Film ab

Durchschnittlich 1,5 mal im Jahr geht – rein statistisch – jede/r Bundesbürger/in jährlich ins Kino, meldete das Statistische Bundesamt, das jetzt DESTATIS heißt, Ende Januar. Ich liege deutlich über dem Durchschnitt.

Seit Anfang des Jahres habe ich mir bereits fünf Filme angesehen. Ich tue also etwas fürs Wohlergehen der Filmbranche.

Die ersten beiden Film erzählten die Geschichte der Schriftstellerinnen Astrid Lindgren und  Colette. Auch bei Film Nummer drei stand eine Frau im Mittelpunkt – die Frau eines erfolgreichen Schriftstellers. Sie tat, was auch Colette am Anfang getan hatte: Sie schrieb  Bücher, die ihr Mann unter seinem Namen veröffentlichte. Während sich aber Colette Anfang des 20. Jahrhunderts befreite und eine erfolgreiche Schriftstellerin wurde, gelingt das Joan Castleman im Roman nicht: Sie bleibt im Schatten ihres Mannes, opfert ihm die eigene Karriere, das eigene Talentt. Wie oft ist das früher geschehen, wie oft geschieht das heute noch.

Nachdem ich den Film „Die Frau des Nobelpreisträgers“ gesehen habe, habe ich auch den Roman von Meg Wolitzer gelesen – und so eine Autorin entdeckt, die ich bisher nicht kannte.

Die Autobiographie von Hape Kerkeling werde ich sicher nicht lesen. Aber der Film: „Der Junge muss an die frische Luft“ hat mich und alle, denen ich ihn empfohlen habe, begeistert. Schon allein wegen der tollen Schauspieler, allen voran Julius Weckauf, der den kleinen Hape spielt. Ein Film, in dem Lachen und Weinen ganz nah beieinander liegen, in einem Säckchen sind, wie es früher bei uns hieß.

Und nach vier überzeugenden Filmen war da noch Film Nummer 5. Kein Spiel-, sondern ein Dokumentarfilm: Ein Mann wandert 700 km durch den Harz und filmt sich und die Landschaft dabei. Eine gute Idee eigentlich, aber gut gedacht ist ja bekanntlich das Gegenteil von gut gemacht. Eine Werbung für den Harz war der Film meiner Meinung nach nicht. Das lag vielleicht auch daran, dass es auf der Tour gefühlt fast immer regnete. Aber Freunde, die fast alle Strecken selbst gewandert sind, behaupten, sie hätten auf ihren Touren bessere Aufnahmen gemacht und schönere Stellen gefunden als die gezeigten.

Ein Ereignis war der Kinobesuch trotzdem, denn so einen Ansturm habe ich selten erlebt. Vor dem Kino bildete sich schon eine dreiviertel Stunde vor Beginn eine Schlange, die vom Eingang im Hinterhof bis zur Straße reichte. So etwas habe ich zuletzt bei der Rocky Horror Picture Show in meiner Studentenzeit in den Siebzigern erlebt. Wer keine Karte reserviert hatte, musste draußen bleiben. Und als der Film mit Verspätung um viertel nach sieben startete, standen draußen noch immer Leute Schlange, die sich Karten für die Zusatzvorstellung am Sonntag sichern wollten. Wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet, hätte ich zumindest einen der Wartenden glücklich gemacht, ihm meine Karte verkauft und vielleicht ganz nebenbei eine neue Karriere als Schwarzmarkthändlerin gestartet.

Fast zu schön …

Achtsamkeit für meine eigenen Bedürfnisse zählt nicht gerade zu meinen Stärken. Dafür habe ich eine Schwäche für Ratgeber, die, wie mein Mann behauptet, nur die Autoren reich und glücklich machen – und für schöne Bücher.

Deshalb konnte ich nicht widerstehen, als ich gestern in einer Buchhandlung das Achtsamkeitsjournal von Elena Brower entdeckt habe. Natürlich habe ich wie so oft nicht sofort entschieden. Ich bin nämlich auch nicht besonders gut darin, das zu tun, was mir gut tut. Ich ging also zu meinem Termin und kam dann wieder, wie magisch angezogen von den Farben und den einfachen Formen: Ich musste es einfach haben.  Reingelesen habe ich, ganz gegen meine Buch-Kauf-Gewohnheiten, nicht. Und als ich dann zur Bushaltestelle gegangen bin, das Buch unter meinem Mantel versteckt, um es vor dem Regen zu schützen, habe ich mich ein bisschen wie Gollum aus Herr der Ringe gefühlt: my precious.

