Wandern im Naturpark Sintra-Cascais

Ursprünglich wollten Foe und ich eine Woche lang auf dem Fischerpfad in Portugal wandern. Doch weil uns beide Knie- bzw. Fußverletzungen oder deren Nachwirkungen plagen, haben wir uns für Tageswanderungen entschieden. Dass die Organisation, die die Wanderreise in der Gegend von Sintra eigentlich organisieren sollte, uns keine Unterkunft in Cascais anbieten konnte, war im Nachhinein unser Glück: Foe fand für uns eine Ferienwohnung in Azenhas do Mar – eine sehr gute Alternative.

Azenhas do Mar

Die Landschaft im Naturpark Sintra-Cascais ist ein Traum – und Azenhas do Mar gilt als eines der schönsten Dörfer in Portugal. Die weißen Häuser liegen auf einer Klippe hoch über dem Atlantik. Von unserer Wohnung bis zum kleinen Strand waren es nicht einmal 200 Meter.

Um das Meer zu sehen, mussten wir nur zur Straße direkt vor unserem Haus gehen. Unter der Straße liegt eine Grünanlage mit einem Bach, der am Strand ins Meer mündet. Früher hat er wohl die Wassermühlen betrieben, die dem Ort seinen Namen gaben. Denn Azenhas bedeutet auf Deutsch Wassermühlen.

Der kleine Park endet am Restaurant Azenhas do Mar, in dem man, geschützt hinter Glas sitzend, essen und den Blick aufs Meer genießen kann. Den Sandstrand erreicht man von dort über eine aus den Felsen gehauene Treppe. Gebadet haben wir leider nicht. Denn die Wellen waren ziemlich hoch. Und der Ozeanpool, auf verschiedenen Websites unter anderem als „ein wahres Naturjuwel und eines der Wahrzeichen dieses Küstendorfes“ beschrieben, war und blieb die ganze Woche verschwunden. Das Becken soll laut idealista.pt in den 1950er-Jahren gebaut worden sein und sowohl vom Bach als auch bei Flut vom Atlantik gespeist werden. Das Wasser ist also garantiert immer frisch.

Wir haben allerdings nur einen Teil der Mauer gesehen, obwohl wir bei verschiedenen Gezeiten – bei Ebbe und Flut, bei Hoch-, Niedrigwasser und dazwischen – am Strand waren. Ob der Rest unterm Sand vergraben war und erst im Sommer freigelegt wird oder ob das Meer die übrigen Mauerteile verschlungen hat, weiß ich nicht. Immer, wenn ich am Strand saß, musste ich an die Zeile aus Theodor Fontanes Gedicht „Die Brücke am Tay“ denken: „Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand“.*

Im Atlantik geschwommen sind wir also nicht, dafür aber viel gewandert: Fast immer direkt am Meer entlang, auf schönen, teilweise recht anspruchsvollen, weil steinigen und steilen Wanderwegen mit oft atemberaubende Ausblicken. An den beiden ersten Tagen sind wir von Azenhas losgewandert, an den anderen Tagen sind wir mit dem Bus losgefahren, um neue Wege zu entdecken.

Busfahren war ein Abenteuer für sich: An den meisten Bushaltestellen gibt es keine Fahrpläne. Die Busse fuhren zwar häufig, aber eben nicht immer dann, wenn sie im Internet angekündigt waren. Mal kamen sie später, manchmal fuhren sie aber auch früher los. Wer das nicht einkalkuliert und pünktlich auf die Minute kommt, kann Pech haben – und muss auf den nächsten Bus warten. Wir haben unsere Ziele (Sintra, Almoçageme, Cabo da Roca oder Praia do Magoito) trotzdem immer erreicht und sind auch wieder gut nach Hause gekommen.

Cabo da Roca

Besonders gut gefallen haben mir die Wanderungen von Azenhas bzw. Praia do Magoito Richtung Norden und von Almoçageme zum Cabo da Roca. Unterwegs sind uns kaum Menschen begegnet – so haben wir in zweieinhalb Stunden auf dem Weg zum Cabo da Roca nur zwei Frauen getroffen. Dafür herrschte am Cabo selbst Hochbetrieb. Das Felsenkap ist der westlichste Punkt auf dem europäischen Festland. Um ein Foto vor der Säule mit einem entsprechenden Hinweisschild zu machen oder sich im Tourismusbüro eine Urkunde ausstellen lassen, die den Besuch am Cabo da Roca bescheinigt, standen die BesucherInnen aus aller Welt Schlange.

