Lichtmess, Imbolc und die Geburt des Frühlings

Heute ist Lichtmess – der Tag, der jetzt in der katholischen Kirche offiziell Darstellung des Herrn heißt. Am 2. Februar endet – 40 Tagen nach dem Fest – die Weihnachtszeit. Erst an Lichtmess wurden traditionell in manchen katholischen Familien Krippe und Weihnachtsbaum abgeräumt.

So lange schaffen es unsere Weihnachtsbäume nie. Der letzte liegt schon seit Anfang Januar – in kleine Stücke zerschnitten – im Garten und wartet darauf, zur Grünannahme gebracht zu werden. Aber unsere Krippe werde ich heute abbauen und in den Keller bringen. Nur das kleine schwarze Schaf verlässt die heilige Familie und geht seinen eigenen Weg: Es zieht auf meinen Schreibtisch um und begleitet mich in diesem Jahr.

Dagegen verschwinden der Stern über meinem Bett und die Lichterkette am Fenster meines Arbeitszimmers bis Ende November in der Versenkung – sprich in den Weihnachtskisten. Ich brauche sie nicht mehr so dringend, wie in den letzten Wochen. Denn draußen ist es schon merklich länger hell – die Sonne geht etwa 35 Minuten früher auf und etwa 50 Minuten später unter als am kürzesten Tag des Jahres. Es geht wieder aufwärts, wenn auch langsam.

Angeblich haben die Kelten an Lichtmess oder Imbolc, wie der Tag im keltischen Jahreskreis heißt, zuerst alle Lichter in den Höfen gelöscht, bevor sie symbolisch mit heiligem Feuer wieder entzündet wurden. Sie feierten an diesem Tag die Geburt des Frühlings. Und es war der Beginn des bäuerlichen Arbeitsjahrs: Je nach Wetter fing die Feldarbeit wieder an. „An Lichtmess fängt der Bauersmann neu mit des Jahres Arbeit an“, hieß es.

Deshalb wage ich es auch, einige Pflanzen auszuwildern, die bis im Wintergarten überwintert: zwei Gaultherias, eine Christrose und ein paar Tulpen, die mein Mann mir schon Mitte Januar als Vorfrühlingsgruß mitgebracht hat.

Gruppenbild vor dem Umzug

Gaultherias und Helleborus macht Kälte ohnehin nichts aus – und bei Temperaturen, die nicht wirklich winterlich, sondern eher frühlingshaft sind, haben sogar die Tulpen draußen eine faire Chance.

Winter- und Frühlingspflanzen einträchtig nebeneinander: Gaultheria, Schneeglöckchen und Hyazinthe

PS:

Ein Freund aus meinem Heimatort an der Mosel hat den Blogpost gelesen und sich erinnert:

„Bei den Winzern gibt es den Spruch: ‚Mariä Lichtmess – spinnen vergess, Krümmes in de Hand un in de Wingert gerannt‘. Mein Vater hat ihn immer wieder gerne aufgesagt, damit allen klar war, dass jetzt wieder die Arbeit draußen beginnt. Übrigens: In der Weihnachtszeit wurden früher in den Winzerstuben die Weiden gemacht. Die Weiden wurden zuerst in zwei oder drei, sehr selten in vier Teile gespalten und dann mit der Weidenkneip auf der Innenseite geglättet indem man sie unter der Klinge auf einem Stück Leder, das man auf dem Knie festgebunden hatte, durchzog. Die Weiden wurden dann zum Binden der Reben an die Stöcke benutzt. Diese Winterarbeit habe ich als Jugendlicher noch gelernt und gemacht. … das war reine Männersache! Die Männer haben sich gegenseitig besucht, brachten die ein odere andere Flasche vom neuen Wein mit und haben die Weltpolitik wieder ins Lot gebracht … „

Wenn das immer noch funktionieren würde, sollte man auch heute wieder die Reben mit Weiden statt mit Plastik an die Drähte binden. Nötig hätte die Politik es. Und ökologischer wär’s außerdem …

Platzverweis für Efeu und Giersch

Am vergangenen Wochenende, dem ersten Frühlingswochenende in diesem Jahr, habe ich endlich mal wieder im Garten gearbeitet. Es war höchste Zeit. Giersch und Efeu haben meine mehrmonatige wetter- und winterbedingte Gartenabstinenz ausgenutzt, um sich überall breitzumachen.

