflusst wie kein anderes. „Wenn ich, wie die Buchmenschen in Ray Bradburys Roman Fahrenheit 451, ein Buch auswendig lernen müsste, um es in meinem Kopf vor der Vernichtung zu retten, wäre es das Tagebuch der Anne Frank“, habe ich vor fünf Jahren in einem Blogbeitrag geschrieben. Daran hat sich nichts geändert.

Das Tagebuch der Anne Frank

Vorstellen muss ich dieses Buch sicher nicht: Das Tagebuch des jüdischen Mädchens, das mit seinen Eltern aus Nazi-Deutschland fliehen musste, sich fast zwei Jahre lang mit seinen Eltern und seiner Schwester in einem Hinterhaus in Amsterdam versteckte, verraten und ermordet wurde, gehört zu den meistgelesenen Büchern. Es wurde in rund 80 Sprachen übersetzt und 2009 von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Ich habe das Taschenbuch vor mehr als einem halben Jahrhundert gekauft und es hat mich seither begleitet. Inzwischen stehen auch mehrere neuere, sicher textkritischere Ausgaben in meinem Bücherregal. Aber das Buch aus dem Jahr 1972 ist mir immer noch das liebste: Wir sind gemeinsam alt geworden, die Blätter sind schon vergilbt, einige lösen sich bereits.  

Mit 16 habe ich das Tagebuch zum ersten Mal gelesen und lese seither immer wieder darin. Anne Frank war erst 15, als sie 1945 im Konzentrationslager Bergen Belsen an Typhus und Entkräftung starb. Aber ihr Buch lebt weiter – und hat sicher nicht nur meine (politische) Einstellung beeinflusst.

Nachdem ich Anne Franks Tagebuch gelesen habe, fing ich selbst an, Tagebuch zu schreiben – und habe nie wieder damit aufgehört. Inzwischen stehen weit über 100 Tagebücher in meinen Regalen. Neben den analogen Tagebüchern gibt es inzwischen auch digitale.

Die Stadt der Tagebücher

Ich schreibe nicht nur Tagebuch, ich lese auch gerne die Tagebücher anderer Menschen. Meine Begeisterung für Tagebücher hat mich 2023 nach Pieve Santo Stefano geführt. Die kleine Stadt am Tiber stand auf meiner To-visit-Liste, seit ich Barbara Bronnens Buch „Die Stadt der Tagebücher“ gelesen habe.

So schön wie andere Orte in der Toskana ist die kleine Stadt am Tiber nicht. Denn Pieve Santo Stefano wurde im Zweiten Weltkrieg von deutschen Soldaten fast völlig zerstört. Doch Anfang der 80er-Jahre hat der italienische Journalist Saverio Tutino dort das nationale Tagebucharchiv (Archivio Diaristico Nazionale) initiiert, in dem inzwischen mehrere tausend Tagebücher und andere zeitgeschichtliche Dokumente aufbewahrt werden.

Für einen Besuch im Tagebucharchiv reichten meine Italienischkenntnisse leider nicht aus. Aber in dem kleinen Tagebuchmuseum, dem piccolo museo del diario, konnte ich mir Auszüge aus den dort gesammelten Tagebüchern ansehen und auf Englisch anhören. Besonders beeindruckt hat mich das Schicksal von Orlando Orlandi Posti. Der 17-Jährige wurde Anfang Februar 1944 in Rom von der SS verhaftet und am 24. März 1944 mit 334 anderen Menschen in den Fosse Ardeatine von deutschen Soldaten ermordet. Die Briefe, die er im Gefängnis an seine Mutter geschrieben hat, wurden als Buch veröffentlicht. Wenn sie endlich ins Deutsche übersetzt werden, werde ich sie mir sicher kaufen.

Auch in Emmendingen in Baden-Württemberg gibt es inzwischen ein Tagebucharchiv. Es „versteht sich als Aufbewahrungsort solcher Zeitzeugnisse aus dem deutschen Sprachraum. Unveröffentlichte Tagebücher, Lebenserinnerungen und Briefe von nicht prominenten  Personen werden hier gesammelt, archiviert, fachgerecht aufbewahrt und sowohl der Wissenschaft als auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht.“ Vielleicht schaffe ich es ja in diesem Jahr endlich, das Archiv und das kleine Tagebuchmuseum zu besuchen.

„Schreiben will ich“

Zurück zu Anne Frank: Sie wäre gerne Schriftstellerin geworden. Während sie sich im Hinterhaus verstecken musste, schrieb sie nicht nur Tagebuch, sondern auch andere Texte und Geschichten. Und sie träumte davon, sie nach dem Krieg zu veröffentlichen. Auszüge aus den Tagebüchern und anderen Werken wurden 2016 in dem Buch „Denn schreiben will ich“ veröffentlicht**.

Auch ich wollte schreiben – ob erst seit ich Anne Franks Tagebuch gelesen hatte oder schon früher, erinnere ich nicht. Schriftstellerin bin ich zwar nicht geworden, aber ich habe als Journalistin vier Jahrzehnte lang mein Geld mit Schreiben verdient. Außerdem habe ich im Laufe meines Arbeitslebens an ein paar Bildbänden mitgearbeitet und drei eigene Bücher veröffentlicht. Seit mehr als zehn Jahren blogge ich – nicht nur, aber auch, um an Menschen wie Anne Frank, Orlando Orlandi Posti oder Ruth Maier*** zu erinnern, die von den Nazis ermordet wurden. Nie wieder ist jetzt.  

*Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung

**Das Buch ist leider vergriffen, kann aber antiquarisch bestellt werden. „Anne Frank: Denn schreiben will ich!: Aus den Tagebüchern und anderen Werken“. Aus dem Niederländischen übersetzt und kommentiert von Simone Schroth. Philipp Reclam jun. Verlag Stuttgart 2016. Die vom Anne Frank Fond in Basel herausgegeben „Anne Frank Gesamtausgabe“ enthält verschiedene Fassungen des Tagebuchs, Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus, Erzählungen, Essays, Briefe, Fotos und Dokumente.  Fischer Klassik, Frankfurt 2013, 28 Euro

***Die Tagebücher und Briefe von Ruth Maier sind im vergangenen Jahr im Mandelbaum Verlag eG neu erschienen. Ruth Maier wurde 1920 in Wien geboren, flüchtete vor den Nazis nach Norwegen, wurde in Oslo verhaftet und 1942 in Auschwitz ermordet. „Es wartet doch so viel auf mich«: Tagebücher und Briefe | Wien 1933–Oslo 1942. Herausgegeben wurden die Tagebücher und Briefe wie die erste Ausgabe auf Norwegisch von Jan Erik Vold. 28 Euro

Die Morgenseiten, mein iPad und ich

Vorweg: Ich schreibe gern und recht viel mit der Hand. Ich führe diverse Notiz-, Skizzenbücher und Journale; ohne mein Tagebuch verlasse ich das Haus eigentlich nie und meist schleppe ich auch noch andere Notizhefte mit mir rum. Nur die Morgenseiten schreibe ich seit Jahren am Computer, obwohl ihre Erfinderin Julia Cameron ausdrücklich davon abrät.

Beim Schreiben der Morgenseiten fallen mir nämlich oft Formulierungen und Ideen für Blogartikel oder andere Schreibprojekte ein. Notiere ich sie (nur) auf Papier, verschwinden sie mitunter auf Nimmerwiedersehen. Denn ich habe bislang noch keine Möglichkeit gefunden, meine in unzähligen Kladden verstreuten handschriftlichen Notizen systematisch zu ordnen und auszuwerten (über Hinweise und Anregungen freue ich mich sehr).

Schreibe ich am Computer, hilft mir die Suchfunktion meines Textverarbeitungsprogramms. Sie durchsucht für mich per Mouseclick diverse Dateien und Ordner nach von mir eingegebenen Stichworten – schnell, gründlich und fast fehlerfrei. So habe ich schon manchen Text, der verschollen schien, wiedergefunden. Außerdem kann ich geschriebene Texte oder Textpassagen bequem kopieren und in andere Dateien übertragen, ohne sie abtippen zu müssen. Denn dazu bin ich, ich gebe es zu, oft zu bequem.

