Lichtmess, Imbolc und die Geburt des Frühlings

Heute ist Lichtmess – der Tag, der jetzt in der katholischen Kirche offiziell Darstellung des Herrn heißt. Am 2. Februar endet – 40 Tagen nach dem Fest – die Weihnachtszeit. Erst an Lichtmess wurden traditionell in manchen katholischen Familien Krippe und Weihnachtsbaum abgeräumt.

So lange schaffen es unsere Weihnachtsbäume nie. Der letzte liegt schon seit Anfang Januar – in kleine Stücke zerschnitten – im Garten und wartet darauf, zur Grünannahme gebracht zu werden. Aber unsere Krippe werde ich heute abbauen und in den Keller bringen. Nur das kleine schwarze Schaf verlässt die heilige Familie und geht seinen eigenen Weg: Es zieht auf meinen Schreibtisch um und begleitet mich in diesem Jahr.

Dagegen verschwinden der Stern über meinem Bett und die Lichterkette am Fenster meines Arbeitszimmers bis Ende November in der Versenkung – sprich in den Weihnachtskisten. Ich brauche sie nicht mehr so dringend, wie in den letzten Wochen. Denn draußen ist es schon merklich länger hell – die Sonne geht etwa 35 Minuten früher auf und etwa 50 Minuten später unter als am kürzesten Tag des Jahres. Es geht wieder aufwärts, wenn auch langsam.

Angeblich haben die Kelten an Lichtmess oder Imbolc, wie der Tag im keltischen Jahreskreis heißt, zuerst alle Lichter in den Höfen gelöscht, bevor sie symbolisch mit heiligem Feuer wieder entzündet wurden. Sie feierten an diesem Tag die Geburt des Frühlings. Und es war der Beginn des bäuerlichen Arbeitsjahrs: Je nach Wetter fing die Feldarbeit wieder an. „An Lichtmess fängt der Bauersmann neu mit des Jahres Arbeit an“, hieß es.

Deshalb wage ich es auch, einige Pflanzen auszuwildern, die bis im Wintergarten überwintert: zwei Gaultherias, eine Christrose und ein paar Tulpen, die mein Mann mir schon Mitte Januar als Vorfrühlingsgruß mitgebracht hat.

Gruppenbild vor dem Umzug

Gaultherias und Helleborus macht Kälte ohnehin nichts aus – und bei Temperaturen, die nicht wirklich winterlich, sondern eher frühlingshaft sind, haben sogar die Tulpen draußen eine faire Chance.

Winter- und Frühlingspflanzen einträchtig nebeneinander: Gaultheria, Schneeglöckchen und Hyazinthe

PS:

Ein Freund aus meinem Heimatort an der Mosel hat den Blogpost gelesen und sich erinnert:

„Bei den Winzern gibt es den Spruch: ‚Mariä Lichtmess – spinnen vergess, Krümmes in de Hand un in de Wingert gerannt‘. Mein Vater hat ihn immer wieder gerne aufgesagt, damit allen klar war, dass jetzt wieder die Arbeit draußen beginnt. Übrigens: In der Weihnachtszeit wurden früher in den Winzerstuben die Weiden gemacht. Die Weiden wurden zuerst in zwei oder drei, sehr selten in vier Teile gespalten und dann mit der Weidenkneip auf der Innenseite geglättet indem man sie unter der Klinge auf einem Stück Leder, das man auf dem Knie festgebunden hatte, durchzog. Die Weiden wurden dann zum Binden der Reben an die Stöcke benutzt. Diese Winterarbeit habe ich als Jugendlicher noch gelernt und gemacht. … das war reine Männersache! Die Männer haben sich gegenseitig besucht, brachten die ein odere andere Flasche vom neuen Wein mit und haben die Weltpolitik wieder ins Lot gebracht … „

Wenn das immer noch funktionieren würde, sollte man auch heute wieder die Reben mit Weiden statt mit Plastik an die Drähte binden. Nötig hätte die Politik es. Und ökologischer wär’s außerdem …

