Monatsrückblog September 2026

Nach zwei Monaten Sommerpause will ich die Monatsrückblogs fortsetzen – wie so oft kommen sie spät, aber ab jetzt hoffentlich wieder regelmäßig.

Landesgartenschau in Bad Nenndorf

Anfang September habe ich es endlich geschafft, zur Landesgartenschau nach Bad Nenndorf zu fahren. Von der letzten niedersächsischen Landesgartenschau in Bad Gandersheim vor drei Jahren war ich wirklich begeistert – die LaGa in Bad Nenndorf war allein schon wegen der Süntelbuchenallee eine Reise wert. Doch gerade von der Süntelbuchenalle war ich gelinde gesagt sehr enttäuscht.

Denn der schmale naturbelassene Pfad, der bei meinem letzten Besuch durch den kleinen Wald mit den skurril geformten Bäumen führte, wurde durch einen breiten Holzsteg ersetzt. Das mag sinnvoll sein, um die Bäume während der Landesgartenschau vor den außergewöhnlich vielen BesucherInnen zu schützen. Außerdem können so auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen die Süntelbuchenallee bewundern. Aber die Süntelbuchenallee hat durch den Umbau viel von ihrem Charme – und wie mir schien auch einige Bäume – verloren. Und leider ist wohl auch nicht geplant, nach der Gartenschau den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen oder den breiten Holzweg zumindest zu verkleinern. Dabei ist er für normale Besucherzahlen sicher überdimensioniert.

Insgesamt hat mich da LaGa-Gelände nicht wirklich überzeugt. Aber ich habe sicher nicht alles gesehen, auch weil die Ausschilderung teilweise (vorsichtig ausgedrückt) sehr sparsam war. Und auch der Lageplan, den ich am Eingang bekommen habe, war nicht immer hilfreich.

Highlights waren für mich sicher – neben der meiner Meinung nach verschandelten Süntelbuchenallee – unter anderem der Spiegelsaal und der Wasserspielplatz. Gefallen haben mir auch der Heil- und Küchengarten, die leider außerhalb des eigentlichen Geländes lagen.

Zinnober

Das erste Septemberwochenende ist in Hannover Zinnoberzeit. In diesem Jahr haben sich wieder mehr als 300 KünstlerInnen an der Kunstaktion beteiligt, ihre Ateliers geöffnet und/oder ihre Werke in Galerien und Ausstellungen gezeigt. Viele Ateliergemeinschaften sind in freigewordene Büro- und Gewerbeimmobilien eingezogen – in die Eisfabrik in der Südstadt beispielsweise, in den Alten Schlachthof auf der Bult, in die Bettfederfabrik in Linden, in die alte Kornbrennerei oder an der Schulenburger Landstraße 150/152 in Hainholz.

In dem Gewerbegebiet im Norden Hannovers habe ich wie schon in den letzten Jahren meine Rundreise durch die hannoverschen Kunstorte begonnen. Denn nirgendwo sonst arbeiten so viele KünstlerInnen auf so engem Raum. Manche teilen sich zu zweit oder mit mehreren einen Raum. Die meisten haben zwar ein Atelier für sich. Aber das Arbeiten Tür an Tür erleichtert den Austausch mit den KollegInnen und es entsteht eine kreative Atmosphäre, die inspiriert und motiviert.

Einige Ateliers besuche ich schon seit Jahren und immer wieder gerne. Aber es kommen auch immer wieder neue KünstlerInnen hinzu. So ist auf in dem Gelände seit vergangenem Herbst ein inklusives Atelier- und Kulturzentrum entstanden. In der Halle der ehemaligen Strumpffabrik Pomp, die dem Zentrum ihren Namen gab, teilen sich derzeit acht KünstlerInnen vier Ateliers. Neben einem großen Ausstellungsraum und einem offenen Foyer gibt es Büro-, Lager- und Gemeinschaftsräume sowie ein Gastatelier. Und ich bin gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt.

Neu entdeckt habe ich in diesem Jahr die Ateliergemeinschaften in im Alten Schlachthof und in der Kornbrennerei. Begeistert hat mich dort vor allem das Atelier von Claudia Kudlinski, aber auch das Modeatelier von Allen Zickert, Elena Nietzold und Lena Marei Schünemann hat mir gefallen.

