Glaubt ihr an Feng Shui? Diese aus China stammende daoistische Harmonielehre, die durch die Gestaltung der Wohn und Lebensräume eine Harmonie zwischen Menschen und ihrer Umgebung erreichen will (https://de.wikipedia.org/wiki/Feng_Shui)? Ich bin zwar für fernöstliches Gedankengut durchaus empfänglich: Ich mache täglich Yoga, und es bekommt mir gut. Und Akupunktur wirkt bei mir Wunder, wenn ich Rückenschmerzen habe. Aber von Feng Shui habe ich üerhaupt keine Ahnung. Vor ein paar Tagen bin ich eher zufällig auf einige Ratschläge gestoßen, wie man sein Arbeitszimmer einrichten soll, damit das Chi, die kreative Energie, frei fließen kann – oder was man besser vermeiden sollte.
So sollte man auf keinen Fall mit dem Rücken zur Tür sitzen. Weil man dann nie weiß, wer sich nähert oder hereinkommt, stört diese Position angeblich die Konzentration und macht unruhig. Außerdem ist es nach Feng Shui nicht ratsam, den Tisch genau vor dem Fenster zu positionieren. Der Blick nach draußen lenkt nämlich unnötig von der Arbeit ab. Ich habe also bei der Einrichtung meines Schreib-/Arbeitszimmers eigentlich alles falsch gemacht.
Nun ist die Gefahr, dass irgendjemand plötzlich in Zimmer kommt, nicht besonders groß. Denn erstens wohnen mein Mann und ich ja alleine im Haus, und zweitens verraten die knarrenden Treppenstufen zuverlässig, wenn jemand sich nähert. Und auch die Ablenkung durch den Blick durchs Fenster hält sich in Grenzen: Durch das Fenster auf der Giebelseite sehe ich nur die Krone des Kirschbaums in unserem Garten und die obere Etage der Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo sich zumindest tagsüber, wenn ich am Schreibtisch sitze, nie etwas tut. Und das schräge Dachfenster über dem Zeichentisch gibt nur den Blick auf den derzeit meist grauen Himmel frei. Aber tatsächliche Verhältnisse und uralte Instinkte sind eben zwei völlig verschiedene Dinge.
Nun sind die Gestaltungsmöglichkeiten in meinem Zimmer begrenzt. Die hohen Bücherregale haben eben nur an den geraden Wänden Platz. Am Grundriss und and der Position von Fenstern und Tür läßt sich nichts ändern. Und ich möchte auf keinen der beiden Arbeitstische verzichten. Sie haben zwar weder abgerundete Ecken noch eine geschwungene Form, was für Menschen, die kreativ arbeiten, am günstigsten sein soll. Aber sie sind groß und aus hellem Holz – und sie gefallen mir immer noch ausfesprochen gut. Und so habe ich die Tische nur anders platziert: Sie stehen jetzt jeweils im 90-Grad-Winkel zum Fenster, angeblich die optimale Position. Wenn ich an ihnen sitze, habe ich jetzt die Tür im Blick. Den schwarzen Monitor, den ich eigentlich nur für meine Korrekturaufträge benötige, habe ich bei der Umräumaktion auf einen Extratisch verbannt, an dem ich künftig korrigieren werde. Dort stört er optisch weniger – und ich muss ihn nicht jedes Mal von einem Tisch auf den anderen und wieder zurückhieven.
Die Schreibtische stehen jetzt im 90-Grad-Winkel vor den Fenstern …… und die Tür habe ich beim Schreiben und Malen immer im Blick.
Außerdem habe ich meinen Schreib- und Maltisch getauscht. So habe ich jetzt beim Schreiben und Recherchieren den Raum und die Tür im Blick, beim Zeichnen schaue ich allerdings auf eine Wand. Das sprichwörtliche „Brett vorm Kopf“ ist zwar laut Feng Shui für die Kreativität nicht sonderlich günstig. Aber immerhin verschwindet die Wand teilweise hinter dem Bücherregal – und Bücher machen mich ja bekanntlich glücklich. Und die Bilder von Paula Modersohn, Annette Walz, Edvard Munch und Jack Davis dazwischen inspirieren mich hoffentlich, mehr zu zeichnen.
Ob die Umräumaktion was nützt, wird sich zeigen, aber schaden tut’s gewiss auch nicht, alte bewährte Regeln und Hinweise zu befolgen. Und mir gefällt das Zimmer, wie es jetzt ist. Und das ist eigentlich die Hauptsache.
Natürlich bin ich mit guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet, obwohl ich sie nicht so genannt habe. Denn viele gute Vorsätze überleben bekanntlich den Januar nicht, bei mir sterben manche sogar schon in der ersten oder zweiten Woche des Jahres. Deshalb habe ich meine Ziele diesmal in einer drei Monats-Liste aufgeschrieben – und einiges in der Tat schon im ersten Monat umgesetzt.
So habe ich meinen Vorsatz, jeden Tag einen (nicht mehr gebrauchten) Gegenstand zu wegzuwerfen oder wegzugeben, zumindest im Durchschnitt eingehalten. Ich habe die Sachen allerdings micht täglich, sondern kompakt bei zwei kleineren Ausmistaktionen aussortiert. Und ich habe auch nicht an jedem Tag eine Zeichnung oder Skizze gemacht, aber immerhin an fast jedem, und an manchen sogar zwei. Das gleicht sich fast aus. Daran, jeden Tag mit einer Mischung aus aus Indoor-Walking, Gymnastik, Yoga und Journalschreiben ausklingen zu lassen, habe ich mich inzwischen gewöhnt – und die Abendroutine bekommt mir gut.
Gegangen bin ich laut meinem Fitnesstracker im Januar durchschnittlich 12.120 Schritte – und damit täglich 2000 mehr, als ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Daran hatten auch die beiden Wanderungen im Harz ihren Anteil. Bei der ersten bin ich mit meiner Tochter von Bad Harzburg zur Marienteichbaude gewandert, bei der zweiten durch das Okertal zum Romkehaller Wasserfall. Ich staune jedes Mal, was ein paar Kilometer und ein paar Höhenmeter ausmachen. Als wir in Bad Harzburg loswanderten, lag dort kein Schnee, aber schon nach einem Kilometer stapften wir durch eine Winterlandschaft. Der Romkehaller Wasserfall war fast vollständig vereist – und trotzdem hat ein ganz mutiger Kletterer versucht, ihn zu erklimmen. Geschafft hat er es allerdings nicht, solange wir zugesehen haben. Irgendwann gab er auf und seilte sich vom vereisten Fels ab.
Durchs Okertal …… Zum Romkehaller Wasserfall. Fotos: Foe Rodens
Überhaupt war ich im Januar viel unterwegs – mein 49-Euro-Ticket hat sich wieder einmal mehr als bezahlt gemacht. Anfang des Monats habe ich meinen Mann zum Flughafen nach Hamburg gebracht und mir auf dem Rückweg einen kleinen Abstecher an die Binnenalster gegönnt. Es war ein wunderschön sonniger Tag und ich habe den Blick aufs Wasser wirklich genossen. Sonne und Blicke aufs Wasser satt gab es auch am nächsten Tag bei einem kurzen Ausflug zum Altwarmbüchener See in der Nachbargemeinde.
