Einmal Spanien und zurück

Wenn zwei gemeinsam eine Reise tun, haben sie manchmal unterschiedliche Ziele – und erzählen verschiedene Geschichten. Zum Beispiel mein Mann und ich von unserer Reise nach Spanien.

Hauptziel meines Mannes war es, die totale Sonnenfinsternis am 12. August zu fotografieren und zu sehen (ja, in dieser Reihenfolge). Dafür brauchte er gutes Wetter und einen optimalen Standort – mit freier Sicht nach Westen, möglichst am Meer gelegen, damit die zeitweise verdeckte Sonne sich im Wasser spiegelt.

Für mich war eher der Weg das Ziel. Ich wollte auf unserer Reise gen Süden – und wieder zurück – in meinem Heimatort eine Freundin und Bekannte wiedersehen, ein paar entspannte Tage am Atlantik verbringen und das Guggenheim Museum besichtigen. Denn Bilbao lag auf unserer Reiseroute. Aber mit den Plänen ist es ja bekanntlich so eine Sache.

Start mit Hindernissen

Schon am ersten Morgen weckte uns der Gestank nach faulen Eiern – und der kam nicht von außen, wie mein Mann zunächst vermutete. Eine unserer beiden Solarbatterien war glühend heiß. Kommt beides zusammen, besteht laut Google Explosionsgefahr.

Dass die Panne in Deutschland, in meinem Heimatort an der Mosel, passierte, war wohl Glück im Unglück. Ein Pannenhelfer des ADAC baute die heiße Batterie noch auf dem Stellplatz aus. Der befreundete Besitzer einer Autowerkstatt überprüfte beide Batterien und entsorgte sie, und eine Werkstatt in Trier baute zwei neue Batterien ein. Unsere Reise konnte also weitergehen, wenn auch später als geplant. So blieb mir mehr Zeit für Treffen mit meiner Freundin und Spaziergänge durch meinen Heimatort. Den Besuch im Guggenheim Museum musste ich dagegen streichen. Denn für den Sonntag, den Tag unserer Ankunft in Bilbao, konnten keine Tickets mehr gebucht werden.

Von Perigueux …

Das Schöne an Reisen mit dem Wohnmobil ist, dass man flexibel ist und immer wieder Orte entdeckt, die man vorher nicht kannte. Perigueux zum Beispiel. Ich hatte das Städtchen ausgewählt, weil es einen Stellplatz für Wohnmobile hat und ganz in der Nähe der Autobahn Richtung Bordeaux liegt – und habe mich dann in die „Hauptstadt des Perigord“ verliebt.  

Schon der Stellplatz übertrag meine Erwartungen. Der lag zwar ganz unromantisch zwischen Hochhäusern, aber direkt an der Isles. Zu Fuß brauchte ich bis ins Zentrum von Perigueux  nur ein paar Minuten. Hauptsehenswürdigkeit von Perigueux ist die Kathedrale, die als die größte in Südwestfrankreich gilt. Noch besser hat mir aber die Altstadt mit ihren gut erhaltenen Häusern – teilweise aus dem 15. Jahrhundert – und vielen kleinen Läden gefallen (In einem habe ich mir das Heft gekauft, das zu meinem Reisetagebuch wurde). Bis in die Nacht herrschte auf den Plätzen, in den Straßen und engen Gassen Hochbetrieb. Denn an den Donnerstagen im Juli und August verwandeln die „Nuits Gourmandes“ die Stadt in ein großes Restaurant. Begeistert hat mich auch die kleine Galerie Bleue direkt gegenüber der Kathedrale. Weil der Maler David Farren geborener Engländer ist, konnte ich mich ganz gut mit ihm unterhalten. Denn mein Englisch ist zum Glück besser als mein Französisch.

… an den Atlantik

Gegen so viel Flair hatten unsere beiden nächsten Übernachtungsorte – Biarritz an der französischen und Laredo an der spanischen Atlantikküste – keine Chance. Von Biarritz habe ich zugegebenerweise nur den Campingplatz und den Strand gesehen: Leider waren die Strandabschnitte ungleich verteilt: Die SchwimmerInnen – etwa 200 – mussten mit einem Strandabschnitt von etwa 200 Metern vorliebnehmen, den Großteil des Strands hatten etwa ein Dutzend SurferInnen für sich.

In Laredo war Schwimmen überall erlaubt. Trotzdem würde ich gewiss nie dort Urlaub machen: Denn der Ort ist, vorsichtig formuliert, keine Schönheit. Ein Hochhaus reiht sich an das andere. Und mein Weg vom Campingplatz zum Strand führte durch das Mini-Vergnügungsviertel des Städtchens. Sein Name Arenal – wie der Bade- und Partyort an der Südküste Mallorcas – ist Programm: Es ist ein Mini-Ballermann. Trotzdem habe ich es genossen, im Atlantik zu schwimmen, nur die Wellen hätten etwas höher sein dürfen.  

Als idealen Ort für die Sonnenfinsternis hatte mein Mann eigentlich Cabo Busto, zwischen Gijon und A Coruna direkt am Atlantik gelegen, ausgesucht. Das war mir sehr recht. Denn die Gegend hat laut www.asturias.com  eigentlich alles, was ich mir von einer Urlaubsregion wünsche: nette kleine Orte,  beispielsweise Busto selbst und das nahe gelegene Luarca, schöne Strände, schroffe Felsen, wunderschöne Ausblicke und Wandermöglichkeiten. Ob das stimmt, konnte ich leider nicht überprüfen. Denn der Wetterbericht verhieß für den Tag der Sonnenfinsternis für die Küste nichts Gutes, sprich Wolken. Im Landesinneren sollte der Himmel dagegen wolkenlos sein.

Auf der Suche nach dem idealen Ort

Also auf nach Burgos. In die Hauptstadt der Provinz Kastilien und León wäre ich ohne die Sonnenfinsternis sicher nie gekommen. Und obwohl Hotels und Campingplätze der Region angeblich schon lange ausgebucht waren, waren auf dem Campingplatz Fuentes Blancas noch einige Stellplätze frei. Dass ich an der Rezeption fast eine Stunde warten musste, lag nicht an der Sonnenfinsternis, sondern vor allem daran, dass eine Frau vor mir eine ganze Gruppe anmeldete – und der Mitarbeiter mehr als 20 Ausweise kontrollieren und die Daten erfassen musste. Denn mit der Registrierung nehmen es die spanischen Behörden offenbar sehr genau. Von wegen manana, manana. 

Der Weg vom Campingplatz in die Stadt führt immer am Río Arlanzón entlang – und in Burgos führt kein Weg an der Kathedrale vorbei, seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe. Ihre Größe und Pracht hat mich wirklich beeindruckt: An die Quer- und Seitenschiffe der ursprünglich kreuzförmigen Kirche wurden später Kapellen, ein Kreuzgang und der erzbischöfliche Palast angebaut. Im Innenraum sind unter anderem 19 Kapellen, 35 Gitter, 38 Altäre mit filigranen Altarbildern und kunstvoll gestaltete Kuppeln in luftiger Höhe zu bewundern – eins prächtiger als das andere.

Prächtig ist auch der Arco de Santa Maria, eines von zwölf mittelalterlichen Stadttoren – zumindest auf der Vorderseite. Sie wurde im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil umgebaut und mit aufwendig gemeißeltem Figuren, Wappensymbolen und Türmchen verziert. Die Rückseite präsentiert sich dagegen eher schlicht.

Obwohl Burgos direkt auf der Zentrallinie liegt, war von SoFi-Fieber dort nichts zu spüren.  Das war in Olmillos de Sasamón ganz anders. In dem Dörfchen westlich von Burgos waren fast alle Häuser mit Planeten-, Science-Fiction und astronomischen Motiven geschmückt.

