Gartenblick April

Die Kräuterfrau hatte recht: Der Waldmeister, den ich vermisst habe, ist wieder da. Er wächst hinterm Teich in diesem Jahr zwar nicht so üppig wie in den vergangenen, doch er wächst: Womit bewiesen wäre, dass man im Garten manchmal nur abwarten muss. Oder wie es in Sambia heißt: Das Gras – respektive der Waldmeister – wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Am Zaun hinterm Teich ist es momentan ein bisschen kahl. Dort habe ich am Wochenende die Zweige der Gewöhnlichen Schneebeere, die bei uns Knallerbsenstrauch heißt, weggeschnitten. Denn sie überwuchern Felsenbirne, Weißdorn, Holunder und Co, die eigentlich zu einer dichten Vogelschutzhecke zusammenwachsen sollen. Noch tun sie sich schwer, vielleicht hilft es ihnen, dass ich ihnen ein bisschen Luft verschafft habe.

Die beiden kleinen Teiche sind bald nicht mehr zu sehen; sie verstecken sich hinter den Pflanzen am Ufer. Sumpfdotterblume und Beinwell blühen schon eine ganze Zeit, Lilien und Akelei brauchen dagegen noch eine Weile, ebenso die Pfingstrosen, die den Umzug aus dem Harz gut verkraftet haben und sogar kleine Knospen haben.

Apropos Pfingstrosen: Sie haben sich jahrelang in meinem Garten schwer getan, mehrere Pflanzen sind eingegangen. Doch in diesem Jahr gedeihen nicht nur alle vier Ableger aus dem Harz prächtig, sondern auch die beiden Pfingstrosen, die schon länger hier zu Hause sind.

Die größere der beiden steht im Rosenbeet, aus dem ich hunderte Krokusse ausgegraben habe. Sie haben sich im Winter zu stark vermehrt; die Erdbeeren am Rand des Beets waren ganz unter ihnen verschwunden. Jetzt erholen sie sich und blühen. Ich hoffe auf reiche Ernte, auch von den Walderdbeeren, die ich am Wochenende ins Beet am Zaun gepflanzt habe. Unterm Apfelbaum ist es für Erdbeeren eigentlich zu schattig. Doch Walderdbeeren haben ja eigentlich gelernt, im Schatten großer Bäume zu (über)leben.

Das Blaukissen blüht immer noch. Es wächst so hoch, dass der lesende Zwerg fast darin verschwindet. Im Schutz des Blütenteppichs streckt eine Rose ihre Triebe aus. Leider nicht meine Lieblingsrose, die duftende Rhaspsody in blue, sondern ihre nicht duftende Beetgenossin.

Mein Lieblingsbaum, die Eberesche, blüht und wird langsam grün,

und auch die beiden Reben, die zwischen beiden Terrassen wachsen, haben schon Blätter. Bis sie blühen, vergehen noch ein paar Wochen. Vor ein paar Tagen habe ich Karotten, Zuckererbsen, Roten Rüben und Pastinaken in die beiden Hochbeete gesät, Ringelblumen und Kamille in das Kräuterbeet am Rande der Terrasse. Dort möchte ich noch Ananassalbei, Currykraut, Zitronenthymian und Liebstöckel pflanzen. Wahrscheinlich Ende der Woche, wenn ich auf dem Markt Pflanzen kaufen konnte – bei der Kräuterfrau, die mich immer so gut berät.

Würmsee im April

Nein, der Mai ist noch nicht gekommen, aber am letzten Aprilsonntag hat gefühlt halb Burgwedel einen vorgezogenen Ersten-Mai-Ausflug an den Würmsee unternommen. So viel ist hier nur selten los, vor allem nicht, wenn Biergarten und Restaurant geschlossen sind. Alle Fahrradständer und alle Parkplätze waren belegt – und natürlich waren auch alle Bänke und fast alle Lieblingsplätze rund um den See besetzt. Einige Fotos fehlen also diesmal – denn ich hatte zwar eine Kamera, aber keine Genehmigung zur Veröffentlichung von Personen dabei, die alle Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erfüllt. Und auch keine Lust, so viele Leute um die Erlaubnis zum Fotografieren zu bitten.

Die einsame Badende blieb also unfotografiert, sie war auch gar nicht einsam. Auf Steg und Plattform tummelten sich außer den Papp- einige ganz lebendige Kinder und Erwachsene: mindestens eine Groß- oder zwei Kleinfamilien. Das festinstallierte „Boot“ auf der gegenüberliegenden Seeseite und der hölzerne Steg waren ebenfalls belagert.

