Nachtrag zum Muttertag

In den Herrenhäuser Gärten sind die drei Schauhäuser wieder geöffnet, die wegen Corona lange geschlossen waren. Vor fast vier Jahren haben wir, meine Tochter, mein Mann und ich,  mit meiner Mutter das Orchideenhaus besucht. Sie hat Orchideen geliebt, aber sie kannte nur die, die auf Fensterbänken in engen Töpfen ihr meiner Meinung nach ziemlich trostloses Dasein fristen.

Ich hatte mir oft vorgenommen, meiner Mutter das Orchideenhaus im Berggarten in Hannover zu zeigen. Doch immer, wenn sie uns besuchte, kam irgendetwas dazwischen, war irgendetwas anderes wichtiger. An ihrem 94. Geburtstag haben wir es endlich geschafft.

In dem gläsernen Schauhaus kann man die Orchideen zwar nicht in „freier Wildbahn“ erleben, aber man bekommt doch eine Ahnung, wie die Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung wachsen. Die Orchideensammlung im Berggarten gilt als eine der bedeutendsten Sammlungen in Europa. 3.000 verschiedene Arten sowie 1.000 Sorten und Hybriden sollen im Berggarten zu Hause sein – auch solche, die an ihrem eigentlichen Standort ausgestorben sind (https://www.hannover.de/Herrenhausen/Herrenhäuser-Gärten/Berggarten/Orchideen).

Meine Mutter war von der Blütenpracht beeindruckt und sie hat den Ausflug, der ihr letzter sein sollte, sehr genossen. Die Fotos, die mein Mann und meine Tochter gemacht haben, hat sie sich in den nächsten Wochen und Monaten oft und gerne angesehen.

Jetzt hat meine meine Tochter mir zum Muttertag ein kleines Album mit Fotos von gemeinsamen Wanderungen geschenkt. „Do more of what makes you happy“, steht auf dem Cover. Ich habe mir vorgenommen, ihren Rat zu beherzigen – und zwar jetzt, und nicht erst, wenn ich über 90 bin.

Märchenhaftes Celle

Ich mag Gärten und ich mag Licht. Das richtige Licht verleiht auch eher langweiligen Gärten einen besonderen Reiz. Illuminiert, mit effektvoll angestrahlten Hecken, Skulpturen, Teiche, Brunnen und Fontänen, gefällt mir sogar der Große Garten in Herrenhausen, der mich bei Tageslicht nicht begeistert (https://chaosgaertnerinnen.de/ein-sonntag-drei-gaerten). Und so war ich natürlich einverstanden, als mein Mann vorschlug, zur Illumination des Französischen Gartens nach Celle zu fahren.

Seit dem 19. Februar erhellen die Winter-Lichter zwischen 18 und 22 Uhr den Park am Rande der Celler Altstadt und verwandeln ihn in einen wahrhaft märchenhaften Ort.

Ich habe dort alte Bekannte wie Hänsel, Gretel und die Hexe, das tapfere Schneiderlein, Max und Moritz, die Bremer Stadtmusikanten, den Froschkönig und den gestiefelten Kater getroffen, aber auch Figuren aus der Fabelwelt wie Einhörner, Drachen, Elfen und Kentauren.

Die ursprünglich geplante Veranstaltung mit unterschiedlichen Illuminationen und künstlerischen Darbietungen um das Celler Schloss musste coronabedingt ausfallen, doch Spaziergänge durch den illuminierten Park sind noch bis zum 26. Februar möglich. Der Eintritt ist frei, ein Besuch lohnt sich.

Wünsche zur Wintersonnenwende

Heute ist der kürzeste Tag des Jahres – und die längste Nacht. Die Sonne ist heute nördlich von Hannover laut www.timeanddate.de um 8:29 Uhr auf und nach 7 Stunden und 39 Minuten um 16:08 Uhr wieder untergegangen. Der Tag war damit genau vier Sekunden kürzer als der gestrige.

