Der Berggarten im März

Eigentlich wollte ich diese Woche ja nach Hameln fahren. Am Rand der Stadt im Naturschutzgebiet Schweineberg blühen derzeit tausende Märzbecher. 1,5 Kilometer lang und 100 bis 200 Meter breit ist der Blumenteppich und damit laut Website der Stadt Hameln „das wahrscheinlich größte Vorkommen des Frühblühers in Norddeutschland.“

Die Märzbecherblüte steht schon lange auf meiner To-see-Liste. Allerdings ist der Schweineberg mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht besonders gut zu erreichen: Die Anreise dauert von Burgwedel aus mehr als zweieinhalb Stunden – wenn ich alle Anschlüsse wie geplant erreiche. Und da mich derzeit eine Verletzung am Bein plagt, habe ich umgeplant: Herrrenhäuser Gärten statt Schweineberg.

Von Frühblühern …

Seit ich vor zwei Wochen im Berggarten war, ist er im wahrsten Sinne des Wortes aufgeblüht . Vor dem Eingang empfängt kein roter, sondern ein gelber Teppich aus Narzissen die Besucher. Im Berggarten bestimmen noch Frühblüher wie Schneeglöckchen, blaue und weiße Scilla, Winterlinge und Lenzrosen das Bild.

Doch schon bald werden andere Pflanzen die Blicke auf sich ziehen, die japanischen Zierkirschen und die Magnolienbäume im Irisgarten zum Beispiel, oder – ab April – die ersten Strauchpfingstrosen im Präriegarten und einige Rhododendren im Rhododendronhain.

Die Schneeforsythie und die Zaubernuss im Staudengrund blühen schon; bis ihre Nachbarin, die Süntelbuche, Blätter bekommt, wird es noch einige Wochen dauern. Mir ist es recht. Denn „nackt“ zeigt mein Lieblingsbaum seine ganze Schönheit. Doch was mir gefällt, war vielen Menschen früher unheimlich: Wegen ihres bizarren Aussehens waren Süntelbuchen als Gespenster-, Hexen- oder Teufelsbäume verschrieen. Weil sich die oft sehr kurzen, miteinander verwachsenen Äste und Stämme außerdem weder als Bauholz noch als Brennholz eigneten, wurden fast alle Bäume in ihrer Heimat, dem Süntel, abgeholzt. In dem Bergzug südwestlich von Hannover gab es bis Mitte des 19. Jahrhunderts den  größten Süntelbuchenbestand Europas. Heute findet man die seltene Rotbuchenart in Deutschland fast nur noch in Parks und in Botanischen Gärten.

Die Süntelbuche im Berggarten wurde um 1880 gepflanzt und gehört damit wahrscheinlich zu den ältesten ihrer Art. Weil Süntelbuchen nämlich eher in die Breite wachsen als in die Höhe, brechen sie oft auseinander und werden durchschnittlich nur  120 bis 160 Jahre alt . Dieses Alter hat der Baum im Berggarten schon erreicht; trotzdem ist mir um ihn nicht bang. Denn ein Gerüst stützt die Äste, die auf die andere Seite des Fußwegs wachsen. 33 Meter lang ist die Pergola, die im Sommer zum Laubengang wird und laut Website der Herrenhäuser Gärten „zu den meist fotografierten Attraktionen des Berggartens“ zählt.

Übrigens: Märzbecher habe ich im Berggarten auch gesehen. Natürlich längst nicht so viele wie am Schweineberg, aber immerhin. Und Buschwindröschen und Leberblümchen gab es ganz in der Nähe als Zugabe.

Monatsrückblog Februar 2026

Eins zwei drei im Sauseschritt … Jetzt ist auch der zweite Monat des Jahres vorbei – und hoffentlich auch der Winter. Die Tage sind zum Glück schon deutlich länger: Zwar ist es morgens, wenn ich aufwache, meist noch nicht hell, aber im Osten ist meist schon ein heller Streifen am Horizont zu sehen.

Ab in den Garten

Am 1. März hat der meteorologische Frühling begonnen, und das Wetter hat sich diesmal nach dem Zeitplan der Meteorologen gerichtet. Der Dauerregen hörte aus, es wurde in der letzten Februarwoche frühlingshaft. Obwohl wir nur einen relativ kleinen Garten haben, war daher Gartenarbeit angesagt. Und auch mein Projekt Herrenhäuser Gärten konnte starten, wenn auch mit einmonatiger Verspätung. Ein Jahr lang möchte ich jeden Monat einen Beitrag über die Herrenhäuser Gärten, vor allem über den Berggarten, posten.

Schreibmonat Februar

Weil ich gerne gemeinsam mit anderen schreibe, habe ich mich für den Schreibmonat Februar der Textmanufaktur angemeldet: Fünf dreistündige Cowritings „zum gemeinsamen Schreiben und zum Austausch“ und ein ambitioniertes Ziel für die TeilnehmerInnen: „Drei Seiten am Tag, 21 pro Woche, 84 im Monat (gern mehr) … Egal, ob es … der liegengebliebene Roman … oder Gedanken, die dir seit Ewigkeiten im Kopf herumschwirren und endlich aufs Papier wollen“ .

