Der Berggarten im Februar

Nicht im Januar, sondern erst im Februar, also einen Monat später als geplant, beginnt mein Projekt Herrenhäuser Gärten. Ich habe mir Anfang des Jahres vorgenommen, einmal im Monat einen Blogbeitrag mit Fotos aus den Herrenhäuser Gärten zu posten. Nicht immer, aber öfter von den gleichen Stellen, damit deutlich wird, wie sich der Garten im Lauf des Jahres verändert. Meist werde ich über den Berggarten schreiben. Denn der ist für mich mit mehr als 12.000 Pflanzenarten der vielfältigere, interessantere und schönere Teil der Herrenhäuser Gärten.

Noch liegt der Berggarten im Winterschlaf. Der ganze Berggartenn? Nein. Auch im Winter können im Orchideenhaus 500 bis 800 blühenden Orchideen aus einer der größten Orchideensammlungen der Welt bewundert werden.

Außerdem wachsen dort Baum- und andere Farne, Kaffee- und viele andere Pflanzen, die auf anderen Kontinenten zu Hause sind. Gleich nebenan im Tropenschauhaus fühlt frau sich sich zwischen Palmen, Bromelien, Mango- und Bananenpflanzen in den tropischen Regenwald versetzt.

Die neu gepflanzten Blumen draußen im Schmuckhof blühen noch nicht; im Subtropenhof sind zurzeit nur Fotos von Pflanzen zu sehen. Erst wenn die Eisheiligen im Mai vorbei sind, ziehen die exotischen Kübelpflanzen aus den Gewächshäusern hinter die hohen Backsteinmauern um.

Von den Frühblühern wagen sich bislang nur Schneeglöckchen und Winterlinge hervor und bilden überall im Berggarten dichte Teppiche. Bis Pfingstrosen und andere Stauden den zurzeit kargen Präriegarten wieder in ein Blütenmeer verwandeln, vergehen noch einige Wochen. Die Strauchpfingstrose Jeanne D’Arc hat allerdings schon dicke Knospen und kündet vom Frühling – ebenso wie ein paar Meter weiter im Rhododendronhain die ersten Rhododendronknospen.

Der künstliche Bach im Staudengrund wird erst im März oder April geflutet, die Wasserbassins sind noch abgedeckt, der Moorweiher liegt noch unter einen Eisschicht.

Beeindruckende Bäume

An seinem Ufer steht ein Baum, der mich immer wieder aufs Neue beeindruckt: Die kaukasische Flügelnuss wurde erst 1955 gepflanzt, hat aber laut Website Baumkunde.de schon einen Stammumfang von mehr als fünf Metern und ist über 20 Meter hoch.

Nicht gerade in die Höhe, sondern eher in die Breite wachsen Süntelbuchen. Wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens waren sie früher als Teufels-, Hexen oder Gespensterbäume verschrien und wurden in ihrer Heimat, dem Süntel, fast ausgerottet. Wenn ihre verdrehten und hängenden Äste den Boden berühren, bilden sie Wurzeln und es entstehen neue Stämme. Die mächtige Süntelbuche im Staudengrund ist mein Lieblingsbaum im Berggarten. Solange sie noch keine Blätter trägt, ist gut zu erkennen, was sie so einzigartig macht. Was aussieht wie ein kleiner Wald, ist ein einziger Baum. Im Sommer überdeckt seine Krone fast 1.000 Quadratmeter.

Wie sich Süntelbuchen ausbreiten, können BesucherInnen am Eingang des Staudengrunds in den nächsten Jahren beobachten. Dort stehen sich jetzt zwei rotblättrige Süntelbuchen gegenüber. Weil die ältere in den angrenzenden Fußweg hineinzuwachsen drohte, leitet ein Gerüst ihre Äste über den Weg. Auf der anderen Seite des Weges wurde eine neue Süntelbuche gepflanzt, die ihr entgegen und mit ihr zusammenwachsen soll. Ein Vierteljahrhundert wird es vermutlich dauern, bis ein sich selbst tragender Laubengang entstanden und das stützende Gerüst überflüssig ist. Ich bin gespannt.

HHG again: Staudengrund und Subtropenhof

Vorletzte Woche war ich zum ersten Mal seit drei Monaten wieder in den Herrenhäuser Gärten, Anfang der Woche dann zum zweiten Mal. Beim ersten Besuch habe ich mich auf den Subtropenhof beschränkt, weil ich den ganzen Tag in der Stadt unterwegs war und meinen Fuß nicht allzu sehr belasten wollte. Beim zweiten Besuch bin ich dann auch in den Staudengrund gegangen.