Der Tag der Wintersonnenwende ist ein Wendepunkt: Genau um 16.58 Uhr hat sich die Nordhalbkugel wieder stärker der Sonne zugewendet. Der Winter beginnt zwar heute erst, aber ab heute kehrt die Sonne zurück; die Tage werden wieder länger, die wenn auch zunächst nur sekundenweise. Morgen dauert es vom Sonnenauf- bis zum Sonnenuntergang zwar gerade mal zwei Sekunden länger als heute. Aber für mich, die ich die Dunkelheit im Winter fast mehr fürchte als die Kälte und das schlechte Wetter, ist das ein gutes Zeichen. Der Anfang ist gemacht, es geht wieder aufwärts. Der 31. Dezember ist dann bereits 62 Sekunden länger als der Vortag – und mehr als fünf Minuten länger als der 21. Immerhin.

Mit der Wintersonnenwende beginnt nicht nur der Winter, sie ist auch der Auftakt zu den Raunächten. Die zwölf heiligen Nächte zwischen Weihnachten und dem Drei-Königstag sind seit alters her eine besondere Zeit, in der die Menschen auf das vergangene Jahr zurückschauen und Pläne für das kommende schmieden. Und auch diejenigen, die von alten Ritualen und (Aber)glauben wenig halten, können oder wollen sich dem kaum entziehen. Denn Jahresrückblicke, seröse und satirische, politische und sportliche, sind derzeit auf allen Sendern zu sehen.

Mir, bekennender Raunachtfan, gefallen zwei Rituale in der Mitwinter- oder Julnacht besonders: Alles, was man – oder frau – mit dem zu Ende gehenden Jahr los- oder hinter sich lassen will, wird auf einen Zettel geschrieben: Ängste, Sorgen, belastende Eigenschaften oder Projekte, die sich überlebt haben. Mir fällt da für mich ohne lange nachzudenken, einiges ein. Corona steht, so viel kann ich verraten, weil oben auf der Liste, die dann verbrannt und damit höheren Mächten übergeben wird. Die Liste schreibe ich, das Verbrennen verschiebe ich auf später, weil ich gerade kein feuerfestes Gefäß zur Hand habe. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Die Asche werde ich im Garten vergraben, dann wächst aus dem Ballast, den ich abwerfe, etwas Neues, Positives.

Schöner, weil positiver, finde ich das 13-Wünsche-Ritual: Sobald ich diesen Blogbeitrag und meine Loslass-Liste geschrieben habe, zünde ich eine Kerze an, höre Musik und denke darüber nach, was ich mir für das kommende Jahr wünsche, welche Ziele ich (endlich) angehen und erreichen will. Die 13 wichtigsten schreibe ich auf kleine Zettel, die so gefaltet werden, dass ich den Inhalt nicht erkennen kann, und bewahre sie bis zu den Raunächten in meiner goldenen Wünschebox auf. Die ist zugegebenerweise nicht aus echtem Gold, sondern nur aus Papier, aber ein bisschen Glanz kann ja nicht schaden.

Goldene Wünschebox

In jeder Raunacht wird dann ein Zettel gezogen und – so will es das Ritual – verbrannt, ohne nachzuschauen, was darauf steht. Alle Raunächte stehen für einen Monat im kommenden Jahr: die erste für den Januar, die zweite für den Februar und so weiter. Der Wunsch der ersten Rauhnacht soll sich dementsprechend im ersten Monat des neuen Jahres erfüllen und so weiter. Dies wird dem Universum, höheren Mächten überlassen. Nur um den 13. Zettel bzw. um den den Wunsch, der am Ende der Raunächte übrigbleibt, muss frau sich dann selbst kümmern. Das ist dann die Aufgabe für das ganze Jahr.

Rituale sind gut und schön, aber Geduld und abzuwarten, bis sich etwas tut, zählen nicht zu meinen Stärke. Und so überlege ich, ob ich das Wünsche-Ritual abwandeln darf, will und soll. Vielleicht öffne ich die Zettel und erfahre so, welcher Wunsch oder welches Ziel in welchem Monat an der Reihe ist. Schließlich macht es Sinn, wenn das Universum, dem ich meine Wünsche anvertraue, und ich zur gleichen Zeit am gleichen Ziel arbeiten. Vielleicht freut es sich über ein bisschen Unterstützung und darüber, dass frau ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt. Fortuna fortis adiuvat, das Glück ist mit den Tüchtigen, wussten schon die alten Römer. Aber man weiß ja nie, und mit höheren Mächten kenne ich mich nicht so gut aus. Vielleicht sind sie ja auch ärgerlich, wenn ich ihnen ins Handwerk pfusche.

Ich werde darüber nachdenken. Und bis in drei Tagen die Raunächte beginnen, habe ich ja noch ein bisschen Zeit.