Weil ich eine Langsamschreiberin bin und es neben der Geschichte, die ich vor Jahren begonnen habe und die in diesem Jahr endlich zu Ende bringen will, noch andere Ideen und Projekte gibt, habe ich mir eigene Schreibziele gesetzt:

  • jeden Tag an meiner Geschichte arbeiten, das sind mindestens 300 Worte (eine Seite) täglich,  wenn möglich mehr
  • jeden Tag ein Haiku oder ein Elfchen. Denn zum kürzesten Monat des Jahres passen kurze Gedichte
  • mindestens sechs Blogbeiträge posten
  • ein Schreibjournal und ein Naturejournal führen

Die Bilanz am Ende des Monats: Ich habe – alle Schreibprojekte zusammengenommen –32415 Wörter geschrieben, also sogar fast vier Seiten täglich. Das ist mehr, als ich erwartet habe. Mein Roman ist (leider nur) um eine Seite, also um 300 Worte, täglich gewachsen. Statt der angestrebten sechs waren es nur fünf Blogbeiträge und statt 28 kurzer Gedichte nur 20. Immerhin. Mein Arbeitsjournal habe ich fast täglich geführt, mein Naturejournal zugegebener nur gelegentlich. Aber wenn es wärmer wird, bin ich sicher öfter draußen und schreibe dann auch häufiger im Garten oder in der Natur.

Reisen

Manchmal ist es gut, zurückzublicken. Gefühlt habe ich den Februar ganz in Burgwedel und Hannover verbracht. Dass ich zweimal in den Harz gefahren bin, hatte ich schon vergessen. Gewandert bin ich dort im Februar allerdings nicht. Mal war meine Wanderpartnerin, mal war ich nicht fit. Aber es geht wieder voran. Und so haben wir für Anfang Mai einen gemeinsamen Wanderurlaub gebucht. Wir werden allerdings – anders als geplant – nicht die berühmte Rota Vicentina, sondern den Naturpark Sintra-Cascais erwandern. Ich bin sehr gespannt.

Wieder kurze Haare

Soll ich oder soll ich nicht? Seit anderthalb Jahren habe ich meine Haare wachsen lassen, weil ich keine Lust hatte, regelmäßig zum Friseur zu gehen. Zum Schluss waren die Haare fast schulterlang. Jetzt habe ich sie wieder kurz schneiden lassen. „Das sind viel mehr sie selbst“, sagte die Friseurin zu mir, die mir die Haare schneidet, seit ich nicht mehr in Neumagen zu meiner Stammfriseurin gehen kann. Und ich finde, sie hat recht. Außerdem sind kurze Haare viel praktischer, wenn ich wieder häufiger schwimmen gehe. Der Sommer kann also kommen.

Frühjahrsputz im Garten

In der Woche vor dem meteorologischen Frühlingsanfang zeigte sich das Wetter endlich frühlingshaft. Höchste Zeit, die Gartensaison zu eröffnen. Denn zum Schutz der Vögel dürfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz Bäume, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze ab 1. März nicht mehr (radikal) geschnitten oder gar beseitigt werden. Und unsere Beete mussten dringend von den vom wochenlangen Regen zermatschten Blättern des letzten Jahres befreit werden.

Unter dicken Laubschichten haben wir ein paar Winterlinge freigelegt. Es sind zwar nur wenige, trotzdem war ich glücklich, sie zu sehen. Denn sie erinnern mich an zwei Freundinnen und eine gute Bekannte, die in den letzten Jahren gestorben sind. Eine hat mir kurz vor ihrem Tod ein paar Winterlinge geschenkt. Bis sie einen gelben Teppich bilden wie in ihrem Garten, werden wohl noch Jahre vergehen. Aber ich hoffe, dass sie sich irgendwann genauso ausbreiten wie die Scillas.

Auch die Blausternchen haben meine Geduld auf eine lange Probe gestellt. Auf unserem Nachbargrundstück blühten nämlich jedes Jahr hunderte, auf unserem kein einziges. Es war, als gäbe es eine unsichtbare Grenze. Als das Haus abgerissen wurde, habe ich einige Zwiebeln ausgegraben. Aber erst nach zwei oder drei Jahren breiteten sie sich in unserem Garten aus. Und auch in diesem Jahr lassen die Blüten noch auf sich warten, ebenso wie Hyazinthen und Traubenhyazinthen.

Die Krokusse blühen schon. Bei uns im Garten fühlen sich vor allem die Elfenkrokusse mit ihren zartlila Blättern. Sie vermehren sich von selbst und sprießen überall  – auf den Beeten und auf dem Rasen, wo sie nach Meinung meines Mannes eigentlich nichts zu suchen haben. Auch immer mehr Blaukissen-Blüten wagen sich hervor. Bis sie aber ein lila Kissen bilden, werden wohl noch einige Tage vergehen. Den Lesezwerg stört’s nicht; er ist so in sein Buch vertieft.

Das Hochbeet meines Mannes hat den Winter nicht überlebt. Es ist auseinandergebrochen und nicht mehr zu reparieren. Denn obwohl das Holzgestell mit Folie bzw. Vlies ausgekleidet war, waren die Bretter total morsch. Wenn wir sie nächste Woche in den Nachbarort zum Sperrmüll bringen, kaufen wir im Baumarkt ein neues Hochbeet. Beim Befüllen kommen dann die abgeschnittenen Zweige und ein Teil des Laubs zum Einsatz, die beim Frühjahrsputz angefallen sind. So schließt sich der Kreis

Der Berggarten im Februar

Nicht im Januar, sondern erst im Februar, also einen Monat später als geplant, beginnt mein Projekt Herrenhäuser Gärten. Ich habe mir Anfang des Jahres vorgenommen, einmal im Monat einen Blogbeitrag mit Fotos aus den Herrenhäuser Gärten zu posten. Nicht immer, aber öfter von den gleichen Stellen, damit deutlich wird, wie sich der Garten im Lauf des Jahres verändert. Meist werde ich über den Berggarten schreiben. Denn der ist für mich mit mehr als 12.000 Pflanzenarten der vielfältigere, interessantere und schönere Teil der Herrenhäuser Gärten.

