Schafft euch Schreibräume

Mai 2017. Ich brauche eine Auszeit, mehrere Schreibprojekte liegen in der Schublade, sprich: in einem Ordner auf meinem Computer. Ich kann mich nicht entscheiden, keines geht voran. Ich bin reif für die Insel, für eine Schreibinsel. Auf nach Wien, in Judith Wolfsbergers Writers Studio (Wien ist eine Reise wert).

Writers Studio ohne Schreibende DSC_0894
Schreibpause: Writers studio ohne Schreibende

„Schafft euch Schreibräume“, heißt das Buch, an dem Judith während des Schreibtreffs, Neudeutsch:  Schreibretreat, arbeitete. Es ist im Sommer erschienen und natürlich möchte ich es lesen – der Verlag schickt mir ein Rezensionsexemplar.

Judith Wolfsberger nimmt mich mit auf ihre Reisen auf den Spuren Virginia Woolfs – nicht nur nach England, sondern auch in die USA. Dort ist Virginia Woolf zwar nie gewesen, aber gerade dort haben ihre Ideen Spuren hinterlassen.

Auch ich habe natürlich schon vor Jahren bzw. vor Jahrzehnten „A Room of ones own“ gelesen. Schließlich war – und ist – es eine Art Kultbuch der Frauenbewegung. Aber anders als Simone Beauvoir, deren Bücher ich verschlungen habe, konnte  mich  Virginia Woolf nie wirklich begeistern. Jetzt lese ich, ermutigt und angeregt durch viele englischsprachige Zitate im Buch, ihre Bücher im Original – und entdecke sie, nein, eigentlich nicht neu, sondern zum ersten Mal wirklich.

Was Virginia Woolf und Judith Wolfsberger schreiben, spricht mich an. In Judith Wolfsbergers Buch, einer Mischung aus Memoir, Travel-Essays und Sachbuch, geht es vor allem ums Schreiben – und um den Mut, eigene Visionen zu leben.

Kann frau vom Schreiben leben und wie? Was brauchen Frauen, um selbstbestimmt zu schreiben? Wie können sie, wie kann ich, Beruf, Schreiben und Familie verbinden? Diese Fragen beschäftigen auch mich immer wieder. Zu lesen, dass auch andere schreibende Frauen an sich zweifeln und das Gefühl haben, nicht gut genug, nicht wichtig genug zu sein, um sich öffentlich zu äußern, bringt den inneren Kritiker zwar nicht zum Schweigen, ist aber trost- und hilfreich.

“A woman must have money and a room of her own if she is to write fiction“, lautet der wohl meist zitierte Satz aus Virginia Woolfs bekanntem Essay. Keine Frage, ein Rückzugsort, zu Virginias Zeiten für viele Frauen noch eine Ausnahme, ist auch heute noch immens wichtig. Doch ein eigenes Zimmer ist eben nicht genug. Um ihr Schreibpotenzial zu entfalten, brauchen vor allem viele Frauen offenbar eine „Community of writers“, Kontakte zu anderen Schreibenden, die sie unterstützen, mit denen sie gemeinsam schreiben. Denn Schreibzeiten, die man – oder frau – allein für sich einplant, werden, so nicht nur die Erfahrung  Judith Wolfsbergers, schnell mal durch andere wichtigere Termine verdrängt. Das ist bei Schreibverabredungen anders – sie werden meist eingehalten.

Virginia Woolf hatte eine Community of Writers, die Blomsbury Group, eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, die sich gegenseitig unterstützten. Und auch mit Vita Sackville-West tauschte sie sich regelmäßig aus. Die beiden erfolgreichen Schriftstellerinnen feuerten sich gegenseitig an.

Raum zum Schreiben draußen DSC_0883
Vita Sackville-West und Virginia Woolf waren Gartenfans. Schreiben unterm Flieder hätte ihnen gewiss gefallen.

Judith Wolfsberger hat in Wien mit dem Writers Studio nicht nur einen Schreibort zumWohlfühlen geschaffen, sondern auch für sich und andere Schreibende fixe Schreibtreffs. Gemeinsam zu schreiben spornt an, das habe ich selbst erfahren: Die beiden Schreibtage im Writers Studio im vergangenen Jahr haben mein Befana-Buch vorangebracht. Doch Wien ist weit entfernt – und in Hannover fehlt ein solcher Schreibraum. Aber der Gedanke, einen Schreib(t)raum in der Nähe zu haben, lässt mich nicht mehr los, seit ich das Buch gelesen habe. Schafft euch Schreibräume  – eine Aufforderung.

Bis es so weit ist, treffe ich mich mit meiner schreibenden Tochter in einem virtuellen Schreibraum: Wir verabreden uns zum Schreiben, aber weil wir nicht im gleichen Ort leben, schreibt jede in ihrer eigenen Wohnung. Bei unserer Schreibverabredung gestern ist dieser Blogbeitrag entstanden.

Mit meiner Schreibpartnerin möchte ich im nächsten Jahr auch auf dem Southwest Coast Path in Cornwall wandern, am Meer entlang, auf den Spuren Virginia Woolfs. Und noch eins hat dieses Buch bewirkt: Ich werde künftig mehr Bücher im (englischen) Original lesen. Viele gute Vorsätze für ein einziges Buch.

