Monatsrückblog Juni 2026

Mit dem Juni ist es so eine Sache: Ich liebe den Monat, weil es oft warm ist, die Tage lang und die Nächte nur kurz sind. Sommer also. Andererseits ist mir bewusst, dass die Tage ab dem 23. Juni wieder kürzer werden. Auch wenn man das zum Glück noch nicht wirklich merkt, macht mich der Gedanke an die kommende dunkle Jahreszeit manchmal melancholisch.

Schreibzeit zum Mittsommer

Diese zwiespältigen Gefühle waren auch Thema beim „Schreiben zum Mittsommer“ der Textmanufaktur.  Mittsommer ist als Wendepunkt im Jahreskreis eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, was in der ersten Jahreshälfte gewesen ist und welche Veränderungen frau sich für die zweite wünscht. Es ist eine Chance, die Weichen neu zu stellen. Sabine E. Rasch hat für die TeilnehmerInnen der dreistündigen Online-Schreibzeit wieder sehr interessante Fragen und spannende Schreibimpulse zusammengestellt.

Die Schreibzeit ist Teil der Reihe „Schreiben im Jahreskreis“, die im vergangenen Dezember mit dem Schreiben zur Wintersonnenwende begonnen hat und Ende September mit dem Schreiben zum Erntedank fortgesetzt wird. Ich bin auch dann sicher wieder dabei.

Es ist nie zu spät, neu anzufangen

Womit möchte ich meine Zeit in den nächsten Jahren verbringen – und mit wem? Was möchte ich (noch) lernen? Um diese und andere Fragen geht es auch in Julia Camerons Buch „Es ist nie zu spät, neu anzufangen“. Ich habe es mir vor fast zehn Jahren, kurz nach meinem 60. Geburtstag, gekauft – wohl auch wegen des Untertitels „Der Weg des Künstlers ab 60“. *

Das 12-Wochen-Programm richtet sich an Menschen an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt.  Es will sie ermutigen, an ihre Kreativität zu glauben und endlich das zu tun, was sie möchten – egal ob sie Klavier spielen, Gedichte schreiben, sich sozial engagieren, Vögel beobachten oder wie ich zeichnen lernen wollen.

In diesem Jahr werde ich 70; es ist also höchste Zeit für Versuch Nummer drei. Noch ist es nicht zu spät, etwas Neues anzufangen.

Aufgetaucht

Philipp Klein wurde nur etwa halb so alt wie ich. Der Maler starb schon mit 36 – und ist wohl auch deshalb in Vergessenheit geraten. Viele seiner Bilder waren verschollen und sind erst jetzt wieder aufgetaucht.

Ich hatte noch nie etwas von Philipp Klein gehört, bis Freunde aus Süddeutschland mich auf die Ausstellung aufmerksam machten. Sie wurde zuerst in Kleins Heimatstadt Mannheim gezeigt und ist jetzt noch bis Ende Oktober im Landesmuseum Hannover zu sehen.

Geprägt wurde Klein durch Vorbilder wie Monet und Edgar Degas. Viele Zeitgenossen schätzten ihn als „Sonnenlicht-Maler“ – zu Recht, denn wie er das Licht einfängt, ist wirklich genial. So möchte ich auch malen können.

Bekannter als Philipp Klein sind die meisten MalerInnen, deren Werke zur Zeit im Sprengelmuseum ausgestellt sind. Mehr als 400 Werke vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart werden in 20 Räumen präsentiert. Max Beckmann, Max Ernst, Gabriele Münter und Pablo Picasso sind ebenso vertreten wie Karin Sander, Georg Baselitz oder die hannoversche Künstlerin Christiane Möbus, deren Arbeit „mein lieber Schwan“ der Ausstellung ihren Namen gab.

Strom von der Sonne

Apropos (Sonnen)Licht: Wir haben lange darüber nachgedacht – und uns jetzt endlich für eine Photovoltaikanlage entschieden, obwohl wir zu zweit eher wenig Strom verbrauchen.

Die Solarmodule wurden Anfang Juni auf unserem Dach montiert, drei Wochen später hat die Elektrikerin dann den Speicher installiert und die Anlage ans Stromnetz angeschlossen. Und weil der Juni sehr sonnig war und unser nach Süden ausgerichtetes Dach für die Sonnenernte ideal ist, haben wir seitdem keinen Strom mehr aus dem Netz bezogen – aber schon einiges eingespeist. Das freut uns – und die Umwelt.

Paddeln am Hüttensee

Manchmal muss es weder ein langer Urlaub noch ein weit entferntes Reiseziel sein. Bis zum Campingplatz Hüttensee bei Winsen brauchten wir mit dem Wohnmobil gerade mal eine Dreiviertelstunde. Unser Stellplatz war so, wie ich ihn mir gewünscht hatte: Egal aus welchem Fenster ich schaute – immer konnte ich Wasser sehen. Bis zum Schwimmteich waren es gerade mal 150 Meter, noch näher lag der Steg am Hüttensee, von dem aus wir mit unserem Kanu lospaddeln konnten.

