Mit dem Juni ist es so eine Sache: Ich liebe den Monat, weil es oft warm ist, die Tage lang und die Nächte nur kurz sind. Sommer also. Andererseits ist mir bewusst, dass die Tage ab dem 23. Juni wieder kürzer werden. Auch wenn man das zum Glück noch nicht wirklich merkt, macht mich der Gedanke an die kommende dunkle Jahreszeit manchmal melancholisch.
Schreibzeit zum Mittsommer
Diese zwiespältigen Gefühle waren auch Thema beim „Schreiben zum Mittsommer“ der Textmanufaktur. Mittsommer ist als Wendepunkt im Jahreskreis eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, was in der ersten Jahreshälfte gewesen ist und welche Veränderungen frau sich für die zweite wünscht. Es ist eine Chance, die Weichen neu zu stellen. Sabine E. Rasch hat für die TeilnehmerInnen der dreistündigen Online-Schreibzeit wieder sehr interessante Fragen und spannende Schreibimpulse zusammengestellt.
Die Schreibzeit ist Teil der Reihe „Schreiben im Jahreskreis“, die im vergangenen Dezember mit dem Schreiben zur Wintersonnenwende begonnen hat und Ende September mit dem Schreiben zum Erntedank fortgesetzt wird. Ich bin auch dann sicher wieder dabei.
Es ist nie zu spät, neu anzufangen
Womit möchte ich meine Zeit in den nächsten Jahren verbringen – und mit wem? Was möchte ich (noch) lernen? Um diese und andere Fragen geht es auch in Julia Camerons Buch „Es ist nie zu spät, neu anzufangen“. Ich habe es mir vor fast zehn Jahren, kurz nach meinem 60. Geburtstag, gekauft – wohl auch wegen des Untertitels „Der Weg des Künstlers ab 60“. *
Das 12-Wochen-Programm richtet sich an Menschen an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt. Es will sie ermutigen, an ihre Kreativität zu glauben und endlich das zu tun, was sie möchten – egal ob sie Klavier spielen, Gedichte schreiben, sich sozial engagieren, Vögel beobachten oder wie ich zeichnen lernen wollen.
In diesem Jahr werde ich 70; es ist also höchste Zeit für Versuch Nummer drei. Noch ist es nicht zu spät, etwas Neues anzufangen.
Aufgetaucht
Philipp Klein wurde nur etwa halb so alt wie ich. Der Maler starb schon mit 36 – und ist wohl auch deshalb in Vergessenheit geraten. Viele seiner Bilder waren verschollen und sind erst jetzt wieder aufgetaucht.
Ich hatte noch nie etwas von Philipp Klein gehört, bis Freunde aus Süddeutschland mich auf die Ausstellung aufmerksam machten. Sie wurde zuerst in Kleins Heimatstadt Mannheim gezeigt und ist jetzt noch bis Ende Oktober im Landesmuseum Hannover zu sehen.



Geprägt wurde Klein durch Vorbilder wie Monet und Edgar Degas. Viele Zeitgenossen schätzten ihn als „Sonnenlicht-Maler“ – zu Recht, denn wie er das Licht einfängt, ist wirklich genial. So möchte ich auch malen können.
Bekannter als Philipp Klein sind die meisten MalerInnen, deren Werke zur Zeit im Sprengelmuseum ausgestellt sind. Mehr als 400 Werke vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart werden in 20 Räumen präsentiert. Max Beckmann, Max Ernst, Gabriele Münter und Pablo Picasso sind ebenso vertreten wie Karin Sander, Georg Baselitz oder die hannoversche Künstlerin Christiane Möbus, deren Arbeit „mein lieber Schwan“ der Ausstellung ihren Namen gab.



Strom von der Sonne
Apropos (Sonnen)Licht: Wir haben lange darüber nachgedacht – und uns jetzt endlich für eine Photovoltaikanlage entschieden, obwohl wir zu zweit eher wenig Strom verbrauchen.

Die Solarmodule wurden Anfang Juni auf unserem Dach montiert, drei Wochen später hat die Elektrikerin dann den Speicher installiert und die Anlage ans Stromnetz angeschlossen. Und weil der Juni sehr sonnig war und unser nach Süden ausgerichtetes Dach für die Sonnenernte ideal ist, haben wir seitdem keinen Strom mehr aus dem Netz bezogen – aber schon einiges eingespeist. Das freut uns – und die Umwelt.
Paddeln am Hüttensee
Manchmal muss es weder ein langer Urlaub noch ein weit entferntes Reiseziel sein. Bis zum Campingplatz Hüttensee bei Winsen brauchten wir mit dem Wohnmobil gerade mal eine Dreiviertelstunde. Unser Stellplatz war so, wie ich ihn mir gewünscht hatte: Egal aus welchem Fenster ich schaute – immer konnte ich Wasser sehen. Bis zum Schwimmteich waren es gerade mal 150 Meter, noch näher lag der Steg am Hüttensee, von dem aus wir mit unserem Kanu lospaddeln konnten.



Im Hüttensee selbst, dem größten der insgesamt etwa 80 Meißendorfer Teiche, ist Schwimmen nicht erlaubt. Und auch Boote dürfen auf dem See nur von 9 bis 19 Uhr fahren. Denn die Teiche, die Ende des 19. Jahrhunderts angelegt wurden, um Karpfen zu züchten, sind heute Naturschutzgebiet – laut Website www.lueneburger-heide.de eines der wertvollsten Feuchtgebiete in Niedersachsen: ein Refugium für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Etwa 130 Brutvogel-, circa 40 Libellen-, über 400 Schmetterlings- und viele Fischarten leben dort, außerdem zahlreiche Amphibien und Reptilien. Sie sollen nicht mehr als nötig von uns Menschen gestört werden. Auch wir haben die Ruhe genossen – und die Paddeltouren über den See, den wir meist nur mit Schwänen, Gänsen und anderen (Wasser)Vögeln teilen mussten.
Sommerspaziergang Wettmar.
Ich mag schöne Gärten und Kunst(handwerk). Deshalb ist der Sommerspaziergang in Wettmar für mich ein Muss. Bei der Aktion öffnen alte Höfe im Dorf ihre Tore und Gärten und geben KunsthandwerkerInnen die Gelegenheit, sich und ihre Werke zu präsentieren. In diesem Jahr machten fast 70 AusstellerInnen an zehn Ausstellungsorten mit.
Auch einer meiner Lieblingshöfe, Hof Küpmann, war in diesem Jahr zum Glück wieder dabei. In den verwunschenen Garten verliebe ich mich bei jedem Besuch aufs Neue – in das kleine Gartenhaus würde ich am liebsten einziehen. Das geht natürlich nicht, aber ich durfte eine Zeit lang im Garten sitzen, schreiben und die Seele baumeln lassen.



*Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung
Zum Nachlesen: Julia Cameron: Es ist nie zu spät, neu anzufangen. Der Weg des Künstlers ab 60. Droemer Knaur, München 2017


















































































