Ob ich in dem Journal meine Wünsche, Ziele und anderes auflisten werde, das mir helfen soll, mutiger, sanfter, ausdauernder und stärker zu werden, bezweifle ich. Denn  ich gehöre zwar nicht zu den Menschen, die es für ein Sakrileg halten, in Büchern einzelne Zeilen oder ganze Passagen zu unter- und anzustreichen und eigene Gedanken zu notieren. Aber dieses Journal ist (fast) zu schön, um darin zu schreiben. Trotzdem hilft es mir, meine Kreativität zu wecken und Dinge auszuprobieren – wenn vielleicht auch etwas anders als von der Autorin und vom Verlag geplant.

entdecke dich
Do it yourself – vom Journal ins eigene Tagebuch

Das Buch liegt auf meinem Schreibtisch und erinnert mich daran, dass ich mein Leben und auch mein Tagebuch bunter gestalten, dass ich anders, achtsamer leben möchte. Diesen guten Vorsatz vergesse ich im Alltag allzu oft. Immer wieder schlage ich das Journal auf, blättere darin und freue mich daran. Sicher noch lange. Und das ist mehr, als man von vielen anderen Ratgebern, die halb oder ungelesen in meinen Regalen stehen, sagen kann.

Elena Brower: entdecke dich. Das Achtsamkeits-Journal. Irsiana Verlag, München, 2018

 

Kalender-Geschichte

Alle Jahre wieder, wenn das alte Jahr endet, beginnt sie aufs Neue, meine Suche nach dem idealen Kalender. Ich habe schon unzählige ausprobiert und benutze mitunter verschiedene nebeneinander: Buchkalender, Ringbuchkalender und Wandkalender in verschiedenen Größen und Formen. Das Clipbook von Filofax habe ich vor allem der Farbe wegen gekauft habe, andere wie Frauen- oder Gartenkalender wegen der Inhalte und Motive.

Im vergangenen Jahr, als der Trend nicht mehr zu übersehen war, bin auch ich aufs Bullet Journal gekommen, angeblich die ultimative Lösung aller Organisationsprobleme. Dem Versprechen, dass die Methode hilft, Ordnung in das Chaos der Gedanken zu bringen und den Überblick über sämtliche Aufgaben, Ziele, Ideen und Projekte zu behalten – beruflich und privat – konnte ich natürlich nicht widerstehen.

Die Idee, To-do-Listen, Kalender, Notiz- und eventuell Tagebuch in einem Journal zu vereinen und ganz nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten, ist wirklich verlockend. Wie oft sind in meinen Kalendern ganze Seiten leer geblieben, andere waren so vollgekritzelt, dass von Überblick keine Rede mehr sein konnte.

Kalender Bullet Journal P1010553
Bullet Journal für Anfänger/innen

Keine Frage: Do it yourself macht flexibel. Und all diejenigen, die nicht so kreativ oder künstlerisch begabt sind, finden in Buchhandlungen, Schreibwarenläden und im Internet unendlich viele Anleitungen, Ratgeber und Zubehör: von Kladden – meist gepunktet, warum auch immer – bis zu diversen Aufklebern, Stiften, Vorlagen und Schablonen zur schönen Gestaltung des Journals. So listet Google zum Stichwort „Bullet Journal Ideen“ fast 13 Millionen Einträge. Die Muster-Journalseiten sind mitunter so aufwendig gestaltet, dass ich mich frage, wie man (oder frau) da noch den Überblick behalten soll. Manchmal, so scheint es, ist die Form offenbar wichtiger als der Inhalt.

Bei mir war das Ergebnis eher ernüchternd – nicht nur, weil mein Bullet Journal nicht annähernd so bunt und hübsch aussah wie die Vorlagen. Auch den totalen Über- und Durchblick habe ich leider nicht bekommen. Das liegt möglicherweise weniger am System als an mir. Ich bin nämlich, fürchte ich, in puncto Zeitmanagement und DiY ein hoffnungsloser Fall.

Kalender Leder P1010540
Neuer Einsatz für alte Buchhülle

So habe ich es nie geschafft, die verschiedenen Rubriken so konsequent in das Inhaltsverzeichnis einzutragen, wie ich es hätte tun sollen. Und ebensowenig ist es mir gelungen, schon am Anfang des Jahres die Überblicksseiten für das ganze Jahr zu gestalten. Deshalb konnte ich mich von meinem vorgedruckten Kalender, in dem ich möglichst schon am Anfang des Jahres langfristige Termine eintrage, nicht trennen – und von meinem Tagebuch schon gar nicht. Aus diesem Grund habe ich im vergangenen Jahr immer mindestens vier Bücher rumgeschleppt: den Kalender, mein Bullet Journal, mein Tagebuch, das ich immer mitnehme, egal wohin ich gehe, und ein Buch zum Lesen.

Kalender La Palma P1010420
Immer dabei: Tagebuch und Kalender

Um meine Tasche und mein Leben im wahrsten Sinne des Wortes zu erleichtern, starte ich im neuen Jahr  einen neuen Versuch: mit  My-Book-Heften, die einfach mit Gummibändern in einem Umschlag, Neudeutsch Cover, befestigt werden. So kann ich meine geliebte Buchhülle aus Naturleder, den ich vor Jahren einmal gekauft habe, nutzen. In ihr finden neben einem (vorgedruckten) Kalendarium auch noch mehrere Papiereinlagen Platz – für Blog- und andere Ideen beispielsweise und für ein Bullet Journal light. Denn die Idee gefällt mir nach wie vor.

