Monatsrückblog März 2026

Ja, ich bin mal wieder spät dran. Denn ich habe lange überlegt, ob ich wirklich einen Rückblick für einen Monat schreiben soll, in dem ich wenig unternommen habe. Doch nachdem ich das Plädoyer von Uli Pauer für das Blogformat „12 von 12″ gelesen habe, habe ich entschieden, die noch kleine Serie der Monatsrückblogs fortzusetzen. Denn die Gründe, die sie in ihrem Blogbeitrag für „12 von 12“ nennt, gelten auch für den Monatsrückblick: Er ist eine gute Gelegenheit innezuhalten, zu reflektieren und auch in eher ereignislosen Monaten Besonderes zu entdecken.

Ab nach draußen

Apropos entdecken: Ich lebe schon seit fast vierzig Jahre in Hannover: den Hermann Löns Park in Kleefeld habe ich erst jetzt entdeckt. Dabei liegt er direkt an einer Straßenbahnhaltestelle, ist also mit Öffis gut zu erreichen, hat einen Teich, der wie eine kleine Seenlandschaft wirkt, und viele alte Bäume. Als der Park in den 1930er-Jahren angelegt wurde, wurden nur standorttypische Bäume und Sträucher wie Stieleichen, Linden, Hainbuchen, Weiden, Birken, Haselnuss, Holunder und Traubenkirschen gepflanzt. Auf „fremdländische Pflanzen“ wurde allerdings nicht, allerdings nicht aus ökologischen, sondern aus ideologischen Gründen verzichtet. „Der Park geriet zur ideologiekonformen Grünanlage“, heißt es bei Wikipedia.

Mir gefällt der Park trotzdem, ebenso wie die Schrebergartenkolonie an seiner Nordseite. DieKleingartenanlage Annateich“, so ihr offizieller Name, entstand zur gleichen Zeit wie der dem Park. Alle Gärten, rund 200, erhielten damals eine Holzlaube und mindestens einen Apfelbaum. Die meisten Holzlauben wurden inzwischen durch neue ersetzt. Dagegen stehen wohl viele der alten Apfelbäume der Sorte „Ontario“ noch heute in den Gärten. Ein Grund, Park und Schrebergartenkolonie wieder zu besuchen, wenn sie blühen.

Natürlich war ich auch wieder in den Herrenhäuser Gärten . Und natürlich haben wir – mein Mann und ich – ziemlich viel Zeit in unserem Garten verbracht. Der ist zwar nicht sehr groß, aber gerade jetzt im Frühjahr ist viel zu tun. Und irgendwie ist es mit der Garten- wie mit der Hausarbeit: Man wird nie wirklich fertig.

Immer am Wasser lang

Zur Märzbecherblüte nach Hameln habe ich es auch in diesem Jahr leider wieder nicht geschafft. Und ich habe im März auch noch keine längere Wanderung unternommen. Das lag sicher auch daran, dass mich seit Anfang des Monats eine Verletzung am Bein/an der Hüfte plagt. Der Spaziergang durch die Leinemasch war weder besonders lang noch besonders anspruchsvoll.  Aber er führte fast immer am Wasser entlang und endete mit einem kurzen Abstecher ins Landesmuseum. Allerdings nicht in die Kunst-, sondern in die Wasserwelt. Dort leben in großen Aquarien laut Website des Museums über 200 verschiedene Wassertierarten aus unterschiedlichen Lebensräumen, aus Kalt- oder Warmwasser, Süß- oder Salzwasser.

Aber eigentlich besuche ich die Wasserwelten nicht wegen der Fische, Ich mag die besondere Atmosphäre und die Ruhe in dem abgedunkelten Raum mit der blauen Wandverkleidung und der wellenförmigen Decke. Ein wenig fühlt man sich dort wie in einer Unterwasserwelt.

Besonders lange saß ich diesmal vor dem Becken mit einem einsamen Heterochromis multidens. Der afrikanische Buntbarsch, der im mittleren Kongobecken zu Hause ist, sah mit seinen herunterhängenden Mundwinkeln ziemlich traurig aus. Ob er seine Heimat und seine Artgenossen vermisst? Oder ob er nur ungehalten über die Besucherin war, die vor seinem Becken saß und ihn so neugierig anschaute.

Neue Museumscard

Mit dem Kurzbesuch im Landesmuseum habe ich meine neue Museumscard eingeweiht. Dass sie nur in neun Museen in Hannover und in zwei Museen in Hildesheim gilt, habe ich schon mehrmals beklagt. Trotzdem möchte ich die Karte nicht missen. Denn sie ermöglicht es mir, nur kurz in ein Museum zu gehen, um mir ein paar Bilder, einen kleinen Teil einer Ausstellung oder, wie nach der Wanderung durch die Leinemasch, die Fische anzusehen. Müsste ich jedes Mal Eintritt zahlen, würde ich das gewiss nicht tun. Bei meinem Besuch im Wilhelm Busch Museum habe ich Katharina Greves Prinzessin Petronia kennengelernt. Ihretwegen habe ich dann auch Antoine de Saint-Exupérys Buch über ihren berühmten, wenn auch namenlosen Cousin, den kleinen Prinzen, noch einmal gelesen.

Foto: Wilhelm Busch Museum/Katharina Greve

Schreiben

Im Februar habe ich am Schreibmonat der Textmanufaktur teilgenommen und jeden Tag an meinem Roman gearbeitet. Im März ist mir das leider nicht gelungen. Immerhin habe ich sieben Blogbeiträge geschrieben und veröffentlicht. Sie und andere Texte sind teilweise bei den Schreibdates mit Denise Fritsch und Sabine E. Rasch entstanden. Denn mit anderen zu schreiben, motiviert mich immer wieder. Deshalb habe ich auch an dem Online-Schreibtreff der Textmanufaktur zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche teilgenommen. Dass ich das gemeinsame Schreiben wegen einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Nationalsozialisten unterbrochen habe, war nicht geplant. Aber manchmal muss man eben andere Prioritäten setzen

Nie wieder ist jetzt

In der Karwoche 1945, kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs, ermordeten SS-Leute in Burgwedel 20 Menschen. An diese und andere Verbrechen der Nazis und an das Leid der Opfer zu erinnern, ist zurzeit wichtiger denn je. Wenn immer mehr Menschen die AfD wählen und Antisemitismus, Rassismus und rechtsextreme Gedanken wieder salonfähig sind, genügt es nicht, gegen rechts zu sein, frau muss es auch zeigen.

Deshalb habe ich auch an der ersten Prüfdemo in Hannover teilgenommen. Die Aktion PRÜF fordert, dass „alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, … durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden“ sollen. Laut Artikel 21 Abs. 4 GG entscheidet nur das Bundesverfassungsgericht, ob eine Partei verfassungswidrig ist.

