Fastenbilanz

Jetzt ist sie vorbei, die Fastenzeit. Ja, Ostern auch schon, ich gebe es zu, aber irgendwie habe ich es nicht früher geschafft. Immerhin noch früh genug, Bilanz zu ziehen. Was habe ich durchgehalten, was nicht.

Also, ich habe sechs Wochen lang keine Schokolade und kein Eis gegessen, Letzteres ist mir vor allem an den letzten Tagen vor Ostern schwer gefallen, als ich bei schönem Wetter an der Eisdiele im Hauptbahnhof von Hannover vorbeigekommen bin -nach Franco in Bernkastel die beste Eisdiele, die ich kenne. Am Ostersonntag habe ich mir dort auch gleich ein Eis  gegönnt. Und beim Osterfrühstück in den Herrenhäuser Gärten ein kleines Schokoosterei. Das habe ich mit Andacht gegessen, wie meine Mutter gesagt hätte. Neudeutsch heißt das dann eher achtsam.

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Den Schokohasen, den ich dabei hatte, habe ich wieder mit nach Hause genommen, musste ihn aber dann leider notschlachten, weil er nach dem Ausflug in meinem Fotorucksack ganz platt war.

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Alkohol habe ich in der Fastenzeit an zwei Tagen getrunken (oder waren’s drei? Danke Sabine und Werner, dass ihr mich verführt habt: Es war sehr lecker und hat gut getan).

Mit dem umweltbewussten Leben hat es nicht ganz so gut geklappt – ich war leider nicht so konsequent, wie es sicher nötig wäre. Ich bin wenig Auto gefahren, aber das tue ich ja eigentlich immer. Ich bin lieber mit Öffis, zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Immerhin habe ich keine Einwegflaschen gekauft und meist unverpacktes Obst. Das habe ich dann auch meist in ein mitgebrachtes Netz gesteckt. Nur Obst aus ökologischem Anbau oder fairem Handel zu kaufen, schaffe ich allerdings nicht. Es ist mir bei meinem Obstverbrauch schlichtweg zu teuer, und manches wie Kaffee und Schokolade schmeckt mir unökologisch einfach besser. Bei anderen Lebensmitteln wie Eiern oder Kartoffeln ist es dagegen umgekehrt.

Aufschlussreich war der Blick auf die Mikroplastik-Liste: Mein Make-up, also Lippenstift, Eyliner und Co, ist garantiert mikroplastikfrei – benutze nämlich keine. Die meisten Duschgels und Haarwaschmittel habe ich dagegen auf der Liste entdeckt. Ich werde sie noch aufbrauchen und  ersetzen, wenn ich beim nächsten Mal – dann mit App oder Liste – einkaufen gehe. An Stückseife fürs Haarewaschen kann ich mich nicht gewöhnen, denn ich bin ein Duftfreak.

Das Konsum-Fasten ist mir dagegen nicht schwer gefallen, denn ich bin sicherlich kein Shopping-Freak: Ich kaufe recht wenig neue Sachen – Ausnahme Bücher, und die auch immer öfter Secondhand – und trage meine Klamotten meist jahrelang. Künftig werde ich noch mehr darauf achten, wo die Dinge herkommen.

Was noch positiv war: ich habe in den letzten Wochen viel weniger ferngesehen als sonst und es eigentlich kaum vermisst. Das will und werde ich auf jeden Fall beibehalten und dann vielleicht öfter Zeit zum Bloggen, zum Lesen oder zum Schreiben finden.

Zugegeben: Die Welt rette ich so sicher nicht, aber irgendwo muss frau ja anfangen. Und wie heißt es so schön: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Fasten nicht nur fürs Klima

Gestern hat sie wieder begonnen, die Fastenzeit. Mit der Kirche habe ich im Alltag zwar wenig im Sinn, trotzdem will ich dem alten kirchlichen Brauch folgen und in den sechseinhalb Wochen bis Ostern fasten –  also auf Dinge ganz verzichten oder den Konsum zumindest einschränken.

Das nehmen sich immer mehr Menschen vor. Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage von DAK und Forsa halten 63 Prozent der Befragten einen mehrwöchigen Verzicht auf ein bestimmtes Genussmittel oder Konsumgut für sinnvoll, bei einer ähnlichen Forsa-Umfrage im Jahr 2012 waren es nur 53 Prozent.

73 Prozent der Fastenfans könnten – oder wollen? – laut DAK auf Alkohol verzichten, 67 Prozent auf Schokolade und Bonbons. Die Bereitschaft zum Handy- und Computerfasten wuchs im Vergleich zur Vorjahresbefragung von 21 auf 29 Prozent, die zum Verzicht auf das Auto von 15 auf 20 Prozent. Die traditionelle Enthaltung beim Fleischverzehr könnten sich 46 Prozent der Befragten vorstellen.