Die Hefte sind dünner als die Kladden, die ich bisher benutzt habe. Dass sie keinen eigenen Schutzumschlag haben,  macht sie leichter und flexibel. Ist ein Heft voll, wird es durch ein neues ersetzt. Das alte wird in einer eigenen Hülle archiviert. Ob ich auf diese Weise den Überblick behalte, wird sich zeigen. Mein Rücken wird es mir auf jeden Fall danken.

Fortsetzung (er)folgt

Ich habe sie geliebt, die Fünf-Freunde-Bücher von Enid Blyton, auch wenn sie – im Nachhinein betrachtet – erzkonservativ und vielleicht sogar schlimmeres waren. Für all die, die die Bücher nicht kennen, weil sie zu jung sind oder einen anderen Lesegeschmack hatten: Im Mittelpunkt stehen zwei Mädchen, zwei Jungen und ein Hund, der fünfte der fünf Freunde. Die Kinder leben im Internat, die Cousinen Georgina und Anne in einem, Annes Brüder Dick und Julian in einem anderen. Weil die Eltern in den Ferien immer wichtigeres zu tun haben, als ihre Kinder zu bespaßen – mal stirbt die Tante, mal findet ein Kongress statt –, sind die fünf meist sich selbst überlassen. Und sie geraten von einem Abenteuer ins andere: Sie finden und befreien entführte Kinder, kommen Schmugglern oder Diebesbanden auf die Spur.

Ich mochte vor allem Georginia, die „schwierigste“ unter den fünf Freunden, ein Mädchen, das eigentlich lieber ein Junge gewesen wäre und sich George nannte. Wie gerne hätte ich mit ihr getauscht, wie gerne hätte ich statt zwei Schwestern eine Cousine, Cousins und einen Hund gehabt, die zu mir gehalten, mit mir durch dick und dünn gegangen wären. Da hätte ich sogar Julian, den ältesten der fünf, einen Besserwisser und Moralapostel, und die stets tugendhafte Anne gerne in Kauf genommen. Denn nobody und nothing ist ja bekanntlich perfect.

Willkommen in der Gegenwart

Kein Wunder also, dass ich ein Buch kaufen musste, als 50 Jahre nach Enid Blytons Tod die Fortsetzung der Fünf-Freunde-Reihe in der kleinen Buchhandlung in Hannover vor mir lag. Die fünf Freunde sind erwachsen geworden, sie leben nicht mehr im Internat, sondern teilen sich eine Wohnung in London. Wovon sie leben, erfährt man nicht. Sie müssen weder zur Arbeit noch zur Uni, haben aber trotzdem alles, was das Herz begehrt. Aber so ist das mit der englischen Oberschicht.

Zwei Bücher sind bislang auf Deutsch im Riva Verlag erschienen, in einem essen die fünf Freunde glutenfrei, im anderen werden sie Helikoptereltern. Ich habe mich für die Helikoptereltern entschieden. Weil sie einen diebischen entfernten Verwandten samt Partnerin hinter Gittern bringen, müssen sich die fünf als nächste Verwandte um das Baby des Paars kümmern: Als Eltern wider Willen geht es ihnen so wie vielen Eltern beim ersten Kind: Sie sind überfordert und haben zunächst ständig Angst, dass sie etwas falsch machen, wohl auch, weil die kleine Lilly ein Schreikind ist. Aber wie früher scheuen die fünf kein Abenteuer und stellen sich der Herausforderung. Sie gehen mit Lilly zum Babyschwimmen und in die Vätergruppe und überlegen, ob ein Sprach-, Karate- und Achtsamkeitskurs das Beste fürs Baby ist. Und damit Lilly später auf eine gute Schule gehen kann, suchen sie eine Wohnung in einem anderen Bezirk. Doch dann kommt alles anders …

Die Fortsetzungen schreibt übrigens der Brite Bruno Vincent – anders als früher werde ich die Bücher sicher nicht alle lesen. Aber ein weiteres Buch der Reihe habe ich mir auf Englisch bestellt, weil es gerade so aktuell ist: „Five Escape Brexit Island“.  Theresa May braucht, so scheint es, mindestens fünf Freunde, die ihr beistehen.

 

Schafft euch Schreibräume

Mai 2017. Ich brauche eine Auszeit, mehrere Schreibprojekte liegen in der Schublade, sprich: in einem Ordner auf meinem Computer. Ich kann mich nicht entscheiden, keines geht voran. Ich bin reif für die Insel, für eine Schreibinsel. Auf nach Wien, in Judith Wolfsbergers Writers Studio (Wien ist eine Reise wert).

Writers Studio ohne Schreibende DSC_0894
Schreibpause: Writers studio ohne Schreibende

„Schafft euch Schreibräume“, heißt das Buch, an dem Judith während des Schreibtreffs, Neudeutsch:  Schreibretreat, arbeitete. Es ist im Sommer erschienen und natürlich möchte ich es lesen – der Verlag schickt mir ein Rezensionsexemplar.

Judith Wolfsberger nimmt mich mit auf ihre Reisen auf den Spuren Virginia Woolfs – nicht nur nach England, sondern auch in die USA. Dort ist Virginia Woolf zwar nie gewesen, aber gerade dort haben ihre Ideen Spuren hinterlassen.

