Private Gartenschau

Im Sommer bin ich am Wochenende oft zur privaten Gartenschau unterwegs. Denn von Mai bis September öffnen in Hannover und der Region erfreulicherweise viele Gartenbesitzer ihre Pforten für Gartenfans. Rund ein Dutzend Gärten habe ich in diesem Jahr schon besichtigt. Einige zum ersten Mal, andere habe ich mir schon ein paarmal angesehen – und kann mich doch nicht daran sattsehen. Und ich bin immer wieder fasziniert, welche großen und kleinen Traumgärten sich hinter den Gartenzäunen verbergen.

Jeder Garten ist anders – und jeder ist auf seine Art schön, ein Gesamtkunstwerk. Mal sind es die Farben und die Pflanzenvielfalt, mal die Sitzecken, mal irgendwelche Kleinigkeiten – hier ein Spiegel, da eine Skulptur oder mal eine alte Wiege. Und immer wieder die Gartenteiche.

Rex Rosenbabys DSC_1144

Geniale Idee – Wiege für Rosenbabys im Garten von Silke Rex

Ganz oft denke ich „So einen Garten möchte ich auch haben“ – aber ich weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt und dass ich die Zeit (noch) nicht aufbringen kann oder möchte. Ich gebe zu: Ich besichtige lieber fremde Gärten, als im eigenen zu arbeiten. Und alle, die meinen Blog regelmäßig lesen, wissen es ja: Mir fehlt einfach der grüne Daumen!

Weil ich an diesem Wochenende eine Pause einlegen musste, hier ein kleiner Fotorückblick.

Auftakt nach Maß: In diesem Jahr zum ersten Mal dabei: der tolle Garten von Silke Rex – ganz viele Rosensorten, kombiniert mit Stauden.

Rex Farben DSC_1150

Farbenpracht

Teich Rex DSC_1131 neu

Profis am Werk: der Naturgarten von Sylvia und Klaus Stannek:

Teich florus DSC_1229

Gartentraum – Traumgarten

Florus Gartendeko DSC_1237.jpg

Entspannung pur

Lustwandeln in einem Garten mit altem Baumbestand und neuem Schwimmteich bei  Susanne Eckardt

Gartenkunst DSC_1362

Alte Statuen …

Lauschige Plätze DSC_1353

… lauschige Sitzplätze …

Schwimmteich DSC_1357

… und ein kleiner Teich zum Schwimmen.

 

GartenLeben in der Alten Gärtnerei

Übrigens: Dass ich nicht heimlich Gartenzäune spähen muss, sondern mich in aller Ruhe umsehen kann, verdanken ich – und  viele andere Gartenfans – auch Gesa Klaffke-Lobsien und Kaspar Klaffke. Die beiden haben mit einem befreundeten Paar – die Idee Anfang der 90er-Jahre aus England importiert. Dort zeigt das Schild „Garden open Today“  schon seit mehr als 100 Jahren an, dass an diesem Tag nicht nur der Blick über den Gartenzaun erlaubt, sondern das Betreten des Gartens ausdrücklich erwünscht ist. Gesa Klaffke-Lobsien koordinierte die Aktion Offene Pforte in und um Hannover von 2001 bis 2015.

Im ersten Jahr öffneten in der niedersächsischen Landeshauptstadt gerade mal 26 Gartenbesitzer ihre Pforten für andere Gartenfans; in diesem Sommer sind es in und um Hannover fast 170. In anderen Städten und Gemeinden machte das Beispiel ebenfalls Schule.

Der Garten von Gesa Klaffke-Lobsien und Kaspar Klaffke gehörte zu den ersten, die besichtigt werden durften. Die beiden leben in einer alten Gärtnerei und haben die ehemaligen Gewächshäuser in ein Gartenparadies in der niedersächsischen Landeshauptstadt verwandelt.

klaffke DSC_3711

Die Strukur der alten Gärtnerei blieb erhalten.