Vom Papier zur Datei

Vor vier Jahren bot das Bamboo Slate Smartpad von Wacom scheinbar einen Ausweg aus dem Dilemma: Mit einem speziellen Stift konnte ich wie gewohnt auf Papier schreiben. Per App wurde der Text dann in eine Doc-Datei oder in ein anderes Dateiformat umgewandelt und auf mein Notebook übertragen – oder umgekehrt. Sehr beruhigend war für mich als Sicherheitsfanatikerin, dass alle Texte auch auf Papier vorlagen. Denn, wie es schon in Goethes Faust steht, kann man „was man schwarz auf weiß besitzt, … getrost nach Hause tragen“.

Obwohl die App meine Schrift erstaunlich gut entziffern konnte, landete das Smartpad schon bald im Schrank. Die Übertragung der Texte via Bluetooth auf den Computer war auf Dauer wohl zu umständlich – vielleicht war ich auch einfach nur zu ungeduldig.

Das gleiche Schicksal wie das Smart- erlitt zunächst das iPad, das ich mir kaufte, weil es Handgeschriebenes automatisch in Maschinenschrift und Dateien umwandeln kann. Die Übertragung der Dateien per USB-Stick oder Mail ist einfacher als beim SmartPad; die Oberfläche ist dank einer speziellen Folie fast papierähnlich und erstaunlich gut zu beschreiben. Doch als eingefleischte Windows-und Word-Userin tat ich mich mit dem ungewohnten Apple-Programm Pages schwer. Und die Bedienung des iPads ist meiner Meinung nach wenig intuitiv.

12-Wochen-Programm

Dass ich das iPad jetzt wieder aus dem Schubladen-Exil hervorgeholt habe, liegt an Julia Cameron und ihrem Buch „Es ist nie zu spät, neu anzufangen“.* Zu den vier „Basistechniken“ des 12-Wochen-Programms, mit dem ich im Juni begonnen habe, gehören neben Spaziergängen, Memoiren und Künstlertreffs die Morgenseiten. Drei Seiten sollen, so Julia Cameron, möglichst bald nach dem Aufwachen mit der Hand geschrieben werden.

Mit gutem Grund: Verschiedene Studien belegen, dass Schreiben mit der Hand mehr Hirnareale aktiviert als Tippen. Außerdem zwingt das langsamere Tempo dazu, sich länger mit einem Gedanken zu beschäftigen. (Mit)Geschriebenes bleibt dadurch besser im Gedächtnis als (Mit)Getipptes. Und so habe ich entschieden, die Morgenseiten zumindest zeitweise wieder mit der Hand zu schreiben.

Ich habe verschiedene Varianten ausprobiert: Ich habe, wie von Julia Cameron empfohlen, auf A4-Papier geschrieben (mag ich gar nicht) und in eine eigens angelegte Kladde (noch ein Heft mehr). Und ich habe dem iPad eine zweite Chance gegeben (eigentlich ist es die dritte, aber das ist ein anderes Thema).

Aller Anfang ist schwer

Unsere Zusammenarbeit klappt inzwischen ganz gut. Daran, dass l es auch nach vier Wochen immer noch Missverständnisse und Verständigungsschwierigkeiten gibt, bin ich sicher nicht ganz schuldlos. Denn meine Schrift ist nicht leicht zu entziffern. Verschiedene Buchstaben – zum Beispiel h, u, m und n – ähneln sich bei mir sehr. Aber ich versuche, deutlicher zu schreiben. Und auch das iPad gibt sich Mühe und versteht mich immer besser. Einige Buchstaben und Worte mag es aber offenbar gar nicht: So wird „denken“ oft zu „deuten“, „jetzt“ zu „fest“ oder „schon“ zu „Solon“. Und ausgerechnet beim Wort „Morgenseiten“ streikt das iPad immer. Mal schreibt es stattdessen „Regenzeiten“, mal „Magenleiden“ oder „Magenseiten“. Meist macht das iPad aus den Morgenseiten aber ein „Morgenessen“.

Bei anderen Worten rätsle ich vergeblich, was ich geschrieben oder gemeint haben könnte. Aber damit habe ich mich inzwischen abgefunden. Denn schließlich geht es bei den Morgenseiten nicht darum, lesenswerte und wohl durchdachte Texte zu produzieren. Ein bisschen Nonsens darf also durchaus sein.

Nicht nur Morgenseiten

Weil ich weitere Vorzüge des iPads entdeckt habe, schreibe ich auf ihm auch andere Texte. Ich kann es nämlich auch im Dunkeln einsetzen, ohne Licht machen zu müssen. So störe ich weder meinen schlafenden Mann, wenn ich nachts schreibe, noch locke ich bei geöffnetem Fenster Scharen von Mücken an. Dass ich nicht mehr mehrere (Notiz-)Bücher mit mir herumtragen muss, erleichtert vielleicht nicht mein Leben, aber zumindest meinen Rucksack. Und weil ich auf dem iPad inzwischen auch E-Books lesen kann, habe ich nicht nur das passende Notizheft, sondern auch die passende Lektüre immer dabei.

Ob mein iPad und ich wirklich gute Freunde werden, wird sich zeigen. Aber es ist ja bekanntlich nie zu spät, neu anzufangen – und neue Dinge auszuprobieren.

*Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung

Zum Nachlesen: Julia Cameron: Es ist nie zu spät, neu anzufangen. Der Weg des Künstlers ab 60. Droemer Knaur, München 2017

12 von 12: Mein 12. April 2026 in 12 Bildern

Ich hatte schon lange vor, beim Blogprojekt „12 von 12″ mitzumachen. Doch irgendwie habe ich es immer wieder verpasst, schon morgens zu fotografieren, um meinen Tag mit Bildern und kurzen Texten zu dokumentieren. Romy Pfyls Blogbeitrag vom 12. März hat mich motiviert, das Blogformat endlich einmal auszuprobieren. Gestartet wurde das Projekt von Chad Darnell, Caro von „Draußen nur Kännchen“ führt es fort.

Mein Morgen – ob Sonn- oder Werktag – beginnt in den Sommermonaten, wenn es morgens früher hell wird, meist auf der „Empore“, wie wir den kleinen Platz neben der Treppe großspurig nennen. Oft mit einem heißen Zitronensaft in einer meiner Lieblingstassen,

ein paar Yogaübungen

und dem Schreiben der Morgenseiten. Anders als von Julia Cameron empfohlen, schreibe ich die in der Regel nicht mit der Hand, sondern am Computer. Unverzichtbares Utensil beim Schreiben im Bett, auf der Matratze oder auf der Couch ist das Laptopkissen, auf dem mein Notebook sicherer steht als auf meinen Knien

Ich bin, ich gebe es zu, kaffeesüchtig. Spätestens nach den Morgenseiten ist es Zeit für die erste Tasse Kaffee, möglichst mit aufgeschäumter Milch.

Meist arbeite ich am Notebook, der kleine Monitor genügt mir in der Regel. Nur wenn ich wie heute morgen eine Zeitschrift korrigieren muss, schließe ich den Laptop an meinen großen Monitor an. Das ist bequemer, weil ich dann die ganze Seite sehen kann, ohne von oben nach unten und umgekehrt scrollen zu müssen.

Gestern habe ich (Trauben)Hyazinthen, Schopflavendel und Maiglöckchen ein- und umgetopft, um unsere Terrasse zu verschönern. Zum Glück haben sie die Nacht gut überstanden. Für die meisten unserer Zimmerpflanzen beginnt die Sommerfrische draußen allerding erst im Mai, wenn die Eisheiligen vorbeigezogen sind. Nur die Zitruspflanzen haben wir schon vor einigen Wochen aus dem Wintergarten ins Freie verbannt, weil sie, wie immer im Frühling, total verlaust waren. Pflanzen haben überlebt, die Läuse nicht.

