Würmsee im Blick

Erfunden hat sie Tabea Heinicker, Eva Fuchs führt die Fotoaktion seit einigen Jahren auf ihrem Blog (https://evafuchs.blogspot.com/search/label/12telBlick) und auf ihrer Instagram-Seite (@verfuchst.insta) fort. Eva Weinig (http://meine-gartenzeit.de/2020/01/13/5-blickwinkel-12-monate-januar/) hat die Idee aufgegriffen und mich inspiriert: Ich werde unseren Garten jeden Monat aus den gleichen Blickwinkeln fotografieren und die Fotos im Blog Chaosgaertnerinnen (https://chaosgaertnerinnen.de/garten-im-blick-januar) veröffentlichen.

Weil mir das Projekt aber so gut gefällt, möchte ich an dieser Stelle ein Jahr lang jeden Monat Fotos von einem meiner Lieblingsorte in meinem Wohnort posten: vom Würmsee im Orts-, pardon Stadtteil Kleinburgwedel.

Würmsee im Februar

Vor fast einem Jahr habe ich den kleinen See schon einmal vorgestellt https://timetoflyblog.com/kunst-am-see: So oft ich kann fahre ich mit dem Rad dorthin – meist gehe oder laufe ich um ihn herum, das dauert, weil der See eigentlich nur ein Teich und ziemlich klein ist, nur ein paar Minuten. Manchmal stehe oder sitze ich aber auch einfach nur am Ufer, genieße die Ruhe und schaue auf das Wasser, das ich, je älter ich werde, umso mehr vermisse.

Wasser zieht nicht nur mich magisch an. Schon vor hundert Jahren war der Würmsee ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Menschen in Burgwedel und Umgebung. In den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts sollen an Wochenenden Hunderte Menschen dorthin gepilgert sein. So viel Betrieb ist heute dort Gott sei Dank nicht, auch wenn der See seit ein paar Jahren wieder eine kleine Renaissance erlebt. Zum Erlebnis Würmsee tragen sicher auch die (Kunst)Objekte am Ufer bei. Sie gefallen nicht allen, aber vielen – mir auch.

… trotzdem wagt eine Dame leicht bekleidet ein Sonnenbad

Die Plätze auf der kleinen Holzplattform und auf den beiden Liegen sind bei schönem Wetter fast immer besetzt – nicht nur von Badenixen aus Pappmaché. Baden kann man heute im See nicht mehr – früher, bevor das Freibad gebaut wurde, haben viele Burgwedeler dort schwimmen gelernt. Wer wollte, konnte ein Boot leihen und in See stechen. Heute würde man leider im Schlamm steckenbleiben. Denn der See verlandet, obwohl ständig Wasser hineingepumpt wird.

Lieblingsplatz Steg

Am gegenüberliegenden Ufer gab es einen kleinen Badestrand mit Sand – heute führt ein Steg in den See hinein. Dort sitze ich im Sommer oft, bis mich die Mücken vertreiben, träume von einem Haus oder einer Hütte am See – leben und schreiben mit Blick aufs Wasser.

Ein paar Meter weiter erinnert eine nachgebaute Hütte an die Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg am See wohnten. Unfreiwillig eher. Denn die einfachen Hütten im Wald boten denen Zuflucht, die ausgebombt waren oder geflüchtet vor einem Krieg, den sie selbst und die von ihnen gewählten Faschisten angezettelt hatten. Ob sie einen Blick hatten für die schöne Seesicht, um die ich sie beneide?

(K)ein Traum von schöner wohnen: Haus am See

Wer zu spät kommt …

… den bestraft das Leben. Diese Worte von Michail Gorbaschow haben sich auch heute wieder bewahrheitet. Bevor morgen der Herbst beginnt, wollte ich noch einen Punkt von meiner To-do-Liste für diesen Sommer erledigen: schwimmen im Natelsheide See in Bissendorf Wietze. Anderthalb Jahr bin ich auf dem Weg zum Altenheim, in dem meine Mutter gelebt hat, nah am See vorbeigefahren, nie habe ich es geschafft. Im August war ich schon einmal auf dem Weg zum See, als aus heiterem Himmel Gewitterwolken aufgezogen sind und ich umkehrte.

