Update: Es geht weiter

„Es geht voran“, habe ich Ende August in diesem Blog geschrieben und daran hat sich zum Glück nichts geändert. Mein Fuß heilt besser, als ich nach den ersten Prognosen befürchtet habe – und auch mein Bewegungsradius erweitert sich.

So bin ich vor einer Woche zum ersten Mal seit dem Unfall wieder Rad gefahren: vorsichtig und nicht so schnell, wie ich eigentlich könnte. Denn Radfahren verlernt man ja bekanntlich nicht. Aber so ganz traue ich meinem Fuß noch nicht und ich vermeide daher Situationen, in denen ich plötzlich bremsen oder gar abspringen müsste.

Dabei klappt das Hüpfen von einem Fuß auf den anderen schon ganz gut: Ich kann den Fuß wieder in fast alle Richtungen drehen, auf den Zehenspitzen stehen, das Gewicht beim „einbeinigen Hund“ teilweise oder beim „Baum“ (Yogafans wissen, was ich meine) ganz auf das verletzte Bein verlagern. Und wenn ich gehe, sieht man mir zumindest auf den ersten Blick die Verletzung nicht mehr an. Auch treppauf bewege ich mich wieder recht elegant, treppab gehe ich dagegen (noch) wie meine Mutter mit 85. Aber es wird.

Gewandert bin ich auch zum ersten Mal wieder: nur eine kurze Runde, gerade mal sechseinhalb Kilometer, aber immerhin. Für den Wiedereinstieg nach fast fünf Monaten Wanderpause hatte meine Tochter eine leichte Wanderung bei Bad Harzburg ausgesucht, die laut Wanderapp weder besonderes Können erforderte noch besondere Ansprüche an meine Fitness stellte. Die Wege waren leicht begehbar und vorwiegend flach, aber auch die einzige Steigung – im Harz fast unvermeidlich – habe ich ohne Probleme bewältigt.

Und trotzdem: Irgendwie sitzt die Angst vor einem Ausrutscher oder Fehltritt immer noch in meinem Kopf. Die Sicherheit, dass mir nichts passiert, ist vorläufig dahin. Da hilft wohl nur wie beim Reiten nach einem Sturz: Weitermachen oder besser gesagt weiterwandern. Das will ich bei der nächsten Gelegenheit wieder tun.

Auf dem Weg zum Bahnhof bin ich dann noch im Haus der Kirche in Bad Harzburg vorbeigegangen und habe mir noch einmal die Ausstellung „Natur-Momente“ angesehen. Dabei habe ich mich an die eine oder andere Wanderung erinnert, die meine Tochter und ich gemeinsam unternommen haben. Bis ich meinem Fuß wieder voll belasten kann, wird es zwar noch eine Weile dauern. Aber ich bin sicher, dass ich schon bald wieder längere und anspruchsvollere Strecken bewältigen kann. Und vielleicht besuche ich dann auch noch einmal die Vogelinsel Runde, wo das rechte Foto vom Papageientaucher entstand und wo der Ärger mit meinem Fuß vor fünf Monaten begann.

Die Ausstellung „Natur-Momente“ von Foe Rodens ist noch bis Ende Oktober im Haus der Kirche in Bad Harzburg zu sehen. Mehr Infos unter https://foerodens.wordpress.com/2025/10/04/meine-zweite-fotoausstellung-bad-harzburg/

Es geht voran …

… im wahrsten Sinne des Wortes. Bei Weitem nicht so schnell, wie ich direkt nach meinem Sturz im Mai gedacht habe: Damals glaubte ich, dass ich spätestens im nächsten Monat wieder laufen oder gehen könnte wie vorher. Dass das nicht funktionieren würde, wurde mir bewusst, als die norwegischen ÄrztInnen mir erklärten, dass ich meinen operierten Fuß sechs Wochen lang überhaupt nicht belasten dürfte. Und als ich am 1. Juli, sieben Wochen nach der Operation in Volda, die ersten Schritte ohne Orthese tun durfte, tat jeder Schritt höllisch weh. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, denn in den ersten Wochen nach dem Unfall und der OP war ich quasi schmerzfrei: Die ÄrztInnen und PflegerInnen waren erstaunt, dass ich fast ohne Schmerzmittel auskam, und haben ständig nachgefragt, ob ich nicht Tabletten benötige.

Die ersten Wochen ohne Orthese waren mühsam, daran, auch die Krücken wegzulegen, war gar nicht zu denken. Ich musste das Gehen erst wieder lernen – es dauerte eine Zeit, bis Muskeln, Sehnen und Co sich an ihre neuen MitbewohnerInnen aus Metall gewöhnt hatten.

Das ist ihnen schneller gelungen, als ich befürchtet habe. Bekannte, die sich ebenfalls das Sprunggelenk gebrochen hatten, haben mir erzählt, dass es bei ihnen etwa ein Jahr gedauert hätte, bis sie wieder normal und einigermaßen schmerzfrei gehen konnten. Bei einigen hatte es Komplikationen gegeben – die sind bei mir bisher ausgeblieben.

Die Operations-Wunden sind sehr gut verheilt, die Kontroll-Röntgenaufnahmen zeigen, dass alles im richtigen Fleck ist und so, wie es sein sollte. Inzwischen kann ich schon gut ohne Stützen gehen; nur wenn ich länger und/oder mit Öffis unterwegs bin nehme ich sie manchmal noch mit. Und manchmal, wenn ich sie irgendwo abgestellt habe, vergesse ich, dass ich sie dabei habe, und muss zurückgehen, um sie zu holen. Das ist, finde ich, ein gutes Zeichen.

Mein Bewegungsradius beschränkte sich in den ersten Wochen nach der OP auf Haus, Garten und die Fahrten zu Ärzten und zur Physiotherapie. Allmählich erobere ich aber mein altes Leben zurück. Ich habe die Enkelkinder in Hamburg besucht und meine Tochter – inklusiver ihrer Ausstellung – in Bad Harzburg.

In Hannover war sogar schon mehrmals alleine – beispielsweise in der Bibliothek und in den Herrenhäuser Gärten.