Im Hüttensee selbst, dem größten der insgesamt etwa 80 Meißendorfer Teiche, ist Schwimmen nicht erlaubt. Und auch Boote dürfen auf dem See nur von 9 bis 19 Uhr fahren. Denn die Teiche, die Ende des 19. Jahrhunderts angelegt wurden, um Karpfen zu züchten, sind heute Naturschutzgebiet –  laut Website www.lueneburger-heide.de eines der wertvollsten Feuchtgebiete in Niedersachsen: ein Refugium für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Etwa 130 Brutvogel-, circa 40 Libellen-, über 400 Schmetterlings- und viele Fischarten leben dort, außerdem zahlreiche Amphibien und Reptilien. Sie sollen nicht mehr als nötig von uns Menschen gestört werden. Auch wir haben die Ruhe genossen – und die Paddeltouren über den See, den wir meist nur mit Schwänen, Gänsen und anderen (Wasser)Vögeln teilen mussten.

Sommerspaziergang Wettmar.

Ich mag schöne Gärten und Kunst(handwerk). Deshalb ist der Sommerspaziergang in Wettmar für mich ein Muss. Bei der Aktion öffnen alte Höfe im Dorf ihre Tore und Gärten und geben KunsthandwerkerInnen die Gelegenheit, sich und ihre Werke zu präsentieren. In diesem Jahr machten fast 70 AusstellerInnen an zehn Ausstellungsorten mit.

Auch einer meiner Lieblingshöfe, Hof Küpmann, war in diesem Jahr zum Glück wieder dabei. In den verwunschenen Garten verliebe ich mich bei jedem Besuch aufs Neue – in das kleine Gartenhaus würde ich am liebsten einziehen. Das geht natürlich nicht, aber ich durfte eine Zeit lang im Garten sitzen, schreiben und die Seele baumeln lassen.

*Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung

Zum Nachlesen: Julia Cameron: Es ist nie zu spät, neu anzufangen. Der Weg des Künstlers ab 60. Droemer Knaur, München 2017

Die Gärten sind geöffnet

Die ersten Gartenbesitzer in und um Hannover haben ihre Gartenpforten schon im März für Gartenfans geöffnet. Offiziell können laut Veranstaltungskalender fast hundert Gärten besichtigt werden. Eigentlich sind es aber mehr. Denn allein in der Gartenkolonie Tiefenriede, in der ich vor zwei Wochen meine diesjährige Offene-Pforten-Saison eröffnet habe, habe ich mehr als zehn Gärten angeschaut. Im Katalog zählt die Kolonie aber nur als ein Garten.

In Hannover gibt es rund 20.000 Kleingärten, wie die Schrebergärten offiziell heißen. Damit rangiert die niedersächsische Landeshauptstadt nach Angaben des Bundesverbands der Kleingartenvereine Deutschlands im Kleingarten-Ranking der 15 größten deutschen Städte auf Rang 5, hinter Berlin (66.000 Kleingärten), Leipzig (39.000) Hamburg (32.000) und Dresden (25.000).

Von Schrebergärten …

Wer glaubt, dass SchrebergärtnerInnen spießig und ihre Gärten langweilig und ziemlich einförmig sind, weil strikte Vereinsvorgaben eingehalten werden müssen, wird in hannoverschen Südstadt eines Besseren belehrt. Die Gärten waren so individuell und verschieden wie ihre BesitzerInnen. Gartenzwerge, Symbol der Kleingartenspießigkeit, habe ich in keinem einzigen Garten gesehen.

Besonderes Highlight war für mich der Garten von Thomas Domina und Thomas Marquardt: Im vorderen Teil vermitteln Buddhafiguren und bonsaiartig geschnittene Gehölze das Gefühl, in einem asiatischen Garten zu sein. Im hinteren Bereich versteckt sich ein Nutzgarten, mit Hochbeeten und Beerensträuchern.

Verschiedene Sitzgelegenheiten zwischen Stauden und bunten Sommerblumen laden dazu ein, einfach nur dazusitzen und die Seele baumeln zu lassen. Meinen Lieblingsplatz hatte ich am kleinen Teich mit Sumpfbeet schnell gefunden: Auge in Auge mit dem Reiher, den meine Anwesenheit nicht störte. Hier wäre ich gerne länger geblieben.

… und Dachgärten

Genauso wie zwei Wochen später im Dachgarten von Barbara Schwartz – eine Oase mitten in der Südstadt. Die Terrasse auf dem Flachdach einer Lagerhalle versteckt sich hinter dem Wohnhaus, das schon von Weitem leicht zu erkennen ist. Vor mehr als zehn Jahren haben Barbara Schwartz und ihr Mann Ulrich Dröge Kletterrosen an der Hauswand gepflanzt – mit Genehmigung des Tiefbauamts. Inzwischen ranken New Dawn und Kir Royal bis in den ersten Stock – und das Rosenhaus ist ein beliebtes Fotomotiv.

Für Gartenfans führt der Weg zur Dachterrasse durch die Galerie im Treppenhaus mit Bildern und anderen Kunstwerken von Barbara Schwartz. Gerade mal 100 Quadratmeter ist der Garten klein; trotzdem wachsen und blühen hier mehr als 100 verschiedene Pflanzenarten von A wie Agave und Akelei bis Z  wie Zwergflieder und Zwergweide – einige von ihnen sogar mehrfach. Viele hat die Gärtnerin selbst aus Samen oder Ablegern gezogen, andere – wie die Peruanische Giftbeere – haben sich von selbst ausgesät.

Ich durfte zwei Ableger und ein Tütchen mit Samen aus Barbara Schwartz‘ Garten mit nach Hause nehmen. Die Peruanische Giftbeere wächst und gedeiht jetzt hoffentlich auf unserer Terrasse in einem großen Topf. Denn sie wurde, wie der Name schon sagt, aus Südamerika importiert. Als invasive Art kann sie heimische Pflanzen verdrängen und sich negativ auf die Artenvielfalt auswirken.

