12 von 12: Mein 12. Mai in 12 Bildern

Im April habe ich zum ersten Mal beim Blogprojekt 12 von 12 mitgemacht und meinen Alltag mit Fotos und kurzen Texten dokumentiert – heute geht’s weiter. Denn mir gefällt die Idee von Chad Darnell, die jetzt von Caroline vom Blog „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt wird.

Sie erinnert mich an das Schreibprojekt „Ein Tag im Jahr“, das Maxim Gorki vor 91 Jahren initiiert hat. Er rief im Jahr 1935 seine SchriftstellerkollegInnen in aller Welt auf, einen ganz gewöhnlichen Tag in ihrem Leben möglichst genau zu beschreiben und auf diese Weise einen „Jedertag“ zu porträtieren.

Nach Gorkis Tod im Jahr 1936 wurde das Projekt nicht weitergeführt. Aber als die Zeitschrift Istwestja 25 Jahre später den Aufruf wiederholte, begeisterte sich Christa Wolf, damals noch eine junge, unbekannte Autorin, dafür: Sie beschrieb den 27. September 1960 – und alle folgenden 27. September bis zu ihrem Tod im Jahr 2011. Die gesammelten Texte sind im Suhrkamp Verlag erschienen. 

Am 12. Mai 2026 zeigte ein Blick aus dem Fenster kurz nachdem Aufstehen, dass die Meteorolügen mit ihren Prognosen recht haben: Es regnete fast ohne Unterlass, der Himmel war grau. Doch als ich auf der Empore sitzend meine Morgenseiten schrieb, schaute die Sonne kurz zwischen den Wolken hervor.

Für die Schreibzeit am Morgen mit Sabine E. Lang bin ich dann in mein Arbeitszimmer umgezogen. Wann immer ich kann, schreibe ich von Dienstag bis Donnerstag von 8 bis 9 Uhr beim Online-Schreibtreff der Textmanufaktur mit. So auch heute.

Dass es nicht nur regnerisch, sondern auch kalt ist, ist nicht verwunderlich. Denn vom 11. bis zum 15. Mai ziehen die Eisheiligen durchs Land. Mamertus war gestern der erste, am 12. ist Pankratius an der Reihe, der an der Mosel Pankraz heißt. In den nächsten Tagen folgen Servatius (Servatz), Bonifatius (Bonifaz) und am Freitag schließlich die einzige Frau in der frostigen Männerrunde, Sophia oder die kalte Sophie.

Trotzdem habe ich heute die Freibad-Saison eröffnet. Ich habe mir vorgestern eine Saisonkarte für das Freibad gekauft und mir vorgenommen, mindestens zweimal in der Woche zu schwimmen.

Als ich (mit dem Rad) zum Schwimmbad fuhr, legte der Regen glücklicherweise eine Pause ein, sodass ich halbwegs trocken dort ankam. Eine Infotafel am Eingang verriet, dass das Wasser deutlich wärmer (24 Grad) war als die Luft (8 Grad).

Wärmer war als in good cold Germany war es in der vergangenen Woche in Portugal, wo ich eine Woche lang mit meiner Tochter gewandert bin. Die Reise soll nicht die einzige in diesem Jahr bleiben – die Erinnerungen möchte in einer Art Reisejournal festhalten. Den Anfang habe ich heute Morgen gemacht.

Ich lese gerne – und viel. Oft leihe ich mir Bücher aus: in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover, in der Onleihe Niedersachsen oder eben in der Bücherei Burgwedel. Heute konnte ich dort ein Buch abholen, das ich schon länger vorbestellt hatte.

Sicher keine Bücherfreunde waren in der Nacht zum Samstag in Langenhagen am Werk: Sie zündeten den Bücherschrank auf dem Marktplatz an. Der brannte völlig aus, alle Bücher wurden zerstört. In den vergangenen zwei Monaten brannten in Langenhagen und Umgebung mehrfach Strohlager und Müllcontainer. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung.

Bemerkenswert finde ich das Datum: Am 10. Mai 1933 begannen in Deutschland die Bücherverbrennungen.

Eigentlich bin ich wegen des Geranienmarkts nach Langenhagen gefahren. Denn auf dem Platz neben dem City Center werden noch bis Mitte Juni Pflanzen verkauft – zum Glück nicht nur Geranien, die ich nicht mag.

Die gekauften Kohlrabi und Rucola pflanze ich in mein Hochbeet, in dem bislang nur ein paar Zuckererbsen wachsen. Weder die Rucola- noch die Feldsalatsamen sind aufgegangen. Ihnen war es wahrscheinlich einfach zu kalt.

Der Ananassalbei findet in einem Kübel eine neue Heimat, weil er nicht winterhart ist. Doch bis die Eisheiligen vorbei sind, bleiben sie alle noch im Wintergarten.

Dort kletterten die Temperaturen auf über 25 Grad, als sich die Sonne nachmittags für einige Zeit hervorwagte.