Auch den ersten Kurztripp mit dem Wohnmobil haben wir in der vergangenen Woche unternommen. Wir waren auf unserem „Stammplatz“ in Cuxhaven-Döse. Zum einen ist das der Ort an der Nordsee, der von uns am schnellsten zu erreichen ist. Und zum anderen liegt der Stellplatz direkt hinterm Deich. Nirgendwo kann ich mich besser erholen und entspannen als am Wasser. Wenn ich hier das Meer sehen will, muss ich nur den Radweg überqueren und eine Treppe hoch auf den Deich gehen. Zwar ist das Meer meist nicht da, wenn ich komme, aber das stört mich nicht

Für meinen Fuß war der Kurzurlaub eine Kurzkur. Denn Schlickpackungen gab es bei meinen Strandspaziergängen gratis. Die im Schlick enthaltenen Spurenelemente und Mineralstoffe wie Calcium, Kalium, Magnesium und Phosphor sollen laut Website des Heilbäderverbands Niedersachsen entzündungshemmend wirken, die Durchblutung fördern und Gelenkentzündungen, Prellungen und Verstauchungen lindern. Außerdem stärkt das Gehen auf dem unebenen Wattboden den Fuß und den gesamten Bewegungsablauf.

Bis nach Neuwerk habe ich es diesmal noch nicht geschafft – bis zu der kleinen Insel im Wattenmeer sind es von Duhnen aus etwa zehn Kilometer. Aber irgendwann schaffe ich auch das wieder – frau muss sich eben Ziele setzen.

Natur-Momente – Fotoausstellung von Nele Schmidtko

Im Herbst 2023 hatte meine Tochter ihre erste Fotoausstellung im Unternehmerinnenzentrum in Hannover; vergangene Woche wurde ihre zweite eigene Ausstellung in Bad Harzburg eröffnet. Etwa dreißig Natur- und Landschaftsfotos sind noch bis Ende Oktober im Haus der Kirche zu sehen.

Wann Nele mit dem Fotografieren begonnen hat, weiß ich nicht mehr. Auf dem ersten Foto, das sie mit Kamera – damals noch mit Papas Nikon – zeigt, ist sie höchstens drei oder vier Jahre alt; als Schülerin bekam sie dann eine eigene Kamera. Auch für Vögel hat sich schon als Kind interessiert. Als ich neulich aufgeräumt habe, habe ich ein Bild von einem Goldregenpfeifer gefunden, das sie mit sieben oder acht Jahren gemalt hat. Ich hatte damals noch nie von diesem Vogel gehört – und hatte keine Ahnung, wie er aussieht.

Wenn wir heute gemeinsam wandern, zeigt Nele mir oft Vögel, die ich noch nie gesehen habe. Baumläufer beispielsweise, Schwanzmeisen, Neuntöter oder auch die Papageientaucher. Letztere sehen wirklich urig aus, sie erinnern mich ein bisschen an kleine Pinguine. Sie beim Anflug auf ihre Nester in den Felsen auf der Vogelinsel Runde zu beobachten, war wirklich ein Erlebnis, sie dabei zu fotografieren ist eine Kunst. Ich persönlich habe jetzt allerdings zu den Papageientauchern ein eher gespaltenes Verhältnis, weil ich unmittelbar nachdem ich die flinken Vögel in Aktion gesehen hatte, gestürzt bin und mir das Sprunggelenk gebrochen habe. Manchmal kommt es eben anders … (https://timetoflyblog.com/manchmal-kommt-es-anders).

Vögel gehören zu Neles Lieblingsmotiven. Um sie zu fotografieren, verharrt sie oft stundenlang reglos an einer Stelle, bis Eisvogel, Rabenkrähe, Papageientaucher und Co ihr nahe genug sind – und sie im richtigen Moment auf den Auslöser drücken kann. Wie gut sie dies beherrscht, ahnt man, wenn man in der Ausstellung den Vögeln Auge in Auge gegenübersteht.

Noch besser als die Vogelfotos gefallen mir Neles Landschafts- und Detailaufnahmen, die  die besondere Stimmung und den Zauber des Augenblicks einfangen. Die meisten der in der Ausstellung gezeigten Fotos wurden in Norwegen, Neles Lieblingsreiseland, aufgenommen: die tanzenden Polarlichter beispielsweise oder die drei Gipfel im Licht der Polarnacht, die Sinfonie in Blau oder die Boote am Ufer des Fjords, die aussehen wie gemalt.

Zugegeben: Ich bin als Mutter parteiisch. Aber die „Natur-Momente“ ziehen viele BesucherInnen in ihren Bann. „Ihre Fotos sind absolut sehenswert. Nele Schmidtko versteht es, Landschaften und Tiere so zu fotografieren, dass der Betrachter stehen bleibt, um alle Details zu entdecken“, schrieb Michael Eggers nach der Vernissage in der Goslarschen Zeitung.

Die Ausstellung im Haus der Kirche in der Lutherstraße 7 in Bad Harzburg ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet,derEintritt ist frei. Alle Ausstellungsfotos können auch in anderen Formaten und in unterschiedlichen Ausführungen – z. B. Leinwand, Acrylglas, Fine Art Print – bestellt werden. Die Auflage der meisten Motive ist auf maximal 15 Exemplare limitiert. Mehr Infos und mehr Motive gibt es auf der Website www.foerodens.com.

2025 einhalb

Die erste Hälfte des Jahres ist vorbei, die zweite hat vor ein paar Tagen, am 2. Juli, begonnen. Zeit also für eine Art Halbzeitbilanz.

Same procedure as last year?! Auch in diesem Jahr waren meine guten Vorsätze fast die gleichen wie in den vergangenen Jahren. Und auch diesmal habe ich vieles, was ich mir vorgenommen habe, nicht durchgehalten. Aber vielleicht habe ich in diesem Jahr eine bessere Ausrede. Denn Anfang Mai hat mich mein Ausrutscher beim Wandern in Norwegen aus meinem alltäglichen Leben herauskatapultiert.

Ich habe mir bei dem Sturz zum Glück zwar nur das Fußgelenk gebrochen. Aber zumindest meine sportlichen Ziele sind dadurch in weite Ferne gerückt. Dabei war ich durchaus auf einem guten Weg: Ich bin bis Anfang Mai im Schnitt mehr als die angestrebten 10.000 Schritte täglich gegangen, die Yogaübungen am Morgen waren fester Bestandteil meines Morgenritual. Und ich hatte mir fest vorgenommen, mir nach meiner Rückkehr aus Norwegen eine Saisonkarte fürs Freibad kaufen. Doch dann durfte ich bis zum 1. Juli den Fuß gar nicht belasten. Und auch jetzt meine Mobilität noch stark eingeschränkt. Wenn ich auftrete, ohne die Belastung durch das Abstützen auf Krücken zu reduzieren, tut noch jeder Schritt (sehr) weh. Wahrscheinlich müssen sich Muskeln, Sehnen und Co erst daran gewöhnen, dass sie den begrenzten Platz in meinem Fuß jetzt mit mehreren Schrauben und anderen Metallteilen teilen müssen.