Die kleine Malve habe ich dagegen ins Beet vor dem Wintergarten gepflanzt. Malven stammen laut Bienenretter.de zwar ursprünglich aus Asien und Südeuropa, sind aber seit Jahrhunderten in Deutschland „eingebürgert“. Sie werden von „verschiedensten Insektenarten genutzt – mal als Schlafplatz, mal als Nahrungsquelle“ und gelten als besonders bienenfreundlich.

Den ebenfalls geschenkten Samen des gelben Waldmohns werde ich erst im Oktober aussäen. Denn die Pflanze ist ein Kaltkeimer: Sie braucht nach einem warmen Start eine Kältephase. Und mit der ist in den nächsten Tagen sicher nicht zu rechnen

Monatsrückblog Mai 2026

Jetzt ist auch der Mai, wieder vorbei. Schade, denn der Mai ist mein Lieblingsmonat. Es ist morgens schon früh hell und wird abends erst spät wieder dunkel. Da ist die Gewissheit, dass die Tage noch länger werden – und das Gefühl, dass der Sommer noch lange dauert. In diesem Mai war es sehr sonnig – vor allem in der zweiten Monatshälfte kletterte das Thermometer teilweise auf hochsommerliche 30 Grad. Und ich mag es gerne warm.

Wanderurlaub in Portugal

Meist sonnig, aber nicht zu heiß: Zum Wandern war das Wetter in der ersten Maiwoche in Portugal ideal. Und auch sonst stimmte in unserem Wanderurlaub eigentlich alles. Azenhas do Mar gilt als einer der schönsten Orte Portugals. Die Landschaft ist traumhaft, Foe hatte tolle Wanderrouten ausgearbeitet und eine schöne Ferienwohnung nah am Meer ausgesucht. Nur mit dem Schwimmen klappte es nicht – die Wellen im Atlantik waren ziemlich hoch und so ganz traue ich meinem Fuß auch ein Jahr nach der OP noch nicht.

Schwimmen in Burgwedel

Eigentlich ist Schwimmen ja nicht mein Sport: Das Wasser ist mir zu kalt und zu nass. Aber wenn ich mich überwunden habe und im Wasser bin, macht es mir meist Spaß. Außerdem ist Schwimmen gesund und hilft möglicherweise auch bei den muskulären Problemen, die mich zurzeit plagen. Und so habe ich mir eine Saisonkarte für das Freibad in Burgwedel gekauft und mir vorgenommen, jede Woche mindestens zweimal schwimmen zu gehen. Das ist mir bis jetzt gelungen.  

Schreiben

Mit dem Schreiben klappte es dagegen im Mai – wie schon im April – leider überhaupt nicht. Mitte März hat mich eine allgemeine Schreibunlust gepackt. Außer meinen Morgenseiten habe ich nur wenig geschrieben. Mein Ziel, den Roman, an dem ich arbeite, im zweiten Quartal zu beenden, ist in weite Ferne gerückt. Und auch die Zahl der veröffentlichten Blogbeiträge bleibt mit je drei im April und Mai weit hinter meinem Ziel zurück. Fünf sollten es jeden Monat eigentlich sein. Nicht einmal den Monatsrückblog für April habe ich beendet und gepaostet. Doch ich hoffe, dass die Lust am Schreiben allmählich wieder zurückkehrt. Vielleicht brauchte ich einfach mal eine Pause …

Natur Journaling

… oder einen Anstoß von außen. Anfang des Jahres hatte ich mir vorgenommen, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und Nature Journaling auszuprobieren. Mich reizt an der modernen Art des Naturtagebuchs die Kombination aus Wörtern, Skizzen, Fotos, Zahlen und Fakten. Ich bin zwar weder eine gute Zeichnerin und noch kenne ich mich mit der heimischen Flora und Fauna aus. Aber wer ein Nature Journaler führt, muss weder KünstlerIn noch NaturforscherIn sein, so das Credo der Nature-Journaling-Bewegung.

„Es geht nicht ums perfekte Zeichnen, sondern ums bewusste Hinschauen, Beobachten und Fragenstellen“, meinte Tina Blanke, die Leiterin des VHS-Kurses, den ich belegt habe. „Mit jedem Strich, jedem Wort und jeder Frage wächst ein Stück Naturverbindung.“ Das klingt gut. Jedenfalls hat mich der Kurs ermutigt und motiviert.Ich werde das Nature Journal, das ich im Januar begonnen habe und das über die Anfänge nicht hinaus gekommen ist, weiterführen.

Unser Garten im Mai

Ja, es ist nur ein Garten, aber wenn ich im Wintergarten, auf der Terrasse oder im Garten bin, fühle ich mich ein bisschen wie in der Natur. Im Mai zeigte sich der Garten von seiner schönsten, buntesten Seite. 

Allen voran die Rosen, die sich in unserem Garten sehr wohlzufühlen scheinen – die beiden ausgewilderten No-name-Topfrosen ebenso wie meine drei Edelrosen: die Rhapsody in Blue, die Künstlerrose und die Päonienrose.  

Vor allem die Rhapsody blüht in diesem Jahr so üppig wie noch nie. Die Blüten stehen dicht an dicht und duften herrlich, doch leider verblühen sie sehr schnell. Die Pfingstrosen haben lange auf sich warten lassen – erst Ende Mai öffnete sich endlich die erste Knospe.

