Der Berggarten im Mai

Sie sind wieder da! Mitte Mai musste ich im Subtropenhof noch mit Pflanzenbildern vorlieb nehmen. Doch am Freitag vor Pfingsten waren die meisten Pflanzen wieder aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt: Bis zu exotische 100 Pflanzen verbringen die Sommermonate hinter den hohen Backsteinmauern, die die Wärme der Sonne speichern und den Wind abhalten. So entsteht ein Kleinklima, in dem sich die empfindlichen wärmeliebenden Pflanzen wohlfühlen. Erst im Oktober, wenn die Tage und vor allem die Nächte kälter werden, kehren sie wieder in die Gewächshäuser der Herrenhäuser Gärten zurück.

Der Subtropenhof gehört zu meinen Lieblingsplätzenin den Herrenhäuser Gärten – ich genieße es immer wieder, dort zu sitzen und umgeben von bunten Blüten und viel Grün zu lesen, zu schreiben oder einfach vor mich hin zu träumen.

Von Iris, Pfingstrosen …

Der Irisgarten hinter den Schauhäusern hat sich seit meinem letzten Besuch in ein buntes Paradies verwandelt: Dort blühen laut Website der Herrenhäuser Gärten mehr als 300 Bart-Iris-Sorten in allen Größen und Farben.

Während die niedrigen Bart-Iris oder Zwerg-Schwertlilien nur etwa 15 bis 30 cm hoch sind, werden die Mittelhohen Bart-Iris zwischen 40 und 70 cm, die Hohen Bart-Iris sogar mehr als 70 cm groß. Das Farbspektrum reicht von Weiß über Gelb und Hell-lila bis zu Dunkel Violett und fast Schwarz.

Ich liebe Pfingstrosen – und so führt für mich von April bis Juni kein Weg am Präriegarten vorbei. Dort wachsen allein mehr als 40 verschiedene Strauchpfingstrosen und mindestens doppelt so viele Stauden-Pfingstrosen in den verschiedensten Farben und verschiedensten Blühstadien. Manche Pflanzen sind schon verblüht, an anderen haben sich die Knospen noch gar nicht geöffnet. Auch bei meinen nächsten Besuchen im Berggarten kann ich mich also noch an den Päonien erfreuen.

… und besonderen Bäumen

Die Tulpenzeit ist dagegen vorbei – nur die Blüten des Tulpenbaums im Staudengrund lassen noch auf sich warten. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis sich die Knospen öffnen und die weiß-gelben Blüten zum Vorschein kommen. Die ähneln zwar Tulpen, haben aber mit richtigen Tulpen botanisch nichts gemein. Tulpenbäume (Liriodendron tulipifera) gehören nämlich zur Familie der Magnoliengewächse (Magnoliaceae), weiß Wikipedia.

Am Eingang des Staudengrunds wachsen zwei rotblättrige Süntelbuchen aufeinander zu. Die eine ist schon mehr als vierzig Jahre alt, die andere wurde erst kürzlich gepflanzt. Bis sie einen Laubengang über den Fußweg bilden, werden die Äste von einem Gerüst gestützt. Die Konstruktion wird dem Wachstum des Baums angepasst, erweitert und Stück für Stück entfernt, wenn die Äste stark genug sind und ohne Stütze auskommen.

Vorbild ist der Laubengang am Ausgang des Staudengrunds. Dort ranken die Äste der um 1880 gepflanzten Süntelbuche an einem massiven Stahlgerüst über den Weg und bilden eine über 30 Meter lange Pergola, die „zu den meist fotografierten Attraktionen des Berggartens“ zählt.

Rosen, Pfingstrosen und Orchideen

Ich habe seit Jahren eine Dauerkarte für die Herrenhäuser Gärten und ich nutze sie viel. Manchmal gehe ich einfach nur kurz in den Berggarten, wenn ich eigentlich aus einem anderen Grund in Hannover bin. Und immer wieder entdecke ich bei meinen Besuchen unbekannte Pflanzen. So zum Beispiel den Tulpenbaum im Staudengrund. An ihm bin ich wohl unzählige Mal achtlos vorbeigegangen, obwohl er wegen seiner Größe und der ungewöhnlichen Blüten kaum zu übersehen ist.

Am vergangenen Freitag führte mein erster Weg ins Orchideenschauhaus. Das hatten wir vor sechs Jahren, am 94. Geburtstag meiner Mutter, gemeinsam mit ihr besucht. In diesem Jahr wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Meine Mutter hat Orchideen geliebt – und war von der Blütenpracht begeistert. Kein Wunder: Die Orchideensammlung im Berggarten gilt als eine der bedeutendsten Europas. Im Orchideenhaus werden ständig zwischen 500 und 800 Orchideen gezeigt, und zwar zwischen anderen tropischen Sträuchern und Bäumen, also quasi in ihrer „natürlichen“ Umgebung.

Auch die Pfingstrosen hätten meiner Mutter sicher gefallen. Im Präriegarten und im Staudengrund blühen zurzeit ganz verschieden Arten in den unterschiedlichsten Farben – von Weiß über Gelb, Rosa, Rot und Pink bis fast Schwarz. Als meine Mutter noch an der Mosel lebte, wuchs in ihrem Vorgarten ein riesiger Pfingstrosenstrauch, dessen Blüten herrlich dufteten. Noch heute bedaure ich, dass ich ihn nicht ausgegraben und in unserem Garten eingepflanzt habe, als wir das Haus verkauften. Meine eigenen Pfingstrosen duften wie so viele Neuzüchtungen leider nicht – und so muss ich mich damit begnügen, beim Gang durch die Herrenhäuser Gärten meine Nase in fremde Blüten zu stecken.

Pfingstrosen sind, auch das habe ich beim Schreiben der Blogbeiträge gelernt, trotz ihres Namens botanisch keine Rosen, sondern bilden eine eigene Pflanzenfamilie – die Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae). Richtige Rosen (Rosa) wachsen im Niederdeutschen Rosengarten. Er ist Teil des Großen Gartens und laut Website „die Nachbildung eines der bereits im 16. Jahrhundert hoch geschätzten ‚Liebesgärten‘“ (https://www.hannover.de/Herrenhausen/Herrenhäuser-Gärten/Großer-Garten/Der-Niederdeutsche-Rosengarten). Insgesamt etwa 650 Rosen sollen in den quadratischen und runden Beeten wachsen, darunter auch die Herrenhäuser Sorten „Kurfürstin Sophie“ und „King George“.

An den wunderschönen privaten Rosengarten von Silke Rex, die im Juni wieder ihre Gartenpforte öffnet, reicht der Rosengarten in Herrenhausen meiner Meinung nach zwar nicht heran. In einem der vier Pavillons sitzend, habe ich mich aber trotzdem ein bisschen wie Dornröschen gefühlt.

Viel Zeit zu träumen oder gar zu schlafen hatte ich indes nicht. Denn eigentlich war ich ja aus einem anderen Grund in Hannover: Ich wollte zur Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde. Dort halten die Omas gegen rechts jeden Freitag während des Schabbat-Gottesdienstes eine Solidaritätswache.