Der Leuchtturm, das Wahrzeichen des Kaps, thront auf einem 140 m hohen Felsen und ist 22 Meter hoch. Heute ist sein Licht ist 48 Kilometer weit zu sehen, der Leuchtturm selbst ist abgesperrt und kann nicht besichtigt werden.

Sintra

Viel los war auch in Sintra: Die alte Maurenstadt gehört laut Website Portugal360.de zum portugiesischen UNESCO-Welterbe und war viele Jahrhunderte die Sommersitz der portugiesischen Könige. In dem zwischen Lissabon und Azenhas do Mar gelegenen Städtchen finden sich laut Website einige der schönsten Sehenswürdigkeiten Portugals, unter anderem der Palácio Nacional da Pena, der Paco Real oder Palácio Nacional de Sintra,  die maurische Burgruine Castelo dos Mouros und natürlich die Quinta da Regaleira.

Das Anwesen am Rande der historischen Altstadt stand schon lange auf Foes To-visit-Liste. Es wurde zwischen 1904 und 1910 nach Entwürfen und Vorstellungen seines Besitzer António Augusto Carvalho Monteiro erbaut. Der steinreiche Unternehmer, fasziniert von Freimaurern, Tempelrittern und Rosenkreuzern, errichtete mithilfe des italienischen Architekten Luigi Manini „einen Ort, der seine Leidenschaften und philosophischen Überzeugungen widerspiegelte“. Entsprechende Symbole und Hinweise kann man überall auf dem Anwesen entdecken, wenn man sie denn (er)kennt.

Der fünfstöckige Palast sieht aus wie ein Märchenschloss. Die Fassade vereint neomanuelinische, neogotische und Renaissance-Elemente; die Räume sind mit kunstvollen Fresken, ebenso kunstvollen Holzdecken und bunten Glasfenstern ausgestattet. Highlight ist aber der Park mit Seen, Grotten, Brunnen, Brücken und unterirdischen Tunnelsystemen.

Tunnel und dunkle Höhlen sind nicht so mein Ding. Aber natürlich sind wir in den berühmten Initiationsbrunnen (Poço Iniciàtico) hinabgestiegen. Der ähnelt einem umgedrehten Turm und gilt als das „wahre Herz der Quinta da Regaleira“. Vor seinem Eingang bildeten sich bald lange Schlangen. Doch weil wir vom Eingang sofort zum Brunnen gegangen waren, kamen wir ohne Wartezeit hinein.

Eine Wendeltreppe führt 27 Meter oder neun Plattformen tief hinab. Die Zahl neun soll eine Anspielung auf die neun Kreise der Hölle aus Dantes “Inferno”. In den Mosaikboden am Fuß des Brunnens ist das persönliche Wappen António Carvalho Monteiros eingelegt: ein achtzackiger Stern mit einem großen Templerkreuz. Unterirdische Gänge führen von dort wieder ins Freie, zu einem kleinen See mit Wasserfall.

Nach dem Besuch der Quinta trennten sich unsere Wege: Foe wanderte zur Maurenburg, ich fuhr mit dem Bus in die historische Altstadt mit verwinkelten Gassen, bunten Häusern und dem beeindruckenden Nationalpalast (Palácio Nacional de Sintra). Der war vom 14. bis zum 20. Jahrhundert königliche Sommerresidenz. Die markanten, konischen Küchenschornsteine, heute ein Wahrzeichen von Sintra, wurden allerdings erst nach dem Erdbeben von 1755 errichtet, das Teile des Palasts zerstörte. 

Diesmal war ich nur im kleinen Garten des Palasts und habe von dort die Maurenburg fotografiert. Beim nächsten Besuch in Sintra möchte ich auch den Palast besichtigen. Den Park des Palacio da Pena werde ich mir ebenfalls ansehen. Auf dem Gelände, das einst so kahl wie eine Mondlandschaft gewesen sein soll, wachsen heute neben einheimischen auch exotische Pflanzen wie tasmanische Baumfarne, Azaleen aus Japan oder kalifornische Mammutbäume. Viele Wanderwege führen durch den Park, einer auch zum Cruz Alta: Von dem mit 528 Metern höchsten Punkt soll man einen herrlichen Blick über die Serra und bis zum Atlantik. Vielleicht entdecke ich dann aus der Ferne auch Azenhas do Mar.