Herbst im Garten

Das nenne ich Timing. Vor ein paar Tagen haben wir die letzte Pflanze – eine Strelitzie – umgetopft und von der Sommerfrische auf der Terrasse in den Wintergarten zurückgeholt, in der Nacht gab es den ersten Bodenfrost – am Morgen war der Rasen mit einer dünnen Reifschicht bedeckt. Die anderen Pflanzen und der schwere Gartentisch waren schon ein paar Tage vorher in ihr Winterquartier im Wintergarten umgezogen. Denn die Platte mit Mosaiksteinen verträgt leider – genau wie Vogeltränke mit den Fröschen – keine Minustemperaturen. Für  uns bleibt zwischen all den Pflanzen kaum mehr Platz, aber im Wintergarten ist es in den nächsten Monaten meist ohnehin zu kalt. Wenn allerdings in den Mittagsstunden die Sonne hineinscheint, kann man es dort sogar im Dezember und Januar aushalten.

Tisch im Wintergarten P1010166

Die Sonne hat in den letzten Monaten wirklich ihr Bestes gegeben. Der Sommer und der folgende Indian Summer waren nicht nur schöner und wärmer als die meisten, die ich erlebt habe, sondern auch länger. Daran, dass ich, bekennende Frostbeule, Mitte November im Sweatshirt im Garten gearbeitet habe, kann ich mich nicht erinnern.

Garten im Herbst P1010170
Rosen im Herbst

Sicher lag es auch am guten Wetter, dass wir mit der Gartenarbeit weiter gekommen sind als in den letzten Jahren. Mein Mann hat die Sträucher geschnitten, ich die Blumen und Stauden und den Teich von den Blättern befreit. Apfel- und Kirschbaum haben wir einen Schnitt vom Profi gegönnt – sie haben es sich redlich verdient. Denn sie haben in diesem Jahr getragen wie noch nie: Unser Apfelvorrat reicht gewiss noch bis ins neue Jahr, ebenso unsere eingekochte Kirschmarmelade. Die Brombeeren, die am Zaun zum Nachbargrundstück wuchern, waren zum ersten Mal wirklich süß und reif, Trauben haben wir schon im August geerntet. Und die letzte reife Erdbeere habe ich vor ein paar Tagen entdeckt, als ich in meinem Rosen-Erdbeeren-Beet einen Platz für die neue Christrose suchte.

Erdbeere im November P1010160
Die  letzte Erdbeere des Sommers

Dabei habe ich, versteckt unter verwelkten Erdbeerblättern, verblühten Rosen und Stockrosen zwei Christrosen entdeckt, die ich im letzten Jahr gepflanzt habe. Das Beet macht also seinem Namen alle Ehre – auch wenn ich für die neue Christrose einen anderen Platz gefunden habe. Sie blüht jetzt unter meinem Lieblingsbaum, der hoch gewachsenen Eberesche. Sie ist winterhart, der Frost macht ihr nichts aus. Und vielleicht schafft es die eine oder andere Blüte auch bis zu Weihnachten, dem Fest, das der Blume ihren Namen gab.

Garten im Herbst Christrose P1010163

Die roten Blüten des Ananassalbeis haben die erste Frostnacht leider nicht überlebt und auch die Pflanze selbst lässt die Blätter schon jetzt bedenklich hängen. Ich werde im nächsten Frühjahr eine neue pflanzen, weil ich ihren Duft und ihre Blüten mag. Ihr Bruder, der echte Salbei, sieht nach dem Temperatursturz zwar ebenfalls nicht sonderlich glücklich aus, hat aber bessere Chancen. Er ist an die Temperaturen hierzulande besser gewöhnt und hat schon manchen Winter in unserem Garten überstanden. Und auch Lavendel und Rosmarin machen moderate Minusgrade nichts aus. Über ihren Duft freue ich mich auch in den nächsten Monaten, wenn ich im Vorbeigehen ein Blatt oder einen Stengel abpflücke, einstecke und so ein Stück Garten immer in meiner Tasche trage.

Ananassalbei P1010161
Ananassalbei vor dem Frost

Und während ich diesen Beitrag online stelle, fängt es draußen an zu schneien. Der Indian Summer ist endgültig vorbei.