Judith Wolfsberger: Schafft euch Schreibräume! Weibliches Schreiben auf den Spuren Virginia Woolfs. Ein Memoir. Böhlau Verlag Wien, Köln, Weimar, 2018, ISBN: 978-3-205-20635-4, 29 Euro.

Adobe Photoshop PDF

Am Abend wird der Faule fleißig …

… heißt es, und zumindest auf mich trifft das Sprichwort – leider – zu. Wenn ich beispielsweise Artikel schreiben muss, fange ich meist erst an, wenn der Abgabetermin bedrohlich näher rückt. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass ich meine Termine immer einhalte und dass ich mich schon vorher mit dem Thema beschäftige. Ich recherchiere, sammle Informationen – mitunter so viel, dass es für eine halbe Dissertation reicht. Nur mit dem Schreiben lege ich meist erst auf den letzten Drücker los.

Mit dem Schwimmen ist es ähnlich: Erst in dieser Woche, in der Nachsaison, bevor das Schwimmbad heute für dieses Jahr schließt, konnte ich mich aufraffen, regelmäßig hinzugehen.

Nun ist schwimmen, wie alle wissen, die mich kennen, meinen Blog lesen oder beides, definitiv nicht mein Sport. Bevor Triathlon erfunden wurde, galten schwimmen und laufen als unvereinbar: Gute LäuferInnen können nicht schwimmen – und umgekehrt, hieß es. Ich bin der lebende Beweis dafür, dass diese These stimmt. Ich war mal eine ganz gute Läuferin, schwimmen gehört indes zu den Sportarten, die ich nie richtig lernen werde. Brustschwimmen ist die einzige Stilart, mit der ich mich mühelos längere Zeit über Wasser halten und auch einigermaßen schnell fortbewegen konnte. Seit ich das wegen meines Knies nicht mehr darf, ist mein Verhältnis zum Schwimmen noch schwieriger geworden.

Daran hat auch der Schwimmkurs bei Kathrin im vergangenen Jahr nichts geändert. Ich schaffe es gerade mal, 50 Meter zu kraulen, dann klammere ich mich an den Beckenrand, sammle Kräfte, bevor ich die nächsten 50 Meter angehe, pardon, anschwimme. Auf diese Weise schaffe ich an guten Tagen 800 oder 900 Meter, meist ist aber schon nach 400 oder 500 Meter Schluss. Die 1000-Meter-Schallmauer habe ich in diesem Sommer nicht durchbrochen. Und vom entspannten Dahingleiten  im Wasser bin ich ebenso Seemeilenweit entfernt wie von meinem guten Vorsatz zu Beginn der Saison, mindestens zweimal in der Woche ins Schwimmbad zu gehen.

Am guten Willen mangelte es zu Saisonbeginn nicht. Auch in diesem Jahr habe ich wieder eine Saisonkarte gekauft, in der Hoffnung, dass meine angeborene Sparsamkeit und der Wunsch, den Preis abzuschwimmen, mich motivieren. Doch ich habe die Karte – leider – viel zu selten genutzt. Trotz des tollen Sommers oder genauer gesagt: wegen. Denn wer die einzige Stunde, in der das Schwimmbad einigermaßen leer war – zwischen den militanten Frühschwimmern am frühen Morgen und dem Einfall der Schulklassen gegen 8:15 Uhr – verpasst hatte, hatte kaum noch eine Chance, einigermaßen ungestört seine Bahnen zu ziehen. Am Morgen kann ich aber am besten arbeiten, und allzu oft habe ich mich fürs Arbeiten entschieden.

Außerdem war das Schwimmbad irgendwann im Spätsommer wegen eines technischen Defekts zwei oder drei Wochen geschlossen. Dass es wieder offen ist, habe ich dann eher zufällig von einer Schwimmbadbekanntschaft erfahren. Immerhin habe ich jetzt die Verlängerung der Badesaison bis zum 7 Oktober eifrig genutzt – und auf diese Weise meine dürftige Saisonbilanz ein wenig aufpoliert. Seit Dienstag bin ich jeden Morgen zum Schwimmen gefahren, meist dick verpackt, weil es morgens meist doch schon empfindlich kühl war. Die Winterjacke habe ich meist erst am Beckenrand ausgezogen. Und ja, es stimmte, nach der kalten Dusche war das Wasser fast angenehm warm. Und ich werde es fast ein bisschen vermissen, das kalte Wasser und das Schwimmen am Morgen.

Herbst-Auszeit

Keine Frage, es ist Herbst, und der Oktober zeigt sich heute alles andere als golden. Dabei hatte der Tag wettermäßig gar nicht sooo schlecht angefangen: Die Sonne färbte – der Jahreszeit entsprechend recht spät – die Wolken zuerst pink-rot, dann orange, ehe sie beschloss, doch in ihrem dicken grauen Wolkenbett zu bleiben. Von wegen „Morgenrot – Schönwetterbot“. Auf Bauernregeln ist eben – wie auf ihre modernen Nachfolger, die Meteorolügen – nicht immer Verlass. Obwohl Letztere diesmal unschuldig sind und das schlechte Wetter vorausgesagt haben.

