Zeit zum Schreiben auf Sylt

Es gibt Orte, die ich schon lange einmal besuchen wollte. Klappholtal auf Sylt zählte dazu. Einige Bekannte hatten mir vor Jahren von der Akademie am Meer und von der besonderen Atmosphäre vorgeschwärmt und mich gewarnt. „Entweder man ist begeistert oder man sagt ’nie wieder‘.“

Seither hatte ich mir das Akademie-Programm immer wieder angesehen – aber mal waren die Kurse ausgebucht, wenn ich mich endlich entschieden hatte, mal musste ich arbeiten oder hatte andere Termine. Aber die Herbstakademie der Bücherfrauen war genau das, was ich brauchte: „Endlich Meer! Zeit zum Schreiben auf Sylt“. Ich wollte endlich mit einem Projekt weiterkommen, an dem ich schon lange arbeite, ich kannte die Seminarleiterinnen Henriette Dyckerhoff und Dr. Elisabeth Drimalla und war gespannt auf ihren Input und ihre Schreibimpulse.

Auch der Temin Mitte November passte – fast: Zwar fiel in diese Zeit gerade die Schlusskorrektur einer Zeitschrift. Doch der Großteil der Arbeit war schon erledigt, als ich losfuhr; die restlichen Seiten wollte ich, so der Plan, zwischendurch korrigieren. Und im Notfall würde meine Kollegin Foe für mich einspringen. Aber wie sagte schon Blaise Pascal, der französische Mathematiker, Physiker, Erfinder und Philosoph im 17. Jahrhundert: „Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne.“ Er hatte recht.

Aus dem Netz gefallen

Dass „zwischendurch korrigieren“ nicht so einfach sein würde, wurde mir klar, als ich mein Zimmer bezog: Denn in der Schwalbenhalle“ funktionierten weder die mobilen Daten noch der Hotspot meines Smartphones, mit denen ich mich ins World wide web einlogge, wenn ich unterwegs bin.

Auch über das WLAN der Akademie kam ich nicht immer und nicht überall ins Netz – und es war zudem leider ungesichert. Ich nutzte die Verbindung notgedrungen trotzdem – darauf vertrauend, dass der VPN-Schutz meines Antivirenprogramms meine IP-Daten verschlüsselte und mich sicher im Netz surfen und Anrufe übers Internet empfangen ließ. Von meinem Smartphone waren nämlich nur Notrufe möglich und Anrufe empfangen konnte ich über meine Mobilnummer nur, wenn ich am Meer spazieren ging.

Akademie am Meer

Das Meer, natürlich. Es ist ein, nein das Highlight in Klappholtal. Die Akademie liegt wirklich ganz nah am Wasser, nur durch ein paar Stufen und einen Holzsteg vom breiten und jetzt im November fast menschenleeren Sandstrand getrennt.

Heute würde eine solche Anlage in den Dünen sicher nicht mehr genehmigt. Aber als vor über hundert Jahren die ersten Gebäude entstanden, waren Umweltschutz und Zersiedelung der Landschaft noch keine wichtigen Themen. Außerdem heiligte der Zweck die Mittel. Denn wo heute Seminare und Workshops stattfinden, ging es damals um die Landesverteidigung: Während des Ersten Weltkriegs errichtete die Kriegsmarine in den Dünen das Lager Klappholttal, das den Soldaten der Inselwache als Quartier diente (https://de.wikipedia.org/wiki/Klappholttal). Nach dem Krieg funktionierte der Hamburger Arzt Knud Ahlborn die leerstehenden Gebäude zu einer Begegnungs-, Bildungs- und Erholungsstätte für Jugendbewegte, Kriegsheimkehrer und „Wandervögel“ um: Natur und Kultur sollten zur seelischen und körperlichen Genesung der Menschen beitragen (https://akademie-am-meer.de/ueber-uns/klappholttal.php).

Das Konzept überzeugte. „Bereits in der ersten Saison 1920 kamen rund 800 Gäste nach Klappholttal und fanden hier in provisorischen und äußerst spartanisch eingerichteten Quartieren Erholung am Meer, künstlerisches Erleben und ungezwungenes Zusammensein“, ist auf der Website der Akademie am Meer zu lesen. Heute ist sie mit ca. 400 Seminaren, fast 7.000 TeilnehmerInnen, mehr als 40.000 Übernachtungen pro Jahr und über 80 Einzelgebäuden „eine bedeutende Einrichtung der Erwachsenenbildung in Norddeutschland“.

Gemeinsam schreiben …

„Einfach leben und lernen. Weit ab von Alltagsstress und Leistungsdruck. Abseits von festgetretenen Pfaden“ – das ist in Klappholtalauch heute noch Programm. Und es ist schon eine besondere Klientel, die sich zu den Seminaren anmeldet. Wer Luxus und Ablenkung braucht, ist hier nicht richtig. Die vornehm aussehenden Damen in Highheels und Bleistiftröcken, die eine Seminarteilnehmerin bei der Anreise auf dem Bahnhof Westerland beobachtet hatte, tauchten jedenfalls in unserem Seminar nicht auf, wohl aber die beiden jungen Frauen mit Rucksäcken.

Anders als die Telefon- und Internetverbindungen funktionierte die Verbindung zwischen den Seminarteilnehmerinnen auf Anhieb – die Chemie zwischen uns stimmte. Das gemeinsame Interesse an Büchern und am Schreiben war eine gute Basis. Und wie sie ihre Muse verführen können, was zu tun ist, wenn es hakt, wie frau sich motivieren und den inneren Kritiker zwar nicht zum Schweigen bringen, aber doch zumindest besänftigen kann, beschäftigt viele schreibende Frauen – unabhängig von Alter, Beruf, Schreiberfahrung und aktuellen Schreibprojekten.

Es gab zwar einen Zeitplan, gemeinsame Sitzungen und Schreibanregungen zu verschiedenen Themen, aber die Angebote waren nicht verbindlich. Wer lieber etwas anderes oder an einem anderen Ort schreiben oder (am Meer) spazieren wollte, tat das. So habe ich die freie Schreibzeit oft damit verbracht, an dem Projekt zu arbeiten, das mich schon so lange beschäftigt (siehe oben).

Dass es in der Akademie keine wirklich geeigneten Räume gab, in die wir uns zu zweit, zu dritt oder zu viert zum Schreiben zurückziehen konnten, war ein Wermutstropfen. Denn ich schreibe gerne gemeinsam mit anderen: Die besondere Atmosphäre, die dabei entsteht, inspiriert mich und motiviert mich auch dann weiterzuschreiben, wenn ich – alleine am Schreibtisch sitzend – längst aufhören würde. Um sich draußen zum schreiben zu treffen, war es leider zu kalt und zu stürmisch. Und so trafen sich manche in der freien Schreibzeit zum Schreiben im großen Seminarsaal. Der wurde seinem Namen Turnhalle wirklich gerecht: Er war zwar dank großer Fenster zwar hell und freundlich, aber nicht wirklich gemütlich – als Schreibraum also eher suboptimal.

Gemeinsam schreiben in der Turnhalle (Foto: Elisabeth Drimalla)

… und (vor)lesen

Dass wir alle aus eigenen Texten vorlesen sollte, wurde mir erst klar, als ich schon längst angemeldet war. Aus meinen Texten zu lesen, bevor sie wirklich fertig sind, fällt mir schwer. Ich bin nämlich nur selten mit dem, was ich schreibe, zufrieden. Und mein innerer Kritiker erzählt mir ständig, dass das, was ich schreibe, ohnehin niemanden interessiert und dass ich es besser niemandem zeigen oder gar löschen sollte.

Aber da alle anderen Teilnehmerinnen bei den Lesungen mitmachten, wollte ich mich nicht drücken. Und so habe ich am zweiten Abend den Anfang der Geschichte, die irgendwann mal ein Roman werden soll, vorgelesen.

Ich solle mir einen Gegenstand besorgen und ihn als meine inneren Kritiker gelegentlich gegen die Wand werfen, riet mir eine Teilnehmerin nach der Lesung. Das habe ich getan: Der kleine Teufel bekommt neben der Hexe am Computer einen festen Platz auf meinem Schreibtisch. Wahrscheinlich wundert sich der arme Kerl, wenn er künftig gelegentlich durch die Luft fliegt. Denn ein so rüdes Verhalten ist er von mir nicht gewöhnt.

Fazit

Es waren gute Tage auf Sylt – mit viel Input, inspirierenden Schreibimpulsen, spannenden Texten, interessanten Gesprächen und Begegnungen mit tollen Frauen. Hoffentlich bleiben wir in Verbindung.

Und dann war da natürlich das Meer, an dem ich jeden Tag entlang gegangen bin und in dem sogar gebadet habe. Einmal nur und auch nur kurz, weil es im November eben doch schon recht kühl und die Wellen für mich zu hoch und zu wild waren.

Ob ich wieder nach Klappholtal fahren werde: Wahrscheinlich. Vielleicht eher zu einem Seminar, das vorwiegend im Freien stattfindet: Zeichnen beispielsweise – neudeutsch Urban oder Nature Sketching – oder Tai Chi am Strand. Und sicher werde ich beim nächsten Mal darauf achten, dass ich keine (beruflichen) Verpflichtungen haben, die stabile Internetverbindungen erfordern. Dann kann ich die Auszeit weit ab von Alltagsstress und Internet nämlich ohne Druck genießen.

