Gelesene Bücher 2025

Auch in diesem Januar wieder, wie in den drei zurückliegenden Jahren, eine Liste der Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Wie in den vergangenen Jahren waren es 60 – etwa drei Viertel der Bücher wurden von Frauen geschrieben.

Vollständig ist die Liste wahrscheinlich nicht. Als ich sie nämlich durchgesehen habe, um diesen Beitrag zu schreiben, fehlte ausgerechnet das Buch, das mich am meisten berührt hat: die Tagebücher von Ruth Maier, die in Deutschland unter dem Titel „Das Leben könnte gut sein“* veröffentlicht wurden . Ich habe das Buch bei meinem Besuch im Zentrum für Holocaust- und Minderheitenstudien in Oslo entdeckt und es mir sofort nach meiner Rückkehr aus Norwegen gekauft – antiquarisch, weil es im Buchhandel leider vergriffen ist.

Ruth Maier, im November 1920 in Wien geboren, führte fast zehn Jahre lang – von 1933 bis 1942 – Tagebuch. Nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten floh sie 1939 allein nach Norwegen. Doch als die deutsche Wehrmacht im Sommer 1940 Norwegen besetzte, war sie auch dort nicht mehr sicher. Im November 1942 wurde Ruth Maier kurz nach ihrem 22. Geburtstag in Oslo verhaftet, mit 531 jüdischen Frauen, Männern und Kindern nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nur neun der Deportierten  überlebten das Vernichtungslager.

Auch Margot Friedländers Bruder und ihre Mutter wurden nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Die damals 21-Jährige tauchte unter, lebte über ein Jahr im Untergrund und entkam mehrmals nur knapp der Gestapo. 1944 wurde sie verhaftet und nach Theresienstadt deportiert wurde. Margot Friedländer überlebte als einzige ihrer Familie den Holocaust und emigrierte mit ihrem Mann in die USA. 2010 kehrte sie nach Berlin zurück, engagierte sich als Zeitzeugin gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus, bis sie im vergangenen Jahr starb. Mit der Schriftstellerin Malin Schwerdtfeger hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben. Ihren Titel verdanken die Erinnerungen einer Botschaft, die Margot Friedländers Mutter ihrer Tochter hinterließ, bevor sie deportiert wurde: „Versuche, dein Leben zu machen“.

Margot Friedländer kannte ich natürlich, aber ich hatte noch kein Buch von ihr gelesen – ebenso wie von 22 weiteren AutorInnen auf meiner Liste. Bei einigen wird das erste Buch wohl auch das letzte auf meiner Leseliste sein. Von anderen habe ich gleich mehrere Bücher gelesen. Eine echte Entdeckung ist für mich die Norwegerin Vigdis Hjorth. Und das zweite Buch ihrer Landsfrau Kristin Valla hat mich animiert, das erste noch einmal zu lesen. Gut gefallen hat mir auch der erste Roman von Elisabeth Drimalla, die ich vom gemeinsamen Schreiben kenne. Jetzt bin ich gespannt auf ihren zweiten.

Lesepläne für 2026

Im neuen Jahr möchte ich nicht nur (mindestens) ebenso viele Bücher lesen wie in den vergangenen, sondern täglich auch ein Gedicht. Damit mir das gelingt, liegt jetzt das Buch „Mit Gedichten durchs Jahr“ neben meinem Bett. Der lyrische Kalender enthält 365 Gedichte – für jeden Tag des Jahres eins. Jeden Montag verhilft mir der Blogbeitrag von Christiane zu einem poetischen Start in die Woche – oft passend zur Jahreszeit oder zu aktuellen Anlässen. Und freitag flattert mir ebenfalls per Mail mit dem Lyrik Newsletter des Suhrkamp Verlags das Gedicht der Woche ins Haus.