Ihr Garten stand lange auf meiner Will-sehen-Liste, doch mal regnete es in Strömen, mal war ich irgendwo anders und ein paar Mal habe ich den Termin einfach verpasst. In diesem Jahr habe ich es endlich geschafft und einen Artikel für das Online-Magazin wohnwerken geschrieben. Wer will, findet den Text zum Nachlesen unter

https://issuu.com/schluetersche/docs/wohnwerken_04

Über ihr „GartenLeben in der Alten Gärtnerei“ haben Gesa Klaffke-Lobsien und Kaspar Klaffke ein Buch geschrieben. Die zweite Auflage ist im März 2017  im Verlag zu Klampen erschienen.

Veröffentlicht unter Alltag, Freizeit, Garten | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Prämien-Dumping made by DFB

Eigentlich wundert es mich nicht. Der Deutsche Fußball Bund geht mit schlechtem Beispiel voran! 37.500 Euro Siegprämie erhält jede Spielerin, wenn die Mannschaft – oder Frauschaft – in der nächsten Woche Europameisterin wird. Erreichen die Fußballerin das Finale, gibt es für jede 20.000 Euro, fürs Halbfinale 10.000 Euro.

Das ist zwar für Ottilie Normalverdienerin sehr viel Geld, aber auf den direkten Vergleich kommt es an: Bei der Europameisterschaft der Männer im vergangenen Jahr hätte jeder Spieler 300.000 Siegprämie bekommen. Hätte, hat aber nicht, weil Jogis Jungs eben im Halbfinale ausgeschieden sind. Der Einzug ins Halbfinale hat jedem Spieler immerhin 100.000 Euro gebracht. DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel bezeichnete das damals als „maßvolle, vernünftige Regelung“– und er rechnete es den Spielern hoch an, dass sie nicht mehr verlangten als bei der EM von 2012. Die Prämien der Frauen sind im Vergleich dazu geradezu ein Schnäppchen.

Um den gender pay gap – also den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern – auszurechnen, braucht man kein Mathestudium, sondern es genügen ein Abi am AVG in Trier* und ein Taschenrechner: Er beträgt für den Titel 87,5 Prozent, für den Einzug ins Halbfinale 90 Prozent. Zum Vergleich: Durchschnittlich verdienten Frauen in Deutschlande 2016 brutto 21 Prozent weniger als Männer. Das toppt der DFB mit seinen Prämien locker.

Die Nationalspielerinnen laufen wegen dieser Benachteiligung nicht etwa Sturm – aber stürmen ist ja auch auf dem Platz derzeit nicht ihre Stärke. Und sie drohen, anders als die amerikanischen Eishockey-Nationalspielerinnen vor der Weltmeisterschaft im März, nicht etwa mit Streik. Im Gegenteil: Sie sind sehr zufrieden und dankbar.

„Das ist eine riesige Wertschätzung vom DFB“, soll die zum Mannschaftsrat gehörende Sara Däbritz gesagt haben. Immerhin bekommen die Fußballerinnen 15.000 Euro mehr Siegprämie als bei der letzten EM – damals gab es nur 22.500 Euro. Zum Vergleich: Jogis Jungs hätten auch 2012 schon 300.000 Euro für den Titel bekommen.

Geld bekommen Sara Däbritz und ihre Mitspielerinnen übrigens nur, wenn sie auch das Spiel gegen Dänemark am Sonnabend gewinnen. Auf eine Prämie für den Einzug ins Viertelfinale haben die Fußballerinnen freiwillig verzichtet. „Wir haben es bewusst so gemacht, dass wir erst ab dem Halbfinale honoriert werden, weil wir einen hohen Anspruch an uns selbst haben. Wir wissen, was in uns steckt.“ Ihren gut bezahlten männlichen Kollegen sind solch hohen Ansprüche fremd: Die ließen sich im vergangenen Jahr den Einzug ins Viertelfinale mit 50.000 Euro honorieren – 20.000 Euro mehr, als die Frauen für den Titelgewinn erhalten.

Es ist bei den Fußballerinnen also nicht anders als im richtigen Berufsleben: Frauen haben hohe Anforderungen an sich selbst; ihre finanziellen Ansprüche sind indes bescheiden.