Ortswechsel

Sie sind wieder drin. Die Sommerfrische dauerte in diesem Jahr für unsere Zimmerpflanzen ungewöhnlich lange. Wir haben sie schon vor den Eisheiligen auf die Terrasse und erst in der vergangenen Woche wieder in ihr Winterlager gebracht. Im Wintergarten überwintern sie kühl, aber frostfrei. Und an schönen Tagen wird es manchmal sogar so warm, dass selbst ich, bekennende Frostbeule, mich hinter das schützende Glas setze, die Sonne und den Blick in den Garten genieße.

Der Sommerurlaub draußen tut den meisten Zimmerpflanze gut: An unserem Olivenbäumchen ist eine Olive, am Zitrusbäumchen eine stattliche Zitrone herangereift. Die beiden Osterkakteen, die trotz ihres Namens alle Jahre um Weihnachten blühen, haben schon erste Knospen. Wahrscheinlich können wir wieder pünktlich zum Fest ihre Blütenpracht bewundern. Die beiden scheinen wie ihre zu Ostern blühende Schwester unverwüstlich: Sie sind schon alt, wir haben sie vor fast 40 Jahren von meiner Schwiegermutter geerbt.

Die beiden Weihnachtssterne sind dagegen gerade erst bei uns eingezogen, weil ihre roten Hochblätter so gut zur Vorweihnachtszeit passen, können wir meist nicht widerstehen. Ob sie aber bis zum Fest durchhalten, bezweifle ich: Die meisten überleben meine Pflege leider nicht lange. Dabei ist ihr Standort so, wie es aus den Tropen stammende Pflanzen mögen – hell und warm. Dagegen sind die Gaultherias winterhart und trotzen sogar Minusgraden. Aber sie vertragen angeblich auch den Aufenthalt in beheizten Räumen. Doch wenn es ihnen im Wohnzimmer zu warm wird, versetze ich sie zuerst in den Wintergarten und pflanze sie später, wenn sie sich wieder an kühlere Temperaturen gewöhnt haben, in den Garten. Dort leben sie hoffentlich noch lange und bringen mit ihren grünen Blättern und den roten (Schein)Beeren etwas Farbe ins winterliche Gartengrau bringen.

Manche Zimmerpflanzen vertragen die Sonne nicht und müssen deshalb immer im Haus bleiben. Doch auch sie sind (meist) gut über den Sommer gekommen. Vor allem die Philodendren – drei an der Zahl – und die Monstera gedeihen prächtig, seit sie nicht mehr direkt am Fenster stehen. Die Ranken der Monstera winden sich um das Treppengeländer, werden zum allmählich grünen Vorhang und erobern auch das Sofa auf der Empore.

Nur die Orchidee, die ich von meiner Mutter übernommen habe, schwächelt seit einiger Zeit. In den vergangenen Jahren hat sie immer Ende November, pünktlich zum Geburtstag meines Vaters, geblüht. Doch in diesem Jahr sind weder Blüten noch Knospen zu sehen. Vielleicht missfällt ihr ihr Standort.

Weil Fensterplätze an der Ost- oder Westseite für Orchideen optimal sein sollen und die Pflanzen hohe Luftfeuchtigkeit mögen, ist sie jetzt ins Badezimmer umgezogen. Dort bekommt sie Sonnenlicht, aber nicht zu viel. Und immer, wenn ich bade, tue ich jetzt nicht nur etwas mein, sondern auch für ihr Wohlbefinden. Außerdem habe ich ihr eine Portion Orchideenerde spendiert und harre der Blüten, die hoffentlich bald wieder kommen werden.

Von Skorpionmenschen und einer Skorpiongöttin

Im November 2020 habe ich schon einmal einen Blogbeitrag über Skorpione veröffentlicht. Nein, nicht über die Spinnentiere, sondern über Menschen, die im Sternzeichen Skorpion, also zwischen dem 25. Oktober und dem 22. November geboren sind (https://timetoflyblog.com/scorpions). Damals war gerade Joe Biden zum neuen US-Präsidenten gewählt worden – übrigens auch ein Skorpion – und ich dachte, dass leidige Kapitel Trump sei ein für allemal abgeschlossen. Aber ich habe mich geirrt, jetzt stehen uns vier weitere Trump-Jahre bevor – schlimmer geht‘s offenbar immer. Doch das ist ein anderes Thema.

Die Liste der Skorpionmenschen, die ich schätze, ist seit dem Post vor vier Jahren noch länger geworden. Dass es in der Mythologie schon seit alters her Skorpionmenschen gibt, wurde mir allerdings erst durch einen Blogbeitrag von Frau Graugans alias Margarete Helminger bewusst.

„In Geschichten aus uralten Zeiten wurde mir einst von den ‚Skorpionmenschen‘ erzählt“, schrieb sie am 6. November im Beitrag „Das Wispern der Dinge“ (https://www.graugans.org/67-das-wispern-der-dinge/). „Bevor die Menschen nach ihrem Tod vom Fährmann … in älterer Zeit von den Fährfrauen … über den Styx hinüber ins Totenreich gerudert wurden, waren sie in Begleitung der Skorpionmenschen. Die brachten sie dorthin, wo sie dann das Boot besteigen konnten. Nur die Skorpionmenschen hatten den Mut, mit den Verstorbenen in diese Grauzone zwischen Leben und Tod zu gehen und ihnen den Weg zu weisen. Niemand sonst hätte das gewagt. Nur sie konnten den Verstorbenen die Hand geben, um über diesen schrecklichen Abgrund der Furcht mit diesem einen Schritt hinüberzusteigen und dann die Hand loszulassen … Mehr wird nicht berichtet über diese geheimnisvollen Skorpionleute an der Schwelle zwischen den Welten.“

Die Geschichte gefiel mir und deshalb habe ich bei der Autorin nachgefragt. Es gebe keine Quelle dafür, antwortete sie mir, „diese Geschichte ist in keinster Weise wissenschaftlich belastbar“. Aber ihrer Meinung nach passt „die Begleitung über die Schwelle zur Anderswelt sehr gut zum Sternzeichen Skorpion“. Das finde ich auch.

Bei meiner Recherche über Skorpionmenschen half mir wie so oft Wikipedia weiter (https://de.wikipedia.org/wiki/Skorpion): So bewachen im sumerischen Gilgamesch-Epos aus dem 2. Jahrtausend vor Christus ein Skorpionmann und eine Skorpionfrau am Berg Mašu den Eingang zum „Weg der Sonne/des Sonnengottes“. Sie öffnen dem Sonnengott Schamasch die Türen, wenn er hinausgeht, und schließen sie wieder hinter ihm, wenn er nachts in die Unterwelt zurückkehrt. Und sie warnen Reisende vor den Gefahren, die auf dem Weg durch den Tunnel lauern (https://religion-fandom-com.translate.goog/wiki/Scorpion_man?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=rq).

Besonders erfreulich war der Anblick der Mischwesen mit einem menschlichen Oberkörper und dem Unterkörper eines Skorpions offenbar nicht. Ihre Köpfe berührten angeblich den Himmel, ihr „Schrecken ist furchteinflößend“ und ihr „Blick ist Tod“, heißt es. Aber schließlich sollten sie ja Menschen daran hindern, Orte zu betreten, an denen sie nach Meinung der Götter nichts zu suchen hatten. Da ist wahrscheinlich furchterregendes Aussehen und Auftreten Einstellungskriterium.

Doch Gilgamesch, ein echter Held und wild entschlossen, den Berg zu durchqueren, lässt sich nicht abschrecken und überredet die Skorpionmenschen, ihn passieren zu lassen. Und so kommt er nach einer langen Marsch durch einen dunklen Tunnel in einen Garten voller Edelsteinbäume. Merke: Gute Argumente helfen im Umgang mit Skorpionmenschen.

In der ägyptischen Mythologie gibt es übrigens auch eine Göttin mit einem weiblichen Oberkörper und dem Unterkörper eines Skorpions (https://de.wikipedia.org/wiki/Hededet) . Hededet ist eine Vereinigung der Schutzgöttin Selket und der Muttergöttin Isis. Selket selbst, die Schutzgöttin der Heilkundigen, wird mit einem Skorpion auf dem Kopf dargestellt und deshalb auch als Skorpiongöttin bezeichnet. Vielleicht kennt sie ja ein Heilmittel gegen Trump und andere Diktatoren.

Monatsrückblog Oktober 2024

Das Zeitempfinden ist abhängig vom Alter, habe ich am Sonntag in Terra X erfahren: Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. Das liege daran, dass in jungen Jahren mehr Neues passiere, an das man sich erinnere. Deshalb erscheine eine Zeitspanne im Rückblick kürzer, so Marc Wittmann, Leiter einer Studie über Zeitwahrnehmung und -bewusstsein und Autor des Buches „Gefühlte Zeit“. Bei den über 60-Jährigen tickten die Uhren dann allerdings wieder anders, das Zeitempfinden ändere sich wieder. Denn schließlich haben viele Menschen als RentnerInnen wieder Zeit, Neues auszuprobieren und Dinge zu unternehmen, die dann in Erinnerung bleiben (https://www.7jahrelaenger.de/7jl/magazin/wie-das-alter-unser-zeitgefuehl-beeinflusst-62822) – und im Monatsrückblog auftauchen.

