12 von 12 im Juni

12 von 12 zum dritten, denn mir gefällt das Projekt, das von Chad Darnell gestartet und jetzt von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt wird. Am 12. jeden Monats dokumentieren BloggerInnen ihren Alltag mit 12 Fotos.

Der 12. Juni beginnt wie so viele Tage mit einem frisch gepressten Zitronensaft …

… und wie fast immer mit den Morgenseiten, heute ausnahmsweise im Wintergarten. Und ja, ich schreibe die Morgenseiten, anders als von Julia Cameron empfohlen, mit dem Computer. Denn manchmal gehen meine Morgengedanken nahtlos in andere Texte über. Habe ich zum Beispiel die Idee für einen Blogbeitrag, notiere ich, was mir in den Sinn kommt und kopiere die Passage später per Mouseclick in die richtige Datei.

Ich liebe es, morgens barfuß durch den Garten und über das vom Regen oder Tau feuchte Gras zu gehen.

Jetzt, im Sommer, pflücke ich dabei Früchte für unser Müsli. Bislang nur Erdbeeren und Johannisbeeren, doch bald sind auch Himbeeren und Stachelbeeren reif.

Erdbeeren in ein Beet mit roten Rosen zu pflanzen, war vielleicht keine so gute Idee. Ich habe schon so manches Blütenblatt mit einer Erdbeere verwechselt.

Obwohl es schon Mitte Juni ist, ist es morgens noch recht frisch, wenn ich mit dem Rad zum Schwimmbad fahre. Das Wasser ist zum Glück wärmer als die Luft.

Meine Tochter, die uns heute besucht, hat mich begleitet und brauchte eine Eintrittskarte. Die gibt es so früh am Morgen nur am Automaten – und der akzeptiert kein Bargeld. Auch wenn die Schwimmbadkasse besetzt ist, müssen Einzel- und Zehnerkarten mit Karte bezahlt werden. Bei Dauerkarten ist dagegen Barzahlung möglich. Eine wirklich saublöde Regelung.

Ich nehme meine EC-Karte nur ungern mit ins Schwimmbad. Denn im Umkleidebereich gibt es zwar Schränke, um Kleider und Wertsachen einzuschließen. Doch die Schlösser könnte selbst ich knacken. Und Schilder weisen darauf hin, dass die Stadt keine Haftung für den Inhalt der Schränke und eventuelle Schäden übernimmt. So wälzt man Probleme auf die BürgerInnen ab. Als ich nach Burgwedel gezogen bin, war die Verwaltung sehr kompetent und bürgerfreundlich. Doch die Zeiten sind wohl endgültig vorbei. Schade.

Wir wollten grillen – und ein bisschen Regen konnte uns natürlich nicht abschrecken. Der Sonnenschirm wurde kurzerhand zum Regenschirm. Gegessen haben wir dann im Wintergarten. Da war’s trockner und wärmer als draußen.

Schaukeln geht immer, auch in einer kurzen Regenpause.

Was soll aus dieser Rose werden. Die gefüllte, weiße Rose, die ich vor Jahren im Beet vor dem Wintergarten gepflanzt habe, ist verschwunden. Offenbar hat ein Durchtrieb der Unterlage, eine Rosa canina, die zum Pfropfen der Edelsorte verwendet wurde, den Rosenstrauch inzwischen übernommen. „Radikal ausschneiden“, rät ein Freund meines Mannes, der es als Botaniker wissen muss. Aber eigentlich mag ich Hundsrosen, auch wenn diese leider nicht duftet. Sie darf also zumindest vorerst noch weiterblühen.

Je älter ich werde, desto mehr vermisse ich das Wasser. Weil es in Burgwedel selbst weder einen Fluss noch einen See gibt, gehe ich oft zum Wasserbecken bei der Seniorenwohnanlage. Dort blühen jetzt ganz viele Seerosen.

Auf dem Rückweg komme ich durch den Alten Park, der zurzeit von riesigen Insekten aus Kalkstein, Granit und Basaltlava bevölkert ist. Die Open-Air-Ausstellung des Bremer Künstlers Peer Steppe ist im Rahmen der „IntraRegionale 2026“, einem großen regionalen Kunstprojekt in der Region Hannover, noch bis Ende Juli zu sehen.

Der Tag klingt aus, wo er begonnen hat: im Wintergarten. In meinem Fünf-Jahres-Buch notiere ich an fast jedem Abend ein paar Zeilen. Während ich schreibe, lese ich oft die Einträge  auf der jeweiligen Seite und erfahre, was ich in den vergangenen Jahren am gleichen Tag getan oder erlebt habe. So habe ich vor zwei Jahren am 12. Juni erfahren, dass eine Freundin an der Mosel gestorben ist. Carpe diem

Monatsrückblog Mai 2026

Jetzt ist auch der Mai, wieder vorbei. Schade, denn der Mai ist mein Lieblingsmonat. Es ist morgens schon früh hell und wird abends erst spät wieder dunkel. Da ist die Gewissheit, dass die Tage noch länger werden – und das Gefühl, dass der Sommer noch lange dauert. In diesem Mai war es sehr sonnig – vor allem in der zweiten Monatshälfte kletterte das Thermometer teilweise auf hochsommerliche 30 Grad. Und ich mag es gerne warm.

Wanderurlaub in Portugal

Meist sonnig, aber nicht zu heiß: Zum Wandern war das Wetter in der ersten Maiwoche in Portugal ideal. Und auch sonst stimmte in unserem Wanderurlaub eigentlich alles. Azenhas do Mar gilt als einer der schönsten Orte Portugals. Die Landschaft ist traumhaft, Foe hatte tolle Wanderrouten ausgearbeitet und eine schöne Ferienwohnung nah am Meer ausgesucht. Nur mit dem Schwimmen klappte es nicht – die Wellen im Atlantik waren ziemlich hoch und so ganz traue ich meinem Fuß auch ein Jahr nach der OP noch nicht.

Schwimmen in Burgwedel

Eigentlich ist Schwimmen ja nicht mein Sport: Das Wasser ist mir zu kalt und zu nass. Aber wenn ich mich überwunden habe und im Wasser bin, macht es mir meist Spaß. Außerdem ist Schwimmen gesund und hilft möglicherweise auch bei den muskulären Problemen, die mich zurzeit plagen. Und so habe ich mir eine Saisonkarte für das Freibad in Burgwedel gekauft und mir vorgenommen, jede Woche mindestens zweimal schwimmen zu gehen. Das ist mir bis jetzt gelungen.  