Eine Woche später bin ich dann nach Berlin gefahren – um mir die Munch Ausstellung im Museum Barberini in Potsdam anzusehen, vor allem aber auch, um zwei Schulfreundinnen wiederzusehen, die in Berlin wohnen. Zu der einen ist der Kontakt nie abgerissen, wir haben uns in den vergangenen Jahren gelegentlich getroffen – entweder in Berlin oder in unserem Heimatort, in dem schon unsere Mütter gemeinsam zur Schule gegangen sind. Die andere, die ich schon aus dem Kindergarten kenne, habe ich nur zweimal gesehen, seit wir vor fast einem halben Jahrhundert an verschiedenen Schulen Abitur gemacht haben. Und obwohl unsere Leben sehr unterschiedlich verlaufen sind, sind wir irgendwie vertraut miteinander¸ es gibt eine gemeinsame Ebene: Wenn wir uns treffen ist es, als hätten wir uns vor ein paar Tagen oder Wochen zuletzt gesehen.
Selbstporträts: Edvard Munch im Museum Barberini in Potsdam …… und Paula Modersohn-Becker im Landesmuseum Hannover
Bei der einen Freundin habe ich übernachtet, mit der anderen habe ich die Munch Ausstellung in Potsdam und das Anne Frank Zentrum in Berlin besucht. Das stand schon lange auf meine To- visit-Liste, jetzt hat es endlich mal geklappt.
Die Dauerausstellung „Alles über Anne“ gewährt nicht nur Einblicke in Anne Franks Leben, sondern schlägt auch eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart. Sie richtet sich vor allem an Kinder unnd Jugendliche, die sich durch Annes Schicksal oft besonders angesprochen fühlen. Denn schließlich war sie in ihrem Alter, als sie mit ihrer Familie untertauchen, sich in einem Hinterhaus verstecken musste, schließlich doch entdeckt, in Konzentrationslager verschleppt und ermordet wurde. „Über die Beschäftigung mit dem Tagebuch und Annes Biografie bekommen die Schülerinnen und Schüler einen persönlichen Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus, des Antisemitismus und des Holocaust. Wir wollen sie aber auch anregen, sich mit Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung und Flucht in der Gegenwart auseinanderzusetzen“, sagte mir Veronika Nahm, die Leiterin des Anne Frank Zentrums, vor einiger Zeit mal in einem Interview (https://www.friedrich-verlag.de/bildung-plus/schulleben/auf-den-spuren-anne-franks/).
Die Auseinandersetzung mit Rassismus, Antisemitismus und Faschismus ist nötiger denn je. Denn der Hass auf nimmt nicht nur in Deutschland seit dem Überfall der Hamas Terroristen auf Israel zu – bei den anstehenden Landtagswahlen in Thüringen wird die rechtsextreme AfD möglicherweise stärkste Fraktion. Doch seit das Recherchenetzwerk Correctiv aufgedeckt hat, wie rassistisch Mitglieder der AfD sind und welche Deportationspläne sie für Deutschland schmieden, gehen Hundertausende Menschen auf die Straße und zeigen, dass sie gegen Faschisten, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und für die Demokratie in unserem Land sind. Auch ich habe im Januar an vier Demos teilgenommen – und an einigen Mahnwachen der Omas gegen rechts vor der Neuen Synagoge in Hannover.
Nach Hannover fahre ich ziemlich häufig, seit ich nicht mehr berufstätig bin. Im Januar habe mir unter anderem zweimal die Paula Modersohn Ausstellung im Landesmuseum angesehen und natürlich war ich dabei, als meine Tochter im Unternehmerinnenzentrum durch ihre erste Fotoausstellung führte*.
Im Unternehmerinnenzentrum: Ausstellung Naturfotografien von Nele SchmidtkoDie Bilder können montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr besichtigt werden.
Mit einer Schreibgruppe habe ich mich im Schauspielhaus Hannover getroffen. Das wird mittwochs bis freitags von 14 – 18 Uhr zum Open Haus und öffnet das Foyer für alle, die „Ruhe genießen, Musik hören, für die Uni lernen, coworken, vernetzen, Freund:innen treffen, Yoga mit der Gruppe machen, entspannt ein Buch lesen oder eine Sitzung halten“ – oder natürlich auch allein oder gemeinsam schreiben möchten (https://staatstheater-hannover.de/de_DE/open-haus). Eine wirklich gute Idee – und ein schöner Begegnungsort und Treffpunkt in der Innenstadt von Hannover.
Der monatliche Schreibtreff am ersten Sonntag des Monats ist für mich ein fester Termin. Allerdings haben wir im Januar ausnahmsweise am zweiten Sonntag gemeinsam geschrieben – und auch nicht im AutorInnenzentrum, sondern in den Praxisräumen einer Schreibfreundin. Denn das AutorInnenzentrum musste – oder soll ich schreiben – konnte aus dem Ihmezentrum ausziehen. Für alle, die das Ihmezentrum nicht kennen: Der Hochhauskomplex ist nicht nur meiner Meinung nach das scheußlichste Gebäude in Hannover.
Um Geld zu sparen, haben die Mitglieder des AutorInnenzentrums ihr neues Domizil in der Deisterstraße teilweise selbst renoviert. Auch ich habe an zwei Tagen geholfen, habe Löcher zu- und Wände abgespachtelt, grundiert und gestrichen. Zu Hause konnte ich ebenfalls – notgedrungen – unter Beweis stellen, dass ich handwerklich doch kein ganz hoffnungsloser Fall bin. Weil mein Mann in Nordschweden Polarlichter jagte, musste ich den defekten Abfluss unter der Spüle selbst reparieren. Es hat nicht im ersten Anlauf geklappt, aber inzwischen ist er dicht. Geht doch.
* Die Ausstellung mit Landschafts-, Tier und Naturfotos kann noch bis zum 19. April montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr im Unternehmerinnenzentrum in der Hohen Straße in Hannover-Linden besichtigt werden. Mehr Informationen unter https://foerodens.wordpress.com/2023/11/01/meine-erste-fotoausstellung/
Seit ich vor etwas mehr als einem Jahr Rentnerin geworden bin, habe ich mich von manchem getrennt. Ich habe ganze Papierberge in die Altpapiertonne entleert, zahlreiche entleerte Aktenordner verschenkt und noch mehr Newsletter und Pressedienste abbestellt. Außerdem habe ich u. a. die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft sowie diverse Versicherungen gekündigt. Denn als Rentnerin brauche ich weder eine Berufshaftpflicht- noch eine Vermögensschadensversicherung. Und so habe ich heute wohl zum letzten Mal den Fragebogen einer Versicherung ausgefüllt, der mich mein ganzes Berufsleben als Selbstständige begleitet hat und mit dem sichergestellt werden soll, dass mein Versicherungsschutz wenn auch abgelaufen so doch auf dem aktuellen Stand ist.
