Auszeit im Berggarten

Der Berggarten in den Herrenhäuser Gärten überrascht mich jedes Mal aufs Neue. Er sieht bei (fast) jedem Besuch – und ich besuche ihn oft – anders aus als beim letzten Mal.

Zurzeit kann ich mich an den Pfingstrosen nicht sattsehen, die im Berggarten  in den verschiedensten Größen und Farben blühen: von Weiß über Gelb und Hellrosa bis zu einem tief dunklen Rot. Einige Sorten sind schon verblüht, bei anderen öffnen sich die Knospen gerade erst. Wenn die Blüten nah genug am Weg stehen, stecke ich meine Nase hinein. Denn noch mehr als das Aussehen liebe ich den Duft der Pfingstrosen.

Als bekennender Wasserfan ziehen mich natürlich die verschiedenen Teiche und Wasserbecken magisch an. Mindestens ein Dutzend gibt es im Berggarten: Geometrisch geformte im Stein-, Iris- und Pergolagarten, denen man ansieht, dass sie von Menschenhand geschaffen wurden …

… und andere, die aussehen wie natürliche Teiche. Der Moorweiher zum Beispiel, die Teiche und der Bachlauf im Staudengrund.

Der Staudengrund verdankt seinen Namen den zahlreichen Wildstauden, die hier wachsen. Außerdem gibt es in diesem Gartenbereich viele alte Bäume, darunter eine  mehr als 200 Jahre alte Gurkenmagnolie, die älteste in Deutschland, und mein Lieblingsbaum, die Süntelbuche.

Wann immer ich Zeit habe und das Wetter mitspielt, lege ich an einem der Teiche eine Pause ein: Ich lese, schreibe, genieße den Garten, die Ruhe und den Tag.

 

Vorfrühling in den Herrenhäuser Gärten

Die Sturmtiefs mit Orkanböen, die in den letzten Tagen übers Land gebraust sind,  haben natürlich auch vor den Herrenhäuser Gärten nicht Halt gemacht. Der Berggarten und der Große Garten waren von Donnerstag bis Montag geschlossen, weil der Aufenthalt dort zu gefährlich war. Nur der Georgengarten, ein öffentlicher Park, konnte auf eigene Gefahr betreten werden.  Ich war vor den Stürmen dort, bei gutem Wetter – zum ersten Mal in diesem Jahr.

Leider wegen Corona geschlossen: die Schauhäuser

Ein Besuch im Berggarten zu jeder Jahreszeit, auch wenn die Schauhäuser leider seit Dezember  wegen Corona  gesperrt sind. Draußen wagen sich erst wenige Arten hervor, doch die legen sich mächtig ins Zeug: Schneeglöckchen, Winterlinge und Krokusse blühen überall und bilden teilweise weiße, gelbe und lila Blütenteppiche. Willkommene Abwechslung im sonst eher noch tristen Wintergrau und -braun.

Im Staudengrund fließt noch kein Wasser; der kleine Bachlauf wird erst in den nächsten Wochen geflutet. Ich liebe es, am plätschernden Bach entlang zu schlendern oder mich an einen der kleinen Teiche zu setzen, zu lesen, zu schreiben oder einfach nur die Ruhe zu genießen.  Noch sind die Ufer kahl, doch schon bald werden hier Wildstauden blühen.

Im Staudengrund steht auch mein Lieblingsbaum, die mächtige Süntelbuche Buche (Fagus sylvatica ‚Tortuosa‘). Was aussieht wie ein kleines Gehölz ist ein einziger Baum. Der Hauptstamm wurde 1880 gepflanzt; durch Absenker sind neue Stämme entstanden. Sie bilden im Sommer eine mehr als 750 Quadratmeter große dichte Krone. Der Weg auf der anderen Seite wird dann zu einem grünen Tunnel.

Die Süntelbuche im Berggarten ist eine der größten Süntelbuchen Niedersachsens; eine ganze Süntelbuchenallee gibt es im Kurpark von Bad Nenndorf. Dem Süntel, einem zum Weserbergland gehörenden Höhenzug zwischen der Kurstadt und Hameln, verdankt der zur Familie der Rotbuchen gehörende Baum seinen Namen. Dort wuchs früher der größte Süntelbuchenwald Europas.