*Das ganze Gedicht von Theodor Fontane und Erläuterungen dazu finden Interessierte unter https://www.deutschland-lese.de/streifzuege/balladen/die-bruecke-am-tay/

Monatsrückblog Februar 2026

Eins zwei drei im Sauseschritt … Jetzt ist auch der zweite Monat des Jahres vorbei – und hoffentlich auch der Winter. Die Tage sind zum Glück schon deutlich länger: Zwar ist es morgens, wenn ich aufwache, meist noch nicht hell, aber im Osten ist meist schon ein heller Streifen am Horizont zu sehen.

Ab in den Garten

Am 1. März hat der meteorologische Frühling begonnen, und das Wetter hat sich diesmal nach dem Zeitplan der Meteorologen gerichtet. Der Dauerregen hörte aus, es wurde in der letzten Februarwoche frühlingshaft. Obwohl wir nur einen relativ kleinen Garten haben, war daher Gartenarbeit angesagt. Und auch mein Projekt Herrenhäuser Gärten konnte starten, wenn auch mit einmonatiger Verspätung. Ein Jahr lang möchte ich jeden Monat einen Beitrag über die Herrenhäuser Gärten, vor allem über den Berggarten, posten.

Schreibmonat Februar

Weil ich gerne gemeinsam mit anderen schreibe, habe ich mich für den Schreibmonat Februar der Textmanufaktur angemeldet: Fünf dreistündige Cowritings „zum gemeinsamen Schreiben und zum Austausch“ und ein ambitioniertes Ziel für die TeilnehmerInnen: „Drei Seiten am Tag, 21 pro Woche, 84 im Monat (gern mehr) … Egal, ob es … der liegengebliebene Roman … oder Gedanken, die dir seit Ewigkeiten im Kopf herumschwirren und endlich aufs Papier wollen“ .

Weil ich eine Langsamschreiberin bin und es neben der Geschichte, die ich vor Jahren begonnen habe und die in diesem Jahr endlich zu Ende bringen will, noch andere Ideen und Projekte gibt, habe ich mir eigene Schreibziele gesetzt:

  • jeden Tag an meiner Geschichte arbeiten, das sind mindestens 300 Worte (eine Seite) täglich,  wenn möglich mehr
  • jeden Tag ein Haiku oder ein Elfchen. Denn zum kürzesten Monat des Jahres passen kurze Gedichte
  • mindestens sechs Blogbeiträge posten
  • ein Schreibjournal und ein Naturejournal führen

Die Bilanz am Ende des Monats: Ich habe – alle Schreibprojekte zusammengenommen –32415 Wörter geschrieben, also sogar fast vier Seiten täglich. Das ist mehr, als ich erwartet habe. Mein Roman ist (leider nur) um eine Seite, also um 300 Worte, täglich gewachsen. Statt der angestrebten sechs waren es nur fünf Blogbeiträge und statt 28 kurzer Gedichte nur 20. Immerhin. Mein Arbeitsjournal habe ich fast täglich geführt, mein Naturejournal zugegebener nur gelegentlich. Aber wenn es wärmer wird, bin ich sicher öfter draußen und schreibe dann auch häufiger im Garten oder in der Natur.

Reisen

Manchmal ist es gut, zurückzublicken. Gefühlt habe ich den Februar ganz in Burgwedel und Hannover verbracht. Dass ich zweimal in den Harz gefahren bin, hatte ich schon vergessen. Gewandert bin ich dort im Februar allerdings nicht. Mal war meine Wanderpartnerin, mal war ich nicht fit. Aber es geht wieder voran. Und so haben wir für Anfang Mai einen gemeinsamen Wanderurlaub gebucht. Wir werden allerdings – anders als geplant – nicht die berühmte Rota Vicentina, sondern den Naturpark Sintra-Cascais erwandern. Ich bin sehr gespannt.

Wieder kurze Haare

Soll ich oder soll ich nicht? Seit anderthalb Jahren habe ich meine Haare wachsen lassen, weil ich keine Lust hatte, regelmäßig zum Friseur zu gehen. Zum Schluss waren die Haare fast schulterlang. Jetzt habe ich sie wieder kurz schneiden lassen. „Das sind viel mehr sie selbst“, sagte die Friseurin zu mir, die mir die Haare schneidet, seit ich nicht mehr in Neumagen zu meiner Stammfriseurin gehen kann. Und ich finde, sie hat recht. Außerdem sind kurze Haare viel praktischer, wenn ich wieder häufiger schwimmen gehe. Der Sommer kann also kommen.