Ich zweifle nicht daran, dass Einschätzung der AfD durch den Verfassungsschutz stimmt und dass die Partei eine Gefahr für die Demokratie und die freiheitlich demokratische Grundordnung ist. Aber die Hürden für ein Parteiverbot sind sehr hoch. Zwei Versuche, die NPD verbieten, scheiterten 2003 und 2017 vor dem Bundesverfassungsgericht. Und im Februar dieses Jahres entschied das Verwaltungsgericht Köln in einem Eilverfahren, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als „gesichert rechtsextremistisch“ einstufen und behandeln darf.  Entscheidet das Bundesverfassungsgericht gegen ein AfD-Verbot, wird die Partei das als „Persilschein“ für ihre Propaganda nutzen – und viele werden es glauben. Denn auch wenn die Erkenntnis, dass die menschliche Dummheit (wie das Universum) unendlich ist, wahrscheinlich nicht von Albert Einstein stammt, stimmt sie wohl leider. 

12 von 12: Mein 12. April 2026 in 12 Bildern

Ich hatte schon lange vor, beim Blogprojekt „12 von 12″ mitzumachen. Doch irgendwie habe ich es immer wieder verpasst, schon morgens zu fotografieren, um meinen Tag mit Bildern und kurzen Texten zu dokumentieren. Romy Pfyls Blogbeitrag vom 12. März hat mich motiviert, das Blogformat endlich einmal auszuprobieren. Gestartet wurde das Projekt von Chad Darnell, Caro von „Draußen nur Kännchen“ führt es fort.

Mein Morgen – ob Sonn- oder Werktag – beginnt in den Sommermonaten, wenn es morgens früher hell wird, meist auf der „Empore“, wie wir den kleinen Platz neben der Treppe großspurig nennen. Oft mit einem heißen Zitronensaft in einer meiner Lieblingstassen,

ein paar Yogaübungen

und dem Schreiben der Morgenseiten. Anders als von Julia Cameron empfohlen, schreibe ich die in der Regel nicht mit der Hand, sondern am Computer. Unverzichtbares Utensil beim Schreiben im Bett, auf der Matratze oder auf der Couch ist das Laptopkissen, auf dem mein Notebook sicherer steht als auf meinen Knien

Ich bin, ich gebe es zu, kaffeesüchtig. Spätestens nach den Morgenseiten ist es Zeit für die erste Tasse Kaffee, möglichst mit aufgeschäumter Milch.

Meist arbeite ich am Notebook, der kleine Monitor genügt mir in der Regel. Nur wenn ich wie heute morgen eine Zeitschrift korrigieren muss, schließe ich den Laptop an meinen großen Monitor an. Das ist bequemer, weil ich dann die ganze Seite sehen kann, ohne von oben nach unten und umgekehrt scrollen zu müssen.

Gestern habe ich (Trauben)Hyazinthen, Schopflavendel und Maiglöckchen ein- und umgetopft, um unsere Terrasse zu verschönern. Zum Glück haben sie die Nacht gut überstanden. Für die meisten unserer Zimmerpflanzen beginnt die Sommerfrische draußen allerding erst im Mai, wenn die Eisheiligen vorbeigezogen sind. Nur die Zitruspflanzen haben wir schon vor einigen Wochen aus dem Wintergarten ins Freie verbannt, weil sie, wie immer im Frühling, total verlaust waren. Pflanzen haben überlebt, die Läuse nicht.

Unsere beiden Frösche haben sogar den Winter in unseren beiden Miniteichen überlebt. Auf meinen Morgenbesuch legen sie aber offenbar keinen Wert. Sie haben sich am Rand der beiden Teiche gesonnt, sind aber sofort ins Wasser gesprungen, als sie mich kommen hörten. Erst im Lauf des Sommers werden sie wieder zutraulicher.

Gegen Mittag musste ich nach Hannover: Zunächst zum Treffen der Beirätinnen des AutorInnenzentrums, dann zum Frauenschreibtreff. Der fand wegen Ostern ausnahmsweise am zweiten, nicht am ersten Sonntag des Monats statt.

An Werktagen hält der Bus zum Bahnhof direkt vor unserer Haustür; an Sonn- und Feiertagen fahren die Busse nicht. Also bin ich aufs Rad umgestiegen. Die Bike und Ride Station ist immer noch nicht ganz fertig. Die Region braucht für den Bau fast länger als die Franzosen für den Wiederaufbau der Kathedrale Sacre coeur in Paris.

In Hannover war heute Marathon. Wenn ich LäuferInnen sehe, werde ich immer noch ganz wehmütig. Ich würde gerne wieder laufen, aber meine Knie machen nicht mehr mit. Das ist schade, aber nicht zu ändern. „Das Leben ist, wie es ist. Ich muss nur meine Einstellung ändern und jeden Tag genießen“, schrieb mir meine Freundin Sabine im vergangenen Jahr nach einer für sie niederschmetternden Diagnose. Jetzt ist sie tot. Ich habe wirklich keinen Grund zu jammern.

Vor den Treffen im AutorInnenzentrum kurze Teepause an der Ihme. Ich sitze in der Sonne und genieße den Blick aufs Wasser. Zum Schreiben habe ich leider keine Zeit, vor dem nächsten Frauenschreibtreff im Mai wieder.

Vor zwei Jahren hat das AutorInnenzentrum die Räume in der Deisterstraße angemietet. Der Frauenschreibtreff war einer der ersten regelmäßigen Treffs zum Schreiben und Netzwerken. Am Anfang waren wir gerade mal eine Handvoll Frauen, inzwischen habe ich mehr als 50 Frauen in meinem Verteiler – und es werden immer mehr. Das ist ein gutes Gefühl.

Mein Tag beginnt meist mit Schreiben – und endet mit Lesen. Zu welchem Buch ich greife, entscheide ich spontan. Oft lese ich zuletzt das Gedicht des Tages in meinem lyrischen Kalender. Heute, am 12. April,  „Vergnügungen“ von Bert Brecht. Die meisten Vergnügungen, die er aufzählt, gefallen auch mir.

„Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch

Schreiben, Pflanzen

Reisen

Freundlich sein.

Das ganze Gedicht ist abgedruckt in „Mit Gedichten durchs Jahr. Ein lyrischer Kalender mit 365 Gedichten“. Im Internet ist es nachzulesen unter https://www.planetlyrik.de/lyrikkalender/bertolt-brechts-gedicht-vergnuegungen/

Schreiben und Erinnern

Manchmal muss man andere Prioritäten setzen. Weil ich gerne gemeinsam mit anderen schreibe und „Wendetage“ wie die Tag und Nachtgleiche, Sommer- und Wintersonnenwende für mich eine besondere bedeutung haben, hatte ich mich zu Sabine Raschs Schreibvormittag zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche bei der Textmanufaktur angemeldet.