Der begehbare Pegel, angeblich der erste und einzige seiner Art, ist kein gleichwertiger Ersatz. Zum Sitzen lädt das Metallgitter nicht ein – zumindest nicht an einem zwar sonnigen, aber nicht sonderlich warmen Apriltag. Dafür lässt sich an ihm der aktuelle Wasserstand des Würmsees ablesen.

Obwohl es im April fast gar nicht geregnet hat, ist der Pegel nur wenig gesunken. Es muss also viel Wasser in den See gepumpt worden sein. Das können normalerweise auch Spaziergänger zumindest symbolisch tun; vor allem Kinder bedienen die drei bunten Pumpen gerne.

Außer Betrieb

Doch jetzt ist der Mini-Wasserspielplatz corona-vorschriftsmäßig abgesperrt; schließlich ist die Wasserzufuhr nicht wirklich systemrelevant – höchstens für das Ökosystem Würmsee. Am See leben viele Wasservögel, Frösche, Amphibien und natürlich die roten Torffresser, angeblich die letzten ihrer Art.

Weniger Wasser als im März, dafür mehr Grün

Weil alle Plätze in der ersten Reihe besetzt waren, habe ich in dem kleinen Haus am See Rast gemacht. Die Hütte aus verrostetem Metall erinnert daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg Flüchtlinge hier am Würmsee eine Bleibe fanden.

Die Hütte steht ein bisschen abseits, die meisten Spaziergänger gehen achtlos an ihr vorbei. Für Flüchtlinge interessiert sich zurzeit ohnehin niemand – weder für die von damals noch für die von heute. Und so habe ich die Hütte zumindest eine Zeit lang für mich allein – ohne Dach und Wände zwar, aber mit einem noch unvergrünten Blick auf den See.

Ziergarten mit Nutzeffekt

Die Corona-Krise verstärkt angeblich den Trend zum Gärtnern und zur Selbstversorgung.  Bei mir nicht:  Ich lese zugegebenerweise nach wie vor lieber im Garten, als darin zu arbeiten.  Ich habe nicht den Ehrgeiz, meine Mahlzeiten selbst anzubauen. Und ich werde unseren Rasen nicht in einen Kartoffelacker oder einen Nutzgarten verwandeln. Unser Garten ist  ein Ziergarten – und das bleibt auch so. Aber ein bisschen mehr Nutzen als bisher darf‘s schon sein.

Ein Kräuterbeet mit Rosmarin, Salbei, Zitronenmelisse und Lavendel

Kräuter gibt es in unserem Garten zuhauf. Allerdings vor allem, weil sie so gut riechen – ja ich bin bekennender Duftfreak. Auf dem Teller landet leider nur ein kleiner Teil, obwohl ich es mir jedes Jahr aufs Neue vornehme. So habe ich es auch in diesem Jahr  wieder nicht geschafft, den Bärlauch zu Öl, Pesto oder Brot zu verarbeiten, bevor er anfing zu blühen – und ungenießbar wurde.

Dagegen wandern die Beeren – Heidel- Stachel-, Erd-, Johannis- und Brombeeren – wenn sie reif sind meist direkt ins Müsli und in den Mund. Aus Sauerkirschen und Trauben kochen wir Marmelade bzw. Gelee. Die meisten Früchte überlassen wir allerdings den Vögeln, manche Sträucher wie Weißdorn, Kornelkirsche und Holunder haben wir eigens für sie gepflanzt. Doch zum Dank beschimpfen sie uns wüst, wenn wir in den Garten kommen und sie bei der Ernte stören.

Der Bärlauch blüht schon – und kann nicht mehr verarbeitet werden.

Tomaten pflanzen wir schon seit Jahren – sie schmecken einfach besser als die gekauften. Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal neben Cherry- und Cocktailtomaten auch Sorten mit größeren Früchten ausprobiert – trotz des nicht optimalen Standorts im Halbschatten mit Erfolg. In diesem Jahr bekommen die Tomaten einen Platz auf der sonnigeren Terrasse. Es käme mir allerdings nicht in den Sinn, die Pflanzen aus Samen zu ziehen. Sie zu säen, zu pikieren und zu hegen und pflegen, bis sie dem Babyalter entwachsen sind, ist mir einfach zu mühsam. Das versucht mein Mann in diesem Jahr zum ersten Mal.