Giersch und Efeu DSC_2870
Einnehmende (Pflanzen) Wesen.

Natürlich weiß ich, dass Giersch inzwischen in Nobelrestaurants gerne als Salat serviert und dass Efeu schon seit der Antike als Heilmittel eingesetzt wird. Doch leider konnte ich noch kein Restaurant als Abnehmer gewinnen – die haben wahrscheinlich alle selbst genug Giersch im Garten. Und weil ich nur selten krank bin, brauche ich Efeu höchstens in homöopathischen Dosen.

Deshalb gelten für Giersch und Efeu in unserem Garten eigentlich klare Regeln: Sie dürfen an allen Zäunen hochranken und auch den schmalen Streifen hinter der Gartenhütte besetzen. Beete, Rasen und die Hauswand sind dagegen für sie tabu. Wenn ich sie dort erwische, erteile ich Platzverweise – sprich, ich reiße sie aus.

Nun bin ich ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob sie die Regel wirklich verstanden haben. Aber obwohl ich ausdrücklich begrüße, dass der DFB in der vergangenen Woche die Gelb-Rot-Sperre gegen den Freiburger Bundesligaspieler Niels Petersen aufgehoben hat, weil er die erste gelbe Karte nicht gesehen hatte, bleibe ich hart und setze das Platzverbot um.

Das mag inkonsequent sein, aber Konsequenz ist ohnehin nicht meine Stärke. Andere Gartenbesitzer, die erfahrener und erfolgreicher sind als ich, sind im Kampf gegen Efeu und/oder Giersch im Übrigen viel rigoroser. Ein Gärtner-Paar hat den Efeu ganz aus seinem Garten verbannt und eine Bekannte greift gelegentlich zur chemischen Keule, um den Giersch loszuwerden. Das tue ich nicht, ich kämpfe ehrlich, Frau gegen Giersch und Efeu, nur mit meinen Händen, Schippe und Spaten gegen das Wurzelwerk. Allein gegen die Übermacht.

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Wo letzte Woche noch Giersch und Efeu wucherten, ist jetzt Platz für Neues, für Veilchen …

 

Bärlauch DSC_2862
… und Bärlauch beispielsweise.

Der Efeu nimmt übrigens den von mir angebotenen Rückzugsort Zaun dankend an, der Giersch erweist sich dagegen als sehr erdverbunden und traut sich offenbar nicht in höhere Gefilde. Um ihm den neuen Lebensraum schmackhaft zu machen, habe ich ihm sogar eine Zeile aus dem Gedicht von Jan Wagner vorgelesen, in der es heißt dass der Giersch „bis hoch zum giebel kriecht“. Mehr Lyrik sollte es dann allerdings nicht sein, denn schließlich will ich den Giersch nicht auf dumme Gedanken bringen. Denn er ist, um mit Jan Wagner zu sprechen, „nicht zu unterschätzen, der Giersch“.

Alle, die meinen, dass ich übertreibe, können Jan Wagners Gedicht nachlesen unter

http://www.lyrikwelt.de/gedichte/wagnerjang5.htm

Von Horror- und Balkongärtnerinnen

Manchmal fällt der Apfel doch weit vom Stamm. Und manche Talente und Eigenschaften überspringen eine oder gar zwei Generationen, ehe sie bei den Kindern oder Enkeln wieder zum Vorschein kommen. Ich bin trotz meines Faibles für schöne Gärten leider eine Horrorgärtnerin. Als Gott – oder wer auch immer – die grünen Daumen verteilte, habe ich wohl schlicht gepennt oder war gerade in einem (Garten)Buch versunken. Nachträglich lässt sich das, wie wir aus Schillers Gedicht von der Teilung der Welt wissen, nicht mehr korrigieren. Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben oder der Garten. (Für alle, die sich an das Gedicht nicht mehr genau erinnern: „Was tun?“ spricht Zeus, „die Welt ist weggegeben“, zum Nachlesen http://www.ub.uni-heidelberg.de/wir/geschichte/schiller.html).