Ich gebe zu: In den ersten Jahren nach Abschluss der Versicherung habe ich die mir zugesandten Fragebogen schlichtweg ignoriert, weil ich glaubte, man hätte sie mir irrtümlich zugesandt. Keine einzige Frage hatte nämlich irgendetwas mit mir und meiner Tätigkeit als Journalistin und Lektorin zu tun. Denn ich beschäftigte nicht nur keine Service-Kräfte in meinem Auslieferungslager – ich hatte noch nicht mal eins. Meine Texte habe ich in den ersten Jahren per Post, später dann per Fax und per Mail versandt. Und der Redakteur, der gelegentlich meine Artikel mit nach Hannover nahm, als ich noch für die HAZ arbeitete, tat das aus reiner Gefälligkeit. Ich besaß auch weder Hub- und Gabelstapler noch Kräne, Motorschlitten, Winden, Tank- oder Kesselwagen – und ich gedachte auch nicht, derartige Geräte anzuschaffen. Und mein Tätigkeits-, Produktions-, Reparatur- und Lieferprogramm ist im Prinzip immer gleich geblieben, seit ich mich selbstständig gemacht habe: Ich schrieb, korrigierte und lektorierte Texte, wenn auch zu ganz unterschiedlichen Themen.
Nach mehreren Mahnungen und der Drohung, die mir den Versicherungsschutz zu entziehen, wenn ich nicht kooperiere, gab ich nach: Ich füllte den Fragebogen aus und versicherte der Versicherung, dass sie die Allererste wäre, die ich über etwaige Veränderungen meines Lieferprogramms, des Personal- und Fahrzeugbestands in Kenntnis setzen würde. Doch das genügte ihr nicht: Sie bestand auf einem jährlichen Update und so flatterte alljährlich am Jahresende der Fragebogen bzw. die Aufforderung, ihn auszufüllen, ins Haus.
Denn seit einigen Jahren ist dies online möglich und auch die Zahl der Fragen hat sich im Lauf der Jahre deutlich reduziert. So musste ich in diesem Jahr nur zwei Fragen beantworten, nämlich ob
„… sich Änderungen zum versicherten Risiko oder neue Risiken ergeben (haben, Ergänzung von mir, ew), die während des abgelaufenen Versicherungsjahres entstanden sind, insbesondere Änderung des Betriebscharakters, des Tätigkeits-, Produktions- und Lieferprogramms, Montage/ Reparaturarbeiten und /oder direkte Exporte in die USA/ US-Territorien?“ und
„… während des abgelaufenen Geschäftsjahres Anschaffungen oder Investitionen getätigt (wurden, Ergänzung von mir, ew), die zu einer Veränderung der versicherten Sachwerte oder des Risikos geführt haben (z. B. neu hinzu gekommene Betriebsgrundstücke, Gebäude, Betriebseinrichtungen, Baugeräte, Waren, Vorräte)?
Ich habe hinter beiden Fragen mit gutem Gewissen das Nein angeklickt. Doch als ich auf Senden drückte, kam so etwas wie Wehmut auf: Vielleicht werde die Fragen nach meinen Baugeräten, Betriebseinrichtungen und Vorräten im nächsten Jahr doch vermissen. Ich hatte mich so daran gewöhnt.
Ich habe in den vergangenen 40 Jahren über manches Merkwürdige gelesen und geschrieben: Über die Erfindung der Dauerwelle beispielsweise, über einen Wecker, der davonrennt und sich versteckt, wenn man nach ihm schlägt, oder über einen BH, der auch als Atemschutzmaske dient. Letztere wurden sogar mit dem Ignobel-Preis, einem inzwischen anerkannten Preis für skurrile Forschungsprojekte, ausgezeichnet.
Skurril ist für mich auch das (Teil)Ergebnis einer Umfrage aus dem Jahr 2018, auf die ich bei der Recherche für diesen Blogbeitrag gestoßen bin. Auf die Frage, wie lange sie ihren Weihnachtsbaum (üblicherweise) stehen lassen, antworteten nämlich 6 Prozent der von Statista befragten InternetnutzerInnen, dass sie den Baum vor Heiligabend abbauen; weitere vier Prozent dann schon an den Weihnachtsfeiertagen. Fake, war meine erster Gedanke, aber Statista ist eigentlich ein seriöses Marktforschungsinstitut und immerhin hat auch der Stern über diese Umfrage berichtet (https://www.stern.de/gesellschaft/weihnachtsbaum–so-lange-lassen-ihn-die-deutschen-stehen-8503024.html). Na gut, die Kollegen sind damals auch auf die Hitlertagebücher reingefallen, aber das ist ja schon lange her.
Seit ich die Umfrageergebnisse gelesen habe, grüble ich darüber nach, warum jemand einen Weihnachtsbaum kauft, schmückt – und dann noch vor dem Fest, für das er eigentlich angeschafft wurde, wieder loswerden will. Ebenfalls recht schnell, zwischen Weihnachten und Neujahr, trennen sich 11 Prozent der Befragten von ihrem Baum. Zwischen Neujahr und dem 6. Januar müssen 27 Prozent, am 6. Januar dann weitere 19 Prozent der Bäume weichen. Immerhin fast ein Drittel darf noch länger im warmen Wohnzimmer bleiben.
Stationen eines Weihnachsbaum-Lebens
Für unseren Weihnachtsbaum war ganz traditionell am Dreikönigstag Schluss. Das Fest der Heiligen Drei Könige oder Epiphanias, die Erscheinung des Herrn, ist eines der ältesten kirchlichen Feste. Es erinnert daran, dass laut Matthäus-Evangelium drei Weise, Könige oder Magiere aus dem Morgenland, von einem Stern geleitet, Jesus in Bethlehem fanden – und er damit in der Welt „erschien“.
Für die katholische und evangelische Kirche endet die Weihnachtszeit – und damit auch die Weihnachtsbaumzeit – am Sonntag nach Epiphanias. Dagegen feiern die orthodoxen Kirchen, die sich noch nach dem alten julianischen Kalender richten, z. B die russisch-orthodoxe und die serbisch-orthodoxe, Weihnachten erst am 6. und 7. Januar. Und auch im römisch-katholischen Italien mussten die Kinder früher bis zum 6. Januar auf ihre Geschenke warten. Denn in Italien werden die Kleinen traditionell an Epiphanias von der Weihnachtshexe Befana beschert.
Auch für mich ist der 6. Januar nicht Dreikönigs-, sondern Befanatag. Schließlich habe ich vor ein paar Jahren „die wahre Geschichte der Weihnachtshexe Befana“ aufgedeckt und aufgeschrieben. 🙂
Wann habe ich eigentlich angefangen, jedes Jahr die Bücher zu zählen, die ich gelesen habe, und ihre Titel zu notieren? Die ersten (erhaltenen) Anfänge meiner Bücherlisten reichen ins Jahr 2015 zurück: Damals habe ich mir in Lissabon ein „Diário de leitura“, also ein Büchertagebuch, gekauft. Der erste Eintrag war im Februar 2015 Pascal Merciers „Nachtzug nach Lissabon“. Der Roman war lange Zeit eines meiner Lieblingsbücher und natürlich begleitete er mich auch bei unserem Kurzurlaub in Lissabon. Wahrscheinlich hatte ich mir das Reiseziel überhaupt nur oder hauptsächlich wegen dieses Buchs ausgesucht.
