Vor ein paar Jahren ist eine Bekannte von der Mosel hier aufgetaucht, mit der ich nicht gerechnet habe. Denn eigentlich bevorzugen Zaunwinden, an der Mosel Bändchen genannt, lehmige, stickstoffreiche Böden. Doch auch in unserem Garten fühlen sie sich offenbar wohl, obwohl ich die Beete nie dünge.
Weil ich wegen der Fraktur meines Sprunggelenks seit Anfang Mai nur wenig im Garten arbeiten konnte, haben sich die Zaunwinden in diesem Jahr hemmungslos ausgebreitet. Vor einigen Tagen sind sie sogar in unseren Wintergarten eingedrungen – und haben damit eine Grenze überschritten.
Eigentlich habe ich nichts gegen Zaunwinden. Im Gegenteil. Ich finde die trichterförmigen weißen Blüten, die den Glockenblumen ähneln, sehr hübsch. Als Kinder haben wir die Blüten abgepflückt und daraus kleine Glocken gemacht. Dabei musste man sehr vorsichtig sein, sonst riss der Stempel, der Kelch und Blütenstiel verbindet – und die Glocke fiel ab.
Auch weil Zaunwinden (Calystegia sepium) zu den heimischen Pflanzen gehören und ökologisch wertvoll sind, habe ich sie bislang in unserem Garten geduldet. Denn viele Insekten, darunter die Nachtfalter Windenschwärmer und einige Wildbienenarten, ernähren sich laut NDR Ratgeber Garten von Pollen und Nektar der Winden.
Den Pflanzen in ihrer Nachbarschaft bereiten die schnell wachsenden Zaunwinden dagegen oft Probleme. Die Lianen kriechen nämlich meterweit über den Boden, um dann an allem hochzuklettern, was sich ihnen in den Weg stellt: an Blumen ebenso wie an dem stacheligen Feuerdorn, am Kirschbaum oder auch an meiner Hexe. Ihr können sie nichts anhaben, wohl aber den Pflanzen, die sie umschlingen: Mit ihren herzförmigen, dunkelgrünen Blättern und den bis zu zwei Meter tief in die Erde reichenden Wurzeln nehmen sie ihnen Licht, Wasser und Nährstoffe, können sie dadurch in ihrer Entwicklung hemmen oder sogar ersticken.
Und so habe ich den Winden jetzt den Kampf angesagt. In den vergangenen Tagen habe ich unzählige Lianen aus dem Boden gerissen – und dabei so manche Blume mit ausgerissen. Denn nicht immer lassen sich die Zaunwinden von ihren lebenden Rankhilfen lösen.
Um ihre Futterquelle müssen Windenschwärmer und Spiralhornbienen trotzdem nicht bangen. Denn selbst aus kleinen Wurzelresten können wieder neue Pflanzen wachsen. Außerdem werden die Samen durch den Wind verbreitet. Die Chance, dass es mir je gelingt, die Zaunwinden wieder ganz aus unserem Garten zu vertreiben, ist also gering.
Eigentlich wollte ich am Sonntag in die Herrenhäuser Gärten fahren. Doch wenn Hannover 96 – für alle, die sich nicht für Fußball interessieren: eine Mannschaft im Mittelfeld der 2. Bundesliga – ein Heimspiel hat, empfiehlt es sich, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Denn aus Erfahrung weiß ich, wie unangenehm Fahrten in Bussen und Bahnen oft sind, wenn Massen von 96-Fans unterwegs sind. Viele scheinen den bevorstehenden oder gerade gesehenen Gruselkick nur alkoholisiert ertragen zu können.
Beim Derby zwischen Braunschweig und Hannover gilt Alarmstufe Rot: Der Bahnhof wird zur Festung; ob es wie am vergangenen Sonntag durch den Einsatz von PolizistInnen, Hunde, Wasserwerfern und Helikoptern gelingt, Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fangruppen oder auch zwischen Fans und Polizei in der Stadt zu verhindern, weiß frau vorher nie. Lust auf einen Besuch in Hannover macht das nicht.
Also Arbeit im eigenen Garten statt Besuch in den ehemals fürstlichen Gärten. Zu tun gab es ohnehin einiges: Die Vogelschutzhecke hinterm Teich hatte mein Mann schon im Februar geschnitten, jetzt mussten die Äste und Zweige von Weißdorn, Holunder, Felsenbirne und Kornelkirsche kleingeschnitten werden. Außerdem mussten die abgestorbenen Halme und Blätter der Stauden abgeschnitten, gefühlt zentnerweise altes Laub von den Beeten und aus den beiden Teichen entfernt werden.
Beim Keschern im kleinen Teich habe ich ungewollt zwei Froschlurche gefangen. Zuerst dachten wir, sie seien tot, erfroren im nicht allzu tiefen Teich. Doch nachdem sie ihren Schreck überwunden hatten, bewegten sie sich wieder und wir haben sie mithilfe unserer Schnee- und Laubschaufel wieder in den Teich zurückgesetzt.
Kröte oder Frosch?Das www hilft weiterTeich- oder Wasserfrosch
Ob sie dort überwintert haben oder ob sie schon wieder aus ihrem Winterquartier zurück in unseren Teich gekommen sind, um dort zu laichen, wissen wir nicht, ebenso wenig, ob unsere Teichbewohner Kröten oder Frösche sind. Denn mit Amphibien kenne ich mich überhaupt nicht aus. Wegen der Farbe, der Größe und der Warzen auf der Haut habe ich die beiden zunächst für Kröten gehalten. Aber ganz sicher war ich mir nach dem Vergleich der Merkmale nicht. Denn ihr Maul war eher spitz als rund, ob sie Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterbeine haben, konnte ich weder live noch auf den Fotos erkennen. Ich habe also Sommerfotos zu Rate gezogen. Auf ihnen sind die Schwimmhäute deutlich zu sehen. Und von der Farbe abgesehen ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht zu leugnen.