Auf dem Rastplatz, auf dem wir unsere Beobachtungsstation aufgebaut hatten, hielt sich das Interesse an der Sonnenfinsternis dagegen in Grenzen. Während auf Mallorca angeblich wegen des Besucherandrangs Straßen gesperrt wurden, wartete mit uns nur ein Paar aus Deutschland und eines aus Irland auf den Abend. Erst während der Sonnenfinsternis gesellten sich dann noch ein paar SpanierInnen hinzu. Wohl eher zufällig, denn sie hatten nicht einmal Sonnenschutzbrillen dabei.

Als die Sonne wieder aus dem Schatten des Mondes hervorkam und dann unterging, begann unsere Heimreise. Früher als geplant, denn meinen Mann plagten seit Beginn der Reise Zahnschmerzen. Und auch die Hitze machte ihm zu schaffen.

Abstecher in die Vergangenheit

Beaune, die vorletzte Station unserer Reise, hatte ich vor gut vier Jahrzehnten auf einer Geschichtsexkursion durch das Reich Karls V kennengelernt. Das erstreckte sich im 16.Jahrhundert von Spanien über Frankreich und Belgien bis nach Deutschland.  

Schon zu Kaiser Karls Zeiten wurden im Hôtel-Dieu in Beaune kranke Menschen gepflegt. Es wurde laut Wikipedia schon im Jahre 1443 gegründet und bis 1971 als Hospital genutzt. besichtigt. Heute sind Teile des Gebäudekomplexes ein Altersheim, der Rest dient als Museum.

Natürlich haben wir auf unserer Exkursion damals das Hôtel-Dieu besichtigt. Dafür war es diesmal zu spät. Und so bin ich nur durch das Städtchen spaziert und habe die Häuser aus Spätmittelalter, Renaissance und Barock bewundert. Und ich habe mich wieder gefragt, wie viele Häuser, die wir heute bauen, auch nur annähernd so alt werden oder gar dann noch genutzt werden können.

Apropos alt und funktionsfähig. Mein Heimatort Neumagen beansprucht, der älteste Weinort Deutschlands zu sein. Denn der „römischen Dichter und Konsul Decimus Magnus Ausonius erwähnt in seiner „Mosella“ aus dem Jahr 368 n. Chr. das Kastell in Neumagen – damals noch Noviomagus – und die Weinberge an den Moselhängen. Außerdem weisen Funde aus der Römerzeit  darauf hin, dass in Neumagen und Umgebung schon im dritten Jahrhundert nach Christus Wein angebaut und transportiert wurde.

Das Neumagener Weinschiff, das Grabmal eines römischen Weinhändlers, ist wohl das bekannteste Denkmal aus Neumagen. Fast zwei Jahrtausende später – von 2006 bis 2007 – haben Schreiner- und Zimmerer-Azubis in der Handwerkskammer Trier das Weinschiff aus Holz nachgebaut. Es ist fast 18 Meter lang, mehr als 4 Meter breit und etwa 14 Tonnen schwer. Bis zu 32 Menschen können mitfahren, rudern müssen sie zum Glück nicht.

Wir haben die Stella Noviomagi schon oft gesehen. Am letzten Tag unserer Spanienreise sind wir zum ersten Mal damit gefahren. Die Fahrt ging bis zur Moselloreley im Nachbarort Piesport, mit einem Zwischenhalt bei der römischen Kelteranlage. Die stammt aus dem 3./4. Jahrhundert nach Christus, wurde 1985/86 entdeckt, restauriert und ist laut Website des Weininstituts wieder voll funktionsfähig. In der Anlage, zu der mehrere Maischebecken, das Fumarium, d. h. eine Räucherkammer, und die große Baumkelter gehören, konnten die Römer schätzungsweise 60.000 Liter Wein keltern und verarbeiten.

Natürlich wurde an der Kelter auch ein Glas Wein kredenzt. Wir haben allerdings nur einen Schluck getrunken. Schließlich mussten wir noch zurück Burgwedel fahren. Nach zwei Wochen und mehr als 4000 gefahrenen Kilometern waren wir wieder zu Hause.

Fazit

Nein, es lief nicht alles wie geplant, aber das ist bei einer so langen Reise ja auch nicht zu erwarten. Vielleiicht wäre das ja sogar ein bisschen langweilig. Aber ich habe unterwegs viele schöne Orte und Dinge gesehen, viele interessante Gesspräche geführt – mit alten Bekannten und Menschen, die mir unterwegs begegnet sind und die ich wohl nie wieder sehen werde. Ich habe Neues entdeckt und Bekanntes wiederentdeckt, einige Anregungen bekommen und Manches gelernt. Ich bin an mehreren Flüssen entlangspaziert, habe im Atlantik gebadet und das schöne Wetter genossen – auch wenn es manchmal ziemlich heiß war. Und ich durfte mit der Sonnenfinsternis am 12. August ein beeindruckendes Naturschauspiel erleben – zum zweiten Mal in meinem Leben. Was will frau mehr.

Den Reisebericht meines Mannes Utz Schmidtko mit viele Fotos und einem Film von der Sonnenfinsternis finden Sie unter https://sternefueralle.wordpress.com/

Pilgern für AnfängerInnen

Manchmal wirken kurze Begegnungen lange nach, zum Beispiel die mit dem Deutschen auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe von Dijon. Dass wir uns getroffen haben, war Zufall. Denn eigentlich wollten wir auf unserer Fahrt nach Spanien auf einem anderen Campingplatz in Premeaux-Prissey übernachten. Doch dort waren alle Plätze belegt. Ganz in der Nähe hatte ich zufällig das Hinweisschild auf den „Camping Le Moulin De Prissey“ gesehen, auf dem wir dann bleiben konnten.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort? UnserStellplatz auf dem „Camping Le Moulin De Prissey“

Zufällige Begegnung …

Wahrscheinlich hätte ich den Mann gar nicht angesprochen, wenn er uns nicht uns um ein bisschen Öl zum Kochen gebeten hätte. Als er dann essend auf einer Bank saß, kamen wir ins Gespräch. Ich erfuhr, dass er vor über einer Woche in Koblenz losgegangen war und auf dem Jakobsweg durch Frankreich pilgerte.

Zu Fuß durch Frankreich zu gehen – das käme mir nie in den Sinn. Denn schon wenn man mit 100 Kilometern pro Stunde durchs Land fährt, ziehen sich manche Strecken endlos. Wie mag das erst bei einer Reisegeschwindigkeit von maximal 30 Kilometern pro Tag sein – bei Temperaturen um die 40 Grad.

Es sei schon eine Herausforderung, gab der Pilger zu. Pilgerherbergen gebe es auf dem Weg kaum, deshalb übernachte er oft im Zelt. Und während der Camino Francés in Spanien stark frequentiert, ja sogar überlaufen ist, war der Mann aus Koblenz bislang keinem einzigen Pilger begegnet. Es war eine einsame Wanderung mit wenig Abwechslung. Trotzdem wollte er weitergehen, möglichst bis Pamplona. In seinem nächsten Urlaub werde er dann die Pilgerreise durch Spanien fortsetzen.

Meinen Traum, irgendwann den Jakobsweg zu gehen, habe ich schon vor Jahren ad acta gelegt. Denn auf einer Reise durch Nordspanien habe ich gesehen, dass der Camino oft entlang der Schnellstraßen verläuft. Kilometerweit am Rand vielbefahrener Straßen zu wandern, ist für mich keine Option. Und auch die Schilderungen von überfüllten Schlafsälen in den Herbergen schrecken mich zugegebenerweise  ab.

Es gebe sicher schönere Wanderungen, aber trotz aller Strapazen und Widrigkeiten kehrten viele, die den Camino einmal gegangen sind, wieder zurück, meinte der Pilger: „Der Weg macht etwas mit den Menschen, die ihn gehen, auch mit denen, die nicht religiös sind.“

… mit Folgen?

