Auf dem Hexenstieg

Irgendwie ist es verhext mit dem Hexenstieg. Die rund 100 Kilometer lange Wanderung durch den Harz von Osterode bis nach Thale – oder umgekehrt – steht schon lange auf meiner To-walk-Liste. Zum einen natürlich wegen des Namens, zum anderen ist der Hexenstieg laut Harzinfo ein „ausgezeichneter Qualitätsweg Wanderbares Deutschland und gehört zu den Top Trails of Germany“ also zu den besten Wanderwegen Deutschlands. (https://www.harzinfo.de/erlebnisse/wandern/harzer-hexen-stieg). „Auf dem Harzer-Hexen-Stieg präsentiert sich der Harz seinen Gästen von einer ganz besonderen märchenhaften und mystischen Seite. Hier werden Wanderungen zu einem echten Erlebnis“, heißt es auf der Website. Ich war also gespannt.

Verschiedene Teilstrecken des Hexenstiegs bin ich schon gewandert: von Altenau nach Torfhaus beispielsweise, die Brockenumgehung nach Sankt Andreasberg, auf dem Goetheweg auf den Brocken und hinunter nach Schierke oder durchs Bodetal. Doch in diesem Jahr möchte ich den Harz einmal von West nach Ost durchqueren. Weil der Fernwanderweg ja quasi vor der Haustür liegt, buche ich keine Übernachtungen, sondern fahre morgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Start der jeweiligen Etappe und abends vom Endpunkt wieder nach Hause – oder zu meiner Tochter nach Bad Harzburg. So bin ich flexibler und kann je nach Tagesform und Wetter entscheiden, wie weit ich wann wandere.

Eigentlich sollte es schon im März losgehen. Doch dann wurde ich krank, an wandern war wochenlang nicht zu denken. Beim zweiten Versuch im Mai verhinderten zwei ungeplante Veranstaltungen meinen Einstieg in den Hexenstieg.

Am ersten Freitag im Juli war es dann endlich so weit: Ich startete früh morgens in Burgwedel und kam pünktlich zweieinhalb Stunden später in Osterode am Harz an. Eine Karte hatte ich nicht dabei, die lag – ebenso wie meine hohen Wanderschuhe – in der Wohnung meiner Tochter, weil wir meist dort gemeinsam loswandern. Aber zum Glück ist der Weg vom Bahnhof in Osterode bis zum Campingplatz Prahljust in Clausthal Zellerfeld ist nicht sonderlich anspruchsvoll und gut ausgeschildert. Neben Wegweisern weisen überall Markierungen mit der kleinen Hexe den rechten Weg. Und so verlief ich mich auch ohne Karte auf der ersten Etappe kein einziges Mal.

Nein, an der Auszeichnung der Strecke ist nichts auszusetzen. Weniger gut gefiel mir der Weg selbst. Hexen sind – oder waren – meist naturverbundene Wesen. Und so habe ich auf dem Hexenstieg  zumindest teilweise naturbelassene, schmale Pfade erwartet oder zumindest erhofft. Doch auf der ersten Etappe bis nach Clausthal-Zellerfeld überwiegen Wirtschaftswege – breite, meist geschotterte Wege, eher gemacht und gedacht für Traktoren und andere (Forst)Fahrzeuge als für WandererInnnen.

Das liegt möglicherweise auch daran, dass manche Wege wegen umgestürzter Bäume gesperrt sind. Der Borkenkäfer und der Klimawandel leisten im Harz derzeit ganze Arbeit. Wo früher dichter Wald war, stehen heute oft nur noch einzelne Baumgerippe. Aber irgendwann in hoffentlich nicht allzuferner Zukunft werden wir, da bin ich sicher, dem Borkenkäfer dankbar sein. Denn dort, wo vor ein paar Jahren noch Fichtenmonokulturen standen, wächst jetzt ein Mischwald heran, der hoffentlich resistenter gegen Käfer, Wind, Wetter und Klimawandel ist.

Besonders begeistert hat mich die erste Etappe des Hexenstiegs ehrlich gesagt nicht.  „Teuflisch schön und höllisch spannend“, wie auf Harzinfo angepriesen, war sie gewiss nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.  Ich weiß, dass es im und am Harz viele schöne Wege gibt. Den Rundwanderweg Spur der Steine bei Wolfshagen beispielsweise. Er ist nur ein paar Kilometer lang und führt, meist auf schmalen, verschlungenen Pfaden, um einen inzwischen renaturierten ehemaligen Diabas-Steinbruch herum. Dort wurden zwischen 1885 bis 1986 rund 25 Millionen Tonnen Gestein abgebaut (https://www.harzlife.de/tip/steinbruch-wolfshagen.html). Das Innere des Geländes mit einem markanten, fast 50 Meter hohen Felsen darf nicht betreten werden. Weil sein Gestein des Felsens als nicht abbauwürdig galt, blieb der Brutfelsen von den Abraumbaggern verschont. Heute nisten in den Höhlen viele Vögel. Und auch das Gelände um ihn herum mit flachen Teichen, künstlichen Inseln und Böschungen ist inzwischen ein Refugium für einheimische Tiere und Pflanzen. Allein wegen der beiden Ausblicke auf das Biotop hat sich die Wanderung gelohnt.