Dass zeitgleich mit dem Online-Workshop an der Alten Scheune der Pestalozzi-Stiftung eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Todesmärsche stattfand, hatte ich schlichtweg übersehen. Jedes Jahr am Samstag vor Palmsonntag gedenken BurgwedelerInnen der am 7. April 1945 auf dem Gelände der Pestalozzistiftung von SS-Angehörigen ermordeten Menschen.

Opfer der Todesmärsche in Burgwedel

An die Verbrechen der Nationalsozialisten und an das Leid der Opfer zu erinnern, ist jetzt wichtiger denn je. Denn immer mehr Menschen vergessen offenbar, welche katastrophalen Folgen es hat, rechtsextreme Parteien zu wählen oder mit ihnen zu paktieren. Und so habe ich meine Fantasie- und Schreibreise unterbrochen und bin bei der Gedenkveranstaltung zurück ans Ende des Zweiten Weltkriegs gereist.

Nachdem die alliierten Panzereinheiten Anfang April die Weser bei Minden überschritten hatten, wurden die fünf KZ-Außenlager Hannovers geräumt. Fast 5.000 Häftlinge – meist Juden und politische Oppositionelle aus den von Deutschland besetzten Ländern –, die bis dahin Zwangsarbeit in hannoverschen Betrieben geleistet hatten, mussten in der Karwoche zum 70 Kilometer entfernten Konzentrationslager Bergen-Belsen marschieren. Wer zu schwach war, weiterzugehen, wurde erschossen und am Weg verscharrt. Niemand sollte lebend zurückbleiben.

„Ein Zug von über 1000 KZ-Häftlingen kam ins Dorf und wurde vom Ortsgruppenleiter der NSDAP, Wessarges, für eine Nacht in der Großen Scheune der Landwirtschaft der Stiftung einquartiert. In der Nacht versuchten die erschöpften Häftlinge den Brotwagen zu stürmen. Die SS-Wächter schossen sie zusammen. Morgens lagen etwa 20 Tote auf dem Hof. Dann wurde der Elendszug weiter nach Fuhrberg getrieben….'“, beschrieb ein Zeitzeuge die schrecklichen Ereignisse. „Die Alte Scheune der Pestalozzi-Stiftung steht damit exemplarisch für die Gewalt, Entrechtung und den Tod, die das nationalsozialistische Regime über Europa brachte. Zugleich ist sie heute ein Ort des stillen Erinnerns und der gemeinsamen Verantwortung“, heißt es auf der Website der Stiftung, die seit einigen Jahren gemeinsam mit die Bürgerinitiative „Gegen das Vergessen“ Burgwedel zur Teilnahme an der Veranstaltung einlädt. Eine Gedenkttafel an der Scheune und der davor gepflanzte „Busch der Hoffnung“ erinnern an die Opfer – und daran, dass die Verbrechen der Nazis nicht irgendwo weit weg stattfanden, sondern oft direkt vor der eigenen Haustür.

Blumen des Gedenkens im „Busch der Hoffnung“ unterhalb der Gedenktafel erinnern an die  Opfer des Verbrechens in der Karwoche 1945.

Never forget

An der Gedenkveranstaltung nahmen nicht nur BurgwedelerInnen teil, sondern auch einige TeilnehmerInnen des Bußgangs von Hannover zum KZ Bergen-Belsen. Der findet seit mehr als 40 Jahren jeweils am Palmsonntag-Wochenende statt, um an die Todesmärsche der KZ-Häftlinge zu erinnern. Gerne wäre ich ein Stück mitgegangen, doch dazu trug ich weder die richtigen Schuhe noch die richtige wetterfeste Kleidung. Und außerdem wartete zu Hause das Online-Cowriting auf mich.

Und so saß ich nach etwa einer Stunde wieder an meinem Schreibtisch. Aber obwohl mir die meisten Schreibanregungen wirklich gut gefallen haben, konnte ich mich nicht wirklich auf sie konzentrieren. Die Erinnerung an die Todesmärsche und das Leid der Häftlinge war noch zu nah, um – frei nach Goethe – „eine „Osterspaziergang“-Szene im Hier und Jetzt, über die Farben des Frühlings oder über freiwillige Aufbrüche zu schreiben. Deshalb habe ich die Schreibzeit genutzt, um für diesen Blogbeitrag zu recherchieren, mit dem ich hoffentlich ein bisschen gegen das Vergessen anschreibe.

Die Schreibanregungen von Sabine Rasch habe ich nicht vergessen. Ich werde sie in der Karwoche aufgreifen und bis Ostern täglich über Frühling, Aufbruch und Neubeginn schreiben.


Comic-Ausstellung: Klein, aber fein

Manchmal kommt es bekanntlich anders … Eigentlich bin ich ins Wilhelm Busch Museum für Karikatur & Zeichenkunst gegangen, um mir die Ausstellungen von Anke Feuchtenberger und Ulli Lust anzusehen, laut Website des Museums zwei der international bedeutendsten Comiczeichnerinnen der Gegenwart.

Doch dann bin ich zuerst in einer Ausstellung in den Gästezimmern im zweiten Obergeschoss gelandet. Von der Comic-Zeichnerin, Cartoonistin und Autorin Katharina Greve hatte ich bis dahin noch nichts gehört und gelesen. Aber schon der Titel der kleinen Ausstellung hat mir sehr gut gefallen: „Regeln sind zum Brechen da“. Zu sehen sind Zeichnungen aus Katharina Greves Büchern* von der dicken Prinzessin Petronia und aus ihren „Geschichten von Mutter und Tochter“.

Das Mutter-Tochter-Duo ist „die weibliche Antwort auf den Comic-Klassiker Vater und Sohn von e.o.plauen“. Gemeinsam bewältigen die beiden die Herausforderungen des modernen Alltags alleinerziehender Müttern – ganz ohne Worte, aber mit Kreativität, Witz und einer Prise Anarchie.

Dicke Prinzessin contra kleiner Prinz

Auch die Ähnlichkeit der dicken Prinzessin Petronia mit einer bekannten literarischen Figur ist nicht zufällig, sondern gewollt. Denn Petronia ist die (noch) unbekannte Cousine des weltbekannten kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry. Sie lebt, von ihren eigenen Eltern „outgesourced“, auf einem eigenen Planeten, dem „mickrigsten  und langweiligsten Klumpen im Universum“. Ihr einziger Mittbewohner ist der Multifunktionswurm Mirco, mit dem sie per Wurmloch durch den Kosmos reist und verschiedene Abenteuer erlebt.

