Einmal Spanien und zurück

Wenn zwei gemeinsam eine Reise tun, haben sie manchmal unterschiedliche Ziele – und erzählen verschiedene Geschichten. Zum Beispiel mein Mann und ich von unserer Reise nach Spanien.

Hauptziel meines Mannes war es, die totale Sonnenfinsternis am 12. August zu fotografieren und zu sehen (ja, in dieser Reihenfolge). Dafür brauchte er gutes Wetter und einen optimalen Standort – mit freier Sicht nach Westen, möglichst am Meer gelegen, damit die zeitweise verdeckte Sonne sich im Wasser spiegelt.

Für mich war eher der Weg das Ziel. Ich wollte auf unserer Reise gen Süden – und wieder zurück – in meinem Heimatort eine Freundin und Bekannte wiedersehen, ein paar entspannte Tage am Atlantik verbringen und das Guggenheim Museum besichtigen. Denn Bilbao lag auf unserer Reiseroute. Aber mit den Plänen ist es ja bekanntlich so eine Sache.

Start mit Hindernissen

Schon am ersten Morgen weckte uns der Gestank nach faulen Eiern – und der kam nicht von außen, wie mein Mann zunächst vermutete. Eine unserer beiden Solarbatterien war glühend heiß. Kommt beides zusammen, besteht laut Google Explosionsgefahr.

Dass die Panne in Deutschland, in meinem Heimatort an der Mosel, passierte, war wohl Glück im Unglück. Ein Pannenhelfer des ADAC baute die heiße Batterie noch auf dem Stellplatz aus. Der befreundete Besitzer einer Autowerkstatt überprüfte beide Batterien und entsorgte sie, und eine Werkstatt in Trier baute zwei neue Batterien ein. Unsere Reise konnte also weitergehen, wenn auch später als geplant. So blieb mir mehr Zeit für Treffen mit meiner Freundin und Spaziergänge durch meinen Heimatort. Den Besuch im Guggenheim Museum musste ich dagegen streichen. Denn für den Sonntag, den Tag unserer Ankunft in Bilbao, konnten keine Tickets mehr gebucht werden.

Von Perigueux …

Das Schöne an Reisen mit dem Wohnmobil ist, dass man flexibel ist und immer wieder Orte entdeckt, die man vorher nicht kannte. Perigueux zum Beispiel. Ich hatte das Städtchen ausgewählt, weil es einen Stellplatz für Wohnmobile hat und ganz in der Nähe der Autobahn Richtung Bordeaux liegt – und habe mich dann in die „Hauptstadt des Perigord“ verliebt.  

Schon der Stellplatz übertrag meine Erwartungen. Der lag zwar ganz unromantisch zwischen Hochhäusern, aber direkt an der Isles. Zu Fuß brauchte ich bis ins Zentrum von Perigueux  nur ein paar Minuten. Hauptsehenswürdigkeit von Perigueux ist die Kathedrale, die als die größte in Südwestfrankreich gilt. Noch besser hat mir aber die Altstadt mit ihren gut erhaltenen Häusern – teilweise aus dem 15. Jahrhundert – und vielen kleinen Läden gefallen (In einem habe ich mir das Heft gekauft, das zu meinem Reisetagebuch wurde). Bis in die Nacht herrschte auf den Plätzen, in den Straßen und engen Gassen Hochbetrieb. Denn an den Donnerstagen im Juli und August verwandeln die „Nuits Gourmandes“ die Stadt in ein großes Restaurant. Begeistert hat mich auch die kleine Galerie Bleue direkt gegenüber der Kathedrale. Weil der Maler David Farren geborener Engländer ist, konnte ich mich ganz gut mit ihm unterhalten. Denn mein Englisch ist zum Glück besser als mein Französisch.

… an den Atlantik

Gegen so viel Flair hatten unsere beiden nächsten Übernachtungsorte – Biarritz an der französischen und Laredo an der spanischen Atlantikküste – keine Chance. Von Biarritz habe ich zugegebenerweise nur den Campingplatz und den Strand gesehen: Leider waren die Strandabschnitte ungleich verteilt: Die SchwimmerInnen – etwa 200 – mussten mit einem Strandabschnitt von etwa 200 Metern vorliebnehmen, den Großteil des Strands hatten etwa ein Dutzend SurferInnen für sich.

In Laredo war Schwimmen überall erlaubt. Trotzdem würde ich gewiss nie dort Urlaub machen: Denn der Ort ist, vorsichtig formuliert, keine Schönheit. Ein Hochhaus reiht sich an das andere. Und mein Weg vom Campingplatz zum Strand führte durch das Mini-Vergnügungsviertel des Städtchens. Sein Name Arenal – wie der Bade- und Partyort an der Südküste Mallorcas – ist Programm: Es ist ein Mini-Ballermann. Trotzdem habe ich es genossen, im Atlantik zu schwimmen, nur die Wellen hätten etwas höher sein dürfen.  

Als idealen Ort für die Sonnenfinsternis hatte mein Mann eigentlich Cabo Busto, zwischen Gijon und A Coruna direkt am Atlantik gelegen, ausgesucht. Das war mir sehr recht. Denn die Gegend hat laut www.asturias.com  eigentlich alles, was ich mir von einer Urlaubsregion wünsche: nette kleine Orte,  beispielsweise Busto selbst und das nahe gelegene Luarca, schöne Strände, schroffe Felsen, wunderschöne Ausblicke und Wandermöglichkeiten. Ob das stimmt, konnte ich leider nicht überprüfen. Denn der Wetterbericht verhieß für den Tag der Sonnenfinsternis für die Küste nichts Gutes, sprich Wolken. Im Landesinneren sollte der Himmel dagegen wolkenlos sein.

Auf der Suche nach dem idealen Ort

Also auf nach Burgos. In die Hauptstadt der Provinz Kastilien und León wäre ich ohne die Sonnenfinsternis sicher nie gekommen. Und obwohl Hotels und Campingplätze der Region angeblich schon lange ausgebucht waren, waren auf dem Campingplatz Fuentes Blancas noch einige Stellplätze frei. Dass ich an der Rezeption fast eine Stunde warten musste, lag nicht an der Sonnenfinsternis, sondern vor allem daran, dass eine Frau vor mir eine ganze Gruppe anmeldete – und der Mitarbeiter mehr als 20 Ausweise kontrollieren und die Daten erfassen musste. Denn mit der Registrierung nehmen es die spanischen Behörden offenbar sehr genau. Von wegen manana, manana. 

Der Weg vom Campingplatz in die Stadt führt immer am Río Arlanzón entlang – und in Burgos führt kein Weg an der Kathedrale vorbei, seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe. Ihre Größe und Pracht hat mich wirklich beeindruckt: An die Quer- und Seitenschiffe der ursprünglich kreuzförmigen Kirche wurden später Kapellen, ein Kreuzgang und der erzbischöfliche Palast angebaut. Im Innenraum sind unter anderem 19 Kapellen, 35 Gitter, 38 Altäre mit filigranen Altarbildern und kunstvoll gestaltete Kuppeln in luftiger Höhe zu bewundern – eins prächtiger als das andere.

Prächtig ist auch der Arco de Santa Maria, eines von zwölf mittelalterlichen Stadttoren – zumindest auf der Vorderseite. Sie wurde im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil umgebaut und mit aufwendig gemeißeltem Figuren, Wappensymbolen und Türmchen verziert. Die Rückseite präsentiert sich dagegen eher schlicht.

Obwohl Burgos direkt auf der Zentrallinie liegt, war von SoFi-Fieber dort nichts zu spüren.  Das war in Olmillos de Sasamón ganz anders. In dem Dörfchen westlich von Burgos waren fast alle Häuser mit Planeten-, Science-Fiction und astronomischen Motiven geschmückt.

Auf dem Rastplatz, auf dem wir unsere Beobachtungsstation aufgebaut hatten, hielt sich das Interesse an der Sonnenfinsternis dagegen in Grenzen. Während auf Mallorca angeblich wegen des Besucherandrangs Straßen gesperrt wurden, wartete mit uns nur ein Paar aus Deutschland und eines aus Irland auf den Abend. Erst während der Sonnenfinsternis gesellten sich dann noch ein paar SpanierInnen hinzu. Wohl eher zufällig, denn sie hatten nicht einmal Sonnenschutzbrillen dabei.

Als die Sonne wieder aus dem Schatten des Mondes hervorkam und dann unterging, begann unsere Heimreise. Früher als geplant, denn meinen Mann plagten seit Beginn der Reise Zahnschmerzen. Und auch die Hitze machte ihm zu schaffen.

Abstecher in die Vergangenheit

Beaune, die vorletzte Station unserer Reise, hatte ich vor gut vier Jahrzehnten auf einer Geschichtsexkursion durch das Reich Karls V kennengelernt. Das erstreckte sich im 16.Jahrhundert von Spanien über Frankreich und Belgien bis nach Deutschland.  