Auch ich habe natürlich schon vor Jahren bzw. vor Jahrzehnten „A Room of ones own“ gelesen. Schließlich war – und ist – es eine Art Kultbuch der Frauenbewegung. Aber anders als Simone Beauvoir, deren Bücher ich verschlungen habe, konnte  mich  Virginia Woolf nie wirklich begeistern. Jetzt lese ich, ermutigt und angeregt durch viele englischsprachige Zitate im Buch, ihre Bücher im Original – und entdecke sie, nein, eigentlich nicht neu, sondern zum ersten Mal wirklich.

Was Virginia Woolf und Judith Wolfsberger schreiben, spricht mich an. In Judith Wolfsbergers Buch, einer Mischung aus Memoir, Travel-Essays und Sachbuch, geht es vor allem ums Schreiben – und um den Mut, eigene Visionen zu leben.

Kann frau vom Schreiben leben und wie? Was brauchen Frauen, um selbstbestimmt zu schreiben? Wie können sie, wie kann ich, Beruf, Schreiben und Familie verbinden? Diese Fragen beschäftigen auch mich immer wieder. Zu lesen, dass auch andere schreibende Frauen an sich zweifeln und das Gefühl haben, nicht gut genug, nicht wichtig genug zu sein, um sich öffentlich zu äußern, bringt den inneren Kritiker zwar nicht zum Schweigen, ist aber trost- und hilfreich.

“A woman must have money and a room of her own if she is to write fiction“, lautet der wohl meist zitierte Satz aus Virginia Woolfs bekanntem Essay. Keine Frage, ein Rückzugsort, zu Virginias Zeiten für viele Frauen noch eine Ausnahme, ist auch heute noch immens wichtig. Doch ein eigenes Zimmer ist eben nicht genug. Um ihr Schreibpotenzial zu entfalten, brauchen vor allem viele Frauen offenbar eine „Community of writers“, Kontakte zu anderen Schreibenden, die sie unterstützen, mit denen sie gemeinsam schreiben. Denn Schreibzeiten, die man – oder frau – allein für sich einplant, werden, so nicht nur die Erfahrung  Judith Wolfsbergers, schnell mal durch andere wichtigere Termine verdrängt. Das ist bei Schreibverabredungen anders – sie werden meist eingehalten.

Virginia Woolf hatte eine Community of Writers, die Blomsbury Group, eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, die sich gegenseitig unterstützten. Und auch mit Vita Sackville-West tauschte sie sich regelmäßig aus. Die beiden erfolgreichen Schriftstellerinnen feuerten sich gegenseitig an.

Raum zum Schreiben draußen DSC_0883
Vita Sackville-West und Virginia Woolf waren Gartenfans. Schreiben unterm Flieder hätte ihnen gewiss gefallen.

Judith Wolfsberger hat in Wien mit dem Writers Studio nicht nur einen Schreibort zumWohlfühlen geschaffen, sondern auch für sich und andere Schreibende fixe Schreibtreffs. Gemeinsam zu schreiben spornt an, das habe ich selbst erfahren: Die beiden Schreibtage im Writers Studio im vergangenen Jahr haben mein Befana-Buch vorangebracht. Doch Wien ist weit entfernt – und in Hannover fehlt ein solcher Schreibraum. Aber der Gedanke, einen Schreib(t)raum in der Nähe zu haben, lässt mich nicht mehr los, seit ich das Buch gelesen habe. Schafft euch Schreibräume  – eine Aufforderung.

Bis es so weit ist, treffe ich mich mit meiner schreibenden Tochter in einem virtuellen Schreibraum: Wir verabreden uns zum Schreiben, aber weil wir nicht im gleichen Ort leben, schreibt jede in ihrer eigenen Wohnung. Bei unserer Schreibverabredung gestern ist dieser Blogbeitrag entstanden.

Mit meiner Schreibpartnerin möchte ich im nächsten Jahr auch auf dem Southwest Coast Path in Cornwall wandern, am Meer entlang, auf den Spuren Virginia Woolfs. Und noch eins hat dieses Buch bewirkt: Ich werde künftig mehr Bücher im (englischen) Original lesen. Viele gute Vorsätze für ein einziges Buch.

Judith Wolfsberger: Schafft euch Schreibräume! Weibliches Schreiben auf den Spuren Virginia Woolfs. Ein Memoir. Böhlau Verlag Wien, Köln, Weimar, 2018, ISBN: 978-3-205-20635-4, 29 Euro.

Adobe Photoshop PDF

Kein Zug war pünktlich*

In diesem Jahr wollte der Winter erst nicht kommen, jetzt will er nicht mehr weichen. Gestern Nacht bin ich unter funkelnden Sternen eingeschlafen – herzliche Grüße an Stephen Hawkins -, als ich heute Morgen, am offiziellen Frühlingsbeginn, aufwachte, war das Dachfenster zugeschneit. Am Wochenende haben uns die Schneemassen – immerhin 8 cm Neuschnee und etwa 5 Grad Minus – eine abenteuerliche Fahrt zur Buchmesse nach Leipzig beschert.