Dem gängigen Schönheits- und Prinzessinnenklischee entspricht Prinzessin Petronia sicher nicht. Sie ist dick, hasst Bälle und Rüschenkleider, liebt Naturwissenschaften. Als herrschsüchtig, vorlaut, kaltherzig und altklug gilt sie aber wohl vor allem, weil sie ein Mädchen ist. „Wenn ich ein Junge wäre, würde das Universum denken, ich wäre … durchsetzungsstark, rational, … selbstbewusst, … gebildet“, erkennt die kluge Prinzessin, die gängige Rollenbilder infrage stellt. Und während der kleine Prinz in dem gleichnamigen Klassiker poetische Lebensweisheiten verkündet, fragt Petronia beispielsweise nach den Nährwerten von Schmetterlingen im Bauch oder ob Gulliver eine Reiserücktrittsversicherung hatte.

Ausstellungen und Bücher

Mir hat die Prinzessin so gut gefallen, dass ich mir das Buch gleich gekauft habe (gibt es ebenso wie den zweiten Petronia-Band und die Mutter-Tochter-Geschichten im Museumsshop). Und weil ich für die Dead-Author-Challenge ohnehin auf der Suche nach Büchern von AutorInnen, die bereits gestorben sind, habe ich Antoine de Saint-Exupérys kleinen Prinzen aus dem Regal geholt und wieder gelesen. Das Buch hat seine zweite Chance zwar genutzt, aber ich mag die kluge Cousine des kleinen Prinzen eindeutig lieber.

Die Ausstellungen „Ich sehe was, was du nicht siehst“ von Ulli Lust und Anke Feuchtenberger habe ich mir auch noch angesehen. Doch auch sie bekommen demnächst noch eine zweite Chance. Beide Ausstellungen werden noch bis zum 14. Juni gezeigt, „Regeln sind zum Brechen da“ noch bis zum 2. August.

*Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung

Katharina Greve: Prinzessin Petronia – Das Brimborium schlägt zurück. avant-verlag, Berlin 2024

Katharina Greve: Die dicke Prinzessin Petronia. avant-verlag, Berlin 2024

Katharina Greve: Meine Geschichten von Mutter und Tochter. avant-verlag, Berlin 2025

Immer an der Leine lang

Nirgendwo kann ich so gut entspannen wie am Wasser – am Meer, an einem See oder auch an einem Fluss. Und je älter ich werde, desto mehr vermisse ich den Blick aufs Wasser. Das liegt vielleicht daran, dass ich an einem Fluss geboren bin und die ersten 30 Jahre meines Lebens immer an Flüssen gelebt habe. An der Mosel, am Rhein, an der Lahn, dann wieder am Rhein und an der Mosel. Das prägt.

Am neuen Pöttcherteich in Großburgwedel

In der Leinemasch

Im Alltag begnüge ich mich meist damit, zum neuen Pöttcherteich zu gehen, um meine Sehnsucht zu stillen. Gestern, am Weltwassertag, bin ich von einem Vorort durch die Leinemasch bis zum Maschsee und Maschteich im Zentrum Hannovers gewandert. Eine gute Entscheidung: Viel Wasser, viel Natur – und trotz Sonne und Sonntag vergleichsweise wenige Menschen. Erst in der Nähe des Maschsees war dann mehr los.

Die Wege durch das Naherholungs- und Naturschutzgebiet führen fast immer am Wasser entlang: an den weitgehend naturbelassenen Ufern der Leine und der Alten Leine und an zahlreichen Seen und Teichen. Die meisten sind in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durch Ton-, Sand- und Kiesabbau entstanden. Heute darf in vielen geschwommen und geangelt werden.

Die Auenwälder von einst sind zwar fast verschwunden, aber die Leinemasch ist Lebensraum zahlreicher geschützter und seltener Pflanzen- und Tierarten. So leben hier beispielsweise Weißstörche und Biber. Drei Störche habe ich gesehen, die scheuen Biber dagegen nicht. Aber ich habe die Spuren entdeckt, die sie an einigen Bäumen am Leineufer hinterlassen haben.  

Maschsee

Die Leinemasch beginnt – oder endet – an Hannovers größtem Gewässer, der ihr seine Entstehung und seinen Namen verdankt: dem Maschsee. Laut Wikipedia wurde schon im 19. Jahrhundert über die Anlage eines Sees nachgedacht, um Überschwemmungen durch Leine und Ihme im Stadtgebiet zu vermeiden. Umgesetzt wurde die Idee allerdings erst seit 1934. Die Nationalsozialisten wollten mit dem Seeprojekt die Arbeitslosenzahlen verringern. Zeitweise arbeiteten 1650 Menschen schlecht bezahlt am Seebecken und hoben rund 780.000 m³ Boden aus. Eingeweiht wurde der Maschsee dann im Mai 1936.

Maschteich

Meine Wanderung am Wasser endete am idyllischen Maschteich. Der liegt nur einen Steinwurf vom viel größeren Maschsee entfernt im Maschpark, dem ersten kommunalen Park in Hannover. Der Maschpark wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt, als das Neue Rathaus gebaut wurde – quasi als Rathauspark. Wohl deshalb wurden bei der Anlage weder Kosten noch Mühen gescheut: So erhielt der Maschteich eine künstliche Felseninsel aus Tuffsteinblöcken und eine Seerosenbucht, die bis heute erhalten sind.

Fortsetzung folgt

Bis die Seerosen dort blühen, wird es noch ein paar Wochen dauern. Ich werde meine Wanderung durch die Leinemasch sicher früher fortsetzen. Beim nächsten Mal steige ich an der gleich U-Bahn-Haltestelle in Döhren aus und wandere dann gen Süden. Denn die Fluss- und Seenlandschaft geht über die Grenzen Hannovers hinaus bis nach Nordstemmen im Landkreis Hildesheim. Und vielleicht steige ich in Sarstedt aufs Fahrrad um und fahre von dort an der Innerste, einem Nebenfluss der Leine, entlang bis nach Hildesheim …

Dead Authors Challenge

Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal an einer Challenge teilgenommen – und es hat erstaunlich gut funktioniert. Ziel war es, jeden Tag einen Text zu schreiben, ganz egal welchen. Ohne Druck, ohne festen Plan. Bei mir wurde dadurch Schreiben wieder zur täglichen Gewohnheit.

Von der „Dead Authors Challenge“, die Martin von Martins Buchgelaber ins Leben gerufen hat, habe ich zum ersten Mal in Kristinas Blog gelesen. Die Idee, die Werke von AutorInnen zu lesen, die vor 2026 gestorben sind, hat mir gefallen. Die lese ich nämlich eher selten; auf meinen Leselisten der vergangenen Jahre stehen meist aktuelle Bücher lebender Autoren

Zwar werde ich nicht an der Challenge teilnehmen. Denn eine wesentliche Bedingung für die Teilnahme ist es, Blogbeiträge über die ausgewählten und gelesenen Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen. Das werde ich – wenn überhaupt – nur bei einigen Büchern tun.