Die ersten Pflänzchen haben sich prächtig entwickelt und sind wie   Gurken, Zucchinis und Radieschen schon aus der Pflanzschale im Wintergarten ins Beet bzw. auf die Terrasse umgezogen.

Aus dem Anzuchttopf im Wintergarten ins Beet. Der Umzug ist den Zucchinis gut bekommen.

Das im Herbst angelegte Hochbeet hat sich bewährt und uns im Winter leckeren Feldsalat und Spinat beschert. Deshalb haben wir jetzt noch ein zweites angelegt und nutzen die sonnige Terrasse als seniorengerechten Hochgarten. Möhren habe ich schon gesät, in den nächsten Tagen sollen noch Kohlrabi, Postelein, Mangold und Rucola folgen.

Hoch- und Kräuterbeet

Rucola ist eine Pflanze ganz nach meinem Geschmack: Sie ist anspruchslos und pflegeleicht; ich mag den Geruch und esse sie gerne – wegen des sehr intensiven Geschmacks allerdings nur in kleineren Mengen. Lose gibt es Rauke in den Läden im Ort eigentlich nie; wenn ich eine Packung kaufe, welkt meist ein (großer) Teil dahin, bevor ich ihn aufbrauchen kann.

Selbst pflanzen ist da weit nachhaltiger. Mit dem Pflänzchen, das ich vor drei Jahren gesetzt habe, konnten wir drei Jahre lang unseren Rucola-Bedarf aus dem eigenen Garten decken – garantiert frisch und ungespritzt. Denn es hat  sich wundersam vermehrt, im ganzen Garten ausgebreitet und auch unsere Terrasse in ein Rucolafeld verwandelt. Im vergangenen Jahr konnte ich schon Anfang April den ersten Rucola auf der Terrasse ernten https://timetoflyblog.com/gartenerkenntnisse. Doch in diesem Jahr halte ich vergeblich Ausschau – und werde für Nachschub sorgen.

Wieder im Einsatz ist seit Kurzem auch der Komposter. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Grünabfälle in der grünen Tonne entsorgt, die hier in der Region ein grüner Sack ist. Jetzt kompostieren wir wieder selbst und können demnächst die Hochbeete mit eigener Erde auffüllen – oder ein weiteres befüllen.

Einen neuen Ort zum Lesen und Entspannen gibt es im Garten auch: In der Schaukel im Apfelbaum kann ich nach getaner Arbeit die Seele baumeln, sprich schaukeln lassen. Aber manchmal schaukle ich zugegebenerweise auch statt zu arbeiten.

Foto: Utz Schmidtko

Gäste im Teich und im Garten

Ob wir in diesem Jahr in Urlaub fahren werden, wissen wir nicht. Wir lassen es auf uns zukommen. Doch unsere Pflanzen haben wir bereits in Sommerfrische geschickt. Weit reisen mussten sie nicht, denn sie verbringen die Sommermonate jedes Jahr am gleichen Ort – auf unserer Terrasse, also quasi vor der Tür. Das scheint ihnen gut zu gefallen – beschwert hat sich noch keine. Im Gegenteil: Sie blühen draußen immer auf.

Sommerfrische für Zitruspflanzen

Der kleine Gartentisch hat in diesem Jahr einen neuen Standort bekommen – und eine neue Aufgabe: Er dient vorläufig als Blumentisch. Die Blüten sollen helfen, die Insekten anzulocken, denen wir ein neues Quartier an der Gartenhütte spendiert haben. In das alte Insektenhotel an der Rückseite ist – trotz Teichblick – bislang niemand eingezogen. Vielleicht gefällt es Bienen, Hummeln und Co auf der Sonnenseite der Hütte besser. Möglicherweise ist ihre Zurückhaltung aber auch ein gutes Zeichen: Die Insekten checken vielleicht nicht ein, weil sie in unserem und in den Nachbargärten genügend andere Unterkünfte finden.