Mein erster Besuch dort wird sicher nicht der letzte sein. Beim nächsten Mal, das habe ich mir fest vorgenommen, werde ich mir mehr Zeit für die Atelierbesuche nehmen – auch wenn ich dafür den Frauenschreibtreff im AutorInnenzentrum verschieben oder ausfallen lassen muss. Vielleicht kann ich meine Mitschreiberinnen dann aber auch überreden, mit mir durch die Ateliers zu ziehen und sich von der kreativen Atmosphäre begeistern zu lassen

Beim Schreiben nicht allein

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß es: Ich schreibe gerne gemeinsam mit anderen. Der erste Sonntagnachmittag im Monat ist fast immer für den Frauenschreibtreff im AutorInnenzentrum Hannover reserviert. Manchmal treffe ich mich mit einer Schreibfreundin, um mit ihr zu schreiben – mal live, mal online. Außerdem logge ich mich regelmäßig zu den Online-Schreibttreffs von Denise Fritsch und der Textmanufaktur ein.

Weil ich weiß, dass Schreibverabredungen auch im digitalen Raum gut funktionieren, habe ich beim AutorInnenzentrum in Hannover einen Online-Schreibtreff initiiert. Denn für Schreibende, die wie ich nicht in Hannover wohnen, ist der Weg ins Autorinnenzentrum manchmal zu weit und zu zeitaufwendig. Im September haben wir zweimal online gemeinsam geschrieben, im Oktober schon einmal. Eine Fortsetzung ist geplant. 

Der 27. September

Das von Maxi Gorki initiierte und durch Christa Wolfs Bücher bekannt gewordene Schreibprojekt fasziniert mich schon lange. Damit es nicht in Vergessenheit gerät, habe ich auch in diesem Jahr meine Schreibfreundinnen aufgerufen, ihren 27. September zu protokollieren.

Und anders als im vergangenen Jahr will ich in diesem Jahr ein Treffen der Frauen organisieren, die mitgeschrieben haben. Vielleicht um den Todestag von Christa Wolf herum, der sich am 1. Dezember zum 15. Mal jährt. Um diesen Zeit  treffen sich auch die Frauen im Frauenzentrum Kempen, die die Tradition schon seit 2012 fortführen. Dass  Andrea Hahnfeld zur Blogparade „Ein Tag im Jahr“ aufgerufen hat, habe ich zufällig durch den Newsletter von Gabi Kremeskötter erfahren, die sich daran beteiligt und auf ihrem Blog einen Beitrag veröffentlich hat. Vielleicht entsteht ja aus vielen kleinen Gruppen und Initiativen irgendwann eine größere Bewegung.

Texel

Warum wir uns Texel für unseren Kurzurlaub mit dem Wohnmobil ausgesucht haben, weiß ich gar nicht mehr. Wir wollten ans Meer, ich wollte mal wieder nach Holland, obwohl ich da mehr die hübschen kleinen Orte im Sinn hatte. Aber davon gibt es auf Texel sieben – ich habe mir immerhin sechs angesehen. Mit dem Fahrrad waren sie sehr gut zu erreichen. Denn die Insel ist nicht so groß – und die Radwege sind auf Texel ein Traum.

Ein Traum ist die Insel auch für Vogelfans: Bis zu 400 Vogelarten leben (zeitweise) hier. Denn Texel liegt auf der Zugroute der Vögel von Norden nach Süden – und umgekehrt. Und so machen viele Vögel im Frühjahr und Herbst auf ihrer Reise Station, ruhen sich aus und finden auf den Salzwiesen, Poldern, Sümpfen, Dünen und im Wald genügend Futter.

Ich kenne mich mit Vögeln nicht besonders gut aus, aber so viele Fasane wie auf Texel habe ich noch nie gesehen. Eine Familie wohnte bei uns auf dem Campingplatz, besuchte uns regelmäßig und suchten nach Essbarem. Gemeinsam mit einem ganzen Spatzenheer sorgten sie dafür, dass kein Krümel übrig blieb, wenn wir draußen aßen.

Unser Campingplatz lag an der Nordspitze der Insel, direkt hinterm Deich. Baden konnte ich leider nicht, obwohl das Wetter eigentlich sehr schön war. Denn Schwimmen war überall wegen der starken Strömung verboten. Und weil niemand ins Wasser ging, wagte ich mich auch nicht hinein, obwohl es sehr verlockend und gar nicht gefährlich aussah. Schade.