An der „Dead Authors Challenge“, von der ich durch den Blog Kristinas Lebenswelt erfahren habe, werde ich wohl nicht teilnehmen. Denn ich schaffe es wahrscheinlich nicht, in diesem Jahr über die Bücher von (mindestens) zwölf verstorbenen AutorInnen zu bloggen. Aber die Idee gefällt mir: Spontan sind mir aus meinem Stapel ungelesener Bücher (SUB) Werke von Hannah Arendt, Margot Friedländer, Max Frisch, Mascha Kaléko, Marie Luise Kaschnitz und Christa Wolf eingefallen, die ich endlich (wieder) lesen s/wollte. Drei auf meinem E-Book-Reader, drei ganz klassisch als Bücher.

Eine besondere Leseherausforderung ist – nicht nur wegen der Länge von 1168 Seiten – sicher Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus“. Das Buch erschien erstmals 1951 auf Englisch, auf Deutsch dann 1955. Aber die Frage, wie eine Gesellschaft ins Totalitäre abdriftet, ist leider derzeit so aktuell wie lange nicht mehr.

Unbedingt lesen möchte ich auch den 1938 in Italien erschienen Debütroman von Alba de Céspedes, der erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde. „Was vor uns liegt“ wurde damals von den faschistischen Behörden unter Mussolini verboten.

Ich bin gespannt, ob sich diese Bücher im nächsten Januar auf meiner Leseliste wiederfinden.

Liste der 2025 gelesenen Bücher

wie immer ungeordnet und wahrscheinlich unvollständig

  1. Elisabeth Drimalla: Einsamkeit ist kein Symptom
  2. Sigrid Nunez: Was fehlt dir
  3. Henning Scherf: Altersreise
  4. Joachim Meyerhöfer: Hamster im hinteren Stromgebiet
  5. Joachim Meyerhöfer: Man kann auch in die Höhe fallen
  6. Joan Didion: Was ich meine
  7. Leila Slimani: Der Duft der Blumen bei Nacht
  8. Paul Auster: Winterjournal
  9. Caroline Peters: Ein anderes Leben
  10. Mely Kyriak: Frausein
  11. Annegret Langenhorst: Was bleibt vom Tag. Frauentagebücher erzählen
  12. Margot Friedländer, Malin Schwerdtfeger: Versuche dein Leben zu machen
  13. Claire Keegan: Reichlich spät
  14. Daniel Glattauer: In einem Zug
  15. Chloe Benjamin: Die Unsterblichen
  16. Kristin Valla: Ein Raum zum Schreiben
  17. Lucy Fricke: Das Fest
  18. Vigdis Hjorth: Die Wahrheiten meiner Mutter
  19. Kristin Valla: Das Haus über dem Fjord
  20. Peter Handke: Ein Jahr aus der Nacht gesprochen
  21. Hans Josef Ortheil; Rom, Villa Massimo
  22. Hans Josef Ortheil: Die weißen Inseln der Zeit
  23. Vigdis Hjorth: Ein falsches Wort
  24. Kristine Bilkau: Halbinsel
  25. Dora Heldt: Starker Wind bei …
  26. Yvonne Kraus Erfolgs Mindset für Autorinnen
  27. Daniela Krien: Mein drittes Leben
  28. Ruth Maier: Das Leben könnte gut sein. Tagebücher
  29. Rachel Carson: Magie des Staunens
  30. Eva Lohmann: Wie du mich ansiehst
  31. Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller
  32. Isabel Bogdan: Wohnverwandtschaften
  33. Tim Conrads: Leichtes Gepäck. Ein Roman vom Jakobsweg
  34. Amelie Nothomb: Buch der Schwestern
  35. Ursula Ott : Gezwisterliebe
  36. Laura Pfaffenbach u.a.: Frauen unterwegs, 10 bewegende Geschichten über Mut, Abenteuer und Glück des Wanderns.
  37. Erling Kagge: Gehen – weiter – gehen. Eine Anleitung
  38. Kristin Steinsdottir: Eigene Wege
  39. Monika Peetz: Flaschenpost aus der Vergangenheit
  40. Vigdis Hjorth: Wiederholung
  41. Tägliche Routinen für Autoren: Erstaunliche Routinen, um ein Schreibritual zu etablieren
  42. Sigrid Nunez: Eine Feder auf der Akte Gottes
  43. Sarah Lorenz: Mit dir möchte ich im Himmel Kaffee trinken
  44. Alois Prinz; Hannah Arendt
  45. Mina Bäuerlein; Die Rückwärtspilgerin
  46. Doris Dörrie: Wohnen
  47. Annie Ernaux: Die Besessenheit
  48. Anne Enright: Vogelkind
  49. Renate Ahrens: Alles was folgte
  50. Stephan Schäfer: 25 Sommer
  51. Ruth Shaw: Drei Buchläden am Ende der Welt
  52. Melanie Pignitter: Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pizza und Aperol: Ein Roadtrip zu Selbstliebe und Heilung.
  53. Stephan Schäfer: Gerade jetzt ist alles gut
  54. Elena Ferrante: Tage des Verlassenwerdens
  55. Bettina Flittner: Meine Mutter
  56. Virginia Evans: Die Briefeschreiberin
  57. Clara Loesl: Wehe du gibst auf
  58. Helga Schubert: Der heutige Tag
  59. Marjaleena Lembcke: Wir bleiben nicht lange
  60. Flachmann, Susanne: Solo VanLife: Mut zum Alleinreisen mit dem Wohnmobil