Die Frösche sind wieder in unseren Garten zurückgekehrt, obwohl es in der Nähe gewiss schönere und größere Gartenteiche gibt. Ganz freiwillig tun sie das nicht – sie folgen ihren Genen und kehren immer wieder in den Teich zurück, in dem sie geboren wurden. Allmählich wird es eng: In diesem Jahr sind sie zu viert, drei von ihnen teilen sich den kleineren der beiden Teiche. Vielleicht müssen wir den Teich doch irgendwann vergrößern.,

Die Frösche sind vermutlich froh darüber, dass der Gartentisch – anders als in den vergangenen Jahren – nicht mehr am Teich steht. Sie fühlen sich nämlich durch meine Anwesenheit gestört und flüchten ins Wasser, sobald ich mich nähere. Nur eineR ist weniger ängstlich und ließ sich – gut getarnt – von mir fotografieren.

Suchbild mit Frosch

Vier Seen-Tour

Eigentlich wollte ich am Wochenende wieder zum Wandern in den Harz fahren, doch dann bin ich, wie von Virologen und Politikern empfohlen, brav zu Hause – in meinem Wohnort – geblieben. Statt zur Oker- oder Eckertalsperre zu wandern, bin ich mit dem Rad zu mehreren kleinen Seen und Teichen in und um Burgwedel gefahren. Die sind zwar klein, haben aber meine Sehnsucht nach Wasser zumindest vorübergehend gestillt.

Der Würmsee, erste Station auf der Vier-Seen-Tour, gehört zu meinen Lieblingsorten in Burgwedel. Und obwohl ich schon so oft da war, entdecke ich immer wieder Neues. Die Schilder beispielsweise, die vor Jahren, vielleicht sogar vor Jahrzehnten, am Stamm eines Baumes aufgehängt und dann wohl vergessen wurden. Sie zeigen, wie achtlos wir mit der Natur umgehen, wie wir unsere Spuren – und Wunden – hinterlassen. Sie zeigen aber auch, dass es der Natur letztlich egal ist, was der Mensch macht – sie passt sich an und überlebt. Wir brauchen die Natur – sie uns nicht.

Auch die Aufschrift auf der Bank nehme ich zum ersten Mal wirklich wahr. Ist sie neu oder habe ich sie bislang immer übersehen, weil ich immer nur in eine Richtung – aufs Wasser – geschaut habe? Egal, sie passt gut zu dem, was mich beschäftigt und zu dem Rückzug, der uns zurzeit aufgezwungen wird. Der uns zum innehalten zwingt.

Gute Mischung: (Lebens)Kunst …

Was brauche ich für mein Leben? Ich nehme mir ein bisschen Zeit, darüber nachzudenken. Neben Reiher, Fuchs, Hase und Eisvogel sitzend, genieße ich die Sonne und den Blick auf den See, bis mich zwei noch ältere Damen vertreiben.

… und Idyll am Würmsee. Das Idyll ist gewachsen, die Kunst entworfen vom Atelier LandArt

Denn drei sind – das verkündet wenig später die Kanzlerin – ab sofort in der Öffentlichkeit eineR zu viel. Die beiden Damen kümmert’s nicht, doch sie sind die einzigen, die keinen Abstand halten – alle anderen Spaziergänger bleiben auf Distanz

Am Springhorstsee, See Nummer zwei, merkt man die Ausgangsbeschränkungen besonders deutlich: Hier ist normalerweise sonntags bei schönem Wetter viel los, doch an diesem Sonntag war ich fast allein. Campingplatz, Hotel und  Restaurant sind wegen Corona geschlossen; auf der Terrasse am See sitzt eine einzige Frau, genießt die Sonne – ohne Kaffee und Kuchen. Ich spaziere am See entlang bis zu der Badestelle am gegenüberliegenden Seeufer. Das Wasser ist noch empfindlich kalt, doch schon in zwei Monaten kann ich hoffentlich wieder im See schwimmen. Das werde ich in diesem Jahr öfter tun als im vergangenen, nehme ich mir fest vor.

Springhorstsee mit kleiner Insel …

… und Badeinsel

Das kalte Wasser stört die beiden, die ich am Pöttcherteich sehe, nicht. Sie sind abgehärteter als ich, haben keine Angst vor kalten Füßen. Die beiden Vorfluter am Ortsrand sind nach dem Regen der vergangenen Wochen gut gefüllt – und bieten offenbar genügend Nahrung für einen Reiher und ein Storch. Die beiden teilen sich das Revier – zuerst auf Distanz. Die Annäherungsversuche des Storchs sind dem Reiher nicht geheuer.