Reisen

Dass ich jetzt mehr Zeit zum Reisen habe, ist einer der großen Vorzüge des RentnerInnenlebens – und dank meines D-Tickets sind die Fahrten mit dem öffentlichen Personennahverkehr günstig und recht problemlos. So war ich im Oktober dreimal im Harz: einmal zum Wandern In Ilfeld, einmal zu einer Aus- und Umräumaktion in Bad Harzburg und einmal zu einem Fotoshooting mit Gil-Galad im Wald bei Wolfshagen. Der letzte Hohe König der Elben war eigens für den Fototermin aus Tolkiens Mittelerde nach Niedersachsen gereist. Die SpaziergängerInnen, die uns begegneten, freuten sich allesamt über den unerwarteten Gast.

In Hamburg habe ich meine Enkelkinder besucht und schließlich am vorletzten Oktobertag meinen Mann in Travemünde am Skandinavienkai abgeholt, also dort, wo unsere Nordtour vor fast zwei Monaten begann. Während ich Ende September wieder zurück nach Deutschland geflogen bin, um den zwar nicht immer, aber doch oft Goldenen Oktober zu genießen, blieb mein Mann nördlich des Polarkreises, immer auf der Jagd nach Nordlichtern (https://sternefueralle.wordpress.com/polarlichter/).

Für mich war die Fahrt nach Travemünde eine gute Gelegenheit, ein paar Stunden am Meer zu verbrinfen – und ein gemeinsamer Abschluss unserer Schwedenreise.

Kunst

Im September war ich noch in Jokkmokk, dem samischen Zentrum in Nordschweden, im Oktober gab es ein Wiedersehen mit der samischen Geschichte und Kultur im Sprengelmuseum in Hannover. Joar Nango, Künstler und Architekt aus Tromsö mit samischen Wurzeln, greift für seine Installationen traditionelle Kulturtechniken der Sámi auf – und aktualisiert sie. So verarbeitete er für die Ausstellungsstücke neben traditionellen Werkstoffen wie Holz, Fischhäuten, Rentierfellen und Birkenrinden zum Beispiel auch Kupfer- und Blechplatten von einem Schrottplatz aus der Region Hannover. Aus ihnen entstand ein Gumpi, eine transportable Hütte, die samische Hirten nutzen, um sich vor Wind und Wetter zu schützen, wenn sie ihren Rentierherden folgen. Auch Filme und Fotos geben noch bis Anfang nächsten Jahres im Sprengelmuseum einen Einblick in die samische Kulltur. Als Hocker vor den Bildschirmen dienen übrigens unter anderem ausrangierte Raupen von Schneemobilen.

Thomas Rentmeisters Installation d23 war für mich eine kleine Reise in meine Vergangenheit. Denn der Umzug seiner Mutter in ein Pflegeheim und die Auflösung seines Elternhauses in der Dorfstraße 23 (d23) in Klein-Reken war für den Bildhauer und Professor für Skulptur in Braunschweig ein Anlass, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Und so landeten Möbel, Hausrat und vielen persönliche Dingen nicht auf dem Sperrmüll, sondern als umfangreiche Rauminstallation im Sprengelmuseum. Manches habe ich beim Gang durch die Räume wiedererkannt – ganz ähnliche Dinge haben auch in meinem Elternhaus gestanden. Dass Thomas Rentmeister sie in einem Kunstwerk weiterverwertet hat, gefällt mir. Und ich musste daran denken, wie froh ich war, dass die Käufer meines Elternhauses einen Großteil der Möbel und des Hausrats übernommen und mir so erspart haben, das, was meine Eltern im Laufe ihres Lebens angeschafft haben, auf den Müll zu werfen.

Mein Ausflug ins Sprengelmuseum endete übrigens am Eingang der Dauerausstellung Elementareile. Meine Tasche sei zu groß, befand die für diese Räume zuständige Museums-Mitarbeiterin. Mein Einwand, dass ich am Eingang gefragt und eine andere Auskunft erhalten hatte, beeindruckte sie ebenso wenig wie die Feststellung, dass mindestens drei KollegInnen mich ohne Einwände, aber mit Tasche hatten passieren lassen. Ich drehte also um – und beschloss, den Museumsbesuch an einem anderen Tag fortzusetzen. Dank Museumskarte kann ich das ja jederzeit, außer montags. Montags sind die Museen in Hannover nämlich geschlossen.

Beim Nachmessen zu Hause zeigte sich: Meine Tasche ist wirklich einen halben Zentimeter zu lang, nämlich 30,5 statt der im Sprengelmuseum erlaubten 30 Zentimeter. Dass sie drei Zentimeter schmaler ist als erlaubt, (nämlich nur 22 statt 25 Zentimeter), gleicht offenbar diese Überschreitung nicht aus. Vorschrift ist eben Vorschrift.

Musik

Selbst hätte ich mir die Karte für das Konzert im Amtshof in Burgwedel sicher nicht gekauft, denn ich bin kein Fan von Violinmusik. Aber eine Bekannte hatte sie mir geschenkt, weil sie selbst an dem Abend verreist war. Und ich fand das Thema spannend: Night on Earth – eine musikalische Welt und Zeitreise durch die Nacht mit Ulf Schneider (Violine) und Jan Philip Schulze (Klavier).

Der Konzertabend verlief dann recht ungewöhnlich. Nach dem zweiten Stück stellte der Pianist fest, dass sich beim Transport am Schimmelflügel ein Pedal verklemmt hatte. Ich – musikalische Analphabetin – hatte das nicht gehört, für echte MusikenthusiastInnen ist das aber offenbar ein No-Go. Und so wurde das Konzert unterbrochen, nach einem langen Telefonat mit einem Klavierstimmer zeigte Jan Philipp Schulze, dass er nicht nur Klavier spielen, sondern sein Instrument auch reparieren kann: Er baute zuerst den Deckel, dann die Klaviatur aus – und nach der provisorischen Reparatur wieder ein. Nach einer halben Stunde ging das Konzert dann weiter.

Mehr als die Musik ist mir die Reparatur in Erinnerung geblieben – und ein Stück des amerikanischen Komponisten George Crumb. Ich hatte bislang noch nie etwas von ihm gehört, aber laut Kammermusikführer.de ist er „der ‚grand old man‘ der Neuen Musik in den USA“ https://www.kammermusikfuehrer.de/werke/4206). Ich habe mir die von ihm komponierte Sonata für Solo Cello bei Youtube angehört. Sie hat mir gefallen, auch wenn sie ganz anders klingt als die Cellostücke, die ich sonst höre. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass ich für die Zeitschrift Nobilis gerade einen Artikel über Hannoversche Gesellschaft für Neue Musik e.V. (hgnm) korrigiert habe (https://issuu.com/schluetersche/docs/nob_11-2024_epaper). Und man ist ja bekanntlich nie zu alt, Neues auszuprobieren.  

Sport

Gut, ganz neu ist der Sport für mich nicht. Ich habe früher schon mal Tischtennis – oder vielleicht war es eher Pingpong – gespielt: während meines Volontariats an der Mosel (lang, lang ist’s her) ganz kurze Zeit im Verein, später dann gelegentlich und ohne jede Chance mit meiner Tochter, jetzt ab und zu mit den Enkelkindern. Kurz bevor oder nachdem ich sechzig geworden bin, hatte ich ein paarmal mit der Gruppe in der Seniorenbegegnungsstätte trainiert. Doch dann wurde meine Mutter pflegebedürftig, dann kam Corona … – kurzum, es kam immer etwas dazwischen. Jetzt habe ich wieder angefangen – ich spiele nicht gut, aber es macht mir Spaß und ich habe mir fest vorgenommen, diesmal dran zu bleiben. Und Übung macht ja bekanntlich die Meisterin.

Schöne Aussichten im Südharz

Nach mehr als zwei Monaten bin ich wieder einmal im Harz gewandert. Meine Kollegin Foe hatte die Route ausgesucht: Start- und Zielpunkt war Ilfeld am südlichen Harzrand. Im Südharz bin ich  noch nie gewandert; dass ich schon einmal in der Gegend war, wurde mir erst beim Schreiben dieses Blogbeitrags bewusst. Im Frühjahr 2007 hatte ich an der Harzquerung teilgenommen – das ist ein schon zu DDR-Zeiten beliebter Lauf von Wernigerode nach Nordhausen, der die Wende zum Glück überlebt hat und im kommenden April zum 44. Mal stattfindet.

Damals brauchte ich laut Ergebnisliste 5 Stunden und 23einhalb Minuten für die etwa 51 Kilometer lange Strecke, auf der „nebenbei“ noch 1.200 Höhenmeter bewältigt werden mussten. Bei unserer Wanderung am vergangenen Wochenende waren es „nur“ 420 Höhenmeter auf elf Kilometer. Zwei markante Punkte, an denen ich bei der Harzquerung vorbeigelaufen bin, lagen auch diesmal auf unserem Weg: Am Ilfelder Ortsteil Netzkater sind wir auf dem Hin- und Rückweg vorbeigefahren, den Poppenberg haben wir erwandert. Wiedererkannt habe ich beide Punkte nicht, ich habe mich nicht einmal mehr an die Namen erinnert. Aber die Harzquerung ist mir als der landschaftlich schönste Lauf in meinem Läuferinnenleben im Gedächtnis geblieben.

Fast 20 Jahre später hat mir unsere Wanderung rund um Ilfeld ebenfalls sehr gut gefallen. Die Wege sind so, wie ich mir Wanderwege wünsche – überwiegend schmal und naturbelassen. Meist gingen wir durch lichte Laubwälder mit hohen Buchen und Eichen. Vom Borkenkäfer und Klimawandel zerstörte Baumgerippe haben wir auf der Tour, anders als auf der An- und Abreise über Braunlage und Torfhaus, kaum gesehen.