Doch anders als ihre Verwandten wachsen Süntelbuchen nicht brav in die Höhe, sondern in die Breite. Ihre Stämme sind nicht gerade, sondern kurz und verdreht, die Äste miteinander verwachsen.  Deshalb galten sie  als verwunschen, vom Teufel oder von Hexen verdorben. Und weil sie sich weder gut zur Möbelfertigung noch als Brennholz eignen, wurde letzte Süntelbuchenwald vor mehr als hundert Jahren gerodet, das Hexen- oder Teufelsholz wurde verbrannt.

Bei Instagram werde ich jeden Monat ein Foto von „meiner“ Süntelbuche posten, wer mag, findet die Fotos unter chaosgaertnerinnen oder unter #12telblick2022.

Wieder geöffnet

Seit letzter Woche sind die Herrenhäuser Gärten wieder geöffnet und natürlich habe ich sie besucht, als ich einen Termin in Hannover hatte. Der Besucherandrang hielt sich in Grenzen. Kein Wochenende, keine Schlangen am Eingang.

Wie immer zieht es mich in den Berggarten. Der Große Garten kann warten – vor allem, weil die  von Niki de Saint Phalle entworfene Blaue Grotte noch geschlossen ist. Auch die Schauhäuser im Berggarten sind zurzeit gesperrt. Doch das verschmerze ich leicht, die Wiedersehensfreude ist größer. Nach Wochen des „Entzugs“ gefällt mir sogar der Schmuckhof, an dem ich sonst eher achtlos vorübergehe. Noch blühen Tulpen, Narzissen, Kaiserkronen, Anemonen und Hyazinthen und Goldlack – überwiegend  gelb-orange

Obwohl ich seit Jahren Stammgast in den Herrenhäuser Gärten bin, entdecke ich immer wieder etwas neu – dieses Mal sind es die Pfingstrosen. Laut Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Pfingstrosen gehören 32 Arten zur Gattung der Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae). Ich bin sicher, dass im Berggarten (fast) alle wachsen – große und kleine, Stauden, Halbsträucher und Sträucher in verschiedenen Farben von Weiß über Gelb, Bonbonrosa und grellem Pink bis zu dunklem Lila.  Einige tragen noch Knospen, andere sind schon verblüht.

Natürlich stecke ich als bekennender Duftfreak meine Nase in manche Blüte  hinein. Und einmal mehr bereue ich es, dass ich die  Pfingstrosenstaude aus dem Garten meines Elternhauses nicht in meinen eigenen Garten umgesiedelt habe. So intensiv wie die Blüten zu Hause duftet hier keine. Aber vielleicht täuscht mich da auch die Erinnerung.

Im Moorweiher hatte wohl ein Schwan in der besucherlosen Zeit sein Nest direkt am Ufer gebaut – kaum einen Meter vom Weg entfernt. Jetzt hat er es verlassen und drei Eier zurückgelassen. Vielleicht fühlte er sich von den Besuchern gestört, die nach der Öffnung die Gärten wieder erobern.

Im Staudengrund hat die Natur ganze Arbeit geleistet: Die Pflanzen am Ufer haben den schmalen  Bachlauf fast überwuchert. Dass hier kein natürlicher, sondern ein künstlicher Bach fließt, merkt man nicht. Und wie so oft habe ich das Gefühl, irgendwo in der Natur zu sein.

Im Staudengrund

Übrigens: Wer einen Blick in den Großen Garten werfen möchte, kann dies auf der Website https://grossstadtgespraech.de tun. Olaf Groß war dabei, als die Goldenen Figuren mit dem Kran ins Gartentheater zurückkehrten. Das soll wieder in seinen ursprünglichen Zustand  versetzt werden (https://grossstadtgespraech.de/2020/05/07/herrenhausen-goldene-figuren-schweben-ins-gartentheater/).

Ab 15. Mai ist das historische Gartentheater wieder für Besucher geöffnet geöffnet. Ein guter Grund für mich, auch den Großen Garten wieder einmal zu besuchen.

Im Berggarten

Die Gartensaison hat angefangen – wie auch in den vergangenen Jahren mit einem Besuch in den Herrenhäuser Gärten. Zur Entspannung und Inspiration, dann kann’s im eigenen Garten weitergehen. Der  Berggarten gehört zu meinen Lieblingsorten in Hannover: Er ist, wie ich mir meinen Garten wünsche – und wie er nie sein wird. Bei jedem Besuch sieht es dort anders aus – und immer ganz natürlich, so, als würden die Pflanzen ganz von alleine gerade an dieser Stelle so wachsen, wie sie wollen. Dass das nicht stimmt, weiß jeder, der seinen Garten im Sommer nur ein paar Tage sich selbst überlässt. Hinter dem Naturgarten steckt  sehr, sehr viel Arbeit.