Jetzt regnet es seit Stunden und irgendwie scheint es gar nicht mehr aufhören zu wollen. Doch über das Wetter zu klagen, wäre nach dem wirklich tollen Sommer wirklich undankbar. Also gönne ich der Sonne also die wohl verdiente Auszeit und tue es ihr gleich. Denn nach einem arbeitsreichen Sommer habe auch ich mir eine Pause verdient. Ich verbringe also den Tag weitgehend auf meiner Schlaf-Schreib-Wohn-Couch – lesend,  schreibend, unter anderem  diese Zeilen.

Aber natürlich hoffe ich, dass diese Sonne sich bald wieder zeigt, dass der Herbst dem Sommer nicht nachstehen möchte und sich bald wieder von seiner sonnigeren Seite zeigt – so, wie es sich für einen goldenen Oktober nach einem fantastischen Sommer gehört.

Wann wenn nicht jetzt

Die erste Kurzreise nach dem Verkauf des Wohnmobils, ohne Wehmut. Es ist Zeit für einen Neuanfang – und für neue Ziele. Die Hütten auf dem Campingplatz Flügger Strand auf Fehmarn waren alle belegt, die Wohnung in Wustrow, in der wir schon einmal ein paar Tage verbracht haben, und das Hotel auf Norderney mit seiner tollen Saunalandschaft einfach zu teuer. Aber ich bin reif für die Insel – und dieses Wochenende ist das einzige, das in unseren Zeitrahmen passt. Wenn nicht an diesem Wochenende, dann gar nicht mehr, bevor mein Mann gen Norden aufbricht, um Nordlichter zu jagen.

Wir buchen ein Zimmer in einem Hotel bei Burg auf Fehmarn, an der Ostküste der Insel. Das erweist sich als gut ausgestattetes Apartment, von dessen Balkon ich sogar einen Zipfel Meer sehen kann, morgens äsen vor unserem Fenster die Rehe.

Gerade mal 200 Meter Luftlinie sind es zum Strand, der hier allerdings steiniger ist als an der Westküste der Insel, steiler und durch einen schmalen Baumstreifen von den Feldern abgetrennt. Zu Fuß braucht man etwa fünf Minuten. Etwas weiter ist es bis zum Waldpavillon, in dem wir am ersten Abend essen: Mir gefällt vor allem der Blick aufs Wasser, mein Mann ist von der Fischplatte begeistert, die wir uns teilen und die auch mir gut schmeckt.

Wald und Wasser im Morgenlicht
Wald und Wasser im Morgenlicht.

Am nächsten Morgen Regen, doch der hört gegen Mittag auf. Gerade richtig für eine Fahrt nach Burg. Das ist viel größer und touristischer, als ich es in Erinnerung habe. Aber in 20 Jahren seit unserem letzten Besuch hat sich wahrscheinlich viel geändert. Es gibt ganz viele Läden und ich entdecke eine kleine, aber sehr gut sortierte Buchhandlung. Bei drei Büchern kann ich nicht widerstehen, aber es hätten auch mehr sein können. Lag’s am Angebot oder daran, dass ich ruhiger, entspannter war, als in den letzten Wochen und Monaten, in denen ich nur wenig gelesen habe.

Die Sauna haben wir abends für uns allein – sie sieht aus wie neu, obwohl sie schon ein paar Jahre alt ist. Gut gepflegt oder wenig benutzt – oder beides. Ich probiere sämtliche Duschprogramme aus. Der (warme) tropische Regen ist mein Favorit, gefolgt vom kühlen Frühlings- und vom etwas heftigeren sibirischem Regen.

Am nächsten Tag spazieren wir am Meer entlang, Richtung Norden. Der Strand: sicher kein Touristentraum, steinig, ziemlich naturbelassen und fast menschenleer. Mir gefällt’s.

Naturkunst am Strand
Naturkunst am Strand …
Kunsthandwerk auf der Steilküste
… und Kunsthandwerk am Küstenweg.

Einige Steine erinnern mich an die Moeraki Boulders in Neuseeland – und daran, dass ich dort vor fast zwei Jahren die Nachricht bekommen habe, dass Albert, ein Sportfreund aus meiner Jugend, gestorben ist. Ganz plötzlich – mit 62. Er war nicht krank, im Gegenteil. Er war fit, nahm immer noch an Leichtathletik-Wettkämpfen teil. Wenn ich an der Mosel war, habe ich manchmal mit ihm trainiert. Er hatte sich wenig verändert – äußerlich und wie mir bei unseren kurzen Begegnungen schien, auch charakterlich: Er war irgendwie immer noch der Junge von früher, forever young. Und jetzt tot. Und ich? Ich habe in den letzten Monaten zu viel gearbeitet, zu wenig gelebt. Zeit, etwas zu ändern.

Moeraki Boulders en miniature
Moeraki Boulders en miniature – in memoriam Albert Z.

Wir entdecken einen Campingplatz, direkt auf der Steilküste, die ideale Location, um Nordlichter zu fotografieren, wenn sie denn mal in Deutschland zu sehen sind. Wir haben zwar kein Wohnmobil mehr, aber eine niedliche Miethütte und einige Mietwohnwagen stehen direkt in der ersten Reihe. Ich entdecke einen Ort, an den ich mich flüchten kann, den aufzusuchen mir der Autor des neu gekauften Buchs empfiehlt. Ich gehe am nächsten Morgen, am letzten auf Fehmarn, noch einmal alleine hin. Ich genieße den Blick aufs Meer, die Stille, die Weite. Himmel und Wasser verschmelzen im gleißenden Licht der aufgehenden Sonne. Ich tauche ein und bin sicher: Ich komme wieder.