Lichtmess, Imbolc und die Geburt des Frühlings

Heute ist Lichtmess – der Tag, der jetzt in der katholischen Kirche offiziell Darstellung des Herrn heißt. Am 2. Februar endet – 40 Tagen nach dem Fest – die Weihnachtszeit. Erst an Lichtmess wurden traditionell in manchen katholischen Familien Krippe und Weihnachtsbaum abgeräumt.

So lange schaffen es unsere Weihnachtsbäume nie. Der letzte liegt schon seit Anfang Januar – in kleine Stücke zerschnitten – im Garten und wartet darauf, zur Grünannahme gebracht zu werden. Aber unsere Krippe werde ich heute abbauen und in den Keller bringen. Nur das kleine schwarze Schaf verlässt die heilige Familie und geht seinen eigenen Weg: Es zieht auf meinen Schreibtisch um und begleitet mich in diesem Jahr.

Dagegen verschwinden der Stern über meinem Bett und die Lichterkette am Fenster meines Arbeitszimmers bis Ende November in der Versenkung – sprich in den Weihnachtskisten. Ich brauche sie nicht mehr so dringend, wie in den letzten Wochen. Denn draußen ist es schon merklich länger hell – die Sonne geht etwa 35 Minuten früher auf und etwa 50 Minuten später unter als am kürzesten Tag des Jahres. Es geht wieder aufwärts, wenn auch langsam.

Angeblich haben die Kelten an Lichtmess oder Imbolc, wie der Tag im keltischen Jahreskreis heißt, zuerst alle Lichter in den Höfen gelöscht, bevor sie symbolisch mit heiligem Feuer wieder entzündet wurden. Sie feierten an diesem Tag die Geburt des Frühlings. Und es war der Beginn des bäuerlichen Arbeitsjahrs: Je nach Wetter fing die Feldarbeit wieder an. „An Lichtmess fängt der Bauersmann neu mit des Jahres Arbeit an“, hieß es.

Deshalb wage ich es auch, einige Pflanzen auszuwildern, die bis im Wintergarten überwintert: zwei Gaultherias, eine Christrose und ein paar Tulpen, die mein Mann mir schon Mitte Januar als Vorfrühlingsgruß mitgebracht hat.

Gruppenbild vor dem Umzug

Gaultherias und Helleborus macht Kälte ohnehin nichts aus – und bei Temperaturen, die nicht wirklich winterlich, sondern eher frühlingshaft sind, haben sogar die Tulpen draußen eine faire Chance.

Winter- und Frühlingspflanzen einträchtig nebeneinander: Gaultheria, Schneeglöckchen und Hyazinthe

PS:

Ein Freund aus meinem Heimatort an der Mosel hat den Blogpost gelesen und sich erinnert:

„Bei den Winzern gibt es den Spruch: ‚Mariä Lichtmess – spinnen vergess, Krümmes in de Hand un in de Wingert gerannt‘. Mein Vater hat ihn immer wieder gerne aufgesagt, damit allen klar war, dass jetzt wieder die Arbeit draußen beginnt. Übrigens: In der Weihnachtszeit wurden früher in den Winzerstuben die Weiden gemacht. Die Weiden wurden zuerst in zwei oder drei, sehr selten in vier Teile gespalten und dann mit der Weidenkneip auf der Innenseite geglättet indem man sie unter der Klinge auf einem Stück Leder, das man auf dem Knie festgebunden hatte, durchzog. Die Weiden wurden dann zum Binden der Reben an die Stöcke benutzt. Diese Winterarbeit habe ich als Jugendlicher noch gelernt und gemacht. … das war reine Männersache! Die Männer haben sich gegenseitig besucht, brachten die ein odere andere Flasche vom neuen Wein mit und haben die Weltpolitik wieder ins Lot gebracht … „

Wenn das immer noch funktionieren würde, sollte man auch heute wieder die Reben mit Weiden statt mit Plastik an die Drähte binden. Nötig hätte die Politik es. Und ökologischer wär’s außerdem …

Garten(er)kenntnisse

Eben habe ich beim Yoga auf der Terrasse – ja zum ersten Mal in diesem Jahr – Pflänzchen entdeckt, die ich gestern, als ich im Beet daneben gearbeitet habe, übersehen habe. Überall zwischen den Steinen sprießt, neben Gras und anderen eher unerwünschten Pflanzen, Ruccola. Die jungen Blätter schmecken so intensiv, dass schon ganz wenige morgen dem Salat eine ganz besondere Note verleihen werden (heute gibt’s Spargel, auch zum ersten Mal in diesem Jahr).