Welcome back home

Schwimmen konnte ich dann erst wieder in Burgwedel, wo die Freibadsaison Anfang Oktober zu Ende ging. Zu Hause gab es viel zu tun: Auf dem Dach wurden weitere Solarmodule installiert, mehr als 10 Kubikmeter Holz mussten gestapelt werden, weil wir das Haus teilweise mit einem Ofen heizen. Und last, but not least der Garten forderte unsere Aufmerksamkeit. Denn Topinambur, Giersch und co hören leider nicht auf zu wachsen, wenn wir nicht zu Hause sind.

Käte Steinitz: Von Hannover nach Los Angeles – und zurück

Käte wer? Von Käte Steinitz hatte ich zugegebenerweise noch nie etwas gehört, als ich beim Besuch der Niki-Kusama-Murakami-Ausstelling im Sprengel Museum die Plakate für ihre Ausstellung sah. Es dauerte dann einige Wochen, bis ich mir sie anschaute. Möglicherweise hätte ich es ohne meine Museumscard gar nicht getan. Schließlich sind 14 Euro Eintritt für eine Rentnerin kein Pappenstiel. Aber die Museumscard macht es eben möglich, auch bislang unbekannte KünstlerInnen zu entdecken.

Im Schatten Kurt Schwitters

Unbekannt war Käte Steinitz in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in Hannover eigentlich nicht. Und auch heute noch ist ihr Wirken im hannoverschen Kulturleben präsent. So ist die hannoversche Literaturzeitschrift Hahnepeter, die ich regelmäßig lese, nach einer von Käthe Steinitz erfundenen Märchenfigur benannt. Und Zinnober, der Rundgang durch die hannoverschen Ateliers, an dem ich jedes Jahr im September so gerne teilnehme, verdankt seinen Namen den legendären Künstlerfesten, die Käte Steinitz in den Zwanzigern gemeinsam mit Kurt Schwitters initiiert und organisiert hat. Doch das war mir gar nicht bewusst – ich habe beides, wenn überhaupt, eher mit Kurt Schwitters in Verbindung gebracht. Es sind eben immer noch meist die Frauen, die vergessen werden

Mit Kurt Schwitters freundete sich Käte Steinitz an, nachdem sie und ihr Mann Ernst nach Hannover gezogen waren. In Berlin hatte sie laut Wikipedia unter anderem bei Käthe Kollwitz und Lovis Corinth Bildende Kunst studiert – die Kunsthochschule durfte sie als Frau damals nicht besuchen. In Hannover wurde ihre Wohnung schnell zum Treffpunkt der hannoverschen Kunstszene – und  Käte Steinitz zu einer wichtigen Ideengeberin und Förderin der Avantgarde-Kunst.

Kurt Schwitters und Käte Steinitz arbeiteten eng zusammen: So illustrierte sie sein Märchen „Hahnepeter“ und gründete mit ihm den Verlag Aposs, dessen Namen für „A = aktiv, p = paradox, os = ohne Sentimentalität, s = sensibel“ steht, und machte sich als Mäzenin, Journalistin und Verlegerin einen Namen.

Schon bald nach der Machtergreifung der Nazis 1933 verlor Käte Steinitz‘ Mann Ernst seine Stelle als leitender Arzt am jüdischen Krankenhaus Siloah und emigrierte in die USA. Käte Steinitz und ihre drei Töchter flohen 1936 vor den Nazis nach Amerika. 1935 hatte die Reichsschrifttumskammer ein Publikationsverbot gegen Käte Steinitz verhängt, unter anderem wegen „Kulturbolschewismus“. 1937 wurden ihr Aquarell „Kinderbildnis“ als „Entartete Kunst“ aus dem Provinzialmuseum Hannover beschlagnahmt und vernichtet.

Künstlerisches Werk bleibt unbeachtet

In den USA verdiente Käte Steinitz – oder amerikanisch Kate Trauman Steinitz – ihren Lebensunterhalt unter anderem als Bibliothekarin und Lehrerein. Sie veröffentlichte mehrere Schriften über Leonardo da Vinci und ein Buch über die Zeit in Hannover: „Kurt Schwitters. Erinnerungen aus den Jahren 1918 – 1930“. Und sie arbeitete weiter als Malerin, Fotografin und Illustratorin: Der Teil ihres künstlerischen Nachlasses, den ihre Erben dem Sprengel Museum 2018 schenkten, umfasste laut Sprengel Museum mehr als 2.000 Arbeiten!