Gut 70 Minuten stand unser Zug am Samstag  in Köthen, denn im Hauptbahnhof von Leipzig ging nichts mehr. Weil die Weichen eingefroren waren, kamen und fuhren gar keine Züge mehr. Einige Mitfahrerinnen, die die Buchmesse nicht in erster Linie wegen der Bücher, sondern als CosplayerInnen besuchten, funktionierten das Abteil kurzerhand in einen Schminksalon um und verwandelten sich in Loki und andere fabelhafte Wesen.

Loki im Zug DSC_2753
Verwandlung im Zug – auf dem Weg nach Leipzig und zu Loki.

Vielleicht hätte ich gewarnt sein sollen, denn immerhin reiste ich mit Loki, der, wie ich nachgelesen habe, im Film Thor ein Nachfahre der Eisriesen ist. Auf der Buchmesse kamen wir dann trotzdem an, drei Stunden später als geplant zwar und nach einer Fahrt in einer total überfüllten Straßenbahn.

Ob der junge Mann, der mit uns von Hannover bis Halle im gleichen Abteil  gesessen hat, es bis zur Buchmesse schaffte oder ob er resigniert umkehrte, werde ich wohl nie erfahren. Denn in Halle trennten sich unsere Wege. Wir stiegen, wie alle Besucher/innen der Buchmesse, zunächst dort aus, weil die Schaffnerinnen es uns empfohlen hatten. Doch weil kein Schienenersatzverkehr in Sicht war, wählten meine Begleiterin – inzwischen halb Loki, halb Mensch – und ich dann den Weg über Leipzig Hauptbahnhof. Eine gute Wahl.

Für den jungen Mann hat sich die Fahrt nach Leipzig sicher nicht gelohnt, denn er hatte schon für den Nachmittag um 16 Uhr seine Rückfahrt nach Hannover fest gebucht. Die Zeit reichte, wenn überhaupt, gerade für eine Stippvisite bei der Buchmesse. Doch wahrscheinlich fuhren am Samstagabend die Züge ohnehin noch nicht – und vielleicht irrt er immer noch durch Leipzig.

Selbst am Sonntagnachmittag, als wir nach anderthalb Messetagen nach Hause wollten, wurden mehrere Züge zwischen Leipzig und Hannover storniert. Vom Hauptbahnhof wurden die Messebesucher mit Bussen gen Westen chauffiert, Loki entdeckte, dem Internet sei Dank, eine Verbindung vom Messebahnhof über Bitterfeld nach Hannover. Hier bewahrheitete sich die alte Weisheit, dass wenn etwas schiefgeht, es meist gründlich schiefgeht: Auch dieser Zug war nicht pünktlich. Wir wurden aus irgendeinem Grund über Hildesheim umgeleitet: Immerhin erreichten meine Begleiterin und ich nach einem Sprint noch unsere Anschlüsse und kamen wie geplant zu Hause an. Danke Loki.

Schön war es in Leipzig trotzdem. Ich mag die Buchmesse, auch wenn ich mir vorgenommen habe, im nächsten Jahr schon am Donnerstag oder Freitag zu fahren, bevor der große Ansturm vor allem der CosplayerInnen einsetzt. Sie verleihen der Buchmesse zwar ein besonderes Flair – es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie Gestalten aus Büchern und Filmen lebendig werden. Doch manchmal gibt es zwischen Göttern, Elben und Jedis kaum ein Durchkommen und die Bücher geraten für mich ein bisschen zu sehr in den Hintergrund.

Loki Leipzig DSC_2772
In voller Montur – Loki in Leipzig.

Eine tolle Unterkunft haben wir in Leipzig auch entdeckt. Die werde ich vielleicht im Sommer, wenn der letzte Schnee bestimmt geschmolzen ist, nutzen, um die Stadt endlich einmal kennen zu lernen.

Zimmer Leipzig DSC_2796
Mut zur Farbe – Zimmer in Leipzig.

Denn außer Bahnhof und dem Messegelände habe ich von Leipzig noch nichts gesehen. Ich setze die Stadt auf meine To-visit-Liste. Time to fly.

 

*frei nach Heinrich Bölls: Der Zug war pünktlich

Ich bin wieder da …

Ja, es gibt mich noch und meinen Blog auch noch. Dass ich in den letzten beiden Monaten keinen Beitrag geschrieben und mich auch im wirklichen Leben sehr rar gemacht habe, hatte verschiedene Gründe. Der erfreulichste: Ich habe endlich mein Buch zu Ende geschrieben – und es jetzt veröffentlicht.

Weil es zwar keine richtige Weihnachtsgeschichte ist, aber doch mit Weihnachten zu tun hat, musste es noch kurz vor Weihnachten sein.

Es heißt

„Die wahre Geschichte der Weihnachtshexe Befana“

und ist ab sofort als E-Book und als Taschenbuch bei allen großen Händlern erhältlich. Das E-Book ist für alle E-Book-Reader geeignet.

Befana Cover E Book komp
Cover E.Book: Zeichnung: Foe Rodens/Hintergrundbild: rvika/Shutterstock

Die Geschichte basiert auf der Legende über die Weihnachtshexe Befana, die Kindern in Italien die Geschenke bringt, und erzählt die andere, die feministische und natürlich wahre Version. Ähnlichkeiten mit einer lebenden Person ließen sich leider nicht vermeiden.