Meine eigenen Verzichtideen sind also nicht besonders Originell: Alkohol ist überhaupt kein Problem, weil ich sehr wenig Alkohol trinke; Schokolade, Eis und Salzstangen fallen mir schon schwererer. Der Verzicht auf Handy und Computer ist schon aus beruflichen Gründen nicht machbar. Und ohne Kaffee geht gar nichts; das kommt also nicht infrage.

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Rosenmontagszug in Mainz, Wagen Nr. 67: Zum Kotzen.                             Foto: Peter Zschunke

Seit ich am Rosenmontag den Tweet eines Studienfreunds aus Mainz vom Umzugswagen mit der kotzenden Erde gesehen habe (Peter Zschunke‏ @pedromiramis), denke ich über Plastikfasten nach – und überhaupt in der Fastenzeit möglichst umweltbewusst zu leben. Also beispielsweise kein abgepacktes Obst und keine Einwegflaschen mehr kaufen. Auch auf meine Lieblingsjoghurtsorten (Natur und Ananas), die es nur in Plastikbechern gibt, muss ich verzichten. Es wird nicht leicht, das ahne ich, denn noch während ich darüber nachdenke, habe ich den guten Vorsatz schon zum ersten Mal gebrochen. Weil ich nicht zu Hause bin, habe ich die erste Tasse Morgenkaffee nicht wie gewohnt aufgebrüht, sondern habe eine dieser praktischen Mini-Kaffeetüten benutzt – und unnötigen Verpackungsmüll produziert. Kein optimaler Start also.

Bei der Recherche für diesen Blogbeitrag bin ich dann auf die gemeinsame Fastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit 2019  gestoßen, an der sich elf evangelische Landeskirchen und drei katholische Bistümer beteiligen.  Jan Christensen, Umweltpastor  der Nordkirchen, ruft dazu auf, den Klimaschutz in den Mittelpunkt der eigenen Fastenzeit zu stellen und eine klimafreundliche Lebensweise auszuprobieren! Jede Woche steht unter einem anderen Motto: Achtsam essen, beispielsweise, fairer Konsum und anders unterwegs beispielsweise. Die sechste Woche ist dann (möglichst) plastikfrei. Das klingt gut. Die Aktion gefällt mir und ich werde mitmachen – und vielleicht trotzdem noch auf Schokolade, Eis und Alkohol verzichten.

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Foto: Steffen Hummel

Zum Einstieg, in der ersten Woche, geht es um Zeit für sich selbst und die Mitgeschöpfe, Routinen des Alltags zu hinterfragen, zu entschleunigen. Denn laut Website heißt Fasten auch „innehalten und zur Ruhe kommen.“ Das passt gut, denn in dieser Woche habe ich keine Redaktions- und Abgabetermine. Ich soll, so Empfehlungen in der Aktions-Broschüre, meine Sinne schärfen, dem Alltäglichen mehr Aufmerksamkeit schenken und einen anderen Blickwinkel auf meine Umgebung und meine Mitmenschen suchen. Ein Tagebuch, um meine Gedanken und Ideen festzuhalten, habe ich auf jeden Fall schon mal zur Hand – und das passende Tischset liegt zufällig vor mir, während ich diese Zeilen schreibe. Carpe diem steht darauf, also nutze oder besser genieße den Tag, wie der römische Dichter Horaz in seiner Ode An Leukonoë empfahl.

Mehr über die Aktion, eine Broschüre und andere Materialien zum Download gibt es unter

http://www.klimaschutz-ekvw.de/klimafasten/einladung/

http://www.klimaschutz-ekvw.de/klimafasten/downloads-und-druckdateien/

Was bleibt

Er war, darin sind wir uns einig, besonders schön – aber das meinen wir eigentlich jedes Jahr. Besonders stachlig war er gewiss. Und er hat zu meiner Freude sicher mehr geduftet als die meisten seiner Vorgänger: Jeden Morgen hing ein Hauch von Tannenduft im Wohnzimmer. Dass er so lange bleiben durfte, hatte aber einen anderen, eher praktischen Grund. Am 6. Januar, am Befana-Tag, an dem Weihnachtsbäume bei uns in der Regel das Feld, pardon, das Wohnzimmer räumen müssen, war mein Mann auf dem Sprung zu den Polarlichtern nach Tromsö. Statt Tannenbaum-Entsorgung war also Kofferpacken angesagt.

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Vorher …

Mir war’s recht. Denn ich mag nicht nur den Tannenduft, sondern auch die Lichterkettenbeleuchtung, die ich schon früh morgens anschalte, wenn ich meine erste Tasse Kaffee koche. Und so hätte dieser Weihnachtsbaum fast durchgehalten bis Lichtmess, in manchen Gegenden der traditionelle Weihnachtsschmuck-Abräumtag. Doch zum Schluss rieselten die Nadeln, sobald sich jemand dem Baum näherte, und signalisierten deutlich, dass die Weihnachtsbaumzeit abgelaufen war.

Als wir Anfang der Woche Kugeln, Lichter- und sonstigen Ketten entfernt hatten, waren manche Zweige ganz nackt. Und wie in jedem Jahr verteilten sich die pieksenden Nadeln auf wundersame Weise im ganzen Haus und kommen erst nach und nach zum Vorschein. Die letzten wahrscheinlich erst, wenn wir im Dezember den neuen Baum aufstellen.