Schreiben

Mit dem Schreiben klappte es dagegen im Mai – wie schon im April – leider überhaupt nicht. Mitte März hat mich eine allgemeine Schreibunlust gepackt. Außer meinen Morgenseiten habe ich nur wenig geschrieben. Mein Ziel, den Roman, an dem ich arbeite, im zweiten Quartal zu beenden, ist in weite Ferne gerückt. Und auch die Zahl der veröffentlichten Blogbeiträge bleibt mit je drei im April und Mai weit hinter meinem Ziel zurück. Fünf sollten es jeden Monat eigentlich sein. Nicht einmal den Monatsrückblog für April habe ich beendet und gepaostet. Doch ich hoffe, dass die Lust am Schreiben allmählich wieder zurückkehrt. Vielleicht brauchte ich einfach mal eine Pause …

Natur Journaling

… oder einen Anstoß von außen. Anfang des Jahres hatte ich mir vorgenommen, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und Nature Journaling auszuprobieren. Mich reizt an der modernen Art des Naturtagebuchs die Kombination aus Wörtern, Skizzen, Fotos, Zahlen und Fakten. Ich bin zwar weder eine gute Zeichnerin und noch kenne ich mich mit der heimischen Flora und Fauna aus. Aber wer ein Nature Journaler führt, muss weder KünstlerIn noch NaturforscherIn sein, so das Credo der Nature-Journaling-Bewegung.

„Es geht nicht ums perfekte Zeichnen, sondern ums bewusste Hinschauen, Beobachten und Fragenstellen“, meinte Tina Blanke, die Leiterin des VHS-Kurses, den ich belegt habe. „Mit jedem Strich, jedem Wort und jeder Frage wächst ein Stück Naturverbindung.“ Das klingt gut. Jedenfalls hat mich der Kurs ermutigt und motiviert.Ich werde das Nature Journal, das ich im Januar begonnen habe und das über die Anfänge nicht hinaus gekommen ist, weiterführen.

Unser Garten im Mai

Ja, es ist nur ein Garten, aber wenn ich im Wintergarten, auf der Terrasse oder im Garten bin, fühle ich mich ein bisschen wie in der Natur. Im Mai zeigte sich der Garten von seiner schönsten, buntesten Seite. 

Allen voran die Rosen, die sich in unserem Garten sehr wohlzufühlen scheinen – die beiden ausgewilderten No-name-Topfrosen ebenso wie meine drei Edelrosen: die Rhapsody in Blue, die Künstlerrose und die Päonienrose.  

Vor allem die Rhapsody blüht in diesem Jahr so üppig wie noch nie. Die Blüten stehen dicht an dicht und duften herrlich, doch leider verblühen sie sehr schnell. Die Pfingstrosen haben lange auf sich warten lassen – erst Ende Mai öffnete sich endlich die erste Knospe.

Ich bin, ich gebe es zu, eine Chaosgärtnerin: Viele Pflanzen haben sich ohne mein Zutun in unserem Garten angesiedelt und sind gern gesehene Gäste: Die Fingerhüte zum Beispiel, Glockenblumen und Mohn. Nur den Dreimasterblumen muss ich immer wieder Einhalt gebieten, weil sie sonst alles überwuchern, was in ihrer Nähe wächst.

Nicht nur Fachwerk

Apropos Nähe, manchmal liegt das Schöne wirklich ganz nah. Celle zum Beispiel. Natürlich war ich schon öfter in der Stadt, die laut Geo.de zu den zehn schönsten Fachwerkstädten Deutschlands zählt und das größte geschlossene Ensemble Europas bildet.

Aber obwohl Celle nur zehn Minuten mit dem Zug entfernt liegt, also quasi direkt vor der Haustür, fahre ich nur selten hin. Auch Ende Mai bin ich nur durch die Stadt gebummelt, weil ich vor einem Arztbesuch noch Zeit hatte.

Das soll sich ändern, denn Celle hat mehr zu bieten als eine pittoresken Altstadt mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern und einem Schloss im Renaissance- und Barocksstil. Siedlungen im  Bauhausstil beispielsweise mit sehr einfachen, aber preiswerten Kleinstwohnungen für Familien mit Kindern. Zwei der nur 32 bis 45 Quadratmeter kleinen Wohnungen im Blumläger Feld blieben unverändert und wurden Möbeln aus der Entstehungszeit ausgestattet. Ich werde sie mir beim nächsten Celle-Besuch ansehen, ebenso wie das kleine Museum, das an den Architekten und Städtebauer Otto Haesler erinnert, der die Häuser in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts entworfen hat.

Gedenken an Dr. Albert David

Am 9. November vergangenen Jahres habe ich mit anderen Omas gegen rechts den Stolperstein für Dr. Albert David am Alten Postweg in Großburgwedel geputzt und mit Blumen geschmück. An seinem Todestag haben wir die Aktion wiederholt. Am 19. Mai 1940 vergiftete sich der angesehene Arzt in seiner Wohnung, als ihn zwei Gestapo-Männer aufsuchten und abholen wollten.

Seit der Machtübernahme im Jahr 1933 hatten ihm die Nazis das Leben schwergemacht:  Weil er Jude war, entzogen sie ihm im September 1938 die Approbation. Er musste seine Praxis schließen, sein Vermögen wurde eingezogen. Im Mai 1940 trieben sie ihn in den Tod.

Der Stolperstein für Dr. Albert David war der erste in Burgwedel, 28 weitere folgten. Sie erinnern an 28 Kinder von Zwangsarbeiterinnen, die ihren Müttern weggenommen wurden, verhungerten oder starben, weil sie nicht versorgt wurden. Der 30. Stolperstein wurde erst vor einigen Tagen in Fuhrberg, einem Burgwedeler Ortsteil, verlegt – zum Gedenken an Heinrich Seehaus, den die Nationalsozialisten 1942 hinrichteten.

12 von 12: Mein 12. Mai in 12 Bildern

Im April habe ich zum ersten Mal beim Blogprojekt 12 von 12 mitgemacht und meinen Alltag mit Fotos und kurzen Texten dokumentiert – heute geht’s weiter. Denn mir gefällt die Idee von Chad Darnell, die jetzt von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt wird.

Sie erinnert mich an das Schreibprojekt „Ein Tag im Jahr“, das Maxim Gorki vor 91 Jahren initiiert hat. Er rief im Jahr 1935 seine SchriftstellerkollegInnen in aller Welt auf, einen ganz gewöhnlichen Tag in ihrem Leben möglichst genau zu beschreiben und auf diese Weise einen „Jedertag“ zu porträtieren.

Nach Gorkis Tod im Jahr 1936 wurde das Projekt nicht weitergeführt. Aber als die Zeitschrift Istwestja 25 Jahre später den Aufruf wiederholte, begeisterte sich Christa Wolf, damals noch eine junge, unbekannte Autorin, dafür: Sie beschrieb den 27. September 1960 – und alle folgenden 27. September bis zu ihrem Tod im Jahr 2011. Die gesammelten Texte sind im Suhrkamp Verlag erschienen. 

Am 12. Mai 2026 zeigte ein Blick aus dem Fenster kurz nachdem Aufstehen, dass die Meteorolügen mit ihren Prognosen recht haben: Es regnete fast ohne Unterlass, der Himmel war grau. Doch als ich auf der Empore sitzend meine Morgenseiten schrieb, schaute die Sonne kurz zwischen den Wolken hervor.

