Monatsrückblog Juni 2026

Mit dem Juni ist es so eine Sache: Ich liebe den Monat, weil es oft warm ist, die Tage lang und die Nächte nur kurz sind. Sommer also. Andererseits ist mir bewusst, dass die Tage ab dem 23. Juni wieder kürzer werden. Auch wenn man das zum Glück noch nicht wirklich merkt, macht mich der Gedanke an die kommende dunkle Jahreszeit manchmal melancholisch.

Schreibzeit zum Mittsommer

Diese zwiespältigen Gefühle waren auch Thema beim „Schreiben zum Mittsommer“ der Textmanufaktur.  Mittsommer ist als Wendepunkt im Jahreskreis eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, was in der ersten Jahreshälfte gewesen ist und welche Veränderungen frau sich für die zweite wünscht. Es ist eine Chance, die Weichen neu zu stellen. Sabine E. Rasch hat für die TeilnehmerInnen der dreistündigen Online-Schreibzeit wieder sehr interessante Fragen und spannende Schreibimpulse zusammengestellt.

Die Schreibzeit ist Teil der Reihe „Schreiben im Jahreskreis“, die im vergangenen Dezember mit dem Schreiben zur Wintersonnenwende begonnen hat und Ende September mit dem Schreiben zum Erntedank fortgesetzt wird. Ich bin auch dann sicher wieder dabei.

Es ist nie zu spät, neu anzufangen

Womit möchte ich meine Zeit in den nächsten Jahren verbringen – und mit wem? Was möchte ich (noch) lernen? Um diese und andere Fragen geht es auch in Julia Camerons Buch „Es ist nie zu spät, neu anzufangen“. Ich habe es mir vor fast zehn Jahren, kurz nach meinem 60. Geburtstag, gekauft – wohl auch wegen des Untertitels „Der Weg des Künstlers ab 60“. *

Das 12-Wochen-Programm richtet sich an Menschen an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt.  Es will sie ermutigen, an ihre Kreativität zu glauben und endlich das zu tun, was sie möchten – egal ob sie Klavier spielen, Gedichte schreiben, sich sozial engagieren, Vögel beobachten oder wie ich zeichnen lernen wollen.

In diesem Jahr werde ich 70; es ist also höchste Zeit für Versuch Nummer drei. Noch ist es nicht zu spät, etwas Neues anzufangen.

Aufgetaucht

Philipp Klein wurde nur etwa halb so alt wie ich. Der Maler starb schon mit 36 – und ist wohl auch deshalb in Vergessenheit geraten. Viele seiner Bilder waren verschollen und sind erst jetzt wieder aufgetaucht.

Ich hatte noch nie etwas von Philipp Klein gehört, bis Freunde aus Süddeutschland mich auf die Ausstellung aufmerksam machten. Sie wurde zuerst in Kleins Heimatstadt Mannheim gezeigt und ist jetzt noch bis Ende Oktober im Landesmuseum Hannover zu sehen.

Geprägt wurde Klein durch Vorbilder wie Monet und Edgar Degas. Viele Zeitgenossen schätzten ihn als „Sonnenlicht-Maler“ – zu Recht, denn wie er das Licht einfängt, ist wirklich genial. So möchte ich auch malen können.

Bekannter als Philipp Klein sind die meisten MalerInnen, deren Werke zur Zeit im Sprengelmuseum ausgestellt sind. Mehr als 400 Werke vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart werden in 20 Räumen präsentiert. Max Beckmann, Max Ernst, Gabriele Münter und Pablo Picasso sind ebenso vertreten wie Karin Sander, Georg Baselitz oder die hannoversche Künstlerin Christiane Möbus, deren Arbeit „mein lieber Schwan“ der Ausstellung ihren Namen gab.

Strom von der Sonne

Apropos (Sonnen)Licht: Wir haben lange darüber nachgedacht – und uns jetzt endlich für eine Photovoltaikanlage entschieden, obwohl wir zu zweit eher wenig Strom verbrauchen.

Die Solarmodule wurden Anfang Juni auf unserem Dach montiert, drei Wochen später hat die Elektrikerin dann den Speicher installiert und die Anlage ans Stromnetz angeschlossen. Und weil der Juni sehr sonnig war und unser nach Süden ausgerichtetes Dach für die Sonnenernte ideal ist, haben wir seitdem keinen Strom mehr aus dem Netz bezogen – aber schon einiges eingespeist. Das freut uns – und die Umwelt.

Paddeln am Hüttensee

Manchmal muss es weder ein langer Urlaub noch ein weit entferntes Reiseziel sein. Bis zum Campingplatz Hüttensee bei Winsen brauchten wir mit dem Wohnmobil gerade mal eine Dreiviertelstunde. Unser Stellplatz war so, wie ich ihn mir gewünscht hatte: Egal aus welchem Fenster ich schaute – immer konnte ich Wasser sehen. Bis zum Schwimmteich waren es gerade mal 150 Meter, noch näher lag der Steg am Hüttensee, von dem aus wir mit unserem Kanu lospaddeln konnten.

Im Hüttensee selbst, dem größten der insgesamt etwa 80 Meißendorfer Teiche, ist Schwimmen nicht erlaubt. Und auch Boote dürfen auf dem See nur von 9 bis 19 Uhr fahren. Denn die Teiche, die Ende des 19. Jahrhunderts angelegt wurden, um Karpfen zu züchten, sind heute Naturschutzgebiet –  laut Website www.lueneburger-heide.de eines der wertvollsten Feuchtgebiete in Niedersachsen: ein Refugium für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Etwa 130 Brutvogel-, circa 40 Libellen-, über 400 Schmetterlings- und viele Fischarten leben dort, außerdem zahlreiche Amphibien und Reptilien. Sie sollen nicht mehr als nötig von uns Menschen gestört werden. Auch wir haben die Ruhe genossen – und die Paddeltouren über den See, den wir meist nur mit Schwänen, Gänsen und anderen (Wasser)Vögeln teilen mussten.

Sommerspaziergang Wettmar.

