Jahresrückblog 2025

Ist es schon wieder so weit? Der von Judith Peters initiierte #Jahresrückblog war eine gute Gelegenheit, über das nachzudenken, was 2025 geschehen ist, mit Vergangenem abzuschließen und Ziele für das neue Jahr zu formulieren.

Wenn ich dem Jahr 2025 ein Motto geben sollte, wäre es der Satz von Blaise Pascal: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.“ Denn mit den Planungen hat es im vergangenen Jahr wirklich nicht besonders gut geklappt. Da war nicht nur mein Unfall im Mai, der unsere Pläne durchkreuzt hat. Auch vorher oder nachdem mein Fuß wieder verheilt war ist vieles nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber andererseits hält es geistig fit und flexibel, wenn frau sich immer wieder auf neue Situationen einstellen und sie bewältigen muss. Das ist mir 2025 recht gut gelungen.

Meine Themen und Highlights in 2025

Gesundheit

Ja, ich gebe zu, ich bin verwöhnt: Wer ohne ernsthafte Erkrankung und ohne gravierende Verletzungen 68 Jahre alt geworden ist, hat wirklich keinen Grund zu klagen. Aber natürlich habe ich mir den Wanderurlaub mit meiner Tochter in Norwegen anders vorgestellt. Und eine mehrfache Sprunggelenksfraktur hätte es auch nicht sein müssen. Aber Shit happens bekanntlich.

Ich wurde noch in Norwegen zweimal operiert – und hatte Glück im Unglück: Ich bin in einem Wander- und Skigebiet gestürzt. Deshalb haben die Ärztinnen und PflegerInnen im Krankenhaus Volda viel Erfahrungen mit solchen Verletzungen und sie haben ihre Sache sehr gut gemacht. Von meinem Bett im Krankenhaus konnte ich die Berge und den Fjord sehen; der ADAC organisierte meinen Transport von Norwegen nach Hause. Ein halbes Jahr nach dem Unfall sind die Narben kaum mehr zu sehen und ich kann wieder fast beschwerdefrei gehen. Andere Bekannte mit der gleichen Verletzung hatten viel größere Probleme – einige mussten weitere Operationen über sich ergehen lassen und leiden noch unter den Spätfolgen. Dafür, dass mir das erspart geblieben ist, bin ich sehr dankbar.

Schreiben

Ich habe fast vierzig Jahre lang mein Geld mit dem Schreiben und Redigieren von Texten verdient – Schreiben spielt in meinem Leben immer noch eine wichtige Rolle. Aber als Rentnerin will ich mich meinen eigenen Schreibprojekten widmen – wann, wenn nicht jetzt. Doch ohne Termindruck von außen fiel es mir schwer, regelmäßig daran zu arbeiten, mein Ziel, den vor Jahren angefangenen Roman zu beenden, rückte in weite Ferne.
Die Schreibchallenge von Astrid Engel im August hat mir geholfen, meinen eigenen Schreibrhythmus zu finden – an ihr teilzunehmen, war definitiv eine sehr gute Entscheidung.

Die Aufgabe war leicht zu bewältigen: einen Monat lang jeden Tag einen Text schreiben, ganz egal welchen. Ohne Druck, ohne festen Plan. Als der August zu Ende war, habe ich einfach weitergemacht. Und so wurde Schreiben für mich wieder zur täglichen Gewohnheit – und mit der Übung kam auch der Spaß am Schreiben zurück.

Eigentlich mag ich Anglizismen nicht, doch hier ist der Ausdruck Gamechanger angebracht. Auch die Cowriting-Angebote der Textmanufaktur und von Denise Fritsch haben mein Schreiben und oder besser gesagt meine Schreibgewohnheitenben stark verändert.

Ich habe als freie Journalistin und Autorin (fast) immer alleine im Homeoffice gearbeitet – und das war gut so. Mein eigenes Schreibzimmer möchte ich auf keinen Fall missen. Aber vor einigen Jahren habe ich bei einem Schreibwochenende in Wien entdeckt, wie inspirierend und motivierend es ist, gemeinsam mit anderen zu schreiben. Ich habe die Idee dann nach Hannover exportiert – dort ist seit 2020 am ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr Frauenschreibtreff-Zeit.

Weil nach meinem Unfall in Mai das AutorInnenzentrum in Hannover für mich vorübergehend unerreichbar war, meldete ich mich direkt nach meiner Rückkehr aus Norwegen bei der Textmanufaktur an. Seither logge ich mich, wann immer ich kann, zum Schreiben am Morgen mit Sabine E. Rasch ein. Etwa zur gleichen Zeit habe ich die Schreibdates entdeckt, die Denise Fritsch dreimal wöchentlich organisiert . Beides hat mir sehr geholfen, regelmäßig an meinen Schreibprojekten zu arbeiten. Und allmählich entwickle ich unabhängig von den Cowritings eine eigene Schreibroutine.