Zwischen Himmel und Wasser
Zwischen Himmel und Wasser.

Time to say goodbye

Alles hat seine Zeit. Diejenigen, die meinen Blog abonniert haben, müssen jetzt nicht in Panik verfallen und mir Bitte-tu-es-nicht-Mails schreiben, weil sie befürchten, künftig nichts mehr von mir zu lesen: Ich blogge weiter, auch wenn ich gerade eine längere Pause gemacht habe. Aber wir verkaufen unser Wohnmobil. Anderthalb Jahrzehnte hat es uns durch Europa geführt, zumindest durch einen Teil. Wir waren in Spanien und Italien, in Frankreich, der Schweiz (nur kurz und eigentlich nur einmal auf der Durchreise und ein zweites Mal, weil ich 100 Kilometer gelaufen bin), in Finnland, Schweden und Norwegen und natürlich an vielen Orten in Deutschland.

Das Wohnmobil hat uns treue Dienste geleistet: Wir habe Orte entdeckt, die wir nicht kennengelernt hätten, wenn wir Hotels oder Ferienwohnungen gebucht hätten. Und wir, vor allem ich, verdanken ihm so manche kleine Auszeit zwischendurch. Die werde ich vielleicht am meisten vermissen – einfach mal losfahren, für einen Tag oder zwei, ans Meer, nach Weimar, Dresden, nach Cuxhaven (ich vor allem des Meers, Utz eher des Fischtellers wegen) oder in den Harz. Ohne lange Planung und ohne sich Gedanken machen zu müssen, ob irgendwo noch ein Zimmer frei ist.

Ein paar Plätze sind uns besonders in Erinnerung geblieben: zum Beispiel der in Merville-Franceville in der Normandie. Wir standen direkt am Strand, mit unverstellbarem Blick aufs Meer. Jeden Morgen bin ich am Wasser entlang in den nächsten Ort gegangen, habe Croissants und ein Baguette gekauft, das immer schon angeknabbert war, wenn ich schließlich wieder im Wohnmobil war. Sehr schön waren auch der Campingplatz in Skittenelv, nördlich von Tromsö, direkt am Fjord, und natürlich der kleine Stellplatz auf Hillesoy, ebenfalls bei Tromsö.

Wohnmobil Tromsö
In Skittenelv – campen am Fjord

Mein liebster Stadtcampingplatz war der vor den Toren von Granada. Die Parzellen waren so klein, dass wir mit unserem winzigen Wohnmobil gerade auf die größeren gepasst haben – und auf dem Nachbargrundstück aussteigen mussten. Auf keinem anderen Campingplatz haben wir Menschen aus so vielen Ländern getroffen. Die Atmosphäre war wirklich ganz besonders – und die Ausstattung auch: Die Spülbecken waren uralt, aus Stein und mit Mosaik verziert, ebenso wie die Mauern am kleinen Schwimmbecken. Wenn ich dort geschwommen bin, habe ich mich wie eine nasridische Prinzessin gefühlt.

In der Alhambra waren wir natürlich auch. Fast fünf Stunden haben wir für eine Eintrittskarte angestanden, weil das Online-Buchungssystem nicht funktionierte. Es war sehr heiß, wie es sich für Südspanien gehört, aber das Warten hat sich gelohnt. Zum einem der Alhambra wegen, zum anderen weil wir uns wirklich gut mit den anderen Wartenden unterhalten haben, in einem bunten Mix aus Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch.

Es waren schöne Touren, aber jetzt ist es vorbei. Alles hat eben seine Zeit …  time to say goodbye

Klein, aber oho

Nein, es muss nicht immer größer, schneller, mehr sein. Dass weniger manchmal mehr ist, ist eine altbekannte Weisheit. Neudeutsch heißt das Minimalismus. Und der Trend macht auch vor der Fotoausrüstung nicht halt. Seit ich Anfang Februar den Blogbeitrag von Andreas gelesen habe (https://14qm.de/minimalimus-fotoausruestung/), denke ich immer wieder darüber nach, meine Fotoausrüstung zu reduzieren. Doch ich die Entscheidung immer wieder aufgeschoben. Zum einen natürlich, weil Entscheidungsfreude nicht zu meinen Kernkompetenzen zählt. Zum anderen aber auch,  weil das Angebot riesig ist und es deshalb wirklich nicht leicht ist, die richtige Kamera zu finden.

Die Systemkameras, die der Blogkollege getestet und für gut befunden hatte, kamen für mich nicht in Frage. Der Vorteil einer Systemkamera gegenüber meiner Spiegelreflexkamera erschließt sich mir nicht wirklich. Wenn, sollte es eine Kompaktkamera sein: Meine Zweitkamera – denn meine alte Nikon werde ich natürlich behalten – soll ohne Wechselobjektive auskommen, einfach zu bedienen, handlich und leicht sein. Filmen können soll sie nach Möglichkeit auch, und zwar in 4k-Qualität, wie mein Mann, der sich mit solchen Sachen auskennt und mich beraten hat, mir dringend ans Herz legt. Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle. Qualität hat ihren Preis, aber wie viel möchte ich ausgeben?