Ich mag schöne Gärten und Kunst(handwerk). Deshalb ist der Sommerspaziergang in Wettmar für mich ein Muss. Bei der Aktion öffnen alte Höfe im Dorf ihre Tore und Gärten und geben KunsthandwerkerInnen die Gelegenheit, sich und ihre Werke zu präsentieren. In diesem Jahr machten fast 70 AusstellerInnen an zehn Ausstellungsorten mit.

Auch einer meiner Lieblingshöfe, Hof Küpmann, war in diesem Jahr zum Glück wieder dabei. In den verwunschenen Garten verliebe ich mich bei jedem Besuch aufs Neue – in das kleine Gartenhaus würde ich am liebsten einziehen. Das geht natürlich nicht, aber ich durfte eine Zeit lang im Garten sitzen, schreiben und die Seele baumeln lassen.

*Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung

Zum Nachlesen: Julia Cameron: Es ist nie zu spät, neu anzufangen. Der Weg des Künstlers ab 60. Droemer Knaur, München 2017

12 von 12: Mein 12. Juli

Wie schon in den letzten Monaten beteilige ich mich auch im Juli an Projekt 12 von 12, das von Chad Darnell gestartet und jetzt von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt wird,  dokumentieren BloggerInnen mit 12 Fotos, was sie am 12. Tag des Monats erlebt haben.

Mein Tag begann früh, um null Uhr. Ich habe mir das Viertelfinale der Fußball-WM zwischen Norwegen und England im Fernsehen angeschaut. Ich habe der norwegischen Nationalmannschaft die Daumen gedrückt und gehofft, dass sie gewinnt. Leider vergeblich.

Seit einiger Zeit schreibe ich die Morgenseiten wieder mit der Hand. Nicht immer, aber immer öfter. Oft nutze ich mein iPad, das meine Handschrift in Maschinenschrift umwandelt. So kann ich das Geschriebene auf meinem Computer abspeichern.

Noch vor dem Frühstück bin ich mit dem Fahrrad zum Würmsee gefahren. Der ist, anders als sein Name vermuten lässt, kein richtiger See, sondern nur ein kleiner, flacher Teich. Im Sommer verlandet er oft, in manchen Jahren kann man ihn sogar trockenen Fußes durchqueren. In diesem Jahr zum Glück (noch) nicht.

Meinen Morgenkaffee habe ich auf einem Steg getrunken. Auch wenn der See nur noch wenig Wasser hat, reichte es für ein bisschen See-Feeling.

Einer meiner Lieblingsplätze ist die Bank mit den Tierfiguren. Reiher, Fuchs, Kröte und Co erinnern mich an die Geschichte der Tiere aus dem Talerwald. Meine Tochter hat die Bücher, Comics und Zeichentrickfilme geliebt, als sie klein war – jetzt schaut meine jüngste Enkelin sich die Filme und Hefte gerne an. Wenn ich auf der Bank sitze, denke ich oft über die Frage  nach, die auf der Lehne steht: Was brauchst du für dein Leben?

Die Steuererklärung bräuchte ich gewiss nicht, aber an ihr führt für Selbstständige wie mich kein Weg vorbei. In den letzten Wochen habe ich die Belege zusammengetragen und geordnet, Ein- und Ausgaben berechnet. Heute haben wir die Daten ins Steuerprogramm eingetragen. Erkenntnis: Wenn frau sich mal aufrafft, ist es gar nicht so schlimm.

Wir lieben Heidelbeeren – und kaufen sie in der Saison bei einem Landwirt im Nachbarort. Die Beeren wachsen direkt hinter dem Hof, sind also garantiert frisch. die Verkaufsstelle ist auch sonntags geöffnet. Wer will, kann selbst pflücken. Doch das brauche ich nicht.

Himbeeren ernten wir in unserem eigenen Garten, unter anderem in dem kleinen Beet direkt neben der Terrasse.

Dort wachsen auch Minze und Zitronenmelisse, mit denen ich mein Wasser im Sommer gerne geschmacklich aufpeppe.

Der Ableger der Tellerpflanze musste endlich eingepflanzt werden, ihre große Schwester brauchte dringend mehr Erde. Heute habe ich beides erledigt.

Auf der Terrasse haben wir heute unsere neue Bank aufgestellt. Dort werde ich in den nächsten Wochen sicher oft sitzen, lesen oder schreiben.

Der Abend endet wie viele: Mit einem Eintrag in meinem Fünf-Jahres-Buch und mit Lesen, heute Tilman Jens‘ Buch „Demenz. Abschied von meinem Vater“.

Die Gärten sind geöffnet

Die ersten Gartenbesitzer in und um Hannover haben ihre Gartenpforten schon im März für Gartenfans geöffnet. Offiziell können laut Veranstaltungskalender fast hundert Gärten besichtigt werden. Eigentlich sind es aber mehr. Denn allein in der Gartenkolonie Tiefenriede, in der ich vor zwei Wochen meine diesjährige Offene-Pforten-Saison eröffnet habe, habe ich mehr als zehn Gärten angeschaut. Im Katalog zählt die Kolonie aber nur als ein Garten.

In Hannover gibt es rund 20.000 Kleingärten, wie die Schrebergärten offiziell heißen. Damit rangiert die niedersächsische Landeshauptstadt nach Angaben des Bundesverbands der Kleingartenvereine Deutschlands im Kleingarten-Ranking der 15 größten deutschen Städte auf Rang 5, hinter Berlin (66.000 Kleingärten), Leipzig (39.000) Hamburg (32.000) und Dresden (25.000).

Von Schrebergärten …

Wer glaubt, dass SchrebergärtnerInnen spießig und ihre Gärten langweilig und ziemlich einförmig sind, weil strikte Vereinsvorgaben eingehalten werden müssen, wird in hannoverschen Südstadt eines Besseren belehrt. Die Gärten waren so individuell und verschieden wie ihre BesitzerInnen. Gartenzwerge, Symbol der Kleingartenspießigkeit, habe ich in keinem einzigen Garten gesehen.

Besonderes Highlight war für mich der Garten von Thomas Domina und Thomas Marquardt: Im vorderen Teil vermitteln Buddhafiguren und bonsaiartig geschnittene Gehölze das Gefühl, in einem asiatischen Garten zu sein. Im hinteren Bereich versteckt sich ein Nutzgarten, mit Hochbeeten und Beerensträuchern.