Bitte Distanz halten … Storch und Reiher am Pöttcherteich

Ungewöhnlich viel Betrieb herrscht am Angelteich zwischen Thönse und Wettmar. Noch nie habe ich hier so viele Angler gesehen. Ob das schöne Wetter sie hierher getrieben hat oder der Mangel an Freizeit-Alternativen? Denn die meisten (Freizeit)einrichtungen sind geschlossen – Fitnessstudios, Bäder, Museen und Kinos ebenso wie Freizeit- undTierparks, Sportanlagen und Spielplätze drinnen und draußen), Cafés, Restaurants und Biergärten, Spielbanken, Wettannahmestellen und Prostitutionsstätten. Angelteiche kommen dagegen in der „Allgemeinverfügung der Region Hannover zur Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen und nichtöffentlichen Bereich …“ nicht vor – aber das Infektionsrisiko ist bei diesem Hobby sicher gering.

Hexenküche und andere Felsen

In meinem Blog Chaosgärtnerinnen habe ich Ende Februar das Gedicht „Früh im Jahr“ von Georg Britting erwähnt (https://chaosgaertnerinnen.de/frueh-im-jahr). Für alle, die sich es nicht kennen: Eine alte Frau erzeugt darin in ihrer Küche tief unter der Erde einen Hauch von Frühling und die entsprechenden Gerüche, weil ihr ein Topf „mit Sud vom Gewürztem“ überkocht. Das ist, ich gebe es zu, nur eine verkürzte, sehr prosaische Version der letzten Strophe des Gedichts, das natürlich im Internet zu finden ist (http://britting.de/gedichte/4-135.html).

Gestern bin ich nun bei einer Wanderung im Harz an der Hexenküche vorbeigekommen – zumindest am oberirdischen Teil, einer Felsformation aus Granit. Ob Goethes Faust hier von Mephisto den Zaubertrank bekommen hat, der ihn verjüngte und für alle Frauen attraktiv machte, weiß ich nicht. Den Zugang zur unterirdischen Küche im felsigen Tief habe ich weder gesucht noch gefunden. Denn dunkle Erdhöhlen sind nicht so mein Ding, Felsen und Aussichtspunkte mag ich dagegen sehr. Und davon gab es auf unserer Wanderung von Bad Harzburg ins Okertal einige.

Die Hexenhüche

Die Kästeklippen ganz in der Nähe der Hexenküche zum Beispiel. Zu ihnen gehört auch eine Gesteinsformation, die an ein Gesicht erinnern soll und daher – passend zur alten Frau, die in der Hexenküche kocht – den Namen „Der Alte vom Berge“ trägt. Von der einen Seite der rund 600 Meter hohen Klippen hat man einen schönen Blick über das Okertal bis ins nördliche Harzvorland, von der anderen sieht man den Brocken. Und man bekommt eine Ahnung von den Schäden, die Borkenkäfer und Stürme in den letzten Jahren angerichtet haben.

Blick von den Kästeklippen übers Okertal …

Sie haben auch unsere Wanderung beeinflusst. Denn viele schmale Wanderwege sind von umgestürzten Bäumen blockiert: Teilweise mussten wir leider auf breiten Wirtschaftswegen statt auf naturbelassenen Pfaden wandern. Die Stiefmutterklippen waren gar nicht erreichbar und als wir versuchten, den steilen Naturweg von den Feigenbaumklippen Richtung Romkerhaller Wasserfall hinab zu steigen sind wir umgekehrt, weil der Pfad durch umgefallene Bäume unpassierbar war.

… und von den Feigenbaumklippen. Foto Foe Rodens

Den Wasserfall haben wir dann doch erreicht; ziemlich steil und naturbelassen war auch dieser Pfad entlang der Kleinen Romke. Der Bach speist den Romkerhaller Wasserfall, den höchsten Wasserfall im Harz: Über einen rund 350 Meter langen Kanal wird das Wasser zur Romkeklippe geleitet. Von dort stürzt es 64 Meter tief in ein großes Becken und fließt in die Oker.

Der Wasserfall wurde 1863 künstlich angelegt, um die kurz vorher gebaute Gaststätte, die damals noch „Restauration und Logirhaus“ hieß, attraktiver zu machen. Eine Attraktion ist der Wasserfall heute noch, zumindest wenn es so viel geregnet hat wie in den vergangenen Wochen. In trockenen Sommern wird die Kleine Romke dagegen oft zum Rinnsal – und der Wasserfall entsprechend klein und für viele Besucher eine Enttäuschung.

