Vogelhaus mit Zwischenmietern

Ich kenne mich mit Vögeln nicht besonders gut aus. Die Vogelexpertin in der Familie ist seit jeher meine Tochter, die sich, warum auch immer, schon als Kind für Vögel interessierte. Nie werde ich eine Szene im Vogelpark Walsrode vergessen: Als wir uns den Volieren mit den Fasanen näherten, rief Foe, damals gerade fünf oder sechs Jahre, ganz begeistert: „Guck mal, Mama. Ein Lady Amherst Fasan.“ Der Mann, der neben uns ging, schaute sie erstaunt an, und seine Augen wurden noch größer, als er vor der Voliere stand und auf dem Schild wirklich den Namen Lady Amherst Fasan las.

Inzwischen ist Foe eine begeisterte Vogelfotografin: Auf ihrer Website sind Fotos von über 150 Arten, die sie in den vergangenen Jahren fotografiert hat. Wenn wir gemeinsam wandern, zeigt sie mir oft Vögel, die ich gar nicht kannte und die ich ohne sie sicher nicht entdeckt hätte: Baumläufer zum Beispiel oder Tannenmeisen. Um Vögel zu beobachten und zu fotografieren, harrt Foe oft stundenlang bei Wind und Wetter an einer Stelle aus.

Diese Geduld und Ausdauer würde ich nie aufbringen. Aber ich sitze gerne bei uns in der warmen Küche und beobachte durch das (geschlossene) Fenster die Vögel an ihrem Futterplatz. Den hat mein Mann provisorisch an unserm Holzschuppen angebracht, nachdem das alte Vogelhaus vor Jahren baufällig war.

Die Kohlmeisen sind die häufigsten Gäste.

Vor allem Kohlmeisen nutzen die Futterstelle gerne, aber auch Rotkehlchen, Blaumeisen, ein Buchfink und zwei mir unbekannte Vögel habe ich in den vergangenen Tagen gesehen. Welche es waren, konnte meine Tochter leider auf den verwackelten Handyfotos nicht erkennen. Vogelfotografie ist eben eine Kunst für sich.

Die Vögel stört das Futter-Provisorium nicht, trotzdem habe wir ihnen zu Weihnachten ein neues Vogelhaus spendiert. Das wird zurzeit allerdings noch von einem jungen Paar mit Baby genutzt. Ihre Behausung, ein schon altersschwacher Stall, hat den Umzug von der Mosel nach Norddeutschland nicht überstanden. Eine neue Wohnung fand die kleine Familie nicht und auch in den Herbergen, an deren Türen sie klopften, war leider kein Platz. Deshalb hat sie das Angebot, vorübergehend in das Vogelhaus einzuziehen, angenommen, obwohl das Haus weder Wände noch einen Aufzug hat.

Lange werden die drei sicher nicht bleiben. Und wenn sie in den nächsten Tagen weiterziehen, werden wir das Vogelhaus seiner wahren Bestimmung und den gefiederten Nutzern übergeben.

Neues Vogelrestaurant eröffnet

Ich habe es verpeilt: Obwohl Schneefall und Schneegestöber angekündigt waren, habe ich vergessen, Vogelfutter zu besorgen. Die Meisenstangen, die ich wir noch aus dem vorletzten Jahr hatten, waren abgelaufen – und im Internet kursieren verschiedene Vorstellungen, ob man sie noch verfüttern darf. Ja, schreiben die einen, wenn sie noch nicht ranzig riechen, besser nicht, meinen die anderen.

Also habe ich den Vögeln in unserem Garten heute Morgen fürs Erste eine  Körnermischung aus unserem eigenen Müslivorrat serviert: Fünf-Korn-Flocken, Leinsaat, verschiedene Nüsse und Cranberrys – Letztere in Ermangelung an Rosinen, die ja angeblich einigen Vogelarten gut schmecken. Ich mag weder Rosinen noch Cranberrys. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Den neuen Futterplatz haben unsere gefiederten Mitbewohner schnell entdeckt. Kein Wunder, er steht – nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt – direkt neben einem alten Baum auf dem Nachbargrundstück, in dem mehrere Vogelfamilien wohnen. Ein verrottender Baumstamm schützt das Futter ein bisschen gegen den verwehenden Schnee.

Das Vogelhaus, das wir mal hatten, ist leider verschwunden – und wegen des Lockdowns können wir im Ort leider auch keins besorgen. Deshalb hat mein Mann kurzentschlossen – selbst ist der Heimwerker – einen zweiten Futterplatz an unserem Holzschober angebracht.

Dessen Dach ist – wenn nicht gerade der Wind den Schnee durch unseren Garten – ein sehr beliebter Vogeltreffpunkt. Jetzt können die Vögel unterm Dach geschützt dinieren – und wir können ihnen von unserem Essplatz in der Küche beim Essen zusehen.

Mein Mann hat seine Kamera am Fenster aufgebaut und steuert die Aufnahmen über sein Notebook. So stören wir Meisen und Co nicht.

Sobald die Geschäfte morgen öffnen ziehe ich los und kaufe frische Meisenstangen – und natürlich stocke ich unseren Vorrat an Hafer- und anderen Flocken, Körnern und Nüssen auf. Denn die schmecken ja offenbar nicht nur uns, sondern offenbar auch unseren Vögeln.