Unsere beiden Frösche haben sogar den Winter in unseren beiden Miniteichen überlebt. Auf meinen Morgenbesuch legen sie aber offenbar keinen Wert. Sie haben sich am Rand der beiden Teiche gesonnt, sind aber sofort ins Wasser gesprungen, als sie mich kommen hörten. Erst im Lauf des Sommers werden sie wieder zutraulicher.

Gegen Mittag musste ich nach Hannover: Zunächst zum Treffen der Beirätinnen des AutorInnenzentrums, dann zum Frauenschreibtreff. Der fand wegen Ostern ausnahmsweise am zweiten, nicht am ersten Sonntag des Monats statt.

An Werktagen hält der Bus zum Bahnhof direkt vor unserer Haustür; an Sonn- und Feiertagen fahren die Busse nicht. Also bin ich aufs Rad umgestiegen. Die Bike und Ride Station ist immer noch nicht ganz fertig. Die Region braucht für den Bau fast länger als die Franzosen für den Wiederaufbau der Kathedrale Sacre coeur in Paris.

In Hannover war heute Marathon. Wenn ich LäuferInnen sehe, werde ich immer noch ganz wehmütig. Ich würde gerne wieder laufen, aber meine Knie machen nicht mehr mit. Das ist schade, aber nicht zu ändern. „Das Leben ist, wie es ist. Ich muss nur meine Einstellung ändern und jeden Tag genießen“, schrieb mir meine Freundin Sabine im vergangenen Jahr nach einer für sie niederschmetternden Diagnose. Jetzt ist sie tot. Ich habe wirklich keinen Grund zu jammern.

Vor den Treffen im AutorInnenzentrum kurze Teepause an der Ihme. Ich sitze in der Sonne und genieße den Blick aufs Wasser. Zum Schreiben habe ich leider keine Zeit, vor dem nächsten Frauenschreibtreff im Mai wieder.

Vor zwei Jahren hat das AutorInnenzentrum die Räume in der Deisterstraße angemietet. Der Frauenschreibtreff war einer der ersten regelmäßigen Treffs zum Schreiben und Netzwerken. Am Anfang waren wir gerade mal eine Handvoll Frauen, inzwischen habe ich mehr als 50 Frauen in meinem Verteiler – und es werden immer mehr. Das ist ein gutes Gefühl.

Mein Tag beginnt meist mit Schreiben – und endet mit Lesen. Zu welchem Buch ich greife, entscheide ich spontan. Oft lese ich zuletzt das Gedicht des Tages in meinem lyrischen Kalender. Heute, am 12. April,  „Vergnügungen“ von Bert Brecht. Die meisten Vergnügungen, die er aufzählt, gefallen auch mir.

„Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch

Schreiben, Pflanzen

Reisen

Freundlich sein.

Das ganze Gedicht ist abgedruckt in „Mit Gedichten durchs Jahr. Ein lyrischer Kalender mit 365 Gedichten“. Im Internet ist es nachzulesen unter https://www.planetlyrik.de/lyrikkalender/bertolt-brechts-gedicht-vergnuegungen/

Comic-Ausstellung: Klein, aber fein

Manchmal kommt es bekanntlich anders … Eigentlich bin ich ins Wilhelm Busch Museum für Karikatur & Zeichenkunst gegangen, um mir die Ausstellungen von Anke Feuchtenberger und Ulli Lust anzusehen, laut Website des Museums zwei der international bedeutendsten Comiczeichnerinnen der Gegenwart.

Doch dann bin ich zuerst in einer Ausstellung in den Gästezimmern im zweiten Obergeschoss gelandet. Von der Comic-Zeichnerin, Cartoonistin und Autorin Katharina Greve hatte ich bis dahin noch nichts gehört und gelesen. Aber schon der Titel der kleinen Ausstellung hat mir sehr gut gefallen: „Regeln sind zum Brechen da“. Zu sehen sind Zeichnungen aus Katharina Greves Büchern* von der dicken Prinzessin Petronia und aus ihren „Geschichten von Mutter und Tochter“.

Das Mutter-Tochter-Duo ist „die weibliche Antwort auf den Comic-Klassiker Vater und Sohn von e.o.plauen“. Gemeinsam bewältigen die beiden die Herausforderungen des modernen Alltags alleinerziehender Müttern – ganz ohne Worte, aber mit Kreativität, Witz und einer Prise Anarchie.

Dicke Prinzessin contra kleiner Prinz

Auch die Ähnlichkeit der dicken Prinzessin Petronia mit einer bekannten literarischen Figur ist nicht zufällig, sondern gewollt. Denn Petronia ist die (noch) unbekannte Cousine des weltbekannten kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry. Sie lebt, von ihren eigenen Eltern „outgesourced“, auf einem eigenen Planeten, dem „mickrigsten  und langweiligsten Klumpen im Universum“. Ihr einziger Mittbewohner ist der Multifunktionswurm Mirco, mit dem sie per Wurmloch durch den Kosmos reist und verschiedene Abenteuer erlebt.

Dem gängigen Schönheits- und Prinzessinnenklischee entspricht Prinzessin Petronia sicher nicht. Sie ist dick, hasst Bälle und Rüschenkleider, liebt Naturwissenschaften. Als herrschsüchtig, vorlaut, kaltherzig und altklug gilt sie aber wohl vor allem, weil sie ein Mädchen ist. „Wenn ich ein Junge wäre, würde das Universum denken, ich wäre … durchsetzungsstark, rational, … selbstbewusst, … gebildet“, erkennt die kluge Prinzessin, die gängige Rollenbilder infrage stellt. Und während der kleine Prinz in dem gleichnamigen Klassiker poetische Lebensweisheiten verkündet, fragt Petronia beispielsweise nach den Nährwerten von Schmetterlingen im Bauch oder ob Gulliver eine Reiserücktrittsversicherung hatte.

Ausstellungen und Bücher

Mir hat die Prinzessin so gut gefallen, dass ich mir das Buch gleich gekauft habe (gibt es ebenso wie den zweiten Petronia-Band und die Mutter-Tochter-Geschichten im Museumsshop). Und weil ich für die Dead-Author-Challenge ohnehin auf der Suche nach Büchern von AutorInnen, die bereits gestorben sind, habe ich Antoine de Saint-Exupérys kleinen Prinzen aus dem Regal geholt und wieder gelesen. Das Buch hat seine zweite Chance zwar genutzt, aber ich mag die kluge Cousine des kleinen Prinzen eindeutig lieber.

Die Ausstellungen „Ich sehe was, was du nicht siehst“ von Ulli Lust und Anke Feuchtenberger habe ich mir auch noch angesehen. Doch auch sie bekommen demnächst noch eine zweite Chance. Beide Ausstellungen werden noch bis zum 14. Juni gezeigt, „Regeln sind zum Brechen da“ noch bis zum 2. August.

*Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung

Katharina Greve: Prinzessin Petronia – Das Brimborium schlägt zurück. avant-verlag, Berlin 2024

Katharina Greve: Die dicke Prinzessin Petronia. avant-verlag, Berlin 2024

Katharina Greve: Meine Geschichten von Mutter und Tochter. avant-verlag, Berlin 2025

Dead Authors Challenge

Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal an einer Challenge teilgenommen – und es hat erstaunlich gut funktioniert. Ziel war es, jeden Tag einen Text zu schreiben, ganz egal welchen. Ohne Druck, ohne festen Plan. Bei mir wurde dadurch Schreiben wieder zur täglichen Gewohnheit.

Von der „Dead Authors Challenge“, die Martin von Martins Buchgelaber ins Leben gerufen hat, habe ich zum ersten Mal in Kristinas Blog gelesen. Die Idee, die Werke von AutorInnen zu lesen, die vor 2026 gestorben sind, hat mir gefallen. Die lese ich nämlich eher selten; auf meinen Leselisten der vergangenen Jahre stehen meist aktuelle Bücher lebender Autoren

Zwar werde ich nicht an der Challenge teilnehmen. Denn eine wesentliche Bedingung für die Teilnahme ist es, Blogbeiträge über die ausgewählten und gelesenen Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen. Das werde ich – wenn überhaupt – nur bei einigen Büchern tun.