Noch liegt der Berggarten im Winterschlaf. Der ganze Berggarten? Nein. Auch im Winter können im Orchideenhaus 500 bis 800 blühenden Orchideen aus einer der größten Orchideensammlungen der Welt bewundert werden.

Außerdem wachsen dort Baum- und andere Farne, Kaffee- und viele andere Pflanzen, die auf anderen Kontinenten zu Hause sind. Gleich nebenan im Tropenschauhaus fühlt frau sich sich zwischen Palmen, Bromelien, Mango- und Bananenpflanzen in den tropischen Regenwald versetzt.

Die neu gepflanzten Blumen draußen im Schmuckhof blühen noch nicht; im Subtropenhof sind zurzeit nur Fotos von Pflanzen zu sehen. Erst wenn die Eisheiligen im Mai vorbei sind, ziehen die exotischen Kübelpflanzen aus den Gewächshäusern hinter die hohen Backsteinmauern um.

Von den Frühblühern wagen sich bislang nur Schneeglöckchen und Winterlinge hervor und bilden überall im Berggarten dichte Teppiche. Bis Pfingstrosen und andere Stauden den zurzeit kargen Präriegarten wieder in ein Blütenmeer verwandeln, vergehen noch einige Wochen. Die Strauchpfingstrose Jeanne D’Arc hat allerdings schon dicke Knospen und kündet vom Frühling – ebenso wie ein paar Meter weiter im Rhododendronhain die ersten Rhododendronknospen.

Der künstliche Bach im Staudengrund wird erst im März oder April geflutet, die Wasserbassins sind noch abgedeckt, der Moorweiher liegt noch unter einen Eisschicht.

Beeindruckende Bäume

An seinem Ufer steht ein Baum, der mich immer wieder aufs Neue beeindruckt: Die kaukasische Flügelnuss wurde erst 1955 gepflanzt, hat aber laut Website Baumkunde.de schon einen Stammumfang von mehr als fünf Metern und ist über 20 Meter hoch.

Nicht gerade in die Höhe, sondern eher in die Breite wachsen Süntelbuchen. Wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens waren sie früher als Teufels-, Hexen oder Gespensterbäume verschrien und wurden in ihrer Heimat, dem Süntel, fast ausgerottet. Wenn ihre verdrehten und hängenden Äste den Boden berühren, bilden sie Wurzeln und es entstehen neue Stämme. Die mächtige Süntelbuche im Staudengrund ist mein Lieblingsbaum im Berggarten. Solange sie noch keine Blätter trägt, ist gut zu erkennen, was sie so einzigartig macht. Was aussieht wie ein kleiner Wald, ist ein einziger Baum. Im Sommer überdeckt seine Krone fast 1.000 Quadratmeter.

Wie sich Süntelbuchen ausbreiten, können BesucherInnen am Eingang des Staudengrunds in den nächsten Jahren beobachten. Dort stehen sich jetzt zwei rotblättrige Süntelbuchen gegenüber. Weil die ältere in den angrenzenden Fußweg hineinzuwachsen drohte, leitet ein Gerüst ihre Äste über den Weg. Auf der anderen Seite des Weges wurde eine neue Süntelbuche gepflanzt, die ihr entgegen und mit ihr zusammenwachsen soll. Ein Vierteljahrhundert wird es vermutlich dauern, bis ein sich selbst tragender Laubengang entstanden und das stützende Gerüst überflüssig ist. Ich bin gespannt.

Im Wintergarten

An Tagen wie diesen macht unser Wintergarten seinem Namen alle Ehre. Wenn die Sonne scheint, kann ich selbst bei Schnee und/oder Temperaturen unter Null im Grünen sitzen, mit Blick auf den Garten,

Schon im Januar, wenn die Sonne erst um die Mittagszeit über den Kastanienbaum und den Dachfirst der Nachbarn lugt, klettern die Temperaturen unter dem schützenden Glas nur für ein oder zwei Stunden auf über 20 Grad. Mitte Februar scheint die Sonne dann vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag in den Wintergarten. Bei Temperaturen bis zu 30 Grad wird der Wintergarten dann für mehrere Stunden zu meinem Schreib- und Lesezimmer – und heizt das angrenzende Wohnzimmer mit.

Während sich im Garten bislang erst wenige Pflanzen hervorwagen, grünt und blüht es im Wintergarten prächtig. Blickfang Nummer eins ist der Osterkaktus mit seinen rosa Blüten. Er blüht – seinem Namen zum Trotz – schon seit der Dezember und zeigt noch keine Ermüdungserscheinungen. Bis Ostern wird er es aber kaum durchhalten.

Ebenfalls rosa, aber wesentlich kleiner und unscheinbarer, sind die Blüten der Sukkulente, die wir vor Jahren als winzigen Ableger aus Spanien mitgebracht haben. Ich vermute, dass es eine Echeveria ist, von der es laut Wikipedia über 150 Arten gibt, aber ich bin mir nicht sicher.

Auch die Strelitzie hält sich in diesem Jahr etwas zurück. Während in den vergangenen Jahren teilweise mehrere der bunten, an einen Paradiesvogel erinnernden Blüten gleichzeitig zu bewundern waren, blüht diesmal jede für sich.

Die Felsenorchidee (Dendrobium Kingianum), die ich im vergangenen Frühling geschenkt bekommen habe, hat den Winter gut überstanden. Blüten sind leider noch nicht in Sicht. Aber vielleicht braucht sie einfach etwas Zeit – und ich mehr Geduld. Denn nach Angaben verschiedener Websites blühen Felsenorchideen erst ab Februar, dann aber mitunter mehrmals im Jahr.