Als ich mich am nächsten Morgen von ihm verabschieden möchte, ist er verschwunden. Aber unser kurzes Gespräch spukt seither in meinem Kopf. Ein bisschen mehr Spiritualität könnte mir und meinem Leben sicher nicht schaden. Und während wir durch Frankreich und Spanien fahren, denke ich immer wieder an ein Buch, das ich vor Kurzem gelesen habe: „Leichtes Herz und schwere Beine: Mit Mama auf dem Jakobsweg“  von Tobias Schlegl.* Der ehemalige Aspekte-Moderator hat seine Mutter auf dem Jakobsweg begleitet. Sie ist 73 Jahre alt und wollte auf dem Camino darüber nachdenken, was im letzten Teil ihres Lebens passieren soll. Die Zeit und Ruhe zum Nachdenken dazu findet sie beim Wandern.

Das verstehe ich gut – mir geht es ähnlich. Aber der Camino muss es nicht gleich sein. Wenn überhaupt, würde ich den portugiesischen Jakobsweg gehen, und zwar den Küstenweg (Camino da Costa), der meist am Atlantik entlangführt. Oder den Mosel-Camino von Koblenz-Stolzenfels nach Trier. Zu meinem 50. Geburtstag habe ich mir die Teilnahme am 100-Kilometer-Lauf von Biel „geschenkt“. Vielleicht schenke ich mir zum 70. die Wanderung auf dem Mosel-Camino durch meine alte Heimat. Wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahr.

Harzer Klosterweg – zweiter Versuch

Doch nach unserer Rückkehr aus Spanien starte ich zunächst mit einer Wanderung auf dem Harzer Klosterweg, der durch das Harzvorland von Goslar nach Quedlinburg führt. Gemeinsam mit meiner Tochter bin ich vor drei Jahren die erste Etappe von Goslar nach Vienenburg gegangen. Weil uns die Strecke aber nicht so gut gefallen hat, habe ich den Weg nicht fortgesetzt. Aber vielleicht ist ja jetzt der richtige Zeitpunkt. 

Diesmal gehe ich alleine los, und zwar von Wernigerode nach Ilsenburg. Drei Klöster liegen auf der Etappe, in keinem leben mehr Mönche oder Nonnen. Vom Augustiner-Eremitenkloster Himmelpforte, vom 13. bis zum 16. Jahrhundert wohl ein bedeutendes religiöses, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region, sind heute sogar nur noch ein paar Grundmauern übrig.

Nur eine Bank und einige Infotafeln erinnern an das einst bedeutende Kloster Himmelpforten

Kloster Nummer zwei, die ehemalige Benediktinerinnen-Abtei Kloster Drübeck, wurde laut Wikipedia auf Bitte der letzten Äbtissin 1946 in ein Erholungsheim mit Tagungsstätte umgewandelt. Heute ist das Kloster eine Tagungsstätte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die Atmosphäre des ehemaligen Klosters gefällt mir: Es ist ruhig, ein bisschen scheint die Zeit hier still zu stehen. Hier würde ich gerne ein paar Tage verbringen. Ich spaziere durch den Klostergarten und schaue mir die Klosterkirche an. Sie hebt sich durch ihre Schlichtheit wohltuend von vielen überreich verzierten Kirchen ab, die ich auf unserer Fahrt durch Frankreich und Spanien besichtigt habe.

Das letzte Kloster, Kloster Ilsenburg, habe ich mir nur von außen angesehen. Für eine Besichtigung blieb keine Zeit. Denn meine Katzensitterpflichten riefen. Aber wenn ich demnächst die Klosterweg-Etappe von Vieneburg nach Ilsenburg gehe, werde ich das das nachholen.

*Tobias Schlegl: „Leichtes Herz und schwere Beine: Mit Mama auf dem Jakobsweg. Ein inspirierendes Buch über Familie, das Älterwerden und den Camino“. Piper 2025.

12 von 12 im August: Alles dreht sich um die Sonne

Zugegeben, ich bin spät dran. Aber obwohl heute schon der 13. ist, möchte ich die Fotos, die ich gestern für das Projekt 12 von 12 gemacht* habe, noch veröffentlichen. Denn der 12. August war ein besonderer Tag: Gegen Abend verdeckte der Mond die Sonne für etwa anderthalb Minuten komplett. Das geschieht zwar im Schnitt zweimal im Jahr, ist aber nur selten an Orten zu sehen, die von Deutschland aus gut zu erreichen sind. Ich habe, obwohl ich fast 70 bin, erst eine Sonnenfinsternis erlebt – und die hat mich wirklich beeindruckt.

Mein Mann ist begeisterter Amateur-Astronom – und so sind wir, um die totale Sonnenfinsternis zu erleben, mit dem Wohnmobil nach Spanien gefahren. Einer der Orte, die fast auf der Zentrallinie liegen ist Burgos. Außerdem ist in der Region die Chance, dass der Himmel in der entscheidenden Zeit – von 19:33 bis 21:15 Uhr – wolkenlos ist, recht groß.

Die beiden letzten Nächte vor der Sonnenfinstenis verbrachten wir auf dem Campingplatz Las Fuentes Blancas in Burgos. Wegen des besonderen Ereignisses waren fast alle Stellplätze belegt, aber die Atmosphäre war sehr entspannt und ruhig.

Ob zu Hause oder unterwegs:  Mein Tag beginnt (meist) mit den Morgenseiten. Aber 2.000 Kilometer südlich und 500 Kilometer westlich von Hannover ist es kurz nach 6 noch dunkel. Doch mit meinem iPad kann ich zum Glück auch im Dunkeln schreiben.

Nach dem Morgenkaffee – diesmal im Freien –

… ging’s zu einem anderen Stellplatz gut 30 Kilometer westlich von Burgos. Der lag zwar ganz unromantisch direkt an der Autobahn, bot aber freie Sicht nach Westen und damit optimale Voraussetzungen für Sonnenfinsternis-Fotos.

Schatten gab es dort nicht – die Temperatur kletterte schon vormittags auf über 40 Grad. Trotzdem arbeitete ich eine Zeit lang in unserem Schlaf-Wohn-Ess-Büro …

… bevor ich Olmillos de Sasamón, das Dörfchen in der Nähe unseres Beobachtungsplatzes, erkundete. Gerne wäre ich auf die Türme der Burg aus dem 15. Jahrhundert gestiegen. Aber das Castillo de los Cartagena wird leider als Hotel genutzt.

Der kleine Ort war offenbar im So-Fi-Fieber; fast alle Häuser waren mit Planeten- und anderen astronomischen Motiven geschmückt.

Wieder zurück im Wohnmobil, präpariere ich die Spezialbrille, ohne die man nicht in die Sonne schauen darf.

… während mein Mann noch einmal seine Fototechnik testet.

Gegen 19.30 Uhr begann dann das besondere Naturschauspiel: Langsam „fraß“ der Mond die Sonne auf, die Landschaft wurde in ein ganz besonderes Licht getaucht, und die Corona, der Höhepunkt der Sonnenfinsternis war wirklich wunderschön.

Foto: Utz Schmidtko

Sie dauerte nur etwa eine halbe Minute, dann kehrte die Sonne zurück – am Anfang war sie noch etwas „angeknabbert“, aber nach einer Stunde war sie wieder komplett. Zum Glück.

* Das Projekt 12 von 12 wurde von Chad Darnell initiiert und wird in Deutschland von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt. 

Monatsrückblog Juni 2026

Mit dem Juni ist es so eine Sache: Ich liebe den Monat, weil es oft warm ist, die Tage lang und die Nächte nur kurz sind. Sommer also. Andererseits ist mir bewusst, dass die Tage ab dem 23. Juni wieder kürzer werden. Auch wenn man das zum Glück noch nicht wirklich merkt, macht mich der Gedanke an die kommende dunkle Jahreszeit manchmal melancholisch.

