Vorfrühling in den Herrenhäuser Gärten

Die Sturmtiefs mit Orkanböen, die in den letzten Tagen übers Land gebraust sind,  haben natürlich auch vor den Herrenhäuser Gärten nicht Halt gemacht. Der Berggarten und der Große Garten waren von Donnerstag bis Montag geschlossen, weil der Aufenthalt dort zu gefährlich war. Nur der Georgengarten, ein öffentlicher Park, konnte auf eigene Gefahr betreten werden.  Ich war vor den Stürmen dort, bei gutem Wetter – zum ersten Mal in diesem Jahr.

Leider wegen Corona geschlossen: die Schauhäuser

Ein Besuch im Berggarten zu jeder Jahreszeit, auch wenn die Schauhäuser leider seit Dezember  wegen Corona  gesperrt sind. Draußen wagen sich erst wenige Arten hervor, doch die legen sich mächtig ins Zeug: Schneeglöckchen, Winterlinge und Krokusse blühen überall und bilden teilweise weiße, gelbe und lila Blütenteppiche. Willkommene Abwechslung im sonst eher noch tristen Wintergrau und -braun.

Im Staudengrund fließt noch kein Wasser; der kleine Bachlauf wird erst in den nächsten Wochen geflutet. Ich liebe es, am plätschernden Bach entlang zu schlendern oder mich an einen der kleinen Teiche zu setzen, zu lesen, zu schreiben oder einfach nur die Ruhe zu genießen.  Noch sind die Ufer kahl, doch schon bald werden hier Wildstauden blühen.

Im Staudengrund steht auch mein Lieblingsbaum, die mächtige Süntelbuche Buche (Fagus sylvatica ‚Tortuosa‘). Was aussieht wie ein kleines Gehölz ist ein einziger Baum. Der Hauptstamm wurde 1880 gepflanzt; durch Absenker sind neue Stämme entstanden. Sie bilden im Sommer eine mehr als 750 Quadratmeter große dichte Krone. Der Weg auf der anderen Seite wird dann zu einem grünen Tunnel.

Die Süntelbuche im Berggarten ist eine der größten Süntelbuchen Niedersachsens; eine ganze Süntelbuchenallee gibt es im Kurpark von Bad Nenndorf. Dem Süntel, einem zum Weserbergland gehörenden Höhenzug zwischen der Kurstadt und Hameln, verdankt der zur Familie der Rotbuchen gehörende Baum seinen Namen. Dort wuchs früher der größte Süntelbuchenwald Europas.

Doch anders als ihre Verwandten wachsen Süntelbuchen nicht brav in die Höhe, sondern in die Breite. Ihre Stämme sind nicht gerade, sondern kurz und verdreht, die Äste miteinander verwachsen.  Deshalb galten sie  als verwunschen, vom Teufel oder von Hexen verdorben. Und weil sie sich weder gut zur Möbelfertigung noch als Brennholz eignen, wurde letzte Süntelbuchenwald vor mehr als hundert Jahren gerodet, das Hexen- oder Teufelsholz wurde verbrannt.

Bei Instagram werde ich jeden Monat ein Foto von „meiner“ Süntelbuche posten, wer mag, findet die Fotos unter chaosgaertnerinnen oder unter #12telblick2022.

Vorfrühling in den Herrenhäuser Gärten

Blumen statt Schokolade! Wo lässt sich das Motto von Susanne Hackel (kräuterwerkstatt) für die Fastenzeit (http://timetoflyblog.com/ziele-fuer-die-fastenzeit) besser umsetzen als in den Herrenhäuser Gärten? Und wann besser als an einem sonnigen Februarsonntag, der – noch im Winter – schon ein richtiger Frühlingstag ist?

Zwar sind die Schauhäuser leider wegen Corona geschlossen, ich kann also nur von außen einen Blick ins Tropen- und ins Orchideenhaus werfen. Schade.

Aber auch draußen im Berggarten blüht es: Winterlinge, Schneeglöckchen und Krokusse vor allem …

… aber auch ein paar Christrosen noch …

… und ein erster Rhododendronstrauch schon.

Der Hamamelis, die japanische Zaubernuss, trägt ebenfalls schon Knospen und Blüten,

Japanische Zaubernuss

meine beiden Lieblingsbäume, die kaukasisische Flügelnuss und die Süntelbuche, sind dagegen noch kahl. Aber nur Geduld, ihre Zeit kommt noch.

Der Moorweiher und die Teiche im Staudengrund waren noch nicht ganz vom Eise befreit …

… im künstlichen Bach fließt noch kein Wasser und die Bachufer im Staudengrund sind noch recht kahl. Aber das ändert sich bald – in ein paar Wochen ist nicht nur der Staudengrund nicht wiederzuerkennen. Egal, wie oft ich den Berggarten besuche – immer wieder zeigen sie ein anderes Gesicht. Die grüne Fortsetzung folgt bald.