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Zarte Pflänzchen in der Morgensonne

Es ist nicht die einzige Pflanze, die ich quasi durch Zufall wiederentdeckt habe: an den Veilchen, zum Beispiel, die mir im letzten Jahr Bekannte aus dem Harz mitgegeben haben, bin ich in den letzten Tagen immer achtlos vorbei gegangen. Immerhin zwei haben also den Winter oder meine gärtnerischen Bemühungen überstanden. Und als ich gestern einen Platz für die in den Herrenhäuser Gärten gekauften Narzissen suchte, habe ich auch eine Blume gefunden, die ich schon verloren glaubte: die Maiglöckchen, die ich in den vergangenen Jahren aus verschiedenen anderen Gärten in meinen eigenen umgesiedelt habe. In den Nachbargärten blühen sie bereits, bei mir recken sie erst jetzt die Spitzen aus der Erde. Herzlich willkommen.

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Ein paar Dinge sind mir dabei klar geworden:

  • Frau muss gelegentlich einfach mal sie Perspektive wechseln. Den Ruccola habe ich auf dem Rücken liegend und auf dem Kopf stehend entdeckt.
  • Frau sollte Geduld haben, was zugegebenerweise nicht zu meinen Kernkompetenzen gehört: Manches braucht einfach seine Zeit.
  • Genau hinsehen lohnt sich.
  • Manchmal sind Umwege nötig.

Die Narzisse habe ich nämlich, ich gestehe es, nicht etwa gekauft, weil der Pflanz- oder Farbplan es für meinen Garten vorsieht oder weil genau diese Narzissenart hier besonders gut gedeiht. Auch nicht, weil sie mir besonders gut gefällt, sondern nur – typisch für eine Chaosgärtnerin wie mich – wegen ihres Namens.

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Rip van Winkle

Denn die kleine Narzisse trägt einen großen Namen: Rip Van Winkle ist eine Erzählung des amerikanischen Schriftstellers Washington Irving. Sie erschien erstmals 1819 in seinen Sketchbooks und gilt als erste Short Story überhaupt. Vorbild soll die  Sage vom Ziegenhirten Peter Klaus sein, die Johann Karl Christoph Nachtigal 1800 in der Sammlung von Volcks-Sagen aus dem Harz veröffentlichte. Auch andere Sagenmotive fließen in die kurze Geschichte ein: die Kyffhäusersage zum Beispiel und klassische Sagenmotive zum Beispiel aus der Odyssee.

Weil ich mich nicht mit fremden Federn schmücken möchte,  gebe ich es zu: Das literaturgeschichtlichen Hintergrundwissen verdanke ich Wikipedia, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich selbst kenne Rip van Winkle nur als Hörspiel von Max Frisch und durch seinen Roman Stiller. Der daraus entstanden ist. Weil Max Frisch lange Zeit einer meiner Lieblingsautoren und Stiller mein Lieblingsroman war, wollte ich die Narzisse haben. Vielleicht ist es Zeit, ihn wieder mal zu lesen und ihn wieder zu entdecken – nach mehr als 30 Jahren und nach einem halben oder, wenn man das Alter meiner Mutter als Maßstab nimmt, nach einem Drittel Leben.

Apropos Chaosgärtnerin: All jenen, die meine Blogbeiträge über meinen und andere Gärten (schmerzlich) vermissen, sei’s gesagt: Schaut einfach mal unter www.Chaosgaertnerinnen.de Dort blogge ich jetzt zusammen mit Foe Rodens. Leider funktioniert die E-Mail-Anmeldung noch nicht. Aber wenn ihr Interesse habt, schickt mir einfach eine Mail: Ihr bekommt dann eine Mail, wenn ein neuer Blogbeitrag veröffentlicht wird.