Trotzdem blieb ihr Werk weitgehend unbekannt. Der Großteil ihrer Arbeiten wurden nicht veröffentlicht; viele fotografische Arbeiten sind nur als Negative überliefert, Ihr Werk geriet „aus doppeltem Grund … aus dem Blickfeld der Geschichtsschreibung: Als Werk einer Frau wurde es marginalisiert, nach 1936 war es im Exil der Öffentlichkeit kaum mehr zugänglich“, wie es auf einer der Ausstellungstafeln so treffend heißt.

Käte Steinitz starb 1975 in den USA. 50 Jahre nach ihrem Tod sind rund 180 Werke aus sieben Jahrzehnten, darunter expressionistische Hinterglasbilder, Zeichnungen, Fotografien und Texte, im Untergeschoss des Sprengel Museums zu sehen – direkt neben der Dauerausstellung „Abenteuer Abstraktion“. Mir haben am besten ihre Landschaftsbilder gefallen – und als bekennender Skizzenbuchfan – natürlich die Auszüge aus ihren Tage-, Notiz- und Skizzenbüchern.

Stadt Hannover vergibt Käte Steinitz Preis

Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Januar zu sehen. Im kommenden Jahr vergibt die Landeshauptstadt Hannover auch erstmals den „Käte Steinitz Preis für künstlerische Kollaboration“. Er ist mit 20.000 Euro dotiert und wird an zeitgenössische KünstlerInnen aus den Bereichen bildende Kunst, Fotografie, Textproduktion, Illustration und Verlagswesen vergeben, „die in enger Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten ein herausragendes Werk oder Projekt realisiert haben“.

Für Isabel Schulz, Ideengeberin des Preises und Leiterin des Kurt Schwitters Archivs war Käte Steinitz „eine der spannendsten Persönlichkeiten des kulturellen Lebens in Hannover der 1920er-Jahre …  eine herausragende Künstlerin und Netzwerkerin, die mit ihrer Offenheit und ihrem visionären Denken bedeutende Impulse für die Kunstszene setzte.“ Mit dem Preis soll an Käte Steinitz‘ „außergewöhnliches Schaffen und ihre inspirierende Rolle als Vermittlerin der Avantgarde“ erinnert werden. Besser spät als nie.

Kunst an einem ungewöhnlichen Ort

Fast hätte ich bei der Suche nach dem Kunstort, den ich am Ende des ersten Zinnobertags in Hannover besuchen wollte, aufgegeben und wäre umgekehrt. Denn auf der rechten Seite der Straße „Am Großen Garten“ in Hannover Herrenhausen waren – außer ein paar kleinen Reihenhäusern am Anfang – keine Gebäude zu sehen. Und schon gar kein so großes, bunt beleuchtetes, wie es in dem Zinnober-Katalog abgebildet war. Doch dann bin ich zum Glück weitergegangen, immer an der Gracht entlang, die den Großen Garten umgibt.

Hinter dem Wohnmobilstellplatz entdeckte ich dann eines der Plakate, die Zinnoberbegeisterten den Weg zu den fast 70 Kunstorten weisen, die am ersten Septemberwochenende ihre Türen geöffnet hatten. Ohne diesen Hinweis hätte ich den Ort sicher nicht gefunden. Denn der Projekt- und Veranstaltungsort des Kunstvereins kik kunst in Kontakt  liegt gut 100 Meter von der Straße entfernt hinter einer Sportanlage. Eine Kunstausstellung erwartet man hier ebenso wenig wie einen verwunschenen Ort mitten in der Stadt. Aber wer ungewöhnliche Kunst an einem ungewöhnlichen Ort sehen möchte und mitten in der Stadt Waldbaden möchte, ist hier auf jeden Fall richtig.

kunst in kontakt …

… ist ein Zusammenschluss von engagierten KünstlerInnen, Kunstinteressierten und AkteurInnen aus dem Kulturbereich. Am Zinnober-Wochenende präsentierten diesmal zwölf KünstlerInnen und KünstlerInnengruppen ihre Arbeiten aus den Bereichen Installation, Experiment, Klang, Fotografie und Licht im Innen- und Außenbereich des ehemaligen Naturfreundeheims.