Wahrscheinlich sind es Teich- (Rana lessonae) oder Wasserfrösche (Rana esculenta). Beide Arten ähneln sich sehr und sind nur schwer zu unterscheiden. Das kommt nicht von ungefähr. Teichfrösche sind nämlich laut Nabu Hybride aus Seefrosch und Kleinem Wasserfrosch. Sie sind meist grün, manchmal aber auch bräunlich gefärbt. „Auf dem Rücken befinden sich schwärzliche Flecken, die sich auf den Hinterbeinen zu einer Marmorierung verdichten.“ Das passt.
Die Pflanzen in unserem Garten sind leichter zu identifizieren. Dass Schneeglöckchen, Christrosen, Winterlinge, Krokusse und Kornelkirsche typische Zeigerpflanzen des Vorfrühlings sind, habe ich beim Schreiben meines Blogbeitrags zum Frühlingsanfang gelernt. Im nächsten Jahr kann ich mich vielleicht auch über Märzbecher freuen, die bislang in unserem Garten noch nicht wuchsen. Aber die beste Nachbarin von allen hat mir am Sonntag ein Töpfchen mit Zwiebeln geschenkt, die ich zwischen Anemonen und Tulpen gepflanzt haben.
Frühlingsboten: Blaustern …… Traubenhyazinthen …… und Krokusse
Nach einer Woche mit tagsüber frühlingshaften Temperaturen zeigen sich inzwischen auch die ersten Blausterne – laut Wikipedia typische Zeigerpflanzen des Erstfrühlings, der nächsten phänologischen Jahreszeit. Von den Veilchen ist dagegen noch nichts zu sehen, an den Forsythien zeigen sich immerhin schon gelbe Knospen. Im vergangenen Jahr standen die Sträucher schon Anfang März in voller Blüte. Doch in diesem Jahr sind ihnen die Nächte mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wohl noch zu kalt.
Narzissen …… gefüllte Narzissen … … und Blüten der Kornelkirsche
Die Narzissen schrecken die Temperaturunterschiede offenbar nicht. Selbst die einzige gefüllte Narzisse in unserem Garten, blüht schon. Vor zwei Jahren war es erst Ende März so weit, in manchen Jahren zeigt sie sich gar nicht. Aber das wundert mich nicht wirklich bei einer Pflanze, die ihren Namen einem berühmten Herumtreiber verdankt: Rip van Winkle, den Washington Irving und Max Frisch in einer Kurzgeschichte, einem Hörspiel und einem Roman verewigten und dessen Geschichte von vielen anderen Schriftstellern erzählt wird. Doch zum Glück gibt es ja andere Pflanzen in unserem Garten, die verlässlicher zeigen, dass der Erstfrühling gekommen und es bald an der Zeit ist, mit der Aussaat von Salat, Spinat, Erbsen, Radieschen oder auch von Sommerblühern zu beginnen.
Endlich Frühling. Seit vorgestern zumindest meteorologisch. Astronomisch oder kalendarisch beginnt der Frühling erst mit der ersten Tag-und-Nacht-Gleiche des Jahres (Primär-Äquinoktium). Die fällt auf der Nordhalbkugel meist auf den 20. März, gelegentlich aber auch auf den 19. oder 21. März – ein Alptraum für Statistiker und Wissenschaftlerinnen.
Weil sich Klimadaten besser vergleichen und einfacher auswerten lassen, wenn die Jahreszeiten am gleichen Tag beginnen und gleich lang sind, hat die Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organization, WMO) die meteorologischen Jahreszeiten eingeführt. Für die MeteorologInnen beginnt der Frühling also am 1. März, der Sommer am 1. Juni, der Herbst am 1. September und der Winter am 1. Dezember (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/3/1.html).
Der Natur sind Daten und Uhrzeiten egal. Die „phänologischen Jahreszeiten“ richten sich nach bestimmten Erscheinungen in der Pflanzen- und auch in der Tierwelt. Und es gibt nicht nur vier, sondern zehn biologisch begründete Jahreszeiten. Frühling, Sommer und Herbst werden in drei Jahreszeiten unterteilt, nur der Winter bleibt unzerteilt, weil die Vegetation zumindest oberirdisch in dieser Zeit weitgehend ruht.
Ausgewählte Pflanzen zeigen Beginn und Ende der jeweiligen Jahreszeiten. Beobachtet und erfasst werden laut Wikipedia unter anderem Blüte, Blattaustrieb, Fruchtreife und Laubfall. So beginnt der Vorfrühling mit der Blüte von Hasel, Schneeglöckchen und Märzbecher und endet mit der Blüte der Salweide. Auch Winterlinge, Krokusse, Huflattich, Schlüsselblumen, Kornelkirsche und Seidelbast sind „Zeigerpflanzen“ des Vorfrühlings.