Verschiedene Sitzgelegenheiten zwischen Stauden und bunten Sommerblumen laden dazu ein, einfach nur dazusitzen und die Seele baumeln zu lassen. Meinen Lieblingsplatz hatte ich am kleinen Teich mit Sumpfbeet schnell gefunden: Auge in Auge mit dem Reiher, den meine Anwesenheit nicht störte. Hier wäre ich gerne länger geblieben.

… und Dachgärten

Genauso wie zwei Wochen später im Dachgarten von Barbara Schwartz – eine Oase mitten in der Südstadt. Die Terrasse auf dem Flachdach einer Lagerhalle versteckt sich hinter dem Wohnhaus, das schon von Weitem leicht zu erkennen ist. Vor mehr als zehn Jahren haben Barbara Schwartz und ihr Mann Ulrich Dröge Kletterrosen an der Hauswand gepflanzt – mit Genehmigung des Tiefbauamts. Inzwischen ranken New Dawn und Kir Royal bis in den ersten Stock – und das Rosenhaus ist ein beliebtes Fotomotiv.

Für Gartenfans führt der Weg zur Dachterrasse durch die Galerie im Treppenhaus mit Bildern und anderen Kunstwerken von Barbara Schwartz. Gerade mal 100 Quadratmeter ist der Garten klein; trotzdem wachsen und blühen hier mehr als 100 verschiedene Pflanzenarten von A wie Agave und Akelei bis Z  wie Zwergflieder und Zwergweide – einige von ihnen sogar mehrfach. Viele hat die Gärtnerin selbst aus Samen oder Ablegern gezogen, andere – wie die Peruanische Giftbeere – haben sich von selbst ausgesät.

Ich durfte zwei Ableger und ein Tütchen mit Samen aus Barbara Schwartz‘ Garten mit nach Hause nehmen. Die Peruanische Giftbeere wächst und gedeiht jetzt hoffentlich auf unserer Terrasse in einem großen Topf. Denn sie wurde, wie der Name schon sagt, aus Südamerika importiert. Als invasive Art kann sie heimische Pflanzen verdrängen und sich negativ auf die Artenvielfalt auswirken.

Die kleine Malve habe ich dagegen ins Beet vor dem Wintergarten gepflanzt. Malven stammen laut Bienenretter.de zwar ursprünglich aus Asien und Südeuropa, sind aber seit Jahrhunderten in Deutschland „eingebürgert“. Sie werden von „verschiedensten Insektenarten genutzt – mal als Schlafplatz, mal als Nahrungsquelle“ und gelten als besonders bienenfreundlich.

Den ebenfalls geschenkten Samen des gelben Waldmohns werde ich erst im Oktober aussäen. Denn die Pflanze ist ein Kaltkeimer: Sie braucht nach einem warmen Start eine Kältephase. Und mit der ist in den nächsten Tagen sicher nicht zu rechnen

12 von 12 im Juni

12 von 12 zum dritten, denn mir gefällt das Projekt, das von Chad Darnell gestartet und jetzt von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt wird. Am 12. jeden Monats dokumentieren BloggerInnen ihren Alltag mit 12 Fotos.

Der 12. Juni beginnt wie so viele Tage mit einem frisch gepressten Zitronensaft …

… und wie fast immer mit den Morgenseiten, heute ausnahmsweise im Wintergarten. Und ja, ich schreibe die Morgenseiten, anders als von Julia Cameron empfohlen, mit dem Computer. Denn manchmal gehen meine Morgengedanken nahtlos in andere Texte über. Habe ich zum Beispiel die Idee für einen Blogbeitrag, notiere ich, was mir in den Sinn kommt und kopiere die Passage später per Mouseclick in die richtige Datei.

Ich liebe es, morgens barfuß durch den Garten und über das vom Regen oder Tau feuchte Gras zu gehen.

Jetzt, im Sommer, pflücke ich dabei Früchte für unser Müsli. Bislang nur Erdbeeren und Johannisbeeren, doch bald sind auch Himbeeren und Stachelbeeren reif.

Erdbeeren in ein Beet mit roten Rosen zu pflanzen, war vielleicht keine so gute Idee. Ich habe schon so manches Blütenblatt mit einer Erdbeere verwechselt.

Obwohl es schon Mitte Juni ist, ist es morgens noch recht frisch, wenn ich mit dem Rad zum Schwimmbad fahre. Das Wasser ist zum Glück wärmer als die Luft.

Meine Tochter, die uns heute besucht, hat mich begleitet und brauchte eine Eintrittskarte. Die gibt es so früh am Morgen nur am Automaten – und der akzeptiert kein Bargeld. Auch wenn die Schwimmbadkasse besetzt ist, müssen Einzel- und Zehnerkarten mit Karte bezahlt werden. Bei Dauerkarten ist dagegen Barzahlung möglich. Eine wirklich saublöde Regelung.

Ich nehme meine EC-Karte nur ungern mit ins Schwimmbad. Denn im Umkleidebereich gibt es zwar Schränke, um Kleider und Wertsachen einzuschließen. Doch die Schlösser könnte selbst ich knacken. Und Schilder weisen darauf hin, dass die Stadt keine Haftung für den Inhalt der Schränke und eventuelle Schäden übernimmt. So wälzt man Probleme auf die BürgerInnen ab. Als ich nach Burgwedel gezogen bin, war die Verwaltung sehr kompetent und bürgerfreundlich. Doch die Zeiten sind wohl endgültig vorbei. Schade.

Wir wollten grillen – und ein bisschen Regen konnte uns natürlich nicht abschrecken. Der Sonnenschirm wurde kurzerhand zum Regenschirm. Gegessen haben wir dann im Wintergarten. Da war’s trockner und wärmer als draußen.

Schaukeln geht immer, auch in einer kurzen Regenpause.