Zwischendurch gab’s immer wieder wunderschöne Ausblicke, zum Beispiel von den Falkensteinklippen über das südliche Harzvorland. In einigen Tälern lag der Nebel wie eine dicke Watteschicht, doch wir waren hoch genug, saßen auf dem Fels in der Sonne und schauten in die Weite.

Auf dem Poppenberg, mit 600 Metern ohnehin der höchste Punkt unserer Wanderung, ging es noch höher hinaus. Auf dem Gipfel hat laut Wikipedia der Zweigverein Nordhausen des Harzklubs im Jahr 1894 einen 33,5 m hohen Turm in Stahlfachwerkbauweise errichtet. Er wurde zu Ehren des Waldbesitzers Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode „Fürst-Otto-Höhe“ getauft und erinnert ein bisschen an den Eiffelturm in Paris. 177 Stufen führen auf die Aussichtplattform über den Baumwipfeln, von der ich über den Südharz bis zum Kyffhäuser und Richtung Norden bis zum Brocken und zum Wurmberg schauen konnte (https://de.wikipedia.org/wiki/Poppenberg_(Harz)).

Noch älter als der Aussichtsturm ist die Wetterfahne: Das Ilfelder Wahrzeichen wurde erstmals 1872 nach dem Deutsch-Französischen Krieg aufgestellt und seither mehrmals erneuert. Ins Gipfelbuch haben wir uns nicht eingetragen, wohl aber einen weiteren Stempel in unserem Wanderpass gesammelt.

Blick von der Wetterfahne auf Ilfeld

Danach ging es ziemlich steil bergab nach Ilfeld, vorbei am Gänseschnabel, einem markanten Felsen aus Porphyrit. Die dazu gehörige Sage kann man sich dank eines QR-Codes direkt vor Ort anhören: Sie handelt von einem Mädchen, das vor langer, langer Zeit hier die Gänse hütete, und von einem Mönch. Die beiden verliebten sich ineinander und wurden von einer bösen Hexe in zwei Felsen verwandelt. Seitdem stehen sie sich versteinert auf verschiedenen Seiten des Flüsschens Bere gegenüber und finden wie die zwei Königskinder in der Ballade nie zueinander (https://www.harzlife.de/sagen/gaenseschnabel-moench.html).

Der Gänseschnabel

Diese Wanderung, das habe ich mir fest vorgenommen, soll nicht die letzte im Südharz gewesen sein.  Der Drei-Täler-Blick lockt mich ebenso wie der Ahornpark in Ilfeld mit fast 270 zum Teil alten Ahornbäumen, die jetzt im Herbst einen Hauch Indian Summer in den Harz bringen.  Und auch bis zum Naturschutzgebiet zwischen Netzkater und Sophienhof ist es nicht weit: Im Brandesbachtal sollen unter anderem Schwarzstorch, Rauhfußkauz, Wanderfalke, Grau- und Schwarzspecht zu Hause sein.

Monatsrückblick September 2024

Zwei Dinge waren charakteristisch für „meinen“ September: Ich war im vergangenen Monat viel unterwegs und habe ganz wenig geschrieben.

Schreiben

Nach 40 Jahre Lohnschreiberei brauchte ich einfach eine Auszeit vom Schreiben. Auf unserer Reise durch Schweden habe ich drei Wochen lang außer Tagebuch, Morgen- und Abendseiten nichts geschrieben – und die Pause hat mir gut getan. Wieder zurück in Deutschland, kehre ich allmählich in die Welt der Schreibenden zurück. Dabei helfen mir die Verabredungen zum Schreiben – online und live – mit einer Schreibfreundin sowie die Schreibimpulse von Denise Fritsch, die jeden Morgen in meinem Mailfach landen.

Schule

Den Frauenschreibtreff im Autorinnenzentrum, eigentlich ein fester Termin in meinem Kalender, habe ich im September ich ausfallen lassen. Denn morgens mussten wir noch für unsere Schwedenreise packen, die am 3. September begann, nachmittags sind wir dann schon gen Norden gestartet. Am Montag und Dienstag wurden nämlich zwei Enkelkinder in Hamburg ein- bzw. umgeschult. Yunus kam in die weiterführende Schule, seine kleine Schwester Ayda in die Grundschule. Im Leben der Kinder sind das wichtige Tage – und wir sind froh, dass wir sie miterleben durften.

Schweden

Über unsere Schwedenreise habe ich schon ausführlich berichtet (https://timetoflyblog.com/schweden-im-herbst). Weil wir an der Südküste entlangfahren wollten, hatten wir einen Platz auf der Fähre von Travemünde nach Trelleborg gebucht. Außerdem ersparten wir uns so den Stau vor der Fehmarnsundbrücke und die eher langweilige Fahrt durch Dänemark. Dass die Fähre einen Umweg über Rostock machte, wurde uns erst bewusst, als wir im Hafen eincheckten. Gestört hat es uns nicht, denn die Seefahrt war bei schönem Wetter ganz entspannt – und dauerte trotz des Zwischenstopps in Meck-Pomm nicht viel länger als die Fahrt mit dem Auto.

Für einen bekennenden Wasserfan wie mich ist Schweden ein Traum. Ein See, ein Fluss oder das Meer sind eigentlich immer in der Nähe, manchmal sogar See, Fluss und Meer. Im Süden haben mich vor allem die hübschen Städte mit viel Flair begeistert, im Norden die Natur. Besondere Highlights waren Stockholm und die nordschwedische Küstenregion Höga Kusten. Die Felslandschaft ist vor Zehntausend Jahren aus dem Meer gewachsen und wächst heute noch immer, wenn auch nur kaum messbar um acht Millimeter im Jahr.

Auch wenn mir die Hohe Küste besonders gut gefallen hat: Schöne Landschaften mit tollen Ausblicken gab es eigentlich überall. So lagen alle 13 Campingplätze, auf denen wir übernachtet haben, an einem Gewässer; meist konnten wir sogar direkt vom Wohnmobil aus auf einem See, einen Fluss oder aufs Meer sehen. Und so sind auf der Reise viele schöne Fotos entstanden, zum Beispiel von Sonnenauf- und -untergängen.

Schwimmen

Apropos Wasser. Ich bin gerne am Wasser, aber schwimmen ist – alle die mich oder meinen Blog kennen wissen es – nicht mein Sport. Mit dem Bahnenschwimmen im Schwimmbad tue ich mich schwer, aber wenn ich an einem See oder am Meer bin, kann ich meist nicht widerstehen und will hinein.

Auch auf dieser Reise bin ich an fast allen Orten, an denen wir Station gemacht haben, ein bisschen geschwommen, wenn auch der doch schon recht niedrigen Wassertemperaturen wegen meist nur kurz. Toll war das Meer bei Simrishamn und Ystad: So hohe Wellen habe ich an der Ostsee noch nie erlebt. An den Höga Kusten war das Wasser spiegelglatt und  deutlich kälter. Weil aber die Sauna am Skuleberget Havscamp direkt am Wasser steht, konnte ich mich aufwärmen, bevor ich ins Wasser eingetaucht bin.

Auf dem nächsten Campingplatz in Byrske habe ich dann kein Bad, sondern – ungewollt – ein Schlammbad genommen. Als ich von einem Steg sprang, versank ich bis zu den Oberschenkeln im Schlick. Einen meiner Schuhe konnte ich noch herausziehen, der andere blieb verschwunden. Darauf, im Lille Luleälv zu schwimmen, habe ich dann verzichtet. Denn Jokkmokk liegt nördlich des Polarkreises – und in der zweiten Nacht im Arctic Camp sanken die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Inzwischen schneit es dort, erzählt mein Mann.

So abgehärtet, schreckten mich die herbstlichen Temperaturen in Deutschland nicht. Wieder zurück in Burgwedel, bin ich jeden Morgen ins Freibad gefahren – und als am 29. September die Freibadsaison endete, hatte ich auch meine zweite Zehnerkarte restlos „abgeschwommen“. Irgendwie hat es sogar Spaß gemacht, wenn ich mich einmal aufgerafft und meinen inneren Schweinehund überwunden habe. Jetzt habe ich vor, im nächsten Jahr wieder einmal eine Saisonkarte zu kaufen und regelmäßig schwimmen zu gehen. Doch ob der gute Vorsatz den Winter übersteht, ist fraglich.

Schöne Bilder: „KUNST in BEGEGNUNG“.

Auch ein bisschen Kunst gab es am letzten Septemberwochenende in Burgwedel. 18 Jahre lang haben KünstlerInnen und KunsthandwerkerInnen ihre Werke ausgestellt – in Büros, öffentlichen Gebäuden oder auch in ihren eigenen Ateliers. Weil es an finanzieller und organisatorischer Unterstützung sowie ein bisschen auch an NachwuchskünstlerInnen fehlte, sollte im vergangenen Jahr mit „Kunst in Bewegung“ eigentlich Schluss sein. Doch dann haben es sich die OrganisatorInnen zum Glück anders überlegt. Aus Kunst in Bewegung wurde Kunst in Begegnung.

Was sich außer dem Namen und dem Logo geändert hat, ist mir nicht ganz klar. Die Erkennungszeichen – die orange lackierten Fahrräder, die orangenen Fahnen und selbst das Kürzel KIB sind gleich geblieben. Und wie in den vergangenen Jahren habe ich es genossen, durch die Stadt zu gehen und mir die Arbeiten von rund 30 KünstlerInnen und KunsthandwerkerInnen anzusehen. Einige wie Heidrun Schlieker, Christine Küppers oder Elke Seitz kenne ich schon sehr lange

andere wie Kerstin Bässmann, Annette Böwe und Ulrich Saloga habe ich erst in diesem oder im letzten Jahr kennengelernt und interessante Gespräche geführt.