Ich bin also, wenn es um Pflanzen geht ziemlich talentfrei. Ich weiß nicht, wie viele Rittersporn ich in den vergangenen Jahren gepflanzt habe – überlebt hat nur ein einziger. Sonnenblumen werden weggefressen, sobald ich sie gesetzt habe. Und selbst die Maiglöckchen verschwinden auf unerklärliche Weise. Erst in diesem Frühjahr habe ich wieder rund ein Dutzend aus dem Garten meiner Mutter in unseren umgesiedelt – mit wenig Erfolg. Und auch die Veilchen aus dem Harz blühen im warmen Klima im niedersächsischen Flachland nicht auf, sondern sind wie vom Erdboden verschluckt.

Richtig gut gedeihen in meinem Garten vor allem Pflanzen, die man früher gemeinhin Unkräuter nannte: Giersch zum Beispiel, Brennnesseln, Sauerampfer oder Gänseblümchen. Außerdem einige ganz Robuste, die sich offenbar von nichts abschrecken lassen wie Beinwell, Topinambur oder auch Zwergastern. Die sind zwar allesamt hübsch anzusehen, aber leider so einnehmend, dass sie sich anschicken, die letzten Winkel meines Gartens zu erobern. Sogar dem Giersch machen sie an manchen Stellen das Leben schwer.

Bei größeren Pflanzaktionen leihe mir manchmal den grünen Daumen meiner Tochter aus. Sie hat nämlich das Talent ihrer Oma väterlicherseits geerbt, die früher als Floristin arbeitete. In ihrer alten Wohnung unterm Dach wuchs die Petersilie meterhoch. Und das Orangenbäumchen bog sich unter der Last der Früchte, während unsere wesentlich größeren Zitruspflanzen zwar blühen (und dabei herrlich duften), aber seit einigen Jahren kaum mehr Früchte tragen.

Bei der Vogelschutzhecke hat der Ausleih-Trick funktioniert: Die Heckenrosen, die wir vor drei Jahren gemeinsam gepflanzt haben, sind inzwischen recht hoch und wachsen in die Breite; Apfelbeeren, rote Heckenberberitzen, Kornelkirschen und Weißdorn, die ich ein paar Wochen später alleine gesetzt habe, brauchen wohl noch eine Zeit, bis sie wie geplant Vögeln katzenfreie Nistmöglichkeiten und Nahrung bieten.

Heckenrosen
Heckenrose am Teich.

Seit ein paar Monaten hat meine Tochter einen eigenen Balkon, den sie in einen Mini-Nutzgarten verwandelt. Kartoffeln, Gurken, Paprika und Tomaten pflanzt sie dort, diverse Kräuter und ein ganzes Obstsortiment: Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Stachelbeeren, Melonen und sogar einen kleinen Apfelbaum. Der fühlt sich offenbar in seinem Pflanzsack pudelwohl  – und ich bin fast sicher, dass er mehr Früchte tragen wird als der große Apfelbaum in unserem Garten. Der hat im vergangenen Jahr seine wenigen Früchte auf unserem Rasen verteilt, ehe sie reif waren. Auf dem Balkon meiner Tochter gestaltet sich die Ernte wahrscheinlich recht einfach, auch wenn sie üppig ausfällt. Denn bei dem Mini-Baum fällt der Apfel sicher nicht weit vom Stamm.

Heidelbeerblüte
Früh blüht, was einmal  Heidelbeeren werden wollen. Foto: Nele Schmidtko

Balkon Heidelbeeren, Apfel und Kartoffeln
Platz ist auf dem kleinsten Balkon – für Kartoffel, Apfelbaum, Him- und Stachelbeeren und Tomaten (von rechts). Foto: Nele Schmidtko

 

Im Berggarten

Die Gartensaison hat angefangen – wie auch in den vergangenen Jahren mit einem Besuch in den Herrenhäuser Gärten. Zur Entspannung und Inspiration, dann kann’s im eigenen Garten weitergehen. Der  Berggarten gehört zu meinen Lieblingsorten in Hannover: Er ist, wie ich mir meinen Garten wünsche – und wie er nie sein wird. Bei jedem Besuch sieht es dort anders aus – und immer ganz natürlich, so, als würden die Pflanzen ganz von alleine gerade an dieser Stelle so wachsen, wie sie wollen. Dass das nicht stimmt, weiß jeder, der seinen Garten im Sommer nur ein paar Tage sich selbst überlässt. Hinter dem Naturgarten steckt  sehr, sehr viel Arbeit.