Für die Schreibzeit am Morgen mit Sabine E. Lang bin ich dann in mein Arbeitszimmer umgezogen. Wann immer ich kann, schreibe ich von Dienstag bis Donnerstag von 8 bis 9 Uhr beim Online-Schreibtreff der Textmanufaktur mit. So auch heute.

Dass es nicht nur regnerisch, sondern auch kalt ist, ist nicht verwunderlich. Denn vom 11. bis zum 15. Mai ziehen die Eisheiligen durchs Land. Mamertus war gestern der erste, am 12. ist Pankratius an der Reihe, der an der Mosel Pankraz heißt. In den nächsten Tagen folgen Servatius (Servatz), Bonifatius (Bonifaz) und am Freitag schließlich die einzige Frau in der frostigen Männerrunde, Sophia oder die kalte Sophie.

Trotzdem habe ich heute die Freibad-Saison eröffnet. Ich habe mir vorgestern eine Saisonkarte für das Freibad gekauft und mir vorgenommen, mindestens zweimal in der Woche zu schwimmen.

Als ich (mit dem Rad) zum Schwimmbad fuhr, legte der Regen glücklicherweise eine Pause ein, sodass ich halbwegs trocken dort ankam. Eine Infotafel am Eingang verriet, dass das Wasser deutlich wärmer (24 Grad) war als die Luft (8 Grad).

Wärmer war als in good cold Germany war es in der vergangenen Woche in Portugal, wo ich eine Woche lang mit meiner Tochter gewandert bin. Die Reise soll nicht die einzige in diesem Jahr bleiben – die Erinnerungen möchte in einer Art Reisejournal festhalten. Den Anfang habe ich heute Morgen gemacht.

Ich lese gerne – und viel. Oft leihe ich mir Bücher aus: in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover, in der Onleihe Niedersachsen oder eben in der Bücherei Burgwedel. Heute konnte ich dort ein Buch abholen, das ich schon länger vorbestellt hatte.

Sicher keine Bücherfreunde waren in der Nacht zum Samstag in Langenhagen am Werk: Sie zündeten den Bücherschrank auf dem Marktplatz an. Der brannte völlig aus, alle Bücher wurden zerstört. In den vergangenen zwei Monaten brannten in Langenhagen und Umgebung mehrfach Strohlager und Müllcontainer. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung.

Bemerkenswert finde ich das Datum: Am 10. Mai 1933 begannen in Deutschland die Bücherverbrennungen.

Eigentlich bin ich wegen des Geranienmarkts nach Langenhagen gefahren. Denn auf dem Platz neben dem City Center werden noch bis Mitte Juni Pflanzen verkauft – zum Glück nicht nur Geranien, die ich nicht mag.

Die gekauften Kohlrabi und Rucola pflanze ich in mein Hochbeet, in dem bislang nur ein paar Zuckererbsen wachsen. Weder die Rucola- noch die Feldsalatsamen sind aufgegangen. Ihnen war es wahrscheinlich einfach zu kalt.

Der Ananassalbei findet in einem Kübel eine neue Heimat, weil er nicht winterhart ist. Doch bis die Eisheiligen vorbei sind, bleiben sie alle noch im Wintergarten.

Dort kletterten die Temperaturen auf über 25 Grad, als sich die Sonne nachmittags für einige Zeit hervorwagte.

Und so konnte ich diesen Blogbeitrag, den ich während der Schreibzeit am Morgen begonnen habe, am späten Nachmittag im Wintergarten beenden.

Monatsrückblog März 2026

Ja, ich bin mal wieder spät dran. Denn ich habe lange überlegt, ob ich wirklich einen Rückblick für einen Monat schreiben soll, in dem ich wenig unternommen habe. Doch nachdem ich das Plädoyer von Uli Pauer für das Blogformat „12 von 12″ gelesen habe, habe ich entschieden, die noch kleine Serie der Monatsrückblogs fortzusetzen. Denn die Gründe, die sie in ihrem Blogbeitrag für „12 von 12“ nennt, gelten auch für den Monatsrückblick: Er ist eine gute Gelegenheit innezuhalten, zu reflektieren und auch in eher ereignislosen Monaten Besonderes zu entdecken.

Ab nach draußen

Apropos entdecken: Ich lebe schon seit fast vierzig Jahre in Hannover: den Hermann Löns Park in Kleefeld habe ich erst jetzt entdeckt. Dabei liegt er direkt an einer Straßenbahnhaltestelle, ist also mit Öffis gut zu erreichen, hat einen Teich, der wie eine kleine Seenlandschaft wirkt, und viele alte Bäume. Als der Park in den 1930er-Jahren angelegt wurde, wurden nur standorttypische Bäume und Sträucher wie Stieleichen, Linden, Hainbuchen, Weiden, Birken, Haselnuss, Holunder und Traubenkirschen gepflanzt. Auf „fremdländische Pflanzen“ wurde allerdings nicht, allerdings nicht aus ökologischen, sondern aus ideologischen Gründen verzichtet. „Der Park geriet zur ideologiekonformen Grünanlage“, heißt es bei Wikipedia.

Mir gefällt der Park trotzdem, ebenso wie die Schrebergartenkolonie an seiner Nordseite. DieKleingartenanlage Annateich“, so ihr offizieller Name, entstand zur gleichen Zeit wie der dem Park. Alle Gärten, rund 200, erhielten damals eine Holzlaube und mindestens einen Apfelbaum. Die meisten Holzlauben wurden inzwischen durch neue ersetzt. Dagegen stehen wohl viele der alten Apfelbäume der Sorte „Ontario“ noch heute in den Gärten. Ein Grund, Park und Schrebergartenkolonie wieder zu besuchen, wenn sie blühen.

Natürlich war ich auch wieder in den Herrenhäuser Gärten . Und natürlich haben wir – mein Mann und ich – ziemlich viel Zeit in unserem Garten verbracht. Der ist zwar nicht sehr groß, aber gerade jetzt im Frühjahr ist viel zu tun. Und irgendwie ist es mit der Garten- wie mit der Hausarbeit: Man wird nie wirklich fertig.

Immer am Wasser lang

Zur Märzbecherblüte nach Hameln habe ich es auch in diesem Jahr leider wieder nicht geschafft. Und ich habe im März auch noch keine längere Wanderung unternommen. Das lag sicher auch daran, dass mich seit Anfang des Monats eine Verletzung am Bein/an der Hüfte plagt. Der Spaziergang durch die Leinemasch war weder besonders lang noch besonders anspruchsvoll.  Aber er führte fast immer am Wasser entlang und endete mit einem kurzen Abstecher ins Landesmuseum. Allerdings nicht in die Kunst-, sondern in die Wasserwelt. Dort leben in großen Aquarien laut Website des Museums über 200 verschiedene Wassertierarten aus unterschiedlichen Lebensräumen, aus Kalt- oder Warmwasser, Süß- oder Salzwasser.