Schon zu Kaiser Karls Zeiten wurden im Hôtel-Dieu in Beaune kranke Menschen gepflegt. Es wurde laut Wikipedia schon im Jahre 1443 gegründet und bis 1971 als Hospital genutzt. besichtigt. Heute sind Teile des Gebäudekomplexes ein Altersheim, der Rest dient als Museum.

Natürlich haben wir auf unserer Exkursion damals das Hôtel-Dieu besichtigt. Dafür war es diesmal zu spät. Und so bin ich nur durch das Städtchen spaziert und habe die Häuser aus Spätmittelalter, Renaissance und Barock bewundert. Und ich habe mich wieder gefragt, wie viele Häuser, die wir heute bauen, auch nur annähernd so alt werden oder gar dann noch genutzt werden können.

Apropos alt und funktionsfähig. Mein Heimatort Neumagen beansprucht, der älteste Weinort Deutschlands zu sein. Denn der „römischen Dichter und Konsul Decimus Magnus Ausonius erwähnt in seiner „Mosella“ aus dem Jahr 368 n. Chr. das Kastell in Neumagen – damals noch Noviomagus – und die Weinberge an den Moselhängen. Außerdem weisen Funde aus der Römerzeit  darauf hin, dass in Neumagen und Umgebung schon im dritten Jahrhundert nach Christus Wein angebaut und transportiert wurde.

Das Neumagener Weinschiff, das Grabmal eines römischen Weinhändlers, ist wohl das bekannteste Denkmal aus Neumagen. Fast zwei Jahrtausende später – von 2006 bis 2007 – haben Schreiner- und Zimmerer-Azubis in der Handwerkskammer Trier das Weinschiff aus Holz nachgebaut. Es ist fast 18 Meter lang, mehr als 4 Meter breit und etwa 14 Tonnen schwer. Bis zu 32 Menschen können mitfahren, rudern müssen sie zum Glück nicht.

Wir haben die Stella Noviomagi schon oft gesehen. Am letzten Tag unserer Spanienreise sind wir zum ersten Mal damit gefahren. Die Fahrt ging bis zur Moselloreley im Nachbarort Piesport, mit einem Zwischenhalt bei der römischen Kelteranlage. Die stammt aus dem 3./4. Jahrhundert nach Christus, wurde 1985/86 entdeckt, restauriert und ist laut Website des Weininstituts wieder voll funktionsfähig. In der Anlage, zu der mehrere Maischebecken, das Fumarium, d. h. eine Räucherkammer, und die große Baumkelter gehören, konnten die Römer schätzungsweise 60.000 Liter Wein keltern und verarbeiten.

Natürlich wurde an der Kelter auch ein Glas Wein kredenzt. Wir haben allerdings nur einen Schluck getrunken. Schließlich mussten wir noch zurück Burgwedel fahren. Nach zwei Wochen und mehr als 4000 gefahrenen Kilometern waren wir wieder zu Hause.

Fazit

Nein, es lief nicht alles wie geplant, aber das ist bei einer so langen Reise ja auch nicht zu erwarten. Vielleiicht wäre das ja sogar ein bisschen langweilig. Aber ich habe unterwegs viele schöne Orte und Dinge gesehen, viele interessante Gesspräche geführt – mit alten Bekannten und Menschen, die mir unterwegs begegnet sind und die ich wohl nie wieder sehen werde. Ich habe Neues entdeckt und Bekanntes wiederentdeckt, einige Anregungen bekommen und Manches gelernt. Ich bin an mehreren Flüssen entlangspaziert, habe im Atlantik gebadet und das schöne Wetter genossen – auch wenn es manchmal ziemlich heiß war. Und ich durfte mit der Sonnenfinsternis am 12. August ein beeindruckendes Naturschauspiel erleben – zum zweiten Mal in meinem Leben. Was will frau mehr.

Den Reisebericht meines Mannes Utz Schmidtko mit viele Fotos und einem Film von der Sonnenfinsternis finden Sie unter https://sternefueralle.wordpress.com/

Pilgern für AnfängerInnen

Manchmal wirken kurze Begegnungen lange nach, zum Beispiel die mit dem Deutschen auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe von Dijon. Dass wir uns getroffen haben, war Zufall. Denn eigentlich wollten wir auf unserer Fahrt nach Spanien auf einem anderen Campingplatz in Premeaux-Prissey übernachten. Doch dort waren alle Plätze belegt. Ganz in der Nähe hatte ich zufällig das Hinweisschild auf den „Camping Le Moulin De Prissey“ gesehen, auf dem wir dann bleiben konnten.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort? UnserStellplatz auf dem „Camping Le Moulin De Prissey“

Zufällige Begegnung …

Wahrscheinlich hätte ich den Mann gar nicht angesprochen, wenn er uns nicht uns um ein bisschen Öl zum Kochen gebeten hätte. Als er dann essend auf einer Bank saß, kamen wir ins Gespräch. Ich erfuhr, dass er vor über einer Woche in Koblenz losgegangen war und auf dem Jakobsweg durch Frankreich pilgerte.

Zu Fuß durch Frankreich zu gehen – das käme mir nie in den Sinn. Denn schon wenn man mit 100 Kilometern pro Stunde durchs Land fährt, ziehen sich manche Strecken endlos. Wie mag das erst bei einer Reisegeschwindigkeit von maximal 30 Kilometern pro Tag sein – bei Temperaturen um die 40 Grad.

Es sei schon eine Herausforderung, gab der Pilger zu. Pilgerherbergen gebe es auf dem Weg kaum, deshalb übernachte er oft im Zelt. Und während der Camino Francés in Spanien stark frequentiert, ja sogar überlaufen ist, war der Mann aus Koblenz bislang keinem einzigen Pilger begegnet. Es war eine einsame Wanderung mit wenig Abwechslung. Trotzdem wollte er weitergehen, möglichst bis Pamplona. In seinem nächsten Urlaub werde er dann die Pilgerreise durch Spanien fortsetzen.

Meinen Traum, irgendwann den Jakobsweg zu gehen, habe ich schon vor Jahren ad acta gelegt. Denn auf einer Reise durch Nordspanien habe ich gesehen, dass der Camino oft entlang der Schnellstraßen verläuft. Kilometerweit am Rand vielbefahrener Straßen zu wandern, ist für mich keine Option. Und auch die Schilderungen von überfüllten Schlafsälen in den Herbergen schrecken mich zugegebenerweise  ab.

Es gebe sicher schönere Wanderungen, aber trotz aller Strapazen und Widrigkeiten kehrten viele, die den Camino einmal gegangen sind, wieder zurück, meinte der Pilger: „Der Weg macht etwas mit den Menschen, die ihn gehen, auch mit denen, die nicht religiös sind.“

… mit Folgen?

Als ich mich am nächsten Morgen von ihm verabschieden möchte, ist er verschwunden. Aber unser kurzes Gespräch spukt seither in meinem Kopf. Ein bisschen mehr Spiritualität könnte mir und meinem Leben sicher nicht schaden. Und während wir durch Frankreich und Spanien fahren, denke ich immer wieder an ein Buch, das ich vor Kurzem gelesen habe: „Leichtes Herz und schwere Beine: Mit Mama auf dem Jakobsweg“  von Tobias Schlegl.* Der ehemalige Aspekte-Moderator hat seine Mutter auf dem Jakobsweg begleitet. Sie ist 73 Jahre alt und wollte auf dem Camino darüber nachdenken, was im letzten Teil ihres Lebens passieren soll. Die Zeit und Ruhe zum Nachdenken dazu findet sie beim Wandern.

Das verstehe ich gut – mir geht es ähnlich. Aber der Camino muss es nicht gleich sein. Wenn überhaupt, würde ich den portugiesischen Jakobsweg gehen, und zwar den Küstenweg (Camino da Costa), der meist am Atlantik entlangführt. Oder den Mosel-Camino von Koblenz-Stolzenfels nach Trier. Zu meinem 50. Geburtstag habe ich mir die Teilnahme am 100-Kilometer-Lauf von Biel „geschenkt“. Vielleicht schenke ich mir zum 70. die Wanderung auf dem Mosel-Camino durch meine alte Heimat. Wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahr.

Harzer Klosterweg – zweiter Versuch

Doch nach unserer Rückkehr aus Spanien starte ich zunächst mit einer Wanderung auf dem Harzer Klosterweg, der durch das Harzvorland von Goslar nach Quedlinburg führt. Gemeinsam mit meiner Tochter bin ich vor drei Jahren die erste Etappe von Goslar nach Vienenburg gegangen. Weil uns die Strecke aber nicht so gut gefallen hat, habe ich den Weg nicht fortgesetzt. Aber vielleicht ist ja jetzt der richtige Zeitpunkt. 