Mit Weihnachtsgeschichten ist es so eine Sache, zumindest mit dieser. Die Idee ist vor ein paar Jahren in der Vorweihnachtszeit entstanden, als ich an einem Artikel über die Gabenbringer in aller Welt gearbeitet habe (der dann nie erschienen ist). Zwei Jahre lang habe ich immer nur in der Vorweihnachtszeit an der Geschichte geschrieben, also quasi bei Keksen und Kerzenschein.  Wahrscheinlich wäre das Buch erst am Sankt Nimmerleinstag fertig geworden. Doch dann habe ich mir – was den Schreibprozess angeht – Erich Kästner zum Vorbild genommen. Er hat, so steht es im Vorwort zu seinem Buch „Das fliegenden Klassenzimmer“,  nämlich das Schreiben immer wieder aufgeschoben, bis ihm seine Mutter gedroht hat, dass er ohne fertige Weihnachtsgeschichte auch keine Weihnachtsgeschenke bekommt. Das wirkte. Kästner fuhr mitten im Sommer in die Alpen und schrieb mit Blick auf die schneebedeckte Zugspitze über Schneeballschlachten und vorweihnachtliche Ereignisse und Sorgen. Zur Zugspitze bin ich nicht gefahren, aber ich habe das ganze Jahr über an der Geschichte gearbeitet, leider nicht immer so konsequent, wie ich gewollt oder geplant hatte.

Dass Befanas Geschichte gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten fertig geworden ist, verdanke ich Foe Rodens. Sie fand die Geschichte von Anfang an „supertoll“ und witzig, obwohl es eigentlich gar nicht ihr Genre ist. Das hat mich ermutigt weiterzuschreiben. Und als das Buch endlich fertig war, hat sie es lektoriert und korrigiert. Sie hat die Befana gezeichnet und die Cover für das E-Book und die Printversion gestaltet. Last but not least hat sie mich moralisch und technisch beim Hochladen unterstützt. Tusen Takk, Foe.

Danke auch an die Probeleser/innen Margrit, Ursula, Uschi und Utz (in alphabetischer Reihenfolge). Eure Anregungen und Hinweise haben mir sehr geholfen, haben mir Mut gemacht, das Buch zu veröffentlichen, und dazu beigetragen, dass viele Fehler gefunden und beseitigt wurden. Dass es trotzdem sicher nicht fehlerfrei ist, liegt nicht an ihnen, sondern eher an mir. Denn ich habe bei der Eingabe der Korrekturen noch manches verändert – und dabei sicher auch den ein oder anderen Fehler eingebaut.

Das Ebook kostet 3,99 Euro, das Taschenbuch 8,99 Euro, bei Amazon kommen je nach Anbieter  (2,95 Euro) Versandkosten hinzu*. Ich freue mich über Käufe, natürlich auch über Rezensionen. Zwei gibt es schon. Ganz herzlichen Dank dafür.

Eva Walitzek Befana Cover klein
Cover Tachenbuch: Zeichnung: Foe Rodens/Hintergrundbild: rvika/ShutterstockGib eine Beschriftung ein

Hier ein paar Links zu den Händlern (alphabetisch), dort gibt es auch eine Leseprobe:

Amazon

https://www.amazon.de/Die-wahre-Geschichte-Weihnachtshexe-Befana-ebook/dp/B077TG3Q2V/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1512203902&sr=8-1&keywords=9783742764188#reader_B077TG3Q2V

epubli

https://www.epubli.de/shop/buch/die-wahre-geschichte-der-weihnachtshexe-befana-eva-walitzek-9783745061185/69932

Google

https://play.google.com/store/search?q=9783742764188&c=books

Hugendubel

https://www.hugendubel.de/de/quickSearch?searchString=Eva+Walitzek&facetNodeId=-1&mainsearchSubmit=Suche

Kobo:

https://www.kobo.com/de/de/ebook/die-wahre-geschichte-der-weihnachtshexe-befana

Thalia

https://www.buch.de/shop/home/suchartikel/die_wahre_geschichte_der_weihnachtshexe_befana/eva_walitzek/EAN9783742764188/ID90071096.html

Weltbild

https://www.weltbild.de/artikel/ebook/die-wahre-geschichte-der-weihnachtshexe-befana_23882727-1?rd=1

PS: Foe Rodens ist übrigens nicht nur eine sehr gute Lektorin, sondern auch eine begabte Schriftstellerin: Ihr Buch „Der Fluch des Schlangenmenschen“ ist ein heißer Tipp nicht nur für Fantasyfans. Es erscheint in den nächsten Tagen auch als Taschenbuch.

* man kann die Versandkosten sparen, wenn man auf andere Angebote klickt und dann bei epubli direkt bestellt.

Wird das was oder kann das weg?