Frühlingsboten: Schneeglöckchen …… Blaukissen …… und Krokusse
Die ersten Schneeglöckchen habe ich in unserem Garten schon Ende Januar beobachtet, ebenso die ersten Blüten des Blaukissens. Sie haben selbst die Schneetage in der zweiten Februarwoche heil überstanden. Inzwischen haben sich auch Krokusse, Winterlinge und Primeln hervorgewagt. Märzbecher und Schlüsselblumen lassen dagegen zumindest in unserem Garten noch auf sich warten.
Schneeglöckchen und Winterlinge, leider nicht in unserem Garten
Wenn Forsythien, Veilchen, Buschwindröschen und Blausterne blühen, beginnt der Erstfrühling; später kommen dann die Blüten von Kirsch-, Pflaumen-, Birnbäume und Schlehdorn hinzu. Ich freue mich besonders darauf, dass Bäume und Sträucher wieder grün werden: Zuerst bekommen Rosskastanien und Birken neue Blätter, später dann auch Rotbuche, Linde und Ahorn.
Im Vollfrühling sind dann auch Eichen und Hainbuchen an der Reihe; außerdem blühen Apfelbäume, Rosskastanien, Eberesche, Flieder, Maiglöckchen, Bärlauch und Waldmeister. Mit der Himbeerblüte endet der Frühling, der Frühsommer beginnt.
Woran man den Frühling erkennt, fragt übrigens auch Georg Britting in einem meiner Lieblingsfrühlingsgedichte. Seit ich „Früh im Jahr“ vor mehr als einem halben Jahrhundert in der Schule gelernt habe (danke, Herr Erschens), spukt zu Beginn des Frühlings das Bild von der alten Frau in meinem Kopf,
der „in der Küche, Im felsigen Tief, (…) Ein Topf überlief, Mit Sud vom Gewürzten?“
Wer mehr Frühlingsgedichte lesen möchte, wird auf Christianes Blog „Irgendwas ist immer“ fündig.
Die erste Wanderung im neuen Jahr. Am Freitag hatte es auch am Harzrand zu schneien begonnen, und so mussten wir, anders als geplant, am Samstagmorgen nicht in den Oberharz fahren, um im Schnee zu wandern. Wenn Schnee liegt, herrscht an Wochenenden dort oft Hochbetrieb; auf der Spur der Steine wanderten wir – meine Kollegin Foe und ich – fast allein.
Im Wald bei Wolfshagen wurde bis 1986 Diabasgestein abgebaut. Heute ist der ehemalige Steinbruch ein Biotop, in dem die ehrenamtlichen Mitglieder des Naturwissenschaftlichen Vereins Goslar seit 1992 225 Tier- und 364 Pflanzenarten dokumentiert und beobachtet haben – darunter seltene und geschützte Arten wie Uhu, Geburtshelferkröte, Tausendgüldenkraut und Kreuzblümchen. Der Wald rund um den Steinbruch wird allmählich wieder zum Mischwald. Und ganz in der Nähe, auf dem Weg zur Granetalsperre, entsteht eine Streuobstwiese, die als Offenlandbiotop vielen heimischen Tierarten einen Lebensraum bietet. Mehr als 50 alte Apfel-, Birnen-, Kirschen- und Pflaumensorten, die mit Boden und Klima gut zurechtkommen, haben die Wolfshäger Vereine hier gepflanzt. (https://www.spur-der-steine.info/die-streuobstwiese.html).
Blick aufs Biotop im früheren Steinbruch …… und auf die Granetalsperre (Fotos Foe Rodens)
Die Granetalsperre haben wir dann meist nur aus der Ferne gesehen. Der Rundwanderweg hält zumindest in dem Bereich, in dem wir gewandert sind, gebührenden Abstand vom Stausee. Zwar führen einige Fußwege direkt ans Wasser, doch Schilder fordern dazu auf, nicht weiterzugehen, weil nicht nur der See, sondern auch der Uferbereich Wasserschutzgebiet ist.
Seltene Arten: die hölzernen Rehe … … und der blinde Schneemann
Mit der ersten Wanderung des Jahres habe ich auch das Wandertagebuch* eingeweiht, das meine Kollegin Foe mir geschenkt hat: Im neuen Jahr möchte ich mir jede Woche Zeit für eine Wanderung, einen längeren Spaziergang oder einen Ausflug nehmen. Dazu inspiriert hat mich neben dem Wandertagebuch der Schweizer Autor Franz Hohler: Als er 60 Jahre alt wurde beschloss er, jede Woche eine Wanderung zu unternehmen – quasi als Übungsplan fürs Alter. Sieben Jahre später entdeckte er ein Jahr lang seine Umgebung bei Spaziergängen. Was er auf seinen Spaziergängen und Wanderungen erlebte und was ihm dabei auffiel, veröffentlichte er in zwei Büchern.
Ein Buch werde ich über meine Wanderungen und Ausflüge sicher nicht schreiben, aber wohl so manchen Blogbeitrag.
*Artikel enthält unbezahlte Werbung
Manuel Andrack präsentiert: Dein Wandertagebuch. Kampenwandverlag 2021, 14,85 Euro
Franz Hohler: 52 Wanderungen. btb-Verlag 2027, 8,99 Euro
Nach mehr als zwei Monaten bin ich wieder einmal im Harz gewandert. Meine Kollegin Foe hatte die Route ausgesucht: Start- und Zielpunkt war Ilfeld am südlichen Harzrand. Im Südharz bin ich noch nie gewandert; dass ich schon einmal in der Gegend war, wurde mir erst beim Schreiben dieses Blogbeitrags bewusst. Im Frühjahr 2007 hatte ich an der Harzquerung teilgenommen – das ist ein schon zu DDR-Zeiten beliebter Lauf von Wernigerode nach Nordhausen, der die Wende zum Glück überlebt hat und im kommenden April zum 44. Mal stattfindet.