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… nachher

Besonders gerne verfangen sie sich  in den Wollstrümpfen, die meine Mutter früher für mich und viele andere gestrickt hat. Wie viele es waren? Hunderte, gewiss, im Lauf der letzten Jahre. Und trotzdem hat sie das Strümpfestricken inzwischen verlernt; ihre körperlichen Kräfte lassen ebenfalls immer mehr nach. Und während ich eine Tannennadel aus dem Strumpf puhle, denke ich, dass dieser Weihnachtsbaum vielleicht der letzte war, den meine Mutter gesehen hat. Den Heiligen Abend hat sie im vergangenen  Jahr noch mit meinem Mann und mir gefeiert, doch in diesem Jahr wird sie die wenigen Stufen zu unserer Haustür sicher nicht mehr schaffen …

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Ende eines Weihnachtsbaums

 

Guter Mond …

Heute Morgen hatte ich einen Logenplatz. Während mein Mann – wie es sich für den Vorsitzenden des Vereins Sternwarte Sankt Andreasberg gehört – die Mondfinsternis bei frostigen minus 10 Grad im Harz gemeinsam mit einigen Vorstandskollegen, einem Kamerateam und mehr als 50 Teilzeit-Mondbewunderern beobachtete, saß ich gemütlich in meinem Bett. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand sah ich aus dem Fenster, wie aus dem Vollmond allmählich eine Sichel wurde und dann im Kernschatten der Erde als sogenannter Blutmond sichtbar wurde. Der schien genau genommen nur wirklich rot, wenn ich durch meine Kamera schaute, womit wieder einmal bewiesen wäre, was schon Antoine de Saint Exuperys kleiner Prinz wusste: Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar. Ob allerdings die Kamera es erfasst, erscheint mir fraglich.

Den Mofi-Logenplatz habe ich mir redlich verdient: Schließlich bin ich der wahre Mondfan in der Familie. Ich mag den Mond nicht nur, wenn er sich wie heute oder bei der Mondfinsternis im Sommer spektakulär verhüllt. Ich nehme ihn so, wie er gerade ist: zu- und abnehmend, voll oder neu. Und ich verteidige ihn jedesmal heroisch, wenn mein Mann und andere Amateur-Astronomen ihn als Lichtsau. und Schlimmeres beschimpfen, nur weil er ihrer Meinung nach zu hell scheint und ihnen an manchen Tagen den Blick auf die Sterne erschwert.

Ihnen sei ein für allemal gesagt: Der Mond hat die älteren Rechte, er war schon da, bevor Ihr überhaupt das Teleskop erfunden habt. Und unsere Vorfahren waren dankbar, wenn er ihnen in dunklen Nächten ein bisschen Licht spendete. Das Verschwinden des Mondes, heute ein Medienspektakel, machte ihnen eher Angst. So fürchteten die alten Chinesen, dass ein Drache den Mond verschlingt, bei den Wikingern war‘s angeblich ein Wolf. Der rote Mond galt früher als schlechtes Omen.

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Roter Mond, großer Auftritt – Mondfinsternis mit Teleskop und Profi-Kamera in Andreasberg … (Foto Utz Schmidtko)

Ich tue mein Bestes, um die kollektive Missachtung durch die Amateur-Astronomen von heute wieder gut zu machen. Ich versuche, den Mond positiv zu stimmen, indem ich ihm Gedichte vorsage oder gelegentlich ein Lied vorsumme – guter Mond, du gehst so stille, beispielsweise, oder die Mondnacht von Joseph von Eichendorff.

Auswahl gibt’s genug. Denn Dichter und Schriftsteller haben den Mond zu allen Zeiten geschätzt – und ihn immer wieder besungen. Vielleicht ist die Mondkarte beim Tarot deshalb eine gute Karte für Schriftsteller und Künstler: Sie verheißt ihnen Glück und Inspiration.

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… und das Ende der Finsternis in  Burgwedel

Mich hat der Mond, der längst wieder aus dem Schatten der Erde hervorgekommen ist, zwar nicht zu großen Werken, aber immerhin zu diesem Blogbeitrag inspiriert, den ich statt meiner üblichen Morgenseiten geschrieben habe. Das hat sich der Mond, finde ich, redlich verdient.

To-do- und andere Listen

Ja, ich gebe es zu – ich liebe und schreibe Listen aller Art:

  • To-do-Listen, wahlweise für den Beruf oder fürs Privatleben, für einzelne Tage oder für längere Zeiträume
  • Terminlisten
  • Einkaufslisten
  • Bücherlisten – zu lesende und gelesene
  • Themenlisten, zum Beispiel für diesen Blog
  • Listen möglicher Projekte
  • Pflanzlisten für den Garten
  • Wunschlisten oder
  • Geschenklisten …

Wahrscheinlich brauche ich demnächst eine Liste, um den Überblick über all meine Listen zu behalten. Denn leider notiere und bewahre ich die  Listen an den verschiedensten Stellen – z. B. in meinem Kalender, im Bullet Journal, in Spiralheften, die auf meinen Schreibtischen liegen, in den Ordnern der einzelnen Projekte und auf losen Blättern.