Ich bin, ich gebe es zu, eine Chaosgärtnerin: Viele Pflanzen haben sich ohne mein Zutun in unserem Garten angesiedelt und sind gern gesehene Gäste: Die Fingerhüte zum Beispiel, Glockenblumen und Mohn. Nur den Dreimasterblumen muss ich immer wieder Einhalt gebieten, weil sie sonst alles überwuchern, was in ihrer Nähe wächst.

Nicht nur Fachwerk

Apropos Nähe, manchmal liegt das Schöne wirklich ganz nah. Celle zum Beispiel. Natürlich war ich schon öfter in der Stadt, die laut Geo.de zu den zehn schönsten Fachwerkstädten Deutschlands zählt und das größte geschlossene Ensemble Europas bildet.

Aber obwohl Celle nur zehn Minuten mit dem Zug entfernt liegt, also quasi direkt vor der Haustür, fahre ich nur selten hin. Auch Ende Mai bin ich nur durch die Stadt gebummelt, weil ich vor einem Arztbesuch noch Zeit hatte.

Das soll sich ändern, denn Celle hat mehr zu bieten als eine pittoresken Altstadt mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern und einem Schloss im Renaissance- und Barocksstil. Siedlungen im  Bauhausstil beispielsweise mit sehr einfachen, aber preiswerten Kleinstwohnungen für Familien mit Kindern. Zwei der nur 32 bis 45 Quadratmeter kleinen Wohnungen im Blumläger Feld blieben unverändert und wurden Möbeln aus der Entstehungszeit ausgestattet. Ich werde sie mir beim nächsten Celle-Besuch ansehen, ebenso wie das kleine Museum, das an den Architekten und Städtebauer Otto Haesler erinnert, der die Häuser in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts entworfen hat.

Gedenken an Dr. Albert David

Am 9. November vergangenen Jahres habe ich mit anderen Omas gegen rechts den Stolperstein für Dr. Albert David am Alten Postweg in Großburgwedel geputzt und mit Blumen geschmück. An seinem Todestag haben wir die Aktion wiederholt. Am 19. Mai 1940 vergiftete sich der angesehene Arzt in seiner Wohnung, als ihn zwei Gestapo-Männer aufsuchten und abholen wollten.

Seit der Machtübernahme im Jahr 1933 hatten ihm die Nazis das Leben schwergemacht:  Weil er Jude war, entzogen sie ihm im September 1938 die Approbation. Er musste seine Praxis schließen, sein Vermögen wurde eingezogen. Im Mai 1940 trieben sie ihn in den Tod.

Der Stolperstein für Dr. Albert David war der erste in Burgwedel, 28 weitere folgten. Sie erinnern an 28 Kinder von Zwangsarbeiterinnen, die ihren Müttern weggenommen wurden, verhungerten oder starben, weil sie nicht versorgt wurden. Der 30. Stolperstein wurde erst vor einigen Tagen in Fuhrberg, einem Burgwedeler Ortsteil, verlegt – zum Gedenken an Heinrich Seehaus, den die Nationalsozialisten 1942 hinrichteten.

Der Berggarten im Mai

Sie sind wieder da! Mitte Mai musste ich im Subtropenhof noch mit Pflanzenbildern vorlieb nehmen. Doch am Freitag vor Pfingsten waren die meisten Pflanzen wieder aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt: Bis zu exotische 100 Pflanzen verbringen die Sommermonate hinter den hohen Backsteinmauern, die die Wärme der Sonne speichern und den Wind abhalten. So entsteht ein Kleinklima, in dem sich die empfindlichen wärmeliebenden Pflanzen wohlfühlen. Erst im Oktober, wenn die Tage und vor allem die Nächte kälter werden, kehren sie wieder in die Gewächshäuser der Herrenhäuser Gärten zurück.

Der Subtropenhof gehört zu meinen Lieblingsplätzenin den Herrenhäuser Gärten – ich genieße es immer wieder, dort zu sitzen und umgeben von bunten Blüten und viel Grün zu lesen, zu schreiben oder einfach vor mich hin zu träumen.

Von Iris, Pfingstrosen …

Der Irisgarten hinter den Schauhäusern hat sich seit meinem letzten Besuch in ein buntes Paradies verwandelt: Dort blühen laut Website der Herrenhäuser Gärten mehr als 300 Bart-Iris-Sorten in allen Größen und Farben.

Während die niedrigen Bart-Iris oder Zwerg-Schwertlilien nur etwa 15 bis 30 cm hoch sind, werden die Mittelhohen Bart-Iris zwischen 40 und 70 cm, die Hohen Bart-Iris sogar mehr als 70 cm groß. Das Farbspektrum reicht von Weiß über Gelb und Hell-lila bis zu Dunkel Violett und fast Schwarz.

Ich liebe Pfingstrosen – und so führt für mich von April bis Juni kein Weg am Präriegarten vorbei. Dort wachsen allein mehr als 40 verschiedene Strauchpfingstrosen und mindestens doppelt so viele Stauden-Pfingstrosen in den verschiedensten Farben und verschiedensten Blühstadien. Manche Pflanzen sind schon verblüht, an anderen haben sich die Knospen noch gar nicht geöffnet. Auch bei meinen nächsten Besuchen im Berggarten kann ich mich also noch an den Päonien erfreuen.

… und besonderen Bäumen

Die Tulpenzeit ist dagegen vorbei – nur die Blüten des Tulpenbaums im Staudengrund lassen noch auf sich warten. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis sich die Knospen öffnen und die weiß-gelben Blüten zum Vorschein kommen. Die ähneln zwar Tulpen, haben aber mit richtigen Tulpen botanisch nichts gemein. Tulpenbäume (Liriodendron tulipifera) gehören nämlich zur Familie der Magnoliengewächse (Magnoliaceae), weiß Wikipedia.

