Wann beginnt der Herbst?

Morgen, am 1. September, beginnt der meteorologische Herbst, und wenn ich den Meteorolügen auch nur ungern recht gebe, muss ich gestehen, dass die meteorologischen Jahreszeiten viel besser zu meinem Jahreszeiten-Gefühl passen als die kalendarischen. Besonders deutlich ist dies im Sommer und Winter. Der Juni gehört für mich ganz klar zum Sommer, auch wenn der kalendarisch erst am 23. Juni beginnt, und der Dezember zum Winter.

Zehn Jahreszeiten …

Wenn es nach den Pflanzen geht, hat der Frühherbst schon begonnen, und zwar laut der Phänologischen Uhr des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am 17. August – vier Tage früher als im Mittel der vergangenen Jahre. Die „phänologischen Jahreszeiten“ richten sich nach der Entwicklung der Pflanzen. Beginn, Ende und Dauer sind daher – anders als bei den meteorologischen und kalendarischen Jahreszeiten – ganz unterschiedlich. Ein Alptraum für alle, die (Wetter-)Statistiken erstellen und mit ihnen arbeiten müssen.

Zudem gibt es nicht nur vier, sondern zehn phänologische Jahreszeiten – und für alle sogenannte Zeigerpflanzen. Beobachtet, erfasst und ausgewertet werden Erscheinungen, die jährlich wiederkehren, u. a. Blüte, Blattentfaltung, Reife der Früchte oder Blattfärbung dieser Pflanzen. Typische Zeigerpflanzen für den Frühherbst sind laut Wikipedia Schwarzer Holunder, Brombeere, Hundsrose (Hagebutten), Sanddorn, Weißdorn, und Haselnuss, deren Früchte jetzt reif werden. Die Herbstzeitlosen blühen dagegen erst im Frühherbst.

… und die Phänologische Uhr des DWD

Die Phänologische Uhr des Deutschen Wetterdienstes berücksichtigt nur einige wenige Pflanzen. Der Vollfrühling beginnt mit der Apfelblüte, Spätsommer ist’s, wenn die Äpfel pflückreif sind. Die Blüte des Schwarzen Holunders läutet den Frühsommer ein, im Frühherbst sind dann die Beeren reif.

In diesem Jahr hat der Vollfrühling in Deutschland mit der Apfelblüte schon am 15, April begonnen, elf Tage früher als im Mittel der vergangenen Jahre (26. April). Der Spätsommer startete dagegen einen Tag später als durchschnittlich, und zwar am 4. August, und er war mit 13 Tagen ungewöhnlich kurz. Denn die Beeren des Schwarzen Holunders waren schon vier Tage früher reif als in den vergangenen Jahren, nämlich am 17. August.

Weil sich die Pflanzen von Region zu Region unterschiedlich entwickeln, zeigt die Phänologische Uhr des DWD Grafiken und Daten für alle Bundesländer. Danach hat der Frühherbst im Saarland schon am 9. August begonnen, in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bislang noch gar nicht. Im Saarland war der Schwarze Holunder in diesem Jahr einen Tag vor den Äpfeln (10. August) reif – der Spätsommer ist also dort eigentlich ausgefallen. Dabei war das Saarland laut DWD in diesem Jahr mit 19,2 Grad Celsius die wärmste und „sonnigste Region im letzten meteorologischen Sommermonat“.

In unserem Garten tragen Apfelbaum, Hundsrose, Holunder und Weißdorn in diesem Jahr gar keine Früchte, dafür aber Feuerdorn und die namenlose Rosen vor unserem Wintergarten.

Direkt daneben blühen und duften noch meine beiden Lieblingsrosen, Rhapsody in Blue und die Künstlerrose.

Auch die Erdbeerernte hat wieder begonnen, die zweite in diesem Jahr. Die Trauben brauchen dagegen noch ein paar warme oder – um mit Rainer Maria Rilke* zu sprechen –südlichere Tage. Und mit der Traubenlese beginnt für mich, gebürtige Mosellanerin, der Herbst richtig.

*Rainer Maria Rilkes Herbststag finden Interessierte auf der Website https://www.rilke.de/gedichte/herbsttag.htm

Gedanken zum Herbstanfang

Heute beginnt der astronomische Herbst, und zwar nach Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) genau um 21:21 Uhr. Heute Abend überquert die Sonne den Himmelsäquator. Tag und Nacht – also die Zeitspanne von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und umgekehrt – sind dann etwa gleich lang, nämlich zwölf Stunden.