Im Subtropenhof, im Sommer einer meiner Lieblingsorte, ist natürlich noch nichts zu sehen, die Pflanzen sind noch im Winterlager. Und auch im Tropenhaus ist‘s noch recht überschaubar. Vor der Umgestaltung war es dort ziemlich grün und wild, jetzt ist nix mehr mit Tropischem-Regenwald-Feeling. Natürlich, selbst Tropenpflanzen brauchen ihre Zeit. Und außerdem sind die Orchideen vorübergehend ins Tropenhaus umgezogen, denn zurzeit wird das Orchideenhaus renoviert. Für eine der größten Orchideensammlungen der Welt müssen Bananenstauden und Co schon mal weichen. Und die Schildkröten, die früher im Bassin meist faul auf irgendwelchen Steinen lagen, sind im benachbarten Sealife wahrscheinlich ohnehin besser aufgehoben.

Becken im Tropenhaus DSC_0321
Noch überschaubar: das Tropenhaus

Eigentlich mag ich Orchideen nicht, zumindest wenn sie als einsamer Stengel aus einem Blumentopf ragen. Nie würde ich sie mir auf meine Fensterbank stellen – und wenn, würden sie meine Pflege wahrscheinlich nicht lange überleben. Aber der Duft im Tropenhaus ist, mir fällt kein anderes Wort ein, einfach betörend. Und irgendwie sind sie schon faszinierend, eine  sieht beispielsweise  aus wie eine kleine Horrorqueen.

Horrorqueen DSC_0325
Kleine Horrorqueen

Draußen ist es noch ziemlich kahl: Immerhin  blühen hier neben Schneeglöckchen, Märzbechern,  Krokussen, Narzissen und diversen Nieswurzen – Christ, Schnee- oder Lenzrosen genannt – auch schon die Tulpen, die in unserem Garten zu Hause noch gar nicht dran denken. Wahrscheinlich sollte ich doch meine Haltung zu Tulpen mal überdenken und einige frühe und farblich besonders schöne Sorten pflanzen.

Das Wasserbecken im Pergolagarten ist noch abgedeckt, für Wasserhyazinthen, die in ein paar Wochen wachsen, ist es einfach noch zu früh, ebenso wie für die Kletterpflanzen an den Wänden der Pergola. Und auch der Moorweiher präsentiert sich im Moment weniger als Weiher denn als ziemlich übel riechende Schlammwüste. Das erinnert mich daran, dass ich meine Miniteiche unbedingt reinigen, Laub- und Pflanzenreste entfernen muss.

Moorweiher DSC_0342
Noch mehr Moor als Weiher. Doch bald ist es wieder ein Paradies für Frösche.

Auf der Wiese neben dem Mausoleum blühen Narzissen und Krokusse, die Scilla trauen sich noch nicht so recht hervor. Immerhin fließt im Staudengrund schon Wasser. Noch sind die Ufer kahl, aber schon bald wird das künstliche Bächlein unter den Pflanzen fast verschwinden.

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Frühlingsboten

Und dann die Linden: Eigentlich sollten die fast 300 Jahr alten Bäume zwischen Schloss und Mausoleum abgeholzt werden, weil sie wegen Pilzbefall und Holzfäule umzustürzen drohten. Doch der bedrohte Juchtenkäfer hat sich in den Bäumen eingenistet – und ihnen das Leben gerettet. Lange wurde diskutiert, was geschehen soll. Jetzt bekommt jede einzelne Linde in der vierreihigen Allee einen oder gar zwei  Stützpfeiler. Das sieht zwar ziemlich seltsam aus, zumindest solange die Bäume noch kahl sind. Aber wenn die Linden weichen müssten, würde sicher was fehlen. Denn bis die neuen Bäumchen wieder zu staatlichen Bäumen herangewachsen wären, würden einige Jahrzehnte vergehen.

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Rettet die Linden: Alte Bäume mit neuen Stützen.