Aber eigentlich besuche ich die Wasserwelten nicht wegen der Fische, Ich mag die besondere Atmosphäre und die Ruhe in dem abgedunkelten Raum mit der blauen Wandverkleidung und der wellenförmigen Decke. Ein wenig fühlt man sich dort wie in einer Unterwasserwelt.

Besonders lange saß ich diesmal vor dem Becken mit einem einsamen Heterochromis multidens. Der afrikanische Buntbarsch, der im mittleren Kongobecken zu Hause ist, sah mit seinen herunterhängenden Mundwinkeln ziemlich traurig aus. Ob er seine Heimat und seine Artgenossen vermisst? Oder ob er nur ungehalten über die Besucherin war, die vor seinem Becken saß und ihn so neugierig anschaute.

Neue Museumscard

Mit dem Kurzbesuch im Landesmuseum habe ich meine neue Museumscard eingeweiht. Dass sie nur in neun Museen in Hannover und in zwei Museen in Hildesheim gilt, habe ich schon mehrmals beklagt. Trotzdem möchte ich die Karte nicht missen. Denn sie ermöglicht es mir, nur kurz in ein Museum zu gehen, um mir ein paar Bilder, einen kleinen Teil einer Ausstellung oder, wie nach der Wanderung durch die Leinemasch, die Fische anzusehen. Müsste ich jedes Mal Eintritt zahlen, würde ich das gewiss nicht tun. Bei meinem Besuch im Wilhelm Busch Museum habe ich Katharina Greves Prinzessin Petronia kennengelernt. Ihretwegen habe ich dann auch Antoine de Saint-Exupérys Buch über ihren berühmten, wenn auch namenlosen Cousin, den kleinen Prinzen, noch einmal gelesen.

Foto: Wilhelm Busch Museum/Katharina Greve

Schreiben

Im Februar habe ich am Schreibmonat der Textmanufaktur teilgenommen und jeden Tag an meinem Roman gearbeitet. Im März ist mir das leider nicht gelungen. Immerhin habe ich sieben Blogbeiträge geschrieben und veröffentlicht. Sie und andere Texte sind teilweise bei den Schreibdates mit Denise Fritsch und Sabine E. Rasch entstanden. Denn mit anderen zu schreiben, motiviert mich immer wieder. Deshalb habe ich auch an dem Online-Schreibtreff der Textmanufaktur zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche teilgenommen. Dass ich das gemeinsame Schreiben wegen einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Nationalsozialisten unterbrochen habe, war nicht geplant. Aber manchmal muss man eben andere Prioritäten setzen

Nie wieder ist jetzt

In der Karwoche 1945, kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs, ermordeten SS-Leute in Burgwedel 20 Menschen. An diese und andere Verbrechen der Nazis und an das Leid der Opfer zu erinnern, ist zurzeit wichtiger denn je. Wenn immer mehr Menschen die AfD wählen und Antisemitismus, Rassismus und rechtsextreme Gedanken wieder salonfähig sind, genügt es nicht, gegen rechts zu sein, frau muss es auch zeigen.

Deshalb habe ich auch an der ersten Prüfdemo in Hannover teilgenommen. Die Aktion PRÜF fordert, dass „alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, … durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden“ sollen. Laut Artikel 21 Abs. 4 GG entscheidet nur das Bundesverfassungsgericht, ob eine Partei verfassungswidrig ist.

Ich zweifle nicht daran, dass Einschätzung der AfD durch den Verfassungsschutz stimmt und dass die Partei eine Gefahr für die Demokratie und die freiheitlich demokratische Grundordnung ist. Aber die Hürden für ein Parteiverbot sind sehr hoch. Zwei Versuche, die NPD verbieten, scheiterten 2003 und 2017 vor dem Bundesverfassungsgericht. Und im Februar dieses Jahres entschied das Verwaltungsgericht Köln in einem Eilverfahren, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als „gesichert rechtsextremistisch“ einstufen und behandeln darf.  Entscheidet das Bundesverfassungsgericht gegen ein AfD-Verbot, wird die Partei das als „Persilschein“ für ihre Propaganda nutzen – und viele werden es glauben. Denn auch wenn die Erkenntnis, dass die menschliche Dummheit (wie das Universum) unendlich ist, wahrscheinlich nicht von Albert Einstein stammt, stimmt sie wohl leider. 

Spätherbst


Wie fühlt sich der Spätherbst für dich an – erst als ich diese Frage gestern Morgen las, wurde mir bewusst, dass der meteorologische Herbst schon morgen endet und der Winter übermorgen beginnt. Die Zeit rast, und ich rase notgedrungen mit.

Was die Prognosen der Meteorologen angeht, bin ich zwar eher skeptisch, aber ihre Einteilung der Jahreszeiten gefällt mir besser als die traditionelle astronomische. Für mich ist der Dezember definitiv ein Wintermonat. Und wenn der astronomische Winter am 21. Dezember anfängt, hoffe ich schon wieder ein bisschen auf den Frühling, weil die Tage dann langsam länger werden

Der Phänologische Kalender kennt keine fixen Daten, sondern orientiert sich laut Wikipedia „an charakteristischen Entwicklungsstadien typischer Pflanzen (phänologischer Zeigerpflanzen) und an dem Verhalten der Tiere.“  Und anderes als der meteorologische und der astronomische Kalender hat der phänologische nicht vier, sondern zehn Jahreszeiten.

Nach der Phänologischen Uhr des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hat der Spätherbst in Niedersachsen mit der Blattfärbung der Stieleiche in diesem Jahr am 19. Oktober begonnen, einen Tag früher als im langjährigen Mittel. Als am 9. November die Stieleichen die (meisten) Blätter abgeworfen hatten, endeten die Vegetationszeit und der Spätherbst. Für die Pflanzen hat der Winter also schon längst begonnen, nur wir Menschen haben es nicht gemerkt – oder keine Notiz davon genommen.

Auch in unserem Garten sind die Bäume und die meisten Büsche inzwischen kahl. Auch die Beeren von Schlehdorn, Felsenbirne und Berberitze haben die Vögel längst abgefressen, sie haben nicht gewartet, bis sie nach dem ersten Frost voll ausgereift waren. Nur ein paar Trauben und Hagebutten haben sie noch als Futterreserve für den beginnenden Winter übrig gelassen.

Die letzten Rosen sind jetzt auch verblüht, dafür blühen schon drei Christrosen. Die sind trotz ihres Namens mit den „richtigen“ Rosen weder verwandt noch verschwägert, sondern gehören zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Die vierte Christrose ziert sich noch. Ich habe sie erst am Ende des letzten Winters „ausgewildert“. Sie ist die Kälte draußen wohl noch nicht so gewöhnt wie ihre älteren Geschwister und hofft vielleicht auf wärmere Tage.