Auch ans Wandern und Reisen war seit dem Sturz nicht zu denken, ja selbst nach Hannover schaffe ich es mit Öffis derzeit noch nicht. Mein Deutschlandticket konnte ich ebenso wenig nutzen wie meine Museumscard und meine Dauerkarte für die Herrenhäuser Gärten. Den Besuch im Rosarium in Uetersen musste ich aufs nächste Jahr verschieben – und vielleicht findet ja auch das Nature Writing Festival in Hamburg 2026 wieder statt. 

Immerhin kann ich jetzt wieder problemlos ins Wohnmobil ein- und aussteigen – vielleicht können wir ja schon in den nächsten Wochen wieder einmal losziehen und zunächst einmal Orte ansteuern, wo ich Freundinnnen treffen oder einfach nur aufs Wasser schauen und meine Seesucht stillen kann.

Weil andere Aktivitäten nicht infrage kamen, hätte ich in den zurückliegenden zwei Monaten ja eigentlich viel Zeit zum Schreiben und Zeichnen gehabt. Aber ich habe völlig unterschätzt, wie eng bei mir Kreativität und Bewegung zusammenhängen: Früher sind viele meiner Artikel und Texte beim Laufen entstanden, seit ich wegen meiner Knie nicht mehr laufen kann, kommen mir beim Gehen viele gute Geh-danken.  

Neu ist die Erkenntnis, dass Bewegung das Denken fördert, nicht: Schon der griechische Philosoph und Naturforscher Aristoteles unterrichtete im 4. Jahrhundert vor Christus seine Schüler im Gehen. Auch in späteren Jahrhunderten war und ist Gehen für viele Schriftsteller und Philosophen Teil ihres (Arbeits)Alltags oder gar sogar ein Schlüsselelement ihrer Kreativität. So behauptete der dänische Philosoph und Schriftsteller Søren Kierkegaard, er habe sich „seine besten Gedanken ergangen“. Und sein Kollege Friedrich Nietzsche traute angeblichnur einem Gedanken …, der mindestens zehn Kilometer gewandert“ ist. Vielleicht stellen sich also auch bei mir Schreibideen und Schreiblust wieder ein, wenn ich mich jetzt wieder mehr bewegen darf. Und noch liegen Jahresziele wie (durchschnittlich) ein Blogbeitrag die Woche nicht in unerreichbarer Ferne.

Auch auf das gemeinsame Schreiben beim Frauenschreibtreff im AutorInnenzentrum musste ich seit Anfang Mai verzichten – dafür nehme ich seit meiner Rückkehr aus Norwegen regelmäßig an der Schreibzeit am Morgen teil, die die Text-Manufaktur ihren Mitgliedern dienstags bis freitags von 8 bis 9 Uhr anbietet. Diese Online-Schreibtreffen will ich auf jeden Fall beibehalten. Vielleicht schaffe ich es ja dann, die beiden Schreibprojekte zu Ende zu bringen, die ganz oben auf der Liste meiner Jahresziele stehen.

Apropos Ziele. Im Oktober 2023 hatte ich – von Kerstin Salvador inspiriert – begonnen, Drei-Monats-Bucket-Listen zu führen. Wer nämlich für kürzere Zeiträume plant, verliert das Ziel nicht so schnell aus den Augen – und verschiebt Dinge im besten Fall nicht auf den nächsten oder übernächsten Monat oder auf den Sankt Nimmerleinstag. Meine ersten Erfahrungen mit den Quartalslisten waren gut – und ich will es in der zweiten Jahreshälfte auf jeden Fall noch einmal versuchen.

Oslo: Liebe auf den zweiten Blick

Nein, es war keine Liebe auf den ersten Blick. Aber das lag vielleicht auch daran, dass das Wetter eher trüb und ich nach der langen Anreise müde und hungrig war, als ich endlich am Bahnhof von Oslo ankam.

Natürlich bin ich trotzdem noch einmal losgezogen, nachdem ich mein Gepäck in meinem Zimmer abgestellt hatte. Das lag ideal, um die Stadt zu erkunden, nämlich in Grønland, nur ein paar hundert Meter vom Bahnhof und vom Wahrzeichen Oslos, der Oper, entfernt. Die wurde direkt am Oslofjord, auf dem Gelände des ehemaligen Hafens gebaut, und erinnert mit der Fassade aus viel weißem Marmor und Glas wirklich ein bisschen an einen riesigen Eisberg, der aus dem Wasser ragt.

Oslos Wahrzeichen: die Oper

Und natürlich tat ich, was wahrscheinlich alle TouristInnen in Oslo tun: Ich stieg aufs Dach der Oper. Zum einen, weil ich natürlich die Aussicht über die Stadt genießen wollte, zum anderen gefällt mir die Idee: Die Oper ist für alle da, auch für Menschen, die mit Oper, klassischer Musik und Bildung wenig am Hut haben.

Wirklich begeistert hat mich der Ausblick am ersten Abend zugegebener Weise (noch) nicht – für meinen Geschmack zu wenig Altstadt-Charme und zu viele moderne (Hoch)häuser. Neben Bahnhof und Oper ragen die beiden höchsten kommerziell genutzten Gebäude Norwegens, das 117 m hohe Radisson Blu Plaza Hotel und das fast ebenso hohe (111 m) Bürogebäude Posthuset, in den Himmel. Direkt hinter dem Bahnhof stehen zwölf schmale, unterschiedlich hohe Hochhäuser, die wegen ihres Aussehens auch „Barcode“ genannt werden. Auch das Munch direkt neben der Oper präsentiert sich sehr modern.

 „Vielleicht hätte auch ein Tag Oslo gereicht“, so mein Fazit am Abend des Ankunftstags. Ich hatte mich geirrt. Der erste Eindruck ist eben doch nicht immer der beste.