Viel Regen – viel Wasser

Das gilt auch für die Oker. Sie führt vor allem im Sommer mitunter nur wenig Wasser – nicht nur, aber auch weil die Okertalsperre den Wasserdurchfluss reguliert und reduziert.

Doch davon, dass der Bach mitunter nur still vor sich hinplätschert, darf man sich nicht täuschen lassen: Wenn im Wasserkraftwerk die Turbinen angeworfen werden, strömen nach Angaben der Harzwasserwerke rund 6,5 Kubikmeter pro Sekunde aus dem Wasserkraftwerk in die Oker und verwandeln sie in einen wilden Fluss – und in ein Eldorado für Wildwasserkanuten und -kajakfahrer. Das geschieht meist geplant zu bestimmten Zeiten – in der Regel morgens und abends – , aber gelegentlich auch außerplanmäßig.

Wir werden gewiss wiederkommen – um zu wandern, um noch mehr Klippen zu bewundern und um die Wildwasserfahrer auf der laut Harzwasserwerken anspruchsvollsten Wildwasserstrecke Norddeutschlands in Aktion zu sehen. 

Würmsee im Blick

Erfunden hat sie Tabea Heinicker, Eva Fuchs führt die Fotoaktion seit einigen Jahren auf ihrem Blog (https://evafuchs.blogspot.com/search/label/12telBlick) und auf ihrer Instagram-Seite (@verfuchst.insta) fort. Eva Weinig (http://meine-gartenzeit.de/2020/01/13/5-blickwinkel-12-monate-januar/) hat die Idee aufgegriffen und mich inspiriert: Ich werde unseren Garten jeden Monat aus den gleichen Blickwinkeln fotografieren und die Fotos im Blog Chaosgaertnerinnen (https://chaosgaertnerinnen.de/garten-im-blick-januar) veröffentlichen.

Weil mir das Projekt aber so gut gefällt, möchte ich an dieser Stelle ein Jahr lang jeden Monat Fotos von einem meiner Lieblingsorte in meinem Wohnort posten: vom Würmsee im Orts-, pardon Stadtteil Kleinburgwedel.

Würmsee im Februar

Vor fast einem Jahr habe ich den kleinen See schon einmal vorgestellt https://timetoflyblog.com/kunst-am-see: So oft ich kann fahre ich mit dem Rad dorthin – meist gehe oder laufe ich um ihn herum, das dauert, weil der See eigentlich nur ein Teich und ziemlich klein ist, nur ein paar Minuten. Manchmal stehe oder sitze ich aber auch einfach nur am Ufer, genieße die Ruhe und schaue auf das Wasser, das ich, je älter ich werde, umso mehr vermisse.

Wasser zieht nicht nur mich magisch an. Schon vor hundert Jahren war der Würmsee ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Menschen in Burgwedel und Umgebung. In den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts sollen an Wochenenden Hunderte Menschen dorthin gepilgert sein. So viel Betrieb ist heute dort Gott sei Dank nicht, auch wenn der See seit ein paar Jahren wieder eine kleine Renaissance erlebt. Zum Erlebnis Würmsee tragen sicher auch die (Kunst)Objekte am Ufer bei. Sie gefallen nicht allen, aber vielen – mir auch.

… trotzdem wagt eine Dame leicht bekleidet ein Sonnenbad

Die Plätze auf der kleinen Holzplattform und auf den beiden Liegen sind bei schönem Wetter fast immer besetzt – nicht nur von Badenixen aus Pappmaché. Baden kann man heute im See nicht mehr – früher, bevor das Freibad gebaut wurde, haben viele Burgwedeler dort schwimmen gelernt. Wer wollte, konnte ein Boot leihen und in See stechen. Heute würde man leider im Schlamm steckenbleiben. Denn der See verlandet, obwohl ständig Wasser hineingepumpt wird.

Lieblingsplatz Steg

Am gegenüberliegenden Ufer gab es einen kleinen Badestrand mit Sand – heute führt ein Steg in den See hinein. Dort sitze ich im Sommer oft, bis mich die Mücken vertreiben, träume von einem Haus oder einer Hütte am See – leben und schreiben mit Blick aufs Wasser.