Immer wieder habe ich in den vergangenen Wochen Tests gelesen –auf der ersten Etappe meine Hexenstieg-Wanderung war ich fest entschlossen, mir endlich eine neue, kleinere Kamera zu gönnen. Denn beim Wandern fand ich meine Spiegelreflexkamera vorsichtig ausgedrückt suboptimal. Fast 900 Gramm baumelten rund 20 Kilometer an meinem Hals.

Natürlich habe ich mit der Nikon gute Fotos gemacht. Aber ein paar Mal hätte ich mir einen größeren Zoombereich als nur 18 bis 50 gewünscht. Das Zoomobjektiv war, weil immerhin auch fast 400 Gramm schwer, nicht in meinem Wanderrucksack, sondern in meiner Fototasche – mir weit voraus – am Etappenort in der Sternwarte in Sankt Andreasberg.

Manchmal gibt das Schicksal einen Wink. Als ich am nächsten Tag von der Sternwarte zum Goetheplatz spazierte, stellte ich erst nach einem Kilometer fest, dass meine Kamera noch in meinem Zimmer lag. Und so machte mit meiner kleinen Kompaktkamera die Probe aufs Exempel. Das Ergebnis: Für „normale“ Fotos reicht selbst meine preiswerte Nikon allemal. Und die Panasonic DC-TZ91EG-K LUMIX High-End Reisezoom Kamera mit Leica Objektiv hat mehr, als mein Fotografenherz begehrt. Sie wiegt nur knapp 300 Gramm, passt sich klaglos unterschiedlichen Entfernungen und an – und hat sich schon bei Probeaufnahmen bewährt: im eigenen Garten, bei Kunst in Bewegung und bei der Aktion die offene Pforte, Gärten in und um Hannover.

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Erster Einsatz: Kunst in Bewegung, eine Skulptur des Malbildhauers Ulrich Saloga

 

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Test Nummer zwei – die offene Pforte, hier bei Sylvia und Klaus Stannek in Bissendorf

Und vielleicht lernen mit Hilfe dieser Kamera ja auch die Bilder in diesem Blog bald laufen. Kleiner kann nämlich manchmal mehr.

Wandern im Harz: Hexenstieg Teil I

Irgendwann, im nächsten Jahr wahrscheinlich, will ich in den Alpen wandern bzw. sie – in mehreren Etappen – zu Fuß überqueren. Deshalb habe ich mir vor ein paar Wochen neue Wanderschuhe gekauft, die auch für Bergwanderungen geeignet sind. Natürlich müssen sie eingelaufen werden und auch ich muss trainieren, damit die Tour eine Alpentour und keine Alptour wird.

Was liegt näher, als im Harz anzufangen, und zwar – als bekennende Hexe – mit dem Hexenstieg. Der führt von Osterode nach Thale und ist rund 100 km lang. Weil es organisatorisch besser passt, beginne  ich mit der zweiten Etappe von Altenau nach Torfhaus. Von dort soll es dann demnächst weitergehen – über den Brocken nach Schierke.

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Im Harz gibt’s nicht nur Hexen, sondern viele andere Sagengestalten, hier Frau Holle.

 

Ich wandere alleine, nur von Bevana begleitet. Mein Mann bringt mich auf dem Weg zu seiner Sternwarte nach Altenau. Wir finden den Einstieg beim Grabenhaus Rose, obwohl weder das Navi noch die meisten Leute in Altenau das ehemalige Wasserwerk kennen. Dabei versorgte es das Städtchen bis vor einigen Jahren mit Trinkwasser. Allen, die irgendwann diese Etappe wandern wollen, sei es gesagt: Das Grabenhaus Rose liegt hoch über Altenau, kurz hinter dem Friedhof. Vom Parkplatz an der B 498 sind es noch etwa 500 m bis zum Dammgraben – und zum Hexenstieg.

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Gut beschildert: der Einstieg in den Hexenstieg am Grabenhaus Rose.

Hier gibt es viele Hinweisschilder und Markierungen, auf der Strecke geizt man  damit. An Kreuzungen und Abzweigungen suche ich oft vergeblich nach einem Zeichen, wo es weitergeht. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: auf den ersten Kilometern immer am Dammgraben entlang. Problematisch wird’s, als der Dammgraben zum Nabetaler Graben wird. Der Abschnitt vom Nabetaler Wasserfall bis nach Torfhaus ist nämlich gesperrt und weil der Pfad nicht durch Bäume blockiert, sondern abgebrochen war, traute ich mich nicht weiter.

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Hier ist Schluss. Zu Fuß geht’s am Nabetaler Wasserfall nicht weiter.

Die ausgeschilderte Umleitung führt über einen ziemlich langweiligen Wirtschaftsweg, ist schlecht ausgeschildert und viel länger als der eigentliche Weg. Gefühlt Stunden später, nachdem ich das Schild „Torfhaus 3 km“ passiert hatte, hatte ich an der Straße zwischen Altenau und Torfhaus ein deja vue: „Torfhaus 3 Kilometer“, steht auch hier auf einem Wegweiser.