Am Eingang des Staudengrunds wachsen zwei rotblättrige Süntelbuchen aufeinander zu. Die eine ist schon mehr als vierzig Jahre alt, die andere wurde erst kürzlich gepflanzt. Bis sie einen Laubengang über den Fußweg bilden, werden die Äste von einem Gerüst gestützt. Die Konstruktion wird dem Wachstum des Baums angepasst, erweitert und Stück für Stück entfernt, wenn die Äste stark genug sind und ohne Stütze auskommen.

Vorbild ist der Laubengang am Ausgang des Staudengrunds. Dort ranken die Äste der um 1880 gepflanzten Süntelbuche an einem massiven Stahlgerüst über den Weg und bilden eine über 30 Meter lange Pergola, die „zu den meist fotografierten Attraktionen des Berggartens“ zählt.

Der Berggarten im April

Eigentlich wusste ich es ja, aber um sicher zu gehen, habe ich doch einmal beim Subtropenhof vorbeigeschaut: Wie erwartet war er noch immer kahl und (pflanzen)leer. Denn die exotischen Kübelpflanzen, die den Hof im Sommer in eine blühende Oase verwandeln, vertragen keine Kälte. Weil die Temperaturen derzeit nachts oft gen Null sinken, müssen sie noch in ihren Winterquartieren bleiben. Erst wenn die Eisheiligen Mitte Mai durchs Land gezogen sind, dürfen sie nach draußen.

Die Orchideen leben das ganze Jahr über unterm schützenden Glas des Orchideenschauhauses. Etwa 300 bis 800 Pflanzen sind jeweils dort zu bewundern. Doch sie sind nur ein kleiner Teil der Sammlung, die mit rund 25.000 Orchideen zu den größten Orchideensammlungen der Welt gehört. Etwa 3.000 Arten werden in den Sammlungshäusern kultiviert – darunter viele, die in der Natur selten oder schon ausgestorben sind.

Zweimal wöchentlich werden verblühte Pflanzen gegen andere ausgetauscht. Und so bietet sich mir jedes Mal, wenn ich das Orchideenhaus besuche, ein anderes Bild. Zurzeit dominiert die Farbe Gelb – nicht nur bei den Orchideen.

Hinter so viel Blütenpracht möchten die Pflanzen draußen nicht zurückstehen. Zwar sind Magnolien und die meisten japanischen Zierkirschen schon verblüht, dafür präsentiert sich Blumengang direkt daneben mit Tulpen, Narzissen und anderen Frühblühern so schön wie selten. Besonders gut gefallen haben mir die gelben Weinbergs-Tulpen, die ich bislang gar nicht kannte und im Berggarten noch nie bemerkt habe.

Laut Wikipedia sind Weinbergs-Tulpen wilde Tulpen, die einzige in Deutschland wild vorkommende Tulpenart. Sie gilt als stark gefährdet und ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Ich hoffe allerdings, dass ich vielleicht demnächst auf der Landesgartenschau in Bad Nenndorf oder im Herbst im Shop der Herrenhäuser Gärten ein paar Zwiebeln kaufen kann.

Im Staudengarten haben die ersten Strauch-Pfingstrosen die Pfingstrosensaison eröffnet. Noch wagen sich erst wenige Blüten hervor.

Nebenan im Rhododendronhain blühen die Büsche dagegen schon in den verschiedensten Farben – von strahlend Weiß bis dunkel Violett.

Der Staudengrund ist seit meinem letzten Besuch Anfang April kaum wiederzuerkennen. An den Ufern des künstlichen Bachlaufs wuchern die Pflanzen so üppig, dass das Wasser fast völlig unter ihnen verschwindet.

Am Ende des Staudengrunds stehen drei verschiedene Buchen einträchtig nebeneinander: die Süntelbuche, deren Blätterdach im Sommer fast 1.000 Quadratmeter überdeckt, die Blutbuche mit ihren dunkelroten Blättern und die Hängebuche. Nachdem im August 2024 ein Großteil der Krone der Hängebuche herausgebrochen ist, wurden Äste und Zweige weiß angestrichen. Der Anstrich soll die Sonnenstrahlen reflektieren und den Stamm vor Erhitzung, temperaturbedingten Spannungsrissen und Sonnenbrand schützen. So bleiben die Buche und das wohl einzigartige Buchenensemble hoffentlich noch lange erhalten.

Immer an der Leine lang

Nirgendwo kann ich so gut entspannen wie am Wasser – am Meer, an einem See oder auch an einem Fluss. Und je älter ich werde, desto mehr vermisse ich den Blick aufs Wasser. Das liegt vielleicht daran, dass ich an einem Fluss geboren bin und die ersten 30 Jahre meines Lebens immer an Flüssen gelebt habe. An der Mosel, am Rhein, an der Lahn, dann wieder am Rhein und an der Mosel. Das prägt.

Am neuen Pöttcherteich in Großburgwedel

In der Leinemasch

Im Alltag begnüge ich mich meist damit, zum neuen Pöttcherteich zu gehen, um meine Sehnsucht zu stillen. Gestern, am Weltwassertag, bin ich von einem Vorort durch die Leinemasch bis zum Maschsee und Maschteich im Zentrum Hannovers gewandert. Eine gute Entscheidung: Viel Wasser, viel Natur – und trotz Sonne und Sonntag vergleichsweise wenige Menschen. Erst in der Nähe des Maschsees war dann mehr los.