Ein paar Meter weiter erinnert eine nachgebaute Hütte an die Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg am See wohnten. Unfreiwillig eher. Denn die einfachen Hütten im Wald boten denen Zuflucht, die ausgebombt waren oder geflüchtet vor einem Krieg, den sie selbst und die von ihnen gewählten Faschisten angezettelt hatten. Ob sie einen Blick hatten für die schöne Seesicht, um die ich sie beneide?

(K)ein Traum von schöner wohnen: Haus am See

Garten im Blick – Januar

Nein, ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken und deshalb vorweg: Es ist nicht meine Idee, sondern ich habe sie auf der Instagram-Seite meiner Vornamenscousine Eva Wenig entdeckt (@meine_gartenzeit). Aber sie gefällt mir so gut, dass ich sie adoptiert habe und mitmache: Auch ich werde jeden Monat an bestimmten Stellen unseres Gartens Fotos machen und sie auf unserem Blog und auf Instagram posten.

Eva Wenig zeigt ihren Garten in Niederbayern aus fünf Blickwinkeln (http://meine-gartenzeit.de/2020/01/13/5-blickwinkel-12-monate-januar/). So tolle Ausblicke wie ihr Hanggarten bietet unser Garten nicht. Und auch die Lichtverhältnisse waren bei den ersten Fotos nicht optimal. Doch weil der Januar zu Ende geht, musste ich die wenigen nicht ganz so trüben Augenblicke nutzen.

Meine beiden Minigartenteiche sind natürlich dabei mit dem Leuchtturm Roter Sand.

Das Rosen-Erdbeer-Beet und die Gartenhütte müssen mit aufs Foto …

… und natürlich mein Lesezwerg. Er sitzt seit Jahr und Tag am gleichen Platz, sommers wie winters, immer in das gleiche Buch vertieft. Dass er seine Kleidung längst eingebüßt hat, bemerkt er ebenso wenig wie die Blaukissen, die in diesem Jahr ungewöhnlich früh anfangen zu blühen. Bald schon wird er von lauter blauen Blüten umgeben sein.

Auch mein Lieblingsbaum, die Eberesche mit dem Drillingsstamm, darf nicht fehlen.  Der Nistkasten muss in diesem Jahr gründlich renoviert oder ausgetauscht werden.

Und zum Schluss noch einen Blick auf unsere Terrasse, die an das Nachbargrundstück grenzt, mit meinem neuen Hochbeet und dem Pflanztisch. Hier wachsen zwei Weinstöcke und Kräuter: Minze, Zitronenmelisse, Petersilie und Ananassalbei zum Beispiel. Ab Mai, wenn die Eisheiligen vorbei sind,  werden wieder einige Pflanzen aus dem Wintergarten hier ihren Sommerurlaub verbringen. Und auch die Tomaten gedeihen hier – geschützt zwischen Hauswand und Zaun – sehr gut.

Noch ist alles ziemlich kahl und grau, aber das wird sich bald ändern. Wie, werde ich in den nächsten Monaten dokumentieren.

Übrigens: Auch Eva Fuchs postet auf ihrem Blog (https://evafuchs.blogspot.com/search/label/12telBlick und auf ihrer Instagram-Seite (@verfuchst.insta) jeden Monat ein Foto, das sie immer vom selben Standpunkt möglichst aus demselben Blickwinkel (oder ist es der gleiche) fotografiert. 12tel-Blick heißt die Fotoaktion, die angeblich Tabea Heinicker erfunden oder besser gesagt ins Leben gerufen hat. Mitmachen ist erwünscht – von allen Evas.

Nicht nur zur Weihnachtszeit

Seit meine Nachbarin mir vor einigen Jahren eine Gaultheria geschenkt hat, gehört die kleine Pflanze mit den dunkelgrünen Blättern und den roten Beeren für mich zur Weihnachtszeit und hat den Weihnachtsstern als Adventspflanze Nummer eins abgelöst. Vielleicht fühle ich mich dem Zwergstrauch besonders verbunden, weil ich eben mit nicht mal einem Meter sechzig auch nicht wirklich groß bin. Vor allem gefällt mir aber das Durchhaltevermögen und die Anpassungsfähigkeit der Scheinbeeren. Sie blühen eben nicht nur in zur Weihnachtszeit.

Weihnachtssterne überleben bei mir nur selten den Advent . Irgendwie kann ich es den Diven nicht recht machen. Mal gieße ich sie offenbar zu viel, mal zu wenig; der einen ist es zu warm, der anderen zu kalt – und so lassen die meisten schon nach ein paar Tagen die Blätter hängen, ehe sie sie dann ganz abwerfen und auf dem Kompost landen.