Damals brauchte ich laut Ergebnisliste 5 Stunden und 23einhalb Minuten für die etwa 51 Kilometer lange Strecke, auf der „nebenbei“ noch 1.200 Höhenmeter bewältigt werden mussten. Bei unserer Wanderung am vergangenen Wochenende waren es „nur“ 420 Höhenmeter auf elf Kilometer. Zwei markante Punkte, an denen ich bei der Harzquerung vorbeigelaufen bin, lagen auch diesmal auf unserem Weg: Am Ilfelder Ortsteil Netzkater sind wir auf dem Hin- und Rückweg vorbeigefahren, den Poppenberg haben wir erwandert. Wiedererkannt habe ich beide Punkte nicht, ich habe mich nicht einmal mehr an die Namen erinnert. Aber die Harzquerung ist mir als der landschaftlich schönste Lauf in meinem Läuferinnenleben im Gedächtnis geblieben.
Waldwege, wie ich sie mag;schmal und naturnah (Foto Foe Rodens)
Fast 20 Jahre später hat mir unsere Wanderung rund um Ilfeld ebenfalls sehr gut gefallen. Die Wege sind so, wie ich mir Wanderwege wünsche – überwiegend schmal und naturbelassen. Meist gingen wir durch lichte Laubwälder mit hohen Buchen und Eichen. Vom Borkenkäfer und Klimawandel zerstörte Baumgerippe haben wir auf der Tour, anders als auf der An- und Abreise über Braunlage und Torfhaus, kaum gesehen.
Starker Kontrast: Laubwald bei Ilfeld …… und abgestorbene Fichten im Westen des Harzes (Foto Foe Rodens)
Zwischendurch gab’s immer wieder wunderschöne Ausblicke, zum Beispiel von den Falkensteinklippen über das südliche Harzvorland. In einigen Tälern lag der Nebel wie eine dicke Watteschicht, doch wir waren hoch genug, saßen auf dem Fels in der Sonne und schauten in die Weite.
Rast mit Aussicht …… direkt an den Falkensteinklippen …… und ein idealer Schreiblatz direkt daneben (Foto Foe Rodens)
Auf dem Poppenberg, mit 600 Metern ohnehin der höchste Punkt unserer Wanderung, ging es noch höher hinaus. Auf dem Gipfel hat laut Wikipedia der Zweigverein Nordhausen des Harzklubs im Jahr 1894 einen 33,5 m hohen Turm in Stahlfachwerkbauweise errichtet. Er wurde zu Ehren des Waldbesitzers Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode „Fürst-Otto-Höhe“ getauft und erinnert ein bisschen an den Eiffelturm in Paris. 177 Stufen führen auf die Aussichtplattform über den Baumwipfeln, von der ich über den Südharz bis zum Kyffhäuser und Richtung Norden bis zum Brocken und zum Wurmberg schauen konnte (https://de.wikipedia.org/wiki/Poppenberg_(Harz)).
Blick von der Aussichtspalttform über den Harz …… und auf die Turmspitze
Noch älter als der Aussichtsturm ist die Wetterfahne: Das Ilfelder Wahrzeichen wurde erstmals 1872 nach dem Deutsch-Französischen Krieg aufgestellt und seither mehrmals erneuert. Ins Gipfelbuch haben wir uns nicht eingetragen, wohl aber einen weiteren Stempel in unserem Wanderpass gesammelt.
Blick von der Wetterfahne auf Ilfeld
Danach ging es ziemlich steil bergab nach Ilfeld, vorbei am Gänseschnabel, einem markanten Felsen aus Porphyrit. Die dazu gehörige Sage kann man sich dank eines QR-Codes direkt vor Ort anhören: Sie handelt von einem Mädchen, das vor langer, langer Zeit hier die Gänse hütete, und von einem Mönch. Die beiden verliebten sich ineinander und wurden von einer bösen Hexe in zwei Felsen verwandelt. Seitdem stehen sie sich versteinert auf verschiedenen Seiten des Flüsschens Bere gegenüber und finden wie die zwei Königskinder in der Ballade nie zueinander (https://www.harzlife.de/sagen/gaenseschnabel-moench.html).
Der Gänseschnabel
Diese Wanderung, das habe ich mir fest vorgenommen, soll nicht die letzte im Südharz gewesen sein. Der Drei-Täler-Blick lockt mich ebenso wie der Ahornpark in Ilfeld mit fast 270 zum Teil alten Ahornbäumen, die jetzt im Herbst einen Hauch Indian Summer in den Harz bringen. Und auch bis zum Naturschutzgebiet zwischen Netzkater und Sophienhof ist es nicht weit: Im Brandesbachtal sollen unter anderem Schwarzstorch, Rauhfußkauz, Wanderfalke, Grau- und Schwarzspecht zu Hause sein.
Irgendwie ist es verhext mit dem Hexenstieg. Die rund 100 Kilometer lange Wanderung durch den Harz von Osterode bis nach Thale – oder umgekehrt – steht schon lange auf meiner To-walk-Liste. Zum einen natürlich wegen des Namens, zum anderen ist der Hexenstieg laut Harzinfo ein „ausgezeichneter Qualitätsweg Wanderbares Deutschland und gehört zu den Top Trails of Germany“ also zu den besten Wanderwegen Deutschlands. (https://www.harzinfo.de/erlebnisse/wandern/harzer-hexen-stieg). „Auf dem Harzer-Hexen-Stieg präsentiert sich der Harz seinen Gästen von einer ganz besonderen märchenhaften und mystischen Seite. Hier werden Wanderungen zu einem echten Erlebnis“, heißt es auf der Website. Ich war also gespannt.