Herbst im Garten

Das nenne ich Timing. Vor ein paar Tagen haben wir die letzte Pflanze – eine Strelitzie – umgetopft und von der Sommerfrische auf der Terrasse in den Wintergarten zurückgeholt, in der Nacht gab es den ersten Bodenfrost – am Morgen war der Rasen mit einer dünnen Reifschicht bedeckt. Die anderen Pflanzen und der schwere Gartentisch waren schon ein paar Tage vorher in ihr Winterquartier im Wintergarten umgezogen. Denn die Platte mit Mosaiksteinen verträgt leider – genau wie Vogeltränke mit den Fröschen – keine Minustemperaturen. Für  uns bleibt zwischen all den Pflanzen kaum mehr Platz, aber im Wintergarten ist es in den nächsten Monaten meist ohnehin zu kalt. Wenn allerdings in den Mittagsstunden die Sonne hineinscheint, kann man es dort sogar im Dezember und Januar aushalten.

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Die Sonne hat in den letzten Monaten wirklich ihr Bestes gegeben. Der Sommer und der folgende Indian Summer waren nicht nur schöner und wärmer als die meisten, die ich erlebt habe, sondern auch länger. Daran, dass ich, bekennende Frostbeule, Mitte November im Sweatshirt im Garten gearbeitet habe, kann ich mich nicht erinnern.

Garten im Herbst P1010170
Rosen im Herbst

Sicher lag es auch am guten Wetter, dass wir mit der Gartenarbeit weiter gekommen sind als in den letzten Jahren. Mein Mann hat die Sträucher geschnitten, ich die Blumen und Stauden und den Teich von den Blättern befreit. Apfel- und Kirschbaum haben wir einen Schnitt vom Profi gegönnt – sie haben es sich redlich verdient. Denn sie haben in diesem Jahr getragen wie noch nie: Unser Apfelvorrat reicht gewiss noch bis ins neue Jahr, ebenso unsere eingekochte Kirschmarmelade. Die Brombeeren, die am Zaun zum Nachbargrundstück wuchern, waren zum ersten Mal wirklich süß und reif, Trauben haben wir schon im August geerntet. Und die letzte reife Erdbeere habe ich vor ein paar Tagen entdeckt, als ich in meinem Rosen-Erdbeeren-Beet einen Platz für die neue Christrose suchte.

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Die  letzte Erdbeere des Sommers

Dabei habe ich, versteckt unter verwelkten Erdbeerblättern, verblühten Rosen und Stockrosen zwei Christrosen entdeckt, die ich im letzten Jahr gepflanzt habe. Das Beet macht also seinem Namen alle Ehre – auch wenn ich für die neue Christrose einen anderen Platz gefunden habe. Sie blüht jetzt unter meinem Lieblingsbaum, der hoch gewachsenen Eberesche. Sie ist winterhart, der Frost macht ihr nichts aus. Und vielleicht schafft es die eine oder andere Blüte auch bis zu Weihnachten, dem Fest, das der Blume ihren Namen gab.

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Die roten Blüten des Ananassalbeis haben die erste Frostnacht leider nicht überlebt und auch die Pflanze selbst lässt die Blätter schon jetzt bedenklich hängen. Ich werde im nächsten Frühjahr eine neue pflanzen, weil ich ihren Duft und ihre Blüten mag. Ihr Bruder, der echte Salbei, sieht nach dem Temperatursturz zwar ebenfalls nicht sonderlich glücklich aus, hat aber bessere Chancen. Er ist an die Temperaturen hierzulande besser gewöhnt und hat schon manchen Winter in unserem Garten überstanden. Und auch Lavendel und Rosmarin machen moderate Minusgrade nichts aus. Über ihren Duft freue ich mich auch in den nächsten Monaten, wenn ich im Vorbeigehen ein Blatt oder einen Stengel abpflücke, einstecke und so ein Stück Garten immer in meiner Tasche trage.

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Ananassalbei vor dem Frost

Und während ich diesen Beitrag online stelle, fängt es draußen an zu schneien. Der Indian Summer ist endgültig vorbei.

 

(K)Ein Zimmer für mich allein

Zwei Dinge habe ich in meiner Kindheit vermisst: Bücher – aber das ist ein anderes Thema – und ein eigenes Zimmer. Denn bis ich nach der zehnten Klasse aufs Gymnasium kam, musste ich das Zimmer mit meiner jüngeren Schwester teilen. Wir haben uns nie verstanden und so war es eine Erlösung für mich, als ich in das kleine Zimmer unterm Dach ziehen durfte. Endlich ein Zimmer für mich allein. Von hier aus konnte ich die Mosel sehen, zumindest ein Stückchen. Viel wichtiger war, dass eine ganze Etage zwischen meiner Familie und mir lag. Niemand mehr, der einfach so hereinplatzte und mich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit störte.

