Monatsrückblick Mai 2024

Fast hätte ich ihn vergessen. Nur ein abonnierter Newsletter erinnerte mich daran, dass es schon wieder Zeit für den Monatsrückblick war. Doch dann dauerte es noch ein paar Tage, bis der Text endlich fertig war.

Erste Blognacht

Den Rückblick auf den Monat April habe ich während der Blognacht geschrieben, die Anna Koschinski allmonatlich organisiert. Von diesem Angebot habe ich zufällig erfahren, als ich im März zum ersten Mal an einer Blogparade teilgenommen habe. Ich hatte mir den Termin notiert – doch dann wieder vergessen. Erst kurz vor dem Start des Cowritings hat mich mein Online-Kalender erinnert – und ich konnte mich rechtzeitig in den Zoomraum einwählen. Es war eine gute Entscheidung: Mit anderen zu schreiben motiviert mich, selbst wenn die Mitschreiberinnen nicht im gleichen Raum, sondern in einem virtuellen Schreibraum sitzen. An der Blognacht Ende Mai konnte ich leider nicht teilnehmen, aber Ende Juni will ich wieder dabei sein. Dann wird der nächste Monatsrückblick vielleicht nicht so lange auf sich warten lassen.

Immer wieder schön: die Herrenhäuser Gärten

Der Frauenschreibtreff am ersten Sonntag des Monats im  AutorInnenzentrum ist im Mai leider ausgefallen. Stattdessen habe ich mit meiner Schwiegertochter und den beiden Enkelinnen die Herrenhäuser Gärten besucht. Und obwohl einige Beete weichen mussten, weil im Präriegarten derzeit neue Gewächshäuser gebaut werden, waren sie begeistert. Vor allem die Pfingstrosen und die Rhododendren haben ihnen gefallen. Sie wollen wiederkommen – dann werden wir sicher auch in den Großen Garten gehen. Dort bin ich eher selten, ich bin kein Fan von Pflanzen, die in Reih und Glied stehen und immer wieder in Form gestutzt werden. Doch es gibt natürlich auch im Großen Garten Plätze, die ich mag. Die von Nicky de Saint-Phalle gestaltete Grotte beispielsweise, das Gartentheater mit den Goldenen Figuren und natürlich den Rosengarten, wo bei meinem Besuch Mitte Mai die Rosen voll erblüht waren.

Offene Pforte und offene Ateliers

Ich mag Kunst und ich mag schöne Gärten, wenn auch beides eher passiv. Denn ich kann weder malen noch habe ich einen grünen Daumen. Wenn andere ihre Ateliers und/oder ihre Gartenpforten öffnen, schaue ich gerne rein. Und manchmal lassen sich wie am zweiten Maiwochenende Atelierspaziergang und offene Gartenpforte kombinieren.

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Im Garten

Auch unser Garten zeigte sich im Mai von seiner schönen Seite. Die Rosen blühten in diesem Jahr ungewöhnlich früh und auch unsere Frösche – sieben oder acht an der Zahl – waren sehr früh aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt. Ebenso früh, wie sie kamen, waren sie dann wieder verschwunden, ihren Nachwuchs haben sie allerdings bei uns zurückgelassen. Den Alten war es mit der Kinderschar wohl zu eng oder zu unruhig in den beiden Miniteichen. Die jungen Frösche scheint die Enge nicht zu stören. Fast alle leben im kleinen Teich – im größeren habe ich bislang nur einen einzigen gesichtet. Auch dass sie den Platz mit einer kleinen Ente teilen müssen, macht ihnen offenbar nichts aus. Sie leben friedlich miteinander, auch wenn es manchmal nicht so aussieht.

Ein Jahr Deutschlandticket

Ich habe es sehnsüchtig erwartet und nutze es seit einem Jahr viel und gerne: das Deutschlandticket. Meist reise ich damit durch Niedersachsen und die angrenzenden Bundesländer, aber ich bin auch schon bis nach Würzburg gefahren. Die Hinfahrt durch Thüringen ins Frankenland dauerte mit Nahverkehrszügenzwar länger, war aber eindeutig schöner als die Rückfahrt mit dem ICE.