Übrigens: Schuld am riesigen Gender Prämien gap ist angeblich die UEFA, die bei den Männern 27 Millionen Euro Siegprämie ausschüttete, bei den Frauen nur 1,2 Millionen. Doch es hätte dem nicht gerade armen DFB gut angestanden, ein positives Zeichen zu setzen. Gegen die Diskriminierung, für die Gleichberechtigung. Doch die Chance haben die Herren vom DFB – und leider auch die Nationalspielerinnen – vertan.

*Auguste Viktoria Gymnasium; frei nach Franz Müntefering, der allerdings die an der Volksschule Recklinghausen für ausreichend hielt.

Veröffentlicht unter Beruf, Gesellschaft, Gleichberechtigung | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Von Eseln und Drahteseln

Manchmal, wenn ich mit dem Rad aus dem Dorf nach Hause fahre, fühle ich mich wie Vater oder Sohn aus Johann Peter Hebels Geschichte „Seltsamer Spazierritt“. Und manchmal argwöhne ich sogar, dass Hebel mir heimlich gefolgt ist, bevor er die Geschichte geschrieben hat. Oder dass er zumindest bei uns im Ort für seine im Jahr 1811 im „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“ erschienene Geschichte recherchiert hat.

Beweisen kann ich das natürlich nicht. Und weil damals Fahrräder und Autos noch nicht erfunden waren und die Leser des rheinischen Hausfreundes die Geschichte und ihre Moral deshalb wahrscheinlich nicht wirklich verstanden hätten, erzählt Hebel von einem Vater, seinem Sohn und einem Esel. Die gab und gibt es nämlich zu allen Zeiten. Und nach der langen Vorrede erzähle ich jetzt die wahre Drahtesel-Geschichte – so, wie sie sich tagtäglich ereignet.

Wenn ich mich auf dem schmalen Rad-Fußweg entlang der Kleinburgwedeler Straße von hinten einem Fußgänger nähere, bremse ich nicht nur brav ab, sondern klingle auch, um ihn (oder sie) auf mich aufmerksam zu machen. Doch Undank ist ja bekanntlich der Welt Lohn und so ernte ich dafür nicht selten einem bösen Blick und ein unwirsches „Sie müssen nicht so laut klingeln“.

Klingle ich nicht, reagieren die Fußgänger mit einem wütenden: „Müssen Sie mich so erschrecken? Können Sie nicht klingeln?“. Leicht verunsichert über diese Double Binds, rufe ich gelegentlich: „Vorsicht“, was die Überholten dann veranlasst, tadelnd zu fragen: „Haben Sie keine Klingel. Das ist Vorschrift.“

Den berühmten Vogel hat vor einiger Zeit ein älterer Mann – noch älter als ich – abgeschossen. Er spazierte mit seinem Hund auf besagtem Weg. Der Hund sprang munter von einer Seite auf die andere und der Mann war ganz offensichtlich mehr mit seinem Hund beschäftigt als mit dem, was um ihn herum vor sich ging. Ich habe also aus der Ferne ein erstes Mal geklingelt, noch ganz zurückhaltend, um ihn nicht zu erschrecken und zu verärgern – dann, je näher ich kam, desto lauter und dringlicher. Als ich kurz hinter Herrchen und Hund war und schon auf Schrittgeschwindigkeit abgebremst hatte, um seinen Hund nicht zu überfahren, klingelte ich ein letztes Mal, diesmal so laut und aggressiv, wie es meine Klingel hergibt. Jetzt endlich drehte sich der Mann um und beschwerte sich lautstark: „Sie hätten ja auch ein bisschen früher klingeln können.“ Ich habe mir verkniffen zurückzuschreien: „Hörgerät einschalten!!!“ Wie geschrieben: Er war noch älter als ich und ich habe gelernt, alten Leuten respektvoll zu begegnen.

Seitdem denke ich  darüber nach, wie ich das Problem lösen kann. Vielleicht mache ich es demnächst wie Vater und Sohn in Johann Peter Hebels Geschichte: Ich schiebe mein Fahrrad oder – noch besser – ich trage es. Dann komme ich sicher nicht mehr in die Verlegenheit, Fußgänger zu überholen. Und das leidige Klingelproblem ist ein für alle Mal gelöst.