Diesmal gehe ich alleine los, und zwar von Wernigerode nach Ilsenburg. Drei Klöster liegen auf der Etappe, in keinem leben mehr Mönche oder Nonnen. Vom Augustiner-Eremitenkloster Himmelpforte, vom 13. bis zum 16. Jahrhundert wohl ein bedeutendes religiöses, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region, sind heute sogar nur noch ein paar Grundmauern übrig.

Nur eine Bank und einige Infotafeln erinnern an das einst bedeutende Kloster Himmelpforten

Kloster Nummer zwei, die ehemalige Benediktinerinnen-Abtei Kloster Drübeck, wurde laut Wikipedia auf Bitte der letzten Äbtissin 1946 in ein Erholungsheim mit Tagungsstätte umgewandelt. Heute ist das Kloster eine Tagungsstätte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die Atmosphäre des ehemaligen Klosters gefällt mir: Es ist ruhig, ein bisschen scheint die Zeit hier still zu stehen. Hier würde ich gerne ein paar Tage verbringen. Ich spaziere durch den Klostergarten und schaue mir die Klosterkirche an. Sie hebt sich durch ihre Schlichtheit wohltuend von vielen überreich verzierten Kirchen ab, die ich auf unserer Fahrt durch Frankreich und Spanien besichtigt habe.

Das letzte Kloster, Kloster Ilsenburg, habe ich mir nur von außen angesehen. Für eine Besichtigung blieb keine Zeit. Denn meine Katzensitterpflichten riefen. Aber wenn ich demnächst die Klosterweg-Etappe von Vieneburg nach Ilsenburg gehe, werde ich das das nachholen.

*Tobias Schlegl: „Leichtes Herz und schwere Beine: Mit Mama auf dem Jakobsweg. Ein inspirierendes Buch über Familie, das Älterwerden und den Camino“. Piper 2025.

12 von 12 im August: Alles dreht sich um die Sonne

Zugegeben, ich bin spät dran. Aber obwohl heute schon der 13. ist, möchte ich die Fotos, die ich gestern für das Projekt 12 von 12 gemacht* habe, noch veröffentlichen. Denn der 12. August war ein besonderer Tag: Gegen Abend verdeckte der Mond die Sonne für etwa anderthalb Minuten komplett. Das geschieht zwar im Schnitt zweimal im Jahr, ist aber nur selten an Orten zu sehen, die von Deutschland aus gut zu erreichen sind. Ich habe, obwohl ich fast 70 bin, erst eine Sonnenfinsternis erlebt – und die hat mich wirklich beeindruckt.

Mein Mann ist begeisterter Amateur-Astronom – und so sind wir, um die totale Sonnenfinsternis zu erleben, mit dem Wohnmobil nach Spanien gefahren. Einer der Orte, die fast auf der Zentrallinie liegen ist Burgos. Außerdem ist in der Region die Chance, dass der Himmel in der entscheidenden Zeit – von 19:33 bis 21:15 Uhr – wolkenlos ist, recht groß.

Die beiden letzten Nächte vor der Sonnenfinstenis verbrachten wir auf dem Campingplatz Las Fuentes Blancas in Burgos. Wegen des besonderen Ereignisses waren fast alle Stellplätze belegt, aber die Atmosphäre war sehr entspannt und ruhig.

Ob zu Hause oder unterwegs:  Mein Tag beginnt (meist) mit den Morgenseiten. Aber 2.000 Kilometer südlich und 500 Kilometer westlich von Hannover ist es kurz nach 6 noch dunkel. Doch mit meinem iPad kann ich zum Glück auch im Dunkeln schreiben.

Nach dem Morgenkaffee – diesmal im Freien –

… ging’s zu einem anderen Stellplatz gut 30 Kilometer westlich von Burgos. Der lag zwar ganz unromantisch direkt an der Autobahn, bot aber freie Sicht nach Westen und damit optimale Voraussetzungen für Sonnenfinsternis-Fotos.

Schatten gab es dort nicht – die Temperatur kletterte schon vormittags auf über 40 Grad. Trotzdem arbeitete ich eine Zeit lang in unserem Schlaf-Wohn-Ess-Büro …

… bevor ich Olmillos de Sasamón, das Dörfchen in der Nähe unseres Beobachtungsplatzes, erkundete. Gerne wäre ich auf die Türme der Burg aus dem 15. Jahrhundert gestiegen. Aber das Castillo de los Cartagena wird leider als Hotel genutzt.

Der kleine Ort war offenbar im So-Fi-Fieber; fast alle Häuser waren mit Planeten- und anderen astronomischen Motiven geschmückt.

Wieder zurück im Wohnmobil, präpariere ich die Spezialbrille, ohne die man nicht in die Sonne schauen darf.

… während mein Mann noch einmal seine Fototechnik testet.

Gegen 19.30 Uhr begann dann das besondere Naturschauspiel: Langsam „fraß“ der Mond die Sonne auf, die Landschaft wurde in ein ganz besonderes Licht getaucht, und die Corona, der Höhepunkt der Sonnenfinsternis war wirklich wunderschön.

Foto: Utz Schmidtko

Sie dauerte nur etwa eine halbe Minute, dann kehrte die Sonne zurück – am Anfang war sie noch etwas „angeknabbert“, aber nach einer Stunde war sie wieder komplett. Zum Glück.

* Das Projekt 12 von 12 wurde von Chad Darnell initiiert und wird in Deutschland von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt. 

Wandern im Naturpark Sintra-Cascais

Ursprünglich wollten Foe und ich eine Woche lang auf dem Fischerpfad in Portugal wandern. Doch weil uns beide Knie- bzw. Fußverletzungen oder deren Nachwirkungen plagen, haben wir uns für Tageswanderungen entschieden. Dass die Organisation, die die Wanderreise in der Gegend von Sintra eigentlich organisieren sollte, uns keine Unterkunft in Cascais anbieten konnte, war im Nachhinein unser Glück: Foe fand für uns eine Ferienwohnung in Azenhas do Mar – eine sehr gute Alternative.

Azenhas do Mar

Die Landschaft im Naturpark Sintra-Cascais ist ein Traum – und Azenhas do Mar gilt als eines der schönsten Dörfer in Portugal. Die weißen Häuser liegen auf einer Klippe hoch über dem Atlantik. Von unserer Wohnung bis zum kleinen Strand waren es nicht einmal 200 Meter.

Um das Meer zu sehen, mussten wir nur zur Straße direkt vor unserem Haus gehen. Unter der Straße liegt eine Grünanlage mit einem Bach, der am Strand ins Meer mündet. Früher hat er wohl die Wassermühlen betrieben, die dem Ort seinen Namen gaben. Denn Azenhas bedeutet auf Deutsch Wassermühlen.

Der kleine Park endet am Restaurant Azenhas do Mar, in dem man, geschützt hinter Glas sitzend, essen und den Blick aufs Meer genießen kann. Den Sandstrand erreicht man von dort über eine aus den Felsen gehauene Treppe. Gebadet haben wir leider nicht. Denn die Wellen waren ziemlich hoch. Und der Ozeanpool, auf verschiedenen Websites unter anderem als „ein wahres Naturjuwel und eines der Wahrzeichen dieses Küstendorfes“ beschrieben, war und blieb die ganze Woche verschwunden. Das Becken soll laut idealista.pt in den 1950er-Jahren gebaut worden sein und sowohl vom Bach als auch bei Flut vom Atlantik gespeist werden. Das Wasser ist also garantiert immer frisch.

Wir haben allerdings nur einen Teil der Mauer gesehen, obwohl wir bei verschiedenen Gezeiten – bei Ebbe und Flut, bei Hoch-, Niedrigwasser und dazwischen – am Strand waren. Ob der Rest unterm Sand vergraben war und erst im Sommer freigelegt wird oder ob das Meer die übrigen Mauerteile verschlungen hat, weiß ich nicht. Immer, wenn ich am Strand saß, musste ich an die Zeile aus Theodor Fontanes Gedicht „Die Brücke am Tay“ denken: „Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand“.*

Im Atlantik geschwommen sind wir also nicht, dafür aber viel gewandert: Fast immer direkt am Meer entlang, auf schönen, teilweise recht anspruchsvollen, weil steinigen und steilen Wanderwegen mit oft atemberaubende Ausblicken. An den beiden ersten Tagen sind wir von Azenhas losgewandert, an den anderen Tagen sind wir mit dem Bus losgefahren, um neue Wege zu entdecken.