Durch Stockholm hatte ich mich im vergangenen Herbst zwei Tage lang treiben lassen, Oslo wollte ich mit dem Oslo Pass entdecken: Mit ihm kommt man gratis in die meisten Museen und Sehenswürdigkeiten in der Stadt, in vielen anderen zahlt man weniger Eintritt. Rabatte gibt es auch auf Sightseeing-Touren, Konzertkarten, in manchen Restaurants und Geschäften. . Busse, Straßenbahnen und einige Fähren in und um Oslo kann man mit dem Oslo Pass ebenfalls kostenlos nutzen. Das habe ich getan, aber wie immer war ich viel zu Fuß unterwegs – und habe en passant so manches entdeckt, was nicht auf meiner To-visit-Liste stand.

Widerstands- und Holocaustmuseum

Das Norwegische Widerstandsmuseum (Norges Hjemmefrontmuseum) beispielsweise in einem kleinen Gebäude auf dem Gelände der Festung Akershus. Die wurde während der deutschen Besetzung Norwegens von 1940 bis 1945 unter anderem als Gefängnis benutzt. Ein düstereres Museum habe ich noch nie gesehen – es befindet sich zum großen Teil in einem schmalen, dunklen Kellergang. Aber es informiert ja auch über das düsterste Kapitel in der deutschen Geschichte und in den deutsch-norwegischen Beziehungen.

Viele NorwegerInnen leisteten Widerstand gegen die nationalsozialistische Terrorherrschaft in ihrem Land – und retteten so manchen Verfolgten das Leben, Über 40.000 NorwegerInnen wurden während der Besatzungszeit inhaftiert und teilweise in deutsche Konzentrationslager verschleppt, etwa 1.500 starben. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Norwegens wurde ermordet, nur 34 Jüdinnen und Juden überlebten.

Vom Schicksal einer jungen jüdischen Frau habe ich dann kurze Zeit später im norwegischen Zentrum für Holocaust- und Minderheitenstudien (Senter for studier av Holocaust og livssynsminoriteter) auf der Halbinsel Bygdøy erfahren.

Ruth Maier wurde 1920 in Wien geboren. 1939 floh sie vor den Nazis nach Norwegen. In ihren Tagebüchern, die sie schon als 13-Jährige in Wien begonnen hat, beschreibt sie ihr Leben in der Emigration – die Aufzeichnungen enden im November 1942, als sie von Oslo nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wird. Die Dichterin Gunvor Hofmo, die mit Ruth Maier befreundet war, bewahrte die Aufzeichnungen auf; erst 2007 wurden sie mit Briefen und Bildern vom norwegischen Schriftsteller Jan Erik Vold auf Norwegisch herausgegeben – und anschließende in mehrere Sprachen übersetzt. Die deutsche Ausgabe erschien 2008 in der Deutschen Verlags Anstalt – ich habe zum Glück ein Buch antiquarisch kaufen können.

Das Munch

Die Bilder Edvard Munchs habe ich im Januar 2024 bei der Ausstellung im Museum Barberini in Potsdam „entdeckt“ . Und so war der Besuch im Munch für mich natürlich ein Muss. Denn über die Hälfte der Gemälde Munchs, alle grafischen Motive und alle existierenden Druckplatten aus dem Nachlass des Malers sind, so Wikipedia, im Besitz des Museums, das 2021 eröffnet wurde.

Von außen ist das Munch sicher nicht jedermanns Sache. Wegen der „mit wellenförmigen Platten aus recyceltem Aluminium“ verkleideten Fassade wird es laut Wikipedia gelegentlich „als die größte Leitplankensammlung der Welt bezeichnet“. Andere erinnert der vom spanischen Architekturbüro Studio Herreros entworfene Bau an einen Bücherstapel, der aus dem Gleichgewicht zu geraten droht.

Aber von innen ist das Munch vielleicht das schönste Museum, das ich je gesehen habe (gut, so viele waren es ja auch noch nicht). Allein wegen des Blicks durch die gläserne Fassade auf den Fjord lohnt der Besuch. Nicht nur, aber auch deswegen bin ich am nächsten Tag noch einmal ins Munch gegangen.

Am ersten Tag habe ich mir alle elf Ausstellungsgalerien angesehen, die sich auf 13 Stockwerke verteilen. Das Museum ist zwar Munch gewidmet, aber Anfang Mai wurden auch drei andere Ausstellungen gezeigt.

Mit den Bildern von Georg Baselitz kann ich zugegebenerweise wenig anfangen – egal ob sie „richtig rum“ oder umgedreht, „feet first“, hängen. Besser haben mir die Werke von Kerstin Brätsch und Kiyoshi Yamamoto gefallen.

Im Mittelpunkt stehen im Munch natürlich die Werke von Edvard Munch. Einige hatte ich ja schon in Potsdam gesehen, aber ich habe natürlich viel Neues entdeckt. Mein Lieblingsbild – und offenbar nicht nur meins – ist und bleibt der Schrei, den es im Munch gleich in drei Versionen gibt. Die Bilder waren bei meinem zweiten Besuch so umlagert, dass es kaum ein Durchkommen gab. 

Das Nationalmuseum

Bilder von Edvard Munch gibt es – natürlich – auch im neuen Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design an derAker Brygge, dem ehemaligen Werftgelände. Insgesamt sind im größten Kunstmuseum Skandinaviens rund 5.000 Objekte – von Design, Kunsthandwerk bis bildender Kunst – aus verschiedenen Jahrhunderten – von der Antike bis zur Gegenwart – zu sehen: neben Werken internationaler KünstlerInnen wie  Claude Monet, Paul Gauguin, Auguste Renoir, Paul Cézanne und Pablo Picasso auch die vieler norwegischer KünstlerInnen.

Besonders beeindruckt haben mich die Bilder von Hans Gude, Peder Balke und Johan Christian Dahl – nicht wegen der Motive, sondern wegen des Lichteinfalls. So möchte ich malen können.

Vigeland-Skulpturenpark

Fans des Bildhauers Gustav Vigeland kommen nicht nur im Nationalmuseum, sondern vor allem auch im Vigelandsanlegget, auf Deutsch Vigeland-Skulpturenpark, auf ihre Kosten. Dort zeigen mehr als 200 seiner Stein- und Bronzeskulpturen Menschen jeden Alters in verschiedenen Lebenslagen: von der Geburt bis zum Tod, mal allein, mal ineinander verschlungen wie im Rad des Lebens oder im Monolith, einer 17 Meter hohen Granitsäule.  Mir haben zwar einige Skulpturen gefallen, aber irgendwie waren mir Skulpturen und Park zu monumental. Die Masse der nackten Körper hat mich fast erschlagen, ebenso wie die Masse der Menschen, die durch den Park pilgerten.