Die Narzisse „Bright Corsage“ ist im Wintergarten nur kurz zu Gast. Ich habe sie gestern gekauft, weil mir nach der Lektüre von Romy Pfyls Tag- und Nachtgedanken der Sinn nach Frühlingsblumen stand. Sobald es draußen wärmer wird, werde ich sie auswildern. In der Nähe meiner Lieblingsnarzisse Rip van Winkle ist noch Platz für weitere gelbe Blüten.

Erste Frühlingsboten

Vor ein paar Tagen habe ich die ersten Schneeglöckchen in unserem Garten entdeckt. Nach dem phänologischen Kalender, der sich nicht nach Daten, sondern nach Erscheinungen in der Natur richtet, zeigen sie, dass der Vorfrühling beginnt. Wahrscheinlich hatten sich die kleinen Pflänzchen bislang unter dem Schnee oder unter dem alten Laub versteckt, das noch zu Hauf auf unseren Beeten liegt.

In Frankreich heißen die Schneeglöckchen übrigens „perce-neige“, also „Schneedurchbrecher“, weil sie sich meist als erste Pflanzen durch den Schnee wagen. Angeblich sollen ihre Zwiebeln so viel Eigenwärme erzeugen, dass sie den Blüten einen Weg durch den Schnee schmelzen können. Doch das ist laut Wikipedia wissenschaftlich nicht belegt.

Mutige Blaukissen

Früher als die Schneeglöckchen haben sich die ersten mutigen Blaukissen-Blüten in unserem Garten gezeigt. Das ist erstaunlich, weil Aubrietien angeblich erst ab April blühen. Aber sie genießen bei uns einen großen Standortvorteil: Sie wachsen direkt am Wintergarten. Das überstehende Dach hält Wind und Schnee ab und das Glas reflektiert die Wärme der Sonne, wenn sie denn scheint. Aber es wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis die Blüten wieder einen blau-violetten Teppich bilden.

Winterfeste Schneerosen

Damit, dass meine neue Christrose den ungewohnt schneereichen Winter überlebt hat, habe ich nicht gerechnet. Mein Mann hatte mir die üppig blühende Pflanze im Advent geschenkt – und anders als gewohnt hatte ich sie schon im Dezember ausgewildert. Eigentlich dürfen meine neuen Christ- oder Schneerosen den ersten Winter ihres Lebens im Wintergarten verbringen, um sich allmählich an die Temperaturen draußen zu gewöhnen. Aber unter dem schützenden Glas fühlte sich die Pflanze offensichtlich nicht wohl. Vielleicht war es ihr zu warm oder ihr Topf war zu klein. Hätte ich allerdings geahnt, dass dieser Winter viel schneereicher wird als die vorangegangenen, hätte ich ihr wohl einen größeren Topf spendiert oder einen anderen Platz für sie gesucht.

Draußen im Garten erholte sich die Pflanze schnell, bis sie im neuen Jahr tagelang unter einer dicken Schneeschicht verschwand. Doch die Schneerose machte ihrem Namen alle Ehre – und bewies eindrucksvoll, dass sie wirklich winterhart ist: Als der Schnee geschmolzen war, tau(ch)te sie – ebenso wie ihre vier älteren Brüder und Schwestern – wohlbehalten wieder auf. Mit leicht grünlich verfärbten Blütenblättern, weil es unter der Schneedecke ungewohnt dunkel war. Außerdem war die eine oder andere Blüte unter der Schneelast abgeknickt.

Jetzt bin ich guter Dinge, dass die Schneerosen auch den Hauch von Neuschnee, der sich über Nacht wieder auf ihre (Blüten)Blätter gelegt hat, überstehen und mir noch lange Freude bereiten werden.

Monatsrückblog Januar 2026

Der Januar ist vorbei – und er brachte das, was er als richtiger Wintermonat eigentlich bringen soll: Schnee, Zugegeben, es war mehr, als wir es in den letzten Jahren gewohnt waren, aber frei nach Loriot: Früher war mehr Schnee, ohne dass dafür Katastrophenalarm ausgerufen worden wäre.  

In diesem Jahr versetzte die weiße Pracht zumindest bei uns in der Region Hannover die Verantwortlichen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Angst und Schrecken. Obwohl am ersten Januarwochenende auf den Straßen nur ein Hauch Schnee lag, fuhren in und um Burgwedel keine Busse mehr. Dabei ist die Gegend im Prinzip flach wie ein Topfdeckel – es müssen also  keine steilen und daher potenziell unfallträchtigen Anstiege und Abfahrten bewältigt werden.

Am Freitag, den 9. Januar, wurde dann wegen des befürchteten Schneechaos der Unterricht in Niedersachsen und Hamburg ganz abgesagt. Das Schneechaos fiel zwar aus, aber die Schulen blieben trotzdem geschlossen, die Kinder zu Hause. Fragt sich, was die Eltern tun, die keine Großeltern oder andere Ersatzbetreuungspersonen für die lieben Kleinen haben. Und die nicht einfach zu Hause bleiben und im Homeoffice arbeiten können.

Absolut unverständlich ist für mich, warum man den ÖPNV einstellt, die Busse in den Depots lässt, die BerufskraftfahrerInnen nach Hause schickt und die Straßen den FahrererInnen überlässt, deren einzige Qualifikationen Führerschein und Fahrpraxis sind. Eigentlich sollte es umgekehrt sein: Die Profis fahren, die Amateure lassen ihre Autos stehen. Der Kabarettist Christoph Sieber hat zum Thema Schnee, Schulausfall und Schutz von Kindern auf seinem Instagram-Account Kabarettsieber einen tollen Beitrag veröffentlicht. Ansehen lohnt, nicht nur bei diesem Beitrag.  

Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Gefühlt endet der Januar so, wie er begonnen hat: erkältet. Angefangen hatte das Elend ja schon Anfang Dezember, als ich quasi über Nacht meine Stimme verlor. Sie kam nach drei Tagen wieder. Husten und Schnupfen blieben, mal mehr und mal weniger stark. Und in der letzten Januarwoche kam dann auch noch eine Blasenentzündung hinzu. Hausmittel wie Tees und Wärmflasche haben leider nicht geholfen. Aber ein Antibiotikum hat jetzt schnelle Besserung gebracht.

Noch einmal Niki und Co

Weil ich mich nicht besonders fit fühlte, ist manche geplante Aktivität ausgefallen. Eine Wanderung mit meiner Tochter beispielsweise. Immerhin war ich noch einmal in der Ausstellung Niki – Kusama – Murakami im Sprengel Museum, diesmal mit meiner 13-jährigen Enkelin. Sie kannte keine der drei KünstlerInnen, hatte, weil nicht in Hannover zu Hause, die Nanas nur einmal auf einer Postkarte und von Weitem am Leineufer gesehen. Sie war begeistert und ich war beeindruckt, wie intensiv sie sich auf die Kunstwerke einließ, auch auf die, die ihr weniger gefielen oder die sehr ungewöhnlich sind wie die Schießbilder von Niki de Saint Phalle.

Am besten haben ihr die Arbeiten von Yayoi Kusama gefallen. Ihre (gepunkteten) Bilder sind wirklich etwas Besonderes – und der „Infinity Mirrored Room“ ist sicher das Highlight der Ausstellung. Etwa 40 Menschen standen vor uns in der Schlange und warteten geduldig mit uns, den kleinen Raum betreten zu dürfen. Etwa eine Minute durfte man dann drinnen bleiben – doch die genügte, um verzaubert zu werden.

Mit Takashi Murakamis Arbeiten kann ich persönlich am wenigsten anfangen – aber ein Bild hat meine Enkelin und mich gleichermaßen fasziniert: Blue Life Force besteht aus lauter winzigen Totenköpfen. Doch die wirken nicht erschreckend, sondern lebendig, wie zum Leben gehörend. Niki de Saint Phalles bunt glitzernder Totenkopf kann sogar betreten werden und ist als Meditationsraum gedacht. Der Tod gehört eben doch zum Leben.

(Gemeinsam) Schreiben

Alle, die meinen Blog regelmäßig lesen, wissen es: Ich mag es, gemeinsam mit anderen zu schreiben, Am ersten Sonntag im Monat treffe ich mich ganz analog mit Schreibfreundinnen im AutorInnenzentrum in Hannover, digital logge ich mich, wann immer ich Zeit habe, zu den Schreibdates mit Denise Fritsch oder Sabine Rasch ein.

Ein Highlight am Monatsanfang war die zweitägige „Online-Schreibzeit zwischen den Jahren“ der Textmanufaktur mit Sabine Rasch. Am ersten Tag haben wir, jede für sich und doch gemeinsam im digitalen Schreibraum, die Bilanz des Schreibjahrs 2025 gezogen; am zweiten Tag stand das beginnende Schreibjahr 2026 im Fokus. Ich habe zum Beispiel schreibend darüber nachgedacht, welche Schreibprojekte ich in diesem Jahr unbedingt verwirklichen und welches neue Genre ich im neuen Jahr gerne mal ausprobieren würde.

Mit dem Nature Journaling, einer Mischung aus Texten und Skizzen, habe ich dann gleich Mitte des Monats begonnen. Zugegeben, die ersten Versuche sind eher unbeholfen, die Beobachtungen beschränken sich fast ausschließlich auf Vögel in unserem Garten und die Lücken zwischen den Einträgen sind noch groß. Aber das ändert sich hoffentlich, wenn es draußen wärmer wird und der Schnee schmilzt. Dann – einen Monat später als geplant – startet auch mein Projekt „Ansichten aus den Herrenhäuser Gärten“. Besser spät als nie.

Vögel beobachten am Küchenfenster

Ich hatte ganz vergessen, wie entspannend es ist. Einfach dazusitzen und den Vögeln zuzusehen. Vielleicht habe ich es aber auch nie ausprobiert. Zumindest nicht hier, in unserem Haus in Großburgwedel.

Als meine Tochter klein war, saßen Foe und ich oft in der Küche meines Elternhauses in Neumagen und sahen den Vögeln zu, die sich um das Vogelhäuschen im Garten scharten. Wenn ich keine Zeit hatte, beobachtete Foe mit ihrem Opa Amsel, Meisen, Spatzen und Co. Wahrscheinlich wurde an der Mosel die Grundlage für ihre Vogel-Leidenschaft gelegt, die bis heute anhält.

Foes erstes Vogelbuch – es blieb nicht lange das einzige

Schon als Kindergartengartenkind wünschte sich meine Tochter Vogelbücher, um mit ihrer Hilfe die heimischen Vögel zu entdecken und zu bestimmen, deren Namen wir Erwachsenen nicht kannten. Inzwischen ist sie selbst längst erwachsen und kennt sich mit Vögeln immer noch sehr gut aus. Außerdem ist sie eine ausgezeichnete Vogelfotografin. Ihre Fotos sind auf ihrer Website und unter anderem auf dem neuen Instagram-Account foes_birdphotographie zu sehen.