Die Wege durch das Naherholungs- und Naturschutzgebiet führen fast immer am Wasser entlang: an den weitgehend naturbelassenen Ufern der Leine und der Alten Leine und an zahlreichen Seen und Teichen. Die meisten sind in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durch Ton-, Sand- und Kiesabbau entstanden. Heute darf in vielen geschwommen und geangelt werden.

Die Auenwälder von einst sind zwar fast verschwunden, aber die Leinemasch ist Lebensraum zahlreicher geschützter und seltener Pflanzen- und Tierarten. So leben hier beispielsweise Weißstörche und Biber. Drei Störche habe ich gesehen, die scheuen Biber dagegen nicht. Aber ich habe die Spuren entdeckt, die sie an einigen Bäumen am Leineufer hinterlassen haben.  

Maschsee

Die Leinemasch beginnt – oder endet – an Hannovers größtem Gewässer, der ihr seine Entstehung und seinen Namen verdankt: dem Maschsee. Laut Wikipedia wurde schon im 19. Jahrhundert über die Anlage eines Sees nachgedacht, um Überschwemmungen durch Leine und Ihme im Stadtgebiet zu vermeiden. Umgesetzt wurde die Idee allerdings erst seit 1934. Die Nationalsozialisten wollten mit dem Seeprojekt die Arbeitslosenzahlen verringern. Zeitweise arbeiteten 1650 Menschen schlecht bezahlt am Seebecken und hoben rund 780.000 m³ Boden aus. Eingeweiht wurde der Maschsee dann im Mai 1936.

Maschteich

Meine Wanderung am Wasser endete am idyllischen Maschteich. Der liegt nur einen Steinwurf vom viel größeren Maschsee entfernt im Maschpark, dem ersten kommunalen Park in Hannover. Der Maschpark wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt, als das Neue Rathaus gebaut wurde – quasi als Rathauspark. Wohl deshalb wurden bei der Anlage weder Kosten noch Mühen gescheut: So erhielt der Maschteich eine künstliche Felseninsel aus Tuffsteinblöcken und eine Seerosenbucht, die bis heute erhalten sind.

Fortsetzung folgt

Bis die Seerosen dort blühen, wird es noch ein paar Wochen dauern. Ich werde meine Wanderung durch die Leinemasch sicher früher fortsetzen. Beim nächsten Mal steige ich an der gleich U-Bahn-Haltestelle in Döhren aus und wandere dann gen Süden. Denn die Fluss- und Seenlandschaft geht über die Grenzen Hannovers hinaus bis nach Nordstemmen im Landkreis Hildesheim. Und vielleicht steige ich in Sarstedt aufs Fahrrad um und fahre von dort an der Innerste, einem Nebenfluss der Leine, entlang bis nach Hildesheim …

Der Berggarten im März

Eigentlich wollte ich diese Woche ja nach Hameln fahren. Am Rand der Stadt im Naturschutzgebiet Schweineberg blühen derzeit tausende Märzbecher. 1,5 Kilometer lang und 100 bis 200 Meter breit ist der Blumenteppich und damit laut Website der Stadt Hameln „das wahrscheinlich größte Vorkommen des Frühblühers in Norddeutschland.“

Die Märzbecherblüte steht schon lange auf meiner To-see-Liste. Allerdings ist der Schweineberg mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht besonders gut zu erreichen: Die Anreise dauert von Burgwedel aus mehr als zweieinhalb Stunden – wenn ich alle Anschlüsse wie geplant erreiche. Und da mich derzeit eine Verletzung am Bein plagt, habe ich umgeplant: Herrrenhäuser Gärten statt Schweineberg.

Von Frühblühern …

Seit ich vor zwei Wochen im Berggarten war, ist er im wahrsten Sinne des Wortes aufgeblüht . Vor dem Eingang empfängt kein roter, sondern ein gelber Teppich aus Narzissen die Besucher. Im Berggarten bestimmen noch Frühblüher wie Schneeglöckchen, Krokusse, blaue und weiße Scilla, Winterlinge und Lenzrosen das Bild.

Doch schon bald werden andere Pflanzen die Blicke auf sich ziehen, die japanischen Zierkirschen und die Magnolienbäume im Irisgarten zum Beispiel, oder – ab April – die ersten Strauchpfingstrosen im Präriegarten und einige Rhododendren im Rhododendronhain.

Die Schneeforsythie und die Zaubernuss im Staudengrund blühen schon; bis ihre Nachbarin, die Süntelbuche, Blätter bekommt, wird es noch einige Wochen dauern. Mir ist es recht. Denn „nackt“ zeigt mein Lieblingsbaum seine ganze Schönheit. Doch was mir gefällt, war vielen Menschen früher unheimlich: Wegen ihres bizarren Aussehens waren Süntelbuchen als Gespenster-, Hexen- oder Teufelsbäume verschrieen. Weil sich die oft sehr kurzen, miteinander verwachsenen Äste und Stämme außerdem weder als Bauholz noch als Brennholz eigneten, wurden fast alle Bäume in ihrer Heimat, dem Süntel, abgeholzt. In dem Bergzug südwestlich von Hannover gab es bis Mitte des 19. Jahrhunderts den  größten Süntelbuchenbestand Europas. Heute findet man die seltene Rotbuchenart in Deutschland fast nur noch in Parks und in Botanischen Gärten.