Was soll aus dieser Rose werden. Die gefüllte, weiße Rose, die ich vor Jahren im Beet vor dem Wintergarten gepflanzt habe, ist verschwunden. Offenbar hat ein Durchtrieb der Unterlage, eine Rosa canina, die zum Pfropfen der Edelsorte verwendet wurde, den Rosenstrauch inzwischen übernommen. „Radikal ausschneiden“, rät ein Freund meines Mannes, der es als Botaniker wissen muss. Aber eigentlich mag ich Hundsrosen, auch wenn diese leider nicht duftet. Sie darf also zumindest vorerst noch weiterblühen.

Je älter ich werde, desto mehr vermisse ich das Wasser. Weil es in Burgwedel selbst weder einen Fluss noch einen See gibt, gehe ich oft zum Wasserbecken bei der Seniorenwohnanlage. Dort blühen jetzt ganz viele Seerosen.

Auf dem Rückweg komme ich durch den Alten Park, der zurzeit von riesigen Insekten aus Kalkstein, Granit und Basaltlava bevölkert ist. Die Open-Air-Ausstellung des Bremer Künstlers Peer Steppe ist im Rahmen der „IntraRegionale 2026“, einem großen regionalen Kunstprojekt in der Region Hannover, noch bis Ende Juli zu sehen.

Der Tag klingt aus, wo er begonnen hat: im Wintergarten. In meinem Fünf-Jahres-Buch notiere ich an fast jedem Abend ein paar Zeilen. Während ich schreibe, lese ich oft die Einträge  auf der jeweiligen Seite und erfahre, was ich in den vergangenen Jahren am gleichen Tag getan oder erlebt habe. So habe ich vor zwei Jahren am 12. Juni erfahren, dass eine Freundin an der Mosel gestorben ist. Carpe diem

Monatsrückblog Mai 2026

Jetzt ist auch der Mai, wieder vorbei. Schade, denn der Mai ist mein Lieblingsmonat. Es ist morgens schon früh hell und wird abends erst spät wieder dunkel. Da ist die Gewissheit, dass die Tage noch länger werden – und das Gefühl, dass der Sommer noch lange dauert. In diesem Mai war es sehr sonnig – vor allem in der zweiten Monatshälfte kletterte das Thermometer teilweise auf hochsommerliche 30 Grad. Und ich mag es gerne warm.

Wanderurlaub in Portugal

Meist sonnig, aber nicht zu heiß: Zum Wandern war das Wetter in der ersten Maiwoche in Portugal ideal. Und auch sonst stimmte in unserem Wanderurlaub eigentlich alles. Azenhas do Mar gilt als einer der schönsten Orte Portugals. Die Landschaft ist traumhaft, Foe hatte tolle Wanderrouten ausgearbeitet und eine schöne Ferienwohnung nah am Meer ausgesucht. Nur mit dem Schwimmen klappte es nicht – die Wellen im Atlantik waren ziemlich hoch und so ganz traue ich meinem Fuß auch ein Jahr nach der OP noch nicht.

Schwimmen in Burgwedel

Eigentlich ist Schwimmen ja nicht mein Sport: Das Wasser ist mir zu kalt und zu nass. Aber wenn ich mich überwunden habe und im Wasser bin, macht es mir meist Spaß. Außerdem ist Schwimmen gesund und hilft möglicherweise auch bei den muskulären Problemen, die mich zurzeit plagen. Und so habe ich mir eine Saisonkarte für das Freibad in Burgwedel gekauft und mir vorgenommen, jede Woche mindestens zweimal schwimmen zu gehen. Das ist mir bis jetzt gelungen.  

Schreiben

Mit dem Schreiben klappte es dagegen im Mai – wie schon im April – leider überhaupt nicht. Mitte März hat mich eine allgemeine Schreibunlust gepackt. Außer meinen Morgenseiten habe ich nur wenig geschrieben. Mein Ziel, den Roman, an dem ich arbeite, im zweiten Quartal zu beenden, ist in weite Ferne gerückt. Und auch die Zahl der veröffentlichten Blogbeiträge bleibt mit je drei im April und Mai weit hinter meinem Ziel zurück. Fünf sollten es jeden Monat eigentlich sein. Nicht einmal den Monatsrückblog für April habe ich beendet und gepaostet. Doch ich hoffe, dass die Lust am Schreiben allmählich wieder zurückkehrt. Vielleicht brauchte ich einfach mal eine Pause …

Natur Journaling

… oder einen Anstoß von außen. Anfang des Jahres hatte ich mir vorgenommen, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und Nature Journaling auszuprobieren. Mich reizt an der modernen Art des Naturtagebuchs die Kombination aus Wörtern, Skizzen, Fotos, Zahlen und Fakten. Ich bin zwar weder eine gute Zeichnerin und noch kenne ich mich mit der heimischen Flora und Fauna aus. Aber wer ein Nature Journaler führt, muss weder KünstlerIn noch NaturforscherIn sein, so das Credo der Nature-Journaling-Bewegung.

„Es geht nicht ums perfekte Zeichnen, sondern ums bewusste Hinschauen, Beobachten und Fragenstellen“, meinte Tina Blanke, die Leiterin des VHS-Kurses, den ich belegt habe. „Mit jedem Strich, jedem Wort und jeder Frage wächst ein Stück Naturverbindung.“ Das klingt gut. Jedenfalls hat mich der Kurs ermutigt und motiviert.Ich werde das Nature Journal, das ich im Januar begonnen habe und das über die Anfänge nicht hinaus gekommen ist, weiterführen.

Unser Garten im Mai

Ja, es ist nur ein Garten, aber wenn ich im Wintergarten, auf der Terrasse oder im Garten bin, fühle ich mich ein bisschen wie in der Natur. Im Mai zeigte sich der Garten von seiner schönsten, buntesten Seite. 

Allen voran die Rosen, die sich in unserem Garten sehr wohlzufühlen scheinen – die beiden ausgewilderten No-name-Topfrosen ebenso wie meine drei Edelrosen: die Rhapsody in Blue, die Künstlerrose und die Päonienrose.  

Vor allem die Rhapsody blüht in diesem Jahr so üppig wie noch nie. Die Blüten stehen dicht an dicht und duften herrlich, doch leider verblühen sie sehr schnell. Die Pfingstrosen haben lange auf sich warten lassen – erst Ende Mai öffnete sich endlich die erste Knospe.