Aber ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr (mindestens) zwölf Bücher verstorbener AutorInnen zu lesen – jeden Monat eins.

Meine Dead-Authors-Leseliste

  1. Max Frisch: Biografie, ein Spiel
  2. Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz
  3. Marie Luise Kaschnitz: Tage, Tage, Jahre
  4. Alba de Cespedes: Was vor uns liegt
  5. Mascha Kaléko: Wir haben keine andere Zeit als diese
  6. Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus
  7. Tiziano Terzano: Das Ende ist mein Anfang
  8. Christa Wolf: Sommerstück
  9. Sarah Kirsch: Allerlei-Rau
  10. László Krasznahorkai: Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluß
  11. Rainer Maria Rilke: Du mußt dein Leben ändern
  12. Robert Gernhardt: Toscana Mia

Die Auswahl ist mehr oder weniger zufällig: Max Frischs „Biografie ein Spiel“ war früher eines meiner Lieblingsstücke, mit dem kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry habe ich dagegen immer ein wenig gefremdelt. Rainer Maria Rilkes „Du musst dein Leben ändern“ habe ich, das zeigen Unterstreichungen und Anmerkungen im Text, irgendwann einmal gelesen, aber ich erinnere mich nicht daran.

Einige der Bücher auf meiner Liste habe ich, ich gebe es zu, noch gar nicht oder zumindestnicht ganz gelesen, obwohl sie schon lange in meinem Bücherschrank stehen, Marie Luise Kaschnitz‘ Aufzeichnungen „Tage, Tage, Jahre“ beispielsweise oder „Das Ende ist mein Anfang“ von Tiziano Terzano. Die Challenge hilft mir also, meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) abzubauen.

Die Bücher von Alba de Cespedes, Mascha Kaléko und Hannah Arendt habe ich erst vor Kurzem gekauft oder geschenkt bekommen. Und Sarah Kirschs „Allerlei-Rau“ und Christa Wolfs „Sommerstück“ habe ich mir ausgeliehen, weil ich mich für die Künstlerkolonien und Schriftstellerheime in der DDR interessiere. Wirklich schade, dass Rückzugs- und Arbeitsorte wie Schloss Wiepersdorf oder die Künstlerkolonie Drispeth, in denen DDR-AutorInnen sich erholen, in Ruhe arbeiten und austauschen konnten, nach der Wiedervereinigung verschwunden sind.

PS: Zwei Titel von der Liste habe ich in seit Anfang des Jahres schon gelesen. Max Frischs Biografie hat mich auch beim Wiederlesen fasziniert. Und „Der kleine Prinz“ hat die zweite Chance genutzt, die er von mir bekommen hat.

Meine To-Want-Liste für das erste Quartal 2026

Ja, ich bin spät dran. Wenn meine To-want-Liste für das erste Quartal 2026 erscheint, ist mehr als ein Sechstel des Quartals bereits vorbei. Doch das hat auch sein Gutes. Studien zufolge werden die meisten Neujahrsvorsätze schon im Januar wieder über Bord geworfen, viele bereits bis zum sogenannten „Quitters Day“, dem „Tag der Aufgebenden“ am zweiten Freitag im Januar. Vielleicht ist meine jetzt verfasste Liste realistischer, weil die erste Euphorie um die guten Vorsätze längst verflogen ist. Dafür, dass ich schon jetzt bei einigen Punkten hinterherhinke, gibt es einen guten Grund. Mich plagt seit Anfang Dezember eine Dauererkältung, bei Wanderungen, Fitnessübungen und anderen sportlichen Aktivitäten ist also derzeit Zurückhaltung angesagt. Doch Besserung ist in Sicht.

Schreiben

  1. Ich schreibe 15 Blogbeiträge
  2. Ich beginne das Projekt Herrenhäuser Gärten: Einmal im Monat schreibe und poste einen Blogbeitrag aus den bzw. über die Herrenhäuser Gärten. Ich möchte immer die gleichen Stellen fotografieren, um zu zeigen, wie sich der Berggarten im Lauf des Jahres verändert
  3. Und noch ein neues Projekt: mein Nature Journal, eine Mischung aus Notizen und Skizzen. Ich möchte heimische Tiere und Pflanzen besser kennen lernen
  4. Ich nehme am Schreibfebruar der Textmanufaktur teil und
  5. arbeite intensiv an meinem Roman. Fernziel: Ich möchte die erste Fassung im zweiten Quartal beenden.
  6. Schreiben dicht am Leben, alltägliches (täglich) notieren, am besten mit der Hand

Lesen

  1. In den vergangenen Jahren habe ich jeweils 60 Bücher gelesen; in diesem Jahr sollen es ein paar mehr sein. Da aber der Januar ja schon halb vorbei ist und der Februar kurz, möchte ich im ersten Quartal 15 Bücher lesen.
  2. Inspiriert von der Death Authors Challenge von Martins Buchgelaber sollen darunter mindestens drei Bücher bereits verstorbener AutorInnen sein.
  3. Jeden Tag ein Gedicht: Am lyrischen Kalender aus dem Diogenes Verlag gefällt mir die bunte Mischung.

Sport/Gesundheit/Entspannung

  1. Ich gehe im Schnitt täglich 10.000 Schritte. Das habe ich vor meinem Unfall im Mai 2025 geschafft, das will ich auch in diesem Jahr wieder erreichen.
  2. Ich etabliere wieder meine tägliche Gymnastik/Fitness-/Yoga-Routine. Ziel: mindestens eine Übungseinheit pro Tag
  3. Ich gönne mir einmal im Monat einen Saunabesuch und
  4. in diesem Quartal endlich wieder eine Fußreflexzonenmassage.
  5. Drei Spaziergänge von mindestens einer halben Stunde in der Woche – möglichst ohne Smartphone, dafür mit Notizbuch.

Reisen/Wandern

  1. Die Märzbecherblüte an Schweineberg bei Hameln steht schon lange auf meiner Wunschliste. Dieses Jahr soll es endlich so weit sein.
  2. Das ist eine gute Gelegenheit, den Deister besser kennenzulernen, der quasi direkt vor meiner Haustür liegt.
  3. Ich besuche zwei Städte, die ich noch nicht kenne, Hameln könnte eine sein.
  4. Ich fahre zur Buchmesse nach Leipzig. Auch dabei könnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn bislang kenne ich in Leipzig nur das Messegelände
  5. Mein Ziel: eine Wanderung im Monat. Es muss nicht immer der Harz sein

    Sonstige Aktivitäten

    1. Ich besuche mindestens eine Ausstellung im Monat. Meine Museumscard läuft aus, Ende des Monats muss ich mir bald eine neue besorgen.
    2. Ich besuche endlich das Sealife in Hannover.
    3. Ich gehe zweimal ins Kino.

    Gelesene Bücher 2025

    Auch in diesem Januar wieder, wie in den drei zurückliegenden Jahren, eine Liste der Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Wie in den vergangenen Jahren waren es 60 – etwa drei Viertel der Bücher wurden von Frauen geschrieben.

    Vollständig ist die Liste wahrscheinlich nicht. Als ich sie nämlich durchgesehen habe, um diesen Beitrag zu schreiben, fehlte ausgerechnet das Buch, das mich am meisten berührt hat: die Tagebücher von Ruth Maier, die in Deutschland unter dem Titel „Das Leben könnte gut sein“* veröffentlicht wurden . Ich habe das Buch bei meinem Besuch im Zentrum für Holocaust- und Minderheitenstudien in Oslo entdeckt und es mir sofort nach meiner Rückkehr aus Norwegen gekauft – antiquarisch, weil es im Buchhandel leider vergriffen ist.

    Ruth Maier, im November 1920 in Wien geboren, führte fast zehn Jahre lang – von 1933 bis 1942 – Tagebuch. Nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten floh sie 1939 allein nach Norwegen. Doch als die deutsche Wehrmacht im Sommer 1940 Norwegen besetzte, war sie auch dort nicht mehr sicher. Im November 1942 wurde Ruth Maier kurz nach ihrem 22. Geburtstag in Oslo verhaftet, mit 531 jüdischen Frauen, Männern und Kindern nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nur neun der Deportierten  überlebten das Vernichtungslager.

