12 von 12: Mein 12. April 2026 in 12 Bildern

Ich hatte schon lange vor, beim Blogprojekt „12 von 12″ mitzumachen. Doch irgendwie habe ich es immer wieder verpasst, schon morgens zu fotografieren, um meinen Tag mit Bildern und kurzen Texten zu dokumentieren. Romy Pfyls Blogbeitrag vom 12. März hat mich motiviert, das Blogformat endlich einmal auszuprobieren. Gestartet wurde das Projekt von Chad Darnell, Caro von „Draußen nur Kännchen“ führt es fort.

Mein Morgen – ob Sonn- oder Werktag – beginnt in den Sommermonaten, wenn es morgens früher hell wird, meist auf der „Empore“, wie wir den kleinen Platz neben der Treppe großspurig nennen. Oft mit einem heißen Zitronensaft in einer meiner Lieblingstassen,

ein paar Yogaübungen

und dem Schreiben der Morgenseiten. Anders als von Julia Cameron empfohlen, schreibe ich die in der Regel nicht mit der Hand, sondern am Computer. Unverzichtbares Utensil beim Schreiben im Bett, auf der Matratze oder auf der Couch ist das Laptopkissen, auf dem mein Notebook sicherer steht als auf meinen Knien

Ich bin, ich gebe es zu, kaffeesüchtig. Spätestens nach den Morgenseiten ist es Zeit für die erste Tasse Kaffee, möglichst mit aufgeschäumter Milch.

Meist arbeite ich am Notebook, der kleine Monitor genügt mir in der Regel. Nur wenn ich wie heute morgen eine Zeitschrift korrigieren muss, schließe ich den Laptop an meinen großen Monitor an. Das ist bequemer, weil ich dann die ganze Seite sehen kann, ohne von oben nach unten und umgekehrt scrollen zu müssen.

Gestern habe ich (Trauben)Hyazinthen, Schopflavendel und Maiglöckchen ein- und umgetopft, um unsere Terrasse zu verschönern. Zum Glück haben sie die Nacht gut überstanden. Für die meisten unserer Zimmerpflanzen beginnt die Sommerfrische draußen allerding erst im Mai, wenn die Eisheiligen vorbeigezogen sind. Nur die Zitruspflanzen haben wir schon vor einigen Wochen aus dem Wintergarten ins Freie verbannt, weil sie, wie immer im Frühling, total verlaust waren. Pflanzen haben überlebt, die Läuse nicht.

Unsere beiden Frösche haben sogar den Winter in unseren beiden Miniteichen überlebt. Auf meinen Morgenbesuch legen sie aber offenbar keinen Wert. Sie haben sich am Rand der beiden Teiche gesonnt, sind aber sofort ins Wasser gesprungen, als sie mich kommen hörten. Erst im Lauf des Sommers werden sie wieder zutraulicher.

Gegen Mittag musste ich nach Hannover: Zunächst zum Treffen der Beirätinnen des AutorInnenzentrums, dann zum Frauenschreibtreff. Der fand wegen Ostern ausnahmsweise am zweiten, nicht am ersten Sonntag des Monats statt.

An Werktagen hält der Bus zum Bahnhof direkt vor unserer Haustür; an Sonn- und Feiertagen fahren die Busse nicht. Also bin ich aufs Rad umgestiegen. Die Bike und Ride Station ist immer noch nicht ganz fertig. Die Region braucht für den Bau fast länger als die Franzosen für den Wiederaufbau der Kathedrale Sacre coeur in Paris.

In Hannover war heute Marathon. Wenn ich LäuferInnen sehe, werde ich immer noch ganz wehmütig. Ich würde gerne wieder laufen, aber meine Knie machen nicht mehr mit. Das ist schade, aber nicht zu ändern. „Das Leben ist, wie es ist. Ich muss nur meine Einstellung ändern und jeden Tag genießen“, schrieb mir meine Freundin Sabine im vergangenen Jahr nach einer für sie niederschmetternden Diagnose. Jetzt ist sie tot. Ich habe wirklich keinen Grund zu jammern.

Vor den Treffen im AutorInnenzentrum kurze Teepause an der Ihme. Ich sitze in der Sonne und genieße den Blick aufs Wasser. Zum Schreiben habe ich leider keine Zeit, vor dem nächsten Frauenschreibtreff im Mai wieder.

Vor zwei Jahren hat das AutorInnenzentrum die Räume in der Deisterstraße angemietet. Der Frauenschreibtreff war einer der ersten regelmäßigen Treffs zum Schreiben und Netzwerken. Am Anfang waren wir gerade mal eine Handvoll Frauen, inzwischen habe ich mehr als 50 Frauen in meinem Verteiler – und es werden immer mehr. Das ist ein gutes Gefühl.

Mein Tag beginnt meist mit Schreiben – und endet mit Lesen. Zu welchem Buch ich greife, entscheide ich spontan. Oft lese ich zuletzt das Gedicht des Tages in meinem lyrischen Kalender. Heute, am 12. April,  „Vergnügungen“ von Bert Brecht. Die meisten Vergnügungen, die er aufzählt, gefallen auch mir.

„Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch

Schreiben, Pflanzen

Reisen

Freundlich sein.

