Bericht aus Garten und Wintergarten

Draußen im Garten grünt und blüht es, derzeit noch vorwiegend in Blau/Violett. Überall auf den Beeten sprießen jetzt die Scillas, ebenso Traubenhyazinthen und Hyazinthen. Und die Blaukissen werden immer mehr zum dichten Kissen, das sich an den Wintergarten schmiegt.

Für gelbe Farbkleckse im Garten sorgen die Narzissen, Forsythien und die kriechende Mahonie, die sich ungefragt überall im Garten ausbreitet. Am Teich ist meine einzige Primel wieder aufgetaucht, von meinen Veilchen ist dagegen noch nichts zu sehen. Die Zeit der Krokusse ist dagegen vorbei, Wind und Regen der letzten Tage haben ihnen wohl den Rest gegeben.

Drinnen im Wintergarten geht dem Osterkaktus allmählich die Kraft aus. Kein Wunder: Er hat, seinem Namen zum Trotz, schon seit Weihnachten geblüht. Bei seinen beiden Geschwistern zeigen sich dagegen jetzt kleine rote Knospen. Ob sie rechtzeitig zu Ostern aufgehen, wird sich zeigen. Denn sie sind beide schon fast ein halbes Jahrhundert alt.

Keine Ermüdungserscheinungen zeigt die Strelitzie. Die ersten Blüten sind inzwischen verblüht, aber ihre Nachfolgerinnen schauen wie bunte Vogelköpfe zwischen den Blättern hervor und ziehen die Blicke auf sich.  

Weiß-lila blüht die Felsenorchidee, die ein Schulfreund meines Mannes mir im letzten April geschenkt hat. Nachdem ich seinem Rat befolgt habe und der Dendrobium Kingianum Angfang Februar eine Portion Blumendünger spendiert habe, zeigten sich schnell kleine, halbmondförmige Knospen. Auch auf Nachwuchs kann ich hoffen: Denn die Verdickung an einem Stiel ist ein „Kindel“, also ein Ableger: Da er inzwischen drei eigene Blätter und auch zwei gut ausgebildete Wurzeln hat, kann ich ihn demnächst abtrennen und einpflanzen.

Von der Orchidee, die in meinem Arbeitszimmer steht, kenne ich nicht einmal den Namen, obwohl sie seit dem 1. August 2019 bei mir lebt. Ich hatte sie meiner Mutter ein paar Wochen vor ihrem Tod geschenkt, weil sie Orchideen liebte. Nachdem meine Mutter gestorben war, mochte ich die Pflanze nicht in dem Heim in Norderstedt zurücklassen. Ich nahm sie mit nach Hause und obwohl sie in einem jämmerlichen Zustand war, überlebte sie und blühte seither regelmäßig.

In diesem Jahr ließ sie mich allerdings lange warten. Erst vor etwa einer Woche öffneten sich die Knospen und sie fing an zu blühen – etwa zeitgleich mit ihrer entfernten Verwandten, der Felsenorchidee. Es war, als hätten sie sich abgesprochen. Dabei kannten sie sich nicht und sind sich auch nie begegnet. Die lebt nämlich unterm Dach, die andere ebenerdig im Wintergarten. Aber vielleicht gibt es sie doch, eine geheime Verbindung zwischen den Pflanzen.

Im Wintergarten

An Tagen wie diesen macht unser Wintergarten seinem Namen alle Ehre. Wenn die Sonne scheint, kann ich selbst bei Schnee und/oder Temperaturen unter Null im Grünen sitzen, mit Blick auf den Garten,

Schon im Januar, wenn die Sonne erst um die Mittagszeit über den Kastanienbaum und den Dachfirst der Nachbarn lugt, klettern die Temperaturen unter dem schützenden Glas nur für ein oder zwei Stunden auf über 20 Grad. Mitte Februar scheint die Sonne dann vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag in den Wintergarten. Bei Temperaturen bis zu 30 Grad wird der Wintergarten dann für mehrere Stunden zu meinem Schreib- und Lesezimmer – und heizt das angrenzende Wohnzimmer mit.

Während sich im Garten bislang erst wenige Pflanzen hervorwagen, grünt und blüht es im Wintergarten prächtig. Blickfang Nummer eins ist der Osterkaktus mit seinen rosa Blüten. Er blüht – seinem Namen zum Trotz – schon seit der Dezember und zeigt noch keine Ermüdungserscheinungen. Bis Ostern wird er es aber kaum durchhalten.

Ebenfalls rosa, aber wesentlich kleiner und unscheinbarer, sind die Blüten der Sukkulente, die wir vor Jahren als winzigen Ableger aus Spanien mitgebracht haben. Ich vermute, dass es eine Echeveria ist, von der es laut Wikipedia über 150 Arten gibt, aber ich bin mir nicht sicher.

Auch die Strelitzie hält sich in diesem Jahr etwas zurück. Während in den vergangenen Jahren teilweise mehrere der bunten, an einen Paradiesvogel erinnernden Blüten gleichzeitig zu bewundern waren, blüht diesmal jede für sich.