Welche Bücher haben Sie im vergangenen Jahr gelesen?

Und welche haben Ihnen besonders gut gefallen? Ich freue mich über Leselisten und Buchtipps, von lebenden und toten AutorInnen, gerne auch als Kommentar.

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Beeindruckende Ausstellung

Nein, selbst hätte ich mir die Museumscard Hannover diesmal nicht gekauft, oder zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt. Denn erstens stimmt meiner Meinung nach das Preis-Leistungsverhältnis nicht, wenn man sie zum Beispiel mit dem Museums-PASS-Musées vergleicht . Mit dem Museums-PASS-Musées kann ich in diesem Jahr mehr als 360 Museen, Schlösser und Gärten sowie über tausend Wechselausstellungen besuchen (https://www.museumspass.com/de) , mit der hannoverschen Museumscard gerade mal 10 (in Worten zehn) (https://www.hannover.de/Kultur-Freizeit/Museen-Ausstellungen/Museumsführer/MuseumsCard). Und wenn ich „bis zu drei Kindern bis zum vollendeten 17. Lebensjahr mit in die Museen“ nehmen möchte, muss ich für acht Euro die „Zusatzoption Familie“ für acht Euro buchen. Im Museums-PASS-Musées ist für 123 Euro der Eintritt zusätzlich für fünf Kinder unter 18 Jahren frei. So geht familienfreundlich und so begeistert man Kinder für Kunst und Geschichte.

Mehr noch als das Preis-Leistungsverhältnis stört mich (zweitens) der Provinzialismus der niedersächsischen Karte: Seit vergangenem Jahr ist auch ein Museum außerhalb Hannovers dabei: das Roemer- und Pelizaeus-Museum in der Nachbarstadt Hildesheim. Museen in Braunschweig, Celle oder anderen niedersächsischen Städten: Fehlanzeige. Beim Museums-PASS-Musées kooperieren Museen aus drei Ländern – aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich, in Deutschland machen Museen aus zwei Bundesländern, aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, mit. Und während der Museums-PASS-Musées automatisch beim ersten Besuch aktiviert wird und dann ein Jahr lang gilt, muss der Beginn bei der Museumscard Hannover exakt festgelegt werden. Immerhin darf das Ausstellungsdatum „bis zu drei Monaten nach dem Datum des Kaufs liegen“. Bravo. Da haben die Verantwortlichen wohl noch nicht gemerkt, dass das digitale Zeitalter schon begonnen hat.

