Endlich Frühling

Das Warten hat sich gelohnt, zumindest für meinen Lesezwerg. Monatelang war es ziemlich grau und ungemütlich um ihn herum, doch er hat tapfer auf seinem Stammplatz ausgeharrt. Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich ihn in seiner abgeblätterten Jacke in der Kälte sitzen sah. Aber er hat sich dort im wahrsten Sinne des Wortes „fest“gesetzt. Jetzt sitzt er wieder  auf seinem blauen Kissen – wie immer in sein Buch vertieft.

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Lesezwerg im Blaukissen, die Ranunkeln passen (fast) zur roten Mütze.

Im gleichen Beet blühen noch Tulpen und Traubenhyazinthen, sie sind spät dran in diesem Jahr, auch Forsythien und Kirschbaum stehen in voller Blüte. Meine Kräuter erwachen langsam aus dem Winterschlaf: Der Salbei hat den Winter nicht überlebt, weder der Echte Salbei (Salvia officinalis) noch Pfirsich- und Ananassalbei, die ich im letzten Jahr gepflanzt habe, weil sie so gut riechen. Auch der Rosmarin schwächelt: Er blüht zwar, aber die Zweige werden braun. Der Lavendel ist, so scheint es, besser über den Winter gekommen.

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Waldmeisterteppich am Teich.

Auch der Waldmeister ist hart im Nehmen, er breitet sich hinterm Teich immer weiter aus. Mir ist es recht, denn ist mag den Duft. Als ich ihn vor zwei oder drei Jahren gepflanzt habe, war ich zuerst enttäuscht. Dass Waldmeister nur duftet, wenn er getrocknet wird, habe ich erst erfahren, als ich mal an einem Wildkräuter-Menü in einem Restaurant teilgenommen habe. Jetzt trocknen und duften ein paar Stengel  im Wintergarten vor sich hin. Der Bärlauch beginnt zu blühen und auch die Maiglöckchen strecken ihre Blätter aus der Erde. Ich hatte schon befürchtet, sie wären verschwunden.

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Veilchen, Maiglöckchen und natürlich – Giersch.

Meine Tonfrösche haben samt Vogeltränke ihr Winterquartier im Wintergarten verlassen und warten auf  gefiederte Besucher. Die werden, wenn es so warm bleibt, der der Tränke sicher bald einen Besuch abstatten und sie, wie im vergangenen Jahr, zum Planschbecken umfunktionieren.

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Endlich wieder draußen.

 

Ihre lebenden Kollegen, die im vergangenen Jahr die beiden Teiche bewohnten, habe ich bislang weder gesehen noch gehört, obwohl es an den Teichen schon recht grün und wohnlich geworden ist.

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Aber das Frühjahr hat ja gerade erst angefangen. Und da ich, anders als nach dem letzten Winter, keine Leichen aus dem Teich fischen musste, bin ich guter Hoffnung, dass sie wiederkommen. (Und während ich diesen Text schreibe, beginnt draußen, mitten in der Nacht, das Froschkonzert. Hoffentlich stört es die Nachbarn nicht.)

Ich selbst habe heute mein Terrassenbüro eröffnet – und ich hoffe, dass es noch oft so warm ist wie heute und ich es in diesem Frühling und Sommer oft nutzen kann. Dann hat sich das Warten auch für mich gelohnt.

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Arbeiten in der Sonne, zwischen Strelitzie und Zitrusfrüchten.

 

Große Grünedaumengeister und kleine grüne Krachmacher

„Komme der große Grünedaumengeist zum Fest über Dich“, hat mir eine Freundin Ende vergangener Woche gewünscht. Und so habe ich die guten Wünsche, die günstige Gelegenheit (wenig Arbeit) und das leidlich gute Wetter an Pfingsten genutzt, um mich ein bisschen um den Garten zu kümmern.

Los ging es am Sonnabend mit dem Gartenfestival in den Herrenhäuser Gärten: Hier im Georgengarten findet man immer wieder ungewöhnliche Pflanzen und Gartenaccessoires.

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Weil ich mit dem Zug nach Hannover gefahren bin, waren meine Einkaufsmöglichkeiten leider begrenzt. Der Hexe aus Metall konnte ich allerdings nicht widerstehen, obwohl der Transport wegen des Gewichts und der langen Stange, auf der sie thront, nicht ganz leicht war.