Schreibzeit zum Mittsommer

Diese zwiespältigen Gefühle waren auch Thema beim „Schreiben zum Mittsommer“ der Textmanufaktur.  Mittsommer ist als Wendepunkt im Jahreskreis eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, was in der ersten Jahreshälfte gewesen ist und welche Veränderungen frau sich für die zweite wünscht. Es ist eine Chance, die Weichen neu zu stellen. Sabine E. Rasch hat für die TeilnehmerInnen der dreistündigen Online-Schreibzeit wieder sehr interessante Fragen und spannende Schreibimpulse zusammengestellt.

Die Schreibzeit ist Teil der Reihe „Schreiben im Jahreskreis“, die im vergangenen Dezember mit dem Schreiben zur Wintersonnenwende begonnen hat und Ende September mit dem Schreiben zum Erntedank fortgesetzt wird. Ich bin auch dann sicher wieder dabei.

Es ist nie zu spät, neu anzufangen

Womit möchte ich meine Zeit in den nächsten Jahren verbringen – und mit wem? Was möchte ich (noch) lernen? Um diese und andere Fragen geht es auch in Julia Camerons Buch „Es ist nie zu spät, neu anzufangen“. Ich habe es mir vor fast zehn Jahren, kurz nach meinem 60. Geburtstag, gekauft – wohl auch wegen des Untertitels „Der Weg des Künstlers ab 60“. *

Das 12-Wochen-Programm richtet sich an Menschen an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt.  Es will sie ermutigen, an ihre Kreativität zu glauben und endlich das zu tun, was sie möchten – egal ob sie Klavier spielen, Gedichte schreiben, sich sozial engagieren, Vögel beobachten oder wie ich zeichnen lernen wollen.

In diesem Jahr werde ich 70; es ist also höchste Zeit für Versuch Nummer drei. Noch ist es nicht zu spät, etwas Neues anzufangen.

Aufgetaucht

Philipp Klein wurde nur etwa halb so alt wie ich. Der Maler starb schon mit 36 – und ist wohl auch deshalb in Vergessenheit geraten. Viele seiner Bilder waren verschollen und sind erst jetzt wieder aufgetaucht.

Ich hatte noch nie etwas von Philipp Klein gehört, bis Freunde aus Süddeutschland mich auf die Ausstellung aufmerksam machten. Sie wurde zuerst in Kleins Heimatstadt Mannheim gezeigt und ist jetzt noch bis Ende Oktober im Landesmuseum Hannover zu sehen.

Geprägt wurde Klein durch Vorbilder wie Monet und Edgar Degas. Viele Zeitgenossen schätzten ihn als „Sonnenlicht-Maler“ – zu Recht, denn wie er das Licht einfängt, ist wirklich genial. So möchte ich auch malen können.

Bekannter als Philipp Klein sind die meisten MalerInnen, deren Werke zur Zeit im Sprengelmuseum ausgestellt sind. Mehr als 400 Werke vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart werden in 20 Räumen präsentiert. Max Beckmann, Max Ernst, Gabriele Münter und Pablo Picasso sind ebenso vertreten wie Karin Sander, Georg Baselitz oder die hannoversche Künstlerin Christiane Möbus, deren Arbeit „mein lieber Schwan“ der Ausstellung ihren Namen gab.

Strom von der Sonne

Apropos (Sonnen)Licht: Wir haben lange darüber nachgedacht – und uns jetzt endlich für eine Photovoltaikanlage entschieden, obwohl wir zu zweit eher wenig Strom verbrauchen.

Die Solarmodule wurden Anfang Juni auf unserem Dach montiert, drei Wochen später hat die Elektrikerin dann den Speicher installiert und die Anlage ans Stromnetz angeschlossen. Und weil der Juni sehr sonnig war und unser nach Süden ausgerichtetes Dach für die Sonnenernte ideal ist, haben wir seitdem keinen Strom mehr aus dem Netz bezogen – aber schon einiges eingespeist. Das freut uns – und die Umwelt.

Paddeln am Hüttensee

Manchmal muss es weder ein langer Urlaub noch ein weit entferntes Reiseziel sein. Bis zum Campingplatz Hüttensee bei Winsen brauchten wir mit dem Wohnmobil gerade mal eine Dreiviertelstunde. Unser Stellplatz war so, wie ich ihn mir gewünscht hatte: Egal aus welchem Fenster ich schaute – immer konnte ich Wasser sehen. Bis zum Schwimmteich waren es gerade mal 150 Meter, noch näher lag der Steg am Hüttensee, von dem aus wir mit unserem Kanu lospaddeln konnten.

Im Hüttensee selbst, dem größten der insgesamt etwa 80 Meißendorfer Teiche, ist Schwimmen nicht erlaubt. Und auch Boote dürfen auf dem See nur von 9 bis 19 Uhr fahren. Denn die Teiche, die Ende des 19. Jahrhunderts angelegt wurden, um Karpfen zu züchten, sind heute Naturschutzgebiet –  laut Website www.lueneburger-heide.de eines der wertvollsten Feuchtgebiete in Niedersachsen: ein Refugium für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Etwa 130 Brutvogel-, circa 40 Libellen-, über 400 Schmetterlings- und viele Fischarten leben dort, außerdem zahlreiche Amphibien und Reptilien. Sie sollen nicht mehr als nötig von uns Menschen gestört werden. Auch wir haben die Ruhe genossen – und die Paddeltouren über den See, den wir meist nur mit Schwänen, Gänsen und anderen (Wasser)Vögeln teilen mussten.

Sommerspaziergang Wettmar.

Ich mag schöne Gärten und Kunst(handwerk). Deshalb ist der Sommerspaziergang in Wettmar für mich ein Muss. Bei der Aktion öffnen alte Höfe im Dorf ihre Tore und Gärten und geben KunsthandwerkerInnen die Gelegenheit, sich und ihre Werke zu präsentieren. In diesem Jahr machten fast 70 AusstellerInnen an zehn Ausstellungsorten mit.

Auch einer meiner Lieblingshöfe, Hof Küpmann, war in diesem Jahr zum Glück wieder dabei. In den verwunschenen Garten verliebe ich mich bei jedem Besuch aufs Neue – in das kleine Gartenhaus würde ich am liebsten einziehen. Das geht natürlich nicht, aber ich durfte eine Zeit lang im Garten sitzen, schreiben und die Seele baumeln lassen.

*Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung

Zum Nachlesen: Julia Cameron: Es ist nie zu spät, neu anzufangen. Der Weg des Künstlers ab 60. Droemer Knaur, München 2017

12 von 12: Mein 12. Juli

Wie schon in den letzten Monaten beteilige ich mich auch im Juli an Projekt 12 von 12, das von Chad Darnell gestartet und jetzt von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt wird,  dokumentieren BloggerInnen mit 12 Fotos, was sie am 12. Tag des Monats erlebt haben.

Mein Tag begann früh, um null Uhr. Ich habe mir das Viertelfinale der Fußball-WM zwischen Norwegen und England im Fernsehen angeschaut. Ich habe der norwegischen Nationalmannschaft die Daumen gedrückt und gehofft, dass sie gewinnt. Leider vergeblich.

Seit einiger Zeit schreibe ich die Morgenseiten wieder mit der Hand. Nicht immer, aber immer öfter. Oft nutze ich mein iPad, das meine Handschrift in Maschinenschrift umwandelt. So kann ich das Geschriebene auf meinem Computer abspeichern.

Noch vor dem Frühstück bin ich mit dem Fahrrad zum Würmsee gefahren. Der ist, anders als sein Name vermuten lässt, kein richtiger See, sondern nur ein kleiner, flacher Teich. Im Sommer verlandet er oft, in manchen Jahren kann man ihn sogar trockenen Fußes durchqueren. In diesem Jahr zum Glück (noch) nicht.

Meinen Morgenkaffee habe ich auf einem Steg getrunken. Auch wenn der See nur noch wenig Wasser hat, reichte es für ein bisschen See-Feeling.