Im Alltag in Burgwedel fehlte mir neben Job, Kinderbetreuung und Haushalt die Zeit, Vögel zu beobachten. Vielleicht habe ich sie mir einfach nur nicht genommen. Aber natürlich fütterten wir die Vögel im Winter. Und als unser Vogelhäuschen ausgerechnet während des Lockdowns im Winter 2021 verschwunden war, brachte mein Mann den neuen Futterplatz an unserem Holzschober an.

Zwei Futterplätze

Das provisorsiche Vogelrestaurant kam bei unseren gefiederten Mitbewohnern gut an. Sicher auch, weil es direkt neben dem „Vogelhochhaus“ liegt, einem alten Baum auf dem Nachbargrundstück, in dem viele Vögel nisten. Neben dem Futterplatz am Holzschober gibt es in unseren Garten inzwischen eine zweite Futterstelle. Nachdem die Heilige Familie, die vorübergehend in dem neu gekauften Vogelhaus gewohnt hat, Anfang des Jahres weitergezogen ist, haben wir das Vogelhäuschen im Garten aufgestellt und es seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben. Aber das Futterplatz-Provisorium bleibt bei den gefiederten Gästen unumstrittendie Nummer eins.

In diesem Jahr ist der Andrang besonders groß – sicher auch, weil dieser Winter kälter und schneereicher ist als die vergangenen: Neben Kohlmeisen – bis zu sechs habe ich gleichzeitig am Futterplatz beobachtet – sind jetzt häufig Blaumeisen bei uns zu Gast, ebenso Buchfinken, Dompfaffen und Rotkehlchen.

Hausamsel bleibt verschwunden

Auch die Amseln sind zum Glück zurück: Sie waren in den vergangenen Jahren ganz aus unserem Garten verschwunden. Unsere Hausamsel hat das durch das Usutu-Virus verursachte Amselsterben wohl leider nicht überlebt. Sie und ihre Familie wohnten jahrelang in unserem Garten – und wenn wir in den Beeten arbeiteten, hielten sie sich gerne in unserer Nähe auf, um die Insekten und Würmer zu vertilgen, die wir dabei aufscheuchten. Weil die Familienmitglieder eine helle Stelle im Gefieder hatten, die offenbar von Generation zu Generationweitervererbt wurde, konnten wir „unsere Amseln“ leicht erkennen. Jetzt leben neue Amseln bei uns – und vielleicht werden sie irgendwann genauso zutraulich wie ihre Vorgänger. Ich tue mein Bestes, streue für sie Futter auf den Boden. So müssen sie nicht mit dem vorliebnehmen, was den anderen Vögeln aus dem Schnabel fällt. Denn Amseln bevorzugen bodennahe Futterstellenund bedienten sich gerne. Nur die Apfelstücke, die ich ausgelegt haben, verschmähen sie.

Start des Nature Journals

Aus dem Küchenfenster habe ich die Futterstelle am Holzschober im Blick – wie früher in meinem Elternhaus beobachte ich vom Küchentisch aus das Treiben draußen. So kann ich mein Vorhaben, ein Nature Journal zu beginnen, umsetzen, ohne hinaus in die Kälte zu müssen. Noch übe ich – schließlich ist noch keine Meisterin vom Himmel gefallen. Aber sobald es draußen wärmer wird, wird aus meinem Gartenvogel-Journal ein richtiges Nature Journal.

Meine To-Want-Liste für das erste Quartal 2026

Ja, ich bin spät dran. Wenn meine To-want-Liste für das erste Quartal 2026 erscheint, ist mehr als ein Sechstel des Quartals bereits vorbei. Doch das hat auch sein Gutes. Studien zufolge werden die meisten Neujahrsvorsätze schon im Januar wieder über Bord geworfen, viele bereits bis zum sogenannten „Quitters Day“, dem „Tag der Aufgebenden“ am zweiten Freitag im Januar. Vielleicht ist meine jetzt verfasste Liste realistischer, weil die erste Euphorie um die guten Vorsätze längst verflogen ist. Dafür, dass ich schon jetzt bei einigen Punkten hinterherhinke, gibt es einen guten Grund. Mich plagt seit Anfang Dezember eine Dauererkältung, bei Wanderungen, Fitnessübungen und anderen sportlichen Aktivitäten ist also derzeit Zurückhaltung angesagt. Doch Besserung ist in Sicht.

Schreiben

  1. Ich schreibe 15 Blogbeiträge
  2. Ich beginne das Projekt Herrenhäuser Gärten: Einmal im Monat schreibe und poste einen Blogbeitrag aus den bzw. über die Herrenhäuser Gärten. Ich möchte immer die gleichen Stellen fotografieren, um zu zeigen, wie sich der Berggarten im Lauf des Jahres verändert
  3. Und noch ein neues Projekt: mein Nature Journal, eine Mischung aus Notizen und Skizzen. Ich möchte heimische Tiere und Pflanzen besser kennen lernen
  4. Ich nehme am Schreibfebruar der Textmanufaktur teil und
  5. arbeite intensiv an meinem Roman. Fernziel: Ich möchte die erste Fassung im zweiten Quartal beenden.
  6. Schreiben dicht am Leben, alltägliches (täglich) notieren, am besten mit der Hand

Lesen

  1. In den vergangenen Jahren habe ich jeweils 60 Bücher gelesen; in diesem Jahr sollen es ein paar mehr sein. Da aber der Januar ja schon halb vorbei ist und der Februar kurz, möchte ich im ersten Quartal 15 Bücher lesen.
  2. Inspiriert von der Death Authors Challenge von Martins Buchgelaber sollen darunter mindestens drei Bücher bereits verstorbener AutorInnen sein.
  3. Jeden Tag ein Gedicht: Am lyrischen Kalender aus dem Diogenes Verlag gefällt mir die bunte Mischung.