Tja, „So weit kann’s kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.“ (Johann Peter Hebel)

Alle, die die Geschichte nachlesen wollen und das Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes zufällig nicht in ihrem Bücherregal stehen haben: https://de.wikisource.org/wiki/Seltsamer_Spazierritt

Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft, Leben | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Wird das was oder kann das weg?

… diese Frage stelle ich mir ständig, wenn ich durch den Garten gehe. Deshalb war es auch keine Frage, dass ich dieses Buch kaufen musste, als ich es zufällig im Buchladen entdeckte. Eigentlich wollte ich ja nur ein bestelltes Buch abholen, aber …

Das Buch hilft, erwünschte und unerwünschte Gartenpflanzen zu erkennen, verspricht der Untertitel. Wirklich unerwünscht ist allerdings für die Autorin Bärbel Oftring eigentlich kaum eine Pflanze: Nur etwa 10 von über 100 Pflanzen sind mit dem Symbol: „Alarm, Pflanze unbedingt ausreißen“ gekennzeichnet. Ganz schlecht (giftig und unbedingt ausreißen) kommen sogar nur drei Pflanzen weg: Flohknöterich, Beifuß Traubenkraut und Riesenbärenklau. Alle anderen verdienen eine zweite Chance als Heilpflanze, essbare oder ökologisch wertvolle Pflanze.

Dass viele Pflanzen einen doppelten, drei- oder gar vierfachen Nutzen haben, war lange Zeit in Vergessenheit geraten. So manches, was man in meiner Kindheit gemeinhin als Unkräuter bezeichnete, wird heute in Gourmetrestaurants serviert. (Hinweis an alle Spitzenköche und Apotheker in Deutschland:  Acker-Schachtelhalm, Giersch, Franzosenkraut, aufrechter Sauerklee, Vogelmiere und Rainkohl aus ökologischem Anbau, günstig und in großen Mengen abzugeben).

Im Prinzip ist Bärbel Oftrings Buch für Horrorgärtnerinnen wie mich optimal: Es zeigt nämlich, wie sich Pflanzen im Laufe ihres Lebens verändern. Denn die ersten Blätter sehen oft ganz anders aus als die erwachsenen Pflanzen. Vieles, was ich gepflanzt habe, überlebt  das zweite Jahr nicht, weil ich es nicht wiedererkenne. So gab es jahrelang leider keinen Fingerhut in unserem Garten. Des Rätsels Lösung: Ich habe alle Fingerhüte  ausgerupft, bevor sie blühen konnten, weil ich sie mit Nachtkerzen verwechselt habe, die ich nicht mag.

Blumen Erdbeerenbeet DSC_1265

Er ist wieder da: Fingerhut. Außerdem Im Blumen-Erdbeerbeet zu Hause: Mohn (schon verblüht) und Stockrosen.

Im Buch sind die meisten Pflanzen frisch ausgetrieben als Keimling, nach zwei Wochen als Jungpflanze und blühend nach sechs Wochen zu sehen. So kann man unerwünschte Pflanzen früh erkennen und ausreißen, bevor sie sich überall breit machen. Oder man könnte, wenn ja wenn … Wenn man nicht wie ich offenbar zwei linke Augen hat.

Im tatsächlichen Gartenleben klappt das Erkennen leider nicht wie geplant. So sehr ich mich bemühe und so oft ich mit dem Buch durch den Garten gehe: Ich kann viele Pflanzen einfach nicht unterscheiden. Was ich für Franzosenkraut gehalten habe, entpuppt sich mit Blüte eher als Rainkohl. von dem ich bisher nicht einmal den Namen kannte. Im Prinzip ist es egal, denn beide sind – zumindest in Massen – in meinem Garten unerwünscht, auch wenn sie essbar und ökologisch wertvoll sind.  Und ob das, was ich im Frühling für Sonnenblumenkinder gehalten haben, auch wirklich Sonnenblumen sind, bezweifele ich inzwischen. Denn noch zeigt sich keine einzige Blüte.