Einer meiner Lieblingsplätze ist die Bank mit den Tierfiguren. Reiher, Fuchs, Kröte und Co erinnern mich an die Geschichte der Tiere aus dem Talerwald. Meine Tochter hat die Bücher, Comics und Zeichentrickfilme geliebt, als sie klein war – jetzt schaut meine jüngste Enkelin sich die Filme und Hefte gerne an. Wenn ich auf der Bank sitze, denke ich oft über die Frage  nach, die auf der Lehne steht: Was brauchst du für dein Leben?

Die Steuererklärung bräuchte ich gewiss nicht, aber an ihr führt für Selbstständige wie mich kein Weg vorbei. In den letzten Wochen habe ich die Belege zusammengetragen und geordnet, Ein- und Ausgaben berechnet. Heute haben wir die Daten ins Steuerprogramm eingetragen. Erkenntnis: Wenn frau sich mal aufrafft, ist es gar nicht so schlimm.

Wir lieben Heidelbeeren – und kaufen sie in der Saison bei einem Landwirt im Nachbarort. Die Beeren wachsen direkt hinter dem Hof, sind also garantiert frisch. die Verkaufsstelle ist auch sonntags geöffnet. Wer will, kann selbst pflücken. Doch das brauche ich nicht.

Himbeeren ernten wir in unserem eigenen Garten, unter anderem in dem kleinen Beet direkt neben der Terrasse.

Dort wachsen auch Minze und Zitronenmelisse, mit denen ich mein Wasser im Sommer gerne geschmacklich aufpeppe.

Der Ableger der Tellerpflanze musste endlich eingepflanzt werden, ihre große Schwester brauchte dringend mehr Erde. Heute habe ich beides erledigt.

Auf der Terrasse haben wir heute unsere neue Bank aufgestellt. Dort werde ich in den nächsten Wochen sicher oft sitzen, lesen oder schreiben.

Der Abend endet wie viele: Mit einem Eintrag in meinem Fünf-Jahres-Buch und mit Lesen, heute Tilman Jens‘ Buch „Demenz. Abschied von meinem Vater“.

Die Gärten sind geöffnet

Die ersten Gartenbesitzer in und um Hannover haben ihre Gartenpforten schon im März für Gartenfans geöffnet. Offiziell können laut Veranstaltungskalender fast hundert Gärten besichtigt werden. Eigentlich sind es aber mehr. Denn allein in der Gartenkolonie Tiefenriede, in der ich vor zwei Wochen meine diesjährige Offene-Pforten-Saison eröffnet habe, habe ich mehr als zehn Gärten angeschaut. Im Katalog zählt die Kolonie aber nur als ein Garten.

In Hannover gibt es rund 20.000 Kleingärten, wie die Schrebergärten offiziell heißen. Damit rangiert die niedersächsische Landeshauptstadt nach Angaben des Bundesverbands der Kleingartenvereine Deutschlands im Kleingarten-Ranking der 15 größten deutschen Städte auf Rang 5, hinter Berlin (66.000 Kleingärten), Leipzig (39.000) Hamburg (32.000) und Dresden (25.000).

Von Schrebergärten …

Wer glaubt, dass SchrebergärtnerInnen spießig und ihre Gärten langweilig und ziemlich einförmig sind, weil strikte Vereinsvorgaben eingehalten werden müssen, wird in hannoverschen Südstadt eines Besseren belehrt. Die Gärten waren so individuell und verschieden wie ihre BesitzerInnen. Gartenzwerge, Symbol der Kleingartenspießigkeit, habe ich in keinem einzigen Garten gesehen.

Besonderes Highlight war für mich der Garten von Thomas Domina und Thomas Marquardt: Im vorderen Teil vermitteln Buddhafiguren und bonsaiartig geschnittene Gehölze das Gefühl, in einem asiatischen Garten zu sein. Im hinteren Bereich versteckt sich ein Nutzgarten, mit Hochbeeten und Beerensträuchern.

Verschiedene Sitzgelegenheiten zwischen Stauden und bunten Sommerblumen laden dazu ein, einfach nur dazusitzen und die Seele baumeln zu lassen. Meinen Lieblingsplatz hatte ich am kleinen Teich mit Sumpfbeet schnell gefunden: Auge in Auge mit dem Reiher, den meine Anwesenheit nicht störte. Hier wäre ich gerne länger geblieben.

… und Dachgärten

Genauso wie zwei Wochen später im Dachgarten von Barbara Schwartz – eine Oase mitten in der Südstadt. Die Terrasse auf dem Flachdach einer Lagerhalle versteckt sich hinter dem Wohnhaus, das schon von Weitem leicht zu erkennen ist. Vor mehr als zehn Jahren haben Barbara Schwartz und ihr Mann Ulrich Dröge Kletterrosen an der Hauswand gepflanzt – mit Genehmigung des Tiefbauamts. Inzwischen ranken New Dawn und Kir Royal bis in den ersten Stock – und das Rosenhaus ist ein beliebtes Fotomotiv.

Für Gartenfans führt der Weg zur Dachterrasse durch die Galerie im Treppenhaus mit Bildern und anderen Kunstwerken von Barbara Schwartz. Gerade mal 100 Quadratmeter ist der Garten klein; trotzdem wachsen und blühen hier mehr als 100 verschiedene Pflanzenarten von A wie Agave und Akelei bis Z  wie Zwergflieder und Zwergweide – einige von ihnen sogar mehrfach. Viele hat die Gärtnerin selbst aus Samen oder Ablegern gezogen, andere – wie die Peruanische Giftbeere – haben sich von selbst ausgesät.

Ich durfte zwei Ableger und ein Tütchen mit Samen aus Barbara Schwartz‘ Garten mit nach Hause nehmen. Die Peruanische Giftbeere wächst und gedeiht jetzt hoffentlich auf unserer Terrasse in einem großen Topf. Denn sie wurde, wie der Name schon sagt, aus Südamerika importiert. Als invasive Art kann sie heimische Pflanzen verdrängen und sich negativ auf die Artenvielfalt auswirken.

Die kleine Malve habe ich dagegen ins Beet vor dem Wintergarten gepflanzt. Malven stammen laut Bienenretter.de zwar ursprünglich aus Asien und Südeuropa, sind aber seit Jahrhunderten in Deutschland „eingebürgert“. Sie werden von „verschiedensten Insektenarten genutzt – mal als Schlafplatz, mal als Nahrungsquelle“ und gelten als besonders bienenfreundlich.

Den ebenfalls geschenkten Samen des gelben Waldmohns werde ich erst im Oktober aussäen. Denn die Pflanze ist ein Kaltkeimer: Sie braucht nach einem warmen Start eine Kältephase. Und mit der ist in den nächsten Tagen sicher nicht zu rechnen

12 von 12 im Juni

12 von 12 zum dritten, denn mir gefällt das Projekt, das von Chad Darnell gestartet und jetzt von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt wird. Am 12. jeden Monats dokumentieren BloggerInnen ihren Alltag mit 12 Fotos.

Der 12. Juni beginnt wie so viele Tage mit einem frisch gepressten Zitronensaft …

… und wie fast immer mit den Morgenseiten, heute ausnahmsweise im Wintergarten. Und ja, ich schreibe die Morgenseiten, anders als von Julia Cameron empfohlen, mit dem Computer. Denn manchmal gehen meine Morgengedanken nahtlos in andere Texte über. Habe ich zum Beispiel die Idee für einen Blogbeitrag, notiere ich, was mir in den Sinn kommt und kopiere die Passage später per Mouseclick in die richtige Datei.

Ich liebe es, morgens barfuß durch den Garten und über das vom Regen oder Tau feuchte Gras zu gehen.

Jetzt, im Sommer, pflücke ich dabei Früchte für unser Müsli. Bislang nur Erdbeeren und Johannisbeeren, doch bald sind auch Himbeeren und Stachelbeeren reif.