Im Subtropenhof, im Sommer einer meiner Lieblingsorte, ist natürlich noch nichts zu sehen, die Pflanzen sind noch im Winterlager. Und auch im Tropenhaus ist‘s noch recht überschaubar. Vor der Umgestaltung war es dort ziemlich grün und wild, jetzt ist nix mehr mit Tropischem-Regenwald-Feeling. Natürlich, selbst Tropenpflanzen brauchen ihre Zeit. Und außerdem sind die Orchideen vorübergehend ins Tropenhaus umgezogen, denn zurzeit wird das Orchideenhaus renoviert. Für eine der größten Orchideensammlungen der Welt müssen Bananenstauden und Co schon mal weichen. Und die Schildkröten, die früher im Bassin meist faul auf irgendwelchen Steinen lagen, sind im benachbarten Sealife wahrscheinlich ohnehin besser aufgehoben.

Becken im Tropenhaus DSC_0321
Noch überschaubar: das Tropenhaus

Eigentlich mag ich Orchideen nicht, zumindest wenn sie als einsamer Stengel aus einem Blumentopf ragen. Nie würde ich sie mir auf meine Fensterbank stellen – und wenn, würden sie meine Pflege wahrscheinlich nicht lange überleben. Aber der Duft im Tropenhaus ist, mir fällt kein anderes Wort ein, einfach betörend. Und irgendwie sind sie schon faszinierend, eine  sieht beispielsweise  aus wie eine kleine Horrorqueen.

Horrorqueen DSC_0325
Kleine Horrorqueen

Draußen ist es noch ziemlich kahl: Immerhin  blühen hier neben Schneeglöckchen, Märzbechern,  Krokussen, Narzissen und diversen Nieswurzen – Christ, Schnee- oder Lenzrosen genannt – auch schon die Tulpen, die in unserem Garten zu Hause noch gar nicht dran denken. Wahrscheinlich sollte ich doch meine Haltung zu Tulpen mal überdenken und einige frühe und farblich besonders schöne Sorten pflanzen.

Das Wasserbecken im Pergolagarten ist noch abgedeckt, für Wasserhyazinthen, die in ein paar Wochen wachsen, ist es einfach noch zu früh, ebenso wie für die Kletterpflanzen an den Wänden der Pergola. Und auch der Moorweiher präsentiert sich im Moment weniger als Weiher denn als ziemlich übel riechende Schlammwüste. Das erinnert mich daran, dass ich meine Miniteiche unbedingt reinigen, Laub- und Pflanzenreste entfernen muss.

Moorweiher DSC_0342
Noch mehr Moor als Weiher. Doch bald ist es wieder ein Paradies für Frösche.

Auf der Wiese neben dem Mausoleum blühen Narzissen und Krokusse, die Scilla trauen sich noch nicht so recht hervor. Immerhin fließt im Staudengrund schon Wasser. Noch sind die Ufer kahl, aber schon bald wird das künstliche Bächlein unter den Pflanzen fast verschwinden.

Mausoleum DSC_0344
Frühlingsboten

Und dann die Linden: Eigentlich sollten die fast 300 Jahr alten Bäume zwischen Schloss und Mausoleum abgeholzt werden, weil sie wegen Pilzbefall und Holzfäule umzustürzen drohten. Doch der bedrohte Juchtenkäfer hat sich in den Bäumen eingenistet – und ihnen das Leben gerettet. Lange wurde diskutiert, was geschehen soll. Jetzt bekommt jede einzelne Linde in der vierreihigen Allee einen oder gar zwei  Stützpfeiler. Das sieht zwar ziemlich seltsam aus, zumindest solange die Bäume noch kahl sind. Aber wenn die Linden weichen müssten, würde sicher was fehlen. Denn bis die neuen Bäumchen wieder zu staatlichen Bäumen herangewachsen wären, würden einige Jahrzehnte vergehen.

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Rettet die Linden: Alte Bäume mit neuen Stützen.