Ekebergparken

Im Ekebergparken war ich am nächsten Morgen fast allein und konnte Natur, Kunst und Panoramablick ungestört genießen. Denn vom Park, der auf einem Hügel westlich der Innenstadt liegt, hat frau einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und den Oslofjord. Der Ausblick soll übrigens Edvard Munch zu seinem berühmtesten Gemälde inspiriert haben.

Heute kann man dort beim Spaziergang durch den Wald 40 Skulpturen und Kunstinstallationen bewundern, unter anderem von Renoir, Rodin und Dali, aber auch von vielen anderen (zeitgenössischen) KünstlerInnen. Besonders beeindruckt haben mich der Junge auf dem Sprungturm von Elmgreen & Dragset und „We come in peace“ von Huma Bhabha.

Auch eine Bekannte aus Hannover habe ich im Ekebergparken wiedergetroffen und auf den ersten Blick wiedererkannt: Niki de Saint Phalles verliebter Vogel (L´ouiseau Amoureux Fontaine) kann die Familienähnlichkeit mit den Nanas in Hannover nicht verleugnen.

Das Café im Ekebergparken war leider noch geschlossen: Ich habe mir aber fest vorgenommen, dort bei einer Tasse Kaffee die Aussicht auf den Oslofjord zu genießen, wenn ich das nächste Mal in Oslo bin. Denn ich habe mich geirrt, zwei Tage sind für Oslo bei Weitem nicht genug. Es gibt noch viel mehr zu entdecken.

Zurück in Deutschland

Ich bin wieder zu Hause, zurück aus Norwegen. Fast eine Woche früher als geplant – aber mit den Plänen ist es ja bekanntlich so eine Sache. Und ich bin auch nicht mit dem Auto zurückgekommen, wie wir es vorgehabt haben. Denn die Ärzte hatten mir kurz nach der OP, mit eingegipstem Fuß, dringend von einer so langen Autofahrt abgeraten. Das Risiko war ihrer Meinung nach zu groß, obwohl wir die Strecke in mehrere Tagesetappen aufgeteilt hätten.

Dass ausgerechnet ich – begeisterte Radfahrerin und Nutzerin öffentlicher Verkehrsmittel – den ADAC einmal in höchsten Tönen loben würde, hätte ich nie gedacht. Wir sind zwar Mitglied im Automobilclub, aber eher aus praktischen Gründen denn aus Überzeugung. Aber der Service des ADAC Ambulanzdienstes hat mich wirklich beeindruckt.

Super Service

Schon kurz nachdem mein Mann den Ambulanzdienst eingeschaltet und über meinen Unfall informiert hatte, nahmen die MitarbeiterInnen Kontakt zu mir und zum Krankenhaus auf. Und als ich ihnen die erforderlichen Unterlagen zugemailt hatte, kontaktierten sie umgehend den behandelnden Arzt – und organisierten meinen Rückflug aus Sogndal.

Der funktionierte reibungslos: Da ich (noch) keine längeren Strecken gehen kann, wurde ich an allen drei Flughäfen – in Sogndal, Bergen und Hamburg – mit einem Rollstuhl zum Flugzeug gebracht bzw. vom Flugzeug abgeholt. Zum ersten Mal gehörte ich zur Passagiergruppe A, also zu denen, die vor allen anderen an Bord gehen dürfen. Und zum ersten Mal in meinem Leben fuhr ich in einem Krankenwagen. Weil ich allerdings in der Nacht vorher kaum ein Auge zugetan hatte, verschlief ich die letzte Etappe meiner Rückreise, die Fahrt von Hamburg nach Burgwedel, völlig.

In Norwegen hatte sich Foe um mich gekümmert; seit ich wieder zu Hause bin, tut das mein Mann. Er erledigt die Haus- und Gartenarbeit und hilft mir bei den vielen kleinen und großen Dingen, die ich zurzeit – auf zwei Krücken gestützt – eben nicht gut alleine oder gar nicht schaffe:  kochen beispielsweise, schnell mal die Treppe hoch in die obere Etage laufen, weil ich etwas aus meinem Schlaf- oder meinem Arbeitszimmer brauche, oder auch nur die Kaffeetasse von der Küche ins Wohnzimmer bringen.

Ich gebe es zu: Mir helfen zu lassen fällt mir ebenso schwer wie den ganzen Tag auf der Couch oder im Sessel zu sitzen. Und auch Geduld gehört nicht gerade zu meinen Kernkompetenzen. Aber die werde ich in der nächsten Zeit brauchen: Mindestens sechs Wochen darf ich den Fuß nicht belasten – und seit der OP sind nicht einmal zwei vergangen. Ich hoffe aber, dass einiges einfacher wird, wenn in der nächsten Woche der Gips durch eine Schiene ersetzt wird. Dann kann ich hoffentlich auch wieder duschen oder sogar baden.

Glück gehabt

Natürlich hatte ich mir meinen Urlaub ein bisschen anders vorgestellt, und natürlich nervt es mich, dass ich ausgerechnet jetzt im Sommer so immobil bin, dass ich weder Rad fahren noch wandern noch schwimmen darf. Aber es gibt keinen Grund zu jammern: Ich hatte eigentlich Glück im Unglück:

Ich habe mir nur den Fuß gebrochen – und zwar in der Nähe von Volda. Das Städtchen liegt in einem Ski-, Wander- und Klettergebiet – und die ÄrztInnen und PflegerInnen der Helse More og Romsdal Klinik kennen sich auch mit komplizierten Knöchelfrakturen wohl sehr gut aus. Ich habe mich dort von Anfang an gut aufgehoben und betreut gefühlt. Und um die Kosten brauchte ich mir ebenfalls keine Gedanken zu machen. Die übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, obwohl Norwegen kein EU-Mitglied ist.

Wie viele Schrauben und Platten nötig waren, um meine Knochen wieder in die richtige Position zu bringen und dort zu halten, wurde mir erst bewusst, als ich mir gestern die Röntgenbilder angesehen habe.

Schmerzen hatte ich trotz Bruch und OP kaum, von meinem Bett im Krankenhaus konnte ich den Fjord und die Berge sehen. Und als ich entlassen wurde, hat mich Foe noch zu ein paar schönen Stellen gefahren.