Erdbeeren in ein Beet mit roten Rosen zu pflanzen, war vielleicht keine so gute Idee. Ich habe schon so manches Blütenblatt mit einer Erdbeere verwechselt.

Obwohl es schon Mitte Juni ist, ist es morgens noch recht frisch, wenn ich mit dem Rad zum Schwimmbad fahre. Das Wasser ist zum Glück wärmer als die Luft.

Meine Tochter, die uns heute besucht, hat mich begleitet und brauchte eine Eintrittskarte. Die gibt es so früh am Morgen nur am Automaten – und der akzeptiert kein Bargeld. Auch wenn die Schwimmbadkasse besetzt ist, müssen Einzel- und Zehnerkarten mit Karte bezahlt werden. Bei Dauerkarten ist dagegen Barzahlung möglich. Eine wirklich saublöde Regelung.

Ich nehme meine EC-Karte nur ungern mit ins Schwimmbad. Denn im Umkleidebereich gibt es zwar Schränke, um Kleider und Wertsachen einzuschließen. Doch die Schlösser könnte selbst ich knacken. Und Schilder weisen darauf hin, dass die Stadt keine Haftung für den Inhalt der Schränke und eventuelle Schäden übernimmt. So wälzt man Probleme auf die BürgerInnen ab. Als ich nach Burgwedel gezogen bin, war die Verwaltung sehr kompetent und bürgerfreundlich. Doch die Zeiten sind wohl endgültig vorbei. Schade.

Wir wollten grillen – und ein bisschen Regen konnte uns natürlich nicht abschrecken. Der Sonnenschirm wurde kurzerhand zum Regenschirm. Gegessen haben wir dann im Wintergarten. Da war’s trockner und wärmer als draußen.

Schaukeln geht immer, auch in einer kurzen Regenpause.

Was soll aus dieser Rose werden. Die gefüllte, weiße Rose, die ich vor Jahren im Beet vor dem Wintergarten gepflanzt habe, ist verschwunden. Offenbar hat ein Durchtrieb der Unterlage, eine Rosa canina, die zum Pfropfen der Edelsorte verwendet wurde, den Rosenstrauch inzwischen übernommen. „Radikal ausschneiden“, rät ein Freund meines Mannes, der es als Botaniker wissen muss. Aber eigentlich mag ich Hundsrosen, auch wenn diese leider nicht duftet. Sie darf also zumindest vorerst noch weiterblühen.

Je älter ich werde, desto mehr vermisse ich das Wasser. Weil es in Burgwedel selbst weder einen Fluss noch einen See gibt, gehe ich oft zum Wasserbecken bei der Seniorenwohnanlage. Dort blühen jetzt ganz viele Seerosen.

Auf dem Rückweg komme ich durch den Alten Park, der zurzeit von riesigen Insekten aus Kalkstein, Granit und Basaltlava bevölkert ist. Die Open-Air-Ausstellung des Bremer Künstlers Peer Steppe ist im Rahmen der „IntraRegionale 2026“, einem großen regionalen Kunstprojekt in der Region Hannover, noch bis Ende Juli zu sehen.

Der Tag klingt aus, wo er begonnen hat: im Wintergarten. In meinem Fünf-Jahres-Buch notiere ich an fast jedem Abend ein paar Zeilen. Während ich schreibe, lese ich oft die Einträge  auf der jeweiligen Seite und erfahre, was ich in den vergangenen Jahren am gleichen Tag getan oder erlebt habe. So habe ich vor zwei Jahren am 12. Juni erfahren, dass eine Freundin an der Mosel gestorben ist. Carpe diem

Monatsrückblog Mai 2026

Jetzt ist auch der Mai, wieder vorbei. Schade, denn der Mai ist mein Lieblingsmonat. Es ist morgens schon früh hell und wird abends erst spät wieder dunkel. Da ist die Gewissheit, dass die Tage noch länger werden – und das Gefühl, dass der Sommer noch lange dauert. In diesem Mai war es sehr sonnig – vor allem in der zweiten Monatshälfte kletterte das Thermometer teilweise auf hochsommerliche 30 Grad. Und ich mag es gerne warm.

Wanderurlaub in Portugal

Meist sonnig, aber nicht zu heiß: Zum Wandern war das Wetter in der ersten Maiwoche in Portugal ideal. Und auch sonst stimmte in unserem Wanderurlaub eigentlich alles. Azenhas do Mar gilt als einer der schönsten Orte Portugals. Die Landschaft ist traumhaft, Foe hatte tolle Wanderrouten ausgearbeitet und eine schöne Ferienwohnung nah am Meer ausgesucht. Nur mit dem Schwimmen klappte es nicht – die Wellen im Atlantik waren ziemlich hoch und so ganz traue ich meinem Fuß auch ein Jahr nach der OP noch nicht.

Schwimmen in Burgwedel

Eigentlich ist Schwimmen ja nicht mein Sport: Das Wasser ist mir zu kalt und zu nass. Aber wenn ich mich überwunden habe und im Wasser bin, macht es mir meist Spaß. Außerdem ist Schwimmen gesund und hilft möglicherweise auch bei den muskulären Problemen, die mich zurzeit plagen. Und so habe ich mir eine Saisonkarte für das Freibad in Burgwedel gekauft und mir vorgenommen, jede Woche mindestens zweimal schwimmen zu gehen. Das ist mir bis jetzt gelungen.  

Schreiben

Mit dem Schreiben klappte es dagegen im Mai – wie schon im April – leider überhaupt nicht. Mitte März hat mich eine allgemeine Schreibunlust gepackt. Außer meinen Morgenseiten habe ich nur wenig geschrieben. Mein Ziel, den Roman, an dem ich arbeite, im zweiten Quartal zu beenden, ist in weite Ferne gerückt. Und auch die Zahl der veröffentlichten Blogbeiträge bleibt mit je drei im April und Mai weit hinter meinem Ziel zurück. Fünf sollten es jeden Monat eigentlich sein. Nicht einmal den Monatsrückblog für April habe ich beendet und gepaostet. Doch ich hoffe, dass die Lust am Schreiben allmählich wieder zurückkehrt. Vielleicht brauchte ich einfach mal eine Pause …

Natur Journaling

… oder einen Anstoß von außen. Anfang des Jahres hatte ich mir vorgenommen, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und Nature Journaling auszuprobieren. Mich reizt an der modernen Art des Naturtagebuchs die Kombination aus Wörtern, Skizzen, Fotos, Zahlen und Fakten. Ich bin zwar weder eine gute Zeichnerin und noch kenne ich mich mit der heimischen Flora und Fauna aus. Aber wer ein Nature Journaler führt, muss weder KünstlerIn noch NaturforscherIn sein, so das Credo der Nature-Journaling-Bewegung.

„Es geht nicht ums perfekte Zeichnen, sondern ums bewusste Hinschauen, Beobachten und Fragenstellen“, meinte Tina Blanke, die Leiterin des VHS-Kurses, den ich belegt habe. „Mit jedem Strich, jedem Wort und jeder Frage wächst ein Stück Naturverbindung.“ Das klingt gut. Jedenfalls hat mich der Kurs ermutigt und motiviert.Ich werde das Nature Journal, das ich im Januar begonnen habe und das über die Anfänge nicht hinaus gekommen ist, weiterführen.

Unser Garten im Mai

Ja, es ist nur ein Garten, aber wenn ich im Wintergarten, auf der Terrasse oder im Garten bin, fühle ich mich ein bisschen wie in der Natur. Im Mai zeigte sich der Garten von seiner schönsten, buntesten Seite. 

Allen voran die Rosen, die sich in unserem Garten sehr wohlzufühlen scheinen – die beiden ausgewilderten No-name-Topfrosen ebenso wie meine drei Edelrosen: die Rhapsody in Blue, die Künstlerrose und die Päonienrose.  