Ich mag die Verbindung von Kunst und Natur. Und so haben mir vor allem die Kunstobjekte gefallen, die sich draußen, in dem 5.000 Qadratmeter großen Garten zwischen Bäumen, Büschen, heimischen und exotischen Pflanzen verstecken. Der Rundgang auf verschlungenen Pfaden erinnerte mich ein bisschen an meinen Saziergang durchden Ekebergparken in Oslo – auch wenn das Gelände flacher, die Aussicht weniger spektakulär und die ausstellenden KünstlerInnen etwas weniger prominent waren als dort.

Leuchtende Kunst am Abend

Ich werde sicher wiederkommen, vielleicht schon am nächsten Wochenende. Denn dann bleibt der Garten noch einmal bis in die Abendstunden geöffnet – und verwandelt sich in eine leuchtende Kunstlandschaft, in der mysteriöse Klänge zu hören sind.

Für alle, die nicht nur Kunst an einem ungewöhnlichen Ort bewundern, sondern dort vielleicht selbst – allein oder mit einer Gruppe – eine künstlerische Auszeit erleben wollen, gibt es im Obergeschoss des Gebäudes Übernachtungsmöglichkeiten, im Unterschoss zwei große Räume für Workshops, Seminare und andere Veranstaltungen. Mit dem Erlös aus der Vermietung finanziert der Verein die laufenden Kosten und Teile seiner kulturellen Arbeit.

Infos und Kontakt unter http://kunstinkontakt.blogspot.com/

Zinnober und andere Atelierbesuche

Nicht einmal ein Jahr ist es her, seit ich meine Zimmer umgeräumt habe (https://timetoflyblog.com/zimmerwechsel). Kurz nachdem ich in Rente gegangen bin, habe ich das zweite Arbeitszimmer, das ich nicht mehr benötigte, zum „Kunstraum“ umfunktioniert. Zwar hatte ich seither ausreichend Platz für meine Malutensilien , doch genutzt habe ich das Zimmer leider kaum. Und so habe ich eine weitere Umräumaktion gestartet.

Schuld war eigentlich Zinnober, der Kunstspaziergang durch Hannover am ersten Septemberwochenende. Rund 250 KünstlerInnen öffneten in diesem Jahr ihre Ateliers – alle an einem Wochenende zu besuchen, ist unmöglich, auch wenn sich an Zinnober, anders als beim Atelierspaziergang im Mai, meist Ateliergemeinschaften beteiligen. Oft funktionieren die KünstlerInnen nicht mehr genutzte Büro- oder Gewerbegebäude um, um dort gemeinsam unter einem Dach oder auf einem Gelände zu arbeiten.

So ist in der Schulenburger Landstraße 150/152 in Hainholz vor einigen Jahren ein Kunstzentrum entstanden, in dem am Zinnober-Wochenende mehr als 30 KünstlerInnen Einblicke in ihre Ateliers und in ihre Arbeit gewährten.

In der Nordstadt gründeten vier bildende KünstlerInnen bereits Ende der 80er-Jahre in einer ehemaligen Textilreißfabrik die Ateliergemeinschaft Block 16 , der sich inzwischen vier Kollegen angeschlossen haben.

In die alte EISFABRIK in der Südstadt, in der früher Bier gebraut und Eis zum Kühlen von Lebensmitteln produziert wurden, zogen sogar schon Mitte der 1970er -Jahre die ersten KünstlerInnen ein – und verwandelten die Industriebrache, die zu zerfallen drohte, in ein Zentrum der Künste, für Theater, Tanz, Musik, bildende Kunst und Fotografie.

In die Südstadt habe ich es im September leider nicht geschafft, die Fotos der Ateliers von Katrin Tavernini und Meike Zopf sind schon beim Atelierspaziergang im Mai entstanden.

Beeindruckt haben mich beim Atelierspaziergang auch die Ateliers und die Arbeiten von Anne Nissen, Michaela Hamann und Claudia Schmidt.

Dass wir während unseres Englandurlaubs ausgerechnet am Tag der „Open Studios“ in Saint Ives in Cornwall waren, war ein glücklicher Zufall. Ein Highlight waren die Sketchbooks von Sally MacCabe, die ich ebenso zufällig im White’s Old Workshops entdeckte.