Dass die Tag-und-Nacht-Gleiche auch „Äquinoktium (Plural Äquinoktien, von lateinisch aequus ‚gleich‘ und nox ‚Nacht‘) heißt, habe ich erst heute bei der Recherche für diesen Blogbeitrag gelernt (https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84quinoktium), ebenso, dass bei der Dämmerung offenbar zwischen astronomischer, nautischer und bürgerlicher Dämmerung unterschieden wird. Entscheidend ist dafür, wie tief die Sonne unter dem Horizont steht (mehr unter https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4mm). Nicht nur lesen, sondern auch schreiben bildet also.

Ab morgen sind die Tage auf der Nordhalbkugel im Prinzip kürzer als die Nächte, allerdings gibt es – abhängig vom Ort – riesige Unterschiede. Laut www.sunrise-and-sunset.com ist die Sonne in Hannover heute um 7:08 Uhr aufgegangen und sie geht um 19:18 Uhr unter. Der Tag ist heute also 12 Stunden und 10 Minuten lang. Länger als die Tage sind die Nächte im Norden Deutschlands erst ab Samstag.

In Tromsö, wo ich Anfang letzter Woche noch war, dauert der Tag heute sogar noch 12 Stunden und 19 Minuten. Doch mit dem Tageslicht geht es hoch im Norden Skandinaviens jetzt steil bergab: Am 26. November ist die Sonne in Tromsö dann nur noch eine Stunde und eine Minute zu sehen, wenn sie denn scheint. Am 27. November beginnt dann die Polarnacht, die erst am 14. Januar endet. Am 15. Januar geht die Sonne in Tromsö erstmals im neuen Jahr wieder auf, allerdings erst um 11:29 Uhr – und schon eine Dreiviertelstunde später, um 12:18 Uhr, geht sie wieder unter. Zum Vergleich: In Hannover ist der Tag am 26. November immerhin 8:12 Minuten lang, am 14 Januar wieder 08:09. Und kürzer als rund siebeneinhalb Stunden sind die Tage selbst zur Zeit der Wintersonnenwende im Dezember nicht.

Die Landschaft ist in Norwegen wirklich traumhaft. Das Meer, die Fjorde: Die norwegische Küste ist ohne Inseln und Fjorde etwa 2.500 Kilometer lang, zählt man die Fjorde mit, sind es etwa 29.000 Kilometer, mit den Küstenlinien der Inseln sogar mehr als 100.000 Kilometer (https://de.wikipedia.org/wiki/Geographie_Norwegens). Außerdem gibt es in Norwegen unendlich viele Flüsse und Seen.

Für Menschen, die wie ich süchtig nach Wasser sind, wäre Norwegen das Paradies, wenn, ja wenn da nicht die schrecklich lange dunkle Zeit im Winter wäre. Die Dunkelheit schreckt mich mehr als das Wetter, obwohl die Sommer kurz sind und das Klima vor allem nördlich des Polarkreises rau: Auf unserer Reise von Kristiansand im Süden Norwegens nach Tromsö – längst nicht ganz im Norden – haben wir schon Ende August auf den Bergen den ersten Schnee gesehen, und zwar schon bevor wir den Polarkreis überquert haben. Nein, leben könnte ich im Norden Norwegens nicht.

Doch wat dem eenen sin uhl is bekanntlich dem annern sin nachtigall. Mein Mann freut sich über die kürzer werdenden Tage, weil er dann die Sterne früher und besser beobachten kann als im Sommer, wenn es erst spät dunkel wird. Außerdem ist er süchtig nach den Nordlichtern, die in der Polarnacht nicht nur nachts, sondern auch am Tag zu sehen sind. Bilder gibt’s unter https://sternefueralle.wordpress.com/polarlichter/polarlichter-11-9-2021-nahe-tromso/.

Übrigens: Meteorologisch hat der Herbst schon am 1. September begonnen und er endet nach drei Monaten am 30. November – aus ganz praktischen Gründen. So lassen sich nämlich Daten wie Temperatur, Niederschläge und Co besser vergleichen als mit den wechselnden Terminen beim astronomischen Herbstanfang.