Vor allem die Rhapsody blüht in diesem Jahr so üppig wie noch nie. Die Blüten stehen dicht an dicht und duften herrlich, doch leider verblühen sie sehr schnell. Die Pfingstrosen haben lange auf sich warten lassen – erst Ende Mai öffnete sich endlich die erste Knospe.

Ich bin, ich gebe es zu, eine Chaosgärtnerin: Viele Pflanzen haben sich ohne mein Zutun in unserem Garten angesiedelt und sind gern gesehene Gäste: Die Fingerhüte zum Beispiel, Glockenblumen und Mohn. Nur den Dreimasterblumen muss ich immer wieder Einhalt gebieten, weil sie sonst alles überwuchern, was in ihrer Nähe wächst.

Nicht nur Fachwerk

Apropos Nähe, manchmal liegt das Schöne wirklich ganz nah. Celle zum Beispiel. Natürlich war ich schon öfter in der Stadt, die laut Geo.de zu den zehn schönsten Fachwerkstädten Deutschlands zählt und das größte geschlossene Ensemble Europas bildet.

Aber obwohl Celle nur zehn Minuten mit dem Zug entfernt liegt, also quasi direkt vor der Haustür, fahre ich nur selten hin. Auch Ende Mai bin ich nur durch die Stadt gebummelt, weil ich vor einem Arztbesuch noch Zeit hatte.

Das soll sich ändern, denn Celle hat mehr zu bieten als eine pittoresken Altstadt mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern und einem Schloss im Renaissance- und Barocksstil. Siedlungen im  Bauhausstil beispielsweise mit sehr einfachen, aber preiswerten Kleinstwohnungen für Familien mit Kindern. Zwei der nur 32 bis 45 Quadratmeter kleinen Wohnungen im Blumläger Feld blieben unverändert und wurden Möbeln aus der Entstehungszeit ausgestattet. Ich werde sie mir beim nächsten Celle-Besuch ansehen, ebenso wie das kleine Museum, das an den Architekten und Städtebauer Otto Haesler erinnert, der die Häuser in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts entworfen hat.

Gedenken an Dr. Albert David

Am 9. November vergangenen Jahres habe ich mit anderen Omas gegen rechts den Stolperstein für Dr. Albert David am Alten Postweg in Großburgwedel geputzt und mit Blumen geschmück. An seinem Todestag haben wir die Aktion wiederholt. Am 19. Mai 1940 vergiftete sich der angesehene Arzt in seiner Wohnung, als ihn zwei Gestapo-Männer aufsuchten und abholen wollten.

Seit der Machtübernahme im Jahr 1933 hatten ihm die Nazis das Leben schwergemacht:  Weil er Jude war, entzogen sie ihm im September 1938 die Approbation. Er musste seine Praxis schließen, sein Vermögen wurde eingezogen. Im Mai 1940 trieben sie ihn in den Tod.

Der Stolperstein für Dr. Albert David war der erste in Burgwedel, 28 weitere folgten. Sie erinnern an 28 Kinder von Zwangsarbeiterinnen, die ihren Müttern weggenommen wurden, verhungerten oder starben, weil sie nicht versorgt wurden. Der 30. Stolperstein wurde erst vor einigen Tagen in Fuhrberg, einem Burgwedeler Ortsteil, verlegt – zum Gedenken an Heinrich Seehaus, den die Nationalsozialisten 1942 hinrichteten.

Der Berggarten im Mai

Sie sind wieder da! Mitte Mai musste ich im Subtropenhof noch mit Pflanzenbildern vorlieb nehmen. Doch am Freitag vor Pfingsten waren die meisten Pflanzen wieder aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt: Bis zu exotische 100 Pflanzen verbringen die Sommermonate hinter den hohen Backsteinmauern, die die Wärme der Sonne speichern und den Wind abhalten. So entsteht ein Kleinklima, in dem sich die empfindlichen wärmeliebenden Pflanzen wohlfühlen. Erst im Oktober, wenn die Tage und vor allem die Nächte kälter werden, kehren sie wieder in die Gewächshäuser der Herrenhäuser Gärten zurück.

Der Subtropenhof gehört zu meinen Lieblingsplätzenin den Herrenhäuser Gärten – ich genieße es immer wieder, dort zu sitzen und umgeben von bunten Blüten und viel Grün zu lesen, zu schreiben oder einfach vor mich hin zu träumen.

Von Iris, Pfingstrosen …

Der Irisgarten hinter den Schauhäusern hat sich seit meinem letzten Besuch in ein buntes Paradies verwandelt: Dort blühen laut Website der Herrenhäuser Gärten mehr als 300 Bart-Iris-Sorten in allen Größen und Farben.

Während die niedrigen Bart-Iris oder Zwerg-Schwertlilien nur etwa 15 bis 30 cm hoch sind, werden die Mittelhohen Bart-Iris zwischen 40 und 70 cm, die Hohen Bart-Iris sogar mehr als 70 cm groß. Das Farbspektrum reicht von Weiß über Gelb und Hell-lila bis zu Dunkel Violett und fast Schwarz.

Ich liebe Pfingstrosen – und so führt für mich von April bis Juni kein Weg am Präriegarten vorbei. Dort wachsen allein mehr als 40 verschiedene Strauchpfingstrosen und mindestens doppelt so viele Stauden-Pfingstrosen in den verschiedensten Farben und verschiedensten Blühstadien. Manche Pflanzen sind schon verblüht, an anderen haben sich die Knospen noch gar nicht geöffnet. Auch bei meinen nächsten Besuchen im Berggarten kann ich mich also noch an den Päonien erfreuen.

… und besonderen Bäumen

Die Tulpenzeit ist dagegen vorbei – nur die Blüten des Tulpenbaums im Staudengrund lassen noch auf sich warten. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis sich die Knospen öffnen und die weiß-gelben Blüten zum Vorschein kommen. Die ähneln zwar Tulpen, haben aber mit richtigen Tulpen botanisch nichts gemein. Tulpenbäume (Liriodendron tulipifera) gehören nämlich zur Familie der Magnoliengewächse (Magnoliaceae), weiß Wikipedia.

Am Eingang des Staudengrunds wachsen zwei rotblättrige Süntelbuchen aufeinander zu. Die eine ist schon mehr als vierzig Jahre alt, die andere wurde erst kürzlich gepflanzt. Bis sie einen Laubengang über den Fußweg bilden, werden die Äste von einem Gerüst gestützt. Die Konstruktion wird dem Wachstum des Baums angepasst, erweitert und Stück für Stück entfernt, wenn die Äste stark genug sind und ohne Stütze auskommen.

Vorbild ist der Laubengang am Ausgang des Staudengrunds. Dort ranken die Äste der um 1880 gepflanzten Süntelbuche an einem massiven Stahlgerüst über den Weg und bilden eine über 30 Meter lange Pergola, die „zu den meist fotografierten Attraktionen des Berggartens“ zählt.

Wandern im Naturpark Sintra-Cascais

Ursprünglich wollten Foe und ich eine Woche lang auf dem Fischerpfad in Portugal wandern. Doch weil uns beide Knie- bzw. Fußverletzungen oder deren Nachwirkungen plagen, haben wir uns für Tageswanderungen entschieden. Dass die Organisation, die die Wanderreise in der Gegend von Sintra eigentlich organisieren sollte, uns keine Unterkunft in Cascais anbieten konnte, war im Nachhinein unser Glück: Foe fand für uns eine Ferienwohnung in Azenhas do Mar – eine sehr gute Alternative.

Azenhas do Mar

Die Landschaft im Naturpark Sintra-Cascais ist ein Traum – und Azenhas do Mar gilt als eines der schönsten Dörfer in Portugal. Die weißen Häuser liegen auf einer Klippe hoch über dem Atlantik. Von unserer Wohnung bis zum kleinen Strand waren es nicht einmal 200 Meter.