Die Süntelbuche im Berggarten wurde um 1880 gepflanzt und gehört damit wahrscheinlich zu den ältesten ihrer Art. Weil Süntelbuchen nämlich eher in die Breite wachsen als in die Höhe, brechen sie oft auseinander und werden durchschnittlich nur  120 bis 160 Jahre alt . Dieses Alter hat der Baum im Berggarten schon erreicht; trotzdem ist mir um ihn nicht bang. Denn ein Gerüst stützt die Äste, die auf die andere Seite des Fußwegs wachsen. 33 Meter lang ist die Pergola, die im Sommer zum Laubengang wird und laut Website der Herrenhäuser Gärten „zu den meist fotografierten Attraktionen des Berggartens“ zählt.

Übrigens: Märzbecher habe ich im Berggarten auch gesehen. Natürlich längst nicht so viele wie am Schweineberg, aber immerhin. Und Buschwindröschen und Leberblümchen gab es ganz in der Nähe als Zugabe.

Frühjahrsputz im Garten

In der Woche vor dem meteorologischen Frühlingsanfang zeigte sich das Wetter endlich frühlingshaft. Höchste Zeit, die Gartensaison zu eröffnen. Denn zum Schutz der Vögel dürfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz Bäume, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze ab 1. März nicht mehr (radikal) geschnitten oder gar beseitigt werden. Und unsere Beete mussten dringend von den vom wochenlangen Regen zermatschten Blättern des letzten Jahres befreit werden.

Unter dicken Laubschichten haben wir ein paar Winterlinge freigelegt. Es sind zwar nur wenige, trotzdem war ich glücklich, sie zu sehen. Denn sie erinnern mich an zwei Freundinnen und eine gute Bekannte, die in den letzten Jahren gestorben sind. Eine hat mir kurz vor ihrem Tod ein paar Winterlinge geschenkt. Bis sie einen gelben Teppich bilden wie in ihrem Garten, werden wohl noch Jahre vergehen. Aber ich hoffe, dass sie sich irgendwann genauso ausbreiten wie die Scillas.

Auch die Blausternchen haben meine Geduld auf eine lange Probe gestellt. Auf unserem Nachbargrundstück blühten nämlich jedes Jahr hunderte, auf unserem kein einziges. Es war, als gäbe es eine unsichtbare Grenze. Als das Haus abgerissen wurde, habe ich einige Zwiebeln ausgegraben. Aber erst nach zwei oder drei Jahren breiteten sie sich in unserem Garten aus. Und auch in diesem Jahr lassen die Blüten noch auf sich warten, ebenso wie Hyazinthen und Traubenhyazinthen.

Die Krokusse blühen schon. Bei uns im Garten fühlen sich vor allem die Elfenkrokusse mit ihren zartlila Blättern. Sie vermehren sich von selbst und sprießen überall  – auf den Beeten und auf dem Rasen, wo sie nach Meinung meines Mannes eigentlich nichts zu suchen haben. Auch immer mehr Blaukissen-Blüten wagen sich hervor. Bis sie aber ein lila Kissen bilden, werden wohl noch einige Tage vergehen. Den Lesezwerg stört’s nicht; er ist so in sein Buch vertieft.

Das Hochbeet meines Mannes hat den Winter nicht überlebt. Es ist auseinandergebrochen und nicht mehr zu reparieren. Denn obwohl das Holzgestell mit Folie bzw. Vlies ausgekleidet war, waren die Bretter total morsch. Wenn wir sie nächste Woche in den Nachbarort zum Sperrmüll bringen, kaufen wir im Baumarkt ein neues Hochbeet. Beim Befüllen kommen dann die abgeschnittenen Zweige und ein Teil des Laubs zum Einsatz, die beim Frühjahrsputz angefallen sind. So schließt sich der Kreis

Der Berggarten im Februar

Nicht im Januar, sondern erst im Februar, also einen Monat später als geplant, beginnt mein Projekt Herrenhäuser Gärten. Ich habe mir Anfang des Jahres vorgenommen, einmal im Monat einen Blogbeitrag mit Fotos aus den Herrenhäuser Gärten zu posten. Nicht immer, aber öfter von den gleichen Stellen, damit deutlich wird, wie sich der Garten im Lauf des Jahres verändert. Meist werde ich über den Berggarten schreiben. Denn der ist für mich mit mehr als 12.000 Pflanzenarten der vielfältigere, interessantere und schönere Teil der Herrenhäuser Gärten.

Noch liegt der Berggarten im Winterschlaf. Der ganze Berggarten? Nein. Auch im Winter können im Orchideenhaus 500 bis 800 blühenden Orchideen aus einer der größten Orchideensammlungen der Welt bewundert werden.

Außerdem wachsen dort Baum- und andere Farne, Kaffee- und viele andere Pflanzen, die auf anderen Kontinenten zu Hause sind. Gleich nebenan im Tropenschauhaus fühlt frau sich sich zwischen Palmen, Bromelien, Mango- und Bananenpflanzen in den tropischen Regenwald versetzt.

Die neu gepflanzten Blumen draußen im Schmuckhof blühen noch nicht; im Subtropenhof sind zurzeit nur Fotos von Pflanzen zu sehen. Erst wenn die Eisheiligen im Mai vorbei sind, ziehen die exotischen Kübelpflanzen aus den Gewächshäusern hinter die hohen Backsteinmauern um.