Rhapsodie in Lila: Rosen, Rittersporn

Manchmal denke ich, ich habe eine Chance – die Chance, dass es in meinem Garten nur einmal halb so toll aussieht wie in den zahlreichen Gartenbüchern, die ich mein eigen nenne. Wenn die Rose Rhapsodie in Blue, die ich im vergangenen Jahr von unseren Nachbarn geschenkt bekommen habe, nicht nur blüht, sondern auch duftet und ich voller Stolz feststelle, dass sie farblich toll zum lilanen Fingerhut und zur rosa Rose daneben passt.

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Rosen, Fingerhut und Buchsbaum-Stier

Wenn nach mehreren Versuchen an verschiedenen Standorten endlich ein Rittersporn überlebt – dass die Lupinen daneben nicht einmal halb so groß werden wie die im Garten meiner Nachbarin nehme ich dafür gerne in Kauf.

 

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Kleine Lupine, großer Rittersporn

Auf das Rundbeet, das wir im vergangenen Jahr (oder war es schon vor zwei Jahren) angelegt haben, bin ich wirklich stolz. Es ist fast so schön (wenn auch viel kleiner) wie  der Garten bei der Kunstscheune in Barnstorf, der für mich ein Vorbild war. Hier wachsen neben Rittersporn auch endlich wieder Stockrosen, die aus irgendeinem Grund vor Jahren aus unserem Garten ausgewandert waren, und diverse Rose: richtige Rosen, dazu eine Pfingstrose (noch sehr klein) und eine Christrose (dito), außerdem  eine Teehortensie, Lavendel und mehrere Erdbeerpflanzen. Ich mag es wild und bunt.

Natürlich ist das viel zu viel in dem kleinen Beet, und es war garantiert ein Fehler, noch zwei Tomatenpflanzen dazwischen zu quetschen, nur damit sie sich an den beiden Metallstangen in der Mitte emporranken können. Aber als ich sie vor gut einem Monat, noch vor der letzten Eisheiligen, gepflanzt habe, waren die Pflanzen in der Nachbarschaft noch recht klein – und überall noch soooo viel Platz.

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Wider heimisch: Fingerhut, hier mit Lilien

Ich gebe es zu: Ich habe die Natur und ihre Kraft mal wieder unterschätzt. Und natürlich hatte ich mal wieder keinen Plan. Weniger wäre mehr, aber jetzt ist wohl nicht der richtige Zeitpunkt, umzupflanzen. Die kalte Sophie konnte ihnen nichts anhaben, vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Vielleicht spornt sie das Gedränge um sie herum an. Die Erdbeeren scheinen auf jeden Fall sehr wohl zu fühlen; sie sind größer und kräftiger als ich sie von dem Garten meiner Eltern an der Mosel in Erinnerung habe. Und sie tragen viele Früchte: Ich hoffe auf reiche Ernte. Die ersten drei Beeren haben wir heute probiert, garantiert biologisch, ohne Dünger und ohne Pflanzenschutzmittel.

Hannover entdecken

Ich habe mir ein Monatsticket gekauft, mit dem ich einen Monat lang, bis Anfang Juni, alle Busse, U-Bahnen und Regionalbahnen im Großraumverband Hannover – kurz gvh –benutzen kann. Das Ticket für alle Zonen kostet mehr als 100 Euro – dafür bekomme ich etwa 13 Tagestickets. Deshalb rechne ich vorher genau nach, ob sich eine Monatskarte lohnt. In diesem Monat lohnt sie sich, weil ich viele Termine in der Stadt habe: eine fünftägige Fortbildung, einen Arzttermin, außerdem habe ich Karten für das Gartenfestival in den Herrenhäuser Gärten. Mit dem Ticket kaufe ich mir auch ein Stück Freiheit: Ich kann spontan losziehen, um die Stadt und die Region mit Öffis zu erkunden. Ich kann zeitweise mein Fahrrad und am Abend sowie am Wochenende auch einen Erwachsenen kostenlos mitnehmen.

Das Treffen an Christi Himmelfahrt mit meiner Tochter in den Herrenhäuser Gärten hätte es ohne das Ticket sicher nicht gegeben: einfach mal für ein, zwei Stunden in die Stadt fahren, ohne triftigen Grund, einfach weil es mir in den Sinn kommt, gönne ich mir nur selten, wenn ich dafür extra eine Fahrkarte kaufen muss. Auf dem Bahnhof treffe ich eine Bekannte mit Fahrrad und kann sie mitnehmen, weil Feiertag ist. Ich freue mich, dann weil so das Ticket doppelt nutzt.