    Auch Margot Friedländers Bruder und ihre Mutter wurden nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Die damals 21-Jährige tauchte unter, lebte über ein Jahr im Untergrund und entkam mehrmals nur knapp der Gestapo. 1944 wurde sie verhaftet und nach Theresienstadt deportiert wurde. Margot Friedländer überlebte als einzige ihrer Familie den Holocaust und emigrierte mit ihrem Mann in die USA. 2010 kehrte sie nach Berlin zurück, engagierte sich als Zeitzeugin gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus, bis sie im vergangenen Jahr starb. Mit der Schriftstellerin Malin Schwerdtfeger hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben. Ihren Titel verdanken die Erinnerungen einer Botschaft, die Margot Friedländers Mutter ihrer Tochter hinterließ, bevor sie deportiert wurde: „Versuche, dein Leben zu machen“.

    Margot Friedländer kannte ich natürlich, aber ich hatte noch kein Buch von ihr gelesen – ebenso wie von 22 weiteren AutorInnen auf meiner Liste. Bei einigen wird das erste Buch wohl auch das letzte auf meiner Leseliste sein. Von anderen habe ich gleich mehrere Bücher gelesen. Eine echte Entdeckung ist für mich die Norwegerin Vigdis Hjorth. Und das zweite Buch ihrer Landsfrau Kristin Valla hat mich animiert, das erste noch einmal zu lesen. Gut gefallen hat mir auch der erste Roman von Elisabeth Drimalla, die ich vom gemeinsamen Schreiben kenne. Jetzt bin ich gespannt auf ihren zweiten.

    Lesepläne für 2026

    Im neuen Jahr möchte ich nicht nur (mindestens) ebenso viele Bücher lesen wie in den vergangenen, sondern täglich auch ein Gedicht. Damit mir das gelingt, liegt jetzt das Buch „Mit Gedichten durchs Jahr“ neben meinem Bett. Der lyrische Kalender enthält 365 Gedichte – für jeden Tag des Jahres eins. Jeden Montag verhilft mir der Blogbeitrag von Christiane zu einem poetischen Start in die Woche – oft passend zur Jahreszeit oder zu aktuellen Anlässen. Und freitag flattert mir ebenfalls per Mail mit dem Lyrik Newsletter des Suhrkamp Verlags das Gedicht der Woche ins Haus.

    An der „Dead Authors Challenge“, von der ich durch den Blog Kristinas Lebenswelt erfahren habe, werde ich wohl nicht teilnehmen. Denn ich schaffe es wahrscheinlich nicht, in diesem Jahr über die Bücher von (mindestens) zwölf verstorbenen AutorInnen zu bloggen. Aber die Idee gefällt mir: Spontan sind mir aus meinem Stapel ungelesener Bücher (SUB) Werke von Hannah Arendt, Margot Friedländer, Max Frisch, Mascha Kaléko, Marie Luise Kaschnitz und Christa Wolf eingefallen, die ich endlich (wieder) lesen s/wollte. Drei auf meinem E-Book-Reader, drei ganz klassisch als Bücher.

    Eine besondere Leseherausforderung ist – nicht nur wegen der Länge von 1168 Seiten – sicher Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus“. Das Buch erschien erstmals 1951 auf Englisch, auf Deutsch dann 1955. Aber die Frage, wie eine Gesellschaft ins Totalitäre abdriftet, ist leider derzeit so aktuell wie lange nicht mehr.

    Unbedingt lesen möchte ich auch den 1938 in Italien erschienen Debütroman von Alba de Céspedes, der erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde. „Was vor uns liegt“ wurde damals von den faschistischen Behörden unter Mussolini verboten.

    Ich bin gespannt, ob sich diese Bücher im nächsten Januar auf meiner Leseliste wiederfinden.

    Liste der 2025 gelesenen Bücher

    wie immer ungeordnet und wahrscheinlich unvollständig

    1. Elisabeth Drimalla: Einsamkeit ist kein Symptom
    2. Sigrid Nunez: Was fehlt dir
    3. Henning Scherf: Altersreise
    4. Joachim Meyerhöfer: Hamster im hinteren Stromgebiet
    5. Joachim Meyerhöfer: Man kann auch in die Höhe fallen
    6. Joan Didion: Was ich meine
    7. Leila Slimani: Der Duft der Blumen bei Nacht
    8. Paul Auster: Winterjournal
    9. Caroline Peters: Ein anderes Leben
    10. Mely Kyriak: Frausein
    11. Annegret Langenhorst: Was bleibt vom Tag. Frauentagebücher erzählen
    12. Margot Friedländer, Malin Schwerdtfeger: Versuche dein Leben zu machen
    13. Claire Keegan: Reichlich spät
    14. Daniel Glattauer: In einem Zug
    15. Chloe Benjamin: Die Unsterblichen
    16. Kristin Valla: Ein Raum zum Schreiben
    17. Lucy Fricke: Das Fest
    18. Vigdis Hjorth: Die Wahrheiten meiner Mutter
    19. Kristin Valla: Das Haus über dem Fjord
    20. Peter Handke: Ein Jahr aus der Nacht gesprochen
    21. Hans Josef Ortheil; Rom, Villa Massimo
    22. Hans Josef Ortheil: Die weißen Inseln der Zeit
    23. Vigdis Hjorth: Ein falsches Wort
    24. Kristine Bilkau: Halbinsel
    25. Dora Heldt: Starker Wind bei …
    26. Yvonne Kraus Erfolgs Mindset für Autorinnen
    27. Daniela Krien: Mein drittes Leben
    28. Ruth Maier: Das Leben könnte gut sein. Tagebücher
    29. Rachel Carson: Magie des Staunens
    30. Eva Lohmann: Wie du mich ansiehst
    31. Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller
    32. Isabel Bogdan: Wohnverwandtschaften
    33. Tim Conrads: Leichtes Gepäck. Ein Roman vom Jakobsweg
    34. Amelie Nothomb: Buch der Schwestern
    35. Ursula Ott : Gezwisterliebe
    36. Laura Pfaffenbach u.a.: Frauen unterwegs, 10 bewegende Geschichten über Mut, Abenteuer und Glück des Wanderns.
    37. Erling Kagge: Gehen – weiter – gehen. Eine Anleitung
    38. Kristin Steinsdottir: Eigene Wege
    39. Monika Peetz: Flaschenpost aus der Vergangenheit
    40. Vigdis Hjorth: Wiederholung
    41. Tägliche Routinen für Autoren: Erstaunliche Routinen, um ein Schreibritual zu etablieren
    42. Sigrid Nunez: Eine Feder auf der Akte Gottes
    43. Sarah Lorenz: Mit dir möchte ich im Himmel Kaffee trinken
    44. Alois Prinz; Hannah Arendt
    45. Mina Bäuerlein; Die Rückwärtspilgerin
    46. Doris Dörrie: Wohnen
    47. Annie Ernaux: Die Besessenheit
    48. Anne Enright: Vogelkind
    49. Renate Ahrens: Alles was folgte
    50. Stephan Schäfer: 25 Sommer
    51. Ruth Shaw: Drei Buchläden am Ende der Welt
    52. Melanie Pignitter: Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pizza und Aperol: Ein Roadtrip zu Selbstliebe und Heilung.
    53. Stephan Schäfer: Gerade jetzt ist alles gut
    54. Elena Ferrante: Tage des Verlassenwerdens
    55. Bettina Flittner: Meine Mutter
    56. Virginia Evans: Die Briefeschreiberin
    57. Clara Loesl: Wehe du gibst auf
    58. Helga Schubert: Der heutige Tag
    59. Marjaleena Lembcke: Wir bleiben nicht lange
    60. Flachmann, Susanne: Solo VanLife: Mut zum Alleinreisen mit dem Wohnmobil

    Welche Bücher haben Sie im vergangenen Jahr gelesen?

    Und welche haben Ihnen besonders gut gefallen? Ich freue mich über Leselisten und Buchtipps, von lebenden und toten AutorInnen, gerne auch als Kommentar.