Verschiedene Teilstrecken des Hexenstiegs bin ich schon gewandert: von Altenau nach Torfhaus beispielsweise, die Brockenumgehung nach Sankt Andreasberg, auf dem Goetheweg auf den Brocken und hinunter nach Schierke oder durchs Bodetal. Doch in diesem Jahr möchte ich den Harz einmal von West nach Ost durchqueren. Weil der Fernwanderweg ja quasi vor der Haustür liegt, buche ich keine Übernachtungen, sondern fahre morgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Start der jeweiligen Etappe und abends vom Endpunkt wieder nach Hause – oder zu meiner Tochter nach Bad Harzburg. So bin ich flexibler und kann je nach Tagesform und Wetter entscheiden, wie weit ich wann wandere.
Eigentlich sollte es schon im März losgehen. Doch dann wurde ich krank, an wandern war wochenlang nicht zu denken. Beim zweiten Versuch im Mai verhinderten zwei ungeplante Veranstaltungen meinen Einstieg in den Hexenstieg.
Am ersten Freitag im Juli war es dann endlich so weit: Ich startete früh morgens in Burgwedel und kam pünktlich zweieinhalb Stunden später in Osterode am Harz an. Eine Karte hatte ich nicht dabei, die lag – ebenso wie meine hohen Wanderschuhe – in der Wohnung meiner Tochter, weil wir meist dort gemeinsam loswandern. Aber zum Glück ist der Weg vom Bahnhof in Osterode bis zum Campingplatz Prahljust in Clausthal Zellerfeld ist nicht sonderlich anspruchsvoll und gut ausgeschildert. Neben Wegweisern weisen überall Markierungen mit der kleinen Hexe den rechten Weg. Und so verlief ich mich auch ohne Karte auf der ersten Etappe kein einziges Mal.
Die Wanderung beginnt in Osterode
Nein, an der Auszeichnung der Strecke ist nichts auszusetzen. Weniger gut gefiel mir der Weg selbst. Hexen sind – oder waren – meist naturverbundene Wesen. Und so habe ich auf dem Hexenstieg zumindest teilweise naturbelassene, schmale Pfade erwartet oder zumindest erhofft. Doch auf der ersten Etappe bis nach Clausthal-Zellerfeld überwiegen Wirtschaftswege – breite, meist geschotterte Wege, eher gemacht und gedacht für Traktoren und andere (Forst)Fahrzeuge als für WandererInnnen.
Blick auf Osterode …… und auf den Wanderweg …… hier zwischen dem Bärenbrucher und dem Ziegenberger Teich
Das liegt möglicherweise auch daran, dass manche Wege wegen umgestürzter Bäume gesperrt sind. Der Borkenkäfer und der Klimawandel leisten im Harz derzeit ganze Arbeit. Wo früher dichter Wald war, stehen heute oft nur noch einzelne Baumgerippe. Aber irgendwann in hoffentlich nicht allzuferner Zukunft werden wir, da bin ich sicher, dem Borkenkäfer dankbar sein. Denn dort, wo vor ein paar Jahren noch Fichtenmonokulturen standen, wächst jetzt ein Mischwald heran, der hoffentlich resistenter gegen Käfer, Wind, Wetter und Klimawandel ist.
Besonders begeistert hat mich die erste Etappe des Hexenstiegs ehrlich gesagt nicht. „Teuflisch schön und höllisch spannend“, wie aufHarzinfo angepriesen, war sie gewiss nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich weiß, dass es im und am Harz viele schöne Wege gibt. Den Rundwanderweg Spur der Steine bei Wolfshagen beispielsweise. Er ist nur ein paar Kilometer lang und führt, meist auf schmalen, verschlungenen Pfaden, um einen inzwischen renaturierten ehemaligen Diabas-Steinbruch herum. Dort wurden zwischen 1885 bis 1986 rund 25 Millionen Tonnen Gestein abgebaut (https://www.harzlife.de/tip/steinbruch-wolfshagen.html). Das Innere des Geländes mit einem markanten, fast 50 Meter hohen Felsen darf nicht betreten werden. Weil sein Gestein des Felsens als nicht abbauwürdig galt, blieb der Brutfelsen von den Abraumbaggern verschont. Heute nisten in den Höhlen viele Vögel. Und auch das Gelände um ihn herum mit flachen Teichen, künstlichen Inseln und Böschungen ist inzwischen ein Refugium für einheimische Tiere und Pflanzen. Allein wegen der beiden Ausblicke auf das Biotop hat sich die Wanderung gelohnt.
Der Brutfelsen im BiotopDiabas – unbearbeitet und bearbeitetSchautafeln am Wegesrand informieren über Vergangenheit und Gegenwart des Steinbruchs.
Die zweite Etappe des Hexenstiegs von Clausthal-Zellerfeld nach Altenau wollte ich übrigens am vergangenen Donnerstag wandern. Doch dann streikte mein ohnehin lädiertes Knie. Es schmerzte bei jedem Schritt und eine eiförmige Verdickung in der Kniekehle, laut Dr. Google eine sogenannte Bakerzyste, signalisierte mir, dass es besser wäre, das Knie ein bisschen zu schonen. Es ist offenbar wirklich verhext mit dem Hexenstieg. Aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben.