Aber ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr (mindestens) zwölf Bücher verstorbener AutorInnen zu lesen – jeden Monat eins.

Meine Dead-Authors-Leseliste

  1. Max Frisch: Biografie, ein Spiel
  2. Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz
  3. Marie Luise Kaschnitz: Tage, Tage, Jahre
  4. Alba de Cespedes: Was vor uns liegt
  5. Mascha Kaléko: Wir haben keine andere Zeit als diese
  6. Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus
  7. Tiziano Terzano: Das Ende ist mein Anfang
  8. Christa Wolf: Sommerstück
  9. Sarah Kirsch: Allerlei-Rau
  10. László Krasznahorkai: Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluß
  11. Rainer Maria Rilke: Du mußt dein Leben ändern
  12. Robert Gernhardt: Toscana Mia

Die Auswahl ist mehr oder weniger zufällig: Max Frischs „Biografie ein Spiel“ war früher eines meiner Lieblingsstücke, mit dem kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry habe ich dagegen immer ein wenig gefremdelt. Rainer Maria Rilkes „Du musst dein Leben ändern“ habe ich, das zeigen Unterstreichungen und Anmerkungen im Text, irgendwann einmal gelesen, aber ich erinnere mich nicht daran.

Einige der Bücher auf meiner Liste habe ich, ich gebe es zu, noch gar nicht oder zumindestnicht ganz gelesen, obwohl sie schon lange in meinem Bücherschrank stehen, Marie Luise Kaschnitz‘ Aufzeichnungen „Tage, Tage, Jahre“ beispielsweise oder „Das Ende ist mein Anfang“ von Tiziano Terzano. Die Challenge hilft mir also, meinen Stapel ungelesener Bücher (SuB) abzubauen.

Die Bücher von Alba de Cespedes, Mascha Kaléko und Hannah Arendt habe ich erst vor Kurzem gekauft oder geschenkt bekommen. Und Sarah Kirschs „Allerlei-Rau“ und Christa Wolfs „Sommerstück“ habe ich mir ausgeliehen, weil ich mich für die Künstlerkolonien und Schriftstellerheime in der DDR interessiere. Wirklich schade, dass Rückzugs- und Arbeitsorte wie Schloss Wiepersdorf oder die Künstlerkolonie Drispeth, in denen DDR-AutorInnen sich erholen, in Ruhe arbeiten und austauschen konnten, nach der Wiedervereinigung verschwunden sind.

PS: Zwei Titel von der Liste habe ich in seit Anfang des Jahres schon gelesen. Max Frischs Biografie hat mich auch beim Wiederlesen fasziniert. Und „Der kleine Prinz“ hat die zweite Chance genutzt, die er von mir bekommen hat.

Monatsrückblog Februar 2026

Eins zwei drei im Sauseschritt … Jetzt ist auch der zweite Monat des Jahres vorbei – und hoffentlich auch der Winter. Die Tage sind zum Glück schon deutlich länger: Zwar ist es morgens, wenn ich aufwache, meist noch nicht hell, aber im Osten ist meist schon ein heller Streifen am Horizont zu sehen.

Ab in den Garten

Am 1. März hat der meteorologische Frühling begonnen, und das Wetter hat sich diesmal nach dem Zeitplan der Meteorologen gerichtet. Der Dauerregen hörte aus, es wurde in der letzten Februarwoche frühlingshaft. Obwohl wir nur einen relativ kleinen Garten haben, war daher Gartenarbeit angesagt. Und auch mein Projekt Herrenhäuser Gärten konnte starten, wenn auch mit einmonatiger Verspätung. Ein Jahr lang möchte ich jeden Monat einen Beitrag über die Herrenhäuser Gärten, vor allem über den Berggarten, posten.

Schreibmonat Februar

Weil ich gerne gemeinsam mit anderen schreibe, habe ich mich für den Schreibmonat Februar der Textmanufaktur angemeldet: Fünf dreistündige Cowritings „zum gemeinsamen Schreiben und zum Austausch“ und ein ambitioniertes Ziel für die TeilnehmerInnen: „Drei Seiten am Tag, 21 pro Woche, 84 im Monat (gern mehr) … Egal, ob es … der liegengebliebene Roman … oder Gedanken, die dir seit Ewigkeiten im Kopf herumschwirren und endlich aufs Papier wollen“ .

Weil ich eine Langsamschreiberin bin und es neben der Geschichte, die ich vor Jahren begonnen habe und die in diesem Jahr endlich zu Ende bringen will, noch andere Ideen und Projekte gibt, habe ich mir eigene Schreibziele gesetzt:

  • jeden Tag an meiner Geschichte arbeiten, das sind mindestens 300 Worte (eine Seite) täglich,  wenn möglich mehr
  • jeden Tag ein Haiku oder ein Elfchen. Denn zum kürzesten Monat des Jahres passen kurze Gedichte
  • mindestens sechs Blogbeiträge posten
  • ein Schreibjournal und ein Naturejournal führen

Die Bilanz am Ende des Monats: Ich habe – alle Schreibprojekte zusammengenommen –32415 Wörter geschrieben, also sogar fast vier Seiten täglich. Das ist mehr, als ich erwartet habe. Mein Roman ist (leider nur) um eine Seite, also um 300 Worte, täglich gewachsen. Statt der angestrebten sechs waren es nur fünf Blogbeiträge und statt 28 kurzer Gedichte nur 20. Immerhin. Mein Arbeitsjournal habe ich fast täglich geführt, mein Naturejournal zugegebener nur gelegentlich. Aber wenn es wärmer wird, bin ich sicher öfter draußen und schreibe dann auch häufiger im Garten oder in der Natur.

Reisen

Manchmal ist es gut, zurückzublicken. Gefühlt habe ich den Februar ganz in Burgwedel und Hannover verbracht. Dass ich zweimal in den Harz gefahren bin, hatte ich schon vergessen. Gewandert bin ich dort im Februar allerdings nicht. Mal war meine Wanderpartnerin, mal war ich nicht fit. Aber es geht wieder voran. Und so haben wir für Anfang Mai einen gemeinsamen Wanderurlaub gebucht. Wir werden allerdings – anders als geplant – nicht die berühmte Rota Vicentina, sondern den Naturpark Sintra-Cascais erwandern. Ich bin sehr gespannt.