Stolpersteine gegen das Vergessen

Am 9. November vor 87 Jahren brannten überall in Deutschland Synagogen. Mit den Novemberpogromen begann die systematische und gewaltsame Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung durch das NS-Regime, die seit 1933 durch Diskriminierung und Ausgrenzung vorbereitet worden war.

Zwischen dem 7. und 13. November 1938 wurden laut Wikipedia rund 1.400 Synagogen, Betstuben, Versammlungsräume und tausende Geschäfte und Wohnungen von Jüdinnen und Juden gestürmt und zerstört; jüdische Friedhöfe wurden geschändet, mehrere hundert Menschen wurden ermordet. Mindestens 30.000 Menschen wurden ab dem 10. November verhaftet, interniert oder in Konzentrationslager deportiert. „Hunderte starben an den Folgen der mörderischen Haftbedingungen oder wurden hingerichtet.“

Die Scham ist nie vorbei

Dafür, dass in meinem Heimatort auch meine drei Onkel bei den Novemberpogromen mitmachten, schäme ich mich noch heute – auch wenn dies lange vor meiner Geburt geschah. Damals drangen nicht nur SA-Leute in die Synagoge und in die Wohnungen der Juden ein, die noch in Neumagen lebten, „Sie zerschlugen alles, was ihnen in die Hände fiel. Altes Porzellan, Schränke u.w; die Synagoge ist im Innern vollständig zertrümmert“, beschreibt die Neumagener Chronik die Verbrechen dieser Nacht.

Der jüngste Onkel war damals erst 13 und er hatte, wie Jorge Semprun in seinem Buch „Die große Reise“ schreibt, eigentlich keine Chance, kein Nazi zu werden. Er war sieben, als Hitler an die Macht kam und die Indoktrination in Schule, Gesellschaft und Familie begann. Meine Tante hat ihrem ältesten Bruder, der als einziger der drei den Krieg überlebte, ihr Leben lang vorgeworfen, er habe den jüngsten in den braunen Sumpf hineingezogen. „Mama hätte ihn alleine nie gehen lassen“, sagte sie immer wieder.

Was würden wohl meine Onkel sagen, wenn sie wüssten, dass ich mich am 9. November mit anderen Omas gegen rechts traf, um den Stolperstein für Dr. Albert David zu putzen, mit Blumen zu schmücken und so an ihn und all diejenigen zu erinnern, die von den Nationalsozialisten diskriminiert, deportiert, gequält und ermordet wurden?

In Erinnerung an Dr. Albert David …

Dr. Albert David lebte und praktizierte mehr als 40 Jahre als Allgemeinarzt in Burgwedel. Er soll ein angesehener Arzt und freundlicher Mensch gewesen sein: So ließ er sich auch in Naturalien bezahlen und schenkte armen Patienten Lebensmittel.

Doch das schützte ihn nicht vor Repressalien und Ausgrenzung, als die Nazis an die Macht kamen. Und ich frage mich, wie viele BurgwedelerInnen, denen er geholfen oder gar das Leben gerettet hatte, ihm seines nach 1933 schwergemacht und in den Tod getrieben haben.

Im September 1938 wurde Dr. Albert David die Approbation als Arzt entzogen, weil er Jude war. Er musste seine Praxis schließen, sein Vermögen wurde eingezogen. Als am 19. Mai 1940 vermutlich zwei Gestapo-Männer ihn in seinem Haus aufsuchten, vergiftete er sich in einem Nebenraum.

… und an 28 ermordete Kinder

Der Stolperstein zur Erinnerung an Dr. Albert David wurde im Juni 2015 verlegt. Seit November 2019 gibt es im Ort 28 weitere Stolpersteine. Sie erinnern an 28 Babys und Kleinkinder, die im Winter 1944/1945 im sogenannten Polenheim verhungerten oder durch Vernachlässigung starben.

Ihre Mütter, Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa, mussten auf Bauernhöfen in der Nähe arbeiten. Ihre Kinder wurden ihnen kurz nach der Geburt weggenommen; sie durften sie in dem Heim, das offiziell „Ausländerkinder-Pflegestätte“ hieß, nicht einmal besuchen. Gepflegt wurden die Kinder in der „Pflegestätte“ nicht: Sie lebten dort unter erbärmlichen Bedingungen und überlebten im Durchschnitt ohne Muttermilch und Zuwendung lediglich zwei Monate. Manche wurden nur wenige Wochen alt, das älteste ein halbes Jahr. Die Kinder wurden auf dem Friedhof an der Thönser Straße an begraben – wo, ist nicht bekannt. Vier von ihnen hatten nicht einmal einen Namen.

Wir Omas haben auch an ihren Stolpersteinen in der Nähe der Grundschule eine Kerze und ein paar Blumen hingelegt und an ihr Schicksal gedacht. Unsere „Omas-gegen-rechts-Westen“ durften wir dabei – so die Vorgabe der Verwaltung – nicht tragen.

An die Anweisung, die Stolpersteine für die ermordeten Kinder nicht zu reinigen, habe ich mich dagegen gerne gehalten. Denn das übernehmen in dieser Woche die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Kleinburgwedel. Eine wirklich gute Idee in einer Zeit, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Hetze gegen Menschen, die (angeblich) anders sind, hierzulande leider auch an Schulen rapide zunehmen. Wohin das führen kann, haben unsere Eltern und Großeltern in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrunderts erlebt – und Millionen Menschen nicht überlebt.

Pfingsten im eigenen Garten

Diejenigen, die meinen Blog gelegentlich lesen, wissen es: Ich liebe schöne Gärten und bin ein großer Fan der Veranstaltungsreihe „Die offene Pforte“. Die wurde in England erfunden und 1991, als Hannover seinen 750. Geburtstag feierte, in die Landeshauptstadt importiert. Im ersten Jahr öffneten 26 GartenbesitzerInnen ihre Pforten für Interessierte und Neugierige wie mich, in diesem Jahr sind es rund 120 in und um Hannover.

Offene Pforte meets Rendezvous im Garten

In den vergangenen Jahren bin ich an den Sommerwochenenden oft von Garten zu Garten gepilgert. Aber in diesem Jahr muss ich wegen meines gebrochenen Fußes wohl noch bis Mitte Juli zu Hause bleiben. Das fällt mir an diesem Wochenende besonders schwer, weil an den Pfingsttagen über 20 Gärten besichtigt werden können. Seit Freitag findet nämlich parallel zur Offenen Pforte das „Rendezvous im Garten 2025“ statt. Es steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gärten aus Stein – Steine in Gärten“.