Rainkohl live DSC_1263

Rainkohl? – nicht mehr ganz live, weil entwurzelt …

Herbarium Rainkohl DSC_1257

… und getrocknet in meinem Mini-Herbarium

Mein Garten hat sich, so scheint es, ohnehin eher auf die lästigen Pflanzen spezialisiert: Die im Buch gezeigten Top 10 der „Lästlinge“ sind allesamt in meinem Garten vertreten, von den zehn schönsten selbst aussäenden Pflanzen leider nur die Hälfte. Zwei davon haben sich im Übrigen nicht selbst, sondern ich  ausgesät.

Für alle, die auch wissen möchten, was was wird:

Bärbel Oftring; Wird das was – oder kann das weg? Erwünschte und unerwünschte Gartenpflanzen erkennen. Franck Kiosmos Verlag, Stuttgart 2017, 16,99 Euro

Und von der gleichen Autorin:

Double-Use gärtnern. 100 Gartenpflanzen mit Mehrfachnutzen. Haupt Verlag, Berlin, 29,90 Euro.

Veröffentlicht unter Bücher, Garten | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Vom großen A und kleinen Buchhandlungen

Ja, ich oute mich als Amazon-Fan. Das ist bei „echten“ Bücherfans ziemlch verpönt. Bei Amazon bestellen geht bei vielen gar nicht. Als neulich eine Bücherfrau im Netzwerk  einen Buchtipp mit einem Link zu dem, dessen Namen nicht genannt werden darf, verschickte, gab es heftige Diskussionen. Natürlich ist manches am großen A problematisch: vor allem, wenn kleine Buchhandlungen schließen müssen, weil  immer mehr Kunden ihre Bücher beim großen Bruder online ordern. Dass Amazon in Deutschland keine Steuern zahlt, finde ich zum K… Und auch die Konditionen für Verlage, Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter sollen besch… sein.

Aber wo in der Buchbranche sind sie das nicht? Wer Bücher schreibt, übersetzt oder lektoriert, erreicht oft nicht einmal den Mindestlohn. Auch BuchhändlerInnen gehören nicht zu den GroßverdienerInnen. Und was die Arbeitsbedingungen angeht: Eine Buchhändlerin, die seit Jahrzehnten eine Filiale einer Buchhandlung leitete, erzählte einmal, dass ihr Chef sie nicht ein einziges Mal für den Besuch der Buchmesse freigestellt habe. Von der Übernahme der Kosten ganz zu schweigen.

Kunden können sich indes über das große A kaum beklagen: Der Service ist wirklich gut. Gibt es mal Schwierigkeiten, rufen die Mitarbeiter auf Wunsch sofort zurück oder kümmern sich notfalls um eine Ersatzlieferung. Das ist bei meiner Stammbuchhandlung leider nicht immer so. Und obwohl ich dort seit Jahren für mehrere Hundert Euro jährlich Bücher bestelle und kaufe, kennen die meisten Verkäuferinnen  nicht einmal meinen Namen.

Tante Emma XXL

Wer wie ich in einer kleinen Stadt wohnt oder wirklich jwd auf dem Land  weiß die Bestellung auf Knopfdruck besonders zu schätzen. Sie erspart umständliche und zeitaufwendige Fahrerei. Dass man beim großen A längst nicht nur Bücher, sondern fast alles kaufen kann, ist für Leute wie mich ein unschätzbares Plus. Online-Shopping und die schöne neue Bezahlwelt sind mir nämlich nicht wirklich geheuer; dass ich mich in allen möglichen Shops immer wieder neu registrieren soll, ist mir ein Greuel. Irgendwie ist der einstige Online-Buchhändler längst ein riesengroßer Tante-Emma-Laden, in dem es alles gibt.