Sport/Gesundheit/Entspannung

  1. Ich gehe im Schnitt täglich 10.000 Schritte. Das habe ich vor meinem Unfall im Mai 2025 geschafft, das will ich auch in diesem Jahr wieder erreichen.
  2. Ich etabliere wieder meine tägliche Gymnastik/Fitness-/Yoga-Routine. Ziel: mindestens eine Übungseinheit pro Tag
  3. Ich gönne mir einmal im Monat einen Saunabesuch und
  4. in diesem Quartal endlich wieder eine Fußreflexzonenmassage.
  5. Drei Spaziergänge von mindestens einer halben Stunde in der Woche – möglichst ohne Smartphone, dafür mit Notizbuch.

Reisen/Wandern

  1. Die Märzbecherblüte an Schweineberg bei Hameln steht schon lange auf meiner Wunschliste. Dieses Jahr soll es endlich so weit sein.
  2. Das ist eine gute Gelegenheit, den Deister besser kennenzulernen, der quasi direkt vor meiner Haustür liegt.
  3. Ich besuche zwei Städte, die ich noch nicht kenne, Hameln könnte eine sein.
  4. Ich fahre zur Buchmesse nach Leipzig. Auch dabei könnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn bislang kenne ich in Leipzig nur das Messegelände
  5. Mein Ziel: eine Wanderung im Monat. Es muss nicht immer der Harz sein

    Sonstige Aktivitäten

    1. Ich besuche mindestens eine Ausstellung im Monat. Meine Museumscard läuft aus, Ende des Monats muss ich mir bald eine neue besorgen.
    2. Ich besuche endlich das Sealife in Hannover.
    3. Ich gehe zweimal ins Kino.

    Gelesene Bücher 2025

    Auch in diesem Januar wieder, wie in den drei zurückliegenden Jahren, eine Liste der Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Wie in den vergangenen Jahren waren es 60 – etwa drei Viertel der Bücher wurden von Frauen geschrieben.

    Vollständig ist die Liste wahrscheinlich nicht. Als ich sie nämlich durchgesehen habe, um diesen Beitrag zu schreiben, fehlte ausgerechnet das Buch, das mich am meisten berührt hat: die Tagebücher von Ruth Maier, die in Deutschland unter dem Titel „Das Leben könnte gut sein“* veröffentlicht wurden . Ich habe das Buch bei meinem Besuch im Zentrum für Holocaust- und Minderheitenstudien in Oslo entdeckt und es mir sofort nach meiner Rückkehr aus Norwegen gekauft – antiquarisch, weil es im Buchhandel leider vergriffen ist.

    Ruth Maier, im November 1920 in Wien geboren, führte fast zehn Jahre lang – von 1933 bis 1942 – Tagebuch. Nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten floh sie 1939 allein nach Norwegen. Doch als die deutsche Wehrmacht im Sommer 1940 Norwegen besetzte, war sie auch dort nicht mehr sicher. Im November 1942 wurde Ruth Maier kurz nach ihrem 22. Geburtstag in Oslo verhaftet, mit 531 jüdischen Frauen, Männern und Kindern nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nur neun der Deportierten  überlebten das Vernichtungslager.

    Auch Margot Friedländers Bruder und ihre Mutter wurden nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Die damals 21-Jährige tauchte unter, lebte über ein Jahr im Untergrund und entkam mehrmals nur knapp der Gestapo. 1944 wurde sie verhaftet und nach Theresienstadt deportiert wurde. Margot Friedländer überlebte als einzige ihrer Familie den Holocaust und emigrierte mit ihrem Mann in die USA. 2010 kehrte sie nach Berlin zurück, engagierte sich als Zeitzeugin gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus, bis sie im vergangenen Jahr starb. Mit der Schriftstellerin Malin Schwerdtfeger hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben. Ihren Titel verdanken die Erinnerungen einer Botschaft, die Margot Friedländers Mutter ihrer Tochter hinterließ, bevor sie deportiert wurde: „Versuche, dein Leben zu machen“.

    Margot Friedländer kannte ich natürlich, aber ich hatte noch kein Buch von ihr gelesen – ebenso wie von 22 weiteren AutorInnen auf meiner Liste. Bei einigen wird das erste Buch wohl auch das letzte auf meiner Leseliste sein. Von anderen habe ich gleich mehrere Bücher gelesen. Eine echte Entdeckung ist für mich die Norwegerin Vigdis Hjorth. Und das zweite Buch ihrer Landsfrau Kristin Valla hat mich animiert, das erste noch einmal zu lesen. Gut gefallen hat mir auch der erste Roman von Elisabeth Drimalla, die ich vom gemeinsamen Schreiben kenne. Jetzt bin ich gespannt auf ihren zweiten.

    Lesepläne für 2026

    Im neuen Jahr möchte ich nicht nur (mindestens) ebenso viele Bücher lesen wie in den vergangenen, sondern täglich auch ein Gedicht. Damit mir das gelingt, liegt jetzt das Buch „Mit Gedichten durchs Jahr“ neben meinem Bett. Der lyrische Kalender enthält 365 Gedichte – für jeden Tag des Jahres eins. Jeden Montag verhilft mir der Blogbeitrag von Christiane zu einem poetischen Start in die Woche – oft passend zur Jahreszeit oder zu aktuellen Anlässen. Und freitag flattert mir ebenfalls per Mail mit dem Lyrik Newsletter des Suhrkamp Verlags das Gedicht der Woche ins Haus.