Höllenritt am Hexenstieg

Die Passage, die dann folgt, ist eigentlich so, wie ich sie liebe: ein schmaler, natürlicher Pfad, keine breite befestigte Wanderautobahn. Leider läuft der Weg parallel zur L 504, auf der am Sonnabend die Hölle los, sprich sehr viel Verkehr ist. Um die „Steile Wand“ zumindest von oben zu sehen, hätte ich die vielbefahrene Straße überqueren müssen – am Himmelfahrtswochenende angesichts der vielen Raser auf vier und zwei Rädern ein Himmelfahrtskommando, auf das ich lieber verzichte. Selbst auf dem Wanderweg bin ich nicht ganz sicher. Denn bei meinem Aufstieg Richtung Torfhaus kommen mir auf dem Trampelpfad einige Mountainbikefahrer entgegen, die sich ebenso halsbrecherisch ins Tal stürzen wie ihre motorisierten Kollegen. Ich habe zwar eigentlich keine Lust, jedes Mal auszuweichen, aber die Klügere gibt ja bekanntlich nach.

 

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Nein, ich will keine Harzer Wandernadel. Aber einen Hexenstempel in meinem Tagebuch.

Apropos klüger. Hinterher ist man das meist: Ich hätte mich nicht auf meinen Wanderführer verlassen, sondern mich vorab im Internet informieren sollen. Immerhin hatte ich eine Karte dabei. Und so entdeckte ich kurz vor Torfhaus, der höchst gelegenen Siedlung im Harz, eine Abkürzung zu meinem eigentlichen Etappenziel, die Sternwarte in Sankt Andreasberg.

Tote Bäume, kaputte Wege

Andreasberg liegt auf der Südumgehung des Brockens, der Hexenstieg führt am Oderteich vorbei.

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Idyllisch: der Oderteich.

Der Bohlenweg ist in einem beklagenswerten Zustand: Umgestürzte Bäume haben die Planken teilweise unter sich begraben und versperren den Weg. Noch trauriger ist der Zustand des Waldes. Viele Bäume sind vom Borkenkäfer befallen und abgestorben, die Winterstürme hatten leichtes Spiel und haben viele Baumriesen entwurzelt. Zwischen den Baumgerippen  zu wandern, hatte etwas Gespenstisches. Bis es hier wieder richtig grün ist, werden einige Jahre vergehen. Und so war ich froh, als ich nach fast fünf Stunden die Sternwarte erreichte.

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Frei nach Joseph Freiherr von Eichendorff: Wer hat dich, du schöner Wald,  so fürchterlich zerstört? Der Borkenkäfer war’s. Doch auch die Menschen haben ihr Teil dazu beigetragen.

Fazit

Meine Wanderschuhe haben den Test bestanden, meine Trinkflasche und mein Rucksack dagegen nicht. Meine Trinkflasche ist schon im Auto halb ausgelaufen; ich habe sie direkt am Start durch eine Pfandflasche ersetzt. Das gleiche Schicksal wird mein Wanderrucksack erleiden, denn leider fällt die Trinkflasche aus der Seitentasche heraus. Zum Trinken immer den Rucksack absetzen und öffnen zu müssen, ist nicht besonders komfortabel. Mein Knie hat gehalten, auch wenn ich ihm am nächsten Tag eine Pause gönnte und statt auf den Brocken nur auf den Sonnenberg gegangen bin.

Ich werde den Hexenstieg weiter wandern, auch wenn vor allem im Nationalpark Harz derzeit viele Strecken schwer begehbar oder sogar ganz gesperrt sind. Denn es gibt, Borkenkäfern, Stürmen und saurem Regen zum Trotz, noch viele schöne Stellen.

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Auf dem Sonnenberg über Sankt Andreasberg.

Doch vor den nächsten Etappen werde ich mich besser informieren. Infos gibt es beispielsweise auf der Website

http://www.harz-wanderkarten.de/harz-meldungen.php

Alles schmeckt nach Abschied (II)

Wieder an der Mosel, in dem Ort, wo meine Mutter bis vor drei Monaten gelebt hat. Bei meinem letzten Besuch habe ich den Umzug meiner Mutter vorbereitet und sie am Ende einer anstrengenden Woche mit in ein Altenheim in meiner Nähe genommen. Jetzt bin ich zurückgekommen, um in Ruhe Abschied zu nehmen. Von dem Dorf, in dem ich geboren wurde, von dem Haus, das meine Eltern gebaut haben, das ihr und lange auch mein Zuhause war. Wir werden es verkaufen, weil die Rente meiner Mutter trotz Pflegeversicherung nicht ausreicht, um das Heim zu finanzieren.

Freunde holen mich vom Bahnhof ab, laden mich ein, am nächsten Tag mit ihnen essen zu gehen. Am Abend treffe ich eine Freundin aus der Schulzeit, die gekommen ist, um ihren Vater zu besuchen, am nächsten Vormittag besuche ich die Nachbarn gegenüber. Den Nachbarn ist es zu verdanken, dass meine Mutter so lange alleine leben konnte.  Jetzt empfangen sie mich mit offenen Armen: Ich tauche ein in die Nachbarschaft, gehöre dazu, als sei ich nie weggewesen. Ich bin wieder zu Hause. Auf den ersten Blick ist alles ist wie immer, nur meine Mutter fehlt.