Dass ich aus meinem alten Kinderzimmer mein hässliches Bett (Limba Nachbildung) und meinen ebenso hässlichen Schrank (dito) mit nach oben nehmen musste, nahm ich in Kauf, auch die spießige Blümchentapete, mit der mein Onkel das Zimmer tapezierte. Das Bett baute ich bei der ersten Gelegenheit ab und schlief fortan auf Lattenrost und Matratze auf dem Boden, die Tapete versteckte ich so gut es ging hinter Postern und hinter einem Bücherregal, das sich allmählich mit Büchern füllte.

Ein Zimmer für mich allein – das klappte in den nächsten Jahren nicht immer. Die Wohnungen, in denen ich mit meinem ersten Mann lebte, hatten alle gerade mal zwei

Zimmer – zu wenig für ein Zimmer für mich allein. Meine Examensarbeit habe ich auf dem Esstisch geschrieben, mehr als einmal waren Karteikarten verschwunden und fanden sich dann im Kühlschrank oder zwischen dem Geschirr wieder.

Als ich in das Haus zog, in dem wir heute noch leben, brauchten wir die Zimmer für drei Kinder zwischen 0 und 13: Die sollten nicht auf ein eigenes Zimmer verzichten. Der Versuch, mir mit meinem Mann ein Arbeitszimmer zu teilen, scheiterte kläglich. Die Unordnung auf unseren Schreibtischen potenzierte sich. Und so arbeitete und schrieb ich, wie Frauen es Jahrhunderte vor mir getan hatten, immer da, wo gerade Platz war.

Mein Mann behauptet, dass mein Schreibtisch schon in allen Räumen in unserem Haus gestanden hat, nur nicht in den beiden Bädern und in der Küche – und wenn man Wohn- und Esszimmer als einen Raum betrachtet, hat er Recht. In der Küche habe ich übrigens auch oft gearbeitet, mancher Artikel ist am Küchentisch entstanden. Allerdings weniger weil es nötig war, sondern mehr, weil ich es dort nach wie vor gemütlich finde.

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Arbeitszimmer Nummer eins.

Die Zeiten ohne eigenes Zimmer sind längst vorbei: Seit alle Kinder aus dem Haus sind, habe ich sogar zwei Arbeitszimmer. Vom Frühjahr bis zum Herbst nutze ich außerdem den Wintergarten als  Außenbüro. Von dort habe ich direktem Zugang zu Arbeitsplatz Nummer 4, meinem Terrassenbüro, wo ich diese Zeilen geschrieben habe – beschimpft von unseren Hausamseln, die sich durch meine Anwesenheit in ihrem Garten gestört fühlen.

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Wintergartenbüro …

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… mit direktem Büro zum Terrassenarbeitszimmer.

 

Klein, aber oho

Nein, es muss nicht immer größer, schneller, mehr sein. Dass weniger manchmal mehr ist, ist eine altbekannte Weisheit. Neudeutsch heißt das Minimalismus. Und der Trend macht auch vor der Fotoausrüstung nicht halt. Seit ich Anfang Februar den Blogbeitrag von Andreas gelesen habe (https://14qm.de/minimalimus-fotoausruestung/), denke ich immer wieder darüber nach, meine Fotoausrüstung zu reduzieren. Doch ich die Entscheidung immer wieder aufgeschoben. Zum einen natürlich, weil Entscheidungsfreude nicht zu meinen Kernkompetenzen zählt. Zum anderen aber auch,  weil das Angebot riesig ist und es deshalb wirklich nicht leicht ist, die richtige Kamera zu finden.

Die Systemkameras, die der Blogkollege getestet und für gut befunden hatte, kamen für mich nicht in Frage. Der Vorteil einer Systemkamera gegenüber meiner Spiegelreflexkamera erschließt sich mir nicht wirklich. Wenn, sollte es eine Kompaktkamera sein: Meine Zweitkamera – denn meine alte Nikon werde ich natürlich behalten – soll ohne Wechselobjektive auskommen, einfach zu bedienen, handlich und leicht sein. Filmen können soll sie nach Möglichkeit auch, und zwar in 4k-Qualität, wie mein Mann, der sich mit solchen Sachen auskennt und mich beraten hat, mir dringend ans Herz legt. Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle. Qualität hat ihren Preis, aber wie viel möchte ich ausgeben?