Ich bin, ich gebe es zu, eine Chaosgärtnerin: Viele Pflanzen haben sich ohne mein Zutun in unserem Garten angesiedelt und sind gern gesehene Gäste: Die Fingerhüte zum Beispiel, Glockenblumen und Mohn. Nur den Dreimasterblumen muss ich immer wieder Einhalt gebieten, weil sie sonst alles überwuchern, was in ihrer Nähe wächst.

Nicht nur Fachwerk

Apropos Nähe, manchmal liegt das Schöne wirklich ganz nah. Celle zum Beispiel. Natürlich war ich schon öfter in der Stadt, die laut Geo.de zu den zehn schönsten Fachwerkstädten Deutschlands zählt und das größte geschlossene Ensemble Europas bildet.

Aber obwohl Celle nur zehn Minuten mit dem Zug entfernt liegt, also quasi direkt vor der Haustür, fahre ich nur selten hin. Auch Ende Mai bin ich nur durch die Stadt gebummelt, weil ich vor einem Arztbesuch noch Zeit hatte.

Das soll sich ändern, denn Celle hat mehr zu bieten als eine pittoresken Altstadt mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern und einem Schloss im Renaissance- und Barocksstil. Siedlungen im  Bauhausstil beispielsweise mit sehr einfachen, aber preiswerten Kleinstwohnungen für Familien mit Kindern. Zwei der nur 32 bis 45 Quadratmeter kleinen Wohnungen im Blumläger Feld blieben unverändert und wurden Möbeln aus der Entstehungszeit ausgestattet. Ich werde sie mir beim nächsten Celle-Besuch ansehen, ebenso wie das kleine Museum, das an den Architekten und Städtebauer Otto Haesler erinnert, der die Häuser in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts entworfen hat.

Gedenken an Dr. Albert David

Am 9. November vergangenen Jahres habe ich mit anderen Omas gegen rechts den Stolperstein für Dr. Albert David am Alten Postweg in Großburgwedel geputzt und mit Blumen geschmück. An seinem Todestag haben wir die Aktion wiederholt. Am 19. Mai 1940 vergiftete sich der angesehene Arzt in seiner Wohnung, als ihn zwei Gestapo-Männer aufsuchten und abholen wollten.

Seit der Machtübernahme im Jahr 1933 hatten ihm die Nazis das Leben schwergemacht:  Weil er Jude war, entzogen sie ihm im September 1938 die Approbation. Er musste seine Praxis schließen, sein Vermögen wurde eingezogen. Im Mai 1940 trieben sie ihn in den Tod.

Der Stolperstein für Dr. Albert David war der erste in Burgwedel, 28 weitere folgten. Sie erinnern an 28 Kinder von Zwangsarbeiterinnen, die ihren Müttern weggenommen wurden, verhungerten oder starben, weil sie nicht versorgt wurden. Der 30. Stolperstein wurde erst vor einigen Tagen in Fuhrberg, einem Burgwedeler Ortsteil, verlegt – zum Gedenken an Heinrich Seehaus, den die Nationalsozialisten 1942 hinrichteten.

Der Berggarten im Mai

Sie sind wieder da! Mitte Mai musste ich im Subtropenhof noch mit Pflanzenbildern vorlieb nehmen. Doch am Freitag vor Pfingsten waren die meisten Pflanzen wieder aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt: Bis zu exotische 100 Pflanzen verbringen die Sommermonate hinter den hohen Backsteinmauern, die die Wärme der Sonne speichern und den Wind abhalten. So entsteht ein Kleinklima, in dem sich die empfindlichen wärmeliebenden Pflanzen wohlfühlen. Erst im Oktober, wenn die Tage und vor allem die Nächte kälter werden, kehren sie wieder in die Gewächshäuser der Herrenhäuser Gärten zurück.

Der Subtropenhof gehört zu meinen Lieblingsplätzenin den Herrenhäuser Gärten – ich genieße es immer wieder, dort zu sitzen und umgeben von bunten Blüten und viel Grün zu lesen, zu schreiben oder einfach vor mich hin zu träumen.

Von Iris, Pfingstrosen …

Der Irisgarten hinter den Schauhäusern hat sich seit meinem letzten Besuch in ein buntes Paradies verwandelt: Dort blühen laut Website der Herrenhäuser Gärten mehr als 300 Bart-Iris-Sorten in allen Größen und Farben.

Während die niedrigen Bart-Iris oder Zwerg-Schwertlilien nur etwa 15 bis 30 cm hoch sind, werden die Mittelhohen Bart-Iris zwischen 40 und 70 cm, die Hohen Bart-Iris sogar mehr als 70 cm groß. Das Farbspektrum reicht von Weiß über Gelb und Hell-lila bis zu Dunkel Violett und fast Schwarz.

Ich liebe Pfingstrosen – und so führt für mich von April bis Juni kein Weg am Präriegarten vorbei. Dort wachsen allein mehr als 40 verschiedene Strauchpfingstrosen und mindestens doppelt so viele Stauden-Pfingstrosen in den verschiedensten Farben und verschiedensten Blühstadien. Manche Pflanzen sind schon verblüht, an anderen haben sich die Knospen noch gar nicht geöffnet. Auch bei meinen nächsten Besuchen im Berggarten kann ich mich also noch an den Päonien erfreuen.

… und besonderen Bäumen

Die Tulpenzeit ist dagegen vorbei – nur die Blüten des Tulpenbaums im Staudengrund lassen noch auf sich warten. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis sich die Knospen öffnen und die weiß-gelben Blüten zum Vorschein kommen. Die ähneln zwar Tulpen, haben aber mit richtigen Tulpen botanisch nichts gemein. Tulpenbäume (Liriodendron tulipifera) gehören nämlich zur Familie der Magnoliengewächse (Magnoliaceae), weiß Wikipedia.

Am Eingang des Staudengrunds wachsen zwei rotblättrige Süntelbuchen aufeinander zu. Die eine ist schon mehr als vierzig Jahre alt, die andere wurde erst kürzlich gepflanzt. Bis sie einen Laubengang über den Fußweg bilden, werden die Äste von einem Gerüst gestützt. Die Konstruktion wird dem Wachstum des Baums angepasst, erweitert und Stück für Stück entfernt, wenn die Äste stark genug sind und ohne Stütze auskommen.