Durch das Deutschlandticket habe ich viele Orte besucht, an denen ich bisher meist achtlos vorbeigefahren bin. Im Mai zum Beispiel Braunschweig. Obwohl Hannover und Braunschweig nah beieinander liegen – mit dem Nahverkehrszug dauert die Fahrt gerade mal eine Dreiviertelstunde – war ich erst einmal in der Nachbarstadt. Daran, dass die beiden Fußballklubs eine enge Feindschaft verbindet, lag es gewiss nicht. Es hatte sich einfach nicht ergeben. Jetzt habe ich meine Kollegin Foe im Krankenhaus in Braunschweig besucht – und habe die Gelegenheit genutzt, durch die Stadt zu spazieren.

Mein ganz subjektiver Eindruck: Meine Lieblingsstadt wird Braunschweig sicher nicht, aber es gibt einige schöne Ecken, die es zu sehen lohnt.

Katzensitten mit Erkenntnis

Meinen Kurzaufenthalt als Katzensitterin in Harz hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt: Ich wollte die ersten Etappen des Hexenstiegs wandern. Doch dann musste ich an zwei Tagen nach Hannover – an einem zur Einweihung des AutorInnenzentrums, am nächsten Tag zu einem Workshop. Letzteren wollte ich nicht absagen, weil mich das Thema interessierte. Aber im Nachhinein weiß ich: Ich hätte ihn mir besser erspart. Ich hätte stattdessen durch den Harz wandern, die Natur genießen und ein bisschen schreiben sollen. So blieb mir nur am letzten Tag Zeit für eine kurze Wanderung auf dem Besinnungsweg (https://timetoflyblog.com/auf-dem-besinnungsweg) – und die Erkenntnis, dass ich künftig häufiger das tun und dahin gehen sollte, wohin mein Herz mich trägt.

Handwerker im Haus

Wer in einem alten Haus wohnt, weiß es: Irgendetwas muss – oder soll – immer repariert, renoviert oder verändert werden. Im Mai wurden in der oberen Etage drei neue Fenster und im Wohnzimmer im Erdgeschoss zwei neue Glastüren eingebaut. Früher haben wir die meisten Arbeiten selbst gemacht, inzwischen überlassen wir vieles den Handwerkern. Vieles, aber nicht alles.

Weil die neuen Türen leider nicht in die alten Rahmen passten, haben wir, bevor die Handwerker kamen, die alten Zargen entfernt. Und auch die Nacharbeiten – verputzen, tapezieren, streichen usw. – haben wir selbst erledigt. Diese Arbeiten dauerten natürlich viel länger als das Einsetzen der Türen selbst. Zum Glück ist mein Mann ein begabter Handwerker – und während ich diese Zeilen schreibe, ist das meiste geschafft. Durch die Fenster im Dachgeschoss entweicht weniger Wärme, das Wohnzimmer ist mit neuen Glastüren schöner und großzügiger denn je. Außerdem haben einen besseren Durch- und Ausblick – gute Aussichten also für die Zukunft.

Rosen, Pfingstrosen und Orchideen

Ich habe seit Jahren eine Dauerkarte für die Herrenhäuser Gärten und ich nutze sie viel. Manchmal gehe ich einfach nur kurz in den Berggarten, wenn ich eigentlich aus einem anderen Grund in Hannover bin. Und immer wieder entdecke ich bei meinen Besuchen unbekannte Pflanzen. So zum Beispiel den Tulpenbaum im Staudengrund. An ihm bin ich wohl unzählige Mal achtlos vorbeigegangen, obwohl er wegen seiner Größe und der ungewöhnlichen Blüten kaum zu übersehen ist.

Am vergangenen Freitag führte mein erster Weg ins Orchideenschauhaus. Das hatten wir vor sechs Jahren, am 94. Geburtstag meiner Mutter, gemeinsam mit ihr besucht. In diesem Jahr wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Meine Mutter hat Orchideen geliebt – und war von der Blütenpracht begeistert. Kein Wunder: Die Orchideensammlung im Berggarten gilt als eine der bedeutendsten Europas. Im Orchideenhaus werden ständig zwischen 500 und 800 Orchideen gezeigt, und zwar zwischen anderen tropischen Sträuchern und Bäumen, also quasi in ihrer „natürlichen“ Umgebung.