Hat schon mal jemand versucht, ein Farbband  für eine elektrische Schreibmaschine zu besorgen. Als meine Mutter das vorletzte Mal ein Farbband brauchte, bin ich knapp 40 Kilometer nach Trier gefahren (one way). Und obwohl ich vorher im Büro- und Schreibwarenladen angerufen hatte (ja, haben wir, kommen Sie vorbei), musste ich dann eine Schnitzeljagd durch alle drei Filialen machen. Natürlich habe ich den gesamten Vorrat (drei) aufgekauft. Doch auch der war irgendwann aufgebraucht. Beim nächsten Mal hieß es: Müssen wir bestellen, ist in zwei Wochen da. Doch da war ich längst wieder abgereist. Amazon lieferte am übernächsten Tag frei Haus. (Von den Spezialisten, bei denen ich Papier und andere Büromaterialien ordere und die mir unaufgefordert Kataloge ins Haus senden, hatte übrigens keiner mehr das Farbband im Programm.) Und als ich bei meinem letzten Moselbesuch mein Handy-Ladegerät vergessen hatte und  für einen Artikel ein Buch brauchte, war das Problem ebenfalls am nächsten Tag behoben, ohne lange Fahrzeiten.

Koexistenz

Ja – ich gebe es zu: Ich kaufe auch Bücher bei Amazon – vor allem antiquarische, die ich mir zum Normalpreis nicht leisten könnte, nicht kaufen würde oder die es im Buchhandel nicht mehr gibt. Oder ich verschicke über den Online-Buchhändler Bücher an Leute, die irgendwo anders wohnen. Die werden dann nämlich pünktlich geliefert – und ich spare Porto und Verpackung. Und wenn’s nicht gefällt, geht’s einfach zurück.

Die meisten Bücher kaufe ich allerdings nach wie vor im Buchladen. Denn ich liebe Buchhandlungen, komme kaum an einer vorbei und nur selten raus, ohne etwas gekauft zu haben. Ich glaube übrigens nicht, dass das große A Schuld am Untergang des Buchhandels ist. Im Gegenteil: Ich bin überzeugt davon, dass Buchhandlungen vom großen Online-Bruder profitieren (können). Der merkt sich nämlich, für was ich mich interessiert und was ich gekauft habe (brave new world, big brother is watching you) – und empfiehlt mir andere, ähnliche Bücher. Und wenn ich ein Buch zu einem bestimmten Thema brauche, verschaffe ich mir meist bei dem, dessen Name nicht genannt werden darf, einen Überblick über das Angebot. Der Schwarm (sprich die LeserInnen) weiß oft mehr als die  BuchhändlerInnen – die können angesichts unendlich vieler Neuerscheinungen die meisten Bücher gar nicht mehr kennen. Oft bestelle ich das ausgewählte Buch dann allerdings bei meinem Buchhändler vor Ort. Amazon verkraftet’s und meinen Buchhändler freut’s.  Manchmal sogar doppelt. Denn wenn ich das Buch dann abhole, entdecke ich oft ein anderes, das ich ebenfalls unbedingt brauche und kaufe. Denn bei Büchern kann ich nur selten widerstehen.

Veröffentlicht unter Alltag, Bücher | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Große Grünedaumengeister und kleine grüne Krachmacher

„Komme der große Grünedaumengeist zum Fest über Dich“, hat mir eine Freundin Ende vergangener Woche gewünscht. Und so habe ich die guten Wünsche, die günstige Gelegenheit (wenig Arbeit) und das leidlich gute Wetter an Pfingsten genutzt, um mich ein bisschen um den Garten zu kümmern.

Los ging es am Sonnabend mit dem Gartenfestival in den Herrenhäuser Gärten: Hier im Georgengarten findet man immer wieder ungewöhnliche Pflanzen und Gartenaccessoires.

Garten Kugel DSC_1077

Weil ich mit dem Zug nach Hannover gefahren bin, waren meine Einkaufsmöglichkeiten leider begrenzt. Der Hexe aus Metall konnte ich allerdings nicht widerstehen, obwohl der Transport wegen des Gewichts und der langen Stange, auf der sie thront, nicht ganz leicht war.

Kräutergartenhexe DSC_1085

Kräutergartenhexe

Kräuterbeet mit Kräuerhexe

Doch sie hat die Heimfahrt mit U-Bahn, Zug und Bus gut überstanden und bewacht jetzt das kleine Kräuterbeet, das ich neben der Terrasse angelegt habe. Statt Giersch und Franzosenkraut wachsen dort jetzt Zitronenverbene, Ananas- und Pfirsichsalbei neben Mohn und Ringelblumen. Die Rucolapflanze hat ihre neue Heimat in einem blauen Pflanzkasten gefunden, den die Schnecken hoffentlich nicht erklimmen können. Das Glück haben unsere Erdbeeren leider nicht, die erste rote hat eine Schnecke – oder war‘s unsere Hausamsel – schon vor mir entdeckt und angenagt. Die zweite habe ich dann schnell in meinen Bauch in Sicherheit gebracht.