Manche Listen sind ganz simpel, andere, vor allem die für längerfristige Aufgaben im Job, enthalten zum Teil mehrere Unterkategorien und nennen sich manchmal auch vornehm Workflow.

Mein Listen verhindern, dass ich Dinge einfach vergesse, und helfen mir, den Überblick zu bewahren. Vor allem aber geben sie mir das gute Gefühl, etwas geleistet zu haben, wenn ich mich im alltäglichen Hamsterrad drehe. Manchmal, ich gestehe es, schummle ich bei meinen To-do-Listen ein wenig. Dann trage ich Aufgaben ein, die ich gerade schon erledigt habe, nur um sie – als just done – abhaken zu können.

Gestern ist mit dem Zeit-zu-leben-Newsletter eine Liste in meinem Mailkasten gelandet, die mich zum Nachdenken und zu diesem Blogbeitrag angeregt hat. Und so werde ich künftig vielleicht noch weitere Listen führen, zum Beispiel (in alphabetischer Reihenfolge) über

  • Aktiviäten, die mir guttun
  • Dinge, die ich vermissen würde
  • Menschen, die ich mag
  • Orte, an denen ich mich wohlfühle.

Und dann werde ich das warme Gefühl im Bauch genießen, das sich hoffentlich bei diesen Wohlfühllisten einstellt.

Same procedure every day

Sie ist angeblich die Basis nicht nur für einen guten Start in den Tag, sondern garantiert Erfolg und Zufriedenheit. Man (oder frau) erreicht alle Ziele, schöpft sein Potenzial ganz aus, lässt die eigene Mittelmäßigkeit weit hinter sich, wenn man gut, das heißt mit der richtigen Morgenroutine in den Tag startet. Das jedenfalls versprechen zahlreiche Websites und eines dieser Wie-werde-ich-glücklich-reich-und-erfolgreich-Bücher, das ich neulich gelesen habe. Das einzige, was man tun muss, um sein Leben grundlegend zu verändern, ist, jeden Morgen früher aufzustehen – und ein paar Dinge zu tun, die der Autor kurz mit Live-S.A.V.E.R.S zusammenfasst.

Eigentlich ist diese Methode ideal für mich, denn mit dem frühen Aufstehen habe ich keine Probleme. Die ganzen guten Ratschläge, wie man morgens aus dem Bett kommt, konnte ich also getrost überlesen. Einen Wecker brauche ich eigentlich fast nie. Ich wache morgens von selbst früh auf – im Sommer oft gegen vier, im Winter spätestens kurz vor fünf – und bin dann hellwach.  Und seit ich mir schon vor einiger Zeit vorgenommen habe, dass die erste Stunde mir gehört, starte ich ohnehin (fast) immer gleich in den Tag. Was liegt also näher, die Routine um einige Punkte zu erweitern, wenn es denn der guten Sache dient, sprich: meinem Glück und meinem Erfolg.

Ohne Kaffee, ich gestehe es, geht allerdings gar nix. Bevor ich also irgendetwas anderes tue, koche ich morgens Kaffee. Mit meiner Tasse gehe ich dann im Winter in mein Zimmer, im Sommer auf die Empore, wo ich die Sonne aufgehen sehe, während ich die Morgenseiten schreibe. Manchmal höre ich Musik dabei, oft aber genieße ich einfach die Ruhe um mich herum, bevor der Rest der Welt erwacht.

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Einfach mal kopfstehen und die Welt aus einer anderen Perspektive sehen (Foto: Utz Schmidtko)

Schreiben (S) gehört für mich schon lange zur Morgenroutine, neu ist, dass ich mir jeden Morgen – oder fast jeden – Zeit für Yoga (Exercises, E) und Meditation (Stille, S) nehme. Yoga ist prima, auch weil ich mich auf die Übungen beschränke, die mir leicht fallen und mir gefallen. Mit der Meditation tue ich mich schon schwerer. Gerade dann, wenn ich an nichts denken oder mich nur auf mein Atmen konzentrieren soll, fahren meine Gedanken Karussell, schweifen hierhin und dorthin. Besser klappt‘s, seit ich mich an einen Ort zu versetzen, an dem ich mich wohlfühle, wie mir eine gute Bekannte geraten hat.

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An einem so schönen Ort klappt’s auch mit dem Meditieren – einigermaßen (Foto: Utz Schmidtko)

Womit ich fast schon beim nächsten Punkt der Morgenroutine wäre, der Visualisierung (V): Mir vorzustellen, was ich wirklich möchte, was ich tun muss, um es zu erreichen, und wie es wäre, wenn ich es schon erreicht hätte, gelingt mir, zugegebenerweise, noch nicht jeden Morgen. Und auch die Affirmationen (A) vergesse ich immer wieder. Lesen (Reading, R) ist dagegen kein Problem, allerdings greife ich statt zu einem Ratgeberbuch manchmal lieber zu einem Roman – und das manchmal (oder meist) erst später am Tag.