Vorbild ist der Laubengang am Ausgang des Staudengrunds. Dort ranken die Äste der um 1880 gepflanzten Süntelbuche an einem massiven Stahlgerüst über den Weg und bilden eine über 30 Meter lange Pergola, die „zu den meist fotografierten Attraktionen des Berggartens“ zählt.

Der Berggarten im April

Eigentlich wusste ich es ja, aber um sicher zu gehen, habe ich doch einmal beim Subtropenhof vorbeigeschaut: Wie erwartet war er noch immer kahl und (pflanzen)leer. Denn die exotischen Kübelpflanzen, die den Hof im Sommer in eine blühende Oase verwandeln, vertragen keine Kälte. Weil die Temperaturen derzeit nachts oft gen Null sinken, müssen sie noch in ihren Winterquartieren bleiben. Erst wenn die Eisheiligen Mitte Mai durchs Land gezogen sind, dürfen sie nach draußen.

Die Orchideen leben das ganze Jahr über unterm schützenden Glas des Orchideenschauhauses. Etwa 300 bis 800 Pflanzen sind jeweils dort zu bewundern. Doch sie sind nur ein kleiner Teil der Sammlung, die mit rund 25.000 Orchideen zu den größten Orchideensammlungen der Welt gehört. Etwa 3.000 Arten werden in den Sammlungshäusern kultiviert – darunter viele, die in der Natur selten oder schon ausgestorben sind.

Zweimal wöchentlich werden verblühte Pflanzen gegen andere ausgetauscht. Und so bietet sich mir jedes Mal, wenn ich das Orchideenhaus besuche, ein anderes Bild. Zurzeit dominiert die Farbe Gelb – nicht nur bei den Orchideen.

Hinter so viel Blütenpracht möchten die Pflanzen draußen nicht zurückstehen. Zwar sind Magnolien und die meisten japanischen Zierkirschen schon verblüht, dafür präsentiert sich Blumengang direkt daneben mit Tulpen, Narzissen und anderen Frühblühern so schön wie selten. Besonders gut gefallen haben mir die gelben Weinbergs-Tulpen, die ich bislang gar nicht kannte und im Berggarten noch nie bemerkt habe.

Laut Wikipedia sind Weinbergs-Tulpen wilde Tulpen, die einzige in Deutschland wild vorkommende Tulpenart. Sie gilt als stark gefährdet und ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Ich hoffe allerdings, dass ich vielleicht demnächst auf der Landesgartenschau in Bad Nenndorf oder im Herbst im Shop der Herrenhäuser Gärten ein paar Zwiebeln kaufen kann.

Im Staudengarten haben die ersten Strauch-Pfingstrosen die Pfingstrosensaison eröffnet. Noch wagen sich erst wenige Blüten hervor.

Nebenan im Rhododendronhain blühen die Büsche dagegen schon in den verschiedensten Farben – von strahlend Weiß bis dunkel Violett.

Der Staudengrund ist seit meinem letzten Besuch Anfang April kaum wiederzuerkennen. An den Ufern des künstlichen Bachlaufs wuchern die Pflanzen so üppig, dass das Wasser fast völlig unter ihnen verschwindet.

Am Ende des Staudengrunds stehen drei verschiedene Buchen einträchtig nebeneinander: die Süntelbuche, deren Blätterdach im Sommer fast 1.000 Quadratmeter überdeckt, die Blutbuche mit ihren dunkelroten Blättern und die Hängebuche. Nachdem im August 2024 ein Großteil der Krone der Hängebuche herausgebrochen ist, wurden Äste und Zweige weiß angestrichen. Der Anstrich soll die Sonnenstrahlen reflektieren und den Stamm vor Erhitzung, temperaturbedingten Spannungsrissen und Sonnenbrand schützen. So bleiben die Buche und das wohl einzigartige Buchenensemble hoffentlich noch lange erhalten.

Monatsrückblog März 2026

Ja, ich bin mal wieder spät dran. Denn ich habe lange überlegt, ob ich wirklich einen Rückblick für einen Monat schreiben soll, in dem ich wenig unternommen habe. Doch nachdem ich das Plädoyer von Uli Pauer für das Blogformat „12 von 12″ gelesen habe, habe ich entschieden, die noch kleine Serie der Monatsrückblogs fortzusetzen. Denn die Gründe, die sie in ihrem Blogbeitrag für „12 von 12“ nennt, gelten auch für den Monatsrückblick: Er ist eine gute Gelegenheit innezuhalten, zu reflektieren und auch in eher ereignislosen Monaten Besonderes zu entdecken.

Ab nach draußen

Apropos entdecken: Ich lebe schon seit fast vierzig Jahre in Hannover: den Hermann Löns Park in Kleefeld habe ich erst jetzt entdeckt. Dabei liegt er direkt an einer Straßenbahnhaltestelle, ist also mit Öffis gut zu erreichen, hat einen Teich, der wie eine kleine Seenlandschaft wirkt, und viele alte Bäume. Als der Park in den 1930er-Jahren angelegt wurde, wurden nur standorttypische Bäume und Sträucher wie Stieleichen, Linden, Hainbuchen, Weiden, Birken, Haselnuss, Holunder und Traubenkirschen gepflanzt. Auf „fremdländische Pflanzen“ wurde allerdings nicht, allerdings nicht aus ökologischen, sondern aus ideologischen Gründen verzichtet. „Der Park geriet zur ideologiekonformen Grünanlage“, heißt es bei Wikipedia.

Mir gefällt der Park trotzdem, ebenso wie die Schrebergartenkolonie an seiner Nordseite. DieKleingartenanlage Annateich“, so ihr offizieller Name, entstand zur gleichen Zeit wie der dem Park. Alle Gärten, rund 200, erhielten damals eine Holzlaube und mindestens einen Apfelbaum. Die meisten Holzlauben wurden inzwischen durch neue ersetzt. Dagegen stehen wohl viele der alten Apfelbäume der Sorte „Ontario“ noch heute in den Gärten. Ein Grund, Park und Schrebergartenkolonie wieder zu besuchen, wenn sie blühen.