Um das Meer zu sehen, mussten wir nur zur Straße direkt vor unserem Haus gehen. Unter der Straße liegt eine Grünanlage mit einem Bach, der am Strand ins Meer mündet. Früher hat er wohl die Wassermühlen betrieben, die dem Ort seinen Namen gaben. Denn Azenhas bedeutet auf Deutsch Wassermühlen.

Der kleine Park endet am Restaurant Azenhas do Mar, in dem man, geschützt hinter Glas sitzend, essen und den Blick aufs Meer genießen kann. Den Sandstrand erreicht man von dort über eine aus den Felsen gehauene Treppe. Gebadet haben wir leider nicht. Denn die Wellen waren ziemlich hoch. Und der Ozeanpool, auf verschiedenen Websites unter anderem als „ein wahres Naturjuwel und eines der Wahrzeichen dieses Küstendorfes“ beschrieben, war und blieb die ganze Woche verschwunden. Das Becken soll laut idealista.pt in den 1950er-Jahren gebaut worden sein und sowohl vom Bach als auch bei Flut vom Atlantik gespeist werden. Das Wasser ist also garantiert immer frisch.

Wir haben allerdings nur einen Teil der Mauer gesehen, obwohl wir bei verschiedenen Gezeiten – bei Ebbe und Flut, bei Hoch-, Niedrigwasser und dazwischen – am Strand waren. Ob der Rest unterm Sand vergraben war und erst im Sommer freigelegt wird oder ob das Meer die übrigen Mauerteile verschlungen hat, weiß ich nicht. Immer, wenn ich am Strand saß, musste ich an die Zeile aus Theodor Fontanes Gedicht „Die Brücke am Tay“ denken: „Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand“.*

Im Atlantik geschwommen sind wir also nicht, dafür aber viel gewandert: Fast immer direkt am Meer entlang, auf schönen, teilweise recht anspruchsvollen, weil steinigen und steilen Wanderwegen mit oft atemberaubende Ausblicken. An den beiden ersten Tagen sind wir von Azenhas losgewandert, an den anderen Tagen sind wir mit dem Bus losgefahren, um neue Wege zu entdecken.

Busfahren war ein Abenteuer für sich: An den meisten Bushaltestellen gibt es keine Fahrpläne. Die Busse fuhren zwar häufig, aber eben nicht immer dann, wenn sie im Internet angekündigt waren. Mal kamen sie später, manchmal fuhren sie aber auch früher los. Wer das nicht einkalkuliert und pünktlich auf die Minute kommt, kann Pech haben – und muss auf den nächsten Bus warten. Wir haben unsere Ziele (Sintra, Almoçageme, Cabo da Roca oder Praia do Magoito) trotzdem immer erreicht und sind auch wieder gut nach Hause gekommen.

Cabo da Roca

Besonders gut gefallen haben mir die Wanderungen von Azenhas bzw. Praia do Magoito Richtung Norden und von Almoçageme zum Cabo da Roca. Unterwegs sind uns kaum Menschen begegnet – so haben wir in zweieinhalb Stunden auf dem Weg zum Cabo da Roca nur zwei Frauen getroffen. Dafür herrschte am Cabo selbst Hochbetrieb. Das Felsenkap ist der westlichste Punkt auf dem europäischen Festland. Um ein Foto vor der Säule mit einem entsprechenden Hinweisschild zu machen oder sich im Tourismusbüro eine Urkunde ausstellen lassen, die den Besuch am Cabo da Roca bescheinigt, standen die BesucherInnen aus aller Welt Schlange.

Der Leuchtturm, das Wahrzeichen des Kaps, thront auf einem 140 m hohen Felsen und ist 22 Meter hoch. Heute ist sein Licht ist 48 Kilometer weit zu sehen, der Leuchtturm selbst ist abgesperrt und kann nicht besichtigt werden.

Sintra

Viel los war auch in Sintra: Die alte Maurenstadt gehört laut Website Portugal360.de zum portugiesischen UNESCO-Welterbe und war viele Jahrhunderte die Sommersitz der portugiesischen Könige. In dem zwischen Lissabon und Azenhas do Mar gelegenen Städtchen finden sich laut Website einige der schönsten Sehenswürdigkeiten Portugals, unter anderem der Palácio Nacional da Pena, der Paco Real oder Palácio Nacional de Sintra,  die maurische Burgruine Castelo dos Mouros und natürlich die Quinta da Regaleira.

Das Anwesen am Rande der historischen Altstadt stand schon lange auf Foes To-visit-Liste. Es wurde zwischen 1904 und 1910 nach Entwürfen und Vorstellungen seines Besitzer António Augusto Carvalho Monteiro erbaut. Der steinreiche Unternehmer, fasziniert von Freimaurern, Tempelrittern und Rosenkreuzern, errichtete mithilfe des italienischen Architekten Luigi Manini „einen Ort, der seine Leidenschaften und philosophischen Überzeugungen widerspiegelte“. Entsprechende Symbole und Hinweise kann man überall auf dem Anwesen entdecken, wenn man sie denn (er)kennt.

Der fünfstöckige Palast sieht aus wie ein Märchenschloss. Die Fassade vereint neomanuelinische, neogotische und Renaissance-Elemente; die Räume sind mit kunstvollen Fresken, ebenso kunstvollen Holzdecken und bunten Glasfenstern ausgestattet. Highlight ist aber der Park mit Seen, Grotten, Brunnen, Brücken und unterirdischen Tunnelsystemen.

Tunnel und dunkle Höhlen sind nicht so mein Ding. Aber natürlich sind wir in den berühmten Initiationsbrunnen (Poço Iniciàtico) hinabgestiegen. Der ähnelt einem umgedrehten Turm und gilt als das „wahre Herz der Quinta da Regaleira“. Vor seinem Eingang bildeten sich bald lange Schlangen. Doch weil wir vom Eingang sofort zum Brunnen gegangen waren, kamen wir ohne Wartezeit hinein.

Eine Wendeltreppe führt 27 Meter oder neun Plattformen tief hinab. Die Zahl neun soll eine Anspielung auf die neun Kreise der Hölle aus Dantes “Inferno”. In den Mosaikboden am Fuß des Brunnens ist das persönliche Wappen António Carvalho Monteiros eingelegt: ein achtzackiger Stern mit einem großen Templerkreuz. Unterirdische Gänge führen von dort wieder ins Freie, zu einem kleinen See mit Wasserfall.

Nach dem Besuch der Quinta trennten sich unsere Wege: Foe wanderte zur Maurenburg, ich fuhr mit dem Bus in die historische Altstadt mit verwinkelten Gassen, bunten Häusern und dem beeindruckenden Nationalpalast (Palácio Nacional de Sintra). Der war vom 14. bis zum 20. Jahrhundert königliche Sommerresidenz. Die markanten, konischen Küchenschornsteine, heute ein Wahrzeichen von Sintra, wurden allerdings erst nach dem Erdbeben von 1755 errichtet, das Teile des Palasts zerstörte. 

Diesmal war ich nur im kleinen Garten des Palasts und habe von dort die Maurenburg fotografiert. Beim nächsten Besuch in Sintra möchte ich auch den Palast besichtigen. Den Park des Palacio da Pena werde ich mir ebenfalls ansehen. Auf dem Gelände, das einst so kahl wie eine Mondlandschaft gewesen sein soll, wachsen heute neben einheimischen auch exotische Pflanzen wie tasmanische Baumfarne, Azaleen aus Japan oder kalifornische Mammutbäume. Viele Wanderwege führen durch den Park, einer auch zum Cruz Alta: Von dem mit 528 Metern höchsten Punkt soll man einen herrlichen Blick über die Serra und bis zum Atlantik. Vielleicht entdecke ich dann aus der Ferne auch Azenhas do Mar.

*Das ganze Gedicht von Theodor Fontane und Erläuterungen dazu finden Interessierte unter https://www.deutschland-lese.de/streifzuege/balladen/die-bruecke-am-tay/