Ich liebe bekanntlich Skizzenbücher – und ich möchte meine eigenen gestalten. „Mein neues Skizzenbuch soll mehr Farbe in mein Leben und meine Aufzeichnungen bringen. Ich will in meinem kreativen Tagebuch Zeichnungen und Skizzen, Fotos und Bilder, Texte – eigene und fremde – kombinieren“, habe ich in einem Blogbeitrag im März geschrieben (https://timetoflyblog.com/eine-art-journal). Doch ich schaffe es bislang leider nur selten, diesen Vorsatz umzusetzen.

Damit das künftig besser gelingt, habe ich mein Schreib- und mein Malzimmer zusammengelegt und in den größten Raum im Dachgeschoss verlegt. Mein Bett musste den beiden Tischen Platz machen. Es steht jetzt im kleinsten Zimmer des Hauses, aber der hausinterne Umzug hat sich schon deshalb gelohnt, weil ich jetzt vom Bett aus gleich aus zwei Fenstern den Himmel sehen kann.

Ob ich im neuen Schreib-Mal-Zimmer wirklich öfter zu Stift und Pinsel greife, muss sich erst noch zeigen. Ich werde darüber berichten.

Monatsrückblick September 2023

Wie viel ich im vergangenen Monat unterwegs war, wurde mir erst im Nachhinein, beim Schreiben dieses Blogbeitrags, bewusst. Am ersten Septemberwochenende war in Hannover Zinnober angesagt. Und weil bei diesem „Kunstlauf“ nicht nur einzelne Künstler, sondern ganze Künstlergemeinschaften ihre Kunstorte öffnen, konnte ich am Samstag und Sonntag mehr als zwei Dutzend Ateliers und Ausstellungen besuchen.  

Anfang der Woche bin ich dann zu einer Freundin nach Süddeutschland. Wir kennen uns schon seit dem Studium – haben uns aber zuletzt vor Corona gesehen. Wir telefonieren zwar regelmäßig, doch Telefonate können den persönlichen Kontakt nicht wirklich ersetzen. Am Telefon bleibt leider manches ungesagt. Eins steht fest: Mit meinem nächsten Besuch in Bruchsal warte ich gewiss nicht mehr so lange.

Zu lange habe ich mit meinem Besuch beim Mann einer verstorbenen Freundin gewartet. Ich habe es leider nicht mehr geschafft, zwischen den Reisen nach Süddeutschland und England noch einmal bei ihm vorbeizufahren. Jetzt ist es zu spät: Am ersten Urlaubstag rief mich sein Sohn an und informierte mich, dass sein Vater gestorben sei.

Dass wir nach England gefahren sind, lag an einer Fernsehsendung über Stonehenge. Der Bericht über den geheimnisumwitterten Steinkreis aus der Jungsteinzeit faszinierte meinen astronomiebegeisterten Mann so sehr, dass er fragte, ob ich damit einverstanden sei, statt nach Schweden nach Cornwall zu fahren. Natürlich war ich – Schließlich war ich in Schweden schon ein paar Mal, in England noch nie, obwohl Cornwall, vor allem der South West Coast Path schon lange auf meiner To-visit-Liste steht (https://timetoflyblog.com/immer-am-meer-entlang). Außerdem sind die die Aussichten auf T-Shirt-Temperaturen und ein paar sonnige Herbsttage wegen des Golfstroms im Süden Englands deutlich größer als im Norden Schwedens. Zwei Wochen waren wir in Südwestengland unterwegs und haben außer in Stonehenge auch in Bath, Saint Ives, Land’s End, Heligan, Fowey, West Bay und Folkestone Station gemacht.

Zurück in Deutschland ging es dann für ein paar Tage zum Katzensitten in den Harz – und von dort aus in die Lessingstadt Wolfenbüttel (https://timetoflyblog.com/auf-lessings-spuren). Dazwischen habe ich – wieder einmal – meine Zimmer in der oberen Etage unseres Hauses umgeräumt.

Abgeschlossen ist die Aktion noch nicht – was sie mit den Atelierbesuchen am ersten Septemberwochenende zu tun hat, verrate ich in einem meiner nächsten Blogbeiträge.