Auch die Pfingstrosen hätten meiner Mutter sicher gefallen. Im Präriegarten und im Staudengrund blühen zurzeit ganz verschieden Arten in den unterschiedlichsten Farben – von Weiß über Gelb, Rosa, Rot und Pink bis fast Schwarz. Als meine Mutter noch an der Mosel lebte, wuchs in ihrem Vorgarten ein riesiger Pfingstrosenstrauch, dessen Blüten herrlich dufteten. Noch heute bedaure ich, dass ich ihn nicht ausgegraben und in unserem Garten eingepflanzt habe, als wir das Haus verkauften. Meine eigenen Pfingstrosen duften wie so viele Neuzüchtungen leider nicht – und so muss ich mich damit begnügen, beim Gang durch die Herrenhäuser Gärten meine Nase in fremde Blüten zu stecken.

Pfingstrosen sind, auch das habe ich beim Schreiben der Blogbeiträge gelernt, trotz ihres Namens botanisch keine Rosen, sondern bilden eine eigene Pflanzenfamilie – die Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae). Richtige Rosen (Rosa) wachsen im Niederdeutschen Rosengarten. Er ist Teil des Großen Gartens und laut Website „die Nachbildung eines der bereits im 16. Jahrhundert hoch geschätzten ‚Liebesgärten‘“ (https://www.hannover.de/Herrenhausen/Herrenhäuser-Gärten/Großer-Garten/Der-Niederdeutsche-Rosengarten). Insgesamt etwa 650 Rosen sollen in den quadratischen und runden Beeten wachsen, darunter auch die Herrenhäuser Sorten „Kurfürstin Sophie“ und „King George“.

An den wunderschönen privaten Rosengarten von Silke Rex, die im Juni wieder ihre Gartenpforte öffnet, reicht der Rosengarten in Herrenhausen meiner Meinung nach zwar nicht heran. In einem der vier Pavillons sitzend, habe ich mich aber trotzdem ein bisschen wie Dornröschen gefühlt.

Viel Zeit zu träumen oder gar zu schlafen hatte ich indes nicht. Denn eigentlich war ich ja aus einem anderen Grund in Hannover: Ich wollte zur Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde. Dort halten die Omas gegen rechts jeden Freitag während des Schabbat-Gottesdienstes eine Solidaritätswache.

Auf nach Herrenhausen

Endlich war ich wieder in den Herrenhäuser Gärten. Meine Jahreskarte war schon im Oktober abgelaufen und meist kaufe ich mir dann direkt eine neue. Denn ich mag die Gärten, vor allem den Bergarten und den frei zugänglichen Georgengarten, eigentlich zu jeder Jahreszeit. Aber im gefühlten Dauerregen von November bis Februar erschien mir ein Gartenspaziergang dann doch wenig verlockend. Im Großen Garten, der von Grachten umgeben ist, war sogar zeitweise Land unter. Einige Beete und Gewächshäuser standen tagelang unter Wasser. Wie die Pflanzen das verkraftet haben, wird sich wohl erst in den nächsten Wochen zeigen.

Der Berggarten war von den Überschwemmungen nicht betroffen. Denn er liegt zwar, anders als sein Name vermuten lässt, nicht auf einem Berg, aber doch etwas höher als sein großer Bruder. Der frühere herzogliche Küchengarten wurde laut Wikipedia auf dem Hang einer Eiszeit-Sanddüne angelegt (https://de.wikipedia.org/wiki/Berggarten). Gemüse wird hier schon lange nicht mehr angebaut, dafür wachsen im Berggarten heute rund 12.000 Pflanzenarten – zu jeder Jahreszeit andere.

Jetzt sind die Frühblüher an der Reihe – Scilla, Krokusse, Lenzrosen, Märzbecher, Primeln Narzissen und viele andere, deren Namen ich nicht kenne. Den Staudengrund durchzieht wieder das künstliche Bächlein und die Süntelbuche, mein Lieblingsbaum, zeigt sich – noch ohne Blätter – ihre ganze Schönheit. Was aussieht wie ein kleiner Wald ist tatsächlich nur ein einziger Baum – im Sommer verdecken die Blätter die knorrigen Stämme, Äste und Zweige, die über oder unter der Erde miteinander verbunden sind.

Als die Süntelbuche (Fagus sylvatica ‚Tortuosa‘) im Berggarten um 1880 gepflanzt wurde, waren ihre freilebenden Verwandten schon weitgehend ausgerottet. Denn ihre kurzen, verdrehten, oft miteinander verwachsenen Äste und Stämme eignen sich weder als Bau- noch als Brennholz. Und wegen seines teilweisen bizarren Aussehens war das „Deuwelholts“ vielen Menschen unheimlich. Grund genug, den letzten Süntelbuchenwald in den 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts abzuholzen.