    *Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung

    To want statt to do

    Eigentlich wollte ich bei Judith Peters Blogtoberfest mitmachen. Die Aussicht mehr Bewegung in mein Leben zu bringen und „das 4. Quartal zu deinem besten in 2025 zu machen“ und mehr LeserInnen zu gewinnen, klang einfach zu verlockend. Aber dann hatte ich keine Lust, in einer weiteren To-do-Liste all meine Ziele bis zum 31. Dezember aufzulisten. Denn mit meinen Plänen ist es ja so eine Sache .

    Doch als ich über einen Blogbeitrag von Astrid Engel auf einen älteren Blogbeitrag von Judith gestoßen bin, habe ich es mir nochmal anders überlegt. In ihrem Blogbeitrag beschreibt Judith Peters, wie sie mit regelmäßigen Quartals-Listen Berge versetzt .

    Nun, Berge versetzen will ich nicht. Ich finde, wir Menschen pfuschen der Natur oft genug ins Handwerk und meist kommt nix Gutes dabei raus. 12-Wochen-Listen kenne ich und schreibe sie auch gelegentlich. Denn es stimmt, dass ich kurzfristige Ziele nicht so schnell aus den Augen verliere wie solche, die in ferner Zukunft liegen. Dann wird aus aufgeschoben doch allzu oft aufgehoben. Aber Judiths Abwandlung des Konzepts „12-Wochen-Jahr“ hat mir gefallen: Sie notiert nicht Dinge, die sie tun muss, sondern Projekte und Ereignisse, auf die sie sich freut, die sie sie erledigen möchte. Schreibt eben keine To-do-, sondern eine To-want-Liste.

    Der langen Rede kurzer Sinn. Ich habe mich also noch in der Nacht hingesetzt und habe angefangen, Pläne und Vorhaben zu notieren, die ich nicht umsetzen muss, sondern möchte:

    Schreiben

    1. Jeden Tag schreiben. Dank der August-Challenge von Astrid Engel klappt das seit Anfang August ganz gut klappt https://timetoflyblog.com/schreib-challenge-im-august-ich-bin-dabei.
    2. Dabei helfen mir vor allem die Online-Schreibtreffen, die die Textmanufaktur und Denise Fritsch anbieten . An ihnen möchte ich auch bis zum Ende des Jahres regelmäßig teilnehmen.
    3. Aber ich möchte endlich auch eine Schreibroutine etablieren, die mir hilft, mich an den Schreibtisch oder an den Computer zu setzen, wenn ich keine Schreibverabredung habe und nicht sehr motiviert bin.
    4. Den Nanowrimo gibt es nicht mehr – 50.000 Worte in 30 Tagen zu schreiben ist für mich ohnehin illusorisch. Aber ich möchte im November intensiver an der Geschichte arbeiten, die ich vor Jahren begonnen habe: Sie soll nicht unvollendet bleiben.
    5. Außerdem möchte ich bis zum Jahresende mehr bloggen: Ich habe ich in diesem Jahr bislang 40 Blogbeiträge geschrieben und veröffentlicht. Bis zum Jahresende sollen es 60 sein. Ich möchte also in den nächsten Wochen 20 Blogbeiträge schreiben, das sind fast zwei also wöchentlich. Dies ist Blogbeitrag Nr. 41.
    6. Auch Nature Writing möchte ich ausprobieren. Dabei können mir Wanderungen, Spaziergänge und Künstlertreffs in der Natur helfen.
    7. Und dann ist ja auch noch das Projekt 27. September, das Maxim Gorki ins Leben gerufen und Christa Wolf fortgeführt hat. Ich habe Ende Septermber einen Blogbeitrag darüber geschrieben und einige Schreibfreundinnen motiviert aufzuschreiben, was sie an diesem Tag erlebt, getan und gedacht haben. Irgendwann wollen wir uns treffen, uns unsere Texte vorlesen und uns austauschen.
    8. Ich notiere vieles ganz klassisch per Hand – in verschiedenen Büchern. Das hat den Nachteil, dass ich oft mehrere Bücher – Tagebuch, Notizbuch, Bulletjournal, Arbeitstagebuch – mit mir rumschleppe. Außerdem geht mancher gute Gedanke verloren, weil ich deine Notiz oder einen Text nicht wiederfinde. Ich möchte daher ein Notizsystem finden, das mir hilft, den Überblick zu bekommen oder zu bewahren (über Hinweise und Tipps freue ich mich sehr).

    Reisen

    1. Früher bin ich oft zur Buchmesse gefahren: zuerst zur Frankfurter, dann auch zur Leipziger. Doch seit Corona hat es nicht mehr geklappt: In diesem Jahr habe ich mir wieder ein Ticket besorgt. Inzwischen bin ich schon wieder zurück und kann diesen Punkt auf meiner To-want-Liste schon abhaken. 
    2. Im November fahre ich zu meiner Freundin in die Pfalz, um mit ihr Geburtstag zu feiern und bei der Gelegenheit auch den Museums-Pass Musées einweihen, den sie mir geschenkt hat. Mit ihm kann ich ein Jahr lang mehr als 350 (!) Museen, Schlösser und Gärten in Deutschland, Frankreich und der Schweiz besuchen. Weitere Besuche sind also vorprogrammiert.
    3. Ich plane Städtetrips in zwei Städte, die ich noch nicht kenne: nach Jena zum Beispiel, das gar nicht so weit entfernt liegt.
    4. Vielleicht kann ich die eine oder andere Städtereise mit einem Abstecher auf einen Weihnachtsmarkt verbinden. Ich bin ein Weihnachtsmarktfan und möchte in diesem Advent zwei neue kennenlernen
    5. Die meisten meiner Freundinnen wohnen leider nicht in Burgwedel – und ich sehe sie auch deshalb viel zu selten. Bis Jahresende möchte ich drei von ihnen treffen. Zwei habe ich schon wiedergesehen: eine befreundete Verlegerin auf der Buchmesse und auf dem Rückweg die Freundin in der Pfalz.

    Kulturelle und andere Aktivitäten

    1. Ich lese recht viel, aber nur selten Gedichte. Bis zum Jahresende möchte ich jeden Tag eines lesen. Das Buch „Mit Gedichten durchs Jahr. Ein lyrischer Kalender mit 365 Gedichten“ liegt jetzt neben meinem Bett. Heute Morgen habe ich nach dem Aufstehen Muriel Sparks „Eingetrübt“ gelesen (eine Brille brauche ich dazu zum Glück nicht).
    2. Zwei Konzerte stehen bis Jahresende auf meiner Wunschliste. Für eines – Filmmusiken von Hans Zimmer – haben wir schon Karten, das zweite soll ein Weihnachtskonzert sein, zum Beispiel ein Konzert des Mädchenchors Hannover.
    3. Die Idee ist von Julia Cameron*: Einmal in der Woche soll frau einen „Künstlertreff“ einplanen, also allein etwas unternehmen, was sie interessiert oder fasziniert. Eine gute Idee, die einen Platz auf meiner To-want-Liste verdient.
    4. Die hannoverschen Museen und die Herrenhäuser Gärten besuche ich dank Museums- bzw. Jahreskarte regelmäßig. Im Sealife war ich dagegen noch nie. Das möchte ich ändern.