Busfahren war ein Abenteuer für sich: An den meisten Bushaltestellen gibt es keine Fahrpläne. Die Busse fuhren zwar häufig, aber eben nicht immer dann, wenn sie im Internet angekündigt waren. Mal kamen sie später, manchmal fuhren sie aber auch früher los. Wer das nicht einkalkuliert und pünktlich auf die Minute kommt, kann Pech haben – und muss auf den nächsten Bus warten. Wir haben unsere Ziele (Sintra, Almoçageme, Cabo da Roca oder Praia do Magoito) trotzdem immer erreicht und sind auch wieder gut nach Hause gekommen.

Cabo da Roca

Besonders gut gefallen haben mir die Wanderungen von Azenhas bzw. Praia do Magoito Richtung Norden und von Almoçageme zum Cabo da Roca. Unterwegs sind uns kaum Menschen begegnet – so haben wir in zweieinhalb Stunden auf dem Weg zum Cabo da Roca nur zwei Frauen getroffen. Dafür herrschte am Cabo selbst Hochbetrieb. Das Felsenkap ist der westlichste Punkt auf dem europäischen Festland. Um ein Foto vor der Säule mit einem entsprechenden Hinweisschild zu machen oder sich im Tourismusbüro eine Urkunde ausstellen lassen, die den Besuch am Cabo da Roca bescheinigt, standen die BesucherInnen aus aller Welt Schlange.

Der Leuchtturm, das Wahrzeichen des Kaps, thront auf einem 140 m hohen Felsen und ist 22 Meter hoch. Heute ist sein Licht ist 48 Kilometer weit zu sehen, der Leuchtturm selbst ist abgesperrt und kann nicht besichtigt werden.

Sintra

Viel los war auch in Sintra: Die alte Maurenstadt gehört laut Website Portugal360.de zum portugiesischen UNESCO-Welterbe und war viele Jahrhunderte die Sommersitz der portugiesischen Könige. In dem zwischen Lissabon und Azenhas do Mar gelegenen Städtchen finden sich laut Website einige der schönsten Sehenswürdigkeiten Portugals, unter anderem der Palácio Nacional da Pena, der Paco Real oder Palácio Nacional de Sintra,  die maurische Burgruine Castelo dos Mouros und natürlich die Quinta da Regaleira.

Das Anwesen am Rande der historischen Altstadt stand schon lange auf Foes To-visit-Liste. Es wurde zwischen 1904 und 1910 nach Entwürfen und Vorstellungen seines Besitzer António Augusto Carvalho Monteiro erbaut. Der steinreiche Unternehmer, fasziniert von Freimaurern, Tempelrittern und Rosenkreuzern, errichtete mithilfe des italienischen Architekten Luigi Manini „einen Ort, der seine Leidenschaften und philosophischen Überzeugungen widerspiegelte“. Entsprechende Symbole und Hinweise kann man überall auf dem Anwesen entdecken, wenn man sie denn (er)kennt.

Der fünfstöckige Palast sieht aus wie ein Märchenschloss. Die Fassade vereint neomanuelinische, neogotische und Renaissance-Elemente; die Räume sind mit kunstvollen Fresken, ebenso kunstvollen Holzdecken und bunten Glasfenstern ausgestattet. Highlight ist aber der Park mit Seen, Grotten, Brunnen, Brücken und unterirdischen Tunnelsystemen.

Tunnel und dunkle Höhlen sind nicht so mein Ding. Aber natürlich sind wir in den berühmten Initiationsbrunnen (Poço Iniciàtico) hinabgestiegen. Der ähnelt einem umgedrehten Turm und gilt als das „wahre Herz der Quinta da Regaleira“. Vor seinem Eingang bildeten sich bald lange Schlangen. Doch weil wir vom Eingang sofort zum Brunnen gegangen waren, kamen wir ohne Wartezeit hinein.

Eine Wendeltreppe führt 27 Meter oder neun Plattformen tief hinab. Die Zahl neun soll eine Anspielung auf die neun Kreise der Hölle aus Dantes “Inferno”. In den Mosaikboden am Fuß des Brunnens ist das persönliche Wappen António Carvalho Monteiros eingelegt: ein achtzackiger Stern mit einem großen Templerkreuz. Unterirdische Gänge führen von dort wieder ins Freie, zu einem kleinen See mit Wasserfall.

Nach dem Besuch der Quinta trennten sich unsere Wege: Foe wanderte zur Maurenburg, ich fuhr mit dem Bus in die historische Altstadt mit verwinkelten Gassen, bunten Häusern und dem beeindruckenden Nationalpalast (Palácio Nacional de Sintra). Der war vom 14. bis zum 20. Jahrhundert königliche Sommerresidenz. Die markanten, konischen Küchenschornsteine, heute ein Wahrzeichen von Sintra, wurden allerdings erst nach dem Erdbeben von 1755 errichtet, das Teile des Palasts zerstörte. 

Diesmal war ich nur im kleinen Garten des Palasts und habe von dort die Maurenburg fotografiert. Beim nächsten Besuch in Sintra möchte ich auch den Palast besichtigen. Den Park des Palacio da Pena werde ich mir ebenfalls ansehen. Auf dem Gelände, das einst so kahl wie eine Mondlandschaft gewesen sein soll, wachsen heute neben einheimischen auch exotische Pflanzen wie tasmanische Baumfarne, Azaleen aus Japan oder kalifornische Mammutbäume. Viele Wanderwege führen durch den Park, einer auch zum Cruz Alta: Von dem mit 528 Metern höchsten Punkt soll man einen herrlichen Blick über die Serra und bis zum Atlantik. Vielleicht entdecke ich dann aus der Ferne auch Azenhas do Mar.

*Das ganze Gedicht von Theodor Fontane und Erläuterungen dazu finden Interessierte unter https://www.deutschland-lese.de/streifzuege/balladen/die-bruecke-am-tay/

Monatsrückblog März 2026

Ja, ich bin mal wieder spät dran. Denn ich habe lange überlegt, ob ich wirklich einen Rückblick für einen Monat schreiben soll, in dem ich wenig unternommen habe. Doch nachdem ich das Plädoyer von Uli Pauer für das Blogformat „12 von 12″ gelesen habe, habe ich entschieden, die noch kleine Serie der Monatsrückblogs fortzusetzen. Denn die Gründe, die sie in ihrem Blogbeitrag für „12 von 12“ nennt, gelten auch für den Monatsrückblick: Er ist eine gute Gelegenheit innezuhalten, zu reflektieren und auch in eher ereignislosen Monaten Besonderes zu entdecken.

Ab nach draußen

Apropos entdecken: Ich lebe schon seit fast vierzig Jahre in Hannover: den Hermann Löns Park in Kleefeld habe ich erst jetzt entdeckt. Dabei liegt er direkt an einer Straßenbahnhaltestelle, ist also mit Öffis gut zu erreichen, hat einen Teich, der wie eine kleine Seenlandschaft wirkt, und viele alte Bäume. Als der Park in den 1930er-Jahren angelegt wurde, wurden nur standorttypische Bäume und Sträucher wie Stieleichen, Linden, Hainbuchen, Weiden, Birken, Haselnuss, Holunder und Traubenkirschen gepflanzt. Auf „fremdländische Pflanzen“ wurde allerdings nicht, allerdings nicht aus ökologischen, sondern aus ideologischen Gründen verzichtet. „Der Park geriet zur ideologiekonformen Grünanlage“, heißt es bei Wikipedia.

Mir gefällt der Park trotzdem, ebenso wie die Schrebergartenkolonie an seiner Nordseite. Die „Kleingartenanlage Annateich“, so ihr offizieller Name, entstand zur gleichen Zeit wie der dem Park. Alle Gärten, rund 200, erhielten damals eine Holzlaube und mindestens einen Apfelbaum. Die meisten Holzlauben wurden inzwischen durch neue ersetzt. Dagegen stehen wohl viele der alten Apfelbäume der Sorte „Ontario“ noch heute in den Gärten. Ein Grund, Park und Schrebergartenkolonie wieder zu besuchen, wenn sie blühen.

Natürlich war ich auch wieder in den Herrenhäuser Gärten . Und natürlich haben wir – mein Mann und ich – ziemlich viel Zeit in unserem Garten verbracht. Der ist zwar nicht sehr groß, aber gerade jetzt im Frühjahr ist viel zu tun. Und irgendwie ist es mit der Garten- wie mit der Hausarbeit: Man wird nie wirklich fertig.

Immer am Wasser lang

Zur Märzbecherblüte nach Hameln habe ich es auch in diesem Jahr leider wieder nicht geschafft. Und ich habe im März auch noch keine längere Wanderung unternommen. Das lag sicher auch daran, dass mich seit Anfang des Monats eine Verletzung am Bein/an der Hüfte plagt. Der Spaziergang durch die Leinemasch war weder besonders lang noch besonders anspruchsvoll.  Aber er führte fast immer am Wasser entlang und endete mit einem kurzen Abstecher ins Landesmuseum. Allerdings nicht in die Kunst-, sondern in die Wasserwelt. Dort leben in großen Aquarien laut Website des Museums über 200 verschiedene Wassertierarten aus unterschiedlichen Lebensräumen, aus Kalt- oder Warmwasser, Süß- oder Salzwasser.