Neben altbekannten waren in diesem auch einige neue Ausstellungsorte dabei. Einige HausbesitzerInnen haben ihr Herz für die Kunst entdeckt und für die Kunstaktion derzeit leerstehende Räume zur Verfügung gestellt. Und so hoffe ich, dass im nächsten Jahr die Fortsetzung von Kunst in Begegnung folgt.  

Schweden im Herbst

Ich bin wieder da – zurück in Deutschland und zurück bei meinem Blog. Drei Wochen war ich in Schweden unterwegs und habe mir in dieser Zeit eine Blogpause gegönnt.

Wir waren schon ein paar Mal  in Schweden, aber bei unseren früheren Besuchen sind wir immer möglichst schnell Richtung Norden gefahren. Mein Mann ist süchtig nach Polarlichtern – und die sieht man eben am häufigsten und am intensivsten nördlich des Polarkreises. Weil Jokkmokk ein guter Ort für Nordlichter ist, war Arctic Camp auch diesmal das Ziel unserer Reise. Doch anders als in den vergangenen Jahren haben wir uns diesmal mehr Zeit genommen und auf dem Weg viele Orte besucht, die ich schon immer mal sehen wollte.

Ystad

Ich bin – oder war – ein Kurt-Wallander-Fan. Ich habe alle oder doch zumindest fast alle Krimis von Henning Mankell gelesen. Und so war ein Besuch in Ystad, wo Kommissar Kurt Wallander und sein Team ermittelten, für mich natürlich ein Muss. Die kleine Stadt an der schwedischen Südküste hat sich auf die Krimileserinnen und -seher eingestellt. Es gibt Stadtführungen auf den Spuren des Kommissars und Flyer, in denen verschiedene Schauplätze aufgelistet und im Stadtplan eingezeichnet sind. So ausgestattet, habe ich nicht nur Originalschauplätze wie die Mariagatan, in der Wallander wohnte, die Polizeistation und Fridolfs konditori, Wallanders Lieblingscafé, entdeckt, sondern ein wirklich interessantes Städtchen mit kleinen Gassen und hübschen, oft bunt angestrichenen Häusern kennengelernt. Sehr gut hat mir auch das ehemalige Franziskanerkloster mit den Klostergärten gefallen. Neben einem Rosengarten gibt es einen Apfelgarten, in dem auch Feigen-, Birnen-, Mandel- und Walnussbäume sowie Flieder- und Maulbeersträucher wachsen, einen Kohlgarten, einen Kräutergarten und einen Pfingstrosengarten. Zum Schluss habe ich noch die Ystad Studios besichtigt, in denen u.a. die Innenaufnahmen von Wallanders Wohnung und des Polizeistudios gedreht wurden.

Ales Stenar und Simrishamn

Auf dem Weg nach Simrishamn, der nächsten Etappe auf unserer Reise, haben wir Ales Stenar, deutsch „Die Steine von Ale“, in der Nähe von Kaseberga besichtigt. Auf einem fast 40 Meter hohen Hügel direkt am Meer sind insgesamt 59 bis zu drei Meter hohe und bis 1,8 Tonnen schwere Steine in Form eines Schiffs angeordnet. Mit 67 Meter Länge und 19 Meter Breite ist Ales Stenar laut Wikipedia „eine der größten erhaltenen Schiffssetzungen (schwedisch skeppssättning) in Skandinavien“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Ales_stenar).  Und von dem steinernen Schiff aus hat man aus einen weiten Blick übers Meer.

Ein Teil der Steine wurden übrigens bei Simrishamn gebrochen und über mehr als 20 Kilometer nach Kaseberga transportiert. Das war sicher um das Jahr 600, als das Monument entstand, keine leichte Aufgabe. Mit unserem Wohnmobil haben wir die Strecke schneller und bequemer bewältigt.

Simrishamn, an der Südostküste gelegen, ist weniger bekannt als Ystad, aber nicht weniger sehenswert. Kopfsteingepflasterte Gassen und die oft bunten alten Häuser verleihen dem Ort ein besonderes Flair.

Öland …

… ist, glaubt man den Reiseführern, wegen des milden Klimas und der schönen Strände eine sehr beliebte Ferieninsel. Selbst die schwedische Königsfamilie verbringt hier auf Schloss Solliden ihren Sommerurlaub. Wir haben natürlich nicht im Schloss, sondern auf einem Campingplatz in der Nähe der Ölandbron übernachtet. Zwei Tage lang haben wir mit Blick auf die imposante Brücke, die die Insel mit dem Festland verbindet, und auf den Kalmarsund Beine und Seele baumeln lassen, am dritten Tag sind wir – an zahlreichen Mühlen vorbei – gen Süden zum „Langen Jan“ gefahren. Er ist der höchste Leuchtturm Schwedens, die neben dem Leuchtturm gelegene Vogelstation Ottenby ist ein Mekka für Vogelfans.

Mich hat die Insel zugegebenerweise nicht wirklich beeindruckt. Vielleicht hätten wir eher nach Norden zur Inselhauptstadt Borgholm oder zum „Langen Erik“, dem Leuchtturm an der Nordspitze, fahren sollen. Vielleicht waren wir aber auch nur genervt wegen der Warnung, die seit Beginn der Fahrt ständig auf dem Tacho aufleuchtete: „Abgassysstem überprüfen“, forderte uns der Bordcomputer permanent auf. In einer Werkstatt in Kalmar wurde uns – oder unserem Wohnmobil – mit einem Software-Update schnell und ohne Termin geholfen.

Ich habe die Werkstattzeit genutzt, um durch Kalmar zu spazieren:  Das Schloss Kalmar stand früher direkt an der dänischen Grenze. Es wurde im 12. Jahrhundert als Burg erbaut, im 16. Jahrhundert dann zum Schloss umgebaut und ist laut Wikipedia eines der besterhaltenen Renaissanceschlösser Nordeuropas (https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Kalmar). Neben dem imposanten Schloss erscheinen die Häuser in der Gamlastan, der alten Stadt, besonders winzig. Das frühere Stadtzentrum wurde im Jahr 1640 auf die Insel Kvarnholmen verlegt – aus „befestigungstechnischen Gründen“, wie Wikipedia weiß. Im gleichen Jahrhundert, zwischen 1660 und 1699, wurde auch die Domkyrka gebaut, die von außen gar nicht wie eine Kirche aussieht (https://de.wikipedia.org/wiki/Dom_zu_Kalmar).

Vimmerby

Hat jemand das Schwedenbild von Menschen in aller Welt mehr geprägt als Astrid Lindgren? Ich glaube kaum. Mich haben ihre Bücher fast mein ganzes Leben lang begleitet. „Rasmus Pontus und der Schwertschlucker“ war in den sechziger Jahren das erste Lindgren-Buch, das ich gelesen habe; Pipi Langstrumpf habe ich erst kennengelernt, als die Filme mit Inger Nilsson im Fernsehen gezeigt wurden. Meine Eltern hielten die Geschichten über ein Mädchen, das sich die Welt macht, wie es ihm gefällt, wohl nicht für die geeignete Lektüre für ihre Tochter. Mit meiner Tochter habe ich dann die Lotta-Bücher entdeckt und auf unserer Fahrt durch Schweden dann die Tagebücher gelesen, die Astrid Lindgren während der Zweiten Weltkriegs geführt hat. Ihr Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ passt leider allzu gut in die heutige Zeit.

Natürlich wollte ich Vimmerby besuchen, den Ort, in dem Astrid Lindgren geboren wurde, aufgewachsen und auch begraben ist. Denn vieles, was sie als Kind erlebt hat, und mancher Schauplatz taucht in ihren Büchern auf. So steht das Vorbild für Pippi Langstrumpfs Limonadenbaum im Garten der Pfarrhofs bei Astrid Lindgrens Elternhaus.  Astrid Lindgrens Näs, so der Name des Hofes, auf dem Familie Lindgren lebte, ist heute Teil eines Museums, in dem eine Ausstellung über das Leben und das Werk der Schriftstellerin informiert. Auf dem Marktplatz lädt eine von Marie-Louise Ekman geschaffene lebensgroße Statue zu einem Date mit der Schriftstellerin ein. Auch der der Süd-, der Nord- und der Mittelhof aus Bullerbü sind dort en miniature aufgebaut.Im Themenpark Astrid Lindgrens värld können große und kleine Lindgren-Fans auch Bikenlund, das Kirschblüten- und das Heckenrosental besuchen und Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter und andere Heldinnen aus den Kinderbüchern treffen.

Stockholm

„Stockholm hat eindeutig das Potenzial zu (m)einer Lieblingsstadt“, habe ich einen Tag später in mein Tagebuch geschrieben. Dass ich mich in die schwedische Hauptstadt verliebt habe, kam nicht unerwartet. Ich liebe Städte, die am Wasser liegen, und Wasser findet man in Stockholm überall. Es macht laut Wikipedia „etwa 30 Prozent der Stadtfläche aus“. Die älteren Stadtviertel wurden auf 14 Inseln gebaut, die durch über 50 Brücken verbunden sind; zum Stockholmer Schärengarten (Skärgården) sollen etwa 24.000 größeren und kleineren Inseln gehören (https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm). Mehr Wasser geht wohl kaum. Und ich konnte mich nicht sattsehen.