Gaultheria mit Buddha auf der Fensterbank …

Die Gaultherias sind da wesentlich robuster: Sechs bis acht Wochen halten sie sich im Haus, sagen die Experten, in meinem Arbeits- und meinem Schlafzimmer schaffen sie es sogar etwas länger. Schwerer tun sich die Scheinbeeren in unserem gut geheizten Wohnzimmer. Doch wenn die roten Beeren schrumplig werden und die Blätter dahinwelken, beginnt ihr zweites – das richtige – Leben im Garten.

… zur Kurzzeitpflege im Wintergarten …

Ausgewildert erholen sie sich schnell vom Wärmestress im Haus – sie genießen die frische Luft, selbst Minustemperaturen machen ihnen nichts aus. Denn Gaultherias stammen aus Nordamerika; dort wachsen sie sogar in Neufundland und Labrador, wo die Winter härter und länger sind als hierzulande.

Vielleicht gedeihen die Gaultherias in unserem Garten so gut, weil ich – eher zufällig als wohl wissend – den perfekten Standort für sie gefunden haben. Sie stehen im Beet am Zaun, wo sie im Winter viel Sonne abbekommen und sich im Sommer unter Sträuchern und anderen Pflanzen verstecken können. Wenn sie sich dort weiter ausbreiten, leisten sie mir sicher auch als Bodendecker im Kampf gegen Giersch und andere Unkräuter gute Dienste.

… und draußen im Garten.

Aus den Blättern der Scheinbeere kann man angeblich Tee kochen und ein Öl gewinnen, das Salicylsäuremethylester enthält und beispielsweise bei Rückenschmerzen, Rheuma, Fieber und Kopfschmerzen helfen soll. Das habe ich allerdings noch nie versucht und werde es sicher auch nicht tun. Denn das Öl ist bei Überdosierung giftig. Aspirin und Co sind daher bei Schmerzen sicher die bessere Wahl.

Wer zu spät kommt …

… den bestraft das Leben. Diese Worte von Michail Gorbaschow haben sich auch heute wieder bewahrheitet. Bevor morgen der Herbst beginnt, wollte ich noch einen Punkt von meiner To-do-Liste für diesen Sommer erledigen: schwimmen im Natelsheide See in Bissendorf Wietze. Anderthalb Jahr bin ich auf dem Weg zum Altenheim, in dem meine Mutter gelebt hat, nah am See vorbeigefahren, nie habe ich es geschafft. Im August war ich schon einmal auf dem Weg zum See, als aus heiterem Himmel Gewitterwolken aufgezogen sind und ich umkehrte.

Heute Morgen bin ich dann wieder losgezogen, um im See zu schwimmen, auf der Seeterrasse einen Milchkaffee zu trinken, aufs Wasser zu schauen und die Sonne zu genießen. Doch als ich ankam, war der Campingplatz, auf dem  der See liegt, geschlossen. Kein Kaffee, die Stege gesperrt, und im See hatten sich Algen und Seerosen ausgebreitet. Mit ihnen wollte ich nicht um die Wette schwimmen. Wer zu spät kommt …

Natelsheidesee
Blick durch den Zaun: der Natelsheidesee

Zu einem Bad im See bin ich dann doch noch gekommen, wenn auch der Weg vom Natelsheide in Wedemark-Wietze zum Wietzesee in Langenhagen wesentlich weiter und  im wahrtsten Sinne steinig war. Wer auch immer den Radweg mit so grobem Schotter hat belegen lassen – er hat sicher noch nie in seinem Leben auf einem Rad gesessen. Besonders schön war auch der restliche Weg nicht, dafür hatte ich den Wietzesee fast für mich.

Nur ein paar Sonnenhungrige lagen am Strand bzw. auf der Wiese, im Wasser war niemand. Mein Bad im See war zugegebenerweise kurz, denn das Wasser war zwar sehr klar, aber auch sehr kalt. Doch nach der langen Radtour kam die Abkühlung gerade recht.

Wietzesee
Wietzesee

Schön wars am See, und ich bin sicher, dass ich wieder hinfahren werde – auch wenn ich mir eine andere Route suchen werden. Und im nächsten Jahr werde ich es sicher schaffen, im Natelsheidesee zu  baden. Und ich werde diesen Plan gewiss nicht wieder aufschieben.