Für die Rückfahrt von Volda nach Sogndal hat sie dann eine Scenic Route mit wirklich traumhaften Ausblicken ausgewählt. Und so konnte ich die Landschaft zwar nicht wie erhofft erwandern, aber zumindest doch im Vorbeifahren genießen. Things could be worse.

Blogparade „Wohin mich mein Schreiben schon geführt hat“

Kerstin Salvadors Aufruf zur Blogparade hat mich sofort angesprochen. Denn Schreiben begleitet mich eigentlich mein ganzes Erwachsenenleben lang. Angefangen habe ich mit dem Schreiben – genauer gesagt mit dem Tagebuchschreiben – während der Schulzeit, nachdem ich Anne Franks Tagebuch gelesen hatte. Und obwohl ich Germanistik und Geschichte mit Ziel Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien studierte, wollte ich auf keinen Fall Lehrerin werden, sondern beruflich irgendwas mit Schreiben, Büchern oder wie man heute sagenwürde mit Medien machen.

Wenn man mir während oder auch direkt nach dem Studium gesagt hätte, dass ich mein Leben lang mit Schreiben Geld verdienen würde, wäre ich wahrscheinlich überglücklich gewesen. Denn die Aussichten, einen Job bei einer Zeitung oder einem Verlag zu finden, waren damals nicht allzu gut. Vielleicht hatte ich auch einfach nicht genug Selbstvertrauen und Mut – und zu wenig praktische Erfahrung.

Mosel und andere Weinbaugebiete

Zunächst führte mich das Schreiben eher zufällig zurück an die Mosel, in den Ort, in dem ich geboren und aufgewachsen war. Ein Leichtathletikfreund arbeitete dort für einen kleinen Verlag – er vermittelte mir ein dreimonatiges Praktikum, an das sich ein Volontariat anschloss. „Learning bei doing“ war angesagt. Ich war, vielleicht auch, weil ich studiert hatte und gerne schrieb, von Anfang an verantwortlich für das Gesamtwerk Deutscher Wein, eine Bildband-Reihe, die im Verlag herausgegeben wurde. Ich korrigierte und lektorierte nicht nur die Beiträge der anderen Autoren, sondern schrieb viele Texte selbst. Wir recherchierten vor Ort – so führte mich mein Schreiben zunächst in mehrere deutsche Weinbaugebiete – an die Nahe, nach Franken und nach Württemberg.

Nicht des Schreibens, sondern der Liebe wegen, zog ich drei Jahre später nach Norddeutschland. Erfahrung im Verlagswesen hatte ich zwar inzwischen; ich war Mitautorin von vier Büchern und hatte in diesen Büchern auch viele Fotos veröffentlicht. Aber mit kleinem Kind und ohne ausreichende Kinderbetreuung wollte mich niemand fest einstellen. Dass ich als freie Journalistin für Zeitungen, Zeitschriften, Verlage, Verbände und Behörden arbeitete, war zunächst also eher eine Notlösung – doch irgendwann merkte ich, dass diese Art zu arbeiten gut zu mir passte. Ich habe vierzig Jahre lang unzählige Artikel geschrieben, mich dabei mit ganz verschiedenen Themen beschäftigt und mir ein gesundes Halbwissen in vielen Bereichen angeeignet.

Als Autorin im Fernsehen

Für zwei Sachbücher, die im Rowohlt Taschenbuch Verlag veröffentlicht wurden, habe ich Frauen bzw. Paare in ganz Deutschland – von Hamburg bis München – besucht und interviewt. Daran, dass mein Schreiben mich zweimal ins Fernsehen gebracht hat, habe ich mich erst beim Schreiben dieses Blogbeitrags wieder erinnert. Einmal fuhr ich für einen Auftritt in Jürgen Flieges Talkshow nach München; für den zweiten Beitrag kam ein Fernsehteam aus NRW zu uns nach Burgwedel. Doch das Fernsehen ist nicht meine Welt. Ich stehe nicht gerne vor der Kamera.

Die Interviews für die Zeitschriftenartikel führte ich meist telefonisch; Recherchereisen waren, weil sie von meinen Auftraggebern leider nicht bezahlt wurden, eher selten. Manches Projekt, über das ich geschrieben habe, habe ich live nicht gesehen. So war ich immer noch nicht im Anne Frank Haus in Amsterdam. Aber es steht weit oben auf meiner To-visit-Liste.

Schreiben und reisen im Wohnmobil

Weil ich für mehrere Campingzeitschriften arbeitete, haben wir uns irgendwann ein Wohnmobil angeschafft: So konnte ich schreiben und reisen, Beruf und Freizeit miteinander verbinden. Ich habe zum Beispiel Artikel über Inselhopping an der Ostsee geschrieben, über Camping zwischen Weinbergen an der Mosel, an oberitalienischen Seen oder an der Costa Brava.

Weil uns diese Art des Reisens gefallen hat, haben wir uns wieder ein Wohnmobil gekauft, als ich Rentnerin geworden bin. Obwohl ich mein Geld nicht mehr mit Schreiben verdiene, schreibe ich immer noch täglich. Zum Tagebuch sind längst die Morgenseiten gekommen, die mir helfen, gut in den Tag zu starten. Und natürlich gibt es diverse Notiz- und Projektbücher, in die ich Dinge aufschreibe, die mir wichtig sind oder scheinen (und die ich dann leider nicht immer wiederfinde).

Seit zehn Jahren blogge ich regelmäßig: Ich versuche, einen Blogbeitrag pro Woche zu veröffentlichen, was mir leider nicht immer gelingt. Ich schreibe über alles, was mich bewegt, auch übers Schreiben und über meine Reisen, zum Beispiel nach England, Schweden, Italien oder durch Deutschland. Der zweite Blogbeitrag vom Mai 2015 erzählt von einer Wanderung mit meiner Tochter in den Cinque Terre in Italien. Während ich diesen Beitrag schreibe, bin ich wieder mit meiner Tochter unterwegs, diesmal im Norden Europas, in Norwegen. Warum wir diesmal viel weniger gewandert sind als geplant, können alle, die es interessiert, in meinem vorigen Blogbeitrag nachlesen .