Nele und ich sind an den  Herrenhäuser Gärten verabredet. Spätesten als ich mit der Straßenbahn am öffentlich zugänglichen Teil der Gärten, dem Georgengarten, vorbeifahre, weiß ich, dass wir nicht die einzigen waren, die diese Idee hatten. Überall liegen oder sitzen, spielen oder spazieren Leute auf dem Rasen, allein oder paarweise, in kleineren oder größeren Gruppen. Weil Vatertag ist, sind vor allem viele junge Männer mit ihren Kumpels unterwegs. Ihre Kinder, denen sie diesen Feiertag verdanken, haben sie zu Hause gelassen, falls es sie denn überhaupt schon gibt. Die meisten, vermute ich, sind kinderlos. Je jünger und je weniger Kinder, desto höher der Alkoholpegel, so scheint es.

Es ist schon merkwürdig, dass potenzielle Väter, lange bevor sie Väter werden, diesen Umstand feiern. Dass junge Frauen am Muttertag losziehen und sich öffentlich betrinken, habe ich noch nie gesehen. Aber ich werde es am Sonntag beobachten. In diesem Jahr liegen Vater- und Muttertag ungewöhnlich eng zusammen.

Im Berggarten explodiert die Natur. man sieht es besonders am Staudengrund. An Ostern waren die Ufer des künstlichen Bachs noch kahl – jetzt verschwindet der Wasserlauf fast unter den üppig wuchernden Pflanzen. Nur die Frösche halten sich noch merkwürdig zurück: Im vergangenen Jahr quakten hunderte im Moorweiher um die Wette, jetzt ist nur gelegentlich ein eher schüchternes Quak zu hören. Zu sehen ist noch keiner. Aber vielleicht war es Ihnen bislang zu kalt. Ich könnte es gut verstehen.

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Staudengrund Ostern (Ende März) …

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… und an Christi Himmelfahrt (5. Mai)

Den Georgengarten habe ich bislang eigentlich noch nie wirklich wahrgenommen, obwohl ich schon seit fast 30 Jahren in Hannover lebe und seit einigen Jahren oft in den Herrenhäuser Gärten bin. Jetzt zeigt mir meine Tochter die Teiche – sie kennt meine Sehnsucht nach Wasser. Es ist idyllisch hier, trotz der vielen Leute. Schade, dass ich bisher immer achtlos an diesem Teil der Gärten vorbeigegangen bin. Es wird Zeit, Hannover zu entdecken.

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Georgengarten in Hannover

 

 

Los geht’s: Start in die Gartensaison

Vorgestern, Ostersamstag, der erste richtige Frühlingstag. Wir eröffnen die Gartensaison. Wo geht das besser als in den Herrenhäuser Gärten, die angeblich zu den schönsten Parkanlagen Deutschlands gehören. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich zu wenige Parkanlagen kenne. Aber die Herrenhäuser Gärten sind wirklich toll. Ich mag vor allem den Berggarten, mit dem Großen Garten kann ich wenig anfangen, zu akkurat, wie mit dem Lineal gezogen, die Pflanzen, von den Menschen zurechtgestutzt und zurechtgebogen. Einmal saßen etwa zehn Gärtner nebeneinander in einem Bett, schnitten winzige Pflanzen – wenn ich mich recht erinnere, war es Buchs – in Form. Dass ich keine Kamera dabei hatte, bedaure ich noch heute.

Im Berggarten dürfen die Pflanzen zwar nicht wachsen, wie sie wollen, aber man hat das Gefühl, dass sie es dürfen. Und der Garten sieht jedes Mal, wenn ich dort bin, anders aus.

Das Tropenhaus ist zurzeit gesperrt, schade, kein Besuch bei den Wasserschildkröten. Wenn ich Zeit habe, sitze ich gerne unter riesigen Pflanzen an den beiden Becken und bilde mir ein, irgendwo in den Tropen zu sein. Warm genug ist es selbst im Winter, und hier, in Hannover, muss ich keine Angst vor Schlangen, Spinnen und anderen Tieren haben. Kurzbesuch im Orchideenhaus: Ich mag Orchideen nicht besonders und würde mir keine auf die Fensterbank stellen. Aber hier, wo sie üppig wuchern, faszinieren sie mich doch. Vor allem gefällt mir der Duft – jedes Mal anders, jedes Mal aufs Neue schön. oder vielleicht besser – betörend?