Die Felsenorchidee (Dendrobium Kingianum), die ich im vergangenen Frühling geschenkt bekommen habe, hat den Winter gut überstanden. Blüten sind leider noch nicht in Sicht. Aber vielleicht braucht sie einfach etwas Zeit – und ich mehr Geduld. Denn nach Angaben verschiedener Websites blühen Felsenorchideen erst ab Februar, dann aber mitunter mehrmals im Jahr.

Die Narzisse „Bright Corsage“ ist im Wintergarten nur kurz zu Gast. Ich habe sie gestern gekauft, weil mir nach der Lektüre von Romy Pfyls Tag- und Nachtgedanken der Sinn nach Frühlingsblumen stand. Sobald es draußen wärmer wird, werde ich sie auswildern. In der Nähe meiner Lieblingsnarzisse Rip van Winkle ist noch Platz für weitere gelbe Blüten.

Eins, zwei, fünf ganz viele

Die meisten unserer Zimmerpflanzen sind zurzeit in der Sommerfrische auf der Terrasse. Nur einige müssen drinnen bleiben: Manche, zum Beispiel die Yuccapalme oder die Strelitzie, sind einfach zu groß und zu schwer um sie nach draußen zu bringen, andere vertragen die Sonne nicht. Die Monsteras beispielsweise: Die stammen zwar aus den Wäldern Mittel- und Südamerikas, wo es eher heißer ist als hierzulande. Aber die Bäume, an denen sie sich gerne hochranken, schützen sie offenbar vor der prallen Sonne.

Ich gebe zu: Bis heute Morgen habe ich drei meiner Monsteras für Philodendren gehalten (https://timetoflyblog.com/nahe-verwandte). Erst bei der Recherche für diesen Beitrag habe ich meinen Fehler bemerkt. Immerhin gehören Monsteras und Philodendren zur selben Familie, zu den Aronstabgewächsen (Araceae) – und teilen ihre Vorliebe für Bäume.

Einen Baum als Wirt kann ich ihnen nicht bieten, wohl aber einige Standorte im Haus ohne direkte Sonneneinstrahlung. Die gefallen ihnen offenbar gut: Die drei kleinen Ableger, die ich vor drei Jahren gerettet habe, als ihre Mutter den Sommer draußen nicht überlebte, sind zu stattlichen Monsteras herangewachsen. Eine bereitete mir jedoch wegen ihrer deformierten Blätter Sorgen. Jetzt habe ich ihr und ihren beiden Schwestern größere Töpfe spendiert – und hoffe, dass mehr Platz und mehr Erde ihnen gut bekommt.

Die vierte Monstera sieht ganz anders aus als ihre Cousinen: Die Blätter der Monkey Leaf sind dunkler und deutlich kleiner als die der Monstera deliciosa und geschlossen. Weil die Monkey Leaf unser Treppengeländer offenbar mit einem Baum verwechselt und es wie eine Liane umschlungen hat, muss sie sich mit einer Portion frischer Blumenerde begnügen. Denn ich wage nicht, die Ranken vom Geländer zu lösen.

Als ich die Sansevieria umgetopft und sie auf drei Blumentöpfe verteilt habe, musste ich daran denken, wie sie in unser Haus gekommen ist. Sie hat meine Mutter bei ihrem Umzug von der Mosel in ein Altenheim in Norddeutschland begleitet (https://timetoflyblog.com/same-procedure-every-herbst). Damals habe ich die Pflanze aus ihrem winzigen Topf befreit und sie gefünfteilt: Zwei Töpfe hat meine Mutter mit in ihr neues Zuhause genommen, einer ist zu meiner Freundin nach Süddeutschland gekommen, einer zu meiner Tochter in den Harz. Die fünfte Sansevieria habe ich behalten.

Mir gefällt der Gedanke, dass aus der Pflanze meiner Mutter inzwischen ganz viele geworden sind. Ein Ableger des Ablegers, der jetzt bei einer Freundin meiner Tochter in Süddeutschland steht, blüht sogar gelegentlich.

Ein Ableger, den einem Schulfreund meines Mannes mir im April geschenkt hat, brauchte ebenfalls schon ein größeres Zuhause. Dabei war ich am Anfang skeptisch, ob die Dendrobium Kingianum den Sommer auf der Terrasse überleben würde. Denn auch viele Orchideen mögen keine pralle Sonne. Doch der Schulfreund hatte recht: Die rosa Felsenorchidee ist unempfindlicher als die Orchidee, die ich von meiner Mutter geerbt  habe, und kann auch draußen übersommern.

Blühen wird sie wohl erst im Winter – von Dezember bis März. Weil sie laut Website Orchideen-Pflege im Herbst/Winter einige Wochen kühle Temperaturen um die zehn Grad braucht, um zu blühen, wird sie im Herbst in den Wintergarten umziehen – und dort überwintern. Denn auch Temperaturen nahe null machen ihr offenbar nichts aus. Und vielleicht gelingt es mir ja sogar, neue Felsenorchideen zu züchten. Das geschieht nämlich einfach durch Risslinge, die in einen Topf mit etwas Erde gesteckt werden. Dann wandern möglicherweise im nächsten Jahr auch Ableger der Felsenorchidee in den Harz und nach Süddeutschland.