Würmsee im Mai

Diesen Blogpost beginne ich mit meinem Lieblingssatz aus der Musikfabel Alfred Jodocus Kwak von Hermann van Veen. Als er die Weihnachtsansprache halten soll, fragt der König: „Ist es schon wieder so weit?“

Nein, Weihnachten steht noch nicht wieder vor der Tür, aber das Monatsende. Höchste Zeit also für die monatlichen Fotos vom Würmsee. Ich habe es wieder erst auf den letzten Drücker geschafft.

Von der Badenden gibt es ohnehin nichts Neues: Sie kann sich trotz des schönen Wetters nicht entscheiden, ins Wasser zu gehen. Einen Badeanzug brauchte sie dazu angesichts der Tiefe des Teichs ohnehin nicht. Da würde es reichen, die Hose etwas umzukrempeln.

Die Enten stört die geringe Tiefe nicht – sie haben genügend Wasser unterm Bauch. Und für die Reiher ist das flache Wasser optimal. Gleich vier haben sich zum Frühstück eingefunden. Und der Tisch – genauer gesagt der Teich – ist reich gedeckt. Frösche, das konnte ich hören und sehen, gibt es im Schilf auf jeden Fall sehr viele.

Noch ist der Würmsee ein Paradies für Wasservögel, doch ob das im Sommer so bleibt? Der Wasserspiegel ist schon wieder deutlich gesunken, obwohl es im Mai ein paar Mal geregnet hat. Die Torffresser stehen wieder auf dem Trockenen …

Die Ureinwohner des Würmseewalds

… und die Bohlen des Stegs, die zu meinem Lieblingsplatz auf dem „Boot“ führen, ragen wieder etwa 30 cm aus dem Wasser. Im Februar und März stand das Wasser bis zur Unterseite der Bretter.

In „meiner“ Hütte haben Gäste den Tisch gedeckt …

… und gleich nebenan ein Tipi aus Ästen und Zweigen gebaut. Ich bin offenbar nicht die einzige, die gerne hier bleiben möchte. Aber Dauerwohnen wie nach dem Krieg und in den 1950er-Jahren ist am Würmsee nicht mehr erlaubt; die Häuser, die am See stehen, sind Wochenendhäuser, wenn auch teilweise sehr große.

Kein Baum-, sondern ein Asthaus

Fuchs, Hase, Reiher, Eisvogel und Kröte stören sich nicht an der Bau- und Wohnvorschriften. Sie übernachten, da bin ich sicher, auf oder unter ihrer Bank. Aber sie haben ja auch die älteren Rechte: Sie waren lange vor uns Menschen hier – und teilen jetzt ihren Lebensraum und die Bank großmütig mit uns, obwohl wir nicht immer gute Gäste sind.

Suchbild: Wo ist die Kröte?

Übrigens: Laut Wikipedia „erfand“ Hermann van Veen Alfred Jodocus Kwak, nachdem er eine Ente überfahren hatte und am nächsten Tag eine Entenfamilie in seinem Garten sah. Ihren Namen verdankt die Ente Alfred Biolek und einem Clown. Das Musical wurde 1976 erstmals aufgeführt, Ende der 80er entstanden Comics und Zeichentrickfilme. Alfred machte sogar in der Politik Karriere: Seit 2003 ist er offizieller UNICEF-Botschafter für die von der UNO festgeschriebenen Rechte des Kindes. https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Jodocus_Kwak

Würmsee im März

Ja, ich gebe es zu, der Dauerregen im Februar und Anfang März hat mich genervt. Aber er hatte natürlich auch – vor allem im Nachhinein – sein Gutes. Das sieht man auf den Märzbildern vom Würmsee. Wo im Februar noch Gras und andere Pflanzen aus dem See ragten, sieht man jetzt erfreulicherweisee nur Wasser.

Der winzige weiße Fleck im Hintergrund ist ein Schwan. Und auch das ist eine gute Nachricht: Die Wasservögel – Schwäne, Enten, Blesshühner und Reiher – sind an den Würmsee zurückgekehrt. waren ausgewandert, als der See im vergangenen Jahr wieder fast ausgetrocknet war, obwohl Region Hannover und die Stadt Hannover ständig Wasser in den See pumpen.

Torffresser: Kunst am See zum anschauen …

Zum ersten Mal stehen die Torffresser, angeblich die letzten ihrer Art, im Wasser. Das macht ihnen nichts aus, denn früher, als hier noch Torf abgebaut wurde, war hier richtiges Moor. Das Wasser hätte ihnen wohl bis zu den Knien gereicht, lese ich auf der Infotafel, die das Kunstobjekt erklärt. Es wurde, wie auch die anderen sieben Kunstobjekte am See, vom Atelier LandArt in Hannover geschaffen.

So feucht ist das Gelände neben dem Würmsee heute nicht mehr, aber weil hier immer noch geschützte Tiere wie Kreuzkröte und Moorfrosch hier leben, darf es nicht betreten werden. Zu sehen sind sie nur selten, aber wahrscheinlich sind sie während der Laichzeit im April und Mai nicht zu überhören. Ich bin gespannt.

… und zum benutzen

Dass viel Wasser im See ist, merkt man auch, wenn man über den Holzsteg zu der kleinen Plattform geht: Einige Bohlen liegen direkt auf dem Wasser – und wenn man sie betritt, merkt man, wie sie ein bisschen ins Wasser einsinken.

Zum Baden reicht es jedoch sicher nicht, und so werden die Dame auf der gegenüberliegenden Seeseite und ihre Pappgefährten wohl die einzigen bleiben, die sich im Badeanzug zeigen.

An den Bäumen im Hintergrund zeigt sich das erste zarte Grün. Und so wird es wohl auch nicht mehr lange dauern, bis der Blick von der Hütte auf den See zugewachsen ist. Ich würde mich trotzdem gerne gelegentlich dort am See einmieten. Eine Hütte zum Schreiben, zum Malen. Kunst am See halt.

Eine Hütte für mich allein – ein Platz zum Schreiben