Orchidee HH Gärten
Wie ein Star-Trek-Symbol, behauptet meine Tochter: Orchidee in den Herrenhäuser Gärten.

Draußen blüht noch nicht wirklich viel, es war bis jetzt vor allem nachts einfach zu kalt. Tulpen, Osterglocken, Narzissen, Schneeglöcken und natürlich Scilia, vor allem auf der Wiese am Mausoleum. Der Moorweiher ist noch ziemlich karg und ruhig, in ein paar Wochen sitzen hier hunderte Frösche dicht an dicht und quaken um die Wette.

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Wieso hier und nicht bei mir: Tulpen im Berggarten

Im Staudengrund, einem meiner Lieblingsplätze, fließt zwar schon Wasser, aber auch hier trauen sich noch keine Pflanzen heraus. In ein paar Wochen wird der künstliche  Bach fast unter dem Grün verschwunden sein. Und ich werde wieder Fotos machen, um sie zu Hause, in unserem Garten, diversen Pflanzen zu zeigen, die ihr Eigenleben führen und nicht wollen, wie ich will: Seht ihr, so solltet ihr eigentlich aussehen. Genutzt hat es bislang noch nicht, aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Zum Schluss zur Grotte im Großen Garten: Die wurde zwar schon 1676 erbaut, doch nachdem die Muscheln, Kristalle. Glas und Mineralien, die sie ursprünglich schmückten, entfernt worden waren, diente die Grotte nur noch als Lagerraum. Erst zur Expo 2000 wurde sie restauriert – und dann nach den Plänen von Niki Saint Phalle neu gestaltet.

Die Nanas am Leineufer mag ich nicht besonders, aber die Grotte – vor allem die blaue – zählt zu meinen Lieblingsplätzen in Hannover. Immer wieder ist das Licht anders, immer wieder schimmert das Blau anders, und immer wieder entdecke ich etwas Neues.

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Blaue Grotte – immer in anderem Licht

Danach keine Lust mehr auf Kino, Colonia Dignidad muss auf einen weniger schönen Tag warten. Im eigenen Garten wird der Unterschied zwischen wild wachsen (bei uns) und aussehen, als ob es wild wächst, deutlich. In meinen Beeten wächst vor allem Gras (nein, nicht nur aber auch), entlang des Zauns vermehrt sich der Giersch unter dem kleingehäckselten Baumschnitt ganz vorzüglich: Die grünen Blättchen zeigen sich tückischerweise erst, wenn sie schon recht kräftig sind und sich vernetzt haben. Bliebe er am Rand des Gartens unter den Büschen, ließe ich ihn gewähren: Aber der Giersch ist ein Eroberer und macht sich wieder im ganzen Garten breit. Ihm macht der Winter offenbar nichts aus, anders als Minze, Salbei, Lavendel, Zitronenmelisse, Rosmarin und alle meine Kräuter, die nach dem Winter nicht mehr sehr ansehnlich. Und auch das Blaukissen tut sich in diesem Jahr schwer – mein Zwerg sitzt, unbeeindruckt lesend, in einer noch recht kahlen Umgebung.

Lesezwerg
Lesezwerg, noch ohne blaues Kissen

Ich habe zum Lesen keine Zeit. Just do it: Ich fange an, fühle mich ein bisschen wie Sysiphos, nur dass ich keinen Stein rolle, sondern gefühlte Stunden Gras und (Un)kraut rupfe und zupfe. Manches erkenne ich inzwischen (vor allem Giersch), aber oft frage ich mich auch, ob ich nicht das, was ich gerade herausreiße, im letzten Jahr gepflanzt habe. Beim Sauerampfer weiß ich es genau. Den habe ich letztes Jahr gesetzt – jetzt wuchert er im ganzen Beet, sodass für die anderen Kräuter zu wenig Platz bleibt. Ich grabe ihn aus, strafversetze ihn unter die Sträucher am Zaun.  Dort kann er  Giersch und Efeu Konkurrenz machen und mit ihnen um die Wette wuchern. Es wird, hoffe ich, ein spannendes Rennen und vielleicht landen sie demnächst gemeinsam bei uns auf dem Tisch.