Mehr Fotos und Infos über den verlassenen Steinbruch bei Wolfshagen unter
Ich mag schöne Gärten, und so naturbelassene wie den Garten des Nordkollegs in Rendsburg allemal. Knapp ein Hektar ist der zwischen den Seminar- und Gästehäusern der Akademie für kulturelle Bildung gelegene Garten groß – und allein schon seinetwegen lohnt sich ein Aufenthalt in der Bildungsstätte.
Schon bei meinem ersten Seminar im Januar vergangenen Jahres machte mich der Garten neugierig – aber Winter ist für einen Gartenbesuch eben nicht die beste Zeit. Da ist der April allemal besser, vor allem wenn die Temperaturen in der ersten Aprilhälfte eher einem vorgezogenen Mai ähnelten. An diesem Wochenende spielten die Temperaturen leider nicht ganz mit – der April macht ja bekanntlich, was er will. Und so konnte ich, anerkannte Frostbeule, immer nur kurz in der Sonne sitzen. Aber wenn ich vor, nach und zwischen den einzelnen Sitzungen und Schreibsessions auf verschlungenen Pfaden spazierte, habe ich mich ein bisschen wie Dornröschen im verzauberten Garten gefühlt.
Nicht ohne Grund: Über 200 Rosenarten soll es laut Website im Garten geben (https://www.nordkolleg.de/nordkolleg/der-garten/). Bis sie blühen, dauert es noch eine ganze Weile; und auch Wildblumenwiese, Trompeten- oder der Tulpenbaum lassen noch auf sich warten. Die Apfelbäume stehen dagegen derzeit in voller Blüte. Mehr als 120 Mutterpflanzen alter Obstsorten – 120 an der Zahl, kein Spalierobst – werden im Garten des Nordkollegs erhalten. Die alten Sorten sind nicht nur schmackhafter als viele neue Züchtungen; sie liefern vor allem die Edelreiser, die man zum Veredeln oder zur Nachzucht von Apfelbäumen braucht.
Eine Besonderheit, und zumindest einzigartig in Deutschland, ist der 100-Sorten-Apfelbaum – ein Baum, an dem tatsächlich mehr als hundert verschiedene Apfelsorten wachsen. Seit Jahren werden auf einen Boskoop-Apfelbaum Triebe anderer Sorte gepfropft. Wachsen sie am angeschnittenen Ast an, trägt der alte Baum im nächsten Jahr (auch) Äpfel der aufgepfropften Sorte. Wegen der Sortenvielfalt trägt der Baum übrigens sehr lange – vom Sommer bis in den Herbst hinein – Früchte. Ihren Teil tragen dazu auch die im Nordkolleg-Garten lebenden Bienenvölker bei, die die Blüten – nicht nur der Apfelbäume – bestäuben.
Auch die begehbare Kräuterspirale, auf der zurzeit vor allem der Waldmeister blüht, hat mir gut gefallen. Und im Natur-Klang-Garten kann man hören, wie Wasser springt, Steine rauschen oder wie ein Hörrohr die „Musik der Natur“ verstärkt.
BienenstockKräuterspirale Naturpavillon
Apropos Musik: Die spielt im Programm des Nordkollegs neben Literatur & Medien, Sprachen & Kommunikation sowie Kultur eine besondere Rolle: Hier proben Chöre und Orchester, finden unter anderem Jazz-, Musical- oder Songwriter-Workshops statt. Mich hat diesmal ein Essayworkshop mit Brigitte Helbling nach Rendsburg geführt. Die literarische Form fasziniert mich schon lange – und ich konnte mich ihr in dem viertägigen Workshop wieder ein Stück mehr annähern.
Mein zweiter Besuch im Nordkolleg war bestimmt nicht mein letzter. Ich komme gewiss wieder – vielleicht zu einem Konzert, zum Apfelblütefest im Mai oder zum Apfelerntefest im Herbst, bei dem Äpfel verschiedener Sorten probiert werden können. Oder im Sommer, wenn die im Garten des Nordkollegs viele verschiedene Rosensorten blühen.
Pünktlich zum Beginn des meteorologischen Frühlings zeigt sich das Wetter nach gefühlt drei Monaten Dauerregen von seiner freundlichen, wirklich frühlingshaften Seite. Die Sonne scheint und mittags ist es sogar manchmal so warm, dass ich ohne Jacke im Garten arbeiten kann.
Nach ein paar Arbeitseinsätzen sieht unser Garten wieder einigermaßen aufgeräumt aus. Mein Mann hat die Bäume geschnitten, ich habe die vertrockneten Stengel und das Laub vom letzten Jahr aus den Beeten entfernt, ebenso die Efeuranken, die sich partout nicht an unsere Absprache halten: An den Zäunen dürfen sie sich nach Herzenslust ausbreiten, die Beete sind efeufreie Zone.
Auch die Heckenrose neben dem Teich musste weichen: Wir haben sie abgeschnitten und die Wurzeln ausgegraben. Denn sie ist uns in den vergangenen Jahren nicht nur über den Kopf, sondern auch immer wieder über den Zaun gewachsen. Wir haben die Triebe zwar regelmäßig gestutzt haben, trotzdem ragten sie mit ihren spitzen Dornen über den Teich und – noch schlimmer – über den Rad-/Fußweg, der an unserem Grundstück vorbeiführt. Geblüht hat die Pflanze nur wenig – und die wenigen Blüten dufteten leider überhaupt nicht.
Im Moment wirkt der Platz neben dem Leuchtturm noch etwas kahl, aber die Stellenbeschreibung für Nachfolgerin am Teichrand ist schon fertig: Sie soll üppig blühen, duften, vogel- und bienenfreundlich sein und möglichst nicht höher als zwei Meter werden. Die Farbe ist nicht soooo wichtig, allerdings werden bei gleicher Qualifikation pink bis lila blühende Pflanzen bevorzugt.
Derzeit dominieren in unserem Garten lila Blüten: Krokusse, Scilla und Hyazinthen fühlen sich in unserem Garten wohl und vermehren sich selbst. Auch die Primel am Teich hat den Winter gut überstanden, nur die Veilchen zieren sich noch, aber sie wollen, um mit Eduard Mörike zu sprechen, wohl „balde kommen“. Für gelbe Farbtupfer sorgen Winterlinge, Krokusse, Narzissen und natürlich die Forsythien.
Wie ein blaues Band liegt das Blaukissen vor unserem Wintergarten. Wenn die ersten Blüten im Februar aufblühen, weiß ich, dass es Frühling wird. Im letzten Jahr hat Fine, die Katze unserer Nachbarn, gerne auf den blauen Blüten gelegen und sich gesonnt. Im Herbst ist Fine gestorben. Ich werde sie vermissen, auch wenn sie mich manchmal erschreckt hat, wenn sie plötzlich neben mir auftauchte.
Der Lesezwerg sitzt dagegen seit Jahren an der gleichen Stelle – im Sommer wie im Winter, immer in das gleiche Buch vertieft. Er zeigt seine Gefühle nicht, aber ich bin sicher, dass auch er sich auf den Frühling freut und die ersten Sonnenstrahlen auf seinem inzwischen fast nackten Körper genießt.
Glaubt ihr an Feng Shui? Diese aus China stammende daoistische Harmonielehre, die durch die Gestaltung der Wohn und Lebensräume eine Harmonie zwischen Menschen und ihrer Umgebung erreichen will (https://de.wikipedia.org/wiki/Feng_Shui)? Ich bin zwar für fernöstliches Gedankengut durchaus empfänglich: Ich mache täglich Yoga, und es bekommt mir gut. Und Akupunktur wirkt bei mir Wunder, wenn ich Rückenschmerzen habe. Aber von Feng Shui habe ich üerhaupt keine Ahnung. Vor ein paar Tagen bin ich eher zufällig auf einige Ratschläge gestoßen, wie man sein Arbeitszimmer einrichten soll, damit das Chi, die kreative Energie, frei fließen kann – oder was man besser vermeiden sollte.
So sollte man auf keinen Fall mit dem Rücken zur Tür sitzen. Weil man dann nie weiß, wer sich nähert oder hereinkommt, stört diese Position angeblich die Konzentration und macht unruhig. Außerdem ist es nach Feng Shui nicht ratsam, den Tisch genau vor dem Fenster zu positionieren. Der Blick nach draußen lenkt nämlich unnötig von der Arbeit ab. Ich habe also bei der Einrichtung meines Schreib-/Arbeitszimmers eigentlich alles falsch gemacht.
Nun ist die Gefahr, dass irgendjemand plötzlich in Zimmer kommt, nicht besonders groß. Denn erstens wohnen mein Mann und ich ja alleine im Haus, und zweitens verraten die knarrenden Treppenstufen zuverlässig, wenn jemand sich nähert. Und auch die Ablenkung durch den Blick durchs Fenster hält sich in Grenzen: Durch das Fenster auf der Giebelseite sehe ich nur die Krone des Kirschbaums in unserem Garten und die obere Etage der Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo sich zumindest tagsüber, wenn ich am Schreibtisch sitze, nie etwas tut. Und das schräge Dachfenster über dem Zeichentisch gibt nur den Blick auf den derzeit meist grauen Himmel frei. Aber tatsächliche Verhältnisse und uralte Instinkte sind eben zwei völlig verschiedene Dinge.
Nun sind die Gestaltungsmöglichkeiten in meinem Zimmer begrenzt. Die hohen Bücherregale haben eben nur an den geraden Wänden Platz. Am Grundriss und and der Position von Fenstern und Tür läßt sich nichts ändern. Und ich möchte auf keinen der beiden Arbeitstische verzichten. Sie haben zwar weder abgerundete Ecken noch eine geschwungene Form, was für Menschen, die kreativ arbeiten, am günstigsten sein soll. Aber sie sind groß und aus hellem Holz – und sie gefallen mir immer noch ausfesprochen gut. Und so habe ich die Tische nur anders platziert: Sie stehen jetzt jeweils im 90-Grad-Winkel zum Fenster, angeblich die optimale Position. Wenn ich an ihnen sitze, habe ich jetzt die Tür im Blick. Den schwarzen Monitor, den ich eigentlich nur für meine Korrekturaufträge benötige, habe ich bei der Umräumaktion auf einen Extratisch verbannt, an dem ich künftig korrigieren werde. Dort stört er optisch weniger – und ich muss ihn nicht jedes Mal von einem Tisch auf den anderen und wieder zurückhieven.
Die Schreibtische stehen jetzt im 90-Grad-Winkel vor den Fenstern …… und die Tür habe ich beim Schreiben und Malen immer im Blick.