… diese Frage stelle ich mir ständig, wenn ich durch den Garten gehe. Deshalb war es auch keine Frage, dass ich dieses Buch kaufen musste, als ich es zufällig im Buchladen entdeckte. Eigentlich wollte ich ja nur ein bestelltes Buch abholen, aber …

Das Buch hilft, erwünschte und unerwünschte Gartenpflanzen zu erkennen, verspricht der Untertitel. Wirklich unerwünscht ist allerdings für die Autorin Bärbel Oftring eigentlich kaum eine Pflanze: Nur etwa 10 von über 100 Pflanzen sind mit dem Symbol: „Alarm, Pflanze unbedingt ausreißen“ gekennzeichnet. Ganz schlecht (giftig und unbedingt ausreißen) kommen sogar nur drei Pflanzen weg: Flohknöterich, Beifuß Traubenkraut und Riesenbärenklau. Alle anderen verdienen eine zweite Chance als Heilpflanze, essbare oder ökologisch wertvolle Pflanze.

Dass viele Pflanzen einen doppelten, drei- oder gar vierfachen Nutzen haben, war lange Zeit in Vergessenheit geraten. So manches, was man in meiner Kindheit gemeinhin als Unkräuter bezeichnete, wird heute in Gourmetrestaurants serviert. (Hinweis an alle Spitzenköche und Apotheker in Deutschland:  Acker-Schachtelhalm, Giersch, Franzosenkraut, aufrechter Sauerklee, Vogelmiere und Rainkohl aus ökologischem Anbau, günstig und in großen Mengen abzugeben).

Im Prinzip ist Bärbel Oftrings Buch für Horrorgärtnerinnen wie mich optimal: Es zeigt nämlich, wie sich Pflanzen im Laufe ihres Lebens verändern. Denn die ersten Blätter sehen oft ganz anders aus als die erwachsenen Pflanzen. Vieles, was ich gepflanzt habe, überlebt  das zweite Jahr nicht, weil ich es nicht wiedererkenne. So gab es jahrelang leider keinen Fingerhut in unserem Garten. Des Rätsels Lösung: Ich habe alle Fingerhüte  ausgerupft, bevor sie blühen konnten, weil ich sie mit Nachtkerzen verwechselt habe, die ich nicht mag.

Blumen Erdbeerenbeet DSC_1265
Er ist wieder da: Fingerhut. Außerdem Im Blumen-Erdbeerbeet zu Hause: Mohn (schon verblüht) und Stockrosen.

Im Buch sind die meisten Pflanzen frisch ausgetrieben als Keimling, nach zwei Wochen als Jungpflanze und blühend nach sechs Wochen zu sehen. So kann man unerwünschte Pflanzen früh erkennen und ausreißen, bevor sie sich überall breit machen. Oder man könnte, wenn ja wenn … Wenn man nicht wie ich offenbar zwei linke Augen hat.

Im tatsächlichen Gartenleben klappt das Erkennen leider nicht wie geplant. So sehr ich mich bemühe und so oft ich mit dem Buch durch den Garten gehe: Ich kann viele Pflanzen einfach nicht unterscheiden. Was ich für Franzosenkraut gehalten habe, entpuppt sich mit Blüte eher als Rainkohl. von dem ich bisher nicht einmal den Namen kannte. Im Prinzip ist es egal, denn beide sind – zumindest in Massen – in meinem Garten unerwünscht, auch wenn sie essbar und ökologisch wertvoll sind.  Und ob das, was ich im Frühling für Sonnenblumenkinder gehalten haben, auch wirklich Sonnenblumen sind, bezweifele ich inzwischen. Denn noch zeigt sich keine einzige Blüte.

Rainkohl live DSC_1263
Rainkohl? – nicht mehr ganz live, weil entwurzelt …
Herbarium Rainkohl DSC_1257
… und getrocknet in meinem Mini-Herbarium

Mein Garten hat sich, so scheint es, ohnehin eher auf die lästigen Pflanzen spezialisiert: Die im Buch gezeigten Top 10 der „Lästlinge“ sind allesamt in meinem Garten vertreten, von den zehn schönsten selbst aussäenden Pflanzen leider nur die Hälfte. Zwei davon haben sich im Übrigen nicht selbst, sondern ich  ausgesät.

Für alle, die auch wissen möchten, was was wird:

Bärbel Oftring; Wird das was – oder kann das weg? Erwünschte und unerwünschte Gartenpflanzen erkennen. Franck Kiosmos Verlag, Stuttgart 2017, 16,99 Euro

Und von der gleichen Autorin:

Double-Use gärtnern. 100 Gartenpflanzen mit Mehrfachnutzen. Haupt Verlag, Berlin, 29,90 Euro.

Vom großen A und kleinen Buchhandlungen

Ja, ich oute mich als Amazon-Fan. Das ist bei „echten“ Bücherfans ziemlch verpönt. Bei Amazon bestellen geht bei vielen gar nicht. Als neulich eine Bücherfrau im Netzwerk  einen Buchtipp mit einem Link zu dem, dessen Namen nicht genannt werden darf, verschickte, gab es heftige Diskussionen. Natürlich ist manches am großen A problematisch: vor allem, wenn kleine Buchhandlungen schließen müssen, weil  immer mehr Kunden ihre Bücher beim großen Bruder online ordern. Dass Amazon in Deutschland keine Steuern zahlt, finde ich zum K… Und auch die Konditionen für Verlage, Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter sollen besch… sein.