Genau genommen hat mein Schreiben mich natürlich nicht an diese Orte geführt, aber es hat mich auch dort begleitet, wie es mich eben immer begleitet. Und manchmal wähle ich Orte aus, weil sie mit Schreiben zu tun haben. So bin ich nicht nur, aber auch, wegen Judith Wolfsbergers Buch „Schafft euch Schreibräume“ nach Cornwall gefahren. Auf unserer Reise in die Toskana wollte ich unbedingt Pieve Santo Stefano, die Stadt der Tagebücher, besuchen. Und im vergangenen Herbst bin ich in Schweden zuerst in Ystad Kurt Wallander und auf dem Marktplatz in Vimmerby dann Astrid Lindgren begegnet.

Schreibauszeiten und …

Seit einigen Jahren gönne ich mir gelegentlich mehrtägige Schreibauszeiten. Denn es inspiriert mich, gemeinsam mit anderen (Frauen) zu schreiben; meist komme ich während der Schreibtage mit meinen Schreibvorhaben gut voran und bin motoviert, auch zu Hause weiter zu schreiben. Dass es mir dann im Alltag oft nicht gelingt, die guten Vorsätze umzusetzen, ist eine andere Sache.

Zu meinem ersten Schreibworkshop bin ich 2010 nach Amrum gefahren. Wir haben damals angeblich in dem Haus gewohnt und geschrieben, in dem Else Urys Nesthäkchen die Genesungskur verbracht hat. Weitere Workshops folgten im Nordkolleg in Rendsburg, in Wien, in Hamburg und im vergangenen Jahr auf Sylt.

Besonders nachhaltig war die Fahrt nach Wien. Im Writers’s studio habe ich den Schreibtreff kennengelernt, die Idee nach Hannover exportiert – und mithilfe von Annette Hagemann umgesetzt. Seit 2020 treffen sich einige interessierte Frauen am ersten Sonntagmittag im Monat, um gemeinsam zu schreiben. Parallel zum Frauenschreibtreff ist das AutorInnenzentrum Hannover entstanden. Seit es in der Deisterstraße feste Räume hat, bin ich dort regelmäßig zum (gemeinsamen) Schreiben, aber auch um an Workshops, AGs oder Textwerkstätten teilzunehmen.

… Schreibfreundinnen

Last but not least habe ich durch das (gemeinsame) Schreiben viele interessante Frauen kennengelernt. Danke an Annette, Brigitte, Cali, Elisabeth, Florence, Lore, Marlene, Sonja und all die anderen, die ich hier jetzt namentlich nicht nenne.

Ein langer Weg, wie’s weitergeht? Wer weiß?!

Manchmal kommt es anders …

Eines meiner Lieblingszitate stammt von dem französischen Mathematiker, Physiker und Philosophen Blaise Pascal: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.“ Jetzt hat es sich wieder einmal gezeigt, dass es stimmt.

Foe und ich wollten während meines Urlaubs in Norwegen ein langes Wochenende auf der Vogelinsel Runde verbringen. Dort brüten laut Wikipedia jedes Jahr rund 170.000 Seevögel-Paare – vor allem Papageientaucher, aber auch Dreizehen-und Raubmöwen, Trottellummen, Eissturmvögel, Tordalken, ja sogar Seeadler. Foe, Vogelexpertin und Fotografin, wollte auf der Insel Vögel beobachten und fotografieren, ich wollte am Meer sitzen, lesen und schreiben, und gemeinsam wollten wir auf dem Fjell und um die Insel wandern.

Am Anfang lief alles wie geplant: Wir haben die gebuchte Hütte auf dem Campingplatz bezogen – mit Blick aufs Meer – und sind dann aufs Fjell zu den Klippen gewandert. Am frühen Abend habe ich zum ersten Mal Papageientaucher in freier Wildbahn gesehen und fotografiert. Doch auf dem Rückweg zum Campingplatz bin ich auf einer matschigen Stelle ausgerutscht – und habe sofort gemerkt, dass mit meinem Fuß etwas nicht stimmte. „Ein Bänderriss“, dachte ich.

Einige Norwegerinnen blieben sofort stehen und halfen mir: Sie alarmierten über FreundInnen Foe, die noch ahnungslos Vögel fotografierte. Sie telefonierten mit den Rettungskräften und harrten mit mir und Foe aus, bis die freiwilligen Helfer vom Roten Kreuz kamen. Weil ich an der zweitungünstigsten Stelle gestürzt war, dauerte das mehr als eine Stunde: Schneller wäre es mit dem Hubschrauber gegangen, doch das erschien mir wegen einer Fußverletzung doch zu dramatisch. Mit einem snowmobilartigen geländegängigen Gefährt brachten sie mich zum Campingplatz; von dort aus fuhr mich Foe zur Notärztin nach Oerste und mit ihrer Überweisung dann ins Krankenhaus nach Volda.

Weil wir vor einem gesperrten Tunnel mehr als eine halbe Stunde waren mussten, kamen wir erst weit nach Mitternacht im Krankenhaus an. Mein Fuß wurde geröntgt, ein CT wurde gemacht und was die ErsthelferInnen befürchtet hatten, bewahrheite sich. Das Fußgelenk ist gleich mehrfach gebrochen, ich muss operiert werden – weil das Gelenk noch stark geschwollen und das Infektionsrisiko bei einer Operation noch zu groß ist, gleich zweimal.

Noch am Freitag wurde der Fuß von außen fixiert, damit die Knochen bis zur richtigen Operation nächste Woche nicht falsch zusammenwachsen. Die Fixierung erinnert eher an ein mittelalterliches Folterinstrument als an ein Hilfsmittel. Aber ich habe keine Schmerzen. Die ÄrztInnen und PflegerInnen sind freundlich, sprechen mit mir Englisch, weil ich ja kein Norwegisch verstehe. Ich habe ein Bett am Fenster bekommen, von dem aus ich den Fjord und das Meer sehen kann. Was will frau mehr.

Viel Zeit zum Lesen und zum Schreiben habe ich auch, wie ich es mir gewünscht habe. Mit dem Wandern wird es allerdings in der nächsten Zeit wohl nichts.

Immerhin konnte ich am Samstag gleich zwei Blogbeiträge (fertig) schreiben, weitere folgen hoffentlich in den nächsten Tagen. Leider funktionierte das Hochladen der Bilder im Krankenhaus gestern nicht wie geplant. Doch mit den Plänen ist es ja bekanntlich so eine Sache …

Auf diesem Weg danke an alle, die mir geholfen haben.