Kräuterbeet vorher DSC_1056

Kräuterbeet mit Giersch und Franzosenkraut vorher …

Kräuterbeet Nachher DSC_1090

… und mit Zitronenverbene, Pfirsich- und Ananassalbei nachher.

Apropos Beeren: Am schmalen Beet am Zaun zum Nachbargrundstück können wir mit Hilfe des Grünedaumengeistes hoffentlich schon im nächsten Jahr wieder Beeren ernten: schwarze Johannisbeeren für mich, rote für meinen Mann und Stachelbeeren für uns beide. Wem die Taybeeren schmecken, ist noch ungewiss: Sie verdanken ihren Platz in unserem Garten einem Missverständnis: Mein Mann hat sie schlichtweg mit den Himbeeren verwechselt, die eigentlich auf meiner Will-haben-Liste standen. Wirklich begeistert bin ich von der Kreuzung aus Himbeere und Brombeere nicht: Sie ist sehr stachlig, deshalb schwer zu ernten und wird deshalb möglicherweise in die Vogelschutzhecke hinter den Teichen versetzt.

Stachelige Taybeere DSC_1099

Nachwuchs für die Vogelschutzhecke – keine Stachelbeere, sondern stachelige Taybeere

Nachwuchs am Teich

Auch von den Teichen gibt’s Zuwachs zu vermelden, allerdings tierischen. Dort sind drei  neue Frösche eingezogen Während ihre Vorgänger, die den Winter nicht überlebt haben, sehr ruhige Mitbewohner waren, quaken die neuen laut und ausdauernd –  sie haben sich offenbar (noch) viel zu erzählen haben. Schon morgens um vier sind sie zu hören – und abends nach Mitternacht immer noch. Von den Nachbarn hat sich noch niemand beschwert, allerdings zeigt Fine, die Nachbarkatze, seit einiger Zeit deutlich mehr Interesse an unserem Teich als sonst. Dass Frösche unter Naturschutz stehen, weder verletzt noch getötet und nur in Ausnahmefällen (wenn nämlich ihr nächtliches Gequake den Richtwert  von 35 Dezibel um 20 Dezibel übersteigt) mit richterlicher Erlaubnis umgesiedelt werden dürfen, stört Fine wahrscheinlich wenig. Sie folgt ihren eigenen Gesetzen. Darauf, dass Katzen eigentlich wasserscheu sind, sollten sich die kleinen grünen Krachmacher besser nicht verlassen. Fine ist keine gewöhnliche Katze. Ihr Sprungkraft ist gewaltig, ihre Geschicklichkeit auch. Meine Nachbarin berichtet, dass sie auf die obersten Regalbretter springt, ohne irgendetwas umzuwerfen. Kleine Teiche wie unsere überwindet sie problemlos in einem Satz. Zu hoffen ist nur, dass die Frösche schneller und nicht zu sehr ins Gespräch, sprich ins Gequake, vertieft sind.

Kleiner grüner Krachmacher im grünen Dschungel DSC_1091

Kleiner grüner Krachmacher im grünen Dschungel

 

Veröffentlicht unter Alltag, Garten, Umwelt | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Von Horror- und Balkongärtnerinnen

Manchmal fällt der Apfel doch weit vom Stamm. Und manche Talente und Eigenschaften überspringen eine oder gar zwei Generationen, ehe sie bei den Kindern oder Enkeln wieder zum Vorschein kommen. Ich bin trotz meines Faibles für schöne Gärten leider eine Horrorgärtnerin. Als Gott – oder wer auch immer – die grünen Daumen verteilte, habe ich wohl schlicht gepennt oder war gerade in einem (Garten)Buch versunken. Nachträglich lässt sich das, wie wir aus Schillers Gedicht von der Teilung der Welt wissen, nicht mehr korrigieren. Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben oder der Garten. (Für alle, die sich an das Gedicht nicht mehr genau erinnern: „Was tun?“ spricht Zeus, „die Welt ist weggegeben“, zum Nachlesen http://www.ub.uni-heidelberg.de/wir/geschichte/schiller.html).