    Sport und Gesundheit

    1. Eigentlich bewege ich mich gerne und viel. Bis zum 13. Mai bin  ich täglich durchschnittlich mehr als 10.000 Schritte gegangen. Aber nach meinem Unfall durfte ich ein paar Wochen das gebrochene Sprunggelenk gar nicht belasten, danach musste ich erst wieder gehen lernen (ein Ziel für das dritte Quartal, das ich erreicht habe). Jetzt setze ich mir ein neues Ziel: 8.000 Schritte am Tag.
    2. Drei Spaziergänge in der Woche – auch das ist eine Anregung von Julia Cameron. Allein und ohne Smartphone, nur mit meinem Notizbuch möchte ich spazieren gehen. Nicht nur der Gesundheit wegen, sondern um Klarheit zu finden und meine Beobachtung zu schulen.
    3. Längere Strecken zu gehen, muss ich erst wieder üben. Eine erste (kurze) Wanderung habe ich Anfang des Monats schon geschafft https://timetoflyblog.com/update-es-geht-weiter, (mindestens) zwei weitere sollen folgen.
    4. Yoga hatte bis zu meinem Unfall einen festen Platz im Tagesablauf, nämlich früh morgens, während ich – noch vor den Morgenseiten – die erste Tasse aufbrühte. Weil ich morgens direkt keinen Kaffee mehr trinke, muss ich einen neuen Platz für meine Übungen finden.
    5. Ich bin ein Saunafan, aber mein letzter Saunabesuch liegt schon Monate zurück. Bis zum Jahresende möchte ich mir zwei Thermenbesuche gönnen.

    Last, but not Least

     „Was kann ich der Welt zurückgeben?“ lautete eine der Fragen, die Judith Peters in der Vorlage für den Blogtober stellte. Das klingt mir zugegebenerweise zu pathetisch. Ob ich der Welt etwas zurückgeben kann, weiß ich nicht. Ich möchte mich auf jeden Fall mehr im AutorInnenzentrum Hannover engagieren. Katia, die für den Vorstand des Vereins kandidiert, hat eine Liste mit Aufgaben herumgeschickt, die erledigt werden müssen. Ich werde anbieten, die eine oder andere zu übernehmen.

    *Julia Cameron, Emma Lively: Es ist nie zu spät, neu anzufangen. DEr Weg des Künstlers ab 60. Droemer Knauer München 2016

    Der 27. September oder „Jedertag“

    Jedes Jahr Ende September kommt mir ein Schreibprojekt in den Sinn, das Maxim Gorki vor 90 Jahren initiiert hat. Er rief im Jahr 1935 seine SchriftstellerkollegInnen in aller Welt auf, einen ganz gewöhnlichen Tag in ihrem Leben möglichst genau zu beschreiben und auf diese Weise einen „Jedertag“ zu porträtieren.

    Remember: 27. September

    Das Leben der meisten Menschen besteht aus eher banalen „Alltagen“, in der Literatur kommen ereignislose Tage dagegen kaum vor. „Die Literatur liebt es, das Leben zu dramatisieren. Sie strafft und konzentriert die Ereignisse, sie inszeniert sie, sie spitzt sie zu, sie verdichtet sie im doppelten Sinne des Wortes. In der Literatur ist das Leben überlebensgroß. Noch aus der Ereignislosigkeit möchte sie ein Ereignis machen – doch zum Wesen des Jedertags gehört, kein Ereignis zu sein“, schrieb der Autor und Literaturkritiker Uwe Wittstock am 27. September 2009 in einem Artikel in der Welt.

    Den 27. September wählte Gorki wohl eher zufällig aus. Das Projekt „Ein Tag der Welt“ soll zwar auf positive Resonanz gestoßen sein, es wurde aber nach Gorkis Tod im Jahr 1936 nicht weitergeführt. Erst 25 Jahre später wiederholte die Zeitschrift Istwestja den Aufruf, von dem ich sicher nie etwas erfahren hätte, wenn, ja wenn Christa Wolf, damals noch eine junge, unbekannte Autorin, nicht von der Idee begeistert gewesen wäre: Sie beschrieb den 27. September 1960 – und alle folgenden 27. September bis zum Jahr 2011. Die letzten Aufzeichnungen brach sie ab, weil sie keine Kraft mehr hatte.

    Die gesammelten Texte sind im Suhrkamp Verlag erschienen, der erste Band im Jahr 2003 unter dem Titel „Ein Tag im Jahr, 1960–2000“. Die Tagesberichte der Jahre 2001 bis 2011 – „Ein Tag im Jahr im neuen Jahrhundert“ – veröffentlichte Gerhard Wolf nach dem Tod seiner Frau. Christa Wolf beschreibt darin ihren Alltag als berufstätige Mutter und zeitgeschichtliche Ereignisse. Sie gibt Einblicke in ihr Leben als Schriftstellerin – und in die Gesellschaft.

    Mich fasziniert das Projekt, seit ich die beiden Bücher gelesen habe, und ich überlege immer wieder, wie diese Tradition fortgeführt werden kann. Die Altusrieder Autorin Angelika Jesse von Borstel tut dies seit 2012. Sie ruft schreibende Frauen ihrer Region dazu auf, ihren 27. September zu protokollieren. Anfang Dezember – um den Todestag Christa Wolfs – treffen sich die Schreiberinnen dann im Frauenzentrum in Kempten zu einer Literarischen Gesprächsrunde, lesen ihre Tages-Notizen vor und tauschen ihre Gedanken aus.

    Vielleicht motiviert ja auch dieser Blogbeitrag Schreibende in anderen Regionen diesem Beispiel zu folgen.

    PS:

    Natürlich darf in meinem Blogbeitrag über den 27. September das Gedicht von Thomas Brasch nicht unerwähnt bleiben. Das Gedicht, das Braschs bekanntesten Gedichtband „Der schöne 27. September“ den Namen gab, ist vermutlich eine Antwort auf ein Tagesprotokoll von Christa Wolf. Die schrieb wiederum das Nachwort zu dem 2004 im Suhrkamp Verlag veröffentlichten Gedichtband.

    Laut Uwe Wittstock kannten und respektierten sich beide, obwohl es zwischen ihnen nicht viele (literarische) Gemeinsamkeiten gab. „Der eine war ein Rebell, die andere eine Zweifelnde“, schrieb Wittstock in der Welt. Und: „Als Christa Wolf 1987 gebeten wurde, als alleinige Jurorin den Kleistpreis an einen Schriftsteller ihrer Wahl zu vergeben, sprach sie ihn Thomas Brasch zu“, der damals schon die DDR verlassen hatte und in der Bundesrepublik lebte.

    Nachzulesen ist Thomas Braschs  Gedicht unter https://marionbrasch.de/2018/09/27/der-schoene-27-september/

    Top Ten aus zehn Jahren

    Nach unseren liebsten Blogartikeln fragte Birgit Lorz in ihrer Blogparade – und nach den Gründen, warum du/oder Sie sie lesen sollten. Eigentlich wollte ich nur fünf Beiträge auswählen – doch beim Lesen haben sich dann noch ein paar andere aufgedrängt. Am Ende waren es dann zehn. Aber ich denke, das ist in Ordnungfür einen Blog, in dem ich seit zehn Jahren mehr oder weniger regelmäßig über das schreibe, was mich bewegt: über Bücher, Reisen, übers Schreiben und natürlich auch über mein Leben und über (gesellschafts)politische Ereignisse.  

    Tag des Tagebuchs – in Memoriam Anne Frank

    Ich liebe Bücher und ich lese viel. Aber kaum ein Buch hat mein Lesen, mein Schreiben und damit auch mein Leben so beeinflusst wie das Tagebuch der Anne Frank. Kurz nachdem ich es vor mehr als einem halben Jahrhundert zum ersten Mal gelesen hatte, fing ich an, selbst (Tagebuch) zu schreiben – und habe nie wieder damit aufgehört. Die Ausgabe, die ich mir Anfang der 70er-Jahre gekauft habe, steht noch heute in meinem Bücherregal – neben mehreren neueren Ausgaben und einem Graphic Diary. Und sie ist mir noch die liebste, auch wenn die Blätter inzwischen vergilbt und teilweise brüchig sind. Den Blogbeitrag habe ich am 12. Juni 2021 am Tag des Tagebuchs veröffentlicht, an Annes 92. Geburtstag.

    Die Stadt der Tagebücher

    Ich bin nicht nur eine notorische Tagebuchschreiberin, sondern ich lese auch gerne Tagebücher, die andere geschrieben haben. Seit ich Barbara Bronnens Buch „Die Stadt der Tagebücher. Vom Festhalten des Lebens durch das Schreiben“ gelesen habe, stand Pieve Santo Stefano auf meiner To-visit-Liste. Dort hat der italienische Journalist Saverio Tutino Anfang der 80er-Jahre das nationale Tagebucharchiv (Archivio Diaristico Nazionale) initiiert, in dem inzwischen mehrere tausend Tagebücher und andere zeitgeschichtliche Dokumente aufbewahrt werden. Im Frühjahr 2023 war ich endlich in der kleinen Stadt am Rande der Toskana, die im Zweiten Weltkrieg von deutschen Soldaten fast völlig zerstört wurde.