Im letzten Sommer hat mich eine Freundin zum Wildkräutermenü mit sechs oder sieben Gängen eingeladen: Vieles, was dort serviert und von ihr teuer bezahlt wurde, gedeiht in unserem Garten vorzüglich: neben Giersch und Sauerampfer auch Gänseblümchen, Löwenzahn, Brennnesseln und Waldmeister. Vielleicht sollte ich künftig statt zu bloggen oder Korrektur zu lesen Kräuter-Spezialitäten auf dem Wochenmarkt verkaufen. Oder versuchen, die Gourmet-Restaurants in Niedersachsen zu beliefern. Möglicherweise ergeben sich hier ganz neue Perspektiven.

Los geht’s – Gärtnern ohne grünen Daumen

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Lesen im Garten – früh im Frühjahr …

Ich liebe Gärten. Ich sehe mir gerne Gartenzeitschriften an, habe einen kleinen, aber feinen Bestand an Gartenbüchern. Ich gehe regelmäßig in die Herrenhäuser Gärten – in den Berggarten, den Teil der Hannoverschen Vorzeigegärten, in dem die Pflanzen scheinbar natürlich wachsen dürfen und nicht von eifrigen Gärtnern in Reih und Glied gezwängt und zurückgestutzt werden, sobald nur ein einziges Blättchen oder Hälmchen über den imaginären Rand hinausragt. Sobald in der Region Gartenbesitzer ihre Gartenpforten für Besucher öffnen, schaue ich mich neidvoll und bewundernd in fremden Gärten um. „Will haben“, denke ich – und weiß, dass das zu den Wünschen gehört, die sich nie erfüllen werden. Denn was so aussieht, als wachse und gedeihe es einfach so, macht sehr viel Arbeit, allen Büchern über lazy gardening oder Gärtnern leicht gemacht zum Trotz.
Meine Begeisterung für Gartenarbeit ist leider bei weitem nicht so groß wie meine Begeisterung für schöne Gärten. Ich lese lieber im Garten oder über Gärten, als im Garten zu arbeiten. Und außerdem fehlt mir zum Gärtnern das Talent. Ich habe ein gutes Gedächtnis für Personen und Ereignisse: Ich kann noch immer Gedichte aufsagen, die ich vor fast einem halben Jahrhundert gelernt habe und – wenn ich tief genug in meinem Gedächtnis krame, kann ich sogar noch eine Maxima und Wendepunkte einer Kurve berechnen, was ich seit meinem Abitur vor fast 40 Jahren nicht mehr tun musste. Ich erinnere mich an alle möglichen Bücher, die ich gelesen, an Filme, die ich gesehen habe, und an Menschen, mit denen ich vor Jahren gesprochen habe – und ich schwöre, es waren viele. Aber wenn es um Pflanzen geht, versagt mein Gedächtnis völlig. Ich habe, befürchte ich, unzählige Pflanzen gesät und gesetzt, die ich dann spätestens im nächsten Jahr wieder herausgerissen habe, weil ich sie im pflanzlichen Kleinkindstadium nicht wiedererkannt und sie irrtümlich für Unkraut gehalten habe. nein, ich habe leider nicht den berühmten grünen Daumen.
Und doch starte ich einen neuen Versuch. Vor drei Wochen haben meine Tochter und ich an einem schönen Vorvorfrühlingswochenende angefangen, alte, aber munter expandierende Büsche, die den halben Garten unterwurzeln und sich überall ausbreiten herauszureißen. Die ersten neuen Sträucher haben wir auch schon gepflanzt. Alles Büsche, die, wenn sie einmal groß genug sind. Vögeln Nistmöglichkeiten und Nahrung bieten sollen. Apfelbeeren beispielsweise (kahl und Nero), rote Heckenberberitzen, Kornelkirschen, eingriffligen Weißdorn, eine Schlehe und zwei Heckenrosen. Jetzt hoffe ich, dass sie angehen und schnell groß und dicht werden. Ob’s klappt. Ich werde darüber in diesem Blog regelmäßig berichten.

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… und wenig später im blauen Kissen.