Wieder kurze Haare

Soll ich oder soll ich nicht? Seit anderthalb Jahren habe ich meine Haare wachsen lassen, weil ich keine Lust hatte, regelmäßig zum Friseur zu gehen. Zum Schluss waren die Haare fast schulterlang. Jetzt habe ich sie wieder kurz schneiden lassen. „Das sind viel mehr sie selbst“, sagte die Friseurin zu mir, die mir die Haare schneidet, seit ich nicht mehr in Neumagen zu meiner Stammfriseurin gehen kann. Und ich finde, sie hat recht. Außerdem sind kurze Haare viel praktischer, wenn ich wieder häufiger schwimmen gehe. Der Sommer kann also kommen.

Monatsrückblog Januar 2026

Der Januar ist vorbei – und er brachte das, was er als richtiger Wintermonat eigentlich bringen soll: Schnee, Zugegeben, es war mehr, als wir es in den letzten Jahren gewohnt waren, aber frei nach Loriot: Früher war mehr Schnee, ohne dass dafür Katastrophenalarm ausgerufen worden wäre.  

In diesem Jahr versetzte die weiße Pracht zumindest bei uns in der Region Hannover die Verantwortlichen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Angst und Schrecken. Obwohl am ersten Januarwochenende auf den Straßen nur ein Hauch Schnee lag, fuhren in und um Burgwedel keine Busse mehr. Dabei ist die Gegend im Prinzip flach wie ein Topfdeckel – es müssen also  keine steilen und daher potenziell unfallträchtigen Anstiege und Abfahrten bewältigt werden.

Am Freitag, den 9. Januar, wurde dann wegen des befürchteten Schneechaos der Unterricht in Niedersachsen und Hamburg ganz abgesagt. Das Schneechaos fiel zwar aus, aber die Schulen blieben trotzdem geschlossen, die Kinder zu Hause. Fragt sich, was die Eltern tun, die keine Großeltern oder andere Ersatzbetreuungspersonen für die lieben Kleinen haben. Und die nicht einfach zu Hause bleiben und im Homeoffice arbeiten können.

Absolut unverständlich ist für mich, warum man den ÖPNV einstellt, die Busse in den Depots lässt, die BerufskraftfahrerInnen nach Hause schickt und die Straßen den FahrererInnen überlässt, deren einzige Qualifikationen Führerschein und Fahrpraxis sind. Eigentlich sollte es umgekehrt sein: Die Profis fahren, die Amateure lassen ihre Autos stehen. Der Kabarettist Christoph Sieber hat zum Thema Schnee, Schulausfall und Schutz von Kindern auf seinem Instagram-Account Kabarettsieber einen tollen Beitrag veröffentlicht. Ansehen lohnt, nicht nur bei diesem Beitrag.  

Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Gefühlt endet der Januar so, wie er begonnen hat: erkältet. Angefangen hatte das Elend ja schon Anfang Dezember, als ich quasi über Nacht meine Stimme verlor. Sie kam nach drei Tagen wieder. Husten und Schnupfen blieben, mal mehr und mal weniger stark. Und in der letzten Januarwoche kam dann auch noch eine Blasenentzündung hinzu. Hausmittel wie Tees und Wärmflasche haben leider nicht geholfen. Aber ein Antibiotikum hat jetzt schnelle Besserung gebracht.

Noch einmal Niki und Co

Weil ich mich nicht besonders fit fühlte, ist manche geplante Aktivität ausgefallen. Eine Wanderung mit meiner Tochter beispielsweise. Immerhin war ich noch einmal in der Ausstellung Niki – Kusama – Murakami im Sprengel Museum, diesmal mit meiner 13-jährigen Enkelin. Sie kannte keine der drei KünstlerInnen, hatte, weil nicht in Hannover zu Hause, die Nanas nur einmal auf einer Postkarte und von Weitem am Leineufer gesehen. Sie war begeistert und ich war beeindruckt, wie intensiv sie sich auf die Kunstwerke einließ, auch auf die, die ihr weniger gefielen oder die sehr ungewöhnlich sind wie die Schießbilder von Niki de Saint Phalle.

Am besten haben ihr die Arbeiten von Yayoi Kusama gefallen. Ihre (gepunkteten) Bilder sind wirklich etwas Besonderes – und der „Infinity Mirrored Room“ ist sicher das Highlight der Ausstellung. Etwa 40 Menschen standen vor uns in der Schlange und warteten geduldig mit uns, den kleinen Raum betreten zu dürfen. Etwa eine Minute durfte man dann drinnen bleiben – doch die genügte, um verzaubert zu werden.

Mit Takashi Murakamis Arbeiten kann ich persönlich am wenigsten anfangen – aber ein Bild hat meine Enkelin und mich gleichermaßen fasziniert: Blue Life Force besteht aus lauter winzigen Totenköpfen. Doch die wirken nicht erschreckend, sondern lebendig, wie zum Leben gehörend. Niki de Saint Phalles bunt glitzernder Totenkopf kann sogar betreten werden und ist als Meditationsraum gedacht. Der Tod gehört eben doch zum Leben.

(Gemeinsam) Schreiben

Alle, die meinen Blog regelmäßig lesen, wissen es: Ich mag es, gemeinsam mit anderen zu schreiben, Am ersten Sonntag im Monat treffe ich mich ganz analog mit Schreibfreundinnen im AutorInnenzentrum in Hannover, digital logge ich mich, wann immer ich Zeit habe, zu den Schreibdates mit Denise Fritsch oder Sabine Rasch ein.

Ein Highlight am Monatsanfang war die zweitägige „Online-Schreibzeit zwischen den Jahren“ der Textmanufaktur mit Sabine Rasch. Am ersten Tag haben wir, jede für sich und doch gemeinsam im digitalen Schreibraum, die Bilanz des Schreibjahrs 2025 gezogen; am zweiten Tag stand das beginnende Schreibjahr 2026 im Fokus. Ich habe zum Beispiel schreibend darüber nachgedacht, welche Schreibprojekte ich in diesem Jahr unbedingt verwirklichen und welches neue Genre ich im neuen Jahr gerne mal ausprobieren würde.

Mit dem Nature Journaling, einer Mischung aus Texten und Skizzen, habe ich dann gleich Mitte des Monats begonnen. Zugegeben, die ersten Versuche sind eher unbeholfen, die Beobachtungen beschränken sich fast ausschließlich auf Vögel in unserem Garten und die Lücken zwischen den Einträgen sind noch groß. Aber das ändert sich hoffentlich, wenn es draußen wärmer wird und der Schnee schmilzt. Dann – einen Monat später als geplant – startet auch mein Projekt „Ansichten aus den Herrenhäuser Gärten“. Besser spät als nie.