Und so konnte ich diesen Blogbeitrag, den ich während der Schreibzeit am Morgen begonnen habe, am späten Nachmittag im Wintergarten beenden.

Von Bücherschränken und sprechenden Büchern

Eigentlich habe ich meine Bücher(kauf)sucht inzwischen ganz gut im Griff: Die Bücherei Burgwedel ist sehr gut sortiert, in der Niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover kann frau unbeschränkt ausleihen. Aber Büchereien und Bibliotheken waren wegen Corona wochenlang geschlossen. Und so habe ich einen Rückfall erlitten. Letzte Woche habe ich an einem Tag drei Bücher gekauft – und damit mein selbst gesetztes Limit weit überschritten.

Das erste habe ich in meiner Lieblingsbuchhandlung gefunden, die leider – oder mit Blick auf meinen Kontostand Gott sei Dank – nicht in meinem Wohnort, sondern in Hannover liegt. Wenn ich in der Nähe bin, gehe ich fast immer zu Annabee – und fast immer raunen mir mehrere Bücher zu: „Kauf mich, kauf mich.“ Auch diesmal habe ich die Bitte eines Buchs erfüllt – schließlich soll man kleine Buchhandlungen ja unterstützen, vor allem in Zeiten wie diesen. Auf dem Nachhauseweg hat mir dann eine Bekannte Buch Nummer 2 empfohlen. Und weil ich mir vorgenommen habe, wichtige Dinge nicht mehr aufzuschieben, habe ich es sofort in der Buchhandlung in Burgwedel bestellt. Im Briefkasten lag schließlich Buch Nr. 3. Ich hatte es Anfang der Woche online gekauft – nein, nicht bei dem Händler mit dem großen A, sondern bei einem modernen Antiquariat.

Die Stimmen in meinem Kopf – aufgedruckt auf meinem neuen Sweatshirt

Ja, ich kaufe viele Bücher secondhand – zum einen, weil ich sie mir neu nicht leisten kann: Vor allem Bildbände sprengen mein Budget bei Weitem. Zum anderen finde ich es gut und richtig, aussortierten Büchern ein zweites Lesen zu schenken.

Das tue ich mit meinen Büchern auch – nicht ganz freiwillig. Denn der Platz in meinen Bücherregalen wird knapp. Und so sortiere ich für jedes gekaufte Buch ein gelesenes aus. Bücher in der Papiertonne zu entsorgen, bringe ich nur selten übers Herz. Viele bringe ich stattdessen in die Krankenhausbücherei. Doch die ist zurzeit ebenso wie die städtische Bücherei geschlossen. Wann dort der nächste Bücherflohmarkt stattfindet, steht in den Sternen. Doch zum Glück gibt es ja auch in Burgwedel einen Bücherschrank. Der ist rund um die Uhr geöffnet und abends sogar beleuchtet.

Burgwedeler Bücher-Box von außen …

Das Prinzip der öffentlichen Bücherschränke ist einfach: Man oder frau stellt ausgelesene und ausgeliebte Bücher hinein. Wer will, darf sie mitnehmen; ob er/sie die Bücher nur ausleiht, sie behält, wieder zurückbringt oder andere Bücher dafür hinstellt, entscheidet jedeR selbst.

Ich liebe Bücherschränke. Wie an Buchhandlungen kann ich an ihnen nicht vorbeigehen, ohne darin zu stöbern – meist werde ich fündig und nehme Bücher mit. Und natürlich stelle ich immer wieder Bücher hinein.

Wie gut ein Bücherschrank ist, hängt nicht nur von den Buchspenderinnen und -spendern ab, sondern auch von den Menschen, die sich um die Bücherschränke kümmern. Vielen Dank allen, die das – ehrenamtlich – tun!

In Burgwedel klappt das ausgezeichnet, dank des Teams von printeffect, dem Copyshop im Mitteldorf. Besitzerin Edda Wilkening hat eine alte Telefonzelle im Ruhrgebiet gefunden, nach Burgwedel geholt, vor ihrem Laden aufgestellt und zur wetterfesten Bücher-Box umfunktioniert. Ein Aufdruck erinnert potenzielle Spenderinnen und Spender daran, dass ein Bücherschrank eben keine Altpapiertonne ist. Vergammelte Bücher werden aussortiert und entsorgt – und wenn Zeit ist, ordnet das Team um Edda Wilkening die Bücher sogar nach Rubriken.

… und von innen

NutzerInnen wie mich freut’s. Ich war letzte Woche übrigens ganz tapfer und habe mich gleich von sechs Büchern getrennt, obwohl ich nur drei gekauft hatte. Allerdings standen mehrere Bücher in der Box, die mir zuflüsterten: „Nimm mich.“ Zwei habe ich erhört.

Eine Karte der Bücherschränke in Deutschland gibt es auf dem Blog von Tobias Zeisig unter https://www.lesestunden.de/karte-oeffentlicher-buecherschraenke/