    In Memoriam: Orlando Orlandi Posti

    Bei meinem Besuch im Tagebuchmuseum, dem piccolo museo del diario, in Pieve Santo Stefano habe ich von Orlando Orlandi Postis Schicksal erfahren.  Der 17-Jährige wurde Anfang Februar 1944 von der SS verhaftet, als er seine Freunde vor einer geplanten Razzia der deutschen Besatzer warnen wollte. Während seiner fast zwei monatigen Gefangenschaft gelang es ihm, Briefe an seine Mutter zu schreiben und aus dem Gefängnis zu schmuggeln. Am 24. März 1944 wurden er und 334 andere Menschen in den Fosse Ardeatine von deutschen Soldaten ermordet. Das Buch mit Orlando Orlandi Postis Briefen und Tagebuchnotizen aus dem Gefängnis gibt es nur auf Italienisch – und meine Italienischkenntnisse reichen leider nicht aus, es zu lesen. Aber in meinem Blogbeitrag wollte ich an ihn und an das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen erinnern, von dem die meisten Menschen in Deutschland wenig oder gar nichts wissen.

    Ruth Maier: Das Leben könnte gut sein

    Ruth Maier wurde nur 22 Jahre alt. Mit 18 floh sie vor den Nazis aus Wien ins scheinbar sichere Norwegen. Dort wurde sie am Morgen des 26. November 1942 bei einer Razzia in ihrem Wohnheim verhaftet, mit 531 jüdischen Frauen, Männern und Kindern nach Auschwitz deportiert und ermordet. Zehn Jahre lang schrieb Ruth Maier Tagebuch ­– über die Judenverfolgung und die Reichspogromnacht in ihrer Heimat Österreich ebenso wie über ihr Leben als Emigrantin in Norwegen. Ihre Tagebücher erinnern daran, wie wichtig es ist, Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, Schutz zu gewähren.

    Nie wieder ist jetzt

    Am 9. November 2023, am 85. Jahrestag der Pogromnacht von 1938, stand ich mit knapp drei Dutzend meist älteren Frauen und Männern vor dem Holocaust Mahnmal auf dem Opernplatz in Hannover. Wir wollten ein Zeichen setzen – gegen den wachsenden Antisemitismus im Land und an die Opfer von Rassenhass und Antisemitismus erinnern – nicht nur in Nazi-Deutschland.

    Auch in meinem Heimatort wurden in der Pogromnacht die Synagoge und die Wohnungen von Jüdinnen und Juden verwüstet. Auch meine drei Onkel, damals 19, 17 und 13 Jahre alt, machten mit. Zumindest der jüngste hatte eigentlich keine Chance, kein Nazi zu werden. Er war erst sieben, als Hitler an die Macht kam und die Indoktrination in der Schule, in Hitlerjugend und sicher auch in der Familie begann. Mit 18 starb er in der Normandie, kurz nach der Landung der Alliierten.

    Heute sind in Deutschland Judenwitze, abfällige Bemerkungen, körperliche Angriffe oder Attentate auf jüdische Menschen und Einrichtungen leider wieder Alltag – und die Mehrheit schweigt, wie damals. Doch es ist Zeit, aufzustehen. Nie wieder ist jetzt.  

    Kleiner Satz mit großen Folgen

    An Elisabeth Selbert habe ich mit dem Blogbeitrag vom 23. Mai 2024, am 75- Jubiläum des Grundgesetzes, erinnert. Die Sozialdemokratin war eine von nur vier Müttern des Grundgesetzes. Vor allem ihr ist es zu verdanken, dass der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ins Grundgesetz aufgenommen wurde – und das Leben nicht nur der Frauen veränderte.

    Mit der Gleichberechtigung der Frauen hatten die meisten (männlichen) Mitglieder des Parlamentarischen Rats, der als verfassungsgebende Versammlung seit Herbst 1948 das Grundgesetz erarbeitete, wenig im Sinn. Elisabeth Selbert kämpfte dafür, dass Frauen nicht in staatsbürgerlichen Dingen, sondern auf allen Rechtsgebieten den Männern gleichgestellt wurden. Weil auf ihre Initiative eine Übergangsregelung im Grundgesetz festgeschrieben worden war, setzte das Bundesverfassungsgericht Ende 1953 die Gesetze außer Kraft, die dem Gleichberechtigungsgrundsatz nicht entsprachen. Erst am 1. Juli 1958 beendete das „Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts“ viele rechtliche Benachteiligungen von Frauen. Danke Elisabeth Selbert.

    Wahl- und andere Frauenrechte

    Im Februar 2016 habe ich über den Film „Suffragette – Taten statt Worte“ geschrieben und darüber, wie es auch in Deutschland noch in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhundert um die Rechte der Frauen bestellt war.  Bis 1958 durften Frauen nämlich ohne Zustimmung ihres Mannes nicht erwerbstätig sein. Der Mann entschied in allen Eheangelegenheiten; er bestimmte über die Kinder, das Geld und sogar über das Vermögen, das die Frau mit in die Ehe gebracht hatte. In einer Zeit, in der Tradewives Trend sind und junge Frauen wieder von der traditionellen Rollenverteilung träumen, ist es höchste Zeit, daran zu erinnern, wie rechtlos Frauen in den 50er Jahren waren.

    Wenn Männer Frauen die Welt erklären

    (Fast) alle Frauen haben es schon erlebt. Sie tun etwas – und werden ungefragt von einem Mann belehrt, wie es anders und natürlich besser geht. „Mansplaining“ heißt das Phänomen,  das sich aus den Worten Man (Mann) und explaining (erklären) zusammensetzt. Die amerikanische Schriftstellerin Rebecca Solnit hat das Wort zwar nicht erfunden, aber das Phänomen in ihrem Essay „Men Explain Things to Me“ – „Wenn Männer mir die Welt erklären“ eindrucksvoll beschrieben. Der Essay verbreitete sich rasant – und wurde erstmals 2014 auf Deutsch im gleichnamigen Buch veröffentlicht, das sechs weitere Essays von Rebecca Solnit enhält.

    Aus Wien nach Hannover

    Virginia Woolfs Aussage, dass Frauen ein eigenes Zimmer und ein eigenes Einkommen brauchen, um erfolgreich schreiben zu können, kennt wahrscheinlich jede schreibende Frau. Und auch ich möchte mein eigenes Zimmer natürlich nicht missen. Aber Alleinsein beim Schreiben tut vor allem Frauen offenbar nicht immer gut – ein Zimmer allein ist nicht genug. Wie inspirierend und motivierend es ist, gemeinsam mit anderen (Frauen) zu schreiben und sich auszutauschen, habe ich zum ersten Mal bei zwei Schreibtagen in Wien erlebt – und die Schreibtreff-Idee nach Hannover exportiert.

    Seit 2020 schreiben interessierte Frauen einmal im Monat gemeinsam – jede an ihren eigenen Texten, ohne vorgegebenes Thema, ohne Anleitung. Anders als zu Hause lassen wir uns in dieser Schreibzeit nicht von Alltagsdingen ablenken, wir nehmen uns Zeit – für uns und unsere Schreiben. Und das ist für unsere Texte erfahrungsgemäß sehr ergiebig.

    Neues Orchideenleben

    Dieser Beitrag passt nicht so recht zu den anderen, die ich ausgewählt habe. Aber ich mag ihn,  so, wie ich die Orchidee mag, die vor fast sechs Jahren auf meiner Fensterbank ein neues Zuhause gefunden hat. Wie es dazu kam, verrate ich in diesem ziemlich privaten Blogpost, den einige LeserInnen berührend fanden, andere kitschig und sentimental. Aber manchmal darf es eben auch sentimental sein.