Die zweite Etappe des Hexenstiegs von Clausthal-Zellerfeld nach Altenau wollte ich übrigens am vergangenen Donnerstag wandern. Doch dann streikte mein ohnehin lädiertes Knie. Es schmerzte bei jedem Schritt und eine eiförmige Verdickung in der Kniekehle, laut Dr. Google eine sogenannte Bakerzyste, signalisierte mir, dass es besser wäre, das Knie ein bisschen zu schonen. Es ist offenbar wirklich verhext mit dem Hexenstieg. Aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben.

Mehr Fotos und Infos über den verlassenen Steinbruch bei Wolfshagen unter

Neue Blickwinkel: Springhorstsee und Pöttcherteich

Auf der Suche nach neuen Blickwinkeln für das Jahr, das ja gar nicht mehr so neu ist, bin ich – natürlich – wieder am Wasser gelandet, diesmal am Springhorstsee, dem kleinen Badesee bei Großburgwedel. Er ist, wie viele Seen in der Gegend, Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre beim Bau der A 7 entstanden, die ganz in der Nähe verläuft. Wenn viel los ist, beginnt hier der Stau nach Hamburg. Aber ein kleines Wäldchen schirmt den Springhorstsee ab, sodass man von der vielbefahrenen Autobahn kaum bis gar nichts hört.

Der See ist nicht nur etwas größer als der Würmsee, den ich im vergangenen Jahr aus immer den gleichen Blickwinkeln fotografiert habe, sondern viel tiefer: An der tiefsten Stelle sollen es 7,50 Meter sein. Man kann hier nicht nur schwimmen …

Blick vom Badestrand über den See

sondern auch angeln …

Ein Karpfen, natürlich nicht selbst geangelt. Es gibt noch viel größere, sagt der Angler, der ihn herausgezogen hat.

… mit einem Schwan über den See fahren …

… und am Ufer entlanggehen. Der Blick auf das Café, das gerade renoviert wird, ist in diesem Jahr mein Blickwinkel Nummer eins.

Frida am See. Das Café mit dem verheißungsvollen Namen eröffnet im April, so Corona es will.

Von der Terrasse und dem kleinen Strand vor dem Café hat man den See und die kleine Insel im Blick, mit einem unechten Schäfer und ebenso unechten Schafen – mein Blickwinkel Nummer zwei. Hier werde ich ab dem Frühjahr sicher öfter sitzen. Denn schon der Name des neuen Cafés ist verheißungsvoll: Frida am See. Und wenn das Café-Restaurant nicht nur auf seiner Facebookseite mit Frida Kahlo wirbt, hat es sicher Potenzial, mein Lieblingscafé zu werden.

Kleine Insel im kleinen See

Auch den neuen Pöttcherteich will ich in diesem Jahr aus immer dem gleichen Blickwinkel fotografieren, und zwar mit der Weide am Wegrand bzw. am Ufer. Weiden faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Wenn sie zurückgeschnitten wurden, befürchte ich alle Jahre wieder, dass sie sich vom Radikalschnitt nicht erholen, sondern kahl bleiben. Doch im Sommer sind sie dann wieder grün wie eh und je.

Biotop mit Weide

Zu dem kleinen Teich am Ortsrand, der eigentlich ein Vorfluter ist, gehe ich übrigens am liebsten am späten Nachmittag oder abends, wenn die Sonne hinter dem See verschwindet. Dann sieht man hier oft Reiher, die im flachen Wasser ihr Abendessen aufschnabeln, im Sommer ist auch gelegentlich ein Storch hier zu Gast. Doch bis der wiederkommt, werden wohl noch einige Monate vergehen.

Übrigens:

Erfunden hat das Projekt 1 Blickwinkel – 12 Monate Tabea Heinicker, Eva Fuchs führt die Fotoaktion seit einigen Jahren auf ihrem Blog (https://evafuchs.blogspot.com/search/label/12telBlick) und auf ihrer Instagram-Seite (@verfuchst.insta) fort. Eva Weinig (http://meine-gartenzeit.de) hat die Idee aufgegriffen und mich inspiriert: Und wie im vergangenen Jahr werde ich auch in diesem Jahr auch unseren Garten jeden Monat aus den gleichen Blickwinkeln fotografieren. Die Gartenfotos veröffentliche ich im Blog Chaosgaertnerinnen (https://chaosgaertnerinnen.de).