Meine To-Want-Liste für das erste Quartal 2026

Ja, ich bin spät dran. Wenn meine To-want-Liste für das erste Quartal 2026 erscheint, ist mehr als ein Sechstel des Quartals bereits vorbei. Doch das hat auch sein Gutes. Studien zufolge werden die meisten Neujahrsvorsätze schon im Januar wieder über Bord geworfen, viele bereits bis zum sogenannten „Quitters Day“, dem „Tag der Aufgebenden“ am zweiten Freitag im Januar. Vielleicht ist meine jetzt verfasste Liste realistischer, weil die erste Euphorie um die guten Vorsätze längst verflogen ist. Dafür, dass ich schon jetzt bei einigen Punkten hinterherhinke, gibt es einen guten Grund. Mich plagt seit Anfang Dezember eine Dauererkältung, bei Wanderungen, Fitnessübungen und anderen sportlichen Aktivitäten ist also derzeit Zurückhaltung angesagt. Doch Besserung ist in Sicht.

Schreiben

  1. Ich schreibe 15 Blogbeiträge
  2. Ich beginne das Projekt Herrenhäuser Gärten: Einmal im Monat schreibe und poste einen Blogbeitrag aus den bzw. über die Herrenhäuser Gärten. Ich möchte immer die gleichen Stellen fotografieren, um zu zeigen, wie sich der Berggarten im Lauf des Jahres verändert
  3. Und noch ein neues Projekt: mein Nature Journal, eine Mischung aus Notizen und Skizzen. Ich möchte heimische Tiere und Pflanzen besser kennen lernen
  4. Ich nehme am Schreibfebruar der Textmanufaktur teil und
  5. arbeite intensiv an meinem Roman. Fernziel: Ich möchte die erste Fassung im zweiten Quartal beenden.
  6. Schreiben dicht am Leben, alltägliches (täglich) notieren, am besten mit der Hand

Lesen

  1. In den vergangenen Jahren habe ich jeweils 60 Bücher gelesen; in diesem Jahr sollen es ein paar mehr sein. Da aber der Januar ja schon halb vorbei ist und der Februar kurz, möchte ich im ersten Quartal 15 Bücher lesen.
  2. Inspiriert von der Death Authors Challenge von Martins Buchgelaber sollen darunter mindestens drei Bücher bereits verstorbener AutorInnen sein.
  3. Jeden Tag ein Gedicht: Am lyrischen Kalender aus dem Diogenes Verlag gefällt mir die bunte Mischung.

Sport/Gesundheit/Entspannung

  1. Ich gehe im Schnitt täglich 10.000 Schritte. Das habe ich vor meinem Unfall im Mai 2025 geschafft, das will ich auch in diesem Jahr wieder erreichen.
  2. Ich etabliere wieder meine tägliche Gymnastik/Fitness-/Yoga-Routine. Ziel: mindestens eine Übungseinheit pro Tag
  3. Ich gönne mir einmal im Monat einen Saunabesuch und
  4. in diesem Quartal endlich wieder eine Fußreflexzonenmassage.
  5. Drei Spaziergänge von mindestens einer halben Stunde in der Woche – möglichst ohne Smartphone, dafür mit Notizbuch.

Reisen/Wandern

  1. Die Märzbecherblüte an Schweineberg bei Hameln steht schon lange auf meiner Wunschliste. Dieses Jahr soll es endlich so weit sein.
  2. Das ist eine gute Gelegenheit, den Deister besser kennenzulernen, der quasi direkt vor meiner Haustür liegt.
  3. Ich besuche zwei Städte, die ich noch nicht kenne, Hameln könnte eine sein.
  4. Ich fahre zur Buchmesse nach Leipzig. Auch dabei könnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn bislang kenne ich in Leipzig nur das Messegelände
  5. Mein Ziel: eine Wanderung im Monat. Es muss nicht immer der Harz sein

    Sonstige Aktivitäten

    1. Ich besuche mindestens eine Ausstellung im Monat. Meine Museumscard läuft aus, Ende des Monats muss ich mir bald eine neue besorgen.
    2. Ich besuche endlich das Sealife in Hannover.
    3. Ich gehe zweimal ins Kino.

    Gelesene Bücher 2025

    Auch in diesem Januar wieder, wie in den drei zurückliegenden Jahren, eine Liste der Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Wie in den vergangenen Jahren waren es 60 – etwa drei Viertel der Bücher wurden von Frauen geschrieben.

    Vollständig ist die Liste wahrscheinlich nicht. Als ich sie nämlich durchgesehen habe, um diesen Beitrag zu schreiben, fehlte ausgerechnet das Buch, das mich am meisten berührt hat: die Tagebücher von Ruth Maier, die in Deutschland unter dem Titel „Das Leben könnte gut sein“* veröffentlicht wurden . Ich habe das Buch bei meinem Besuch im Zentrum für Holocaust- und Minderheitenstudien in Oslo entdeckt und es mir sofort nach meiner Rückkehr aus Norwegen gekauft – antiquarisch, weil es im Buchhandel leider vergriffen ist.

    Ruth Maier, im November 1920 in Wien geboren, führte fast zehn Jahre lang – von 1933 bis 1942 – Tagebuch. Nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten floh sie 1939 allein nach Norwegen. Doch als die deutsche Wehrmacht im Sommer 1940 Norwegen besetzte, war sie auch dort nicht mehr sicher. Im November 1942 wurde Ruth Maier kurz nach ihrem 22. Geburtstag in Oslo verhaftet, mit 531 jüdischen Frauen, Männern und Kindern nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nur neun der Deportierten  überlebten das Vernichtungslager.

    Auch Margot Friedländers Bruder und ihre Mutter wurden nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Die damals 21-Jährige tauchte unter, lebte über ein Jahr im Untergrund und entkam mehrmals nur knapp der Gestapo. 1944 wurde sie verhaftet und nach Theresienstadt deportiert wurde. Margot Friedländer überlebte als einzige ihrer Familie den Holocaust und emigrierte mit ihrem Mann in die USA. 2010 kehrte sie nach Berlin zurück, engagierte sich als Zeitzeugin gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus, bis sie im vergangenen Jahr starb. Mit der Schriftstellerin Malin Schwerdtfeger hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben. Ihren Titel verdanken die Erinnerungen einer Botschaft, die Margot Friedländers Mutter ihrer Tochter hinterließ, bevor sie deportiert wurde: „Versuche, dein Leben zu machen“.

    Margot Friedländer kannte ich natürlich, aber ich hatte noch kein Buch von ihr gelesen – ebenso wie von 22 weiteren AutorInnen auf meiner Liste. Bei einigen wird das erste Buch wohl auch das letzte auf meiner Leseliste sein. Von anderen habe ich gleich mehrere Bücher gelesen. Eine echte Entdeckung ist für mich die Norwegerin Vigdis Hjorth. Und das zweite Buch ihrer Landsfrau Kristin Valla hat mich animiert, das erste noch einmal zu lesen. Gut gefallen hat mir auch der erste Roman von Elisabeth Drimalla, die ich vom gemeinsamen Schreiben kenne. Jetzt bin ich gespannt auf ihren zweiten.