Nun sind Gärten aus Stein eigentlich nicht mein Ding, aber Steine im Garten – die Verbindung von Natur und Kunst – mag ich durchaus. So hätte ich mir die Skulpturenausstellung im Garten von Aleksandra und Hans-Dieter Pristin sehr gerne angesehen. Und auch an der literarischen Führung der Komponistin und Rezitatorin Marie Dettmer wollte ich eigentlich teilnehmen, um den Maschpark einmal aus ganz anderen Perspektiven – in Lyrik und Prosa – kennenzulernen. Aber manchmal kommt es bekanntlich anders …

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Skulpturenausstellung im Garten Pristin ist noch bis Mitte September geöffnet. Und Marie Dettmer bietet in diesem Jahr noch weitere literarische Führungen an – beispielsweise durch den Berggarten, die Eilenriede oder Ende September noch einmal durch den Maschpark. Wenn ich wieder ohne Krücken auf beiden Beinen stehe, möchte ich den ausgefallenen Pfingstausflug unbedingt nachholen.

Derzeit muss ich mich mit unserem eigenen Garten begnügen.  Dort geben Rosen, Pfingstrosen, Fingerhüte, Akeleien, Glockenblumen, Dreimasterblumen und Co ihr Bestes, um mich darüber hinwegzutrösten, dass mir der Blick in fremde Gärten vorläufig verwehrt bleibt. Und ihren Anblick kann ich – im Wintergarten sitzend – auch genießen, wenn es wie so oft in den letzten Tagen wieder einmal regnet.

Monatsrückblick Juni 2024

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, diesen Monatsrückblick gleich am Anfang des Monats zu schreiben, doch das ist mir – wieder einmal – nicht gelungen. Dass dieser Text erst jetzt online geht, liegt aber auch daran, dass wir ein paar Tage unterwegs waren und die Internetverbindung – vorsichtig formuliert – nicht sonderlich gut.

Ein Zimmer ist nicht genug

Feng Shui hin oder her: Wirklich glücklich war ich mit meinem Arbeitszimmer nicht, nachdem ich meine beiden Arbeitstische nach Feng-Shui-Gesichtspunkten im Raum positioniert hatte (https://timetoflyblog.com/feng-shui). Und so war Anfang des Monats mal wieder eine Umräumaktion fällig. Ich habe Mal- und Schreibtisch wieder getauscht, der Maltisch steht jetzt vor dem Fenster – und ich sitze mit dem Rücken zur Tür, wenn ich daran male. Dafür kommt das Licht von vorne und von der Seite – und ich kann nach draußen sehen. Der Schreibtisch steht fengshuimäßig rechtwinklig zum Fenster und ich habe die Tür im Blick.

Mein Schreib-/Malzimmer ist nicht mein einziger Schreibort in unserem Haus. Meine Morgenseiten schreibe ich meist auf der Empore, weil dort morgens das Licht am schönsten ist. Später, solange die Sonne noch nicht hineinscheint, sitze ich gerne im Wintergarten, und die Abendseiten schreibe ich im Bett.

Meine privaten Schreiborte möchte ich nicht missen – aber sie allein genügen mir nicht immer (https://timetoflyblog.com/aus-wien-nach-hannover). Ich schreibe gerne mit anderen zusammen. Der Frauenschreibtreff am ersten Sonntag im Monat ist für mich ein fester Termin, auch am Cowriting im AutorInnenzentrum habe ich schon einmal teilgenommen – und ich habe mich mit einer Schreibfreundin zum Schreiben per Zoom verabredet. Zwei Stunden haben wir gemeinsam geschrieben: Sie in ihrem, ich in meinem Schreibzimmer. Fortsetzung folgt bestimmt.

Ein Gedicht

Mit Lyrik kenne ich mich nicht sonderlich gut aus. Das meiste, was ich in der Schule und im Studium über Versmaß, Reime und Gedichtformen gelernt habe, habe ich längst vergessen. Lange Zeit habe ich gar keine Gedichte gelesen und schon gar keine geschrieben. Jetzt entdecke ich diese Gattung neu. Da passte es gut, dass Frau Landau beim Treffen der Lyrik AG die Schreibübungen einem Buch entnommen hat, das primär für Kinder geschrieben wurde: „Poedu. Poesie von Kindern für Kinder“ von Kathrin Schadt. Die Übungen haben aber uns Erwachsenen aber ebenso viel Spaß gemacht. Ich will auf jeden Fall dranbleiben. Und frau ist ja bekanntlich nie zu alt, mit etwas Neuem zu beginnen.

Neue und alte Ziele

Mit dem Dranbleiben ist es so eine Sache. Angeregt von einem Blogbeitrag von Kerstin Salvador habe ich im Oktober vergangenen Jahres angefangen, mir nicht nur Jahres-, sondern Quartalsziele zu setzen (https://timetoflyblog.com/monatsrueckblick-oktober-2023). Mir hat die Idee gefallen, nur mit der Umsetzung hapert es leider, stelle ich bei der Auswertung der beiden Quartalslisten für die erste Jahreshälfte fest. Viele übertrage ich, weil immer noch unerledigt, auf die Liste fürs neue Quartal. Einige Reiseziele beispielsweise oder das Vorhaben, feste Schreibroutinem in meinen Rentnerinnenalltag zu etablieren. Aber neues Quartal, neuer Versuch. Und vielleicht sieht die Bilanz ja etwas freundlicher aus, wenn ich, wieder Kerstin Salvadors Beispiel folgend, erreichten und noch nicht geschafften Zielen eine dritte einführe, nämlich noch nicht ganz umgesetzte Ziele“. Und damit ich meine Ziele nicht aus den Augen verliere, werde ich die Liste ausdrucken und in meinen Kalender und in mein Tagebuch kleben.

Immerhin zwei Ziele habe ich, zumindest im Durchschnitt, in der ersten Jahreshälfte erreicht: Ich habe jede Woche einen Blogbeitrag geschrieben (insgesamt 29 von Januar bis Juni) und ein Buch gelesen (insgesamt 30 bis Ende Juni).

Gärten und Kunst

Dass ich mir gerne schöne Gärten und Kunst(handwerker)ausstellungen ansehe, wissen alle, die meine Blogbeiträge (mehr oder weniger) regelmäßig lesen. Besonders schön finde ich es, wenn wie beim Sommerspaziergang in Wettmar Kunstobjekte in Gärten gezeigt werden oder wenn in einem Ort Gärten, Ateliers und Kunstausstellungen gleichzeitig geöffnet sind wie bei der „Wennigser Gartenlust und Kunstspur“.  

Apropos Gärten: Hannover ist eine Schrebergarten-Hochburg. So viele Schrebergärten wie in Leipzig, nämlich rund 32.000, gibt es in der niedersächsischen Landeshauptstadt zwar nicht, aber mit 20.000 liegt sie im bundesweiten Ranking ziemlich weit oben. Einige konnte ich Anfang Juni im Kleingärtnerverein Tiefenriede e. V. bewundern.