Das ganze Gedicht ist abgedruckt in „Mit Gedichten durchs Jahr. Ein lyrischer Kalender mit 365 Gedichten“. Im Internet ist es nachzulesen unter https://www.planetlyrik.de/lyrikkalender/bertolt-brechts-gedicht-vergnuegungen/

Noch ein Museum

Ich gebe es zu: Schlösser sind nicht mein Ding. Wenn ich sie besichtige und all den Prunk und die Schätze sehe, kommt mir immer Bert Brechts „Gedicht vom lesenden Arbeiter“ in den Sinn:

„Wer baute das siebentorige Theben? …. 

Und das mehrmals zerstörte Babylon –
Wer baute es so viele Male auf?“

Dann denke ich an die Untertanen, die den Luxus der meist adeligen SchlossbewohnerInnen finanzierten – und selbst allzuoft unter erbärmlichen Bedingungen lebten und arbeiteten.

Meine Vorbehalte gegen Schlössen und ihre Besitzer sitzen also tief. Vielleicht war ich deshalb bislang noch nie im Schloss Herrenhausen, obwohl es direkt neben den Herrenhäuser Gärten liegt, die ich gern und oft besuche. Das ist natürlich inkonsequent, denn die Gärten waren Teil des Schlosses und fürs gewöhnliche Volk ebenso tabu wie das Schloss mit all seinem Luxus. Kurfürstin Sophie ließ den Schloßgarten mit Hilfe des Gartendirektors Martin Charbonnier seit den 1680er Jahren aufwendig auf- und umgestalten. „Sie allein?“ würde Bert Brecht wohl an dieser Stelle fragen.

Ihr Sohn Kurfürst Georg Ludwig, inzwischen zum König George I. von England aufgestiegen, investierte 220.000 Reichstaler in den Bau der Großen Fontäne – das entsprach etwa den Baukosten für die Dresdner Frauenkirche! (230.000 Taler; https://www.hannover.de/Kultur-Freizeit/Freizeit-Sport/Echt-hannöversch/Zehn-Dinge/Zehn-Jubiläen-2020-in-Hannover/300-Jahre-Große-Fontäne-im-Großen-Garten). Ein Abwasserkanal, ein Stauwehr, mehrere Wasserräder und eine dampfbetriebene Pumpenanlage wurden gebaut, um genügend Wasser in die Schlossgärten zu transportieren und die Große Fontäne sprudeln zu lassen. Hätte George dieses Geld in die städtische Wasserversorgung gesteckt, hätten die HannoveranerInnen wohl nicht bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ihr Wasser aus Brunnen und Flüssen schöpfen und nach Hause tragen müssen.

Doch nach meinem Besuch im Museum August Kestner wollte ich auch dem Museum Schloss Herrenhausen eine Chance geben. Um es vorweg zu nehmen: Es hat sie nicht wirklich genutzt.

Das Schloss wurde im 17. Jahrhundert von den Fürsten von Hannover gebaut und im 19. Jahrhundert von Hofbauverwalter Georg Friedrich Ludwig Laves im klassizistischen Stil umgestaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hauptgebäude des Schlosses zerstört – und erst ab 2010 wieder rekonstruiert. Hinter der klassizistischen Fassade entstand, von der Volkswagen-Stiftung mit 25 Millionen Euro mitfinanziert, ein modernes Tagungszentrum mit Vortragssaal und kammermusiktauglichem Festsaal. In den Schlossflügeln und einem unterirdischen Verbindungsgang befindet sich das Museum Schloss Herrenhausen (https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Herrenhausen).

In zwei Abteilungen stehen das Schloss, seine Bewohner und andere wichtige Persönlichkeiten der Zeit im Mittelpunkt. Doch die Bilder und Objekte aus der Welt des haben mich zugegebenerweise nur wenig beeindruckt. Besser gefallen hat mir die Sonderausstellung „Natur ist Kultur. Landschaften und Gärten“ im Westflügel des Museums. Das Nebeneinander von idyllischen Landschaftsbildern unter anderem von Paul, Edmund und Friedrich Koken, Theodor Hertz und Adolf Wissel und Fotos von Autobahnkreuzen, Industrieanlagen und moderner Landwirtschaft macht deutlich, wie der Mensch die Natur, die Landschaft und letztlich auch das Klima verändert.  

Zum Nachdenken und Nachlesen regen auch die Auszüge aus (Natur)Gedichten an, die auf großformatigen Fotos zu lesen sind. Auch ein paar Zeilen aus einem Gedicht von Bert Brecht haben es in die Ausstellung geschafft:

„Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

Bert Brecht hat „An die Nachgeborenen“ in den 1930er-Jahren, vor dem Zweiten Weltkrieg, geschrieben. Die Zeilen passen gut in unsere Zeit, in der wieder Krieg herrscht, nicht nur irgendwo weit weg, in Afrika, in Syrien oder im Nahen Osten, sondern auch in Europa.

Wer die beiden Gedichte von Bert Brecht nachlesen möchte, findet sie unter

https://www.deutschelyrik.de/an-die-nachgeborenen.html

http://www.planetlyrik.de/juergen-theobaldy-zu-bertolt-brechts-gedicht-fragen-eines-lesenden-arbeiters/2021/08/