Die Süntelbuche im Berggarten hat mit 145 Jahren ihre durchschnittliche Lebenserwartung schon erreicht. Die liegt nämlich „bei 120 bis 160 Jahren. Der waagerechte, statisch ungünstige Wuchs scheint das Auseinanderbrechen alter morscher Bäume zu beschleunigen, so dass 300 Jahre nicht erreicht werden“, heißt es bei Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Süntel-Buche). Im Berggarten stützt ein starker Zaun die alte Dame – und so ist zu hoffen, dass sie ein ähnlich hohes Alter erreicht wie ihre Verwandten bei Raden im Auetal oder im Schlosspark von Haus Weitmar in Bochum. Beide Süntelbuchen sind über 250 Jahre alt, mein Lieblingsbaum in den Herrenhäuser Gärten wird mich also hoffentlich lange überleben.

Übrigens: In Bad Nenndorf am Deister kann man Süntelbuchen fast in „freier Wildbahn“ bewundern. Fotos von der Süntelbuchenallee am Rande des Kurparks gibt es unter https://timetoflyblog.com/eine-allee-der-besonderen-art und unter https://foerodens.wordpress.com/2024/01/14/alt-und-knorrig-die-suntelbuchenallee/

Vorfrühling in den Herrenhäuser Gärten

Die Sturmtiefs mit Orkanböen, die in den letzten Tagen übers Land gebraust sind,  haben natürlich auch vor den Herrenhäuser Gärten nicht Halt gemacht. Der Berggarten und der Große Garten waren von Donnerstag bis Montag geschlossen, weil der Aufenthalt dort zu gefährlich war. Nur der Georgengarten, ein öffentlicher Park, konnte auf eigene Gefahr betreten werden.  Ich war vor den Stürmen dort, bei gutem Wetter – zum ersten Mal in diesem Jahr.

Ein Besuch im Berggarten zu jeder Jahreszeit, auch wenn die Schauhäuser leider seit Dezember  wegen Corona  gesperrt sind. Draußen wagen sich erst wenige Arten hervor, doch die legen sich mächtig ins Zeug: Schneeglöckchen, Winterlinge und Krokusse blühen überall und bilden teilweise weiße, gelbe und lila Blütenteppiche. Willkommene Abwechslung im sonst eher noch tristen Wintergrau und -braun.

Im Staudengrund fließt noch kein Wasser; der kleine Bachlauf wird erst in den nächsten Wochen geflutet. Ich liebe es, am plätschernden Bach entlang zu schlendern oder mich an einen der kleinen Teiche zu setzen, zu lesen, zu schreiben oder einfach nur die Ruhe zu genießen.  Noch sind die Ufer kahl, doch schon bald werden hier Wildstauden blühen.

Im Staudengrund steht auch mein Lieblingsbaum, die mächtige Süntelbuche Buche (Fagus sylvatica ‚Tortuosa‘). Was aussieht wie ein kleines Gehölz ist ein einziger Baum. Der Hauptstamm wurde 1880 gepflanzt; durch Absenker sind neue Stämme entstanden. Sie bilden im Sommer eine mehr als 750 Quadratmeter große dichte Krone. Der Weg auf der anderen Seite wird dann zu einem grünen Tunnel.

Die Süntelbuche im Berggarten ist eine der größten Süntelbuchen Niedersachsens; eine ganze Süntelbuchenallee gibt es im Kurpark von Bad Nenndorf. Dem Süntel, einem zum Weserbergland gehörenden Höhenzug zwischen der Kurstadt und Hameln, verdankt der zur Familie der Rotbuchen gehörende Baum seinen Namen. Dort wuchs früher der größte Süntelbuchenwald Europas.

Doch anders als ihre Verwandten wachsen Süntelbuchen nicht brav in die Höhe, sondern in die Breite. Ihre Stämme sind nicht gerade, sondern kurz und verdreht, die Äste miteinander verwachsen.  Deshalb galten sie  als verwunschen, vom Teufel oder von Hexen verdorben. Und weil sie sich weder gut zur Möbelfertigung noch als Brennholz eignen, wurde letzte Süntelbuchenwald vor mehr als hundert Jahren gerodet, das Hexen- oder Teufelsholz wurde verbrannt.