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Kräutergartenhexe

Kräuterbeet mit Kräuerhexe

Doch sie hat die Heimfahrt mit U-Bahn, Zug und Bus gut überstanden und bewacht jetzt das kleine Kräuterbeet, das ich neben der Terrasse angelegt habe. Statt Giersch und Franzosenkraut wachsen dort jetzt Zitronenverbene, Ananas- und Pfirsichsalbei neben Mohn und Ringelblumen. Die Rucolapflanze hat ihre neue Heimat in einem blauen Pflanzkasten gefunden, den die Schnecken hoffentlich nicht erklimmen können. Das Glück haben unsere Erdbeeren leider nicht, die erste rote hat eine Schnecke – oder war‘s unsere Hausamsel – schon vor mir entdeckt und angenagt. Die zweite habe ich dann schnell in meinen Bauch in Sicherheit gebracht.

Kräuterbeet vorher DSC_1056
Kräuterbeet mit Giersch und Franzosenkraut vorher …
Kräuterbeet Nachher DSC_1090
… und mit Zitronenverbene, Pfirsich- und Ananassalbei nachher.

Apropos Beeren: Am schmalen Beet am Zaun zum Nachbargrundstück können wir mit Hilfe des Grünedaumengeistes hoffentlich schon im nächsten Jahr wieder Beeren ernten: schwarze Johannisbeeren für mich, rote für meinen Mann und Stachelbeeren für uns beide. Wem die Taybeeren schmecken, ist noch ungewiss: Sie verdanken ihren Platz in unserem Garten einem Missverständnis: Mein Mann hat sie schlichtweg mit den Himbeeren verwechselt, die eigentlich auf meiner Will-haben-Liste standen. Wirklich begeistert bin ich von der Kreuzung aus Himbeere und Brombeere nicht: Sie ist sehr stachlig, deshalb schwer zu ernten und wird deshalb möglicherweise in die Vogelschutzhecke hinter den Teichen versetzt.

Stachelige Taybeere DSC_1099
Nachwuchs für die Vogelschutzhecke – keine Stachelbeere, sondern stachelige Taybeere

Nachwuchs am Teich

Auch von den Teichen gibt’s Zuwachs zu vermelden, allerdings tierischen. Dort sind drei  neue Frösche eingezogen. Während ihre Vorgänger, die den Winter nicht überlebt haben, sehr ruhige Mitbewohner waren, quaken die neuen laut und ausdauernd –  sie haben sich offenbar (noch) viel zu erzählen. Schon morgens um vier sind sie zu hören – und abends nach Mitternacht immer noch. Von den Nachbarn hat sich noch niemand beschwert, allerdings zeigt Fine, die Nachbarkatze, seit einiger Zeit deutlich mehr Interesse an unserem Teich als früher. Dass Frösche unter Naturschutz stehen, weder verletzt noch getötet und nur in Ausnahmefällen (wenn nämlich ihr nächtliches Gequake den Richtwert  von 35 Dezibel um 20 Dezibel übersteigt) mit richterlicher Erlaubnis umgesiedelt werden dürfen, stört Fine wahrscheinlich wenig. Sie folgt ihren eigenen Gesetzen. Darauf, dass Katzen eigentlich wasserscheu sind, sollten sich die kleinen grünen Krachmacher besser nicht verlassen. Fine ist keine gewöhnliche Katze. Ihre Sprungkraft ist gewaltig, ihre Geschicklichkeit auch. Meine Nachbarin berichtet, dass sie auf die obersten Regalbretter springt, ohne irgendetwas umzuwerfen. Kleine Teiche wie unsere überwindet sie wahrscheinlich problemlos mit einem Satz. Zu hoffen ist nur, dass die Frösche schneller und nicht zu sehr ins Gespräch, sprich ins Gequake, vertieft sind.

Kleiner grüner Krachmacher im grünen Dschungel DSC_1091
Kleiner grüner Krachmacher im grünen Dschungel

 

Frühjahrsputz im Garten

Vor ein paar Tagen habe ich bei der Gartenarbeit eine Leiche entdeckt. Sie hing zwischen den durchgeweichten Blättern der Seerose, die ich mit dem Kescher aus dem größeren meiner beiden Miniteiche gefischt habe. Glücklicherweise sah sie nicht so furchterregend  aus, wie es die Pathologen in Krimis immer wieder behaupten. Bleich war sie, allerdings nicht aufgedunsen,  obwohl sie schon eine ganze Weile im Wasser gelegen haben muss.