Immer wieder habe ich in den vergangenen Wochen Tests gelesen –auf der ersten Etappe meine Hexenstieg-Wanderung war ich fest entschlossen, mir endlich eine neue, kleinere Kamera zu gönnen. Denn beim Wandern fand ich meine Spiegelreflexkamera vorsichtig ausgedrückt suboptimal. Fast 900 Gramm baumelten rund 20 Kilometer an meinem Hals.

Natürlich habe ich mit der Nikon gute Fotos gemacht. Aber ein paar Mal hätte ich mir einen größeren Zoombereich als nur 18 bis 50 gewünscht. Das Zoomobjektiv war, weil immerhin auch fast 400 Gramm schwer, nicht in meinem Wanderrucksack, sondern in meiner Fototasche – mir weit voraus – am Etappenort in der Sternwarte in Sankt Andreasberg.

Manchmal gibt das Schicksal einen Wink. Als ich am nächsten Tag von der Sternwarte zum Goetheplatz spazierte, stellte ich erst nach einem Kilometer fest, dass meine Kamera noch in meinem Zimmer lag. Und so machte mit meiner kleinen Kompaktkamera die Probe aufs Exempel. Das Ergebnis: Für „normale“ Fotos reicht selbst meine preiswerte Nikon allemal. Und die Panasonic DC-TZ91EG-K LUMIX High-End Reisezoom Kamera mit Leica Objektiv hat mehr, als mein Fotografenherz begehrt. Sie wiegt nur knapp 300 Gramm, passt sich klaglos unterschiedlichen Entfernungen und an – und hat sich schon bei Probeaufnahmen bewährt: im eigenen Garten, bei Kunst in Bewegung und bei der Aktion die offene Pforte, Gärten in und um Hannover.

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Erster Einsatz: Kunst in Bewegung, eine Skulptur des Malbildhauers Ulrich Saloga

 

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Test Nummer zwei – die offene Pforte, hier bei Sylvia und Klaus Stannek in Bissendorf

Und vielleicht lernen mit Hilfe dieser Kamera ja auch die Bilder in diesem Blog bald laufen. Kleiner kann nämlich manchmal mehr.

Endlich Frühling

Das Warten hat sich gelohnt, zumindest für meinen Lesezwerg. Monatelang war es ziemlich grau und ungemütlich um ihn herum, doch er hat tapfer auf seinem Stammplatz ausgeharrt. Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich ihn in seiner abgeblätterten Jacke in der Kälte sitzen sah. Aber er hat sich dort im wahrsten Sinne des Wortes „fest“gesetzt. Jetzt sitzt er wieder  auf seinem blauen Kissen – wie immer in sein Buch vertieft.

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Lesezwerg im Blaukissen, die Ranunkeln passen (fast) zur roten Mütze.

Im gleichen Beet blühen noch Tulpen und Traubenhyazinthen, sie sind spät dran in diesem Jahr, auch Forsythien und Kirschbaum stehen in voller Blüte. Meine Kräuter erwachen langsam aus dem Winterschlaf: Der Salbei hat den Winter nicht überlebt, weder der Echte Salbei (Salvia officinalis) noch Pfirsich- und Ananassalbei, die ich im letzten Jahr gepflanzt habe, weil sie so gut riechen. Auch der Rosmarin schwächelt: Er blüht zwar, aber die Zweige werden braun. Der Lavendel ist, so scheint es, besser über den Winter gekommen.

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Waldmeisterteppich am Teich.

Auch der Waldmeister ist hart im Nehmen, er breitet sich hinterm Teich immer weiter aus. Mir ist es recht, denn ist mag den Duft. Als ich ihn vor zwei oder drei Jahren gepflanzt habe, war ich zuerst enttäuscht. Dass Waldmeister nur duftet, wenn er getrocknet wird, habe ich erst erfahren, als ich mal an einem Wildkräuter-Menü in einem Restaurant teilgenommen habe. Jetzt trocknen und duften ein paar Stengel  im Wintergarten vor sich hin. Der Bärlauch beginnt zu blühen und auch die Maiglöckchen strecken ihre Blätter aus der Erde. Ich hatte schon befürchtet, sie wären verschwunden.