Natürlich war ich wie auch der Protagonist des Romans, der Lateinlehrer Raimund Gregorius, in der Livraria Bertrand, der ältesten durchgehend betriebenen Buchhandlung der Welt. Als ich dort das Büchertagebuch entdeckte, konnte ich nicht widerstehen. Regelmäßig habe ich allerdings erst seit 2020 die gelesenen Bücher eingetragen. Im vergangenen wie auch in diesem Jahr haben mich dann die Blogbeiträge von Christof Herrmann (https://www.einfachbewusst.de/2023/12/gelesen-buecher-2023/) animiert, meine eigene Leseliste zu veröffentlichen.
Mein Büchertagebuch
Ich lese etwa 50 bis 60 Bücher jährlich, im vergangenen Jahr waren es genau 60. Da ich die Listen nicht ganz zuverlässig führe, sind es möglicherweise sogar einige mehr. Außerdem fehlen Bücher, die ich noch nicht ganz zu Ende gelesen habe, im vergangenen Jahr zum Beispiel Siri Hustvedts Essayband „Mütter, Väter und Täter“.
Mein Ziel, jede Woche ein Buch zu lesen, habe ich also übertroffen. Ich habe mit Max Frisch meinen früheren Lieblingsautor wiederentdeckt. Die „Entwürfe zu einem Berliner Tagebuch“ haben mich so beeindruckt, dass ich auch „Die Entwürfe zu einem dritten Tagebuch“ angefangen und im neuen Jahr schon zu Ende gelesen habe. Außerdem liegt Montauk neben meinem Bett. Und ich habe einige AutorInnen neu entdeckt, die ich bislang nicht kannte. Besonders berührt haben mich die Bücher von Alba de Cespedes, Angelika Klüssendorf und Bernardine Evaristo.
Ich bin, ich habe es schon einmal geschrieben, eine unstrukturierte Leserin (https://timetoflyblog.com/die-unstrukturierte-leserin): Viele Bücher entdecke ich mehr oder weniger zufällig, zum Beispiel im Freihandbestand der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover, in den Neuerwerbslisten und in den Regalen der Bücherei in Großburgwedel, in Buchhandlungen oder als Hinweis in anderen Büchern. Bestsellerlisten interessieren mich wenig, mehr als auf die Kritiken und Empfehlungen verschiedener Kulturseiten und -sendungen vertraue ich auf die Tipps meiner (Schreib)Freundinnen.
Apropos Rezensionen und Empfehlungen: Nicole Seifert stellte bei der Recherche für ihr Buch „Frauenliteratur: Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“* fest, dass im April 2018 auf den Literaturseiten von FAZ und Süddeutscher Zeitung jeden Monat 47 Bücher von Autoren, aber nur 16 von Autorinnen besprochen wurden (Nicole Seifert, S, 34f).
Die Studie #frauenzählen, bei der im März 2018 in Kooperation mit dem Institut für Medienforschung der Universität Rostock 2.036 Rezensionen und Literaturkritiken in 69 deutschen Medienformaten ausgewertet wurden, kam zu einem ähnlichen, repräsentativen Ergebnis: „Auf jedes besprochene Werk einer Autorin kommen zwei Werke eines Autors (…). Männer sind damit doppelt so häufig vertreten“ – und zwar quer durch alle Mediengattungen. „In Wochenzeitschriften werden Autoren noch etwas stärker präsentiert (70%); allein bei Frauenzeitschriften kehren sich die Verhältnisse um: 64% der rezensierten Werke sind von Autorinnen verfasst“ (Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb, Seite 8, http://www.frauenzählen.de/studie_downloads.html). Ob sich daran inzwischen etwas geändert hat? Ich glaube kaum. Denn der Fortschritt ist bekanntlich eine Schnecke – und manchmal geht es auch nach einem Schritt nach vorn zwei Schritte zurück.
So musste ich in Nicole Seiferts Buch lesen, „dass wir in der Schule praktisch ausschließlich männliche Autoren lasen“ und dass ihr „in acht Jahren Gymnasium inklusiver Deutsch-Leistungskurs in den späten Achtziger- und frühen NeunzigerJahren … mit Annette von Droste-Hülshoff nur eine einzige Autorin“ begegnete. Meine Tochter hat ein paar Jahre später das gleiche Gymnasium besucht. Vielleicht hätte ich mich doch mehr darum kümmern sollen, was sie gelesen und gelernt hat – oder besser gesagt was nicht.
Wie gut und fortschrittlich meine eigenen Deutsch- und GeschichtslehrerInnen an der Realschule in Neumagen und am Auguste-Viktoria-Gymnasium in Trier waren, wurde mir bei der Lektüre von Nicole Seiferts Buch wieder einmal bewusst: Ich selbst habe in dem Jahr Mittlere Reife gemacht, in dem Nicole Seifert geboren wurde. Und natürlich standen in den späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahren vorwiegend Autoren auf dem Lehrplan. Aber wir haben im Unterricht neben der schon damals obligatorischen Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff auch Gedichte von Ina Seidel, Elisabeth Langgässer, Nelly Sachs, Marie Luise Kaschnitz und Ingeborg Bachmann gelesen. Und das „Tagebuch der Anne Frank“ und „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers waren wenn nicht Unterrichtslektüre so doch dringende Lektüreempfehlungen. Vielen Dank nachträglich an Hermann Erschens, Dr. Elisabeth Becker und Dieter Schulz. Sie haben sicher großen Anteil daran, dass ich immer noch eine leidenschaftliche, wenn auch unstrukturierte Leserin bin – mit einem Faible für von Büchern, die von Frauen geschrieben wurden, wie ein Blick auf die unten stehende Liste der gelesenen Bücher zeigt.
Übrigens: „Frauenliteratur: Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“ erscheint im Februar als Taschenbuch. Gespannt bin ich auch auf Nicole Seiferts neues Buch „Einige Herren sagten etwas dazu“, in dem sie die Geschichte der Gruppe 47 aus der Perspektive der Autorinnen erzählt. Es erscheint ebenfalls im Februar im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Und noch einmal Reinhard Mey. Sein Lied „Einundsiebzigeinhalb“ passt nicht nur zur Halbzeitbilanz, sondern auch zum Jahresrückblog am Ende des Jahres. „Was ist aus all dem geworden, was ich mir am Neujahrsmorgen, ganz fest vorgenommen hab?“ Oder, um den König aus Hermann van Veens Musical die Ente Kwak zu zitieren: „Ist es schon wieder so weit?“
Ja, wieder Silvester: Zeit, Bilanz zu ziehen, zurück, aber auch ein wenig nach vorne zu schauen. Zu diesem Jahresrückblog hat mich Judith Peters gleichnamige Aktion inspiriert – allerdings habe ich ihre Vor- und Ratschläge meinen Bedürfnissen entsprechend modifiziert. So habe ich den Beitrag nicht wie die anderen Teilnehmerinnen am20. Dezember veröffentlicht. Zum einen, weil ich am Morgen dieses Tages zu einer Untersuchung im Krankenhaus war. Zum anderen nutze ich meinen Blog nicht beruflich, er ist rein privat. Und weil ich zwischen den Jahren weder Urlaub noch eine Auszeit vom Bloggen mache, stelle ich diesen Beitrag am letzten Tag des Jahres online.
Leben
Im vergangenen Jahr hat sich für mich einiges geändert. Ich bin seit Ende 2022 Rentnerin, seit Mitte 2023 nehme ich keine Schreibaufträge mehr an. 40 Jahre Lohnschreiberei sind genug. Ich habe gerne und viel gearbeitet – zeitweise wahrscheinlich zu viel. Und oft habe ich es nicht geschafft, das Leben zu genießen. Zu groß war mein Perfektionismus, zu groß die Angst, Aufträge dauerhaft zu verlieren, wenn ich einmal nein sage. Aber jetzt ist Zeit für das Leben nach der Arbeit – und für die Dinge, die ich gerne tue. Wann, wenn nicht jetzt? Denn wer weiß, wie viel Zeit noch bleibt.
Schreiben und lesen
Ich schreibe gerne, und natürlich werde ich weiter schreiben. Blogbeiträge zum Beispiel. In diesem Jahr habe ich nur 51 veröffentlicht, im nächsten Jahr sollen es ein paar mehr werden. Außerdem möchte ich Essays schreiben und mich an Gedichte wagen. Noch beschränke ich mich meist darauf, Letztere zu lesen – vor dem Einschlafen schlage ich oft den Conrady auf, der neben meinem Bett steht. Oder ich lese mich mit dem lyrischen Kalender durchs Jahr.
Apropos lesen: Ein Leben ohne Bücher kann ich mir nicht vorstellen. 60 habe ich in diesem Jahr gelesen – mehr als eins jede Woche. Die Liste der gelesenen Bücher werde ich in den nächsten Tagen in einem Extra-Beitrag posten.
Kunst
Ich liebe Bücher, seit ich lesen kann. Und ich schreibe, seit ich vor fast 50 Jahren Anne Franks Tagebuch zum ersten Mal gelesen habe. Gezeichnet habe ich dagegen nie. Doch jetzt möchte ich es endlich lernen, möchte mehr Farbe in mein Leben bringen. Deshalb habe ich im November mit einem privaten Zeichenkurs angefangen – und ich habe mir wieder einmal fest vorgenommen, im nächsten Jahr mehr zu zeichnen. Vielleicht klappt es ja in meinem neu eingerichteten Schreib-/Malzimmer, in dem ich nicht nur viel Platz, sondern auch viel Licht habe.
Zu der vorläufig letzten Umräumaktion in unserem Haus haben mich die verschiedenen Atelierspaziergänge angeregt, an denen ich in diesem Jahr teilgenommen habe. Ich bin eine Kunstbanausin, aber ich liebe es, Blicke hinter die Kulissen zu werfen und zu sehen, wie und in welcher Umgebung Kunst entsteht.
Außerdem habe ich viele Museen, Ausstellungen und Galerien besucht. Ein Highlight war sicher das Tate in Saint Ives, nicht nur wegen der Bilder im Museum, sondern auch wegen des tollen Blicks aus dem Museum aufs Meer. Sehr gut gefallen haben mir auch die Ausstellungen von Ilon Wikland und Volker Kriegel im Museum Wilhelm Busch. Und die Ausstellung „Nach Italien“ im Landesmuseum hat dazu geführt, dass wir unsere Reisepläne geändert haben und im Frühjahr statt nach Portugal in die Toskana gefahren sind.
Ganz stolz bin ich auf die erste Ausstellung meiner Tochter: Noch bis April sind im Unternehmerinnenzentrum in Hannover Tier-, Natur- und Landschaftsfotos von ihren Reisen und Wanderungen zu sehen.
Reisen
Gereist bin ich im zu Ende gehenden Jahr viel, nicht nur, aber auch dank des 49-Euro-Tickets. Dass es später kam als angekündigt, habe ich den PolitikerInnen längst verziehen, zumindest solange sie es nicht wieder abschaffen. Und auch daran, dass ich bei Kontrollen keine Karte, sondern mein Smartphone vorzeigen muss, habe ich mich inzwischen gewöhnt.
Durch das Ticket bin ich viel mobiler geworden. Ich kann einfach irgendwohin fahren, umweltfreundlich und preiswert. Auf diese Weise habe ich verschiedene Städte erkundet, die schon lange auf meiner To-visit-Liste standen, Wolfenbüttel zum Beispiel, Bad Gandersheim oder Lübeck. Außerdem bin ich jetzt oft in Hannover – gehe ins Museum, in die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, in die Herrenhäuser Gärten oder an den Maschsee. Und manchmal wandere ich ziellos durch die Straßen und lerne die Stadt kennen, in deren Nähe ich seit mehr als drei Jahrzehnten lebe.
Neben den kurzen Fahrten gab es natürlich auch die großen und kleinen Reisen mit dem Wohnmobil. Anders als geplant sind wir nicht nach Portugal und Skandinavien gefahren, sondern nach Italien und England. Aber das ist ja der Vorteil dieser Art des Reisens: Man kann spontan entscheiden, wohin die Reise geht. Man kann bleiben, wo es einem gefällt, und weiterziehen, wenn man oder frau mag. Und oft ist der Weg das Ziel.
Wann immer es geht, schaue ich mir unterwegs Gärten an, nicht selten sind sie besondere Highlights auf den Reisen. So waren der Giardino Bardini und der Giardino delle Roses meine Lieblingsorte in Florenz. In Saint Ives hat mir der Skulpturengarten von Barbara Hepworth sehr gut gefallen und nach Saint Austell sind wir nur wegen der Lost Gardens of Heligan gefahren.
In den Lost Gardens of HeliganBlick vom Giardini Bardini auf Florenz
Gewandert bin ich auch, wenn auch nicht so viel, wie ich eigentlich wollte. Immerhin bin ich auf den Calmont bei Ediger-Eller gestiegen, bin zum ersten Mal in den Alpen und auf dem South West Coast Path in Cornwall gewandert. Beides schmeckt nach mehr. Den Hexenstieg habe ich leider auch in diesem Jahr nicht geschafft. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Der Harz liegt ja quasi vor der Tür und ist zudem auch eine ideale Übungsstrecke für Wanderungen aller Art
Dank meines Fitnesstrackers weiß ich übrigens genau, wie viel ich in diesem Jahr gegangen bin: Es waren durchschnittlich 9.852 Schritte am Tag, also 3.595.980 insgesamt. Das Ziel 10.000 Schritte täglich habe ich also verfehlt, wenn auch nur knapp verfehlt.
Omas gegen rechts
Seit einiger Zeit beteilige ich mich an Aktionen der Omas gegen rechts. Denn in Zeiten wie diesen genügt es meiner Meinung nach nicht mehr, gegen Antisemitismus und rechtsradikale Parteien zu sein, die unsere Demokratie gefährden – man muss es auch zeigen.
Dass Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder bedroht werden, dass sie Angst haben müssen, mit einer Kippa auf die Straße zu gehen oder in der Öffentlichkeit Hebräisch zu sprechen, macht mich nicht nur wütend, sondern erfüllt mich mit Scham. Und die politische Entwicklung in Deutschland, Europa und der Welt macht mir zunehmend Angst. Immer öfter denke ich an Martin Niemöllers Worte (https://martin-niemoeller-stiftung.de/martin-niemoeller/als-sie-die-kommunisten-holten):
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
Von 1937 bis 1945 war Niemöller in Gefängnissen und Konzentrationslagern eingesperrt. Sein Schicksal sollte uns mahnen, rechtzeitig aufzustehen und zu verhindern, dass hierzulande die Höckes, Chrupallas und Weidels an die Macht kommen, unsere Freiheit aushöhlen oder gar abschaffen.
Lieblings-Posts
Nennt eure „drei liebsten eigenen Blogartikel des Jahres“, empfiehlt Judith Peters den TeilnehmerInnen des Jahresrückblogs. Ich musste nicht lange nachdenken. Den Beitrag „Nie wieder ist jetzt“ habe ich nach einer Mahnwache vor dem Holocaust Mahnmal auf dem Opernplatz in Hannover geschrieben. Wir wollten am 9. November, am 85. Jahrestag der Pogromnacht von 1938, nicht nur an die Holocaust-Opfer, sondern auch an die Opfer des Massakers der Hamas in Israel erinnern. Und wir wollten ein Zeichen setzen – gegen den wachsenden Antisemitismus in Deutschland und in vielen anderen Ländern (https://timetoflyblog.com/nie-wieder-ist-jetzt).
Rechnet sich das 49-Euro-Ticket für dich, fragte mich eine Bekannte vor ein paar Tagen. Auf jeden Fall, antworte ich spontan, obwohl ich es noch nicht nachgerechnet habe. Als ich für diesen Monatsrückblick meine Fahrten im November aufgelistet habe, bestätigt sich der erste Eindruck: Ich war auch im November viel unterwegs. Ich habe meine Tochter im Harz besucht und die Enkelkinder in Hamburg. Ich bin mit dem Ticket nach Travemünde und zurück gefahren und von dort zweimal nach Lübeck – und retour. Einmal, um die Gedenkhäuser der berühmten Lübecker zu besichtigen – von Thomas und Heinrich Mann, Willy Brandt und Günter Grass –, ein zweites Mal, um über den Weihnachtsmarkt zu gehen, der am 27. November eröffnet wurde.
Zwei berühmte Lübecker, Günter Grass und Willy Brandt. Das Foto habe ich im Günter-Grass-Haus abfotografiert.
Selbst die Fähre über die Trave auf den Priwall konnte ich mit dem Ticket kostenlos nutzen, Dass man nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Nerven spart, weil man sich nicht durch den Tarifdschungel diverser Verkehrsverbünde kämpfen und vor Ticketschaltern anstehen muss, ist ein weiterer Vorteil.
In Hannover bin ich dank des Tickets auch häufiger als früher: Gleich am ersten Sonntag im November habe ich den monatlichen Schreibtreff im Ihmezentrum mit einem Rundgang durch die Ateliers in der List kombiniert.
Die Gruppe Lister Künstler gibt es seit mehr als 20 Jahren – schon in der Gründungsphase entstand wohl die die Idee, die Ateliers zu öffnen, Kunstinteressierten Einblicke in die praktische Arbeit zu geben und ihnen die eigenen Werke – nicht nur die fertigen, sondern auch Skizzen und Entwürfe, zu zeigen. Ich habe den Atelierrundgang durch die List, der immer am ersten Novembersonntag stattfindet, erst in diesem Jahr zufällig entdeckt – und ich war sicher nicht zum letzten Mal dabei.
Meinem Ziel, zeichnen zu lernen und mehr Farbe in mein Leben zu bringen, bin ich im November ein Stück näher gekommen: Ich lerne seit Anfang des Monats zeichnen bei Heidrun Schlieker, einer Malerin, deren Bilder und vor allem Skizzenbücher ich seit Langem bewundere. Außerdem habe ich an Brigitte Helblings Workshop „Essays schreiben“ im AutorInnenzentrum Hannover teilgenommen. Mich fasziniert diese Form, für die es keine festen Vorgaben gibt, schon lange. Es ist, so Michael Hamburger in seinem Essay über den Essay, ein Spiel, „das seine eigenen Regeln schafft“ (http://culturmag.de/litmag/michael-hamburger-essay-ueber-den-essay/100328).
„Essayist:innen schauen auf die Welt um sich herum – und auf sich selbst – und machen sich dann daran, das Entdeckte, Erlebte, Gesehene in Worte zu fassen“, schreibt Brigitte in ihrer Ankündigung des Workshops. Das gefällt mir, und vielleicht sind Essays ja genau die Form, die mir besonders liegt. Ich werde es versuchen – was ausgesprochen gut zum Essay passt. Schließlich kommt der Name vom Französischen essayer = versuchen.
Geschrieben habe ich natürlich auch, wenn auch (viel) weniger, als ich es mir vorgenommen habe. Denn der November ist ja der Nanowrimo, der „National novel writing month“. Besonders ehrgeizige und fleißige AutorInnen schreiben in diesem Monat 50.000 Wörter, also einen kurzen Roman. Das ist für mich völlig utopisch. Ich habe aus dem Nanowrimo wie schon im letzten Jahr, angeregt von den Instagrammerinnen Kathinka Engel und Kyra Groh, meinen privaten „Schreib so viel du kannst November“, gemacht, einen „nanowrimo light und stressfrei“ (https://timetoflyblog.com/schreibsovieldukan).
Und so bin ich in Travemünde statt zu schreiben oft am Meer entlangspaziert oder durch die Stadt gebummelt, ohne festes Ziel und fast ohne schlechtes Gewissen. Vielleicht brauche ich nach mehr als 40 Jahren Lohnschreiberei einfach eine Auszeit vom Schreiben, nicht zum Schreiben. Und außerdem kommen mir beim Gehen oft gute Geh-danken.
Schreiben mit Blick aufs Meer in Travemünde
Wer schreiben will, sollte viel lesen, darin sind sich fast alle SchreibratgeberInnen einig. Das habe ich im vergangenen Monat getan. Ich habe unter anderem mit Alba de Céspedes eine Autorin entdeckt, von der ich noch nie etwas von gehört hatte, und mit Max Frisch einen meiner früheren Lieblingsautoren wiederentdeckt. Und weil ich in Lübeck, der Heimatstadt von Thomas Mann war, habe ich auch Tonio Kröger, die frühe Novelle von Thomas Mann, wieder gelesen. Wirklich begeistert war ich zugegebenerweise nicht – und ich überlege, ob ich wirklich noch einen weiteren Versuch starten soll, den Zauberberg zu lesen. Mit dem fast 1000 Seiten dicken Roman, der als einer der großen Romane der klassischen Moderne gilt, habe ich mich bislang schwer getan. Und vielleicht gehört er wie Ulysses von James Joyce zu den Werken der Weltliteratur, die ich nie zu Ende lesen werde.
Es weihnachtet schon in Travemünde. Die drei Elche aus dem hohen Norden, Linus, Kalli und Lumi, standen schon an der Nordermole, als ich am Mittwoch ankam, der Weihnachtsmarkt am Ostpreußenkai und im wurde noch aufgebaut und erst gestern eröffnet.
Das wusste ich, bekennender Weihnachtsmarktfan, allerdings noch nicht, als ich vor ein paar Wochen die Wohnung in dem Städtchen gebucht habe. Ich wollte einfach mal für ein paar Tage raus, mir Zeit nehmen zu lesen, zu schreiben, zu zeichnen und spazieren zu gehen. Und ich wollte einen Ort entdecken, den ich bislang noch nicht kannte. Er sollte nicht zu weit entfernt und am Wasser liegen, außerdem mit Öffis – sprich, meinem 49-Euro-Ticket – gut erreichbar sein. Meine Unterkunft auf Zeit sollte nicht allzu teuer sein, einen Blick aufs Wasser haben und bestenfalls eine Sauna – Letzteres ein Wunsch-, kein Musskriterium.
Dass ich mich recht schnell für Travemünde entschieden habe, hatte sicher auch damit zu tun, dass mein geplanter Ausflug nach Lübeck gerade in Wasser gefallen war – und die Fahrt von vom Lübecker Stadtteil bis ins Zentrum der Hansestadt dauert mit dem Zug gerade mal 20 Minuten.
Indivieduelle Bauweise: Kein Haus gleicht dem anderen, prunkvoll in der Vorderreihe …… etwas bescheidener in der sogenannten Hinterreihe
Es war eine gute Wahl: Das Seebad an der Mündung der Trave in die Lübecker Bucht gefällt mir ausgesprochen gut, nicht nur, weil es direkt am Wasser liegt: Viele alte, schön restaurierte Fachwerk- und Giebelhäuser verleihen dem Ort ein besonderes Flair. Es gibt ganz viel kleine Läden, Cafés und Restaurants – und natürlich zahllose Schiffe, große und kleine.
Eine Sauna hat meine Wohnung leider nicht. Dafür liegt sie direkt am Strand, oder genauer gesagt hoch darüber – in der 24. Etage des Maritimgebäudes. Das wurde Anfang der 70er-Jahre gebaut, hat 36 Etagen, ist laut Wikipedia 119 Meter – mit den Funkmasten, die auf dem Dach installiert sind, sogar 125 Meter hoch. Seit 2019 steht das „markante Hochhaus“ – unter Denkmalschutz, weil es als markantes Hochhaus einen „besonderen städtebaulichen Wert“ hat (https://de.wikipedia.org/wiki/Maritim_Travemünde).
Besonders schön finde ich das Gebäude nicht, aber hier zu wohne, hat ein paar Vorteile: Es ist wohl der einzige Ort in Travemünde, wo man den Betonklotz nicht sieht. Außerdem kann man kaum einen besseren Ausblick haben. Bis nach Fehmarn soll man aus der Wohnung sehen können. Ich habe sofort nach meiner Ankunft den Esstisch vor das Fenster gerückt. So kann ich, während ich diese Zeilen schreibe, den Blick aufs Wasser genießen. Und wenn ich eine Pause mache, liegen Strand und Stadt eben direkt vor der Tür.
Blick aufs Maritim …… und vom Maritim
Eine Sauna gibt’s übrigens im Nachbarhaus – und wenn man auf der oberen Bank sitzt und schwitzt, kann man sogar das Meer sehen.
Nicht einmal ein Jahr ist es her, seit ich meine Zimmer umgeräumt habe (https://timetoflyblog.com/zimmerwechsel). Kurz nachdem ich in Rente gegangen bin, habe ich das zweite Arbeitszimmer, das ich nicht mehr benötigte, zum „Kunstraum“ umfunktioniert. Zwar hatte ich seither ausreichend Platz für meine Malutensilien , doch genutzt habe ich das Zimmer leider kaum. Und so habe ich eine weitere Umräumaktion gestartet.
Schuld war eigentlich Zinnober, der Kunstspaziergang durch Hannover am ersten Septemberwochenende. Rund 250 KünstlerInnen öffneten in diesem Jahr ihre Ateliers – alle an einem Wochenende zu besuchen, ist unmöglich, auch wenn sich an Zinnober, anders als beim Atelierspaziergang im Mai, meist Ateliergemeinschaften beteiligen. Oft funktionieren die KünstlerInnen nicht mehr genutzte Büro- oder Gewerbegebäude um, um dort gemeinsam unter einem Dach oder auf einem Gelände zu arbeiten.
So ist in der Schulenburger Landstraße 150/152 in Hainholz vor einigen Jahren ein Kunstzentrum entstanden, in dem am Zinnober-Wochenende mehr als 30 KünstlerInnen Einblicke in ihre Ateliers und in ihre Arbeit gewährten.
Die Ateliers von Bendinde Hentschel …… Edin Bajric …… und Wolfgang Steidele in der Schulenburger Landstraße 150/152
In der Nordstadt gründeten vier bildende KünstlerInnen bereits Ende der 80er-Jahre in einer ehemaligen Textilreißfabrik die Ateliergemeinschaft Block 16 , der sich inzwischen vier Kollegen angeschlossen haben.
Atelier in der Ateliergemeinschaft Block 16 …… und Kunst im Treppenhaus
In die alte EISFABRIK in der Südstadt, in der früher Bier gebraut und Eis zum Kühlen von Lebensmitteln produziert wurden, zogen sogar schon Mitte der 1970er -Jahre die ersten KünstlerInnen ein – und verwandelten die Industriebrache, die zu zerfallen drohte, in ein Zentrum der Künste, für Theater, Tanz, Musik, bildende Kunst und Fotografie.
In der Eisfabrik: die Ateliers von Katrin Tavernini …… und Meike Zopf
In die Südstadt habe ich es im September leider nicht geschafft, die Fotos der Ateliers von Katrin Tavernini und Meike Zopf sind schon beim Atelierspaziergang im Mai entstanden.
Beeindruckt haben mich beim Atelierspaziergang auch die Ateliers und die Arbeiten von Anne Nissen, Michaela Hamann und Claudia Schmidt.
Die Ateliers von Anne Nissen …… Michaela Hanemann …… und Claudia Schmidt
Dass wir während unseres Englandurlaubs ausgerechnet am Tag der „Open Studios“ in Saint Ives in Cornwall waren, war ein glücklicher Zufall. Ein Highlight waren die Sketchbooks von Sally MacCabe, die ich ebenso zufällig im White’s Old Workshops entdeckte.
Das Atelier von Sally MacCabe …… und zwei ihrer wunderschönen Sketchbooks
Ich liebe bekanntlich Skizzenbücher – und ich möchte meine eigenen gestalten. „Mein neues Skizzenbuch soll mehr Farbe in mein Leben und meine Aufzeichnungen bringen. Ich will in meinem kreativen Tagebuch Zeichnungen und Skizzen, Fotos und Bilder, Texte – eigene und fremde – kombinieren“, habe ich in einem Blogbeitrag im März geschrieben (https://timetoflyblog.com/eine-art-journal). Doch ich schaffe es bislang leider nur selten, diesen Vorsatz umzusetzen.
Damit das künftig besser gelingt, habe ich mein Schreib- und mein Malzimmer zusammengelegt und in den größten Raum im Dachgeschoss verlegt. Mein Bett musste den beiden Tischen Platz machen. Es steht jetzt im kleinsten Zimmer des Hauses, aber der hausinterne Umzug hat sich schon deshalb gelohnt, weil ich jetzt vom Bett aus gleich aus zwei Fenstern den Himmel sehen kann.
Blick aus dem Schlafzimmer am Morgen …… und ins neue Schreib-Mal-Zimmer
Ob ich im neuen Schreib-Mal-Zimmer wirklich öfter zu Stift und Pinsel greife, muss sich erst noch zeigen. Ich werde darüber berichten.
Eigentlich wollte ich ja am Samstag auf den Brocken wandern, aber weil mein Knie mal wieder nicht so wollte wie ich, schien mir eine Wanderung auf den höchsten Berg Norddeutschlands keine allzu gute Idee. Denn wer hinaufgeht, muss auch wieder zu Fuß hinab – von der Wohnung, in der ich am Wochenende die Katze gehütet habe, bis nach Torfhaus sind das gut 24 Kilometer und zahlreiche Höhenmeter. Außerdem ist der Brocken samstags – noch dazu an einem langen Herbstwochenende mit strahlend schönem Wetter – ein beliebtes Ausflugsziel und daher ziemlich überlaufen. Das Gleiche gilt auch für die Teufelsmauer bei Blankenburg. Also musste ein Alternativziel her.
Wolfenbüttel ist von Bad Harzburg aus mit der Bahn und meinem 49-Euro-Ticket bequem und schnell zu erreichen – im Stundentakt und in weniger als einer Dreiviertelstunde. Kennenlernen wollte ich die Stadt schon lange mal: Schließlich galt die 1570 gegründete „Bibliotheca Augusta“, die heutige Herzog August Bibliothek, einst als achtes Weltwunder (https://www.lessingstadt-wolfenbuettel.de/). Noch heute werden in ihr einzigartige Bücher bewahrt und gezeigt, unter anderem das Evangeliar Heinrichs des Löwen.
Zumindest zwei Bibliothekare, die dort arbeiteten, waren noch berühmter als die Bibliothek: 1621 übernahm der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz die Leitung der Bibliotheca Augusta – und entwickelte in dieser Zeit „nebenbei“ das binäre System, die Grundlage der heutigen IT-Technik. 150 Jahre später, im Jahr 1770, wurde Gotthold Ephraim Lessing dort Bibliotheksleiter – wohl mehr aus Not, denn aus Überzeugung. Denn obwohl Lessing damals schon ein bekannter Schriftsteller war, plagten ihn finanzielle Sorgen – offenbar war es schon damals schwer bis unmöglich, nur vom Schreiben zu leben. Der Job als Bibliothekar brachte ihm „sechs hundert Thaler Gehalt, nebst freyer Wohnung und Holz auf dem fürstl. Schloße“. Seine Pflichten hielten sich in Grenzen: „Eigentliche Amtsgeschäfte habe ich keine andere als die ich mir selbst machen will. … Ich darf mich rühmen, dass der Erbprinz mehr darauf gesehen, dass ich die Bibliothek als dass ich der Bibliothek nutzen soll“, schrieb Lessing am 27. Juli 1770 seinem Vater. So blieb ihm viel Zeit zu reisen und zu schreiben: In Wolfenbüttel entstanden unter anderem Emilia Galotti, sein wohl bekanntestes Werk Nathan der Weise und sein religionsphilosophisches Hauptwerk „Die Erziehung des Menschengeschlechts“ (1780).
Herr Lessing …… und seine Dienstwohnung
Im Lessinghaus wohnte und arbeitete Lessing nach seiner Heirat mit Eva König im Jahr 1777. Heute ist das Haus teilweise ein Museum, und natürlich habe ich es besucht: eine wahrlich hübsche Dienstwohnung. Von der direkt daneben liegenden Bibliothek konnte ich leider nur die neoklassizistische Fassade betrachten. Denn „die musealen Räume der Bibliothek sind für den Publikumsverkehr auf unbestimmte Zeit geschlossen“, heißt es auf der Bibliotheks-Website. Schade. Ich hätte mir die Büchersammlung allzu gerne angesehen. Aber so habe ich einen Grund wiederzukommen, wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind.
Die Herzog August Bibliothek …… und das Schloss
Auf die Schlossbesichtigung habe ich dagegen bewusst verzichtet und bin lieber durch die Stadt gebummelt. Sie hat mit rund tausend meist schön restauriertenFachwerkhäusern und vielen kleinen Läden wirklich ein besonderes Flair.
Ich mag Städte am Wasser. Wolfenbüttel liegt an der Oker, wird von einem Stadtgraben umschlossen und von zahlreichen Kanälen durchzogen. Sie wurden ab 1542 in der Regierungszeit Herzog Julius‘ angelegt, um die sumpfige Okeraue zu entwässern und die Stadt umbauen und erweitern zu können. Fluss und Grachten waren wichtige Lebensadern der Stadt, sie dienten früher als Transportwege, trieben Mühlen an und leider wurden in ihnen auch Abfälle und Abwasser entsorgt. Die Folge: Oker und Grachten waren damals Kloaken, die zum Himmel stanken: „Im Jahr 1899 werden 168 Tonnen Kot, 7.800 Tonnen Urin, 1.700 Tonnen Kehrricht und 480.000 Tonnen sonstiges Abwasser in die Oker geleitet“, erfahre ich auf dem Audio-Rundgang „Wasserwege Wolfenbüttel“ (www.wasserwege-wf.de), die mich zu fünf Stationen leitet. Die Wasserqualität hat sich glücklicherweise erheblich verbessert. Aber leider wurden große Teile der Wasserwege, die einst das Stadtbild prägten, inzwischen unter die Erde verbannt. Dass beispielsweise unter der Straße Krambuden ein Seitenarm der Oker hindurchfließt, merkt man nicht, wenn man durch die Stadt schlendert. In Klein Venedig ist dagegen noch ein kleines Stück des Großen Kanals zu sehen.
Klein Venedig oder Klein Amsterdam in Norddeutschland
Bedeutende Kirchen gibt es in Wolfenbüttel natürlich auch: Die Trinitatiskirche zählt laut Wikipedia zu den bedeutendsten Kirchen im Barockstil in Deutschland https://de.wikipedia.org/wiki/St.-Trinitatis-Kirche_(Wolfenbüttel). Nur die Außenmauern wurden aus Stein gemauert, im Inneren wurde Holz verbaut. Dass die Säulen aus je vier verschalten Tannenstämmen bestehen, sieht man ihnen nicht an. Die Hauptkirche Beatae Mariae Virginis, angeblich der erste bedeutende protestantische Großkirchenbau der Welt https://de.wikipedia.org/wiki/Marienkirche_(Wolfenbüttel), war leider über Mittag geschlossen.
Dass sie eine Kirche ist, erkennt man bei der Trinitatiskirche auf den ersten Blick ebenso wenig …… wie das im Innenbereich verwendete Baumaterial Holz
Und so bin ich stattdessen in eine Buchhandlung und ein Antiquariat gegangen, die beide schräg gegenüber der Hauptkirche am Kornmarkt liegen. Eigentlich ein passender Abschluss für den Besuch in einer Stadt, die vor allem wegen eines Schriftstellers, der einst dort lebte und arbeitete, und ihrer besonderen Bibliothek bekannt ist.
Blick in mein Art-Journal. Das Copyright für die eingeklebte Zitatkarte liegt beim ars vivendi Verlag, die Fotos unten rechts wurden aus dem Museumsführer Kultur erleben der Lessingstadt Wolfenbüttel ausgeschnitten und eingeklebt.