Natürlich war ich auch wieder in den Herrenhäuser Gärten . Und natürlich haben wir – mein Mann und ich – ziemlich viel Zeit in unserem Garten verbracht. Der ist zwar nicht sehr groß, aber gerade jetzt im Frühjahr ist viel zu tun. Und irgendwie ist es mit der Garten- wie mit der Hausarbeit: Man wird nie wirklich fertig.

Immer am Wasser lang

Zur Märzbecherblüte nach Hameln habe ich es auch in diesem Jahr leider wieder nicht geschafft. Und ich habe im März auch noch keine längere Wanderung unternommen. Das lag sicher auch daran, dass mich seit Anfang des Monats eine Verletzung am Bein/an der Hüfte plagt. Der Spaziergang durch die Leinemasch war weder besonders lang noch besonders anspruchsvoll.  Aber er führte fast immer am Wasser entlang und endete mit einem kurzen Abstecher ins Landesmuseum. Allerdings nicht in die Kunst-, sondern in die Wasserwelt. Dort leben in großen Aquarien laut Website des Museums über 200 verschiedene Wassertierarten aus unterschiedlichen Lebensräumen, aus Kalt- oder Warmwasser, Süß- oder Salzwasser.

Aber eigentlich besuche ich die Wasserwelten nicht wegen der Fische, Ich mag die besondere Atmosphäre und die Ruhe in dem abgedunkelten Raum mit der blauen Wandverkleidung und der wellenförmigen Decke. Ein wenig fühlt man sich dort wie in einer Unterwasserwelt.

Besonders lange saß ich diesmal vor dem Becken mit einem einsamen Heterochromis multidens. Der afrikanische Buntbarsch, der im mittleren Kongobecken zu Hause ist, sah mit seinen herunterhängenden Mundwinkeln ziemlich traurig aus. Ob er seine Heimat und seine Artgenossen vermisst? Oder ob er nur ungehalten über die Besucherin war, die vor seinem Becken saß und ihn so neugierig anschaute.

Neue Museumscard

Mit dem Kurzbesuch im Landesmuseum habe ich meine neue Museumscard eingeweiht. Dass sie nur in neun Museen in Hannover und in zwei Museen in Hildesheim gilt, habe ich schon mehrmals beklagt. Trotzdem möchte ich die Karte nicht missen. Denn sie ermöglicht es mir, nur kurz in ein Museum zu gehen, um mir ein paar Bilder, einen kleinen Teil einer Ausstellung oder, wie nach der Wanderung durch die Leinemasch, die Fische anzusehen. Müsste ich jedes Mal Eintritt zahlen, würde ich das gewiss nicht tun. Bei meinem Besuch im Wilhelm Busch Museum habe ich Katharina Greves Prinzessin Petronia kennengelernt. Ihretwegen habe ich dann auch Antoine de Saint-Exupérys Buch über ihren berühmten, wenn auch namenlosen Cousin, den kleinen Prinzen, noch einmal gelesen.

Foto: Wilhelm Busch Museum/Katharina Greve

Schreiben

Im Februar habe ich am Schreibmonat der Textmanufaktur teilgenommen und jeden Tag an meinem Roman gearbeitet. Im März ist mir das leider nicht gelungen. Immerhin habe ich sieben Blogbeiträge geschrieben und veröffentlicht. Sie und andere Texte sind teilweise bei den Schreibdates mit Denise Fritsch und Sabine E. Rasch entstanden. Denn mit anderen zu schreiben, motiviert mich immer wieder. Deshalb habe ich auch an dem Online-Schreibtreff der Textmanufaktur zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche teilgenommen. Dass ich das gemeinsame Schreiben wegen einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Nationalsozialisten unterbrochen habe, war nicht geplant. Aber manchmal muss man eben andere Prioritäten setzen

Nie wieder ist jetzt

In der Karwoche 1945, kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs, ermordeten SS-Leute in Burgwedel 20 Menschen. An diese und andere Verbrechen der Nazis und an das Leid der Opfer zu erinnern, ist zurzeit wichtiger denn je. Wenn immer mehr Menschen die AfD wählen und Antisemitismus, Rassismus und rechtsextreme Gedanken wieder salonfähig sind, genügt es nicht, gegen rechts zu sein, frau muss es auch zeigen.

Deshalb habe ich auch an der ersten Prüfdemo in Hannover teilgenommen. Die Aktion PRÜF fordert, dass „alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, … durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden“ sollen. Laut Artikel 21 Abs. 4 GG entscheidet nur das Bundesverfassungsgericht, ob eine Partei verfassungswidrig ist.

Ich zweifle nicht daran, dass Einschätzung der AfD durch den Verfassungsschutz stimmt und dass die Partei eine Gefahr für die Demokratie und die freiheitlich demokratische Grundordnung ist. Aber die Hürden für ein Parteiverbot sind sehr hoch. Zwei Versuche, die NPD verbieten, scheiterten 2003 und 2017 vor dem Bundesverfassungsgericht. Und im Februar dieses Jahres entschied das Verwaltungsgericht Köln in einem Eilverfahren, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als „gesichert rechtsextremistisch“ einstufen und behandeln darf.  Entscheidet das Bundesverfassungsgericht gegen ein AfD-Verbot, wird die Partei das als „Persilschein“ für ihre Propaganda nutzen – und viele werden es glauben. Denn auch wenn die Erkenntnis, dass die menschliche Dummheit (wie das Universum) unendlich ist, wahrscheinlich nicht von Albert Einstein stammt, stimmt sie wohl leider. 

Bericht aus Garten und Wintergarten

Draußen im Garten grünt und blüht es, derzeit noch vorwiegend in Blau/Violett. Überall auf den Beeten sprießen jetzt die Scillas, ebenso Traubenhyazinthen und Hyazinthen. Und die Blaukissen werden immer mehr zum dichten Kissen, das sich an den Wintergarten schmiegt.

Für gelbe Farbkleckse im Garten sorgen die Narzissen, Forsythien und die kriechende Mahonie, die sich ungefragt überall im Garten ausbreitet. Am Teich ist meine einzige Primel wieder aufgetaucht, von meinen Veilchen ist dagegen noch nichts zu sehen. Die Zeit der Krokusse ist dagegen vorbei, Wind und Regen der letzten Tage haben ihnen wohl den Rest gegeben.