Aber eigentlich besuche ich die Wasserwelten nicht wegen der Fische, Ich mag die besondere Atmosphäre und die Ruhe in dem abgedunkelten Raum mit der blauen Wandverkleidung und der wellenförmigen Decke. Ein wenig fühlt man sich dort wie in einer Unterwasserwelt.

Besonders lange saß ich diesmal vor dem Becken mit einem einsamen Heterochromis multidens. Der afrikanische Buntbarsch, der im mittleren Kongobecken zu Hause ist, sah mit seinen herunterhängenden Mundwinkeln ziemlich traurig aus. Ob er seine Heimat und seine Artgenossen vermisst? Oder ob er nur ungehalten über die Besucherin war, die vor seinem Becken saß und ihn so neugierig anschaute.

Neue Museumscard

Mit dem Kurzbesuch im Landesmuseum habe ich meine neue Museumscard eingeweiht. Dass sie nur in neun Museen in Hannover und in zwei Museen in Hildesheim gilt, habe ich schon mehrmals beklagt. Trotzdem möchte ich die Karte nicht missen. Denn sie ermöglicht es mir, nur kurz in ein Museum zu gehen, um mir ein paar Bilder, einen kleinen Teil einer Ausstellung oder, wie nach der Wanderung durch die Leinemasch, die Fische anzusehen. Müsste ich jedes Mal Eintritt zahlen, würde ich das gewiss nicht tun. Bei meinem Besuch im Wilhelm Busch Museum habe ich Katharina Greves Prinzessin Petronia kennengelernt. Ihretwegen habe ich dann auch Antoine de Saint-Exupérys Buch über ihren berühmten, wenn auch namenlosen Cousin, den kleinen Prinzen, noch einmal gelesen.

Foto: Wilhelm Busch Museum/Katharina Greve

Schreiben

Im Februar habe ich am Schreibmonat der Textmanufaktur teilgenommen und jeden Tag an meinem Roman gearbeitet. Im März ist mir das leider nicht gelungen. Immerhin habe ich sieben Blogbeiträge geschrieben und veröffentlicht. Sie und andere Texte sind teilweise bei den Schreibdates mit Denise Fritsch und Sabine E. Rasch entstanden. Denn mit anderen zu schreiben, motiviert mich immer wieder. Deshalb habe ich auch an dem Online-Schreibtreff der Textmanufaktur zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche teilgenommen. Dass ich das gemeinsame Schreiben wegen einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Nationalsozialisten unterbrochen habe, war nicht geplant. Aber manchmal muss man eben andere Prioritäten setzen

Nie wieder ist jetzt

In der Karwoche 1945, kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs, ermordeten SS-Leute in Burgwedel 20 Menschen. An diese und andere Verbrechen der Nazis und an das Leid der Opfer zu erinnern, ist zurzeit wichtiger denn je. Wenn immer mehr Menschen die AfD wählen und Antisemitismus, Rassismus und rechtsextreme Gedanken wieder salonfähig sind, genügt es nicht, gegen rechts zu sein, frau muss es auch zeigen.

Deshalb habe ich auch an der ersten Prüfdemo in Hannover teilgenommen. Die Aktion PRÜF fordert, dass „alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, … durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden“ sollen. Laut Artikel 21 Abs. 4 GG entscheidet nur das Bundesverfassungsgericht, ob eine Partei verfassungswidrig ist.

Ich zweifle nicht daran, dass Einschätzung der AfD durch den Verfassungsschutz stimmt und dass die Partei eine Gefahr für die Demokratie und die freiheitlich demokratische Grundordnung ist. Aber die Hürden für ein Parteiverbot sind sehr hoch. Zwei Versuche, die NPD verbieten, scheiterten 2003 und 2017 vor dem Bundesverfassungsgericht. Und im Februar dieses Jahres entschied das Verwaltungsgericht Köln in einem Eilverfahren, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als „gesichert rechtsextremistisch“ einstufen und behandeln darf.  Entscheidet das Bundesverfassungsgericht gegen ein AfD-Verbot, wird die Partei das als „Persilschein“ für ihre Propaganda nutzen – und viele werden es glauben. Denn auch wenn die Erkenntnis, dass die menschliche Dummheit (wie das Universum) unendlich ist, wahrscheinlich nicht von Albert Einstein stammt, stimmt sie wohl leider. 

Immer an der Leine lang

Nirgendwo kann ich so gut entspannen wie am Wasser – am Meer, an einem See oder auch an einem Fluss. Und je älter ich werde, desto mehr vermisse ich den Blick aufs Wasser. Das liegt vielleicht daran, dass ich an einem Fluss geboren bin und die ersten 30 Jahre meines Lebens immer an Flüssen gelebt habe. An der Mosel, am Rhein, an der Lahn, dann wieder am Rhein und an der Mosel. Das prägt.

Am neuen Pöttcherteich in Großburgwedel

In der Leinemasch

Im Alltag begnüge ich mich meist damit, zum neuen Pöttcherteich zu gehen, um meine Sehnsucht zu stillen. Gestern, am Weltwassertag, bin ich von einem Vorort durch die Leinemasch bis zum Maschsee und Maschteich im Zentrum Hannovers gewandert. Eine gute Entscheidung: Viel Wasser, viel Natur – und trotz Sonne und Sonntag vergleichsweise wenige Menschen. Erst in der Nähe des Maschsees war dann mehr los.

Die Wege durch das Naherholungs- und Naturschutzgebiet führen fast immer am Wasser entlang: an den weitgehend naturbelassenen Ufern der Leine und der Alten Leine und an zahlreichen Seen und Teichen. Die meisten sind in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durch Ton-, Sand- und Kiesabbau entstanden. Heute darf in vielen geschwommen und geangelt werden.

Die Auenwälder von einst sind zwar fast verschwunden, aber die Leinemasch ist Lebensraum zahlreicher geschützter und seltener Pflanzen- und Tierarten. So leben hier beispielsweise Weißstörche und Biber. Drei Störche habe ich gesehen, die scheuen Biber dagegen nicht. Aber ich habe die Spuren entdeckt, die sie an einigen Bäumen am Leineufer hinterlassen haben.  

Maschsee

Die Leinemasch beginnt – oder endet – an Hannovers größtem Gewässer, der ihr seine Entstehung und seinen Namen verdankt: dem Maschsee. Laut Wikipedia wurde schon im 19. Jahrhundert über die Anlage eines Sees nachgedacht, um Überschwemmungen durch Leine und Ihme im Stadtgebiet zu vermeiden. Umgesetzt wurde die Idee allerdings erst seit 1934. Die Nationalsozialisten wollten mit dem Seeprojekt die Arbeitslosenzahlen verringern. Zeitweise arbeiteten 1650 Menschen schlecht bezahlt am Seebecken und hoben rund 780.000 m³ Boden aus. Eingeweiht wurde der Maschsee dann im Mai 1936.

Maschteich

Meine Wanderung am Wasser endete am idyllischen Maschteich. Der liegt nur einen Steinwurf vom viel größeren Maschsee entfernt im Maschpark, dem ersten kommunalen Park in Hannover. Der Maschpark wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt, als das Neue Rathaus gebaut wurde – quasi als Rathauspark. Wohl deshalb wurden bei der Anlage weder Kosten noch Mühen gescheut: So erhielt der Maschteich eine künstliche Felseninsel aus Tuffsteinblöcken und eine Seerosenbucht, die bis heute erhalten sind.

Fortsetzung folgt

Bis die Seerosen dort blühen, wird es noch ein paar Wochen dauern. Ich werde meine Wanderung durch die Leinemasch sicher früher fortsetzen. Beim nächsten Mal steige ich an der gleich U-Bahn-Haltestelle in Döhren aus und wandere dann gen Süden. Denn die Fluss- und Seenlandschaft geht über die Grenzen Hannovers hinaus bis nach Nordstemmen im Landkreis Hildesheim. Und vielleicht steige ich in Sarstedt aufs Fahrrad um und fahre von dort an der Innerste, einem Nebenfluss der Leine, entlang bis nach Hildesheim …

Monatsrückblog Februar 2026

Eins zwei drei im Sauseschritt … Jetzt ist auch der zweite Monat des Jahres vorbei – und hoffentlich auch der Winter. Die Tage sind zum Glück schon deutlich länger: Zwar ist es morgens, wenn ich aufwache, meist noch nicht hell, aber im Osten ist meist schon ein heller Streifen am Horizont zu sehen.