Die Zeiten, in denen Schrebergärten als spießig galten, sind längst passé. Für freie Parzellen gibt es vielerorts lange Wartelisten. Auch die meisten GartenbesitzerInnen, mit denen ich in der Schrebergartenkolonie in Hannover gesprochen habe, haben lange auf ihren Garten gewartet. Zwar müssen – oder sollen – bestimmte Regeln eingehalten werde. Es gibt sogar – typisch deutsch? – ein Bundeskleingartengesetz (BKleingG) und natürlich haben sich auch schon diverse Gerichte mit den Kleingärten befasst. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), der obersten Instanz in Zivil- und Strafverfahren, ist zum Beispiel „in der Regel … wenigstens ein Drittel der Fläche für den Anbau von Gartenerzeugnissen für den Eigenbedarf zu nutzen“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeskleingartengesetz). Wat et nit all jit“, würde die Kölnerin sagen.

Doch in vielen oder den meisten Kleingartenanlagen dürfen die PächterInnen, inzwischen oft junge Leute, ihre Gärten weitgehend so gestalten, wie sie es möchten. Und so hieß das Motto an diesem Tag der offenen Pforte im Kleingärtnerverein Tiefenriede e. V. denn auch „Bunte Vielfalt auf kleinem Raum“.

Insgesamt habe ich mir im Juni sicher gut zwei Dutzend Gärten angeschaut. Leider blieb die Pforte eines meiner Lieblingsgarten wegen Krankheit geschlossen. Aber ich hoffe, dass ich im nächsten Juni wieder den Rosengarten von Silke Rex bewundern  kann.

Wo fühle ich mich zu Hause?

Ich blogge schon seit Jahren, aber an einer Blogparade habe ich mich bislang noch nie beteiligt, Doch das von Edith Leister (https://edith-leistner.olrik.de/2024/02/07/blogparade-wo-ich-mich-zu-hause-fuehle/) gestellte Thema hat mich angesprochen. Auch wenn ich es für mich ein wenig umformuliere: Wo fühle ich mich zu Hause?

Diese Frage spukt in meinem Kopf, seit ich im im vergangenen August – zum ersten Mal seit dem Jahrgedächtnis für meine Mutter – wieder in dem Dorf war, in dem sie und ich geboren sind. Meine Mutter hat fast ihr ganzes Leben lang, über 90 Jahre, in Neumagen gelebt, dort sind sie und mein Vater auch begraben. 

Ich bin mit 20 Jahren aus meinem Heimatort weggezogen, um zu studieren, ein Jahrzehnt später dann, nach eine kurzen beruflichen Intermezzo an der Mosel, der Liebe wegen für immer. Eine Rückkehr an die Mosel kam für mich nie infrage: Die Landschaft ist zwar schön, aber die Infrastruktur eher schlecht. Ohne Auto kommt an der Mosel kaum jemand aus. Schlechte Voraussetzungen für ein Leben im Alter.

Nach meinem Umzug nach Norddeutschland habe ich meine Eltern oft besucht: anfangs zwei- oder dreimal im Jahr, später dann, als sie alt wurden und die Unterstützung ihrer Kinder brauchten, häufiger. Jeder Besuch war eine Art Reise in meine Kindheit, jeder Einkauf, jeder Spaziergang durch den Ort dauerte viel länger als geplant. Denn immer traf ich unterwegs Bekannte, die mich schon als Kind gekannt hatten. Wir plauderten, sie wollten wissen, wie es mir geht, was ich mache. Und ich fragte nach ihren Männern oder Kindern, mit denen ich in die Schule gegangen oder aufgewachsen war.

Ja, mein Heimatort und das Haus, das meine Eltern gebaut hatten und in das wir kurz nach meiner Geburt eingezogen sind, waren für mich lange ein Zuhause – der Ort vielleicht sogar mehr als das Haus selbst. Denn als meine Schwestern und ich „unser“ Haus nach dem Umzug meiner Mutter ins Pflegeheim verkauften, fiel mir der Abschied vom Elternhaus leichter als befürchtet. Als ich ein letztes Mal im Haus war, um noch einige Dinge einzupacken, die ich seit Jahrzehnten dort aufbewahrt hatte, hatte es seine Seele verloren. Es war nur noch ein Haus, in dem ich lange gelebt habe. Nicht mehr und nicht weniger.

Mit dem Ort und einigen Menschen, die da leben, fühle ich mich dagegen immer noch verbunden. Zwar sterben die Alten, die ich noch kenne und die mich noch kennen, langsam weg. Doch als mein Mann und ich im vergangenen Jahr mit unserem Wohnmobil nach Neumagen fuhren und auf dem Stellplatz am Hafen übernachteten, war es ein bisschen wie nach Hause kommen.

Das ist in Burgwedel, dem Ort, in dem ich jetzt seit fast vier Jahrzehnten, irgendwie anders. Zu Hause fühle mich in unserem Haus, das wir nach unseren Vorstellungen und Wünschen gestaltet und eingerichtet haben – mit großen Fenstern, viel Licht und hellen Möbeln. Ich mag mein Arbeitszimmer, mein Schlafzimmer, von dem aus ich nachts die Sterne sehen kann, das Wohnzimmer, den Wintergarten, in dem ich schon an manchen Februartagen draußen sitze, die Terrasse und den Garten mit den beiden Miniteichen.

Das Städtchen hat alles, was ich zum Leben brauche und was den Alltag angenehm macht. Es gibt viele Läden, sogar eine Buchhandlung, eine Bücherei, Ärzte, Apotheken, ein Schwimmbad und ein Krankenhaus – alles bequem mit dem Fahrrad, zu Fuß oder später auch mit dem Rollator gut zu erreichen. Und mit dem Zug, der von morgens früh bis abends spät stündlich fährt, bin ich in einer Viertelstunde in Hannover.

Ja, in Burgwedel lässt sich gut leben: Aber Wurzeln geschlagen habe ich in all den Jahren nicht wirklich. Ja, ich habe hier Freunde und Bekannte, aber die meisten Menschen, die mir wirklich wichtig sind, leben in anderen Orten, irgendwo in Deutschland. Wir halten Kontakt via Telefon, Mails oder diverse Messengerdienste. Aber einfach mal vorbeischauen ist eben nicht möglich. Das ist wohl der Preis der Mobilität.

Was ich in Burgwedel auch vermisse – und je älter ich werde um so mehr: den Blick aufs Wasser. Vielleicht liegt es daran, dass ich an einem Fluss geboren bin und in den ersten 30 Jahren meines Lebens immer an Flüssen gelebt habe – an der Mosel, am Rhein und kurze Zeit auch an der Lahn. Das hat mich geprägt.

Gerne würde ich wieder am Wasser leben – es muss nicht das Meer sein, ein Fluss, ein Bach oder ein kleiner See reichen aus. Fast täglich gehe ich zu einem künstlichen Teich im Ort, um meine Seesucht zu stillen. Doch der ist, ebenso wie die beiden Miniteiche in unserem Garten, eben doch nur ein unzureichender Ersatz für natürliche Gewässer.