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Veilchen, Maiglöckchen und natürlich – Giersch.

Meine Tonfrösche haben samt Vogeltränke ihr Winterquartier im Wintergarten verlassen und warten auf  gefiederte Besucher. Die werden, wenn es so warm bleibt, der der Tränke sicher bald einen Besuch abstatten und sie, wie im vergangenen Jahr, zum Planschbecken umfunktionieren.

Frösche DSC_2939
Endlich wieder draußen.

 

Ihre lebenden Kollegen, die im vergangenen Jahr die beiden Teiche bewohnten, habe ich bislang weder gesehen noch gehört, obwohl es an den Teichen schon recht grün und wohnlich geworden ist.

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Aber das Frühjahr hat ja gerade erst angefangen. Und da ich, anders als nach dem letzten Winter, keine Leichen aus dem Teich fischen musste, bin ich guter Hoffnung, dass sie wiederkommen. (Und während ich diesen Text schreibe, beginnt draußen, mitten in der Nacht, das Froschkonzert. Hoffentlich stört es die Nachbarn nicht.)

Ich selbst habe heute mein Terrassenbüro eröffnet – und ich hoffe, dass es noch oft so warm ist wie heute und ich es in diesem Frühling und Sommer oft nutzen kann. Dann hat sich das Warten auch für mich gelohnt.

Gartenbüro DSC_2955
Arbeiten in der Sonne, zwischen Strelitzie und Zitrusfrüchten.

 

Nachrichten aus dem (Winter) Garten

Seit ein paar Tagen zeigt sich der Winter auch bei uns von seiner besten Seite: Zwar kalt, aber sonnig. Offenbar will er am Ende doch noch weg vom tristen Schmuddel-Image und einen guten Eindruck hinterlassen, damit uns der Abschied schwer fällt.

Bis es wirklich Frühling wird, dauert es aber noch eine Weile, auch wenn nicht nur Schneeglöckchen und Märzbecher, sondern auch schon die ersten mutigen Blaukissenblüten den Kopf aus dem Boden stecken. Mein Zwerg hat einen weiteren Winter zwar nicht unbeschadet, aber immerhin überstanden. Jetzt  genießt er die Sonne, wie immer in sein Buch vertieft. Ob die Frösche in meinen Miniteichen überlebt haben, werde ich sehen, wenn die dicke Eisschicht geschmolzen ist.

Zwerg DSC_2695
Seine Kleidung hat er längst verloren, nur die rote Mütze trotzt der Witterung.

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Nur ein paar mutige Blüten wagen sich schon hervor. Noch ist das Blaukissen vorwiegend grün.

Die Läuse fühlen sich auf den Zitruspflanzen im Wintergarten dagegen pudelwohl. Kein Wunder:  Windgeschützt und unterm schützenden Glas steigen die Temperaturen selbst Januar manchmal über 20 Grad Und auch für Strelitzie und die Aloe Vera hat der Frühling schon begonnen. Sie fangen sie an zu blühen – deutlich früher als im vergangenen Jahr. Der Weihnachtskaktus ist dagegen verblüht und wirkt von den vielen Blüten so ausgelaugt, dass ich wie jedes Jahr befürchte, dass er sich diesmal  nicht erholt. Aber er ist zäh.

Strelizie vorgestern DSC_2674
Strelitzie am Freitag …

Strelizie heute klein DSC_2709
… und am Sonntag

Die Pflanzen im Wintergarten haben eine neue Gefährtin bekommen. Die Sansevieria aus der Wohnung meiner Mutter ist bei uns eingezogen, genauer gesagt, ein kleiner Teil. Denn ich habe die Pflanze gefünfteilt – wie sie bislang in dem winzigen Topf Platz hatte, ist mir ein Rätsel.

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Platz ist auch im kleinsten Topf. Aus eins …

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… mach fünf. Sansevieria Nummer fünf hat schon ein neues Zuhause in Bruchsal.

Im Wintergarten scheint sich die Sansevieria wohlzufühlen, aber ihre Ansprüche sind, so scheint es, ohnehin nicht besonders hoch: Sie gilt als fast „unzerstörbar“. Weil ihre Urururahnen aus Afrika, Südasien und von der arabischen Halbinsel stammen, bereiten ihr weder Sonne noch Trockenzeiten Probleme. Beste Voraussetzungen also, auch meine Pflege zu überstehen.