Ab in den Garten

Am 1. März hat der meteorologische Frühling begonnen, und das Wetter hat sich diesmal nach dem Zeitplan der Meteorologen gerichtet. Der Dauerregen hörte aus, es wurde in der letzten Februarwoche frühlingshaft. Obwohl wir nur einen relativ kleinen Garten haben, war daher Gartenarbeit angesagt. Und auch mein Projekt Herrenhäuser Gärten konnte starten, wenn auch mit einmonatiger Verspätung. Ein Jahr lang möchte ich jeden Monat einen Beitrag über die Herrenhäuser Gärten, vor allem über den Berggarten, posten.

Schreibmonat Februar

Weil ich gerne gemeinsam mit anderen schreibe, habe ich mich für den Schreibmonat Februar der Textmanufaktur angemeldet: Fünf dreistündige Cowritings „zum gemeinsamen Schreiben und zum Austausch“ und ein ambitioniertes Ziel für die TeilnehmerInnen: „Drei Seiten am Tag, 21 pro Woche, 84 im Monat (gern mehr) … Egal, ob es … der liegengebliebene Roman … oder Gedanken, die dir seit Ewigkeiten im Kopf herumschwirren und endlich aufs Papier wollen“ .

Weil ich eine Langsamschreiberin bin und es neben der Geschichte, die ich vor Jahren begonnen habe und die in diesem Jahr endlich zu Ende bringen will, noch andere Ideen und Projekte gibt, habe ich mir eigene Schreibziele gesetzt:

  • jeden Tag an meiner Geschichte arbeiten, das sind mindestens 300 Worte (eine Seite) täglich,  wenn möglich mehr
  • jeden Tag ein Haiku oder ein Elfchen. Denn zum kürzesten Monat des Jahres passen kurze Gedichte
  • mindestens sechs Blogbeiträge posten
  • ein Schreibjournal und ein Naturejournal führen

Die Bilanz am Ende des Monats: Ich habe – alle Schreibprojekte zusammengenommen –32415 Wörter geschrieben, also sogar fast vier Seiten täglich. Das ist mehr, als ich erwartet habe. Mein Roman ist (leider nur) um eine Seite, also um 300 Worte, täglich gewachsen. Statt der angestrebten sechs waren es nur fünf Blogbeiträge und statt 28 kurzer Gedichte nur 20. Immerhin. Mein Arbeitsjournal habe ich fast täglich geführt, mein Naturejournal zugegebener nur gelegentlich. Aber wenn es wärmer wird, bin ich sicher öfter draußen und schreibe dann auch häufiger im Garten oder in der Natur.

Reisen

Manchmal ist es gut, zurückzublicken. Gefühlt habe ich den Februar ganz in Burgwedel und Hannover verbracht. Dass ich zweimal in den Harz gefahren bin, hatte ich schon vergessen. Gewandert bin ich dort im Februar allerdings nicht. Mal war meine Wanderpartnerin, mal war ich nicht fit. Aber es geht wieder voran. Und so haben wir für Anfang Mai einen gemeinsamen Wanderurlaub gebucht. Wir werden allerdings – anders als geplant – nicht die berühmte Rota Vicentina, sondern den Naturpark Sintra-Cascais erwandern. Ich bin sehr gespannt.

Wieder kurze Haare

Soll ich oder soll ich nicht? Seit anderthalb Jahren habe ich meine Haare wachsen lassen, weil ich keine Lust hatte, regelmäßig zum Friseur zu gehen. Zum Schluss waren die Haare fast schulterlang. Jetzt habe ich sie wieder kurz schneiden lassen. „Das sind viel mehr sie selbst“, sagte die Friseurin zu mir, die mir die Haare schneidet, seit ich nicht mehr in Neumagen zu meiner Stammfriseurin gehen kann. Und ich finde, sie hat recht. Außerdem sind kurze Haare viel praktischer, wenn ich wieder häufiger schwimmen gehe. Der Sommer kann also kommen.

Meine To-Want-Liste für das erste Quartal 2026

Ja, ich bin spät dran. Wenn meine To-want-Liste für das erste Quartal 2026 erscheint, ist mehr als ein Sechstel des Quartals bereits vorbei. Doch das hat auch sein Gutes. Studien zufolge werden die meisten Neujahrsvorsätze schon im Januar wieder über Bord geworfen, viele bereits bis zum sogenannten „Quitters Day“, dem „Tag der Aufgebenden“ am zweiten Freitag im Januar. Vielleicht ist meine jetzt verfasste Liste realistischer, weil die erste Euphorie um die guten Vorsätze längst verflogen ist. Dafür, dass ich schon jetzt bei einigen Punkten hinterherhinke, gibt es einen guten Grund. Mich plagt seit Anfang Dezember eine Dauererkältung, bei Wanderungen, Fitnessübungen und anderen sportlichen Aktivitäten ist also derzeit Zurückhaltung angesagt. Doch Besserung ist in Sicht.

Schreiben

  1. Ich schreibe 15 Blogbeiträge
  2. Ich beginne das Projekt Herrenhäuser Gärten: Einmal im Monat schreibe und poste einen Blogbeitrag aus den bzw. über die Herrenhäuser Gärten. Ich möchte immer die gleichen Stellen fotografieren, um zu zeigen, wie sich der Berggarten im Lauf des Jahres verändert
  3. Und noch ein neues Projekt: mein Nature Journal, eine Mischung aus Notizen und Skizzen. Ich möchte heimische Tiere und Pflanzen besser kennen lernen
  4. Ich nehme am Schreibfebruar der Textmanufaktur teil und
  5. arbeite intensiv an meinem Roman. Fernziel: Ich möchte die erste Fassung im zweiten Quartal beenden.
  6. Schreiben dicht am Leben, alltägliches (täglich) notieren, am besten mit der Hand

Lesen

  1. In den vergangenen Jahren habe ich jeweils 60 Bücher gelesen; in diesem Jahr sollen es ein paar mehr sein. Da aber der Januar ja schon halb vorbei ist und der Februar kurz, möchte ich im ersten Quartal 15 Bücher lesen.
  2. Inspiriert von der Death Authors Challenge von Martins Buchgelaber sollen darunter mindestens drei Bücher bereits verstorbener AutorInnen sein.
  3. Jeden Tag ein Gedicht: Am lyrischen Kalender aus dem Diogenes Verlag gefällt mir die bunte Mischung.

Sport/Gesundheit/Entspannung

  1. Ich gehe im Schnitt täglich 10.000 Schritte. Das habe ich vor meinem Unfall im Mai 2025 geschafft, das will ich auch in diesem Jahr wieder erreichen.
  2. Ich etabliere wieder meine tägliche Gymnastik/Fitness-/Yoga-Routine. Ziel: mindestens eine Übungseinheit pro Tag
  3. Ich gönne mir einmal im Monat einen Saunabesuch und
  4. in diesem Quartal endlich wieder eine Fußreflexzonenmassage.
  5. Drei Spaziergänge von mindestens einer halben Stunde in der Woche – möglichst ohne Smartphone, dafür mit Notizbuch.

Reisen/Wandern

  1. Die Märzbecherblüte an Schweineberg bei Hameln steht schon lange auf meiner Wunschliste. Dieses Jahr soll es endlich so weit sein.
  2. Das ist eine gute Gelegenheit, den Deister besser kennenzulernen, der quasi direkt vor meiner Haustür liegt.
  3. Ich besuche zwei Städte, die ich noch nicht kenne, Hameln könnte eine sein.
  4. Ich fahre zur Buchmesse nach Leipzig. Auch dabei könnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn bislang kenne ich in Leipzig nur das Messegelände
  5. Mein Ziel: eine Wanderung im Monat. Es muss nicht immer der Harz sein

    Sonstige Aktivitäten

    1. Ich besuche mindestens eine Ausstellung im Monat. Meine Museumscard läuft aus, Ende des Monats muss ich mir bald eine neue besorgen.
    2. Ich besuche endlich das Sealife in Hannover.
    3. Ich gehe zweimal ins Kino.

    Jahresrückblog 2025

    Ist es schon wieder so weit? Der von Judith Peters initiierte #Jahresrückblog war eine gute Gelegenheit, über das nachzudenken, was 2025 geschehen ist, mit Vergangenem abzuschließen und Ziele für das neue Jahr zu formulieren.

    Wenn ich dem Jahr 2025 ein Motto geben sollte, wäre es der Satz von Blaise Pascal: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.“ Denn mit den Planungen hat es im vergangenen Jahr wirklich nicht besonders gut geklappt. Da war nicht nur mein Unfall im Mai, der unsere Pläne durchkreuzt hat. Auch vorher oder nachdem mein Fuß wieder verheilt war ist vieles nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber andererseits hält es geistig fit und flexibel, wenn frau sich immer wieder auf neue Situationen einstellen und sie bewältigen muss. Das ist mir 2025 recht gut gelungen.