Bei Instagram werde ich jeden Monat ein Foto von „meiner“ Süntelbuche posten, wer mag, findet die Fotos unter chaosgaertnerinnen oder unter #12telblick2022.

Von Großen Gärten, Goldenen Figuren und grünen Oasen

Er hatte eine faire Chance – und er hat sie teilweise genutzt. Olaf Groß‘ Großstadtgespräch über die Rückkehr der Goldenen Figuren in den Großen Garten in Herrenhausen hatte mich neugierig gemacht (https://grossstadtgespraech.de/2020/05/07/herrenhausen-goldene-figuren-schweben-ins-gartentheater/). Anlass genug, wieder einmal hinein- und nicht immer nur daran vorbeizugehen. Immerhin ist der Große Garten  einer der bedeutendsten Barockgärten in Europa

Keine Frage: Repräsentativ ist er – und das sollte er ja auch sein. Denn einer der adligen Vorbesitzer – einer der vielen Ernst Augusts, die es in Hannovers Adel gibt – wollte Kurfürst werden. Um seine Kollegen zu beeindrucken, ließ er den Vorgarten seines Schlosses aufhübschen. Das ist zugegebenerweise die proletarische Version der Geschichte – an ihr erkennt man unschwer, dass ich mit so viel Pracht und altem Adel wenig anfangen kann.

Schloss mit Vorgarten und Schwanenteich – ohn Schwäne

Aber ich gebe zu: Der Garten hat was, zum Beispiel den Eingangsbereich, den der dänische Architekt und Designer Arne Jacobsen Mitte der 60er Jahre entworfen hat. Auf der Gartenseite „versteckt“ sich der fast 50 Meter lange moderne Glasbau hinter einem gusseisernen Laubengang aus dem 19. Jahrhundert.

Das Arne Jacobsen Foyer

Auch die frisch restaurierten Goldenen Figuren, Nachbildungen berühmter Vorbilder aus der Antike, gefallen mir, ebenso das Gartentheater selbst, in das sie jetzt zurückgekehrt sind. Das Gartentheater soll um 1690 entstanden und damals das erste Heckentheater in Deutschland gewesen sein. Im Sommer finden hier beispielsweise Konzerte, Musicals, Kino unter freiem Himmel oder Poetry Slams. Ich habe vor Jahren den Sommernachtstraum im Gartentheater gesehen – allerdings nicht die Original-Shakespeareversion, sondern das Musical von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig. Und obwohl der Abend kein traumhafter Sommerabend war, sondern ziemlich verregnet, war es eine ganz besondere Atmosphäre.

Tanz auf der Ballustrade des Zuschauerraums

Beeindruckend sind auch die vielen Wasserbecken mit zahlreichen Springbrunnen in allen erdenklichen Größen. Damit sie funktionierten, ließ Ernst August kilometerlange Zuleitungen und einen Hochbehälter bauen. Die große Fontäne, eine der Hauptattraktionen des Großen Gartens, sprudelt erst seit 1720 – nachdem die Leine aufgestaut und eine dampfbetriebene Pumpanlage aus England installiert worden war. Vor genau 300 Jahren schoss der Wasserstrahl erstmals 36 Meter hoch, heute sind es sogar 72 Meter, wenn es windstill ist. Bei meinem Besuch war sie leider außer Betrieb – über zwischen 12 und 14 oder 15 Uhr machen die Wasserspiele im Großen Garten Pause.

Barockgarten mit Springbrunnen

Aber ich werde in den nächsten Wochen sicher noch einmal wiederkommen, vielleicht an einem Frei-, Sams- oder Sonntagabend. Dann wird der Große Garten illuminiert und Händels Wassermusik erklingt. Vielleicht kann ich dann einen Platz in einem der rosenumkankten Holzpavillons im Niederdeutschen Rosengarten ergattern, dem für mich schönsten Sondergarten im Großen Garten. Inselgarten, Renaissancegarten, Barockgarten und Rokokogarten mit ihren zurechtgestutzten, in Reih und Glied und kunstvolle Muster gezwängten Mini-Buchsbäumen begeistern mich dagegen nicht.

Der Niederdeutsche Rosengarten. Auch meine Lieblingsrose Rhapsody in Blue wächst hier.