Drei Tage lang bin ich kreuz und quer durch die Straßen gelaufen, habe das schöne Wetter genutzt, um Stockholm zu Fuß zu erkunden: die vier ältesten Inseln – Gamlastan, Riddarholmen Skeppsholmen und Kastellholmen – ebenso wie angrenzenden Stadtteile Norrmalm, Östermalm und Södermalm. Und ich war nicht die einzige, die die Sonne genießen wollte, bevor der Winter beginnt. Überall saßen Menschen: in Cafés, Restaurants oder auf den zahllosen Bänken auf Plätzen und in Parks, die zum Verweilen einladen. Begeistert haben mich nicht nur das Wasser und die grandiose Architektur, sondern auch die Atmosphäre. Ich habe bislang noch keine (Groß)Stadt erlebt, die so viel Flair hatte, so lebendig war und gleichzeitig so entspannt und unaufgeregt. Oder doch, Siena vielleicht. Aber da fehlte halt das Wasser.

Eins ist sicher: Mein erster Besuch in Stockholm soll nicht mein letzter sein. Denn ich habe mir zwar viele Sehenswürdigkeiten von außen angesehen, aber keine von innen. Das will ich nachholen, wenn ich das nächste Mal in der Stadt bin. Das Nationalmuseum steht ebenso auf meiner To-visit-Liste wie das Viking Museum und das ABBA Museum. Und natürlich will ich in die Stadsbiblioteket, die Stadtbibliothek, gehen. Denn die beherbergt angeblich nicht nur mehr als zwei Millionen Bücher und andere Medien, sondern gilt mit dem zylindrischen Hauptgebäude auch als kulturelles Wahrzeichen und „ein Meisterwerk des nordischen Klassizismus und des Funktionalismus“ (https://go2stockholm.de/bauwerk/stockholms-stadsbibliotek/).

Höga Kusten

Die zwischen Härnösand und Örnsköldsvik gelegene Höga Kusten habe ich vor zwei Jahren entdeckt, als wir auf einem kleinen Campingplatz am Skuletberget übernachtet haben. Damals habe ich mir vorgenommen, beim nächsten Mal dort zu wandern. Die Hohe Küste soll die höchste Küste der Welt sein und ist wegen der ausgeprägten Landhebung seit 2000 UNESCO-Weltnaturerbe, (https://www.hogakusten.com/de/hogakustenleden). Die Übernachtung auf dem Snibbens Camping habe ich unter anderem deshalb eingeplant, weil der Platz nur zwei Kilometer von der Höga-Kusten-Brücke entfernt liegt und (daher) laut Website ein „natürlicher Ausgangspunkt für Ausflüge und Wanderungen“ ist (https://camping.se/de/camping/3040/Snibbens-Camping-Stugby-Vandrarhem). Dass die fast zwei Kilometer lange Hängebrücke über den Ångermanälven nur mit dem Auto überquert werden darf, war mir bei der Planung nicht bewusst. Und so sind wir vom Campingplatz aus zwar mit Blick auf das Weltnaturerbe gewandert, aber nicht im Gebiet selbst. Schön war es trotzdem, und die kurze Wanderung auf den Prästberget hat sich schon allein wegen des Blicks auf die Höga Kusten und auf die „schwedische Golden-Gate-Bridge“, mit 186 Metern Höhe das zweithöchste Bauwerk Schwedens, gelohnt. Auch die Lage des Campingplatzes direkt an einem See hat uns gut gefallen. Unser Wohnmobil stand – wie oft auf dieser Reise – direkt am Wasser und weil auch die Himmelsrichtung stimmte, konnte mein Mann am Morgen des 18. September quasi vom Auto aus die partielle Mondfinsternis fotografieren (https://www.facebook.com/utz.schmidtko/).

Auf den Skuletberget bin ich dann auch noch gestiegen. Weil ich nicht meine hohen Wanderschuhe mithatte, habe ich statt des steilen Grottstigen die leichtere Route über den Östra Bergstigen gewählt. Eine gute Entscheidung, denn auch die „familienfreundliche“ Variante hatte es streckenweise in sich, bot aber tolle Ausblicke auf die Fjordlandschaft, die entstand ist, als die Eismassen nach der letzten Eiszeit abschmolzen. Der fast 300 Meter hohe Gipfel des Skuletberget war damals Teil einer Insel und ragte gerade einmal neun Meter aus dem Wasser. Ein in den Fels eingelassener Metallstreifen markiert die frühere Küstenlinie und lässt erahnen, welche gigantischen Kräfte damals gewirkt haben.  

Jokkmokk

Nach einer Übernachtung in Byske Havsbadet bei Skellefteå und einem Zwischenstopp am Storforsen, den größten Stromschnellen Skandinaviens, kamen wir nach zweieinhalb Wochen und rund 2200 Kilometern in Jokkmokk an. Für meinen Mann ist das Arctic Camp fast ein „zweiter Wohnsitz“, er war schon oft dort, um Polarlichter zu fotografieren. Und auch diesmal begrüßten ihn die Lichter gleich am ersten Abend. 

Für mich endete in Jokkmokk die gemeinsame Reise mit dem Wohnmobil. Mir ist es im Herbst im hohen Norden zu kalt und zu dunkel – gleich in der zweiten Nacht sanken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Und so bin ich nach drei Wochen von Lulea aus nach Deutschland zurückgeflogen. Mein Mann tourt noch ein paar Wochen mit dem Wohnmobil durch den Norden – auf der Jagd  nach Polarlichtern. Seine Bilder sind auf seiner Facebook-Seite zu sehen (https://www.facebook.com/utz.schmidtko/).

Monatsrückblick August 2024

Zwei Drittel des Jahres sind vorbei, mit dem August endet auch der meteorologische Sommer, Er war laut EU-Klimadienst Copernicus der heißeste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn, auch das laufende Jahr steuere auf einen Höchstwert zu, meldete die Tagesschau am 6. September (https://www.tagesschau.de/wissen/klima/sommer-hoechststand-temperatur-100.html). Und trotzdem wählen immer mehr Menschen eine Partei, die den Klimawandel oder besser gesagt die Klimakatastrophe leugnet.

Zwischen Nordsee und Harz …

… war ich im August unterwegs. Am Anfang des Monats waren wir mit dem Wohnmobil ein paar Tage an der Nordsee, und zwar wieder auf unseren „Stammstellplatz“ in Duhnen. Der liegt direkt an der Nordsee und in der Nähe von Cuxhaven. Mir gefällt die Stadt mit vielen alten, hübsch restaurierten Häusern und vielen kleinen Läden.  Sie sind geblieben, als oder vielleicht gerade weil die großen Kaufhäuser geschlossen haben. Mein Lieblingsladen ist ein Schreibwarenladen namens Skribifax, dessen Inneneinrichtung noch aus dem vorletzten Jahrhundert zu stammen scheint. Meine Lieblingsschreibhefte gibt es dort auch: A5-Kladden von Claire Fontaine mit flexiblem Einband. Natürlich habe ich mich wieder eingedeckt, weil mein Vorrat zur Neige ging.

Mit meiner Tochter bin ich im Harz an der Ecker entlanggewandert. Vor der Wende verlief hier die innerdeutsche Grenze. Wer versuchte, das Bächlein zu überqueren, riskierte sein Leben. Ein mulmiges Gefühl hatten wir, als wir ein Stück entferntim Gebüsch ein Wildschwein sahen. Schon vorher war uns ein strenger Geruch aufgefallen. Offenbar stimmt es, dass man Wildschweine riecht, bevor man sie sieht. Wir waren auf jeden Fall froh, dass die Tiere ebenso wenig an einer Begegnung mit uns interessiert waren wie wir an einem Treffen mit ihnen.

In Hamburg war ich im August zwei Mal, einmal mit dem Auto, einmal mit dem Zug. Fazit: Mit dem Auto dauerte die Fahrt sonntagsmittagsvon Burgwedel bei Hannover bis nach Burgwedel bei Hamburg drei Stunden, zurück waren wir abendsnicht viel schneller. Mit Nahverkehrszug, U-Bahn und Bus brauche ich nicht länger – und die Fahrt ist nicht nur weniger stressig, sondern dank 49-Euro-Ticket auch viel preiswerter. Vielleicht ist die Deutsche Bahn ja doch nicht ganz so schlecht wie ihr Ruf.

Caspar David Friedrich in Hannover

Eigentlich wollte ich mir ja eine der beiden großen Caspar-David-Friedrich-Ausstellungen ansehen, die im 250. Geburtsjahr des vielleicht bedeutendsten deutschen Malers der deutschen Romantik in Hamburg und Berlin gezeigt wurden. Doch irgendwie kam immer etwas dazwischen.Zum Glück gibt es jetzt eine Kabinettausstellung quasi direkt vor der Haustür. Im Landesmuseum Hannover sind in sechs Gemälde von Caspar David Friedrich aus dem eigenen Bestand zu sehen – darunter die Werkfolge „Vier Tageszeiten“, laut Museum „der einzige vollständig erhaltene Tageszeitenzyklus des Künstlers an einem Ort überhaupt“ (https://www.landesmuseum-hannover.de/tageszeiten).

Die Ausstellung hat mir gefallen, die Erläuterungen haben mir die Bilder und ihre Entstehungnäher gebracht. Aber ein Caspar-David-Friedrich-Fan bin und werde ich sicher nicht. Und so traure ich den versäumten Ausstellungen in Berlin und Hamburg nicht wirklichnach.