    Meine Themen und Highlights in 2025

    Gesundheit

    Ja, ich gebe zu, ich bin verwöhnt: Wer ohne ernsthafte Erkrankung und ohne gravierende Verletzungen 68 Jahre alt geworden ist, hat wirklich keinen Grund zu klagen. Aber natürlich habe ich mir den Wanderurlaub mit meiner Tochter in Norwegen anders vorgestellt. Und eine mehrfache Sprunggelenksfraktur hätte es auch nicht sein müssen. Aber Shit happens bekanntlich.

    Ich wurde noch in Norwegen zweimal operiert – und hatte Glück im Unglück: Ich bin in einem Wander- und Skigebiet gestürzt. Deshalb haben die Ärztinnen und PflegerInnen im Krankenhaus Volda viel Erfahrungen mit solchen Verletzungen und sie haben ihre Sache sehr gut gemacht. Von meinem Bett im Krankenhaus konnte ich die Berge und den Fjord sehen; der ADAC organisierte meinen Transport von Norwegen nach Hause. Ein halbes Jahr nach dem Unfall sind die Narben kaum mehr zu sehen und ich kann wieder fast beschwerdefrei gehen. Andere Bekannte mit der gleichen Verletzung hatten viel größere Probleme – einige mussten weitere Operationen über sich ergehen lassen und leiden noch unter den Spätfolgen. Dafür, dass mir das erspart geblieben ist, bin ich sehr dankbar.

    Schreiben

    Ich habe fast vierzig Jahre lang mein Geld mit dem Schreiben und Redigieren von Texten verdient – Schreiben spielt in meinem Leben immer noch eine wichtige Rolle. Aber als Rentnerin will ich mich meinen eigenen Schreibprojekten widmen – wann, wenn nicht jetzt. Doch ohne Termindruck von außen fiel es mir schwer, regelmäßig daran zu arbeiten, mein Ziel, den vor Jahren angefangenen Roman zu beenden, rückte in weite Ferne.
    Die Schreibchallenge von Astrid Engel im August hat mir geholfen, meinen eigenen Schreibrhythmus zu finden – an ihr teilzunehmen, war definitiv eine sehr gute Entscheidung.

    Die Aufgabe war leicht zu bewältigen: einen Monat lang jeden Tag einen Text schreiben, ganz egal welchen. Ohne Druck, ohne festen Plan. Als der August zu Ende war, habe ich einfach weitergemacht. Und so wurde Schreiben für mich wieder zur täglichen Gewohnheit – und mit der Übung kam auch der Spaß am Schreiben zurück.

    Eigentlich mag ich Anglizismen nicht, doch hier ist der Ausdruck Gamechanger angebracht. Auch die Cowriting-Angebote der Textmanufaktur und von Denise Fritsch haben mein Schreiben und oder besser gesagt meine Schreibgewohnheitenben stark verändert.

    Ich habe als freie Journalistin und Autorin (fast) immer alleine im Homeoffice gearbeitet – und das war gut so. Mein eigenes Schreibzimmer möchte ich auf keinen Fall missen. Aber vor einigen Jahren habe ich bei einem Schreibwochenende in Wien entdeckt, wie inspirierend und motivierend es ist, gemeinsam mit anderen zu schreiben. Ich habe die Idee dann nach Hannover exportiert – dort ist seit 2020 am ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr Frauenschreibtreff-Zeit.

    Weil nach meinem Unfall in Mai das AutorInnenzentrum in Hannover für mich vorübergehend unerreichbar war, meldete ich mich direkt nach meiner Rückkehr aus Norwegen bei der Textmanufaktur an. Seither logge ich mich, wann immer ich kann, zum Schreiben am Morgen mit Sabine E. Rasch ein. Etwa zur gleichen Zeit habe ich die Schreibdates entdeckt, die Denise Fritsch dreimal wöchentlich organisiert . Beides hat mir sehr geholfen, regelmäßig an meinen Schreibprojekten zu arbeiten. Und allmählich entwickle ich unabhängig von den Cowritings eine eigene Schreibroutine.

    Gemeinsam mit anderen schreiben im AutorInnenzentrum in Hannover

    Reisen

    Eigentlich wollten wir in diesem Jahr nach Holland, Belgien und in die Normandie fahren. Doch unsere Reisepläne blieben durch den Unfall in Norwegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke; mein abrupt endender Urlaub in Norwegen war meine einzige größere (Auslands-)Reise. Immerhin habe ich diese Urlaubswoche sehr genossen. Die Landschaft in Norwegen ist wirklich atemberaubend und die Hauptstadt Oslo auf jeden Fall eine (weitere) Reise wert

    Sieben Wochen lang durfte ich nach der zweiten OP meinen Fuß gar nicht belasten, danach musste ich das Gehen erst wieder lernen. Zudem ist unser Mini-Wohnmobil für mobilitätseingeschränkte Menschen nicht sonderlich gut geeignet. Und so haben wir erst dreieinhalb Monate nach meinem Sturz wieder einen Kurztripp unternommen: natürlich ans Meer, nach Cuxhaven. Weitere Kurzreisen mit dem Wohnmobil an die Nord- und Ostsee – nach Romö, Sylt und Zingst – folgten. Auch mit dem Zug war ich ab September wieder häufiger unterwegs – zu meiner Tochter in den Harz und zu den Enkelkindern nach Hamburg beispielsweise. Zum ersten Mal seit Corona war ich wieder auf der Buchmesse in Frankfurt und zweimal habe ich meine Freundin in Neustadt an der Weinstraße besucht.

    Auch gewandert bin ich seit Oktober schon ein paarmal: Die Strecken sind noch vergleichsweise kurz, aber es geht voran. Und so bin ich guter Dinge, dass ich im nächsten Sommer die geplante mehrtägige Wanderung mit meiner Tochter ohne Probleme und hoffentlich unfallfrei bewältigen werde.

    Kunst

    Besondere Highlights waren sicher die vielen Museen und Ausstellungen, die ich 2025 besucht habe. Allein in Oslo Anfang Mai waren es zwei Skulpturenparks und vier Museen – das Norwegische Widerstandsmuseum, das Zentrum für Holocaust- und Minderheitenstudien, das neue Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design und natürlich das Munch. Das wird laut Wikipedia wegen seiner Fassade manchmal despektierlich „als die größte Leitplankensammlung der Welt bezeichnet“. Aber innen ist es das schönste Museum, das ich bislang gesehen habe. Ich war während meines Oslo-Aufenthalts gleich zweimal dort, beim zweiten Mal zugegebenerweise nicht nur wegen der Kunstwerke, sondern auch wegen der tollen Aussicht auf den Oslofjord.

    Auch vom Ekebergparken hat frau einen tollen Blick auf die Stadt und den Oslofjord. Der Ausblick soll übrigens Edvard Munch zu dem berühhmten Gemälde „der Schrei“ inspiriert haben. Im Park sind 40 Skulpturen und Kunstinstallationen zu sehen, unter anderem von Renoir, Rodin und Dali, aber auch von vielen anderen (zeitgenössischen) KünstlerInnen. Eine wirklich beeindruckende Kombination von Kunst und Natur.

    In Hannover haben mir zwei Ausstellungen im Sprengel Museum besonders gut gefallen: Niki – Kusama – Murakami – Love for infinity, die Werke von Niki de Saint Phalle, Yayoi Kusama und Takashi Murakami zeigt, und „Von Hannover nach Los Angeles“, in der Bilder und Fotos von Käte Steinitz zu sehen sind. Die Malerin, Fotografin, Autorin und Verlegerin musste in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts aus Nazi-Deutschland in die USA fliehen.

    Die Flucht vor den Nazis ist den Menschen nicht gelungen, die der Regensburger Fotograf Stefan Hanke in sieben europäischen Ländern besucht und in ihrem Lebensumfeld oder an Orten ihres Leidens fotografiert hat. 72 eindrucksvolle Schwarz-Weiß Porträts von Überlebenden nationalsozialistischer Konzentrations- und Vernichtungslager waren in der Sonderausstellung „KZ überlebt“ im Landesmuseum zu sehen.  Kurze Texte und Zitate informierten über das unermessliche Leid, das den Menschen angetan wurde, und über ihre persönlichen Lebenswege.

    Besonders stolz war ich auf die Ausstellung Natur-Momente meiner Tochter Nele Schmidtko. Etwa dreißig ihrer Natur- und Landschaftsfotos werden seit August im Haus der Kirche in Bad Harzburg gezeigt. Vögel gehören zu Neles Lieblingsmotiven –besser als die Vogelfotos gefallen mir ihre Landschafts- und Detailaufnahmen, die  die besondere Stimmung und den Zauber des Augenblicks einfangen.

