Die Gärten sind geöffnet

Die ersten Gartenbesitzer in und um Hannover haben ihre Gartenpforten schon im März für Gartenfans geöffnet. Offiziell können laut Veranstaltungskalender fast hundert Gärten besichtigt werden. Eigentlich sind es aber mehr. Denn allein in der Gartenkolonie Tiefenriede, in der ich vor zwei Wochen meine diesjährige Offene-Pforten-Saison eröffnet habe, habe ich mehr als zehn Gärten angeschaut. Im Katalog zählt die Kolonie aber nur als ein Garten.

In Hannover gibt es rund 20.000 Kleingärten, wie die Schrebergärten offiziell heißen. Damit rangiert die niedersächsische Landeshauptstadt nach Angaben des Bundesverbands der Kleingartenvereine Deutschlands im Kleingarten-Ranking der 15 größten deutschen Städte auf Rang 5, hinter Berlin (66.000 Kleingärten), Leipzig (39.000) Hamburg (32.000) und Dresden (25.000).

Von Schrebergärten …

Wer glaubt, dass SchrebergärtnerInnen spießig und ihre Gärten langweilig und ziemlich einförmig sind, weil strikte Vereinsvorgaben eingehalten werden müssen, wird in hannoverschen Südstadt eines Besseren belehrt. Die Gärten waren so individuell und verschieden wie ihre BesitzerInnen. Gartenzwerge, Symbol der Kleingartenspießigkeit, habe ich in keinem einzigen Garten gesehen.

Besonderes Highlight war für mich der Garten von Thomas Domina und Thomas Marquardt: Im vorderen Teil vermitteln Buddhafiguren und bonsaiartig geschnittene Gehölze das Gefühl, in einem asiatischen Garten zu sein. Im hinteren Bereich versteckt sich ein Nutzgarten, mit Hochbeeten und Beerensträuchern.

Verschiedene Sitzgelegenheiten zwischen Stauden und bunten Sommerblumen laden dazu ein, einfach nur dazusitzen und die Seele baumeln zu lassen. Meinen Lieblingsplatz hatte ich am kleinen Teich mit Sumpfbeet schnell gefunden: Auge in Auge mit dem Reiher, den meine Anwesenheit nicht störte. Hier wäre ich gerne länger geblieben.

… und Dachgärten

Genauso wie zwei Wochen später im Dachgarten von Barbara Schwartz – eine Oase mitten in der Südstadt. Die Terrasse auf dem Flachdach einer Lagerhalle versteckt sich hinter dem Wohnhaus, das sich schon von Weitem leicht zu erkennen. Vor mehr als zehn Jahren haben Barbara Schwartz und ihr Mann Ulrich Dröge Kletterrosen an der Hauswand gepflanzt – mit Genehmigung des Tiefbauamts. Inzwischen ranken New Dawn und Kir Royal bis in den ersten Stock – und das Rosenhaus ist ein beliebtes Fotomotiv.

Für Gartenfans führt der Weg zur Dachterrasse durch die Galerie im Treppenhaus mit Bildern und anderen Kunstwerken von Barbara Schwartz. Gerade mal 100 Quadratmeter ist der Garten klein; trotzdem wachsen und blühen hier mehr als 100 verschiedene Pflanzenarten von A wie Agave und Akelei bis Z  wie Zwergflieder und Zwergweide – einige von ihnen sogar mehrfach. Viele hat die Gärtnerin selbst aus Samen oder Ablegern gezogen, andere – wie die Peruanische Giftbeere – haben sich von selbst ausgesät.

Ich durfte zwei Ableger und ein Tütchen mit Samen aus Barbara Schwartz‘ Garten mit nach Hause nehmen. Die Peruanische Giftbeere wächst und gedeiht jetzt hoffentlich auf unserer Terrasse in einem großen Topf. Denn sie wurde, wie der Name schon sagt, aus Südamerika importiert. Als invasive Art kann sie heimische Pflanzen verdrängen und sich negativ auf die Artenvielfalt auswirken.

Die kleine Malve habe ich dagegen ins Beet vor dem Wintergarten gepflanzt. Malven stammen laut Bienenretter.de zwar ursprünglich aus Asien und Südeuropa, sind aber seit Jahrhunderten in Deutschland „eingebürgert“. Sie werden von „verschiedensten Insektenarten genutzt – mal als Schlafplatz, mal als Nahrungsquelle“ und gelten als besonders bienenfreundlich.

Den ebenfalls geschenkten Samen des gelben Waldmohns werde ich erst im Oktober aussäen. Denn die Pflanze ist ein Kaltkeimer: Sie braucht nach einem warmen Start eine Kältephase. Und mit der ist in den nächsten Tagen sicher nicht zu rechnen

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