Nicht nur sie, sondern auch eine gute Bekannte, die in der gleichen Woche wie meine Mutter in ein Altersheim umgezogen ist. Die Nachbarschaft, das Dorf verändert sich: In den nächsten Jahren werden 80 Häuser verkauft, weil die Besitzer keine Kinder haben oder deren Kinder weit weg wohnen, rechnet ein Bekannter mir vor. Allein in unserer Straße sind es einige. Wenn die Nachbarn, die in den letzten Jahren nach meiner Mutter geschaut haben, in einigen Jahren so alt sind, dass sie Hilfe brauchen, wird es nur noch wenige junge Nachbarn geben, die helfen können – oder wollen. Und auch die Infrastruktur im Dorf wird schlechter: Viele Läden sind in den vergangenen Jahren verschwunden, noch gibt es zwei Bäcker, einen Metzger und einen kleinen Supermarkt. Doch wenn der geschlossen wird, braucht man ein Auto, um sich mit dem nötigsten zu versorgen. Und was, wenn man nicht mehr fahren kann? Schlechte Voraussetzungen, um alt zu werden. Und sicher auch ein Grund, warum ich nicht mehr an die Mosel zurückziehen will, obwohl ich die Landschaft mag.

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Eine alte Tradition gibt es noch: Als ich am Morgen des 1. Mai laufe,  höre ich Musik. Wie früher spielt der Musikverein von dem kleinen Aussichtsturm auf der gegenüberliegenden Moselseite „Der Mai ist gekommen“ und andere Frühlingslieder. Ich bin, so scheint es, fast die einzige, die das Konzert hört. So früh ist noch kaum jemand auf der Straße.

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Blick vom Türmchen auf Neumagen.

Die nächsten Tage vergehen wie im Flug: Ich arbeite im Garten, kümmere mich um Dinge im und rund ums Haus, die erledigt werden müssen, miste mein Zimmer aus, in dem noch Bücher aus meinen Studienzeiten stehen. Und immer wieder beantworte ich die Frage, wie es meiner Mutter geht, immer mit einem Kloß im Hals. Viele kannten meine Mutter; dass sie ab und zu aus dem Heim weggeht, wundert niemand: Sie war auch hier fast bis zuletzt viel mit ihrem Rollator unterwegs – bei Wind und Wetter: zum Friedhof, zum Einkaufen, manchmal auch bis zur Kirche. Dass ich meine Mutter dank GPS-Tracker schnell orten kann, wenn sie mal nicht mehr zurück ins Heim findet, finden alle gut.

Außerdem unternehme ich Dinge, für die bei meinen Aufenthalten in den vergangenen Jahren keine Zeit blieb: Ich fahre nach Metz und Luxemburg, wandere zur Konstantinhöhe  und zur Märtyrerkapelle: Bis kurz vor Neumagen war der Legende nach angeblich die Mosel rot vom Blut der auf dem Marsfeld in Trier ermordeten Soldaten der Thebäischen Legion. Sie wurden hingerichtet, weil sie dem Christentum abschwören wollten. Und natürlich gehe ich zum Türmchen: Von dort habe ich einen guten Blick aufs Dorf, sehe unser Haus und sogar mein Zimmer.

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Auf dem Weg zur Konstantinhöhe: einer meiner Lieblingsplätze, das Fährfels-Plateau ganz nah …

 

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… und von oben.

Mit der Mosel ist es wie mit meiner Mutter: Es ist ein Abschied auf Raten. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen, irgendwann im Sommer. Und dann werde ich auch den Besuch in Trier nachholen, für den ich jetzt doch noch keine Zeit hatte.

Campen mit Meerblick

Papier ist geduldig, die moderne Variante, Websites, auch. Auf der Website sah der Campingplatz, den ich für unseren Kurzurlaub ausgesucht hatte, gut aus. Und der Name Strandcamping war verheißungsvoll: Ich träumte von einem Stellplatz direkt am Strand, mit Blick aufs Wasser, den ich im Alltag vermisse und von dem ich eigentlich nicht genug bekommen kann. Mindestens ebenso lockte mich die Strandsauna – und die Aussicht, mich nach dem Schwitzen in der Ostsee abkühlen zu können.

sonnenuntergang am Meer
Nicht abkühlen, sondern Tai Chi am Strand. Copyright: Utz Schmidtko.

Aber vor Ort sah dann alles anders aus: Dass die Parzellen nach einer Regenperiode teilweise unter Wasser standen, hätte mir nichts ausgemacht. Viel schlimmer war, dass das Meer zwar nahe, aber leider nicht zu sehen war. Denn der Campingplatz liegt hinter einem hohen Deich. Aus gutem Grund. Denn vor allem im Herbst und Winter tost und braust es an der Westküste Fehmarns sicher heftig. Ich möchte jedoch im Urlaub aufs Wasser sehen.

Und auch die Strandsauna lag eben nicht am Strand, sondern hinterm Deich. Direkt im Kurhaus, vor dem bei meiner kurzen Besichtigung junge Männer Bier tranken und Tischtennis spielten. Die Vorstellung, auf dem Weg zum Wasser nur mit Bademantel bekleidet an ihnen und an der Strandbar vorbei zu müssen, begeisterte mich nicht wirklich.

So sind wir nach einer kurzen Besichtigungstour wieder auf dem Campingplatz Flügger Strand gelandet, auf der gleichen Parzelle wie im vergangenen Jahr, nur durch einen breiten Dünenstreifen und einen schmalen Strand vom Meer getrennt. Mit Meerblick vom Aufwachen bis zum Einschlafen.

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Sonnenuntergang am Flügger Strand (Fotot: Utz Schmidtko).