Das lag sicher daran, dass er – oder sie, das Geschlecht konnte ich leider nicht erkennen – auch einen Großteil seines/ihres Lebens im Wasser verbracht hat. Nicht in diesem Teich, sondern in dem kleineren direkt daneben. Vielleicht ist er vor dem Frost in den größeren und tieferen Teich geflüchtet. Gerettet hat es ihn nicht. Ich habe den kleinen Frosch unter der Sanddornhecke begraben, die ist so stachlig, dass sicher kein Tier ihn ausbuddeln wird.

Neuer Teichbewohner

Ein Nachfolger ist auch schon wieder bei uns eingezogen.  Als ich die Lilien am Rand des kleinen Teichs freigeschnitten und freigerupft habe, hüpfte irgendetwas vom Rand ins Wasser. Es ist wie bei Königs: Der Frosch ist tot, es lebe der Frosch. Vielleicht ist er ja ein verwunschener Prinz? Wenn ja, wird er weiter inkognito bleiben: Ich werde sein Geheimnis nicht lüften. Einen Frosch gegen die Wand zu werfen, wie es Königstöchter offenbar gelegentlich tun, käme mir nie in den Sinn.

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Neuer Frosch am kleinen Teich. Foto: Utz Schmidtko

Ziemlich rigoros bin ich allerdings beim Frühjahrsputz im Garten jenen Pflanzen an meinem Teich zu Leibe gerückt, die meine Lilien überwuchert und fast erstickt haben. Ich hatte sie erst im vergangenen Jahr dorthin gesetzt, weil es vor den Heckenrosen etwas grüner sein sollte. Damit, dass sie ihre Aufgabe so übereifrig erfüllen würden, habe ich nicht gerechnet – jetzt habe ich sie strafversetzt, an den Zaun zum Nachbargrundstück, wo ich jedes Jahr unter Flieder, Haselnuss und anderen Büschen der Allianz aus Efeu und Giersch ein Stück mehr Boden abringe.

Und da ich schon beim Ausgraben war, habe ich mit der Brombeerhecke weitergemacht. Wir hatten sie vor Jahren gepflanzt, wohl in Erinnerung an die wildwachsenden Brombeeren, die ich gerne esse, wenn ich im Sommer an der Mosel bin. Als ich noch klein war, sind wir im Sommer manchmal losgezogen, haben die Mehren, wie sie in meinem Heimatort heißen, gepflückt, um Marmelade davon zu kochen. Leider haben die Brombeeren in unserem Garten überhaupt nicht geschmeckt; dafür sind überall stachlige Triebe aus dem Boden gewachsen. Weil ich meist ohne Handschuhe arbeite, habe ich mir manchen Dorn in den Finger gerammt. Jetzt war meine Geduld am Ende – ich habe eine Grenze gezogen. Rechts der Gartenhütte werde ich Himbeeren pflanzen, hinter der Gartenhütte dürfen die Brombeeren weiterwuchern und mit Sandorn, Felsenbirne und Heckenrose links der Hütte zu einer stacheligen Vogelschutzhecke verwachsen. Die ist noch ziemlich kahl, in meinen Kräuterbeeten zeigen sich die ersten Kräuter bereits wieder: Zitronenmelisse und Minze, Rosmarin und Sauerampfer, Waldmeister und Bärlauch haben den Winter gut überstanden. Mein Salbei bereitet mir allerdings Sorgen. Und ob sich die Lavendelpflanzen von dem radikalen Rückschnitt erholen, den ich ihnen vor ein paar Wochen verpasst habe, wird sich zeigen. Angeblich sollen die Sträucher so dicht und voll nachwachsen, wie ich es aus der Provence und von Fotos kenne. Wenn nicht, werde ich es mit einer neuen Sorte versuchen, deren Name vielversprechend klingt: Blue Dwarf, blauer Zwerg. Winterhart soll diese Sorte  sein, langlebig und hoffentlich unempfindlich. Denn das ist bei meinem fehlenden gärtnerischen Talent überlebenswichtig.

Mein lesender Zwerg sitzt geduldig auf seinem blauen Kissen aus. Seine Jacke hat längst verloren hat, doch dass scheint ihn nicht zu stören. Ganz vertieft er in seine Lektüre trotzt er nur noch mit seiner roten Mütze bekleidet seit Jahren Wind und Wetter.

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Lesender Zwerg im Blaukissen. Foto: Utz Schmidtko