Oper Open Air

Besser spät als nie: Was ich im Rückblick auf den Monat Juli über die Konzertreihe Klassik in der Altstadt geschrieben habe, gilt auch für das Klassik Open Air im Maschpark von Hannover. Die Open-Air-Konzerte unter dem Motto „Oper für alle“ gibt es schon seit zehn Jahren, wir waren in diesem Mal zum ersten Mal dabei. Die NDR-Radiophilharmonie und drei OpernsängerInnen – die Sopranistin Pretty Yende, der Tenor Kang Wang und der Bariton Simon Keenlyside – präsentierten im Jubiläumsjahr die Höhepunkte der vergangenen Open-Air-Konzerte. Mit uns waren 25.000 Menschen in den Maschpark gekommen, um Arien und Duette aus „Tosca“, „La Traviata“, „La Bohème“, „Rigoletto“, „Don Giovanni“, „Der Bajazzo“ und „Cavalleria rusticana“ zu hören.

Wir hatten unsere Picknickdecke auf der der Bühne gegenüberliegenden Seite des Maschteichs ausgebreitet und erlebten das Geschehen auf einer Videoleinwand hautnah. Es war ein wunderschöner Abend, der mich an die beiden Opernabende in der Arena von Verona erinnerte. Und mein erstes Klassik Open Air wird sicher nicht mein letztes.

Art Journal

A propos letztes. Im vergangenen März habe ich, angeregt von Frau Landau (https://www.instagram.com/frau_landau/), mein Art Journal angefangen (https://timetoflyblog.com/eine-art-journal). Jetzt, nach fast anderthalb Jahren, habe ich mit einer Seite aus dem Programm des Klassik Open Air die letzte Doppelseite des Buchs gestaltet. Es ist weniger ein Art Journal als ein Erlebnis- oder Reisejournal: Ich habe nur wenig selbst gezeichnet. Aber was beim ersten Art Journal (noch) nicht ist, kann beim nächsten ja werden. Das nächste Journal habe ich schon angefangen. Die ersten Einblicke gibt es vielleicht schon im nächsten Monatsrückblick.

„Zeige deinen Schreibtisch“

 Alexandra Bohlmanns Aufruf zur Blogparade folge ich gerne (https://alexandrabohlmann.com/blogparade-zeige-deinen-schreibtisch/). Allerdings habe ich nicht nur einen Arbeitstisch, sondern gleich vier. Und die sind innerhalb des Hauses schon mehrmals umgezogen. Das letzte Mal vor fast einem Jahr.

Mein Mann behauptet, mein Schreibtisch habe mit Ausnahme von Küche, Bad und Wohnzimmer schon in jedem Raum des Hauses gestanden. Das ist übertrieben, ebenso wie sein Vorschlag, Rollen unter die Beine zu montieren, damit ich sie leichter von einem Ort zum anderen bewegen lassen. Denn zum einen sind sie recht leicht, sie zu verrücken ist wirklich kein Problem. Und zum anderen glaube ich, dass sie jetzt am richtigen Platz sind.

Seit alle Kinder aus dem Haus sind, hatte ich – welch ein Luxus – zwei Arbeitszimmer. Als ich Rentnerin wurde, habe ich ein Arbeitszimmmer in ein Atelier, den darin stehenden Schreib- in einen Maltisch umfunktioniert. Denn Malen gehört zu den Dingen, die ich in diesem Leben unbedingt noch lernen möchte: Ich will im wahrsten Sinne des Wortes mehr Farbe in mein Leben bringen. Weil ich das Malzimmer aber kaum genutzt habe, habe ich dann im vergangenen September Mal- und Schreibraum  zusammengelegt (https://timetoflyblog.com/zinnober-und-andere-atelierbesuche). Seither stehen Schreib- und Maltisch einträchtig nebeneinander – das inspiriert mich hoffentlich, Schreiben und Malen zu verbinden.

Beide Tische sind aus hellem Holz und etwa gleich groß. Wenn mir der Sinn nach Veränderung und neuen Blickwinkeln steht, wird der Maltisch mit wenigen Handgriffen zum Schreibtisch – und umgekehrt. Derzeit steht mein Schreibtisch ganz feng-shui-mäßig im rechten Winkel zum Fenster. Ich habe außerdem beim Schreiben die Wand im Rücken und die Zimmertür immer im Blick. Beim Malen schaue ich dagegen aus dem Fenster, ein Dachfenster sorgt für zusätzliches Licht von der Seite. Auf meinem Maltisch können Farben und Bleistifte, Blocks und Skizzenbücher, Schere und Kleber liegen bleiben, auch wenn ich sie manchmal tagelang nicht benutze.

Meist zeichne ich mit Aquarellstiften – und ich liebe Skizzenbücher: Ich möchte meine Ideen und meine Erlebnisse künftig nicht nur in Worten, sondern auch in Skizzen festhalten – zum Beispiel in einem „Visual diary“ oder in einem „Art Journal“. Doch „One Sketch a day“, also eine Zeichnung am Tag, bleibt (noch) allzuoft nur ein guter Vorsatz.

Auf dem Maltisch stört mich kreatives Chaos nicht, auf meinen Schreibtischen mag ich‘s eigentlich gerne ordentlich. Doch Ordnung halten fällt mir leider schwer – mich von einigen lieb gewonnenen Utensilien zu trennen ebenfalls. So aufgeräumt wie auf den Fotos ist mein Schreibtische nur selten. Denn wenn ich arbeite, verteile ich meine Unterlagen nicht nur auf einem, sondern auch auf den angrenzenden Tischen. Und allzu oft bleiben sie dort auch liegen, wenn ich mit der Arbeit fertig bin.

Ich arbeite meist am Notebook: Es wandert mit mir von Schreibtisch zu Schreibtisch; auf ihm schreibe ich meine Texte, recherchiere und bearbeite meine Korrekturaufträge. Doch ich schreibe auch recht viel mit der Hand. Viele Ideen notiere ich ganz klassisch auf A6-Karteikarten und oder in einem Spiralheft, dessen silberne Hülle eine befreundete Buchbinderin für mich angefertigt hat. Wenn ich unterwegs bin, habe ich das Notizheft und die wichtigsten Karten in einer verschließbaren A6-Fächermappe fast immer dabei. Zu Hause bewahre ich die Karteikarten in einem Karteikasten auf dem Schreibtisch; dort liegen dann auch mein Notizbuch und mein Kalender.

Goldenes Kästchen und silbernes Notizbuch

Ich bin, ich gebe es zu, ein Papierfreak: Am liebsten schreibe ich in Kladden und Spiralblocks von Claire Fontaine; der Einband sollte flexibel, das Papier muss unliniert sein. Kariertes oder liniertes Papier gehen gar nicht, gepunktetes Papier, neudeutsch dotted, nur im „Notfall“, wenn es kein anderes gibt. Der Sinn dieser Lineatur erschließt sich mir allerdings nicht wirklich.

Weniger wählerisch bin ich bei den Stiften, die beiden Stiftebehälter enthalten ein buntes Sammelsurium. Denn meine Vorlieben ändern sich immer wieder. Meist schreibe ich mit Kulis, gekauften oder geschenkten, gelegentlich nutze ich auch Gelstifte oder Fineliner. Und auch ohne Textmarker komme ich nicht aus. Denn ich erfasse Inhalte leichter, wenn ich Texte nicht am Computer, sondern auf Papier lese – und die wichtigsten Stelle markiere

Ein Timer hilft mir, meine Arbeitszeit bei bestimmten Aufgaben zu begrenzen. Denn immer noch vergesse ich manchmal die Zeit, wenn ich recherchiere oder schreibe. Bei anderen Aufgaben lasse ich mich allzu gerne ablenken. Damit das nicht geschieht, teilt die Eule die Zeit nach dem Pomodoro-Prinzip in 25-Minuten-Abschnitte, in denen ich konzentriert arbeite, und kurze Erholungspausen. Und der Buddha bringt mit seiner kleinen Kerze in den Herbst- und Wintermonaten ein bisschen Licht in die Dunkelheit, wenn ich schon früh oder noch spät am Schreibtisch sitze.

In dem vergoldeten Pappkästchen sammle ich meine USB-Sticks. Seit ich im Volontariat vor fast einem halben Jahrhundert wegen eines Programmierfehlers das Inhaltsverzeichnis des Computers gelöscht und mehrere Tage damit verbracht habe, die nicht gesicherten Dateien der Kollegen zu rekonstruieren, speichere ich meine Dateien täglich ab, oft mehrmals und auf verschiedenen Datenträgern. Die Hexe am Computer bewacht sie, unterstützt von zwei Kolleginnen, die an der Schreibtischlampe hängend den Überblick behalten und mir (hoffentlich) Glück bringen.

Auf dem Holzbrettchen, das meine Tochter mit Kaffeetasse und Buch verziert hat, steht meist eine halbvolle Kaffeetasse. Auf Kaffee kann ich nicht verzichten, vor allem morgens ist er ein Muss. Ich bin Frühaufsteherin und eigentlich kein Morgenmuffel, doch vor der ersten Koffeindosis bin ziemlich unleidlich und unkreativ.