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Ein Stift, ein Buch, Computer und eine Tasse Kaffee – der Tag kann beginnen.

Vielleicht liegt es daran, dass die Wundermethode bei mir nicht ganz funktioniert. Denn (erfolg)reich bin ich immer noch nicht. Und mit dem Glück ist das ja ohnehin so eine Sache. Aber ich arbeite daran.

Immerhin bekommt die Morgenroutine meiner Lieblingszimmerpflanze ausgezeichnet. Seit ich das Zyperngras jeden Morgen mit dem Restwasser gieße, das vom Kaffeekochen am frühen Morgen übrig bleibt, gedeiht es prächtig. Seine zahlreichen Vorgänger haben dagegen meine Pflege nie lange überlebt. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich jetzt endlich den richtigen Platz an der Sonne für es gefunden habe.

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Mein Zyperngras gedeiht prächtig.

Kalender-Geschichte

Alle Jahre wieder, wenn das alte Jahr endet, beginnt sie aufs Neue, meine Suche nach dem idealen Kalender. Ich habe schon unzählige ausprobiert und benutze mitunter verschiedene nebeneinander: Buchkalender, Ringbuchkalender und Wandkalender in verschiedenen Größen und Formen. Das Clipbook von Filofax habe ich vor allem der Farbe wegen gekauft habe, andere wie Frauen- oder Gartenkalender wegen der Inhalte und Motive.

Im vergangenen Jahr, als der Trend nicht mehr zu übersehen war, bin auch ich aufs Bullet Journal gekommen, angeblich die ultimative Lösung aller Organisationsprobleme. Dem Versprechen, dass die Methode hilft, Ordnung in das Chaos der Gedanken zu bringen und den Überblick über sämtliche Aufgaben, Ziele, Ideen und Projekte zu behalten – beruflich und privat – konnte ich natürlich nicht widerstehen.

Die Idee, To-do-Listen, Kalender, Notiz- und eventuell Tagebuch in einem Journal zu vereinen und ganz nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten, ist wirklich verlockend. Wie oft sind in meinen Kalendern ganze Seiten leer geblieben, andere waren so vollgekritzelt, dass von Überblick keine Rede mehr sein konnte.

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Bullet Journal für Anfänger/innen

Keine Frage: Do it yourself macht flexibel. Und all diejenigen, die nicht so kreativ oder künstlerisch begabt sind, finden in Buchhandlungen, Schreibwarenläden und im Internet unendlich viele Anleitungen, Ratgeber und Zubehör: von Kladden – meist gepunktet, warum auch immer – bis zu diversen Aufklebern, Stiften, Vorlagen und Schablonen zur schönen Gestaltung des Journals. So listet Google zum Stichwort „Bullet Journal Ideen“ fast 13 Millionen Einträge. Die Muster-Journalseiten sind mitunter so aufwendig gestaltet, dass ich mich frage, wie man (oder frau) da noch den Überblick behalten soll. Manchmal, so scheint es, ist die Form offenbar wichtiger als der Inhalt.

Bei mir war das Ergebnis eher ernüchternd – nicht nur, weil mein Bullet Journal nicht annähernd so bunt und hübsch aussah wie die Vorlagen. Auch den totalen Über- und Durchblick habe ich leider nicht bekommen. Das liegt möglicherweise weniger am System als an mir. Ich bin nämlich, fürchte ich, in puncto Zeitmanagement und DiY ein hoffnungsloser Fall.

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Neuer Einsatz für alte Buchhülle

So habe ich es nie geschafft, die verschiedenen Rubriken so konsequent in das Inhaltsverzeichnis einzutragen, wie ich es hätte tun sollen. Und ebensowenig ist es mir gelungen, schon am Anfang des Jahres die Überblicksseiten für das ganze Jahr zu gestalten. Deshalb konnte ich mich von meinem vorgedruckten Kalender, in dem ich möglichst schon am Anfang des Jahres langfristige Termine eintrage, nicht trennen – und von meinem Tagebuch schon gar nicht. Aus diesem Grund habe ich im vergangenen Jahr immer mindestens vier Bücher rumgeschleppt: den Kalender, mein Bullet Journal, mein Tagebuch, das ich immer mitnehme, egal wohin ich gehe, und ein Buch zum Lesen.

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Immer dabei: Tagebuch und Kalender

Um meine Tasche und mein Leben im wahrsten Sinne des Wortes zu erleichtern, starte ich im neuen Jahr  einen neuen Versuch: mit  My-Book-Heften, die einfach mit Gummibändern in einem Umschlag, Neudeutsch Cover, befestigt werden. So kann ich meine geliebte Buchhülle aus Naturleder, den ich vor Jahren einmal gekauft habe, nutzen. In ihr finden neben einem (vorgedruckten) Kalendarium auch noch mehrere Papiereinlagen Platz – für Blog- und andere Ideen beispielsweise und für ein Bullet Journal light. Denn die Idee gefällt mir nach wie vor.