    An der „Dead Authors Challenge“, von der ich durch den Blog Kristinas Lebenswelt erfahren habe, werde ich wohl nicht teilnehmen. Denn ich schaffe es wahrscheinlich nicht, in diesem Jahr über die Bücher von (mindestens) zwölf verstorbenen AutorInnen zu bloggen. Aber die Idee gefällt mir: Spontan sind mir aus meinem Stapel ungelesener Bücher (SUB) Werke von Hannah Arendt, Margot Friedländer, Max Frisch, Mascha Kaléko, Marie Luise Kaschnitz und Christa Wolf eingefallen, die ich endlich (wieder) lesen s/wollte. Drei auf meinem E-Book-Reader, drei ganz klassisch als Bücher.

    Eine besondere Leseherausforderung ist – nicht nur wegen der Länge von 1168 Seiten – sicher Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus“. Das Buch erschien erstmals 1951 auf Englisch, auf Deutsch dann 1955. Aber die Frage, wie eine Gesellschaft ins Totalitäre abdriftet, ist leider derzeit so aktuell wie lange nicht mehr.

    Unbedingt lesen möchte ich auch den 1938 in Italien erschienen Debütroman von Alba de Céspedes, der erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde. „Was vor uns liegt“ wurde damals von den faschistischen Behörden unter Mussolini verboten.

    Ich bin gespannt, ob sich diese Bücher im nächsten Januar auf meiner Leseliste wiederfinden.

    Liste der 2025 gelesenen Bücher

    wie immer ungeordnet und wahrscheinlich unvollständig

    1. Elisabeth Drimalla: Einsamkeit ist kein Symptom
    2. Sigrid Nunez: Was fehlt dir
    3. Henning Scherf: Altersreise
    4. Joachim Meyerhöfer: Hamster im hinteren Stromgebiet
    5. Joachim Meyerhöfer: Man kann auch in die Höhe fallen
    6. Joan Didion: Was ich meine
    7. Leila Slimani: Der Duft der Blumen bei Nacht
    8. Paul Auster: Winterjournal
    9. Caroline Peters: Ein anderes Leben
    10. Mely Kyriak: Frausein
    11. Annegret Langenhorst: Was bleibt vom Tag. Frauentagebücher erzählen
    12. Margot Friedländer, Malin Schwerdtfeger: Versuche dein Leben zu machen
    13. Claire Keegan: Reichlich spät
    14. Daniel Glattauer: In einem Zug
    15. Chloe Benjamin: Die Unsterblichen
    16. Kristin Valla: Ein Raum zum Schreiben
    17. Lucy Fricke: Das Fest
    18. Vigdis Hjorth: Die Wahrheiten meiner Mutter
    19. Kristin Valla: Das Haus über dem Fjord
    20. Peter Handke: Ein Jahr aus der Nacht gesprochen
    21. Hans Josef Ortheil; Rom, Villa Massimo
    22. Hans Josef Ortheil: Die weißen Inseln der Zeit
    23. Vigdis Hjorth: Ein falsches Wort
    24. Kristine Bilkau: Halbinsel
    25. Dora Heldt: Starker Wind bei …
    26. Yvonne Kraus Erfolgs Mindset für Autorinnen
    27. Daniela Krien: Mein drittes Leben
    28. Ruth Maier: Das Leben könnte gut sein. Tagebücher
    29. Rachel Carson: Magie des Staunens
    30. Eva Lohmann: Wie du mich ansiehst
    31. Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller
    32. Isabel Bogdan: Wohnverwandtschaften
    33. Tim Conrads: Leichtes Gepäck. Ein Roman vom Jakobsweg
    34. Amelie Nothomb: Buch der Schwestern
    35. Ursula Ott : Gezwisterliebe
    36. Laura Pfaffenbach u.a.: Frauen unterwegs, 10 bewegende Geschichten über Mut, Abenteuer und Glück des Wanderns.
    37. Erling Kagge: Gehen – weiter – gehen. Eine Anleitung
    38. Kristin Steinsdottir: Eigene Wege
    39. Monika Peetz: Flaschenpost aus der Vergangenheit
    40. Vigdis Hjorth: Wiederholung
    41. Tägliche Routinen für Autoren: Erstaunliche Routinen, um ein Schreibritual zu etablieren
    42. Sigrid Nunez: Eine Feder auf der Akte Gottes
    43. Sarah Lorenz: Mit dir möchte ich im Himmel Kaffee trinken
    44. Alois Prinz; Hannah Arendt
    45. Mina Bäuerlein; Die Rückwärtspilgerin
    46. Doris Dörrie: Wohnen
    47. Annie Ernaux: Die Besessenheit
    48. Anne Enright: Vogelkind
    49. Renate Ahrens: Alles was folgte
    50. Stephan Schäfer: 25 Sommer
    51. Ruth Shaw: Drei Buchläden am Ende der Welt
    52. Melanie Pignitter: Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pizza und Aperol: Ein Roadtrip zu Selbstliebe und Heilung.
    53. Stephan Schäfer: Gerade jetzt ist alles gut
    54. Elena Ferrante: Tage des Verlassenwerdens
    55. Bettina Flittner: Meine Mutter
    56. Virginia Evans: Die Briefeschreiberin
    57. Clara Loesl: Wehe du gibst auf
    58. Helga Schubert: Der heutige Tag
    59. Marjaleena Lembcke: Wir bleiben nicht lange
    60. Flachmann, Susanne: Solo VanLife: Mut zum Alleinreisen mit dem Wohnmobil

    Welche Bücher haben Sie im vergangenen Jahr gelesen?

    Und welche haben Ihnen besonders gut gefallen? Ich freue mich über Leselisten und Buchtipps, von lebenden und toten AutorInnen, gerne auch als Kommentar.

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