Drinnen im Wintergarten geht dem Osterkaktus allmählich die Kraft aus. Kein Wunder: Er hat, seinem Namen zum Trotz, schon seit Weihnachten geblüht. Bei seinen beiden Geschwistern zeigen sich dagegen jetzt kleine rote Knospen. Ob sie rechtzeitig zu Ostern aufgehen, wird sich zeigen. Denn sie sind beide schon fast ein halbes Jahrhundert alt.

Keine Ermüdungserscheinungen zeigt die Strelitzie. Die ersten Blüten sind inzwischen verblüht, aber ihre Nachfolgerinnen schauen wie bunte Vogelköpfe zwischen den Blättern hervor und ziehen die Blicke auf sich.  

Weiß-lila blüht die Felsenorchidee, die ein Schulfreund meines Mannes mir im letzten April geschenkt hat. Nachdem ich seinem Rat befolgt habe und der Dendrobium Kingianum Angfang Februar eine Portion Blumendünger spendiert habe, zeigten sich schnell kleine, halbmondförmige Knospen. Auch auf Nachwuchs kann ich hoffen: Denn die Verdickung an einem Stiel ist ein „Kindel“, also ein Ableger: Da er inzwischen drei eigene Blätter und auch zwei gut ausgebildete Wurzeln hat, kann ich ihn demnächst abtrennen und einpflanzen.

Von der Orchidee, die in meinem Arbeitszimmer steht, kenne ich nicht einmal den Namen, obwohl sie seit dem 1. August 2019 bei mir lebt. Ich hatte sie meiner Mutter ein paar Wochen vor ihrem Tod geschenkt, weil sie Orchideen liebte. Nachdem meine Mutter gestorben war, mochte ich die Pflanze nicht in dem Heim in Norderstedt zurücklassen. Ich nahm sie mit nach Hause und obwohl sie in einem jämmerlichen Zustand war, überlebte sie und blühte seither regelmäßig.

In diesem Jahr ließ sie mich allerdings lange warten. Erst vor etwa einer Woche öffneten sich die Knospen und sie fing an zu blühen – etwa zeitgleich mit ihrer entfernten Verwandten, der Felsenorchidee. Es war, als hätten sie sich abgesprochen. Dabei kannten sie sich nicht und sind sich auch nie begegnet. Die lebt nämlich unterm Dach, die andere ebenerdig im Wintergarten. Aber vielleicht gibt es sie doch, eine geheime Verbindung zwischen den Pflanzen.

Der Berggarten im März

Eigentlich wollte ich diese Woche ja nach Hameln fahren. Am Rand der Stadt im Naturschutzgebiet Schweineberg blühen derzeit tausende Märzbecher. 1,5 Kilometer lang und 100 bis 200 Meter breit ist der Blumenteppich und damit laut Website der Stadt Hameln „das wahrscheinlich größte Vorkommen des Frühblühers in Norddeutschland.“

Die Märzbecherblüte steht schon lange auf meiner To-see-Liste. Allerdings ist der Schweineberg mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht besonders gut zu erreichen: Die Anreise dauert von Burgwedel aus mehr als zweieinhalb Stunden – wenn ich alle Anschlüsse wie geplant erreiche. Und da mich derzeit eine Verletzung am Bein plagt, habe ich umgeplant: Herrrenhäuser Gärten statt Schweineberg.

Von Frühblühern …

Seit ich vor zwei Wochen im Berggarten war, ist er im wahrsten Sinne des Wortes aufgeblüht . Vor dem Eingang empfängt kein roter, sondern ein gelber Teppich aus Narzissen die Besucher. Im Berggarten bestimmen noch Frühblüher wie Schneeglöckchen, Krokusse, blaue und weiße Scilla, Winterlinge und Lenzrosen das Bild.

Doch schon bald werden andere Pflanzen die Blicke auf sich ziehen, die japanischen Zierkirschen und die Magnolienbäume im Irisgarten zum Beispiel, oder – ab April – die ersten Strauchpfingstrosen im Präriegarten und einige Rhododendren im Rhododendronhain.

Die Schneeforsythie und die Zaubernuss im Staudengrund blühen schon; bis ihre Nachbarin, die Süntelbuche, Blätter bekommt, wird es noch einige Wochen dauern. Mir ist es recht. Denn „nackt“ zeigt mein Lieblingsbaum seine ganze Schönheit. Doch was mir gefällt, war vielen Menschen früher unheimlich: Wegen ihres bizarren Aussehens waren Süntelbuchen als Gespenster-, Hexen- oder Teufelsbäume verschrieen. Weil sich die oft sehr kurzen, miteinander verwachsenen Äste und Stämme außerdem weder als Bauholz noch als Brennholz eigneten, wurden fast alle Bäume in ihrer Heimat, dem Süntel, abgeholzt. In dem Bergzug südwestlich von Hannover gab es bis Mitte des 19. Jahrhunderts den  größten Süntelbuchenbestand Europas. Heute findet man die seltene Rotbuchenart in Deutschland fast nur noch in Parks und in Botanischen Gärten.

Die Süntelbuche im Berggarten wurde um 1880 gepflanzt und gehört damit wahrscheinlich zu den ältesten ihrer Art. Weil Süntelbuchen nämlich eher in die Breite wachsen als in die Höhe, brechen sie oft auseinander und werden durchschnittlich nur  120 bis 160 Jahre alt . Dieses Alter hat der Baum im Berggarten schon erreicht; trotzdem ist mir um ihn nicht bang. Denn ein Gerüst stützt die Äste, die auf die andere Seite des Fußwegs wachsen. 33 Meter lang ist die Pergola, die im Sommer zum Laubengang wird und laut Website der Herrenhäuser Gärten „zu den meist fotografierten Attraktionen des Berggartens“ zählt.

Übrigens: Märzbecher habe ich im Berggarten auch gesehen. Natürlich längst nicht so viele wie am Schweineberg, aber immerhin. Und Buschwindröschen und Leberblümchen gab es ganz in der Nähe als Zugabe.