Immer an der Leine lang

Nirgendwo kann ich so gut entspannen wie am Wasser – am Meer, an einem See oder auch an einem Fluss. Und je älter ich werde, desto mehr vermisse ich den Blick aufs Wasser. Das liegt vielleicht daran, dass ich an einem Fluss geboren bin und die ersten 30 Jahre meines Lebens immer an Flüssen gelebt habe. An der Mosel, am Rhein, an der Lahn, dann wieder am Rhein und an der Mosel. Das prägt.

Am neuen Pöttcherteich in Großburgwedel

In der Leinemasch

Im Alltag begnüge ich mich meist damit, zum neuen Pöttcherteich zu gehen, um meine Sehnsucht zu stillen. Gestern, am Weltwassertag, bin ich von einem Vorort durch die Leinemasch bis zum Maschsee und Maschteich im Zentrum Hannovers gewandert. Eine gute Entscheidung: Viel Wasser, viel Natur – und trotz Sonne und Sonntag vergleichsweise wenige Menschen. Erst in der Nähe des Maschsees war dann mehr los.

Die Wege durch das Naherholungs- und Naturschutzgebiet führen fast immer am Wasser entlang: an den weitgehend naturbelassenen Ufern der Leine und der Alten Leine und an zahlreichen Seen und Teichen. Die meisten sind in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durch Ton-, Sand- und Kiesabbau entstanden. Heute darf in vielen geschwommen und geangelt werden.

Die Auenwälder von einst sind zwar fast verschwunden, aber die Leinemasch ist Lebensraum zahlreicher geschützter und seltener Pflanzen- und Tierarten. So leben hier beispielsweise Weißstörche und Biber. Drei Störche habe ich gesehen, die scheuen Biber dagegen nicht. Aber ich habe die Spuren entdeckt, die sie an einigen Bäumen am Leineufer hinterlassen haben.  

Maschsee

Die Leinemasch beginnt – oder endet – an Hannovers größtem Gewässer, der ihr seine Entstehung und seinen Namen verdankt: dem Maschsee. Laut Wikipedia wurde schon im 19. Jahrhundert über die Anlage eines Sees nachgedacht, um Überschwemmungen durch Leine und Ihme im Stadtgebiet zu vermeiden. Umgesetzt wurde die Idee allerdings erst seit 1934. Die Nationalsozialisten wollten mit dem Seeprojekt die Arbeitslosenzahlen verringern. Zeitweise arbeiteten 1650 Menschen schlecht bezahlt am Seebecken und hoben rund 780.000 m³ Boden aus. Eingeweiht wurde der Maschsee dann im Mai 1936.

Maschteich

Meine Wanderung am Wasser endete am idyllischen Maschteich. Der liegt nur einen Steinwurf vom viel größeren Maschsee entfernt im Maschpark, dem ersten kommunalen Park in Hannover. Der Maschpark wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt, als das Neue Rathaus gebaut wurde – quasi als Rathauspark. Wohl deshalb wurden bei der Anlage weder Kosten noch Mühen gescheut: So erhielt der Maschteich eine künstliche Felseninsel aus Tuffsteinblöcken und eine Seerosenbucht, die bis heute erhalten sind.

Fortsetzung folgt

Bis die Seerosen dort blühen, wird es noch ein paar Wochen dauern. Ich werde meine Wanderung durch die Leinemasch sicher früher fortsetzen. Beim nächsten Mal steige ich an der gleich U-Bahn-Haltestelle in Döhren aus und wandere dann gen Süden. Denn die Fluss- und Seenlandschaft geht über die Grenzen Hannovers hinaus bis nach Nordstemmen im Landkreis Hildesheim. Und vielleicht steige ich in Sarstedt aufs Fahrrad um und fahre von dort an der Innerste, einem Nebenfluss der Leine, entlang bis nach Hildesheim …

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