Von den Frühblühern wagen sich bislang nur Schneeglöckchen und Winterlinge hervor und bilden überall im Berggarten dichte Teppiche. Bis Pfingstrosen und andere Stauden den zurzeit kargen Präriegarten wieder in ein Blütenmeer verwandeln, vergehen noch einige Wochen. Die Strauchpfingstrose Jeanne D’Arc hat allerdings schon dicke Knospen und kündet vom Frühling – ebenso wie ein paar Meter weiter im Rhododendronhain die ersten Rhododendronknospen.

Der künstliche Bach im Staudengrund wird erst im März oder April geflutet, die Wasserbassins sind noch abgedeckt, der Moorweiher liegt noch unter einen Eisschicht.

Beeindruckende Bäume

An seinem Ufer steht ein Baum, der mich immer wieder aufs Neue beeindruckt: Die kaukasische Flügelnuss wurde erst 1955 gepflanzt, hat aber laut Website Baumkunde.de schon einen Stammumfang von mehr als fünf Metern und ist über 20 Meter hoch.

Nicht gerade in die Höhe, sondern eher in die Breite wachsen Süntelbuchen. Wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens waren sie früher als Teufels-, Hexen oder Gespensterbäume verschrien und wurden in ihrer Heimat, dem Süntel, fast ausgerottet. Wenn ihre verdrehten und hängenden Äste den Boden berühren, bilden sie Wurzeln und es entstehen neue Stämme. Die mächtige Süntelbuche im Staudengrund ist mein Lieblingsbaum im Berggarten. Solange sie noch keine Blätter trägt, ist gut zu erkennen, was sie so einzigartig macht. Was aussieht wie ein kleiner Wald, ist ein einziger Baum. Im Sommer überdeckt seine Krone fast 1.000 Quadratmeter.

Wie sich Süntelbuchen ausbreiten, können BesucherInnen am Eingang des Staudengrunds in den nächsten Jahren beobachten. Dort stehen sich jetzt zwei rotblättrige Süntelbuchen gegenüber. Weil die ältere in den angrenzenden Fußweg hineinzuwachsen drohte, leitet ein Gerüst ihre Äste über den Weg. Auf der anderen Seite des Weges wurde eine neue Süntelbuche gepflanzt, die ihr entgegen und mit ihr zusammenwachsen soll. Ein Vierteljahrhundert wird es vermutlich dauern, bis ein sich selbst tragender Laubengang entstanden und das stützende Gerüst überflüssig ist. Ich bin gespannt.

Erste Frühlingsboten

Vor ein paar Tagen habe ich die ersten Schneeglöckchen in unserem Garten entdeckt. Nach dem phänologischen Kalender, der sich nicht nach Daten, sondern nach Erscheinungen in der Natur richtet, zeigen sie, dass der Vorfrühling beginnt. Wahrscheinlich hatten sich die kleinen Pflänzchen bislang unter dem Schnee oder unter dem alten Laub versteckt, das noch zu Hauf auf unseren Beeten liegt.

In Frankreich heißen die Schneeglöckchen übrigens „perce-neige“, also „Schneedurchbrecher“, weil sie sich meist als erste Pflanzen durch den Schnee wagen. Angeblich sollen ihre Zwiebeln so viel Eigenwärme erzeugen, dass sie den Blüten einen Weg durch den Schnee schmelzen können. Doch das ist laut Wikipedia wissenschaftlich nicht belegt.

Mutige Blaukissen

Früher als die Schneeglöckchen haben sich die ersten mutigen Blaukissen-Blüten in unserem Garten gezeigt. Das ist erstaunlich, weil Aubrietien angeblich erst ab April blühen. Aber sie genießen bei uns einen großen Standortvorteil: Sie wachsen direkt am Wintergarten. Das überstehende Dach hält Wind und Schnee ab und das Glas reflektiert die Wärme der Sonne, wenn sie denn scheint. Aber es wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis die Blüten wieder einen blau-violetten Teppich bilden.

Winterfeste Schneerosen

Damit, dass meine neue Christrose den ungewohnt schneereichen Winter überlebt hat, habe ich nicht gerechnet. Mein Mann hatte mir die üppig blühende Pflanze im Advent geschenkt – und anders als gewohnt hatte ich sie schon im Dezember ausgewildert. Eigentlich dürfen meine neuen Christ- oder Schneerosen den ersten Winter ihres Lebens im Wintergarten verbringen, um sich allmählich an die Temperaturen draußen zu gewöhnen. Aber unter dem schützenden Glas fühlte sich die Pflanze offensichtlich nicht wohl. Vielleicht war es ihr zu warm oder ihr Topf war zu klein. Hätte ich allerdings geahnt, dass dieser Winter viel schneereicher wird als die vorangegangenen, hätte ich ihr wohl einen größeren Topf spendiert oder einen anderen Platz für sie gesucht.

Draußen im Garten erholte sich die Pflanze schnell, bis sie im neuen Jahr tagelang unter einer dicken Schneeschicht verschwand. Doch die Schneerose machte ihrem Namen alle Ehre – und bewies eindrucksvoll, dass sie wirklich winterhart ist: Als der Schnee geschmolzen war, tau(ch)te sie – ebenso wie ihre vier älteren Brüder und Schwestern – wohlbehalten wieder auf. Mit leicht grünlich verfärbten Blütenblättern, weil es unter der Schneedecke ungewohnt dunkel war. Außerdem war die eine oder andere Blüte unter der Schneelast abgeknickt.

Jetzt bin ich guter Dinge, dass die Schneerosen auch den Hauch von Neuschnee, der sich über Nacht wieder auf ihre (Blüten)Blätter gelegt hat, überstehen und mir noch lange Freude bereiten werden.