Gartenarbeit statt Gartenbesuch

Eigentlich wollte ich am Sonntag in die Herrenhäuser Gärten fahren. Doch wenn Hannover 96 – für alle, die sich nicht für Fußball interessieren: eine Mannschaft im Mittelfeld der 2. Bundesliga – ein Heimspiel hat, empfiehlt es sich, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Denn aus Erfahrung weiß ich, wie unangenehm Fahrten in Bussen und Bahnen oft sind, wenn Massen von 96-Fans unterwegs sind. Viele scheinen den bevorstehenden oder gerade gesehenen Gruselkick nur alkoholisiert ertragen zu können.

Beim Derby zwischen Braunschweig und Hannover gilt Alarmstufe Rot: Der Bahnhof wird zur Festung; ob es wie am vergangenen Sonntag durch den Einsatz von PolizistInnen, Hunde, Wasserwerfern und Helikoptern gelingt, Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fangruppen oder auch zwischen Fans und Polizei in der Stadt zu verhindern, weiß frau vorher nie. Lust auf einen Besuch in Hannover macht das nicht.

Also Arbeit im eigenen Garten statt Besuch in den ehemals fürstlichen Gärten. Zu tun gab es ohnehin einiges: Die Vogelschutzhecke hinterm Teich hatte mein Mann schon im Februar geschnitten, jetzt mussten die Äste und Zweige von Weißdorn, Holunder, Felsenbirne und Kornelkirsche kleingeschnitten werden. Außerdem mussten die abgestorbenen Halme und Blätter der Stauden abgeschnitten, gefühlt zentnerweise altes Laub von den Beeten und aus den beiden Teichen entfernt werden.

Beim Keschern im kleinen Teich habe ich ungewollt zwei Froschlurche gefangen. Zuerst dachten wir, sie seien tot, erfroren im nicht allzu tiefen Teich. Doch nachdem sie ihren Schreck überwunden hatten, bewegten sie sich wieder und wir haben sie mithilfe unserer Schnee- und Laubschaufel wieder in den Teich zurückgesetzt.

Ob sie dort überwintert haben oder ob sie schon wieder aus ihrem Winterquartier zurück in unseren Teich gekommen sind, um dort zu laichen, wissen wir nicht, ebenso wenig, ob unsere Teichbewohner Kröten oder Frösche sind. Denn mit Amphibien kenne ich mich überhaupt nicht aus. Wegen der Farbe, der Größe und der Warzen auf der Haut habe ich die beiden zunächst für Kröten gehalten. Aber ganz sicher war ich mir nach dem Vergleich der Merkmale nicht. Denn ihr Maul war eher spitz als rund, ob sie Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterbeine haben, konnte ich weder live noch auf den Fotos erkennen. Ich habe also Sommerfotos zu Rate gezogen. Auf ihnen sind die Schwimmhäute deutlich zu sehen. Und von der Farbe abgesehen ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht zu leugnen.

Wahrscheinlich sind es Teich- (Rana lessonae) oder Wasserfrösche (Rana esculenta). Beide Arten ähneln sich sehr und sind nur schwer zu unterscheiden. Das kommt nicht von ungefähr. Teichfrösche sind nämlich laut Nabu Hybride aus Seefrosch und Kleinem Wasserfrosch. Sie sind meist grün, manchmal aber auch bräunlich gefärbt. „Auf dem Rücken befinden sich schwärzliche Flecken, die sich auf den Hinterbeinen zu einer Marmorierung verdichten.“ Das passt.

Die Pflanzen in unserem Garten sind leichter zu identifizieren. Dass Schneeglöckchen, Christrosen, Winterlinge, Krokusse und Kornelkirsche typische Zeigerpflanzen des Vorfrühlings sind, habe ich beim Schreiben meines Blogbeitrags zum Frühlingsanfang gelernt. Im nächsten Jahr kann ich mich vielleicht auch über Märzbecher freuen, die bislang in unserem Garten noch nicht wuchsen. Aber die beste Nachbarin von allen hat mir am Sonntag ein Töpfchen mit Zwiebeln geschenkt, die ich zwischen Anemonen und Tulpen gepflanzt haben.

Nach einer Woche mit tagsüber frühlingshaften Temperaturen zeigen sich inzwischen auch die ersten Blausterne – laut Wikipedia typische Zeigerpflanzen des Erstfrühlings, der nächsten phänologischen Jahreszeit. Von den Veilchen ist dagegen noch nichts zu sehen, an den Forsythien zeigen sich immerhin schon gelbe Knospen. Im vergangenen Jahr standen die Sträucher schon Anfang März in voller Blüte. Doch in diesem Jahr sind ihnen die Nächte mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wohl noch zu kalt.