Ich bin also, wenn es um Pflanzen geht ziemlich talentfrei. Ich weiß nicht, wie viele Rittersporn ich in den vergangenen Jahren gepflanzt habe – überlebt hat nur ein einziger. Sonnenblumen werden weggefressen, sobald ich sie gesetzt habe. Und selbst die Maiglöckchen verschwinden auf unerklärliche Weise. Erst in diesem Frühjahr habe ich wieder rund ein Dutzend aus dem Garten meiner Mutter in unseren umgesiedelt – mit wenig Erfolg. Und auch die Veilchen aus dem Harz blühen im warmen Klima im niedersächsischen Flachland nicht auf, sondern sind wie vom Erdboden verschluckt.

Richtig gut gedeihen in meinem Garten vor allem Pflanzen, die man früher gemeinhin Unkräuter nannte: Giersch zum Beispiel, Brennnesseln, Sauerampfer oder Gänseblümchen. Außerdem einige ganz Robuste, die sich offenbar von nichts abschrecken lassen wie Beinwell, Topinambur, oder auch Zwergastern. Die sind zwar allesamt hübsch anzusehen, aber leider so einnehmend, dass sie sich anschicken, die letzten Winkel meines Gartens zu erobern. Sogar dem Giersch machen sie an manchen Stellen das Leben schwer.

Bei größeren Pflanzaktionen leihe mir manchmal den grünen Daumen meiner Tochter aus. Sie hat nämlich das Talent ihrer Oma väterlicherseits geerbt, die früher als Floristin arbeitete. In ihrer alten Wohnung unterm Dach wuchs die Petersilie meterhoch. Und das Orangenbäumchen bog sich unter der Last der Früchte, während unsere wesentlich größeren Zitruspflanzen zwar blühen (und dabei herrlich duften), aber seit einigen Jahren kaum mehr Früchte tragen.

Bei der Vogelschutzhecke hat der Ausleih-Trick funktioniert: Die Heckenrosen, die wir vor drei Jahren gemeinsam gepflanzt haben, sind inzwischen recht hoch und wachsen in die Breite; Apfelbeeren, rote Heckenberberitzen, Kornelkirschen und Weißdorn, die ich ein paar Wochen später alleine gesetzt habe, brauchen wohl noch eine Zeit, bis sie wie geplant Vögeln katzenfreie Nistmöglichkeiten und Nahrung bieten.

Heckenrosen

Heckenrose am Teich.

Seit ein paar Monaten hat meine Tochter einen eigenen Balkon, den sie in einen Mini-Nutzgarten verwandelt. Kartoffeln, Gurken, Paprika und Tomaten pflanzt sie dort, diverse Kräuter und ein ganzes Obstsortiment: Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Stachelbeeren, Melonen und sogar einen kleinen Apfelbaum. Der fühlt sich offenbar in seinem Pflanzsack pudelwohl  – und ich bin fast sicher, dass er mehr Früchte tragen wird als der große Apfelbaum in unserem Garten. Der hat im vergangenen Jahr seine wenigen Früchte auf unserem Rasen verteilt, ehe sie reif waren. Auf dem Balkon meiner Tochter gestaltet sich die Ernte wahrscheinlich recht einfach, auch wenn sie üppig ausfällt. Denn bei dem Mini-Baum fällt der Apfel sicher nicht weit vom Stamm.

Heidelbeerblüte

Früh blüht, was einmal  Heidelbeeren werden wollen. Foto: Nele Schmidtko

Balkon Heidelbeeren, Apfel und Kartoffeln

Platz ist auf dem kleinsten Balkon – für Kartoffel, Apfelbaum, Him- und Stachelbeeren und Tomaten (von rechts). Foto: Nele Schmidtko

 

Veröffentlicht unter Alltag, Freizeit, Garten, Umwelt, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen