Frühjahrsputz im Garten

In der Woche vor dem meteorologischen Frühlingsanfang zeigte sich das Wetter endlich frühlingshaft. Höchste Zeit, die Gartensaison zu eröffnen. Denn zum Schutz der Vögel dürfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz Bäume, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze ab 1. März nicht mehr (radikal) geschnitten oder gar beseitigt werden. Und unsere Beete mussten dringend von den vom wochenlangen Regen zermatschten Blättern des letzten Jahres befreit werden.

Unter dicken Laubschichten haben wir ein paar Winterlinge freigelegt. Es sind zwar nur wenige, trotzdem war ich glücklich, sie zu sehen. Denn sie erinnern mich an zwei Freundinnen und eine gute Bekannte, die in den letzten Jahren gestorben sind. Eine hat mir kurz vor ihrem Tod ein paar Winterlinge geschenkt. Bis sie einen gelben Teppich bilden wie in ihrem Garten, werden wohl noch Jahre vergehen. Aber ich hoffe, dass sie sich irgendwann genauso ausbreiten wie die Scillas.

Auch die Blausternchen haben meine Geduld auf eine lange Probe gestellt. Auf unserem Nachbargrundstück blühten nämlich jedes Jahr hunderte, auf unserem kein einziges. Es war, als gäbe es eine unsichtbare Grenze. Als das Haus abgerissen wurde, habe ich einige Zwiebeln ausgegraben. Aber erst nach zwei oder drei Jahren breiteten sie sich in unserem Garten aus. Und auch in diesem Jahr lassen die Blüten noch auf sich warten, ebenso wie Hyazinthen und Traubenhyazinthen.

Die Krokusse blühen schon. Bei uns im Garten fühlen sich vor allem die Elfenkrokusse mit ihren zartlila Blättern. Sie vermehren sich von selbst und sprießen überall  – auf den Beeten und auf dem Rasen, wo sie nach Meinung meines Mannes eigentlich nichts zu suchen haben. Auch immer mehr Blaukissen-Blüten wagen sich hervor. Bis sie aber ein lila Kissen bilden, werden wohl noch einige Tage vergehen. Den Lesezwerg stört’s nicht; er ist so in sein Buch vertieft.

Das Hochbeet meines Mannes hat den Winter nicht überlebt. Es ist auseinandergebrochen und nicht mehr zu reparieren. Denn obwohl das Holzgestell mit Folie bzw. Vlies ausgekleidet war, waren die Bretter total morsch. Wenn wir sie nächste Woche in den Nachbarort zum Sperrmüll bringen, kaufen wir im Baumarkt ein neues Hochbeet. Beim Befüllen kommen dann die abgeschnittenen Zweige und ein Teil des Laubs zum Einsatz, die beim Frühjahrsputz angefallen sind. So schließt sich der Kreis

Der Berggarten im Februar

Nicht im Januar, sondern erst im Februar, also einen Monat später als geplant, beginnt mein Projekt Herrenhäuser Gärten. Ich habe mir Anfang des Jahres vorgenommen, einmal im Monat einen Blogbeitrag mit Fotos aus den Herrenhäuser Gärten zu posten. Nicht immer, aber öfter von den gleichen Stellen, damit deutlich wird, wie sich der Garten im Lauf des Jahres verändert. Meist werde ich über den Berggarten schreiben. Denn der ist für mich mit mehr als 12.000 Pflanzenarten der vielfältigere, interessantere und schönere Teil der Herrenhäuser Gärten.

Noch liegt der Berggarten im Winterschlaf. Der ganze Berggarten? Nein. Auch im Winter können im Orchideenhaus 500 bis 800 blühenden Orchideen aus einer der größten Orchideensammlungen der Welt bewundert werden.

Außerdem wachsen dort Baum- und andere Farne, Kaffee- und viele andere Pflanzen, die auf anderen Kontinenten zu Hause sind. Gleich nebenan im Tropenschauhaus fühlt frau sich sich zwischen Palmen, Bromelien, Mango- und Bananenpflanzen in den tropischen Regenwald versetzt.

Die neu gepflanzten Blumen draußen im Schmuckhof blühen noch nicht; im Subtropenhof sind zurzeit nur Fotos von Pflanzen zu sehen. Erst wenn die Eisheiligen im Mai vorbei sind, ziehen die exotischen Kübelpflanzen aus den Gewächshäusern hinter die hohen Backsteinmauern um.

Von den Frühblühern wagen sich bislang nur Schneeglöckchen und Winterlinge hervor und bilden überall im Berggarten dichte Teppiche. Bis Pfingstrosen und andere Stauden den zurzeit kargen Präriegarten wieder in ein Blütenmeer verwandeln, vergehen noch einige Wochen. Die Strauchpfingstrose Jeanne D’Arc hat allerdings schon dicke Knospen und kündet vom Frühling – ebenso wie ein paar Meter weiter im Rhododendronhain die ersten Rhododendronknospen.

Der künstliche Bach im Staudengrund wird erst im März oder April geflutet, die Wasserbassins sind noch abgedeckt, der Moorweiher liegt noch unter einen Eisschicht.

Beeindruckende Bäume

An seinem Ufer steht ein Baum, der mich immer wieder aufs Neue beeindruckt: Die kaukasische Flügelnuss wurde erst 1955 gepflanzt, hat aber laut Website Baumkunde.de schon einen Stammumfang von mehr als fünf Metern und ist über 20 Meter hoch.

Nicht gerade in die Höhe, sondern eher in die Breite wachsen Süntelbuchen. Wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens waren sie früher als Teufels-, Hexen oder Gespensterbäume verschrien und wurden in ihrer Heimat, dem Süntel, fast ausgerottet. Wenn ihre verdrehten und hängenden Äste den Boden berühren, bilden sie Wurzeln und es entstehen neue Stämme. Die mächtige Süntelbuche im Staudengrund ist mein Lieblingsbaum im Berggarten. Solange sie noch keine Blätter trägt, ist gut zu erkennen, was sie so einzigartig macht. Was aussieht wie ein kleiner Wald, ist ein einziger Baum. Im Sommer überdeckt seine Krone fast 1.000 Quadratmeter.

Wie sich Süntelbuchen ausbreiten, können BesucherInnen am Eingang des Staudengrunds in den nächsten Jahren beobachten. Dort stehen sich jetzt zwei rotblättrige Süntelbuchen gegenüber. Weil die ältere in den angrenzenden Fußweg hineinzuwachsen drohte, leitet ein Gerüst ihre Äste über den Weg. Auf der anderen Seite des Weges wurde eine neue Süntelbuche gepflanzt, die ihr entgegen und mit ihr zusammenwachsen soll. Ein Vierteljahrhundert wird es vermutlich dauern, bis ein sich selbst tragender Laubengang entstanden und das stützende Gerüst überflüssig ist. Ich bin gespannt.

Erste Frühlingsboten

Vor ein paar Tagen habe ich die ersten Schneeglöckchen in unserem Garten entdeckt. Nach dem phänologischen Kalender, der sich nicht nach Daten, sondern nach Erscheinungen in der Natur richtet, zeigen sie, dass der Vorfrühling beginnt. Wahrscheinlich hatten sich die kleinen Pflänzchen bislang unter dem Schnee oder unter dem alten Laub versteckt, das noch zu Hauf auf unseren Beeten liegt.

In Frankreich heißen die Schneeglöckchen übrigens „perce-neige“, also „Schneedurchbrecher“, weil sie sich meist als erste Pflanzen durch den Schnee wagen. Angeblich sollen ihre Zwiebeln so viel Eigenwärme erzeugen, dass sie den Blüten einen Weg durch den Schnee schmelzen können. Doch das ist laut Wikipedia wissenschaftlich nicht belegt.

Mutige Blaukissen

Früher als die Schneeglöckchen haben sich die ersten mutigen Blaukissen-Blüten in unserem Garten gezeigt. Das ist erstaunlich, weil Aubrietien angeblich erst ab April blühen. Aber sie genießen bei uns einen großen Standortvorteil: Sie wachsen direkt am Wintergarten. Das überstehende Dach hält Wind und Schnee ab und das Glas reflektiert die Wärme der Sonne, wenn sie denn scheint. Aber es wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis die Blüten wieder einen blau-violetten Teppich bilden.

Winterfeste Schneerosen

Damit, dass meine neue Christrose den ungewohnt schneereichen Winter überlebt hat, habe ich nicht gerechnet. Mein Mann hatte mir die üppig blühende Pflanze im Advent geschenkt – und anders als gewohnt hatte ich sie schon im Dezember ausgewildert. Eigentlich dürfen meine neuen Christ- oder Schneerosen den ersten Winter ihres Lebens im Wintergarten verbringen, um sich allmählich an die Temperaturen draußen zu gewöhnen. Aber unter dem schützenden Glas fühlte sich die Pflanze offensichtlich nicht wohl. Vielleicht war es ihr zu warm oder ihr Topf war zu klein. Hätte ich allerdings geahnt, dass dieser Winter viel schneereicher wird als die vorangegangenen, hätte ich ihr wohl einen größeren Topf spendiert oder einen anderen Platz für sie gesucht.

Draußen im Garten erholte sich die Pflanze schnell, bis sie im neuen Jahr tagelang unter einer dicken Schneeschicht verschwand. Doch die Schneerose machte ihrem Namen alle Ehre – und bewies eindrucksvoll, dass sie wirklich winterhart ist: Als der Schnee geschmolzen war, tau(ch)te sie – ebenso wie ihre vier älteren Brüder und Schwestern – wohlbehalten wieder auf. Mit leicht grünlich verfärbten Blütenblättern, weil es unter der Schneedecke ungewohnt dunkel war. Außerdem war die eine oder andere Blüte unter der Schneelast abgeknickt.

Jetzt bin ich guter Dinge, dass die Schneerosen auch den Hauch von Neuschnee, der sich über Nacht wieder auf ihre (Blüten)Blätter gelegt hat, überstehen und mir noch lange Freude bereiten werden.

Vögel beobachten am Küchenfenster

Ich hatte ganz vergessen, wie entspannend es ist. Einfach dazusitzen und den Vögeln zuzusehen. Vielleicht habe ich es aber auch nie ausprobiert. Zumindest nicht hier, in unserem Haus in Großburgwedel.

Als meine Tochter klein war, saßen Foe und ich oft in der Küche meines Elternhauses in Neumagen und sahen den Vögeln zu, die sich um das Vogelhäuschen im Garten scharten. Wenn ich keine Zeit hatte, beobachtete Foe mit ihrem Opa Amsel, Meisen, Spatzen und Co. Wahrscheinlich wurde an der Mosel die Grundlage für ihre Vogel-Leidenschaft gelegt, die bis heute anhält.

Foes erstes Vogelbuch – es blieb nicht lange das einzige

Schon als Kindergartengartenkind wünschte sich meine Tochter Vogelbücher, um mit ihrer Hilfe die heimischen Vögel zu entdecken und zu bestimmen, deren Namen wir Erwachsenen nicht kannten. Inzwischen ist sie selbst längst erwachsen und kennt sich mit Vögeln immer noch sehr gut aus. Außerdem ist sie eine ausgezeichnete Vogelfotografin. Ihre Fotos sind auf ihrer Website und unter anderem auf dem neuen Instagram-Account foes_birdphotographie zu sehen.

Im Alltag in Burgwedel fehlte mir neben Job, Kinderbetreuung und Haushalt die Zeit, Vögel zu beobachten. Vielleicht habe ich sie mir einfach nur nicht genommen. Aber natürlich fütterten wir die Vögel im Winter. Und als unser Vogelhäuschen ausgerechnet während des Lockdowns im Winter 2021 verschwunden war, brachte mein Mann den neuen Futterplatz an unserem Holzschober an.

Zwei Futterplätze

Das provisorsiche Vogelrestaurant kam bei unseren gefiederten Mitbewohnern gut an. Sicher auch, weil es direkt neben dem „Vogelhochhaus“ liegt, einem alten Baum auf dem Nachbargrundstück, in dem viele Vögel nisten. Neben dem Futterplatz am Holzschober gibt es in unseren Garten inzwischen eine zweite Futterstelle. Nachdem die Heilige Familie, die vorübergehend in dem neu gekauften Vogelhaus gewohnt hat, Anfang des Jahres weitergezogen ist, haben wir das Vogelhäuschen im Garten aufgestellt und es seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben. Aber das Futterplatz-Provisorium bleibt bei den gefiederten Gästen unumstrittendie Nummer eins.

In diesem Jahr ist der Andrang besonders groß – sicher auch, weil dieser Winter kälter und schneereicher ist als die vergangenen: Neben Kohlmeisen – bis zu sechs habe ich gleichzeitig am Futterplatz beobachtet – sind jetzt häufig Blaumeisen bei uns zu Gast, ebenso Buchfinken, Dompfaffen und Rotkehlchen.

Hausamsel bleibt verschwunden

Auch die Amseln sind zum Glück zurück: Sie waren in den vergangenen Jahren ganz aus unserem Garten verschwunden. Unsere Hausamsel hat das durch das Usutu-Virus verursachte Amselsterben wohl leider nicht überlebt. Sie und ihre Familie wohnten jahrelang in unserem Garten – und wenn wir in den Beeten arbeiteten, hielten sie sich gerne in unserer Nähe auf, um die Insekten und Würmer zu vertilgen, die wir dabei aufscheuchten. Weil die Familienmitglieder eine helle Stelle im Gefieder hatten, die offenbar von Generation zu Generationweitervererbt wurde, konnten wir „unsere Amseln“ leicht erkennen. Jetzt leben neue Amseln bei uns – und vielleicht werden sie irgendwann genauso zutraulich wie ihre Vorgänger. Ich tue mein Bestes, streue für sie Futter auf den Boden. So müssen sie nicht mit dem vorliebnehmen, was den anderen Vögeln aus dem Schnabel fällt. Denn Amseln bevorzugen bodennahe Futterstellenund bedienten sich gerne. Nur die Apfelstücke, die ich ausgelegt haben, verschmähen sie.

Start des Nature Journals

Aus dem Küchenfenster habe ich die Futterstelle am Holzschober im Blick – wie früher in meinem Elternhaus beobachte ich vom Küchentisch aus das Treiben draußen. So kann ich mein Vorhaben, ein Nature Journal zu beginnen, umsetzen, ohne hinaus in die Kälte zu müssen. Noch übe ich – schließlich ist noch keine Meisterin vom Himmel gefallen. Aber sobald es draußen wärmer wird, wird aus meinem Gartenvogel-Journal ein richtiges Nature Journal.

Kurzer Besuch

Die nächstliegende Lösung ist nicht immer die beste. Meine Idee, am Samstagmittag nach der Wanderung in Bad Harzburg noch einen Abstecher auf den Weihnachtsmarkt zu machen, erwies sich als Schnapsidee.

Dabei war der Besuch des Weihnachtsmarkts im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend. Goslar liegt auf Bahnstrecke zwischen Hannover und Bad Harzburg, also quasi auf dem Weg nach Hause. Der Weihnachtsmarkt in der historischen Altstadt gilt als einer der schönsten nicht nur in Niedersachsen. Weihnachtsmarkt & Weihnachtswald Goslar wurden mit dem Qualitätssiegel “Excellent European Christmas Market” ausgezeichnet ubd zählen zu den Top 12 in Europa. Außerdem habe ich – bekennender Weihnachtsmarktfan – mir vorgenommen, in diesem Jahr zwei neue Weihnachtsmärkte kennen zu lernen. Viel Zeit bleibt nicht mehr – schließlich hatten wir schon den dritten Advent. Und so bin ich auf der Rückfahrt nach Burgwedel in Goslar ausgestiegen.

Eigentlich hätten mich schon die Menschenmassen, die mit mir vom Bahnhof in Richtung Altstadt pilgerten, misstrauisch machen müssen. Die meisten schlenderten gemütlich dem Weihnachtsmarkt entgegen, und wer wie ich gerne etwas zügiger geht – meine Tochter prägte einst den Begriff Speedbummling –, musste sich mühsam durchschlängeln.

Auf dem Weihnachtsmarkt selbst war dann gar kein Durchkommen mehr. Überall standen und gingen die Menschen dicht an dicht – wer sich die Angebote in den Buden zwischen ansehen oder gar etwas kaufen wollte, brauchte viel Geduld oder starke Ellenbogen. Ich habe bekanntlich beides nicht. Und so war mein Weihnachtsmarktbesuch nach wenigen Minuten beendet; bis zum künstlich angelegten Weihnachtswald mitten in der Altstadt mit 60 weihnachtlich beleuchteten Nadelbäumen und duftendem Waldboden habe ich es gar nicht geschafft.

Aber der Weihnachtsmarkt zwischen den Fachwerkhäusern hat Flair, das Ambiente ist wirklich außergewöhlich. Ich werde also wiederkommen: allerdings an einem normalen Werktag, möglichst kurz nachdem der Markt eröffnet.

Weit besser als die Stippvisite auf dem Weihnachtsmarkt hat mir die Wanderung von Bad Harzburg über die Große Bleiche zum Elfenstein gefallen. Von dem Granitfelsen hat man einen wunderschönen Blick auf Bad Harzburg und das Harzvorland. Er galt im Mittelalter als Wohnort von Elfen und anderen Lichtgestalten angesehen. Und die helfen den Menschen ja bekanntlich oft, ihre Wünsche zu erfüllen und ihre positiven Ziele zu erreichen – gerade in der Weihnachtszeit.

Dass ich jetzt auch längere Strecken, Auf- und Abstiege wieder ohne größere Probleme bewältige, ist für mich ein gutes Zeichen. Es lässt mich hoffen, dass ich im neuen Jahr wieder wie gewohnt wandern kann. Und wenn die Elfen mithelfen, wird es wohl klappen.

Spätherbst


Wie fühlt sich der Spätherbst für dich an – erst als ich diese Frage gestern Morgen las, wurde mir bewusst, dass der meteorologische Herbst schon morgen endet und der Winter übermorgen beginnt. Die Zeit rast, und ich rase notgedrungen mit.

Was die Prognosen der Meteorologen angeht, bin ich zwar eher skeptisch, aber ihre Einteilung der Jahreszeiten gefällt mir besser als die traditionelle astronomische. Für mich ist der Dezember definitiv ein Wintermonat. Und wenn der astronomische Winter am 21. Dezember anfängt, hoffe ich schon wieder ein bisschen auf den Frühling, weil die Tage dann langsam länger werden

Der Phänologische Kalender kennt keine fixen Daten, sondern orientiert sich laut Wikipedia „an charakteristischen Entwicklungsstadien typischer Pflanzen (phänologischer Zeigerpflanzen) und an dem Verhalten der Tiere.“  Und anderes als der meteorologische und der astronomische Kalender hat der phänologische nicht vier, sondern zehn Jahreszeiten.

Nach der Phänologischen Uhr des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hat der Spätherbst in Niedersachsen mit der Blattfärbung der Stieleiche in diesem Jahr am 19. Oktober begonnen, einen Tag früher als im langjährigen Mittel. Als am 9. November die Stieleichen die (meisten) Blätter abgeworfen hatten, endeten die Vegetationszeit und der Spätherbst. Für die Pflanzen hat der Winter also schon längst begonnen, nur wir Menschen haben es nicht gemerkt – oder keine Notiz davon genommen.

Auch in unserem Garten sind die Bäume und die meisten Büsche inzwischen kahl. Auch die Beeren von Schlehdorn, Felsenbirne und Berberitze haben die Vögel längst abgefressen, sie haben nicht gewartet, bis sie nach dem ersten Frost voll ausgereift waren. Nur ein paar Trauben und Hagebutten haben sie noch als Futterreserve für den beginnenden Winter übrig gelassen.

Die letzten Rosen sind jetzt auch verblüht, dafür blühen schon drei Christrosen. Die sind trotz ihres Namens mit den „richtigen“ Rosen weder verwandt noch verschwägert, sondern gehören zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Die vierte Christrose ziert sich noch. Ich habe sie erst am Ende des letzten Winters „ausgewildert“. Sie ist die Kälte draußen wohl noch nicht so gewöhnt wie ihre älteren Geschwister und hofft vielleicht auf wärmere Tage.

Sie sind wieder drin

Alle Jahre wieder, wenn die ersten Boden- und/oder Nachtfröste drohen, kehren unsere Zimmerpflanzen von der Terrasse ins Haus oder in den Wintergarten zurück. In diesem Jahr erfolgte der allherbstliche Umzug allerdings in Etappen. Einige kleinere Pflanzen hatte ich schon Mitte Oktober unters schützende Glasdach gebracht. Beim Transport des großen Mosaiktischs half dann in der ersten Novemberwoche der Nachbar. Die Tischplatte ist nämlich nicht nur groß, sondern auch schwer. Denn die Mosaiksteinchen sind in ein etwa drei Zentimeter dickes Betonbett eingelassen, das mit einem Metallband ummantelt und von Armierungseisen durchzogen ist. Solide marokkanische Handarbeit eben.

Vergangene Woche war dann auch für die großen Pflanzen der Sommerurlaub vorbei. Gerade rechtzeitig. Denn als ich gestern Morgen aus meinem Schlafzimmerfenster schaute, waren die Pfützen auf dem Garagendach unserer Nachbarn mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Vor allem den Zitrusbäumchen hätte der Frost sicher zugesetzt.

Die Aloe Vera muss sich leider an die Kälte gewöhnen. Denn sie hat im Sommer noch einmal kräftig zugelegt, ist jetzt zu schwer, zu unhandlich undvor allem zu stachlig für den Rücktransport und muss deshalb draußen bleiben. Künftig werden wir sie bei Minusgraden durch eine Vlieshaube schützen – wenn der Frost nicht so überraschend kommt wie in der vorletzten Nacht.

Den Sommer haben alle Pflanzen drinnen und draußen gut überstanden. Der Osterkaktus ist voller Knospen und wird – trotz seines Namens – wohl wieder um die Weihnachtszeit blühen; die erste Blüte der Strelitzie hat sich ebenfalls schon hervorgewagt. Weitere werden in den nächsten Wochen folgen, obwohl Strelitzien Temperaturen zwischen 18 und 24°C lieben. Doch die gibt es in unserem ungeheizten Wintergarten nur an sonnigen Wintertagen. Dann genieße auch ich es dort zu sitzen, zu lesen und zu schreiben.

Damit, dass die Ufopflanze (Pilea peperomioides) den Sommer überlebt, hatte ich gar nicht gerechnet. Sie hatte im Frühjahr fast alle Blätter abgeworfen, sich aberwider Erwarten auf der Terrasse prächtig erholt.

Auch die Felsenorchidee, die ich im April geschenkt bekommen habe, hat sich auf der Terrasse gut entwickelt: Anders als den meisten Orchideen machen ihr weder direktes Sonnenlicht noch Temperaturen nahe null etwas aus. Blühen wird sie voraussichtlich erst ab Dezember – wenn es mehrere Wochen um die zehn Grad kühl war.

Ein wenig Sorgen bereitet mir die Orchidee, die ich vor sechs Jahren von meiner Mutter übernommen habe. Obwohl sie eigentlich ideal – hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung – an einem Ostfenster steht, kümmert sie seit einiger Zeit vor sich hin. Vielleicht hat sie sich im vergangenen Winter zu sehr verausgabt, als sie monatelang blühte. Oder sie sehnt sich nach ihrem alten Platz am Westfenster, weil sie Sonne am Abend lieber mag als am Morgen.  

Ein Umzug steht auch der Monstera im Erdgeschoss bevor, die ihrem Namen alle Ehre macht: Sie wächst und wächst und streckt ihre Blätter weit in den Flur hinein und wird den Durchgang in die Zimmer bald versperren. Da sie keine Sonne mag und viel Platz braucht, kommt als Standort eigentlich nur die Empore im Obergeschoss in Frage. Dort fühlen sich schon ihre kleinen Schwestern und ihre Cousine, die Monkey Leaf, sehr wohl. Auch Letztere hat ein sehr einnehmendes Wesen. Und vielleicht entsteht dort, wo jetzt noch meine Yogamatte liegt, schon bald ein kleiner grüner Urwald.

Wann beginnt der Herbst?

Morgen, am 1. September, beginnt der meteorologische Herbst, und wenn ich den Meteorolügen auch nur ungern recht gebe, muss ich gestehen, dass die meteorologischen Jahreszeiten viel besser zu meinem Jahreszeiten-Gefühl passen als die kalendarischen. Besonders deutlich ist dies im Sommer und Winter. Der Juni gehört für mich ganz klar zum Sommer, auch wenn der kalendarisch erst am 23. Juni beginnt, und der Dezember zum Winter.

Zehn Jahreszeiten …

Wenn es nach den Pflanzen geht, hat der Frühherbst schon begonnen, und zwar laut der Phänologischen Uhr des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am 17. August – vier Tage früher als im Mittel der vergangenen Jahre. Die „phänologischen Jahreszeiten“ richten sich nach der Entwicklung der Pflanzen. Beginn, Ende und Dauer sind daher – anders als bei den meteorologischen und kalendarischen Jahreszeiten – ganz unterschiedlich. Ein Alptraum für alle, die (Wetter-)Statistiken erstellen und mit ihnen arbeiten müssen.

Zudem gibt es nicht nur vier, sondern zehn phänologische Jahreszeiten – und für alle sogenannte Zeigerpflanzen. Beobachtet, erfasst und ausgewertet werden Erscheinungen, die jährlich wiederkehren, u. a. Blüte, Blattentfaltung, Reife der Früchte oder Blattfärbung dieser Pflanzen. Typische Zeigerpflanzen für den Frühherbst sind laut Wikipedia Schwarzer Holunder, Brombeere, Hundsrose (Hagebutten), Sanddorn, Weißdorn, und Haselnuss, deren Früchte jetzt reif werden. Die Herbstzeitlosen blühen dagegen erst im Frühherbst.

… und die Phänologische Uhr des DWD

Die Phänologische Uhr des Deutschen Wetterdienstes berücksichtigt nur einige wenige Pflanzen. Der Vollfrühling beginnt mit der Apfelblüte, Spätsommer ist’s, wenn die Äpfel pflückreif sind. Die Blüte des Schwarzen Holunders läutet den Frühsommer ein, im Frühherbst sind dann die Beeren reif.

In diesem Jahr hat der Vollfrühling in Deutschland mit der Apfelblüte schon am 15, April begonnen, elf Tage früher als im Mittel der vergangenen Jahre (26. April). Der Spätsommer startete dagegen einen Tag später als durchschnittlich, und zwar am 4. August, und er war mit 13 Tagen ungewöhnlich kurz. Denn die Beeren des Schwarzen Holunders waren schon vier Tage früher reif als in den vergangenen Jahren, nämlich am 17. August.

Weil sich die Pflanzen von Region zu Region unterschiedlich entwickeln, zeigt die Phänologische Uhr des DWD Grafiken und Daten für alle Bundesländer. Danach hat der Frühherbst im Saarland schon am 9. August begonnen, in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bislang noch gar nicht. Im Saarland war der Schwarze Holunder in diesem Jahr einen Tag vor den Äpfeln (10. August) reif – der Spätsommer ist also dort eigentlich ausgefallen. Dabei war das Saarland laut DWD in diesem Jahr mit 19,2 Grad Celsius die wärmste und „sonnigste Region im letzten meteorologischen Sommermonat“.

In unserem Garten tragen Apfelbaum, Hundsrose, Holunder und Weißdorn in diesem Jahr gar keine Früchte, dafür aber Feuerdorn und die namenlose Rosen vor unserem Wintergarten.

Direkt daneben blühen und duften noch meine beiden Lieblingsrosen, Rhapsody in Blue und die Künstlerrose.

Auch die Erdbeerernte hat wieder begonnen, die zweite in diesem Jahr. Die Trauben brauchen dagegen noch ein paar warme oder – um mit Rainer Maria Rilke* zu sprechen –südlichere Tage. Und mit der Traubenlese beginnt für mich, gebürtige Mosellanerin, der Herbst richtig.

*Rainer Maria Rilkes Herbststag finden Interessierte auf der Website https://www.rilke.de/gedichte/herbsttag.htm

Einnehmende Wesen

Vor ein paar Jahren ist eine Bekannte von der Mosel hier aufgetaucht, mit der ich nicht gerechnet habe. Denn eigentlich bevorzugen Zaunwinden, an der Mosel Bändchen genannt, lehmige, stickstoffreiche Böden. Doch auch in unserem Garten fühlen sie sich offenbar wohl, obwohl ich die Beete nie dünge.

Weil ich wegen der Fraktur meines Sprunggelenks seit Anfang Mai nur wenig im Garten arbeiten konnte, haben sich die Zaunwinden in diesem Jahr hemmungslos ausgebreitet. Vor einigen Tagen sind sie sogar in unseren Wintergarten eingedrungen – und haben damit eine Grenze überschritten.

Eigentlich habe ich nichts gegen Zaunwinden. Im Gegenteil. Ich finde die trichterförmigen weißen Blüten, die den Glockenblumen ähneln, sehr hübsch. Als Kinder haben wir die Blüten abgepflückt und daraus kleine Glocken gemacht. Dabei musste man sehr vorsichtig sein, sonst riss der Stempel, der Kelch und Blütenstiel verbindet – und die Glocke fiel ab.

Auch weil Zaunwinden (Calystegia sepium) zu den heimischen Pflanzen gehören und ökologisch wertvoll sind, habe ich sie bislang in unserem Garten geduldet. Denn viele Insekten, darunter die Nachtfalter Windenschwärmer und einige Wildbienenarten, ernähren sich laut NDR Ratgeber Garten von Pollen und Nektar der Winden.

Den Pflanzen in ihrer Nachbarschaft bereiten die schnell wachsenden Zaunwinden dagegen oft Probleme. Die Lianen kriechen nämlich meterweit über den Boden, um dann an allem hochzuklettern, was sich ihnen in den Weg stellt: an Blumen ebenso wie an dem stacheligen Feuerdorn, am Kirschbaum oder auch an meiner Hexe. Ihr können sie nichts anhaben, wohl aber den Pflanzen, die sie umschlingen: Mit ihren herzförmigen, dunkelgrünen Blättern und den bis zu zwei Meter tief in die Erde reichenden Wurzeln nehmen sie ihnen Licht, Wasser und Nährstoffe, können sie dadurch in ihrer Entwicklung hemmen oder sogar ersticken.

Und so habe ich den Winden jetzt den Kampf angesagt. In den vergangenen Tagen habe ich unzählige Lianen aus dem Boden gerissen – und dabei so manche Blume mit ausgerissen. Denn nicht immer lassen sich die Zaunwinden von ihren lebenden Rankhilfen lösen.

Um ihre Futterquelle müssen Windenschwärmer und Spiralhornbienen trotzdem nicht bangen. Denn selbst aus kleinen Wurzelresten können wieder neue Pflanzen wachsen. Außerdem werden die Samen durch den Wind verbreitet. Die Chance, dass es mir je gelingt, die Zaunwinden wieder ganz aus unserem Garten zu vertreiben, ist also gering.

Gartenarbeit statt Gartenbesuch

Eigentlich wollte ich am Sonntag in die Herrenhäuser Gärten fahren. Doch wenn Hannover 96 – für alle, die sich nicht für Fußball interessieren: eine Mannschaft im Mittelfeld der 2. Bundesliga – ein Heimspiel hat, empfiehlt es sich, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Denn aus Erfahrung weiß ich, wie unangenehm Fahrten in Bussen und Bahnen oft sind, wenn Massen von 96-Fans unterwegs sind. Viele scheinen den bevorstehenden oder gerade gesehenen Gruselkick nur alkoholisiert ertragen zu können.

Beim Derby zwischen Braunschweig und Hannover gilt Alarmstufe Rot: Der Bahnhof wird zur Festung; ob es wie am vergangenen Sonntag durch den Einsatz von PolizistInnen, Hunde, Wasserwerfern und Helikoptern gelingt, Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fangruppen oder auch zwischen Fans und Polizei in der Stadt zu verhindern, weiß frau vorher nie. Lust auf einen Besuch in Hannover macht das nicht.

Also Arbeit im eigenen Garten statt Besuch in den ehemals fürstlichen Gärten. Zu tun gab es ohnehin einiges: Die Vogelschutzhecke hinterm Teich hatte mein Mann schon im Februar geschnitten, jetzt mussten die Äste und Zweige von Weißdorn, Holunder, Felsenbirne und Kornelkirsche kleingeschnitten werden. Außerdem mussten die abgestorbenen Halme und Blätter der Stauden abgeschnitten, gefühlt zentnerweise altes Laub von den Beeten und aus den beiden Teichen entfernt werden.

Beim Keschern im kleinen Teich habe ich ungewollt zwei Froschlurche gefangen. Zuerst dachten wir, sie seien tot, erfroren im nicht allzu tiefen Teich. Doch nachdem sie ihren Schreck überwunden hatten, bewegten sie sich wieder und wir haben sie mithilfe unserer Schnee- und Laubschaufel wieder in den Teich zurückgesetzt.

Ob sie dort überwintert haben oder ob sie schon wieder aus ihrem Winterquartier zurück in unseren Teich gekommen sind, um dort zu laichen, wissen wir nicht, ebenso wenig, ob unsere Teichbewohner Kröten oder Frösche sind. Denn mit Amphibien kenne ich mich überhaupt nicht aus. Wegen der Farbe, der Größe und der Warzen auf der Haut habe ich die beiden zunächst für Kröten gehalten. Aber ganz sicher war ich mir nach dem Vergleich der Merkmale nicht. Denn ihr Maul war eher spitz als rund, ob sie Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterbeine haben, konnte ich weder live noch auf den Fotos erkennen. Ich habe also Sommerfotos zu Rate gezogen. Auf ihnen sind die Schwimmhäute deutlich zu sehen. Und von der Farbe abgesehen ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht zu leugnen.

Wahrscheinlich sind es Teich- (Rana lessonae) oder Wasserfrösche (Rana esculenta). Beide Arten ähneln sich sehr und sind nur schwer zu unterscheiden. Das kommt nicht von ungefähr. Teichfrösche sind nämlich laut Nabu Hybride aus Seefrosch und Kleinem Wasserfrosch. Sie sind meist grün, manchmal aber auch bräunlich gefärbt. „Auf dem Rücken befinden sich schwärzliche Flecken, die sich auf den Hinterbeinen zu einer Marmorierung verdichten.“ Das passt.

Die Pflanzen in unserem Garten sind leichter zu identifizieren. Dass Schneeglöckchen, Christrosen, Winterlinge, Krokusse und Kornelkirsche typische Zeigerpflanzen des Vorfrühlings sind, habe ich beim Schreiben meines Blogbeitrags zum Frühlingsanfang gelernt. Im nächsten Jahr kann ich mich vielleicht auch über Märzbecher freuen, die bislang in unserem Garten noch nicht wuchsen. Aber die beste Nachbarin von allen hat mir am Sonntag ein Töpfchen mit Zwiebeln geschenkt, die ich zwischen Anemonen und Tulpen gepflanzt haben.

Nach einer Woche mit tagsüber frühlingshaften Temperaturen zeigen sich inzwischen auch die ersten Blausterne – laut Wikipedia typische Zeigerpflanzen des Erstfrühlings, der nächsten phänologischen Jahreszeit. Von den Veilchen ist dagegen noch nichts zu sehen, an den Forsythien zeigen sich immerhin schon gelbe Knospen. Im vergangenen Jahr standen die Sträucher schon Anfang März in voller Blüte. Doch in diesem Jahr sind ihnen die Nächte mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wohl noch zu kalt.

Die Narzissen schrecken die Temperaturunterschiede offenbar nicht. Selbst die einzige gefüllte Narzisse in unserem Garten, blüht schon. Vor zwei Jahren war es erst Ende März so weit, in manchen Jahren zeigt sie sich gar nicht. Aber das wundert mich nicht wirklich bei einer Pflanze, die ihren Namen einem berühmten Herumtreiber verdankt: Rip van Winkle, den Washington Irving und Max Frisch in einer Kurzgeschichte, einem Hörspiel und einem Roman verewigten und dessen Geschichte von vielen anderen Schriftstellern erzählt wird. Doch zum Glück gibt es ja andere Pflanzen in unserem Garten, die verlässlicher zeigen, dass der Erstfrühling gekommen und es bald an der Zeit ist, mit der Aussaat von Salat, Spinat, Erbsen, Radieschen oder auch von Sommerblühern zu beginnen.