Vielleicht haben wir uns auch deshalb wieder ein Wohnmobil gekauft, weil ich so meinen Traum vom Wohnen am Wasser zumindest zeitweise verwirklichen kann. Und wenn wir dann irgendwo am Wasser stehen, egal ob an der Mosel, an der Aller oder am Meer, fühle ich mich zu Hause.

Kunst in Burgwedel – Kunst in Bewegung

Noch einmal Kunst in Burgwedel, diesmal Kunst in Bewegung (KIB). Vielleicht zum letzten Mal. Denn die OrganisatorInnen Maria Hausknecht, Karlheinz Schridde und Elke Seitz haben angekündigt, dass sie nicht mehr weitermachen möchten – zumindest nicht mehr so wie bisher. Es fehlt an finanzieller, organisatorischer und tatkräftiger Unterstützung – und auch ein bisschen an jungen KünstlerInnen, die ihre Arbeiten ausstellen. Es wäre schade um die Veranstaltung, die es seit 2006 gibt.

Martin Vietmeyer, Christine Jehne und Britt Buvrin-Wolff haben Kunst in Bewegung initiiert, in den ersten Jahren organisiert – und damit offenbar den Geschmack (nicht nur) der BurgwedelerInnen getroffen. In Scharen pilgerten Kunstinteressiert und Neugierige zu den Ausstellungsorten nicht nur in Großburgwedel selbst, sondern auch in den Burgwedel-Dörfern. An manchen Wochenenden war wirklich, so schien es, halb Burgwedel und Umgebung in Bewegung – viele zu Fuß oder mit dem Rad.

Der besondere Charme lag in den ersten Jahren darin, dass die Burgwedeler KünstlerInnen ihre Ateliers öffneten und ihre Arbeiten dort zeigten, wo sie entstanden. Als immer mehr KünstlerInnen aus der näheren und weiteren Umgebung Kunst in Bewegung entdeckten und mitmachten, verlagerte sich der Schwerpunkt von privaten auf „öffentliche“ Räume wie Volkshochschule, Rathaus, Kirchenkreisamt, Bücherei oder Schulen. Aber auch Restaurants, Anwaltskanzleien, kleine Läden oder Versicherungsagenturen verwandelten sich für ein Wochenende in Galerien. In den vergangenen drei Coronajahren stellten die KünstlerInnen dann zentral und unter freiem Himmel aus – unter anderem im Rathauspark und im Amtspark. In diesem Jahr fand Kunst in Bewegung wieder drinnen statt. Mehr als 30 KünstlerInnen und KunsthandwerkerInnen zeigten ihre Malerei, Fotografie Schmuckstücke und andere Kunstobjekte. Orange Plakate, Fahnen und Fahrräder weisen den Weg zu den zehn Ausstellungsorten.

Einige Orte und KünstlerInnen sind schon seit Jahren dabei: Elke Seitz beispielsweise, eine der Organisatorinnen von Kunst in Bewegung. Ein Besuch in dem versteckten Garten des Atelier Seitz ist für mich ein Muss, besonders beeindrucken mich immer wieder die Objekte aus zerbrochenen Spiegeln. Und ein bisschen fühle ich mich in Elke Seitz Garten wie Alice auf dem Weg ins Wunderland.

Auch die beiden anderen Künstlerinnen, die ihre Bilder an diesem Kunstort zeigen, sind „alte Bekannte“, die schon lange bei Kunst in Bewegung mitmachen: Heidrun Schlieker bannt mit schneller Pinselführung meist norddeutsche Landschaften ausdrucksstark auf die Leinwand. Ihre Skizzenbücher, die ich ganz besonders mag, hat sie diesmal leider nicht dabei.

Bei Christine Küppers gefallen mir vor allem die Frauenbilder, ebenso bei Maria Hausknecht, die ihre meist abstrakten Bilder im Foyer des Amtshof zeigt. Apropos Frauen – sie sind klar in der Mehrzahl, bei MalerInnen und Motiven, aber auch bei den Besucherinnen. Kunst ist, so scheint es, vorwiegend Frauensache, auch wenn sich das in den Medien leider nicht immer widerspiegelt.

Der große Veranstaltungsraum im Amtshof bietet Ausstelllungsfläche für fünf KünstlerInnen und genügend Platz für großformatige Bilder in ganz verschiedenen Techniken, Materialien und Stilrichtungen. Die Bandbreite reicht von eher realistischen Landschaften bis zu abstrakten Darstellungen.

Gleich nebenan entdecke ich in den Räumen der VHS zwei Künstlerinnen, die ich bislang nicht kannte: Bei Annette Böwe trifft Farbe auf Struktur. Ihre auf Leinwand mit Acrylfarbe und Spachteltechnik gestalteten abstrakten Bilder erinnern mich ein wenig an Christine Jehne, eine der Initiatorinnen von Kunst in Bewegung. Sehr farbenfroh sind auch Maike Remanes Bilder, die sich „zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit bewegen“.

In der ältesten Straße Großburgwedels, der immer noch kopfsteingepflasterten Heinrich-Wöhler-Straße, zeigt im ehemaligen Sternerestaurant Ole Deele eine der jüngsten TeilnehmerInnen ihre Arbeiten. Mich fasziniert, wie Kerstin Bäßmann die Motive auf das Wesentliche reduziert und mit wenigen (Tusche)Strichen aufs Papier bannt. Das möchte ich auch können! Im Hof Schirmer trifft Digitales auf Analoges. Silke Jüngst verarbeitet unbeachtete Dinge zu hochwertigem Schmuck – und ritzt Texte im Binärcode auf Kupferplatten oder druckt sie auf Karten. Im Großformat ist binary II im Alten Park in den Ästen eines Baums zu bewundern.  

Zum Schluss meiner Kunsttour durch Burgwedel kehre ich noch einmal zu den Anfängen zurück – Sabine Mazur-Lunze und Katja Blume haben wie früher ihre Häuser und Ateliers für Kunstinteressierte geöffnet. Sabine Mazur-Lunze präsentiert Fotokarten und Fotoleinwände mit Naturmotiven im eigenen Wohnzimmer.

Und Katja Blume erlaubte sogar Einblicke in ihr Atelier smune, in dem ihre Zeichnungen, Handletterings, Druckarbeiten und Bücher übers Handlettering und Zeichnen entstehen. Es wäre wirklich schade, wenn Blicke hinter die Kulissen und in die Werkstätten in Burgwedel künftig gar nicht mehr möglich wären.

Immerhin: Ersatzlos gestrichen wird Kunst in Bewegung vielleicht doch nicht. Organisator Karlheinz Schridde plant laut HAZ vom 22. August (Ausgabe Burgwedel/Isernhagen/Burgdorf) für 2024 eine Veranstaltung „Kunst in Begegnung“, bei der es „vor allem um den Austausch von Kunstschaffenden und Publikum gehen“ soll . Ich bin gespannt.