Die Hefte sind dünner als die Kladden, die ich bisher benutzt habe. Dass sie keinen eigenen Schutzumschlag haben,  macht sie leichter und flexibel. Ist ein Heft voll, wird es durch ein neues ersetzt. Das alte wird in einer eigenen Hülle archiviert. Ob ich auf diese Weise den Überblick behalte, wird sich zeigen. Mein Rücken wird es mir auf jeden Fall danken.

Gigantische Aussichten und neue Einsichten

Eigentlich hasse ich falsche Angaben im Internet – nicht nur, aber auch oder gerade, wenn es um die Urlaubsreise geht.  Wenn man ein Haus oder eine Wohnung bucht, die noch ein Geheimtipp ist, die noch nicht von vielen anderen Nutzern bewertet wurde, muss man sich auf das, was auf der Website steht, verlassen. Schwindeln oder schön schreiben geht also im Prinzip gar nicht. Aber manchmal ist es doch gut, wenn man vorher nicht die ganze Wahrheit kennt. Hätten wir gewusst, wo unser Ferienhaus auf La Palma liegt, hätten wir es wahrscheinlich nicht gebucht – und wir hätten sicher was verpasst.

400 m sollte das Haus von der nächsten Einkaufsmöglichkeit entfernt sein und ebenso weit vom Meer. Prima, dachten wir. Umso mulmiger war das Gefühl, als wir hinter der Frau, von der wir den Schlüssel bekommen sollten, zu unserem Feriendomizil fuhren. Zuerst ging’s raus aus dem Ort, dann runter von der asphaltierten Straße. Was auf den ersten Metern wie eine Querfeldeinparcours aussah, entpuppte sich dann im weiteren Verlauf als veritabler Feldweg, der mich ein wenig an die Gravelroads erinnerte, die wir zwei Jahre zuvor in Neuseeland kennen, aber nicht wirklich lieben lernten.

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Blick aufs Meer

 

Die Anfahrt war also – vorsichtig ausgedrückt – gewöhnungsbedürftig, wenn in dem Auto vor uns nicht eine junge Frau mit ihrem kleinen Sohn und ihrer Mutter gesessen hätte, sondern zwei finster dreinblickende Männer, wir wären sicher umgekehrt und hätten uns eine andere Bleibe gesucht. So fuhren wir brav hinterher – und wurden belohnt. Das Haus war nämlich wirklich so, wie es auf den Fotos zu sehen war. Hoch überm Meer, der Ausblick so grandios, dass wir uns daran gar nicht satt sehen konnten. Zum Haus gehörte ein Pool, ganz für uns allein, und ein Grillhaus mit Glastüren, dass ich sofort zum Schreibzimmer umfunktionierte. Wenn es morgens oder abends auf der Terrasse zu kühl oder einfach nur zu windig wurde, habe ich die Glastüren weit geöffnet und mich dort hingesetzt.

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Mein Schreibzimmer, im richtigen Leben eine Grillhütte

Beeindruckend war nicht nur die Aussicht, sondern auch die Stille. Nur ein paar Vögel waren manchmal zu hören, morgens krähten zwei Hähne irgendwo weit weg. Und dann war es wieder still. Und sobald die Sonne untergegangen, war es bemerkenswert dunkel. Keine unerwünschten Lichter, die den Blick auf den Sternenhimmel beeinträchtigen. Ideal für Amateurastronomen und für Leute wie mich, die einfach gerne Sterne sehen, wenn sie nachts nicht schlafen können.

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Sonnenuntergang in Puntagorda

Im Haus war alles, was man braucht – und außerdem manches, was den Aufenthalt in einem fremden Haus angenehmer macht: Es gab Kaffee,  Filtertüten, Spülmittel und eine Grundausstattung an Gewürzen, dazu eine Flasche Wein, einen riesigen Obstkorb und einen Korb mit Süßigkeiten. So konnten wir uns stärken, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Puntagorda und zum Supermarkt machten. Etwa 4 Kilometer zeigte unser Tacho bis zur Ortsmitte – 4000 statt 400 Meter. Manchmal macht eine null doch einen Unterschied.

Die angegebene Entfernung zum Meer stimmte übrigens etwa – Luftlinie. Dass nicht die tatsächliche Distanz gemeint sein konnte, hätten wir wissen können, schließlich lag unser Haus gut 550 m über dem Meer.

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Solarcity Puerto Puntagorda.

Bis ans Meer, genauer gesagt bis nach Puerto Puntagorda, brauchten wir am nächsten Tag zu Fuß etwa anderthalb  Stunden – one way. Die letzten 50 von 450 Stufen, die uns zum Schluss noch vom Meer trennten, haben wir uns dann geschenkt. Denn obwohl es nicht besonders stürmisch, sondern nur etwas windig war, spritzte das Wasser bis zu uns hoch. Auch ohne Schilder, die in drei Sprachen vor plötzlich auftretenden hohen Wellen warnte, wären wir nicht weitergegangen. Aber Schwimmen ist ja ohnehin nicht mein Sport – schon gar nicht im Winter, auch wenn der sich auf La Palma mit über 20 Grad eher von seiner sommerlichen Seite zeigte.