Dass eines der zehn Museen, das Historische Museum Hannover, wegen Umbaus noch das ganze Jahr geschlossen ist und im Hannover Kiosk nur eine Art Notprogramm bietet, stört mich weniger. Denn die Prunkkutschen der hannoverschen Herrscher, die dort unter anderem gezeigt wurden, sind ohnehin nicht mein Ding. Ärgerlicher finde ich, dass auch das Museum August Kestner und das Museum Schloss Herrenhausen erst wieder im Frühjahr öffnen. Allein aus diesem Grund hätte ich mir die Museumscard jetzt noch nicht gekauft. Aber darüber, dass mein Mann sie mir geschenkt hat und ich jetzt die Museen ein ganzes Jahr lang besuchen kann, habe ich mich sehr gefreut (Danke nochmal). Und auch den Starttermin hat er perfekt gewählt.

Kz überlebt

Zum Glück bin ich gleich am ersten Gültigkeitstag ins Landesmuseum. Denn sonst hätte ich die Sonderausstellung „KZ überleb“t verpasst, die am nächsten Tag zu Ende ging. Seit 2013 wurde die Wanderausstellung laut Pressemitteilung des Museums an über 20 Stationen in Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien gezeigt und von rund 130.000 Menschen besucht (https://www.landesmuseum-hannover.de/wp-content/uploads/pressemitteilung-kz-uberlebt-portrats-von-stefan-hanke.pdf). Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich sie noch gesehen habe.

Never forget: Orte des Grauens. Nie wieder ist jetzt!

Von 2004 bis 2014 hat der Regensburger Fotograf Stefan Hanke in sieben europäischen Ländern 121 Überlebende nationalsozialistischer Konzentrations- und Vernichtungslager besucht und in ihrem Lebensumfeld oder an Orten ihres Leidens fotografiert. 72 der eindrucksvollen Schwarz-Weiß Porträts waren in der gemeinsamen Ausstellung des Landesmuseums und der Villa Seligmann zu sehen. Kurze Texte und Zitate informierten über das unermessliche Leid, das ihnen angetan wurde, und über ihre persönlichen Lebenswege. Die Bilder geben den Opfern ein Gesicht und „ermöglichen einen besonderen Zugang in die Geschichte(n) rund um eine der größten Katastrophen der Menschheit“.

Beeindruckend war auch die virtuelle Begegnung mit NS-ZeitzeugInnen im Rahmen des Projekts „in Echt“, das von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH (BKG) konzipiert und in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf realisiert wurde.

In einem Raum der Ausstellung konnte ich, ausgestattet mit VR Brille und Kopfhörern, fünf Menschen zuhören und zuschauen, die die NS-Konzentrationslager als Kinder und Jugendliche überlebt haben. Charlotte Knobloch, Inge Auerbach, Ruth Winkelmann, Leon Weintraub und Kurt Hillmann erzählen seit Jahren zum Beispiel in Schulen, was sie erlebt haben und engagieren sich so gegen das Vergessen. Doch die jüngsten ZeitzeugInnen sind inzwischen über 80 Jahre alt, manche, wie Margot Friedländer, sogar älter 100. Wie lange sie noch ihre Erfahrungen an die jungen Menschen weitergeben können, ist ungewiss. Die interaktive Ausstellung „zeigt einen möglichen Weg, wie virtuelle Zeitzeug*innengespräche die Erzählungen der Überlebenden bewahren und die Lücke füllen können, wenn es keine Zeitzeug*innen mehr gibt“. (https://www.landesmuseum-hannover.de/presse/). Dies ist in einer Zeit, in der die „in Teilen gesichert rechtsextremistische“ AfD bei der Wahl zum Bundestag die zweitstärkste Partei zu werden droht, wichtiger denn je.

Die Porträts von Stefan Hanke sind auch im Ausstellungskatalog* abgedruckt, der für 39,80 Euro im Shop des Landesmuseums und in der Villa Seligmanngekauft werden kann.

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