Musik höre ich dagegen nur phasenweise. Um mehr Platz und Ordnung auf meinem Schreibtisch zu haben, habe ich sowohl die CD-Box als auch den Monitor auf meinen Ersatzschreibtisch ausgelagert. In seinem ersten Leben war Schreibtisch Nr. 3 eine Tischnähmaschine. Sie gehörte meiner Mutter, genäht wurde an ihr eigentlich nie. Auch bei mir wird sie zweckentfremdet, vor allem für Videokonferenzen und Korrekturarbeiten am großen Monitor.

Bei Korrekturaufträgen arbeite ich meist mit zwei Notebooks. Mit meinem Arbeitsnotebook logge ich mich ins Verlagssystem ein, mit meinem alten Ersatznotebook recherchiere  ich im Internet, wenn sich (inhaltliche, orthografische oder grammatische) Fragen ergeben.  Das zweite Notebook hat, anders als sein jüngerer Bruder, einen festen Platz. Es steht auf einem kleinen Computertisch – Arbeitstisch Nr. 4. der nach getaner Arbeit wieder an die Wand und damit aus dem Blick rückt.

Monatsrückblick Juli 2024

Der erste Monat der zweiten Jahreshälfte ist vorbei, die Tage werden schon wieder kürzer. Das merke ich vor allem, wenn ich morgens auf der Empore meine Morgenseiten schreibe – jetzt fast immer, bevor die Sonne aufgeht.

Unterwegs

Zum ersten Mal seit ewigen Zeiten war ein Monat komplett auftragsfrei – gar nicht zu arbeiten ist für mich irgendwie immer noch ungewohnt, obwohl ich inzwischen seit fast zwei Jahre Rentnerin bin. Und so war ich im Juli recht viel unterwegs: Ich war an der Ostsee (https://timetoflyblog.com/ostsee-statt-normandie), im Harz (https://timetoflyblog.com/auf-dem-hexenstieg), in Thüringen (https://timetoflyblog.com/auf-nach-thueringen) und in Schwerin.

Die Landeshauptstadt von Meck-Pomm wollte schon lange besuchen. Zwei Tage nachdem das UNESCO Welterbekomitee das Residenzensemble Schwerin in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen hatte, war es dann endlich so weit.

Zum Residenzensemble Schwerin gehören neben dem Schweriner Schloss, laut Wikipedia das Musterbeispiel eines historistischen Residenzschlosses, weitere 37 Gebäude (https://de.wikipedia.org/wiki/Residenzensemble_Schwerin). Wie viele ich davon gesehen habe, weiß ich nicht. Denn ich habe mich durch die Stadt und den Tag treiben lassen – ohne Plan und bestimmte Ziele. Repräsentative Gebäude begegnen einem dort auf Schritt und Tritt. Selbst der Bahnhof, auf dem ich angekommen und abgefahren bin, ist Teil des Residenzensembles Schwerin und damit UNESCO-Welterbe.

Natürlich war ich am Schloss, einst Wohnsitz der Herzöge, später Museum und seit der Wiedervereinigung auch Sitz des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. Ich habe unter anderem das Theater, das Museum, den Marstall, das Alte Rathaus, das Kollegiengebäude, heute Sitz der Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern, und die wunderschönen alten Villen an der Werderstraße bewundert. Und vom Turm des Doms habe ich den Blick auf die Stadt und die Umgebung genossen, während im Turm die Mittagsglocken läuteten.

Wer wie ich gerne am Wasser ist, hat dazu in Schwerin reichlich Gelegenheit. Ich bin am Unteren Ostorfer See, am Pfaffenteich, am Ziegelsee, am Burgsee und am Schweriner See entlangspaziert. Besonders gut gefallen hat es mir im Burggarten, der das Schloss umgibt. Dort habe ich auch meine beiden Lieblingsplätze gefunden: den Pavillon zwischen den Rosenbeeten und die Orangerie, beide mit Blick auf den Schweriner See. Hier wäre ich gerne geblieben – und ich werde gewiss wiederkommen. Spätestens im Dezember, denn der Weihnachtsmarkt in der Altstadt soll sehr schön sein.   

Am Würmsee

Einer meiner Lieblingsorte in Burgwedel ist der Würmsee – und immer, wenn ich dort bin, frage ich mich, warum ich mir nicht öfter die Zeit nehme, die paar Kilometer zu radeln, um am Ufer zu sitzen oder eine Runde um den See zu spazieren.

In den vergangenen Sommern war der Teich fast verlandet, weil das Grundwasser, das ihn speist, stark gesunken war. Doch nach den regenreichen Monaten ist der Wasserspiegel noch immer hoch, der See reicht fast bis an meine Lieblingsbank heran. Dort sitzen Fuchs, Reiher, Eisvogel und Kröte friedlich zusammen und stellen allen, die vorbeikommen, die gleiche Frage: „Was brauchst du für dein Leben?“

Den vieren machen die vielen Stechmücken offenbar ebenso wenig aus wie den Gänsen, die den immer noch halb überfluteten Steg zum Boot besetzt haben. Auf mich stürzten sich die stechenden Plagegeister, sobald ich stehen blieb. Nur den Steg mit den Badenden hatten sie offenbar noch nicht entdeckt – und so konnte ich auf der hölzernen Liege zumindest eine kurze Schreib-, Denk- und Kaffeepause einlegen.

Klassik in der Altstadt

Manchmal frage ich mich, warum ich etwas bislang nicht wahrgenommen hat. Zum Beispiel das Festival „Klassik in der Altstadt“, das sich längst über Hannover hinaus einen Namen gemacht hat. Schon zum 21. Mal organisierte Ariane Jablonka, Inhaberin der Agentur AJ Classic und des Musikhauses Döll, in diesem Jahr die Konzertreihe mit Nachwuchsmusikerinnen und -musikern, die an der Musikhochschule Hannover oder am Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter (IFF) studieren. Die Konzerte auf dem Alten Marktplatz und in der Kreuzkirche dauern etwa eine halbe Stunde. Der Eintritt ist frei, die Atmosphäre viel lockerer als bei „normalen“ klassischen Konzerten und das Publikum gemischter. Etwa 10.000 Menschen kamen in diesem Jahr zu den insgesamt 20 Konzerten an drei Samstagnachmittagen.

Mich haben besonders begeistert die Konzerte der Frühstudierende des IFF begeistert. Im ersten zeigten Jannes Wald (Saxofon), Finja Händel (Flöte) und Nepheli Elsas (Klavier) zunächst solo, dann gemeinsam ihr Können. Noch jünger als die drei ist Charlotte Melkonian, die danach auftrat. Die erst elfjährige Cellistin, die noch die Vorklasse des IFF besucht, avancierte zum Publikumsliebling und gewann den Publikumspreis. Vielleicht löst sie ja in ein paar Jahren Sol Gabetta als meine Lieblingscellistin ab.

Nach meiner Premiere stand fest: Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei, vielleicht dann mit meinen musikalischen Enkeltöchtern.

Olympische Augenringe

Alle vier Jahre läuft bei uns zwei Wochen lang der Fernseher heiß: Während der Olympischen Spiele schaue ich mir Sportsendungen an, wann immer ich Zeit habe. Mich interessieren – von wenigen Ausnahmen wie Boxen, Ringen, Gewichtheben und Schießen abgesehen – fast alle Sportarten.  Und auch die Eröffnungs- und Abschlussfeier sind eigentlich nicht mein Ding. Eigentlich. Denn die Eröffnungsfeier der 33. Olympischen Spiele am Abend des 26. Juli in Paris hat mich begeistert. Sie fand nämlich nicht wie (fast) alle Eröffnungsfeiern vor ihr in einem Stadion statt, sondern mitten in Paris und auf der Seine. Und sie war eine spannende Reise durch die französische Geschichte und Kultur. Besonders gut gefallen haben mir die Skulpturen der für die Frauenbewegung bedeutenden Frauen. Unter anderem Christine de Pizan, Olympe de Gouges, Simone Veil und Simone de Beauvoir schwimmen jetzt in der Seine. Ob sie auch nach dem Ende der Spiele bleiben dürfen? Ich bin gespannt.

Weiteres Highlight war Jeanne d’Arc, die auf einem Pferd aus Metall auf der Seine von der Pont d’Austerlitz bis zum Place du Trocadéro ritt und die Olympische Fahne überbrachte. Und auch für die Olympische Flamme haben sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen. Sie schwebt in einem Gasballon bis zum Ende der Spiele heute Abend über dem Jardin des Tuileries am Louvre. Und vielleicht sehe ich nach der gelungenen Eröffnung heute Abend auch zu, wie die Olympischen Spiele enden und die Flamme erlöscht.

Wie viel Zeit bleibt

Vor fünf Jahren, am 31. Juli 2019, starb meine Mutter. Sie war 95 Jahre alt, ihre Kräfte und ihr Lebenswillen hatten in den letzten Wochen immer mehr nachgelassen. Seit ihrem Tod sind viele andere Menschen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis gestorben. Fast alle waren viel jünger als meine Mutter, einige sogar jünger als ich. Die beiden Freundinnen beispielsweise, die ich schon sehr lange kannte – dass wir uns erst einige Jahre vor ihrem Tod angefreundet haben, bedaure ich sehr. Von der einen konnte ich mich verabschieden, von der anderen nicht. Bei unserem letzten Treffen ahnten wir beide nicht, dass wir uns nicht wiedersehen würden.

Seit ich von ihrem Tod erfahren habe, frage ich mich immer wieder, wie viel Zeit mir noch bleibt – und wie ich sie gestalten möchte. Und ich nehme mir vor, das Leben mehr zu genießen, öfter in den Tag hineinzuleben, wie an manchen Tagen im Juli. Carpe diem.