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Zum Einkaufen mal anders

Gelohnt hat sich die Wanderung trotzdem – und auch die anderen in den nächsten Tagen ebenfalls. Und wir werden ganz gewiss wiederkommen, auch wenn der Weg zum nächsten Supermarkt und zum Ort etwas weiter ist als angegeben. Denn so schön, da waren wir uns einig, haben wir noch nie gewohnt. Manchmal ist es eben doch gut, nicht die ganze Wahrheit zu kennen.

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Spiegelbild

Das vorwitzige Fenster

Gestern habe ich meine Mutter im Altenheim besucht: Das ist nichts Besonderes, denn das tue ich seit ihrem Umzug im Januar meist dreimal in der Woche.

„Wie schön, dass endlich mal jemand kommt“, sagte sie, so als habe sie schon lange niemanden von uns gesehen. Dass meine jüngere Schwester und ihre Tochter sie am Tag zuvor besucht haben, hat meine Mutter längst vergessen. Und leider hat meine Schwester vergessen, den Besuch in den Kalender einzutragen, der meiner Mutter hilft, sich zu erinnern, weil ihr Gedächtnis sie immer häufiger im Stich lässt. Meine Mutter schaut mich zweifelnd an, als ich sie an den Besuch erinnere. „Wirklich?“, fragt sie. Überzeugt ist sie nicht – und zufrieden auch nicht. Ich versuche, sie auf andere Gedanken zu bringen.

„Schau was ich dir mitgebracht habe“ sage ich und packe den Adventskranz aus, den mein Mann für sie gekauft hat. Er ist aus Plastik, sieht aber, das muss ich, bekennende Hasserin künstlichen Tannenschmucks, täuschend echt aus. Dass er überhaupt nicht duftet, merkt meine Mutter nicht: Sie hat wie viele alte Menschen ihren Geruchssinn verloren. Und auch den guten Geschmack, wie es scheint. Denn die vielen bunten LEDs, von denen meine Tochter sicher behaupten würde, dass sie Augenkrebs verursachen, gefallen ihr gut – und machen sie fröhlich.

„Wie schön“, sagt sie. „Sag deinem Mann herzlichen Dank. Und grüß ihn schön, wenn du ihn siehst.“ An seinen Namen erinnert sie sich oft nicht mehr, obwohl sie ihn seit mehr als 30 Jahren kennt und er sie öfter besucht.

„Welchen Monat haben wir eigentlich“, will meine Mutter wissen. „November“, sage ich. Und am nächsten Sonntag ist der erste Advent. Deshalb habe ich dir ja auch den Adventskranz mitgebracht.“

„Schön“, wiederholt sier und berührt die Zweige vorsichtig. Sie pieksen nicht und die bunten Lichter bleiben, LED sei Dank, auch dann kalt, wenn sie stundenlang brennen. Der Adventskranz ist kinder- und altensicher. Trotzdem frage ich später im Büro des Altenheims nach, ob ich ihn stehen lassen kann.

„Wo bin ich hier eigentlich“, will sie dann wissen. „Und wie bin ich hierher gekommen?“

Diese Frage stellt meine Mutter immer wieder und ich beantworte sie ihr sicher zum zehntausendsten Mal. Dass sie in einem Altenheim in der Nähe von Hannover ist und dass sie seit Anfang des Jahres hier lebt, weil sie alleine nicht mehr in dem Haus an der Mosel leben konnte – mehrere Hundert Kilometer von ihren Kindern entfernt. „Hier bist du versorgt und wir können dich oft besuchen“, sage ich.

Ich zeige ihr im Kalender, wie viele Besuche seit Anfang des Monats darin vermerkt sind: Drei von meinen Schwestern, die in Berlin bzw. Hamburg leben, etwa zehn von mir. Denn ich wohne im Nachbarort und brauche mit dem Bus nur etwa eine halbe Stunde. „Ich bekomme ja wirklich viel Besuch“, sagt sie und schaut sich um. „Und  es ist ja auch schön hier. Ich habe alles, was ich brauche: meine Möbel, den Fernseher und ein vorwitziges Fenster.“

Der Ausdruck gefällt mir und ihr hat das Fenster von Anfang an gefallen: Es reicht bis zum Boden. Die Gardinen sind – anders als in ihrer alten Wohnung – meist zurückgezogen, geben den Blick nach draußen frei. „Von hier aus kann ich alles sehen, was draußen passiert. Die Autos, die Leute, die vorbeigehen. Das ist schön“, sagt sie und schaut hinaus. Gerade geht eine junge Frau mit ihrem Kind vorbei, meine Mutter sieht ihr nach.