Aber wo in der Buchbranche sind sie das nicht? Wer Bücher schreibt, übersetzt oder lektoriert, erreicht oft nicht einmal den Mindestlohn. Auch BuchhändlerInnen gehören nicht zu den GroßverdienerInnen. Und was die Arbeitsbedingungen angeht: Eine Buchhändlerin, die seit Jahrzehnten eine Filiale einer Buchhandlung leitete, erzählte einmal, dass ihr Chef sie nicht ein einziges Mal für den Besuch der Buchmesse freigestellt habe. Von der Übernahme der Kosten ganz zu schweigen.

Kunden können sich indes über das große A kaum beklagen: Der Service ist wirklich gut. Gibt es mal Schwierigkeiten, rufen die Mitarbeiter auf Wunsch sofort zurück oder kümmern sich notfalls um eine Ersatzlieferung. Das ist bei meiner Stammbuchhandlung leider nicht immer so. Und obwohl ich dort seit Jahren für mehrere Hundert Euro jährlich Bücher bestelle und kaufe, kennen die meisten Verkäuferinnen  nicht einmal meinen Namen.

Tante Emma XXL

Wer wie ich in einer kleinen Stadt wohnt oder wirklich jwd auf dem Land  weiß die Bestellung auf Knopfdruck besonders zu schätzen. Sie erspart umständliche und zeitaufwendige Fahrerei. Dass man beim großen A längst nicht nur Bücher, sondern fast alles kaufen kann, ist für Leute wie mich ein unschätzbares Plus. Online-Shopping und die schöne neue Bezahlwelt sind mir nämlich nicht wirklich geheuer; dass ich mich in allen möglichen Shops immer wieder neu registrieren soll, ist mir ein Greuel. Irgendwie ist der einstige Online-Buchhändler längst ein riesengroßer Tante-Emma-Laden, in dem es alles gibt.

Hat schon mal jemand versucht, ein Farbband  für eine elektrische Schreibmaschine zu besorgen. Als meine Mutter das vorletzte Mal ein Farbband brauchte, bin ich knapp 40 Kilometer nach Trier gefahren (one way). Und obwohl ich vorher im Büro- und Schreibwarenladen angerufen hatte (ja, haben wir, kommen Sie vorbei), musste ich dann eine Schnitzeljagd durch alle drei Filialen machen. Natürlich habe ich den gesamten Vorrat (drei) aufgekauft. Doch auch der war irgendwann aufgebraucht. Beim nächsten Mal hieß es: Müssen wir bestellen, ist in zwei Wochen da. Doch da war ich längst wieder abgereist. Amazon lieferte am übernächsten Tag frei Haus. (Von den Spezialisten, bei denen ich Papier und andere Büromaterialien ordere und die mir unaufgefordert Kataloge ins Haus senden, hatte übrigens keiner mehr das Farbband im Programm.) Und als ich bei meinem letzten Moselbesuch mein Handy-Ladegerät vergessen hatte und  für einen Artikel ein Buch brauchte, war das Problem ebenfalls am nächsten Tag behoben, ohne lange Fahrzeiten.

Koexistenz

Ja – ich gebe es zu: Ich kaufe auch Bücher bei Amazon – vor allem antiquarische, die ich mir zum Normalpreis nicht leisten könnte, nicht kaufen würde oder die es im Buchhandel nicht mehr gibt. Oder ich verschicke über den Online-Buchhändler Bücher an Leute, die irgendwo anders wohnen. Die werden dann nämlich pünktlich geliefert – und ich spare Porto und Verpackung. Und wenn’s nicht gefällt, geht’s einfach zurück.

Die meisten Bücher kaufe ich allerdings nach wie vor im Buchladen. Denn ich liebe Buchhandlungen, komme kaum an einer vorbei und nur selten raus, ohne etwas gekauft zu haben. Ich glaube übrigens nicht, dass das große A Schuld am Untergang des Buchhandels ist. Im Gegenteil: Ich bin überzeugt davon, dass Buchhandlungen vom großen Online-Bruder profitieren (können). Der merkt sich nämlich, für was ich mich interessiert und was ich gekauft habe (brave new world, big brother is watching you) – und empfiehlt mir andere, ähnliche Bücher. Und wenn ich ein Buch zu einem bestimmten Thema brauche, verschaffe ich mir meist bei dem, dessen Name nicht genannt werden darf, einen Überblick über das Angebot. Der Schwarm (sprich die LeserInnen) weiß oft mehr als die  BuchhändlerInnen – die können angesichts unendlich vieler Neuerscheinungen die meisten Bücher gar nicht mehr kennen. Oft bestelle ich das ausgewählte Buch dann allerdings bei meinem Buchhändler vor Ort. Amazon verkraftet’s und meinen Buchhändler freut’s.  Manchmal sogar doppelt. Denn wenn ich das Buch dann abhole, entdecke ich oft ein anderes, das ich ebenfalls unbedingt brauche und kaufe. Denn bei Büchern kann ich nur selten widerstehen.