Außerdem habe ich meinen Schreib- und Maltisch getauscht. So habe ich jetzt beim Schreiben und Recherchieren den Raum und die Tür im Blick, beim Zeichnen schaue ich allerdings auf eine Wand. Das sprichwörtliche „Brett vorm Kopf“ ist zwar laut Feng Shui für die Kreativität nicht sonderlich günstig. Aber immerhin verschwindet die Wand teilweise hinter dem Bücherregal – und Bücher machen mich ja bekanntlich glücklich. Und die Bilder von Paula Modersohn, Annette Walz, Edvard Munch und Jack Davis dazwischen inspirieren mich hoffentlich, mehr zu zeichnen.
Ob die Umräumaktion was nützt, wird sich zeigen, aber schaden tut’s gewiss auch nicht, alte bewährte Regeln und Hinweise zu befolgen. Und mir gefällt das Zimmer, wie es jetzt ist. Und das ist eigentlich die Hauptsache.
Von Edvard Munch kannte ich eigentlich nur sein berühmtes Bild „Der Schrei“. Bis ich im Internet auf die Ausstellungen gestoßen bin, die im Museum Barberini in Potsdam und in der Berliner Galerie zu sehen sind bzw. waren. Denn die Ausstellung „Zauber des Nordens“ in Berlin schloss am 22. Januar ihre Tore; die „Lebenslandschaften“ in Potsdam sind noch bis zum 1. April zu sehen. Dann wandert die Ausstellung weiter, ins MUNCH nach Oslo, aus dem einige der gezeigten Bilder ausgeliehen wurden.
Im Museum Barberini werden insgesamt 116 Gemälde, Holzschnitte, Lithographien und Zeichnungen des norwegischen Künstlers gezeigt, berühmte ebenso wie weitgehend unbekannte. Es ist laut Museum die erste Ausstellung zu Edvard Munchs Landschaftsdarstellungen. Denn „obwohl Edvard Munch fast die Hälfte seiner Arbeiten Naturmotiven widmete, wird er bislang nicht als Landschaftsmaler wahrgenommen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Ausstellung will die Bedeutung seiner Naturdarstellungen erforschen, gängige Vorstellungen hinterfragen und neue Sichtweisen auf sein Werk anstoßen.
Der gelbe BaumstammDer dunkle WaldFrühlingspflügen
Meine Reise nach Potsdam hat sich gelohnt. Viele der ausgestellten Bilder haben mir gefallen der gelbe Baumstamm beispielsweise, der Dunkle Tannenwald oder das Frühlingspflügen. Und auch die Mädchen auf der Brücke und die Munchs Bilder von den Sommernächten am Strand haben mich fasziniert.
Mädchen auf der BrückeSommernacht am Strand, 1902/03 Öl auf Leinwand, 103 × 120 cm Privatsammlung, im Museum Barberini
Andere, zum Beispiel „Stoffwechsel – Leben und Tod,“ haben sich mir erst auf den zweiten Blick und dank des Audioguides erschlossen, der mich durch die Ausstellung begleitete. Und manchen Gemälden wie den Badenden kann ich gar nichts abgewinnen. Kaum zu glauben, dass die kraftstrotzenden Männer vom gleichen Künstler gemalt wurden wie der Schrei.
Ausstellungsansicht Museum Barberini, Foto: David von Becker
Der Schrei ist und bleibt mein Lieblingsbild. Wie es entstanden ist, beschreibt Edvard Munch selbst in seinem Violetten Tagebuch unter dem Datum 22.1.1892 (zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schrei):
„Ich ging den Weg entlang mit zwei Freunden – die Sonne ging unter – der Himmel wurde plötzlich blutig rot – Ich fühlte einen Hauch von Wehmut – Ich stand, lehnte mich an den Zaun Todmüde – Ich sah hinüber […] die flammenden Wolken wie Blut und Schwert – den blauschwarzen Fjord und die Stadt – Meine Freunde gingen weiter – ich stand da zitternd vor Angst – und ich fühlte etwas wie einen großen, unendlichen Schrei durch die Natur.“
Das Bild gibt es in verschiedenen Versionen, eine erste Skizze des Motivs findet sich laut Wikipedia bereits 1889/90 in einem Skizzenbuch, die Version mit Öl, Tempera und Pastell beendete Munch Ende 1893. In der Ausstellung ist eine Lithografie aus dem Jahr 1895 zu sehen.
Der Schrei
Mit dem Schrei wurde laut Oskar Kokoschka der Expressionismus geboren, ich sehe mir nach der Munch-Ausstellung noch die Sammlung Hasso Plattner an: Über 100 impressionistische und postimpressionistische Gemälde sind in der Dauerausstellung zu sehen, unter anderem von Claude Monet, Auguste Renoir, Alfred Sisley, Paul Signac und Gustave Caibotte. Nirgendwo außerhalb von Paris werden nach Angaben des Museums mehr Gemälde von Claude Monet an einem Ort gezeigt als in Potsdam. Eines meiner Lieblingsbilder von Monet, der Seerosenteich, ist derzeit leider verliehen, und ich musste mit einem anderen Seerosenbild des malers vorlieb nehmen. Doch so habe ich einen guten Grund, wieder nach Potsdam zu fahren, wenn das Gemälde wieder zurück im Museum Barberini ist.
Das Museum Barberini und die beiden Ausstellungen sind eine Reise wert. Wer will, kann auf der Website des Museums online durch die Ausstellungen wandern und per Audioguide Informationen über verschiedene Gemälde abrufen.