In den ersten Monaten ist sie noch selbst zum Supermarkt gegangen oder zu dem Café an der Hauptstraße. Jetzt schafft sie es nicht mehr und sie begnügt sich mit dem Blick aus dem Fenster. Er genügt ihr. Sie genießt ihn. Denn er verbindet sie mit dem Leben, an dem sie selbst nicht mehr teilhaben kann, aus dem sie sich immer mehr zurückzieht.

Und mir fällt ein, was die Leiterin eines kleinen Altenheims erzählte, die ich vor Jahren interviewt habe. Besonders begehrt seien die Zimmer zur Straße. Ein Zimmer mit Blick zum Garten wollten die wenigsten alten Menschen. Dass die Straßenzimmer lauter waren, störte sie nicht, im Gegenteil: Sie sagen: „Ruhe habe ich bald genug.“ Das sollten sich all diejenigen merken, die Altenheime auf Bauernhöfen, am Stadtrand, auf der grünen Wiese planen, bauen und betreiben – jwd, weit ab von allem.

Herbst im Garten

Das nenne ich Timing. Vor ein paar Tagen haben wir die letzte Pflanze – eine Strelitzie – umgetopft und von der Sommerfrische auf der Terrasse in den Wintergarten zurückgeholt, in der Nacht gab es den ersten Bodenfrost – am Morgen war der Rasen mit einer dünnen Reifschicht bedeckt. Die anderen Pflanzen und der schwere Gartentisch waren schon ein paar Tage vorher in ihr Winterquartier im Wintergarten umgezogen. Denn die Platte mit Mosaiksteinen verträgt leider – genau wie Vogeltränke mit den Fröschen – keine Minustemperaturen. Für  uns bleibt zwischen all den Pflanzen kaum mehr Platz, aber im Wintergarten ist es in den nächsten Monaten meist ohnehin zu kalt. Wenn allerdings in den Mittagsstunden die Sonne hineinscheint, kann man es dort sogar im Dezember und Januar aushalten.

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Die Sonne hat in den letzten Monaten wirklich ihr Bestes gegeben. Der Sommer und der folgende Indian Summer waren nicht nur schöner und wärmer als die meisten, die ich erlebt habe, sondern auch länger. Daran, dass ich, bekennende Frostbeule, Mitte November im Sweatshirt im Garten gearbeitet habe, kann ich mich nicht erinnern.

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Rosen im Herbst

Sicher lag es auch am guten Wetter, dass wir mit der Gartenarbeit weiter gekommen sind als in den letzten Jahren. Mein Mann hat die Sträucher geschnitten, ich die Blumen und Stauden und den Teich von den Blättern befreit. Apfel- und Kirschbaum haben wir einen Schnitt vom Profi gegönnt – sie haben es sich redlich verdient. Denn sie haben in diesem Jahr getragen wie noch nie: Unser Apfelvorrat reicht gewiss noch bis ins neue Jahr, ebenso unsere eingekochte Kirschmarmelade. Die Brombeeren, die am Zaun zum Nachbargrundstück wuchern, waren zum ersten Mal wirklich süß und reif, Trauben haben wir schon im August geerntet. Und die letzte reife Erdbeere habe ich vor ein paar Tagen entdeckt, als ich in meinem Rosen-Erdbeeren-Beet einen Platz für die neue Christrose suchte.

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Die  letzte Erdbeere des Sommers

Dabei habe ich, versteckt unter verwelkten Erdbeerblättern, verblühten Rosen und Stockrosen zwei Christrosen entdeckt, die ich im letzten Jahr gepflanzt habe. Das Beet macht also seinem Namen alle Ehre – auch wenn ich für die neue Christrose einen anderen Platz gefunden habe. Sie blüht jetzt unter meinem Lieblingsbaum, der hoch gewachsenen Eberesche. Sie ist winterhart, der Frost macht ihr nichts aus. Und vielleicht schafft es die eine oder andere Blüte auch bis zu Weihnachten, dem Fest, das der Blume ihren Namen gab.

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Die roten Blüten des Ananassalbeis haben die erste Frostnacht leider nicht überlebt und auch die Pflanze selbst lässt die Blätter schon jetzt bedenklich hängen. Ich werde im nächsten Frühjahr eine neue pflanzen, weil ich ihren Duft und ihre Blüten mag. Ihr Bruder, der echte Salbei, sieht nach dem Temperatursturz zwar ebenfalls nicht sonderlich glücklich aus, hat aber bessere Chancen. Er ist an die Temperaturen hierzulande besser gewöhnt und hat schon manchen Winter in unserem Garten überstanden. Und auch Lavendel und Rosmarin machen moderate Minusgrade nichts aus. Über ihren Duft freue ich mich auch in den nächsten Monaten, wenn ich im Vorbeigehen ein Blatt oder einen Stengel abpflücke, einstecke und so ein Stück Garten immer in meiner Tasche trage.

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Ananassalbei vor dem Frost

Und während ich diesen Beitrag online stelle, fängt es draußen an zu schneien. Der Indian Summer ist endgültig vorbei.