Grüne Oasen gibt es im Großen Garten übrigens auch. Zwischen den breiten Wegen erobert in eingezäunten Bereichen die Natur den Garten zurück – Wildwuchs inmitten in der geordneten Parklandschaft.

Der Irrgarten war bei meinem Besuch wegen Corona ebenso noch gesperrt wie mein Lieblingsort im Großen Garten, die zwar alte, aber von Niki de Saint Phalle vor einigen Jahren neu gestaltete Grotte.

Blick nur von außen – Eva in den Spiegeln

Und so bin ich am Ende doch wieder im Berggarten gelandet, wo es üppiger grünt und blüht als im Großen Garten. Schon unter Kurfürstin Sophie wurde der Berggarten genutzt, um seltene Pflanzen zu züchten und zu pflegen.

Heute sind dort mehr als 12.000 Pflanzenarten aus aller Welt zu sehen (https://www.hannover.de/Herrenhausen/Herrenh%C3%A4user-G%C3%A4rten/Berggarten) – kein Wunder, dass ich dort bei jedem Besuch Neues entdecke.

Wieder geöffnet

Seit letzter Woche sind die Herrenhäuser Gärten wieder geöffnet und natürlich habe ich sie besucht, als ich einen Termin in Hannover hatte. Der Besucherandrang hielt sich in Grenzen. Kein Wochenende, keine Schlangen am Eingang.

Wie immer zieht es mich in den Berggarten. Der Große Garten kann warten – vor allem, weil die  von Niki de Saint Phalle entworfene Blaue Grotte noch geschlossen ist. Auch die Schauhäuser im Berggarten sind zurzeit gesperrt. Doch das verschmerze ich leicht, die Wiedersehensfreude ist größer. Nach Wochen des „Entzugs“ gefällt mir sogar der Schmuckhof, an dem ich sonst eher achtlos vorübergehe. Noch blühen Tulpen, Narzissen, Kaiserkronen, Anemonen und Hyazinthen und Goldlack – überwiegend  gelb-orange

Obwohl ich seit Jahren Stammgast in den Herrenhäuser Gärten bin, entdecke ich immer wieder etwas neu – dieses Mal sind es die Pfingstrosen. Laut Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Pfingstrosen gehören 32 Arten zur Gattung der Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae). Ich bin sicher, dass im Berggarten (fast) alle wachsen – große und kleine, Stauden, Halbsträucher und Sträucher in verschiedenen Farben von Weiß über Gelb, Bonbonrosa und grellem Pink bis zu dunklem Lila.  Einige tragen noch Knospen, andere sind schon verblüht.

Natürlich stecke ich als bekennender Duftfreak meine Nase in manche Blüte  hinein. Und einmal mehr bereue ich es, dass ich die  Pfingstrosenstaude aus dem Garten meines Elternhauses nicht in meinen eigenen Garten umgesiedelt habe. So intensiv wie die Blüten zu Hause duftet hier keine. Aber vielleicht täuscht mich da auch die Erinnerung.

Im Moorweiher hatte wohl ein Schwan in der besucherlosen Zeit sein Nest direkt am Ufer gebaut – kaum einen Meter vom Weg entfernt. Jetzt hat er es verlassen und drei Eier zurückgelassen. Vielleicht fühlte er sich von den Besuchern gestört, die nach der Öffnung die Gärten wieder erobern.

Im Staudengrund hat die Natur ganze Arbeit geleistet: Die Pflanzen am Ufer haben den schmalen  Bachlauf fast überwuchert. Dass hier kein natürlicher, sondern ein künstlicher Bach fließt, merkt man nicht. Und wie so oft habe ich das Gefühl, irgendwo in der Natur zu sein.

Im Staudengrund

Übrigens: Wer einen Blick in den Großen Garten werfen möchte, kann dies auf der Website https://grossstadtgespraech.de tun. Olaf Groß war dabei, als die Goldenen Figuren mit dem Kran ins Gartentheater zurückkehrten. Das soll wieder in seinen ursprünglichen Zustand  versetzt werden (https://grossstadtgespraech.de/2020/05/07/herrenhausen-goldene-figuren-schweben-ins-gartentheater/).

Ab 15. Mai ist das historische Gartentheater wieder für Besucher geöffnet geöffnet. Ein guter Grund für mich, auch den Großen Garten wieder einmal zu besuchen.