Und eine Sauna gibt es auch. Die konnten wir mieten und hatten sie ganz für uns allein. Direkt am Strand liegt sie zwar auch nicht, aber außer uns waren nur wenige Gäste auf dem Campingplatz. Und die Kleiderordnung unter Camper ist ohnehin eher lässig. Deshalb hätte es sicher niemand gestört, wenn ich zwischen den Wohnwagen durch zum Strand gelaufen wäre und ins kalte Wasser gesprungen wäre. Das werde ich beim nächsten Mal tun, denn ich bin ganz sicher: Wir kommen wieder.

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Diesmal leider nicht geöffnet und nur hinter Gittern – der Leuchtturm

Kein Zug war pünktlich*

In diesem Jahr wollte der Winter erst nicht kommen, jetzt will er nicht mehr weichen. Gestern Nacht bin ich unter funkelnden Sternen eingeschlafen – herzliche Grüße an Stephen Hawkins -, als ich heute Morgen, am offiziellen Frühlingsbeginn, aufwachte, war das Dachfenster zugeschneit. Am Wochenende haben uns die Schneemassen – immerhin 8 cm Neuschnee und etwa 5 Grad Minus – eine abenteuerliche Fahrt zur Buchmesse nach Leipzig beschert.

Gut 70 Minuten stand unser Zug am Samstag  in Köthen, denn im Hauptbahnhof von Leipzig ging nichts mehr. Weil die Weichen eingefroren waren, kamen und fuhren gar keine Züge mehr. Einige Mitfahrerinnen, die die Buchmesse nicht in erster Linie wegen der Bücher, sondern als CosplayerInnen besuchten, funktionierten das Abteil kurzerhand in einen Schminksalon um und verwandelten sich in Loki und andere fabelhafte Wesen.

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Verwandlung im Zug – auf dem Weg nach Leipzig und zu Loki.

Vielleicht hätte ich gewarnt sein sollen, denn immerhin reiste ich mit Loki, der, wie ich nachgelesen habe, im Film Thor ein Nachfahre der Eisriesen ist. Auf der Buchmesse kamen wir dann trotzdem an, drei Stunden später als geplant zwar und nach einer Fahrt in einer total überfüllten Straßenbahn.

Ob der junge Mann, der mit uns von Hannover bis Halle im gleichen Abteil  gesessen hat, es bis zur Buchmesse schaffte oder ob er resigniert umkehrte, werde ich wohl nie erfahren. Denn in Halle trennten sich unsere Wege. Wir stiegen, wie alle Besucher/innen der Buchmesse, zunächst dort aus, weil die Schaffnerinnen es uns empfohlen hatten. Doch weil kein Schienenersatzverkehr in Sicht war, wählten meine Begleiterin – inzwischen halb Loki, halb Mensch – und ich dann den Weg über Leipzig Hauptbahnhof. Eine gute Wahl.

Für den jungen Mann hat sich die Fahrt nach Leipzig sicher nicht gelohnt, denn er hatte schon für den Nachmittag um 16 Uhr seine Rückfahrt nach Hannover fest gebucht. Die Zeit reichte, wenn überhaupt, gerade für eine Stippvisite bei der Buchmesse. Doch wahrscheinlich fuhren am Samstagabend die Züge ohnehin noch nicht – und vielleicht irrt er immer noch durch Leipzig.

Selbst am Sonntagnachmittag, als wir nach anderthalb Messetagen nach Hause wollten, wurden mehrere Züge zwischen Leipzig und Hannover storniert. Vom Hauptbahnhof wurden die Messebesucher mit Bussen gen Westen chauffiert, Loki entdeckte, dem Internet sei Dank, eine Verbindung vom Messebahnhof über Bitterfeld nach Hannover. Hier bewahrheitete sich die alte Weisheit, dass wenn etwas schiefgeht, es meist gründlich schiefgeht: Auch dieser Zug war nicht pünktlich. Wir wurden aus irgendeinem Grund über Hildesheim umgeleitet: Immerhin erreichten meine Begleiterin und ich nach einem Sprint noch unsere Anschlüsse und kamen wie geplant zu Hause an. Danke Loki.

Schön war es in Leipzig trotzdem. Ich mag die Buchmesse, auch wenn ich mir vorgenommen habe, im nächsten Jahr schon am Donnerstag oder Freitag zu fahren, bevor der große Ansturm vor allem der CosplayerInnen einsetzt. Sie verleihen der Buchmesse zwar ein besonderes Flair – es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie Gestalten aus Büchern und Filmen lebendig werden. Doch manchmal gibt es zwischen Göttern, Elben und Jedis kaum ein Durchkommen und die Bücher geraten für mich ein bisschen zu sehr in den Hintergrund.

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In voller Montur – Loki in Leipzig.

Eine tolle Unterkunft haben wir in Leipzig auch entdeckt. Die werde ich vielleicht im Sommer, wenn der letzte Schnee bestimmt geschmolzen ist, nutzen, um die Stadt endlich einmal kennen zu lernen.

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Mut zur Farbe – Zimmer in Leipzig.

Denn außer Bahnhof und dem Messegelände habe ich von Leipzig noch nichts gesehen. Ich setze die Stadt auf meine To-visit-Liste. Time to fly.

 

*frei nach Heinrich Bölls: Der Zug war pünktlich