    Oma gegen rechts

    Zunehmender Rechtsextremismus, Rassismus, Hetze gegen Minderheiten und Antisemitismus nicht nur, aber auch in Deutschland, Klimawandel, Krieg in der Ukraine – und ein amerikanischer Präsident, der keine Gelegenheit auslässt, Öl in die überall in der Welt auflodernden Feuer zu gießen und die vertraute Weltordnung zu sabotieren: Selten gab und gibt es so viele Gründe, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. In der ersten Jahreshälfte 2025 habe ich das immer wieder getan. Bei großen Demos wie auf dem hannoverschen Opernplatz oder mit einigen wenigen Omas gegen rechts freitagsabends bei der Solidaritätswache vor der Synagoge der jüdischen Gemeinde. Mein Unfall und persönliche Gründe haben dieses Engagement vorübergehend unterbrochen. Aber ich mache im neuen Jahr weiter, versprochen. Denn gegen rechts sein genügt nicht. Frau muss es auch zeigen. Nie wieder ist nämlich jetzt.

    Beruf: Einstieg in den Ausstieg

    Seit ich vor gut zwei Jahren Rentnerin geworden bin, nehme ich keine Schreibaufträge mehr an. Zwei monatlich erscheinende Zeitschriften habe ich aber weiter korrigiert. Doch Mitte 2025 hat die KI die Korrektur der einen Zeitschrift übernommen. Wirklich unglücklich war ich darüber nicht – jetzt kann ich meine Zeit freier einteilen, ohne Rücksicht auf Abgabe- und Drucktermine. Irgendwann wird die Künstliche Intelligenz wahrscheinlich auch die zweite Zeitschrift korrigieren. Soll sie – ich sehe es gelassen.

    Erste Male – Positives und Negatives

    • Ich habe mir im vergangenen Jahr zum ersten Mal etwas gebrochen, und zwar mein Fußgelenk, leider gleich mehrfach
    • Auch auf die zweite „Premiere“ am gleichen Tag hätte ich gerne verzichtet: auf meine erste Fahrt mit einem geländgängigen Quad. Mit ihm wurde ich vom Hochplateau auf der Insel Runde ins Tal transportiert. Es war ein wilder Ritt im unwegsamen Gelände und einmal haben wir uns so festgefahren, dass wir nur mühsam und mit Hilfe wieder frei kamen.
    • „Challenges“, neudeutsch für Herausforderungen, Aufgaben oder Mutproben, sind spätestens seit der „Ice Bucket Challenge“ sehr populär. Ich habe 2025 zum ersten Mal an einer teilgenommen, nämlich an der Schreibchallenge von Astrid Engel. Meine erste Challenge wird nicht meine letzte sein.
    • Bislang kannte ich nur Adventskalender mit Süßigkeiten oder kleinen Geschenken; digitale Adventskalender waren mir neu. Vor dem 1. Dezember habe ich gleich mehrere abonniert und wenn auch nicht alle, so doch einige Tipps und Empfehlungen umgesetzt. So habe ich mir das in den Kalendern von „Frauen im Business bloggen“ oder der SEO-Akademie empfohlene Plug-in Yoast heruntergeladen, um die Auffindbarkett meines Blogs zu verbessern. Ob das gelingt? Ich bin gespannt.

    Sieben Ziele für 2026

    1. Ich möchte in diesem Jahr endlich meinen Roman zu Ende schreiben.
    2. Ich möchte 2026 mindestens 60 Blogbeiträge veröffentlichen und meinen Instagramaccount reanimieren. Vielleicht schaffe ich es ja auch endlich, die besten Blogbeiträge aus den vergangenen Jahren und einige (kurze) Essays in einem Buch zusammenzufassen.
    3. Endlich an einem Schreibwettbewerb teilnehmen. Eine Schreibfreundin hat mir von einem Ü-70-Wettbewerb erzählt. In diesem Jahr gehöre ich zu dieser Zielgruppe.
    4. Ich kenne leider nur wenige heimische Pflanzen und Tiere. Das will ich ändern: Ich möchte mehr Zeit in der Natur verbringen und meine Beobachtungen und Entdeckungen in einem Nature Journal dokumentieren – mit Skizzen und Worten.
    5. Im vorletzten Jahr und in den ersten Monaten des vergangenen Jahrs bin ich täglich durchschnittlich mehr als 10.000 Schritte gegangen. Das möchte ich auch 2026 wieder erreichen. Denn ich bin überzeugt, dass Gehen nicht nur meinem Körper und meiner Seele guttut, sondern sich auch positiv auf mein Denken und Schreiben auswirkt.
    6. Ich möchte viel in diesem Jahr wieder mehr reisen und wandern. Geplant sind eine Wanderung auf der Rota Vicentina  in Portugal, eine Reise mit dem Wohnmobil zur Sonnenfinsternis nach Spanien sowie Kurztripps an die Mosel, in die Pfalz und ins Elsaß. Auf meiner Städtewunschliste stehen Kopenhagen, Wien und Brügge weit oben.
    7. Last, but not least habe ich mir fest vorgenommen, mich mehr zu engagieren: politisch zum Beispiel bei den Omas gegen rechts, gesellschaftlich im AutorInnenzentrum in Hannover. Dort organisiere ich nach wie vor den Frauenschreibtreff, außerdem engagiere ich mich in einer Gruppe, die den neu gewählten Vorstand unterstützt. Ich übernehme gelegentlich Cowriting-Termine und habe mich zur Kassenprüferin wählen lassen. Das habe ich noch nie gemacht, aber irgendwann ist immer das erste Mal.

    Mein Motto für 2026

    Wann, wenn nicht jetzt. Ich werde in diesem Jahr 70, worauf soll ich also noch warten.

    Kurzer Besuch

    Die nächstliegende Lösung ist nicht immer die beste. Meine Idee, am Samstagmittag nach der Wanderung in Bad Harzburg noch einen Abstecher auf den Weihnachtsmarkt zu machen, erwies sich als Schnapsidee.

    Dabei war der Besuch des Weihnachtsmarkts im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend. Goslar liegt auf Bahnstrecke zwischen Hannover und Bad Harzburg, also quasi auf dem Weg nach Hause. Der Weihnachtsmarkt in der historischen Altstadt gilt als einer der schönsten nicht nur in Niedersachsen. Weihnachtsmarkt & Weihnachtswald Goslar wurden mit dem Qualitätssiegel “Excellent European Christmas Market” ausgezeichnet ubd zählen zu den Top 12 in Europa. Außerdem habe ich – bekennender Weihnachtsmarktfan – mir vorgenommen, in diesem Jahr zwei neue Weihnachtsmärkte kennen zu lernen. Viel Zeit bleibt nicht mehr – schließlich hatten wir schon den dritten Advent. Und so bin ich auf der Rückfahrt nach Burgwedel in Goslar ausgestiegen.

    Eigentlich hätten mich schon die Menschenmassen, die mit mir vom Bahnhof in Richtung Altstadt pilgerten, misstrauisch machen müssen. Die meisten schlenderten gemütlich dem Weihnachtsmarkt entgegen, und wer wie ich gerne etwas zügiger geht – meine Tochter prägte einst den Begriff Speedbummling –, musste sich mühsam durchschlängeln.

    Auf dem Weihnachtsmarkt selbst war dann gar kein Durchkommen mehr. Überall standen und gingen die Menschen dicht an dicht – wer sich die Angebote in den Buden zwischen ansehen oder gar etwas kaufen wollte, brauchte viel Geduld oder starke Ellenbogen. Ich habe bekanntlich beides nicht. Und so war mein Weihnachtsmarktbesuch nach wenigen Minuten beendet; bis zum künstlich angelegten Weihnachtswald mitten in der Altstadt mit 60 weihnachtlich beleuchteten Nadelbäumen und duftendem Waldboden habe ich es gar nicht geschafft.

    Aber der Weihnachtsmarkt zwischen den Fachwerkhäusern hat Flair, das Ambiente ist wirklich außergewöhlich. Ich werde also wiederkommen: allerdings an einem normalen Werktag, möglichst kurz nachdem der Markt eröffnet.

    Weit besser als die Stippvisite auf dem Weihnachtsmarkt hat mir die Wanderung von Bad Harzburg über die Große Bleiche zum Elfenstein gefallen. Von dem Granitfelsen hat man einen wunderschönen Blick auf Bad Harzburg und das Harzvorland. Er galt im Mittelalter als Wohnort von Elfen und anderen Lichtgestalten angesehen. Und die helfen den Menschen ja bekanntlich oft, ihre Wünsche zu erfüllen und ihre positiven Ziele zu erreichen – gerade in der Weihnachtszeit.

    Dass ich jetzt auch längere Strecken, Auf- und Abstiege wieder ohne größere Probleme bewältige, ist für mich ein gutes Zeichen. Es lässt mich hoffen, dass ich im neuen Jahr wieder wie gewohnt wandern kann. Und wenn die Elfen mithelfen, wird es wohl klappen.