Subtropenhof und Staudengrund gehören meiner Meinung nach zu den schönsten Plätzen in den Herrenhäuser Gärten. Doch viele Besucherinnen kennen den Subtropenhof nicht. Dass er sich ganz am Rand des Berggartens hinter hohen Backsteinmauern versteckt, ist vielleicht nicht der einzige Grund.  Von Oktober bis April sind in dem etwa 300 Quadratmeter großen Hof keine Pflanzen, sondern „nur“ Garten- und Naturfotos zu sehen. Zwar sind die prämierten Fotos des Wettbewerbs „International Garden Photographer of the Year“ durchaus sehenswert, doch so mancher Pflanzenfreund, der echte Pflanzen erwartet, ist vielleicht enttäuscht – und kommt nicht wieder.

Erst Mitte Mai, wenn die Eisheiligen durchs Land gezogen sind und keine Nachtfröste mehr drohen, blüht der Subtropenhof auf. Denn obwohl die schützenden Mauern den Wind abhalten, die Wärme der Sonne speichern und für ein besonderes Kleinklima sorgen, dürfen die empfindlichen Kübelpflanzen erst dann aus ihren Winterquartieren nach draußen ziehen – und verwandeln den Hof in ein kleines (Sub)Tropenparadies.

Ich liebe es, zwischen den blühenden Pflanzen zu sitzen, zu lesen, zu schreiben oder einfach die Seele baumeln zu lassen. Der Clerodendrum ugandense direkt neben mir macht seinem deutschen Namen Schmetterlingslosbaum oder Blauflügelchen alle Ehre. Die Blüten sehen wirklich aus wie kleine blaue Schmetterlinge.

Die aus Uganda stammende Pflanze würde sicher auch gut auf unsere Terrasse passen. Aber ich habe mir vorgenommen, künftig nur noch heimische Pflanzen ins Haus und in den Garten zu holen. Außerdem befürchte ich, dass es den Blauflügelchen im Winter in unserem ungeheizten Wintergarten zu kalt wird. Denn sie brauchen im Winterquartier nicht nur viel Licht, sondern auch Temperaturen um die 10 Grad.

Die Blauflügelchen blühen den ganzen Sommer lang. Weit weniger ausdauernd sind die großen roten Blüten der Scadoxus multiflorus, auf Deutsch Blutblume oder Feuerball-Lilie. Sie haben mich beim ersten Besuch an die traditionellen Bollenhüte aus dem Schwarzwald erinnert, eine Woche später waren sie schon verblüht, Farbe und schönheit dahin. Aber an blühendem Ersatz mangelt es nicht – und an der Mauer entdecke ich sogar eine Verwandte der Zaunwinden, die mir in meinem Garten das Leben so schwermachen – vermutlich eine Prunk- oder Trichterwinde.

Ja, der Subtropenhof wäre im Sommer mein Lieblingsplatz, wenn, ja wenn nicht das Wasser fehlte. Ich liebe es, aufs Wasser zu schauen – natürlich am liebsten aufs Meer, auf einen See oder einen Fluss. Aber ein Teich oder ein Bach tut’s zur Not auch. Die gibt es im Staudengrund: ein künstlicher Bach durchfließt den etwa 20.000 Quadratmeter großen Gartenbereich und speist es mehrere kleine Teiche, an deren Ufer ich gerne sitze. Neben naturnahen Stauden, die dem Gartenbereich ihren Namen geben, stehen hier zahlreiche alte Bäume, darunter eine mehr als 200 Jahre alte Gurkenmagnolie und mein Lieblingsbaum in den Herrenhäuser Gärten, die Süntelbuche.

Ewas enttäuscht war ich von der Fortsetzung der Ausstellung „Gartenkunst aus Meisterhand“. Bei meinem ersten Besuch im März informierten Schautafeln zwischen Palmen, Zitrusbäumchen und anderen subtropischen Pflanzen über die Geschichte der Herrenhäuser Gärten im Allgemeinen und über die Orangeriekultur im Besonderen . Die Schautafeln sind geblieben, die Pflanzen sind nach draußen gezogen. Sie säumen beispielsweise den Schmuckhof oder stehen im Subtropenhof. Man kann eben nicht alles haben …