Die Narzissen schrecken die Temperaturunterschiede offenbar nicht. Selbst die einzige gefüllte Narzisse in unserem Garten, blüht schon. Vor zwei Jahren war es erst Ende März so weit, in manchen Jahren zeigt sie sich gar nicht. Aber das wundert mich nicht wirklich bei einer Pflanze, die ihren Namen einem berühmten Herumtreiber verdankt: Rip van Winkle, den Washington Irving und Max Frisch in einer Kurzgeschichte, einem Hörspiel und einem Roman verewigten und dessen Geschichte von vielen anderen Schriftstellern erzählt wird. Doch zum Glück gibt es ja andere Pflanzen in unserem Garten, die verlässlicher zeigen, dass der Erstfrühling gekommen und es bald an der Zeit ist, mit der Aussaat von Salat, Spinat, Erbsen, Radieschen oder auch von Sommerblühern zu beginnen.

Aller guten Dinge sind drei

Zugegeben, mit Eschede habe ich bislang nur Negatives verbunden. Da war natürlich das Zug-Unglück am 3. Juni 1998: Als der ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“ wegen eines defekten Reifens entgleiste, starben 101 Menschen, 105 wurden verletzt, viele von ihnen schwer (https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnunfall_von_Eschede). Und da sind natürlich die Rechtsextremen, die sich seit Jahrzehnten regelmäßig auf einem ehemaligen Bauernhof bei Eschede treffen.

Ich fahre immer durch den Ort, wenn ich mit dem Zug gen Norden fahre; ausgestiegen bin ich allerdings bislang erst einmal: im vergangenen Herbst, um an einer Demonstration gegen jenen Nazi-Treffpunkt teilzunehmen. Es war ein ziemlich beängstigendes Gefühl, an dem Hof vorbeizugehen, wo vermummte Männer uns filmten. Dass einige TeilnehmerInnen an der Demonstration ihre Gesichter ebenfalls versteckten, um nicht erkannt zu werden, konnte ich gut verstehen. Und ich war froh, dass so viele PolizistInnen uns begleiteten, wohl mehr, um uns als den Hof zu schützen.„Wohnen“, dachte ich damals, „möchte ich Eschede nicht.“

Dass ich Eschede seit Sonntag auch mit Schönem verbinde, ist eher Zufall. Weil die an diesem Wochenende offenen Gärten in der Region Hannover mit Öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen waren, suchte ich am Samstagabend nach besser erreichbaren Alternativen – und fand vier Gartenpforten in Eschede, die von Nabu-Mitgliedern geöffnet wurden.

Nicht einmal 20 Minuten dauerte die Zugfahrt von Burgwedel in den Heideort – und allein wegen des ersten Gartens hat sie sich gelohnt. „Hier könnte ich bleiben“, war mein erster Gedanke, als ich durch die offene Pforte trat. Der 3.000 m² große Garten von Helga und Guido Schuller ist wirklich ein Traum – mitvielen, zum Teil alten Bäumen und Sträuchern, ganz unterschiedlichen Stauden-, Obst- und Gemüsebeeten. Es gibt eine Sammlung von alten Fuchsienhochstämmen, ein Gewächshaus mit einer Kakteensammlung, zahlreiche Nistkästen und natürlich verwilderte Ecken mit Totholzhaufen.

Besonders gut gefallen haben mir die Teiche: Der neuere mit großer Flachwasserzone liegt – sonnenbeschienen – im vorderen Bereich des Gartens, ein zweiter versteckt sich im hinteren Bereich unter Bäumen. In die kleine, von Rosen umramkte Hütte am Rand des Teichs wäre ich gerne eingezogen. Aber auch das Gewächshaus direkt neben dem Seerosenteich lud zum Schreiben und zum Bleiben ein. Und weil die GartenbesitzerInnen bei der Auswahl der Pflanzen viel Wert auf die Insektenfreundlichkeit legen, fühlen sich im Garten nicht nur menschliche BesucherInnen wohl.

Nach dem furiosen Auftakt waren meine Erwartungen natürlich hoch, und die anderen beiden Gärten enttäuschten sie nicht. Als „Kompromiss zwischen einem gestalteten, kulturell geprägten Garten und einer Wildnis“ versteht Christine Lange-Krüger ihren Garten. „Eingriffe erfolgen nur, um die Pflanzenvielfalt zu erhalten und Gräser im Zaum zu halten.“ Wildstauden, vogelfreundliche Gehölze, ein kleiner Teich und eine kleine Obstwiese bieten viel Nahrung und Raum für Insekten und Vögel. Mein Lieblingsplatz war die mit echtem und wildem Wein bewachsene Pergola. Oder vielleicht doch die hinterm Rosenbogen versteckte Bank?

Dass der Garten von Johanna Schuller noch im Umbruch ist, sieht man ihm nicht an. „Auf einer ehemaligen Wiese mit verschiedenen heimischen oder auch exotischen Büschen am Rand, entsteht nach und nach eine bunte Mischung aus Nutz- und Naturgarten“, beschreibt sie ihn in der Broschüre, die im  Internet unter www.offene-Pforte-celle.de heruntergeladen werden kann. Mit gefiel der Garten mit Gemüse- und Staudenbeeten, Kräuterinseln, Gewächshaus, Wildblumenwiese und wilden Ecken schon jetzt. Selbst ein Teich fehlt nicht.

Den Weg zum vierten Garten, der seine Pforte geöffnet hat, sparte ich mir – nicht, weil mich der artenreiche (Wild)Staudengarten mit Streuobstwiese nicht interessierte. Aber er liegt in Habighorst, etwa zwei Kilometer von Eschede entfernt. Zu Fuß hätte ich für Hin-, Rückweg und Gartenbesichtigung mindestens eine Stunde gebraucht – und die dunklen Wolken am Himmel verhießen nichts Gutes. Einen Schirm habe ich nicht dabei und die Regenjacke in meinem Rucksack hätte einem Platzregen, wie ich ihn am Vortag erlebt hatte, kaum standgehalten.

Und weil aller guten Dinge ja bekanntlich drei sind, .ging ich zurück zum Bahnhof und fuhr nach Hause. Aber ich werde sicher wieder einmal in den kleinen Heideort kommen, den ich künftig nicht nur mit Zugunglücken und Rechtsradikalen verbinde, sondern auch mit wunderschönen Gärten.

Rhapsodie in Gelb und Blau

Wer sich unseren beiden Miniteichen nähert, sieht zuerst Gelb. Die Schwertlilien haben die Sumpfdotterblumen abgelöst und blühen prächtig. Die lila Blüten erkennt man erst auf den zweiten Blick. Zwischen den gelben Lilien zeigt sich eine einzelne Dreimasterblume – aber ich bin sicher: Wo eine ist, werden bald andere folgen. Denn Dreimasterblumen haben leider ein sehr einnehmendes Wesen. Weil sie andere Pflanzen rücksichtslos überwuchern, rücke ich ihnen regelmäßig mit Spaten und Hacke zu Leibe.

Darüber, dass die Akeleien sich überall im Garten ausbreiten, freue ich mich dagegen sehr – ebenso darüber, dass zum ersten Mal seit Jahren wieder lila Schwertlilien in unserem Garten wachsen. Woher sie kommen, weiß ich nicht, vielleicht trauen sie sich in diesem Jahr hervor, weil ich die übermächtige Heckenrose am Teichrand ausgegraben und auch den wuchernden Beinwell etwas zurechtgestutzt habe.

Die blaue Anemone im Beet am Wintergarten blüht in diesem Jahr ebenfalls zum ersten Mal. Von ihren Schwestern ist noch nicht zu sehen. Aber ich habe die Zwiebeln ja auch erst spät – vor etwa einem Monat – in die Erde gesetzt. Vielleicht kommt ihre Zeit noch: Manche Anemonen blühen bis in den Herbst hinein.

Dann ist meine Lieblingsrose, Rhapsody in blue, sicher längst verblüht. Sie blüht, anders als ihr Name sagt, lila und sie duftet herrlich. Leider verwelken die Blüten rasch. Aber vielleicht kann ich ja die Blütezeit verlängern, wenn ich die verblühten Blütenstände abschneide. Das schadet der Pflanze angeblich nicht, im Gegenteil: Laut hausgarten.net bleiben Rosen „nur durch gezielte und periodische Rückschnitte … vital und blühfreudig“ (https://www.hausgarten.net/verbluehte-rosen/). Anderen Websites zufolge gilt das nicht für alle Rosenarten, aber zumindest für Beetrosen wie meine Rhapsody in blue.

Sehr ausdauernd blüht, ganz ohne mein Zutun und meine Unterstützung, das Blaukissen: Die erste Blüte zeigte sich schon im Februar – und noch sind keine Ermüdungserscheinungen zu erkennen. Der Lesezwerg ist fast ganz in den blauen Blüten versunken – und natürlich immer noch in seinem Buch.

Was er liest, verrät er mir leider nicht. Ich habe gestern wieder einmal Selene Marianes „Miniaturen in Blau“ aus dem Bücherregal geholt – passend zur Rhapsodie in Blau vor dem Wintergartenfenster.

Im Garten

„The grass is always greener on the other side of the fence“, heißt ein englisches Sprichwort. Die freie deutsche Übersetzung lässt das Gras außen vor und spricht stattdessen von Kirschen, die angeblich in „Nachbars Garten … immer ein bisschen süßer“ schmecken als im eigenen.

Nun ist – nebenbei bemerkt – gegen das Gras in unserem Garten wirklich nichts einzuwenden. Das Vorbild meines Mannes sind die Tennisplätze in Wimbledon – vor den ersten Tennisspielen natürlich. Und so pflegen er und sein Gehilfe – Sammy, unser elektronisches Schaf – unseren Rasen mit Hingabe. Und auch die Kirschen schmecken gut – leider nicht nur uns, sondern auch den Maden, die sich dort gerne einnisten. Mir verdirbt das ehrlich gesagt  den Appetit auf die roten Früchte, egal wie süß sie sein mögen. Den Vögeln glücklicherweise nicht – manche freuen sich offenbar sehr über die Fleischeinlage.

Und was will die Autorin dieses Beitrags damit sagen? Ich schaue mir ja gerne  andere Gärten an und bin, ich gebe es zu, meist beeindruckt und manchmal auch ein bisschen neidisch. Denn die meisten GartenbesitzerInnen, die ihre Pforten für BesucherInnen öffnen, haben wirklich einen grünen Daumen. Aber auch unser Garten kann sich sehen lassen.

Und wenn ich dann in meiner Schaukel liege, auf der Terrasse, am Teich oder im Wintergarten sitze, sind mir die Kirschen und das Gras in fremden Gärten ziemlich egal. Dann genieße ich einfach den Garten – und den Tag.

Viel Frosch – viel Glück?

Frösche, heißt es in manchen Ländern, bringen Glück. In China zum Beispiel sind Frösche ein Zeichen für Reichtum und Geldsegen. Und auch in manchen Regionen Spaniens  sind Frösche Glücksbringer und beliebte Maskottchen: In Salamanca ziert ein auf einem Totenschädel sitzender Frosch das Hauptportal der Universität, die die älteste in  Spanien ist.

Wenn die Sache mit den Fröschen und dem Glück stimmt, kann ich der zweiten Jahreshälfte ganz beruhigt entgegensehen. Denn in unseren beiden Teichen leben inzwischen mehr als zehn grüne Glücksbringer – Tendenz steigend. Wie viele es genau sind, weiß ich nicht; sie sind zwischen Entengrütze, Algen und Seerosenblättern kaum zu auszumachen.

Zu entfernen wage ich die Pflanzen nicht, die den größeren der kleinen Teiche  wie ein dunkelgrüner Teppich bedecken. Er ist die ideale Kinderstube für den Froschnachwuchs. Auch von außen ist das Froschwohnheim gut getarnt: Niemand ahnt, dass hinter den wild wuchernden Pflanzen eine  Froschgroßfamilie wohnt.

Und während ich am still am Teich stehe, die Frösche zähle, die Sonne genieße und mich über die Blumen am Teich und im Garten freue, fällt mir auf, was das Glück und die Frösche verbindet. Sie sind manchmal erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Ein Sonntag, drei Gärten

Was für ein schöner Sonntag. Der Titel eines meiner Lieblingsbücher kam mir am vergangenen Sonntag immer wieder in den Sinn – nur dass ich, anders als  der Autor des Buchs, einen wirklich schönen Tag erlebte. Jorge Semprun schreibt in seinem Buch über einen Sonntag als Gefangener im  KZ Buchenwald.

Der vergangene Sonntag machte seinem Namen wirklich alle Ehre: Die Sonne schien von morgens bis abends – und  der Tag bescherte mir drei wunderschöne Gartenerlebnisse . Gleich zwei meiner Lieblingsgärten öffneten tagsüber ihre Pforten. Und am Abend erlebten wir die Illumination des Großen  Gartens von Herrenhausen – mit Musik von Georg Friedrich Händel.

Der Garten von Sylvia und Klaus Stannek kommt meinem Traum von Naturgarten ziemlich nah. Hier darf, so scheint es, wachsen was wächst. Aber der Schein trügt.  Denn die Gartenbesitzer, Profis mit eigener Gärtnerei, sorgen gekonnt dafür, dass ihnen die Pflanzen eben nicht über den Kopf wachsen, was natürlich geschehen würde, wenn alle tun dürften, was sie wollten – nämlich wachsen. Das Ergebnis der unsichtbaren Eingrifffe: ein verwunschener Zaubergarten.

Mein Lieblingsplatz war leider besetzt, als ich ankam, und so schlenderte ich eine Zeit lang scheinbar ziellos durch den Garten, den Platz am Wasser, Ziel meiner Seesucht,  meist im Blick. Ich fotografierte dies und das, Motive gibt es in dem rund 2.000 Quadratmeter großen Garten genug: das junge Huhn beispielsweise, das in den Töpfen mit den Ablegern nach Futter sucht, die Gemüsehochbeete, die sich wie Inseln im Naturgarten behaupten, das Beet mit fleischfressenden Pflanzen (Karnivoren), ein Wintergarten, in (nicht an) dem Wein wächst – und überall im Garten verstreut kleine Skulpturen und Figuren.

Und endlich war er frei, der Platz am Teich, und wie immer, wenn der Garten geöffnet ist, setzte ich mich an den kleinen Tisch, packte mein Tagebuch aus und schrieb ein wenig. Vielleicht sollte ich bleiben, nicht gleich eine Hütte bauen, so wie Petrus es Jesus vorschlug, als ihm ein Ort gut gefiel  (Matthaeus 17:4), aber zumindest ein kleines Zelt aufschlagen. Platz wäre im Garten genug, und Wasser gibt es auch. Was braucht frau mehr. Aber der nächste Garten wartet.

Das Garten von Silke Rex ist ganz anders, heller, femininer vielleicht, wie seine Besitzerin meint, aber auf jeden Fall ist er wunderschön. Und ein Eldorado für Duftfans wie mich. Denn hier wachsen vor allem  historische und englische Rosen – in verschiedensten Sorten und Farben – und dazwischen farblich abgestimmte Stauden.

Kletterrosen umranken das Haus, die Veranda und den Pavillon, und ein bisschen fühle ich mich wie Dornröschen. Ich falle allerdings nicht in einen tiefen Schlaf, sondern gehe mehrmals durch den Garten, kann mich gar nicht trennen und gar nicht satt sehen und satt riechen. Und natürlich gönne ich mir wieder eine Schreibpause am kleinen Teich.

Auch Kurfürstin Sophie wäre sicher vor Neid erblasst, wenn sie Silke Rex Garten gesehen hätte. Denn der Niedersächsische Rosengarten im Großen Garten der Herrenhäuser Gärten, den ich ein paar Stunden später sah, verblasst fast neben dem romantischen Rosengarten in Isernhagen. Allen, die sich mit der Hannoverschen Gartengeschichte und dem Adel nicht so gut auskennen, sei’s gesagt: Kurfürstin Sophie gestaltete den Großen Garten, damals fürstlicher Privatgarten, so um, wie wir ihn heute noch kennen. Natürlich gärtnerte die Frau des Kurfürsten Ernst August von Hannover nicht selbst, sondern ließ gärtnern: Sie engagierte den bekannten Gartenarchitekten Martin Charbonnier, der für seine Auftraggeberin bis 1714 den Garten im Stil der holländischen Barockanlagen umgestaltete. Ob die Kurfürstin geduldet hätte, dass eine Untertanin einen schöneren Garten hatte als sie  selbst? Ich bezweifle es.  Denn selbst heute noch gehen  Nachfahren des damaligen Kurfürsten mitunter ja recht rigoros gegen unbotmäßige Bürgerliche vor.

Der Niederdeutsche Rosengarten , so lese ich auf der Website hannover.de, ist „die Nachbildung eines der bereits im 16. Jahrhundert hoch geschätzten ‚Liebesgärten‘“. „Paare wandelten zu den Klängen von kanonartiger Musik, die Musikanten saßen in hierfür eigens aufgestellten hölzernen Lauben“, heißt es auf der Website weiter (https://www.hannover.de/Herrenhausen/Herrenh%C3%A4user-G%C3%A4rten/Gro%C3%9Fer-Garten/Der-Niederdeutsche-Rosengarten).

Insgesamt 650 Rosen soll es im Niederdeutschen Rosengarten geben, doch die kann der gemeine Gartenfan nur aus der Ferne bewundern. Denn die Kieswege zwischen den Beeten, auf denen die Bewohnerinnen und Bewohner des Schlosses und ihre Gäste früher lustwandelten, sind gesperrt. Pavillons gibt es noch, doch dort saßen am letzten Sonntag keine Musiker, sondern Besucher. Die Musik, die „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel, kam am vergangenen Sonntag aus der Konserve – und sie war leider auch nicht überall zu hören.

Trotzdem war der Abend wunderschön, und mit effektvoll angestrahlten Hecken, Skulpturen, Teiche, Brunnen und Fontänen hat sogar mir der Große Garten gefallen, obwohl ich eigentlich den Berggarten bevorzuge.

Apropos Wasser. Besonders eindrucksvoll waren natürlich die illuminierten Springbrunnen und die Fontäne. Die Große Fontäne ist inzwischen mehr als 300 Jahre alt. Damit das Wasser in die Höhe schoss,importierte Kurfürst Georg Ludwig Wassermaschinen aus England und baute ein Wasserwerk, die Wasserkunst. Die 35 Meter, die das Wasser damals in die Höhe spritze, waren damals Europarekord. Heute erreicht die Fontäne mehr als 80 Meter – vor allem illuminiert ein wirklich schöner Anblick. Den werde ich sicher bald wieder genießen – auf Gartentour gehe ich schon heute wieder. Das Wetter spielt, so scheint es, wieder mit. Nach einem heftigen Gewitter heute Morgen scheint wieder die Sonne: Was für ein schöner Sonntag …

Rendez-vous im Garten

Sie sind wieder geöffnet, die Gartenpforten in und um Hannover. Im vergangenen Jahr ist die Aktion wegen Corona ausgefallen – in diesem Jahr geht es weiter. Insgesamt 112 Gärten können bis zum 10. Oktober in der Region Hannover besichtigt werden, allein am ersten Juni-Wochenende beteiligten sich 39 Gartenbesitzerinnnen und -besitzer am Rendez-vous im Garten: Sie ermöglichten unter dem Motto „Wissen, das wandert“  Gartenfans wie mir einen Blick hinter den Zaun.

Ich habe am vergangenen Wochenende drei Gärten besucht – alle toll und alle ganz anders, obwohl ja in allen dreien die gleichen Pflanzen blühen. Akeleien zum Beispiel, die zu meinen Lieblingen gehören, Fingerhut, Heckenrosen und Mohn.

Der Garten Schwertmann in der Wedemark, Garten Nummer eins auf meiner Besuchsliste, ist eine gelungene Mischung aus Nutz- und Naturgarten, eine sehr gelungene sogar. Im Gemüsegarten mit mehreren Hochbeeten herrscht eine bewundernswerte Ordnung: Hier steht – wie es sich für einen Nutzgarten gehört – zusammen, was zusammengehört. In Reih und Glied, so wie ich es aus meiner Kindheit kenne, als meine Eltern und meine Oma in unserem Garten noch Kartoffeln, Erdbeeren, Salat und Gemüse angepflanzt haben.

Viel schöner als den Nutzgarten finde ich allerdings den größeren naturnahen Teil des über 1000 Quadratmeter großen Gartens mit Kräuterspirale, einem kleinen Wasserlauf mit Teich, Sumpfbeet, vielen idyllischen Sitzgelegenheiten und einer Gartenlaube, die mein Herz höherschlagen lässt.

Gerne würde ich bleiben, mich irgendwo hinsetzen, mein Tagebuch auspacken und schreiben, aber leider spielt das Wetter nicht wirklich mit: Das erste Wochenende nach dem meteorologischen Sommeranfang ist nicht wirklich sommerlich warm, und wir waren eben leider auch nicht die einzigen BesucherInnen.

Der Garten von Sabine Sundermeyer und Joachim von Kortzfleisch blüht wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen richtig auf. Denn um das alte Bauernhaus leben 45 Rosensorten, Stauden, Kräuter und Zwiebelblumen in farblich abgestimmten Beeten – und die Rosenblüte beginnt in diesem Jahr später als in den vergangenen. Ein kleines (Gesamt)Kunstwerk ist der Garten trotzdem, auch weil in den Beeten, im Bienengarten und an den Hauswänden der hannoverschen Künstler Bernd Sidon seine Werke ausstellt. Die sollen nicht fotografiert werden – was die Foto-Auswahl einschränkt.

 

Viel jünger als die beiden ersten Gärten ist Garten Nummer drei. Im Garten Sickau wachsen vor allem Hosta und Stauden, Rosen und Clematis, die leider noch nicht blühen. Pflanzen halten sich eben nicht an (Veranstaltungs)Kalender. Es gibt einen kleinen Kräuter- und Beerengarten, zwei Teiche, lauschige Sitzecken.

Ich bewundere nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Dinge, die den Garten schmücken, ihm seinen besonderen Reiz verleihen – die alten Gartenmöbel zum Beispiel, das Fahrrad, das wie vergessen am Zaun lehnt, oder die Echse am Teich. Und wieder einmal wird mir klar: Mir fehlt leider nicht nur der grüne Daumen, sondern auch der Sinn für Dekorationen.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf – und ich werde mir weiter Tipps und Anregungen holen. Schon an diesem Wochenende, in anderen Gärten, die noch bis Oktober ihre Pforten für Gartenfans wie mich öffnen.

Sieben an einem Teich

Wenn ich derzeit an Seen und Teichen vorbeikomme – und das tue ich ziemlich oft, weil ich seesüchtig bin –, höre ich fast immer lautes, meist mehrstimmiges Gequake. Nur an unseren Gartenteichen ist es still. Das liegt nicht daran, dass sie froschfrei sind, im Gegenteil: Das vergangene Jahr war ein gutes Froschjahr, und weil Frösche ja bekanntlich immer wieder in die Teiche zurückkehren, in denen sie geboren sind, haben wir in diesem Jahr so viele Frösche in unserem Garten wie noch nie. Die Froschzahl pro Quadratmeter Teichfläche dürfte bei uns höher sein als in den meisten anderen Gewässern. Und manchmal befürchte ich, dass uns wegen nicht artgerechter Froschhaltung eine Anzeige droht.

Denn unser Miniteich ist gerade mal 0,7 Quadratmeter klein. Trotzdem saßen dort vor ein paar Tagen sieben Fröschlein einträchtig nebeneinander, Frosch Nummer acht hielt sich ein wenig abseits. Mehr Platz hätten sie in dem Teich direkt daneben. Dort leben nach meiner inoffiziellen Froschzählung nur fünf Frösche – zwei große und drei kleine. Doch trotz der sehr beengten Wohnsituation im kleinen Teich wollen die Jung-Frösche nicht wieder bei ihren Eltern einziehen: Sie bleiben lieber zusammen und in ihrer Jugend-WG unter sich. Vielleicht ist der größere Teich aber auch schon voll besetzt – und ich habe einige Bewohnerinnen und Bewohner nur nicht entdeckt, weil sie sich besser verstecken.

Besonders scheu sind unsere Frösche eigentlich nicht: Die meisten lassen sich nicht stören, wenn ich mich den Teichen nähere, und ungeniert fotografieren. Sie kennen uns wahrscheinlich besser als wir sie – und wissen, dass ihnen von uns keine Gefahr droht.

Obwohl die Frösche schon so lange in unserem Garten leben, weiß ich nur wenig über unsere kleinen grünen Mitbewohner. Ich habe keine Ahnung, wo sie im Frühjahr herkommen und wo sie im Herbst hingehen, weil unsere Teiche nicht tief genug sind, um darin zu überwintern.  Ja, ich kenne nicht einmal ihren Namen. Sind es kleine Teichfrösche (Rana lessonae) oder Wasserfrösche (Rana esculenta)? Beide Arten ähneln sich sehr und sind nur schwer zu unterscheiden. Und sowohl Teich- als auch Wasserfrosch-Männchen quaken angeblich in der Paarungszeit von April bis Juni laut und ausdauernd. Bis zu 90 Dezibel laut kann das Gequake werden, mit dem die Froschmänner ihr Revier markieren, die Weibchen anlocken und ihnen signalisieren, dass sie paarungsbereit sind – so laut wie ein Presslufthammer.

In unserem kleinen Teich wohnt mindestens ein männlicher Frosch. Ich habe ihn an den Schallblasen erkannt, die bei männlichen Teich-und Wasserfröschen etwa dort sitzen, wo bei anderen Tieren die Ohren sind. Je größer diese dehnbaren Ausstülpungen, desto lauter quaken sie.

Warum unser Frosch so still ist, weiß ich nicht. Vielleicht interessiert er sich (noch) nicht für Frauen. Vielleicht hat er als einziger Mann keine Konkurrenz. Vielleicht haben die Frosch-Frauen ihm aber auch klar gemacht, dass sie nicht auf Macho-Gehabe stehen und dass er sich, ihnen und uns sein Gequake ersparen kann.  Vielleicht finde ich es heraus, wenn ich im Sommer öfter am Teich sitze.

Gartenblicke im März …

 

… allerdings erst im April. Aber ich schwöre: Aufgenommen habe ich die Fotos wirklich (noch) im März. Ich habe es diesmal einfach nicht geschafft, den Blogbeitrag rechtzeitig zu schreiben und zu veröffentlichen. Aber: Besser spät als nie.

Am Teich wird’s langsam lebendig: Nicht nur, weil Primeln, Osterglocken, Krokusse, Scilla und – darüber freue ich mich besonders – Veilchen blühen. Auch die Frösche sind zurückgekehrt. Oder haben sie sogar in unserem Teich überwintert? Mindestens fünf haben wir schon gesichtet: zwei größere und drei kleine, wohl die Nachzügler aus dem letzten Sommer. Leider wird der Blick auf den Teich derzeit durch den hässlichen schwarzen Kunststoffzaun getrübt, den der Nachbar an der Grundstücksgrenze gezogen hat: Doch es wird hoffentlich bald besser, wenn die Vogelschutzhecke rasch grün wird und ihn verdeckt.

Nicht nur die Heckenrosen am Teich, auch die Rosen in den Beeten habe ich kräftig zurückgeschnitten. Ich hoffe, dass sie es mir nicht verübeln. Die Christrosen verblühen allmählich, dafür bekommen die Pfingstrosen die ersten zarten Blätter. Und auch am Apfelbaum zeigt sich das erste Grün. Es wird noch ein paar Wochen dauern, bis er blüht.

Vor dem Apfelbaum sind die Kirschen an der Reihe, zuerst die süßen, dann die sauren. Und dann dauert es nicht mehr soooo lange, bis wir ernten können. Die Süßkirschen überlasse ich den Vögeln. Weil wir den Baum nicht spritzen, haben die Früchte immer Fleischeinlage. Die Sauerkirschen mögen die Maden zum Glück nicht – und wir können hoffentlich wieder Marmelade einkochen.

Lange haben sie sich geziert, doch in diesem Jahr blühen im neuen Beet neben der Einfahrt die Scillas. Eigentlich zum ersten Mal. Dass ich den Boden umgegraben habe, um den Efeu zu entfernen, hat den Blausternen offenbar nicht geschadet – im Gegenteil. Vielleicht haben sie jetzt in der efeufreien Zone endlich die Freiheit zu wachsen. Vielleicht waren sie aber auch schon in den letzten Jahren da – versteckt unter der dichten Efeudecke. Wer kennt es schon, das geheime Leben der Pflanzen.

Noch ist das Beet kahl, doch insgeheim hoffe ich, dass im Sommer hier ein Sonnenblumenfeld entsteht. Die Vögel haben nämlich die Kernen, die wir ihnen ausgestreut haben, gerne und reichlich gegessen – und die Reste auf dem Beet verstreut.

Gartenblicke im Februar

Dass ich meine Gartenblicke in diesem Monat ungewöhnlich früh veröffentliche, liegt nicht an meinen guten Vorsätzen fürs neue Jahr – obwohl es die durchaus gibt -, sondern an den ungewöhnlichen Ansichten. Zu sehen ist nämlich außer viel Weiß wenig.

Die Schneeglöckchen – nomen est omen – in dem neuen Beet neben der Einfahrt sind ebenso unter einer dicken weißen Schneedecke verschwunden …

… wie die Christrosen im Beet vor dem Wohnzimmerfenster …

… und im Rosenbeet. Ich hoffe, dass sie unter der Schneedecke überleben.

Große Sorgen mache ich mir um die Frösche, die im Sommer in unseren Teichen leben und laichen. Denn beide Teiche sind nicht tief genug – eine längere Frostperiode können die Frösche darin wohl kaum überleben. Ich habe sie allerdings seit dem Spätherbst nicht mehr gesehen. Und so hoffe ich dass sie den Winter in tieferen Teichen in der Nachbarschaft verbringen und erst im Frühjahr wieder in unseren Garten zurückkommen.

Im Kräuterbeet in der Mitte ächzte der Salbei unter der Schneelast – ich habe ihn inzwischen davon befreit. Im Beet am Zaun haben die Gärtner nicht nur meinen Lieblingsbaum, die Eberesche, gefällt, auch der Augustapfelbaum musste weichen: Die Vögel hatten ihn ausgesät  –  leider zu dicht an unserem Sauerkirschbaum. Anders als die Eberesche wird er wohl keinen Nachfolger bekommen.

Kräuterbeet mit Sonnenuhr