Foes Vogel- und Naturfotos findet ihr auf ihrer Website.

Reiseziel für Bücherfans

Eigentlich wollte ich ja ganz chronologisch über meine Reise nach Norwegen berichten, doch dann sind wir am ersten Tag nach meiner Ankunft in Sogndal nach Fjærland gefahren. In dem Dörfchen am Ufer des Fjærlandsfjord leben nicht einmal 300 Einwohner. Trotzdem ist es für Bücherfans wie mich ein kleines Paradies. Denn Fjaerland ist Skandinaviens erstes Bücherdorf.

Bücher und Bücherregale sieht man überall, wenn man die Hauptstraße entlang durch den Ort schlendert. Insgesamt sollen es vier Regal-Kilometer sein: Die Regale lehnen an Hauswänden, stehen frei am Straßenrand oder sind in alten Schuppen, leerstehenden Läden oder Ställen untergebracht. Nur das größte Antiquariat des Orts, Tusund og ei natt, wurde laut visit Norway speziell für Bücher gebaut.  

Im Odin, dem früheren Kiosk und Warteraum, finden die BesucherInnen heute vor allem norwegische Belletristik, Essays, Briefsammlungen, aber auch Lyrik und Kriegsliteratur. Draußen informieren Schautafeln darüber, wie alles angefangen hat.

Insgesamt warten in Fjærland rund 150.000 (meist gebrauchte) Bücher auf neue LeserInnen. Dass sie überwiegend auf Norwegisch geschrieben oder übersetzt wurden, schränkt die Auswahl für Leute wie mich, deren Norwegischkenntnisse sich auf Takk, God dag und  Unnskyld oder snaker du tysk beschränken, natürlich ein. Aber es gibt auch Bücher in anderen Sprachen, vor allem in Englisch, aber auch in Deutsch. Und allein der Atmosphäre wegen lohnt sich der Besuch im Bokbyn.

Bezahlt wird in den Freiluft-Antiquariaten in der Regel cash. Meist steht oder hängt in der Nähe des Regals ein Kästchen, in das die KäuferInnen das Geld für die erstandenen Bücher einwerfen. Kontrolliert wird das nicht, man verlässt sich – typisch skandinavisch – auf die Ehrlichkeit der Bücherfans. Außerdem lohnt sich Diebstahl bei Preisen von oft nur 20 oder 30 norwegischen Kronen, also weniger als drei Euro, nicht. Und bekanntlich macht es ja auch keinen Spaß, geklaute Bücher zu lesen.

Nach unserem Gang durch das Bücherdorf sind wir dann noch zum Bøyabree-Gletscher gefahren, einem Arm des mächtigen Jostedalsbreen-Gletschers, an dessen Südende Fjærland liegt. Der höchste Punkt des Gletschers liegt mehr als 1.700 Meter über dem Meeresspiegel, der Bøyabreen endet nur ca. 150 Meter über dem Meer. Noch tiefer, auf bis zu 60 Meter, reicht der zweite Arm des Jostedalsbreens hinab: Der Supphellebreen ist damit der am niedrigsten gelegene Gletscher Südnorwegens.

Das Bücherdorf Ist von Anfang Mai bis Mitte September täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, während der Buchnacht am 28. Juni sogar bis Mitternacht.

Wieder Meer

Am Meer, seit Langem wieder einmal. Die Wetteraussichten waren gut, tagsüber Sonne, die Nächte nicht mehr so kalt wie in den vergangenen Tagen und Wochen. Und weil wir einen Termin in einer Vertragswerkstatt unseres Wohnmobilherstellers hatten, die gut 75 Kilometer von Burgwedel entfernt gen Norden liegt, haben wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden: Wir sind nach der obligatorischen Dichtigkeitsprüfung – bei unserem Wohnmobil, nicht bei uns – nicht nach Hause, sondern an die Nordsee gefahren: auf unseren „Stamm-Stellplatz“ an der Kugelbake bei Cuxhaven.

Der ist zwar, wie viele Stellplätze, nur ein Parkplatz. Aber hier haben wir alles, was wir brauchen: Das Meer liegt direkt hinterm Deich, Toiletten gibt es auf dem Platz, duschen kann man im Restaurantgebäude auf dem Deich. Und ziemlich ruhig ist es, zumindest in der Vorsaison, eigentlich auch. Denn die meisten anderen WohnmobilistInnen sind RentnerInnen wie wir, suchen eher Erholung als Halli Galli. Nur die Bagger, die den Strand für die neue Saison vorbereitet haben, haben diesmal die Ruhe ein bisschen gestört.

Dass die Nordsee gefühlt immer gerade weg ist, wenn wir kommen, stört mich nicht wirklich. Ich weiß ja, dass sie nach ein paar Stunden wiederkommt. Zum Schwimmen ist es jetzt im April ohnehin  zu kalt – und der Strand ist hier zum Baden zu flach. Ich bin nicht sehr groß, aber selbst ich müsste minutenlang durchs Watt waten, bis das Wasser tief genug ist, um zu schwimmen.

Eigentlich schwimme ich ja gerne in offenen Gewässern – im Meer, in Seen oder in Flüssen. Aber noch wichtiger ist der Blick aufs Wasser. Wenn ich am Meer entlanggehe oder am Strand sitze – lesend, schreibend, zeichnend oder nur aufs Wasser schauend – gewinne ich Abstand vom Alltag, fühle mich zufrieden oder gar glücklich. Mehr brauche ich am Meer oft nicht.

Besonderes Highlight sind die Sonnenauf- und -untergänge. Vom Deich vor unserem Stellplatz kann man beides sehen – morgens geht die Sonne im Osten neben der Kugelbake auf, abends geht sie im Westen neben der Insel Neuwerk unter.

Bis nach Cuxhaven ist es nicht weit: Ich mag die Stadt mit ihren vielen alten, schön restaurierten Häusern und vielen kleinen Läden. Mein Lieblingsladen ist und bleibt Scribifax, ein Schreibwarenladen, in dem die Zeit stehen zubleiben scheint. Immer, wenn ich in Cuxhaven bin, bin ich erleichtert, dass es ihn noch gibt. Dann gehe ich hinein, kaufe eine Kleinigkeit, auch wenn ich nicht wirklich etwas brauche. Aber Stifte und Notizbücher kann frau ja nie genug haben.