Heute Morgen bin ich dann wieder losgezogen, um im See zu schwimmen, auf der Seeterrasse einen Milchkaffee zu trinken, aufs Wasser zu schauen und die Sonne zu genießen. Doch als ich ankam, war der Campingplatz, auf dem  der See liegt, geschlossen. Kein Kaffee, die Stege gesperrt, und im See hatten sich Algen und Seerosen ausgebreitet. Mit ihnen wollte ich nicht um die Wette schwimmen. Wer zu spät kommt …

Natelsheidesee
Blick durch den Zaun: der Natelsheidesee

Zu einem Bad im See bin ich dann doch noch gekommen, wenn auch der Weg vom Natelsheide in Wedemark-Wietze zum Wietzesee in Langenhagen wesentlich weiter und  im wahrtsten Sinne steinig war. Wer auch immer den Radweg mit so grobem Schotter hat belegen lassen – er hat sicher noch nie in seinem Leben auf einem Rad gesessen. Besonders schön war auch der restliche Weg nicht, dafür hatte ich den Wietzesee fast für mich.

Nur ein paar Sonnenhungrige lagen am Strand bzw. auf der Wiese, im Wasser war niemand. Mein Bad im See war zugegebenerweise kurz, denn das Wasser war zwar sehr klar, aber auch sehr kalt. Doch nach der langen Radtour kam die Abkühlung gerade recht.

Wietzesee
Wietzesee

Schön wars am See, und ich bin sicher, dass ich wieder hinfahren werde – auch wenn ich mir eine andere Route suchen werden. Und im nächsten Jahr werde ich es sicher schaffen, im Natelsheidesee zu  baden. Und ich werde diesen Plan gewiss nicht wieder aufschieben.

Wandern im Harz: Auf dem Brocken

Goethe war hier – und hat dem höchsten Berg Norddeutschland im Faust ein literarisches Denkmal gesetzt. Heinrich Heine hat den Brocken ebenfalls bestiegen – und danach die Harzreise verfasst. Ich nehme mir vor nach meiner Wanderung einen Blog zu schreiben (was ich hiermit getan habe).

Brocken Heine P1020614

Der Brocken fasziniert mich immer wieder: Seit der Berg – zu DDR-Zeiten militärisches Sperrgebiet – im Dezember 1989 wieder geöffnet wurde, war ich sicher ein Dutzend Mal oben. Meist bin ich wie am Sonntag von Torfhaus aus gewandert. Weil ich recht früh unterwegs war, habe ich auf dem Goetheweg nur wenige Menschen getroffen. Und auch auf dem Gipfel war es noch sehr ruhig.

Der Brocken hat für mich eine besondere Bedeutung – nicht nur, weil ich Hexen mag. Ich war auf dem Berg, als mein Vater starb. Am Tag zuvor war ich noch bei ihm gewesen. Fast neun Jahre später nehme ich auf der Wanderung zum Brocken auch ein bisschen Abschied von meiner Mutter. Nein, sie ist nicht gestorben, sie verschwindet nur seit zwei Jahren immer mehr in ihrer Demenz. Es ist ein Abschied auf Raten. Anderthalb Jahre hat sie in einem Heim ganz in meiner Nähe gelebt. Sie hat sich – soweit die Demenz es erlaubt – gut eingelebt und sich wohl gefühlt. Aber meine  Schwestern meinen, dass sie in einem Heim in Norderstedt besser aufgehoben ist – als ich diese Zeilen schreibe, ist sie bereits umgezogen. Ich werde meine Mutter also künftig nicht mehr zwei- oder dreimal in der  Woche, sondern nur noch alle zwei oder drei Wochen einmal besuchen.

Mit dem Wetter habe ich bei all meinen Brockenwanderungen Glück: Das ist bei mehr als 306 Nebel- und mehr als 260 Regentagen keine Selbstverständlichkeit. Es ist mit 8 Grad eher frisch, wenn auch deutlich wärmer als im Jahresdurchschnitt, ziemlich windig und etwas diesig. So zeigt sich das ganze Ausmaß des Waldsterbens zumindest von oben nicht ganz so deutlich. Der tote Silberwald hebt sich nicht ganz so klar vom umgebenden Grün ab – oder umgekehrt.

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Auf dem Brocken: Hexentanzplatz

Auf dem Weg bergab zeigt sich dann, dass der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet hat. Auf dem Teufelsstieg in Richtung Schierke sind stellenweise nur noch wenige grüne Nadelbäume zu sehen.

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Und dennoch deprimiert mich der Anblick weniger als bei meiner Harzwanderung im vergangenen Jahr. Die riesigen grauen Steine und die toten Bäume im Eckerloch wirken fast mystisch – Sinfonie in Grau. Und wenn man genau hinschaut, sieht man, dass zwischen den toten Nadel- neue Laubbäume wachsen. Der Wald lebt – und ist, wenn man den Fachleuten und der Infotafel auf dem Goetheweg glauben darf, artenreicher und stabiler als zuvor. Irgendwann werden wir dem Borkenkäfer also dankbar sein, dass er der dem Tannen- und Fichteneinerlei den Garaus gemacht hat.

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Die Natur schafft das – hoffentlich

Bis wieder alles grün ist, werde ich allerdings nicht warten. Ich plane schon meine nächste Tour zum Brocken: Auf dem Teufelsstieg von Elend aus entlang der Bode über die Schnarcher- und Mauseklipppen und durch das Eckerloch. Dieser Weg soll dem Aufstieg von Mephisto und Faust nachempfunden sein. Und bergab will ich auf Heines Spuren wandern: durch das Tal der schönen Ilse nach Ilsenburg, angeblich der schönste Wanderweg vom und zum Brocken. Und auch in Thale am anderen Ende des Hexenstiegs will ich in diesem Sommer noch wandern: natürlich zum Hexentanzplatz.

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Kaffeepause auf dem Weg zum Tal der Hexen

Die gar nicht graue Stadt am Meer

Nein, es war keine Liebe auf den ersten Blick, auch nicht auf den zweiten oder dritten, eher eine Vernunftehe, aber die halten ja bekanntlich länger und sind auf Dauer manchmal glücklicher als manche Liebesheirat. Aber das ist ein anderes Thema.

Dass wir eine „kleine Auszeit zwischendurch“ gelegentlich in Cuxhaven verbringen, hat sicher auch sachliche Gründe. So dauert die Fahrt von Hannover nach Cuxhaven gerade mal zwei Stunden, bis zum Darß braucht man oft doppelt so lang. Denn man erspart sich den Dauerstau um Hamburg. Dass die Strände auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst weiter und schöner sind und dass das Wasser an der Nordsee wegen der Gezeiten oft nicht da ist, wenn wir selbst gerade kommen, nehmen wir in Kauf.

Denn inzwischen mag ich Cuxhaven: Mir gefällt, dass ich in dort beides habe – das Meer und eine Stadt in der Nähe mit vielen kleinen Läden. Einen Schreibwarenladen mit so viel Stil und Atmosphäre wie Skribifax in der Deichstraße findet man nur selten – und eine Buchhandlung wie Oliva, in der man nicht nur neue, sondern auch gebrauchte Bücher kaufen kann, ebenfalls.

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Scribifax – Schreibwaren mit Stil

Mich überrascht immer wieder, wie viele schöne alte Gebäude es gibt – auch wenn man die vor allem im Lotsenviertel mitunter erst entdeckt, wenn man in die Höhe blickt. Dass manches originale Fenster im Erdgeschoss einem Schaufenster weichen musste, ist sicher bedauerlich, doch aus Sicht der Einzelhändler verständlich – und im Nachhinein ohnehin mehr zu ändern.

Cuxhaven ist zwar ein Seebad – aber, und auch das ist für in meinen Augen ein Plus, weniger vornehm als andere: eher etwas für die kleinen Leute, weniger für die feinen.

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Schön restaurierte Häuser hinterm Deich …

Hinterm Deich stehen historische Gebäude und moderne Apartementanlagen einträchtig nebeneinander: Denn für mehr als drei Millionen Übernachtungen im Jahr werden natürlich viele Unterkünfte benötigt. Wer sicher sein will, dass er von seinem Zimmer aus über den schützenden Deich blicken kann, sollte mindestens in die dritte Etage ziehen.

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… und davor eine Sinfonie in Blau und Grau. Auch das Watt hat wat.

Beim letzten Cuxhavenbesuch in der vergangenen Woche hatten wir von unserer Wohnung im siebten Stock einen schönen Blick aufs Meer und auf die Elbmündung – für mich die halbe Erholung. Strandfeeling gibt’s übrigens auch in Cuxhaven: gleich nebenan im Stadtteil Duhnen und – fast so schön wie auf dem Darß –  ein paar Kilometer weiter in Sahlenburg.

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Darß-Feeling in Sahlenburg

Dort lohnt auf jeden Fall ein Besuch in dem zwischen Strand und Heide gelegenen Wattenmeer-Besucherzentrum. Von außen ist das moderne Gebäude mit viel Holz und Glas ei echter Hingucker. Drinnen erfährt man viel über das Weltnaturerbe Wattenmeer – über Salzwiese oder Küstenheide, über Wattwürmer und andere kleine und große Tiere, über Umwelt- und Meeresverschmutzung.

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Anschauen lohnt – drinnen und draußen: das Besucherzentrum Wattenmeer

Hier wird auch erklärt, warum man sich keine Sorgen machen muss, wenn das Meer mal weg ist, wenn man selbst gerade ankommt.  Es kommt nämlich immer wieder, versprochen.