    Lesepläne für 2026

    Im neuen Jahr möchte ich nicht nur (mindestens) ebenso viele Bücher lesen wie in den vergangenen, sondern täglich auch ein Gedicht. Damit mir das gelingt, liegt jetzt das Buch „Mit Gedichten durchs Jahr“ neben meinem Bett. Der lyrische Kalender enthält 365 Gedichte – für jeden Tag des Jahres eins. Jeden Montag verhilft mir der Blogbeitrag von Christiane zu einem poetischen Start in die Woche – oft passend zur Jahreszeit oder zu aktuellen Anlässen. Und freitag flattert mir ebenfalls per Mail mit dem Lyrik Newsletter des Suhrkamp Verlags das Gedicht der Woche ins Haus.

    An der „Dead Authors Challenge“, von der ich durch den Blog Kristinas Lebenswelt erfahren habe, werde ich wohl nicht teilnehmen. Denn ich schaffe es wahrscheinlich nicht, in diesem Jahr über die Bücher von (mindestens) zwölf verstorbenen AutorInnen zu bloggen. Aber die Idee gefällt mir: Spontan sind mir aus meinem Stapel ungelesener Bücher (SUB) Werke von Hannah Arendt, Margot Friedländer, Max Frisch, Mascha Kaléko, Marie Luise Kaschnitz und Christa Wolf eingefallen, die ich endlich (wieder) lesen s/wollte. Drei auf meinem E-Book-Reader, drei ganz klassisch als Bücher.

    Eine besondere Leseherausforderung ist – nicht nur wegen der Länge von 1168 Seiten – sicher Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus“. Das Buch erschien erstmals 1951 auf Englisch, auf Deutsch dann 1955. Aber die Frage, wie eine Gesellschaft ins Totalitäre abdriftet, ist leider derzeit so aktuell wie lange nicht mehr.

    Unbedingt lesen möchte ich auch den 1938 in Italien erschienen Debütroman von Alba de Céspedes, der erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde. „Was vor uns liegt“ wurde damals von den faschistischen Behörden unter Mussolini verboten.

    Ich bin gespannt, ob sich diese Bücher im nächsten Januar auf meiner Leseliste wiederfinden.

    Liste der 2025 gelesenen Bücher

    wie immer ungeordnet und wahrscheinlich unvollständig

    1. Elisabeth Drimalla: Einsamkeit ist kein Symptom
    2. Sigrid Nunez: Was fehlt dir
    3. Henning Scherf: Altersreise
    4. Joachim Meyerhöfer: Hamster im hinteren Stromgebiet
    5. Joachim Meyerhöfer: Man kann auch in die Höhe fallen
    6. Joan Didion: Was ich meine
    7. Leila Slimani: Der Duft der Blumen bei Nacht
    8. Paul Auster: Winterjournal
    9. Caroline Peters: Ein anderes Leben
    10. Mely Kyriak: Frausein
    11. Annegret Langenhorst: Was bleibt vom Tag. Frauentagebücher erzählen
    12. Margot Friedländer, Malin Schwerdtfeger: Versuche dein Leben zu machen
    13. Claire Keegan: Reichlich spät
    14. Daniel Glattauer: In einem Zug
    15. Chloe Benjamin: Die Unsterblichen
    16. Kristin Valla: Ein Raum zum Schreiben
    17. Lucy Fricke: Das Fest
    18. Vigdis Hjorth: Die Wahrheiten meiner Mutter
    19. Kristin Valla: Das Haus über dem Fjord
    20. Peter Handke: Ein Jahr aus der Nacht gesprochen
    21. Hans Josef Ortheil; Rom, Villa Massimo
    22. Hans Josef Ortheil: Die weißen Inseln der Zeit
    23. Vigdis Hjorth: Ein falsches Wort
    24. Kristine Bilkau: Halbinsel
    25. Dora Heldt: Starker Wind bei …
    26. Yvonne Kraus Erfolgs Mindset für Autorinnen
    27. Daniela Krien: Mein drittes Leben
    28. Ruth Maier: Das Leben könnte gut sein. Tagebücher
    29. Rachel Carson: Magie des Staunens
    30. Eva Lohmann: Wie du mich ansiehst
    31. Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller
    32. Isabel Bogdan: Wohnverwandtschaften
    33. Tim Conrads: Leichtes Gepäck. Ein Roman vom Jakobsweg
    34. Amelie Nothomb: Buch der Schwestern
    35. Ursula Ott : Gezwisterliebe
    36. Laura Pfaffenbach u.a.: Frauen unterwegs, 10 bewegende Geschichten über Mut, Abenteuer und Glück des Wanderns.
    37. Erling Kagge: Gehen – weiter – gehen. Eine Anleitung
    38. Kristin Steinsdottir: Eigene Wege
    39. Monika Peetz: Flaschenpost aus der Vergangenheit
    40. Vigdis Hjorth: Wiederholung
    41. Tägliche Routinen für Autoren: Erstaunliche Routinen, um ein Schreibritual zu etablieren
    42. Sigrid Nunez: Eine Feder auf der Akte Gottes
    43. Sarah Lorenz: Mit dir möchte ich im Himmel Kaffee trinken
    44. Alois Prinz; Hannah Arendt
    45. Mina Bäuerlein; Die Rückwärtspilgerin
    46. Doris Dörrie: Wohnen
    47. Annie Ernaux: Die Besessenheit
    48. Anne Enright: Vogelkind
    49. Renate Ahrens: Alles was folgte
    50. Stephan Schäfer: 25 Sommer
    51. Ruth Shaw: Drei Buchläden am Ende der Welt
    52. Melanie Pignitter: Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pizza und Aperol: Ein Roadtrip zu Selbstliebe und Heilung.
    53. Stephan Schäfer: Gerade jetzt ist alles gut
    54. Elena Ferrante: Tage des Verlassenwerdens
    55. Bettina Flittner: Meine Mutter
    56. Virginia Evans: Die Briefeschreiberin
    57. Clara Loesl: Wehe du gibst auf
    58. Helga Schubert: Der heutige Tag
    59. Marjaleena Lembcke: Wir bleiben nicht lange
    60. Flachmann, Susanne: Solo VanLife: Mut zum Alleinreisen mit dem Wohnmobil

    Welche Bücher haben Sie im vergangenen Jahr gelesen?

    Und welche haben Ihnen besonders gut gefallen? Ich freue mich über Leselisten und Buchtipps, von lebenden und toten AutorInnen, gerne auch als Kommentar.

    *Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung