Monatsrückblog März 2026

Ja, ich bin mal wieder spät dran. Denn ich habe lange überlegt, ob ich wirklich einen Rückblick für einen Monat schreiben soll, in dem ich wenig unternommen habe. Doch nachdem ich das Plädoyer von Uli Pauer für das Blogformat „12 von 12″ gelesen habe, habe ich entschieden, die noch kleine Serie der Monatsrückblogs fortzusetzen. Denn die Gründe, die sie in ihrem Blogbeitrag für „12 von 12“ nennt, gelten auch für den Monatsrückblick: Er ist eine gute Gelegenheit innezuhalten, zu reflektieren und auch in eher ereignislosen Monaten Besonderes zu entdecken.

Ab nach draußen

Apropos entdecken: Ich lebe schon seit fast vierzig Jahre in Hannover: den Hermann Löns Park in Kleefeld habe ich erst jetzt entdeckt. Dabei liegt er direkt an einer Straßenbahnhaltestelle, ist also mit Öffis gut zu erreichen, hat einen Teich, der wie eine kleine Seenlandschaft wirkt, und viele alte Bäume. Als der Park in den 1930er-Jahren angelegt wurde, wurden nur standorttypische Bäume und Sträucher wie Stieleichen, Linden, Hainbuchen, Weiden, Birken, Haselnuss, Holunder und Traubenkirschen gepflanzt. Auf „fremdländische Pflanzen“ wurde allerdings nicht, allerdings nicht aus ökologischen, sondern aus ideologischen Gründen verzichtet. „Der Park geriet zur ideologiekonformen Grünanlage“, heißt es bei Wikipedia.

Mir gefällt der Park trotzdem, ebenso wie die Schrebergartenkolonie an seiner Nordseite. DieKleingartenanlage Annateich“, so ihr offizieller Name, entstand zur gleichen Zeit wie der dem Park. Alle Gärten, rund 200, erhielten damals eine Holzlaube und mindestens einen Apfelbaum. Die meisten Holzlauben wurden inzwischen durch neue ersetzt. Dagegen stehen wohl viele der alten Apfelbäume der Sorte „Ontario“ noch heute in den Gärten. Ein Grund, Park und Schrebergartenkolonie wieder zu besuchen, wenn sie blühen.

Natürlich war ich auch wieder in den Herrenhäuser Gärten . Und natürlich haben wir – mein Mann und ich – ziemlich viel Zeit in unserem Garten verbracht. Der ist zwar nicht sehr groß, aber gerade jetzt im Frühjahr ist viel zu tun. Und irgendwie ist es mit der Garten- wie mit der Hausarbeit: Man wird nie wirklich fertig.

Immer am Wasser lang

Zur Märzbecherblüte nach Hameln habe ich es auch in diesem Jahr leider wieder nicht geschafft. Und ich habe im März auch noch keine längere Wanderung unternommen. Das lag sicher auch daran, dass mich seit Anfang des Monats eine Verletzung am Bein/an der Hüfte plagt. Der Spaziergang durch die Leinemasch war weder besonders lang noch besonders anspruchsvoll.  Aber er führte fast immer am Wasser entlang und endete mit einem kurzen Abstecher ins Landesmuseum. Allerdings nicht in die Kunst-, sondern in die Wasserwelt. Dort leben in großen Aquarien laut Website des Museums über 200 verschiedene Wassertierarten aus unterschiedlichen Lebensräumen, aus Kalt- oder Warmwasser, Süß- oder Salzwasser.

Aber eigentlich besuche ich die Wasserwelten nicht wegen der Fische, Ich mag die besondere Atmosphäre und die Ruhe in dem abgedunkelten Raum mit der blauen Wandverkleidung und der wellenförmigen Decke. Ein wenig fühlt man sich dort wie in einer Unterwasserwelt.

Besonders lange saß ich diesmal vor dem Becken mit einem einsamen Heterochromis multidens. Der afrikanische Buntbarsch, der im mittleren Kongobecken zu Hause ist, sah mit seinen herunterhängenden Mundwinkeln ziemlich traurig aus. Ob er seine Heimat und seine Artgenossen vermisst? Oder ob er nur ungehalten über die Besucherin war, die vor seinem Becken saß und ihn so neugierig anschaute.

Neue Museumscard

Mit dem Kurzbesuch im Landesmuseum habe ich meine neue Museumscard eingeweiht. Dass sie nur in neun Museen in Hannover und in zwei Museen in Hildesheim gilt, habe ich schon mehrmals beklagt. Trotzdem möchte ich die Karte nicht missen. Denn sie ermöglicht es mir, nur kurz in ein Museum zu gehen, um mir ein paar Bilder, einen kleinen Teil einer Ausstellung oder, wie nach der Wanderung durch die Leinemasch, die Fische anzusehen. Müsste ich jedes Mal Eintritt zahlen, würde ich das gewiss nicht tun. Bei meinem Besuch im Wilhelm Busch Museum habe ich Katharina Greves Prinzessin Petronia kennengelernt. Ihretwegen habe ich dann auch Antoine de Saint-Exupérys Buch über ihren berühmten, wenn auch namenlosen Cousin, den kleinen Prinzen, noch einmal gelesen.

Foto: Wilhelm Busch Museum/Katharina Greve

Schreiben

Im Februar habe ich am Schreibmonat der Textmanufaktur teilgenommen und jeden Tag an meinem Roman gearbeitet. Im März ist mir das leider nicht gelungen. Immerhin habe ich sieben Blogbeiträge geschrieben und veröffentlicht. Sie und andere Texte sind teilweise bei den Schreibdates mit Denise Fritsch und Sabine E. Rasch entstanden. Denn mit anderen zu schreiben, motiviert mich immer wieder. Deshalb habe ich auch an dem Online-Schreibtreff der Textmanufaktur zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche teilgenommen. Dass ich das gemeinsame Schreiben wegen einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Nationalsozialisten unterbrochen habe, war nicht geplant. Aber manchmal muss man eben andere Prioritäten setzen

Nie wieder ist jetzt

In der Karwoche 1945, kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs, ermordeten SS-Leute in Burgwedel 20 Menschen. An diese und andere Verbrechen der Nazis und an das Leid der Opfer zu erinnern, ist zurzeit wichtiger denn je. Wenn immer mehr Menschen die AfD wählen und Antisemitismus, Rassismus und rechtsextreme Gedanken wieder salonfähig sind, genügt es nicht, gegen rechts zu sein, frau muss es auch zeigen.

Deshalb habe ich auch an der ersten Prüfdemo in Hannover teilgenommen. Die Aktion PRÜF fordert, dass „alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, … durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden“ sollen. Laut Artikel 21 Abs. 4 GG entscheidet nur das Bundesverfassungsgericht, ob eine Partei verfassungswidrig ist.

Ich zweifle nicht daran, dass Einschätzung der AfD durch den Verfassungsschutz stimmt und dass die Partei eine Gefahr für die Demokratie und die freiheitlich demokratische Grundordnung ist. Aber die Hürden für ein Parteiverbot sind sehr hoch. Zwei Versuche, die NPD verbieten, scheiterten 2003 und 2017 vor dem Bundesverfassungsgericht. Und im Februar dieses Jahres entschied das Verwaltungsgericht Köln in einem Eilverfahren, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als „gesichert rechtsextremistisch“ einstufen und behandeln darf.  Entscheidet das Bundesverfassungsgericht gegen ein AfD-Verbot, wird die Partei das als „Persilschein“ für ihre Propaganda nutzen – und viele werden es glauben. Denn auch wenn die Erkenntnis, dass die menschliche Dummheit (wie das Universum) unendlich ist, wahrscheinlich nicht von Albert Einstein stammt, stimmt sie wohl leider. 

Immer an der Leine lang

Nirgendwo kann ich so gut entspannen wie am Wasser – am Meer, an einem See oder auch an einem Fluss. Und je älter ich werde, desto mehr vermisse ich den Blick aufs Wasser. Das liegt vielleicht daran, dass ich an einem Fluss geboren bin und die ersten 30 Jahre meines Lebens immer an Flüssen gelebt habe. An der Mosel, am Rhein, an der Lahn, dann wieder am Rhein und an der Mosel. Das prägt.

Am neuen Pöttcherteich in Großburgwedel

In der Leinemasch

Im Alltag begnüge ich mich meist damit, zum neuen Pöttcherteich zu gehen, um meine Sehnsucht zu stillen. Gestern, am Weltwassertag, bin ich von einem Vorort durch die Leinemasch bis zum Maschsee und Maschteich im Zentrum Hannovers gewandert. Eine gute Entscheidung: Viel Wasser, viel Natur – und trotz Sonne und Sonntag vergleichsweise wenige Menschen. Erst in der Nähe des Maschsees war dann mehr los.

Die Wege durch das Naherholungs- und Naturschutzgebiet führen fast immer am Wasser entlang: an den weitgehend naturbelassenen Ufern der Leine und der Alten Leine und an zahlreichen Seen und Teichen. Die meisten sind in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durch Ton-, Sand- und Kiesabbau entstanden. Heute darf in vielen geschwommen und geangelt werden.

Die Auenwälder von einst sind zwar fast verschwunden, aber die Leinemasch ist Lebensraum zahlreicher geschützter und seltener Pflanzen- und Tierarten. So leben hier beispielsweise Weißstörche und Biber. Drei Störche habe ich gesehen, die scheuen Biber dagegen nicht. Aber ich habe die Spuren entdeckt, die sie an einigen Bäumen am Leineufer hinterlassen haben.  

Maschsee

Die Leinemasch beginnt – oder endet – an Hannovers größtem Gewässer, der ihr seine Entstehung und seinen Namen verdankt: dem Maschsee. Laut Wikipedia wurde schon im 19. Jahrhundert über die Anlage eines Sees nachgedacht, um Überschwemmungen durch Leine und Ihme im Stadtgebiet zu vermeiden. Umgesetzt wurde die Idee allerdings erst seit 1934. Die Nationalsozialisten wollten mit dem Seeprojekt die Arbeitslosenzahlen verringern. Zeitweise arbeiteten 1650 Menschen schlecht bezahlt am Seebecken und hoben rund 780.000 m³ Boden aus. Eingeweiht wurde der Maschsee dann im Mai 1936.

Maschteich

Meine Wanderung am Wasser endete am idyllischen Maschteich. Der liegt nur einen Steinwurf vom viel größeren Maschsee entfernt im Maschpark, dem ersten kommunalen Park in Hannover. Der Maschpark wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt, als das Neue Rathaus gebaut wurde – quasi als Rathauspark. Wohl deshalb wurden bei der Anlage weder Kosten noch Mühen gescheut: So erhielt der Maschteich eine künstliche Felseninsel aus Tuffsteinblöcken und eine Seerosenbucht, die bis heute erhalten sind.

Fortsetzung folgt

Bis die Seerosen dort blühen, wird es noch ein paar Wochen dauern. Ich werde meine Wanderung durch die Leinemasch sicher früher fortsetzen. Beim nächsten Mal steige ich an der gleich U-Bahn-Haltestelle in Döhren aus und wandere dann gen Süden. Denn die Fluss- und Seenlandschaft geht über die Grenzen Hannovers hinaus bis nach Nordstemmen im Landkreis Hildesheim. Und vielleicht steige ich in Sarstedt aufs Fahrrad um und fahre von dort an der Innerste, einem Nebenfluss der Leine, entlang bis nach Hildesheim …