Gemeinsam mit anderen schreiben im AutorInnenzentrum in Hannover

Reisen

Eigentlich wollten wir in diesem Jahr nach Holland, Belgien und in die Normandie fahren. Doch unsere Reisepläne blieben durch den Unfall in Norwegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke; mein abrupt endender Urlaub in Norwegen war meine einzige größere (Auslands-)Reise. Immerhin habe ich diese Urlaubswoche sehr genossen. Die Landschaft in Norwegen ist wirklich atemberaubend und die Hauptstadt Oslo auf jeden Fall eine (weitere) Reise wert

Sieben Wochen lang durfte ich nach der zweiten OP meinen Fuß gar nicht belasten, danach musste ich das Gehen erst wieder lernen. Zudem ist unser Mini-Wohnmobil für mobilitätseingeschränkte Menschen nicht sonderlich gut geeignet. Und so haben wir erst dreieinhalb Monate nach meinem Sturz wieder einen Kurztripp unternommen: natürlich ans Meer, nach Cuxhaven. Weitere Kurzreisen mit dem Wohnmobil an die Nord- und Ostsee – nach Romö, Sylt und Zingst – folgten. Auch mit dem Zug war ich ab September wieder häufiger unterwegs – zu meiner Tochter in den Harz und zu den Enkelkindern nach Hamburg beispielsweise. Zum ersten Mal seit Corona war ich wieder auf der Buchmesse in Frankfurt und zweimal habe ich meine Freundin in Neustadt an der Weinstraße besucht.

Auch gewandert bin ich seit Oktober schon ein paarmal: Die Strecken sind noch vergleichsweise kurz, aber es geht voran. Und so bin ich guter Dinge, dass ich im nächsten Sommer die geplante mehrtägige Wanderung mit meiner Tochter ohne Probleme und hoffentlich unfallfrei bewältigen werde.

Kunst

Besondere Highlights waren sicher die vielen Museen und Ausstellungen, die ich 2025 besucht habe. Allein in Oslo Anfang Mai waren es zwei Skulpturenparks und vier Museen – das Norwegische Widerstandsmuseum, das Zentrum für Holocaust- und Minderheitenstudien, das neue Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design und natürlich das Munch. Das wird laut Wikipedia wegen seiner Fassade manchmal despektierlich „als die größte Leitplankensammlung der Welt bezeichnet“. Aber innen ist es das schönste Museum, das ich bislang gesehen habe. Ich war während meines Oslo-Aufenthalts gleich zweimal dort, beim zweiten Mal zugegebenerweise nicht nur wegen der Kunstwerke, sondern auch wegen der tollen Aussicht auf den Oslofjord.

Auch vom Ekebergparken hat frau einen tollen Blick auf die Stadt und den Oslofjord. Der Ausblick soll übrigens Edvard Munch zu dem berühhmten Gemälde „der Schrei“ inspiriert haben. Im Park sind 40 Skulpturen und Kunstinstallationen zu sehen, unter anderem von Renoir, Rodin und Dali, aber auch von vielen anderen (zeitgenössischen) KünstlerInnen. Eine wirklich beeindruckende Kombination von Kunst und Natur.

In Hannover haben mir zwei Ausstellungen im Sprengel Museum besonders gut gefallen: Niki – Kusama – Murakami – Love for infinity, die Werke von Niki de Saint Phalle, Yayoi Kusama und Takashi Murakami zeigt, und „Von Hannover nach Los Angeles“, in der Bilder und Fotos von Käte Steinitz zu sehen sind. Die Malerin, Fotografin, Autorin und Verlegerin musste in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts aus Nazi-Deutschland in die USA fliehen.

Die Flucht vor den Nazis ist den Menschen nicht gelungen, die der Regensburger Fotograf Stefan Hanke in sieben europäischen Ländern besucht und in ihrem Lebensumfeld oder an Orten ihres Leidens fotografiert hat. 72 eindrucksvolle Schwarz-Weiß Porträts von Überlebenden nationalsozialistischer Konzentrations- und Vernichtungslager waren in der Sonderausstellung „KZ überlebt“ im Landesmuseum zu sehen.  Kurze Texte und Zitate informierten über das unermessliche Leid, das den Menschen angetan wurde, und über ihre persönlichen Lebenswege.

Besonders stolz war ich auf die Ausstellung Natur-Momente meiner Tochter Nele Schmidtko. Etwa dreißig ihrer Natur- und Landschaftsfotos werden seit August im Haus der Kirche in Bad Harzburg gezeigt. Vögel gehören zu Neles Lieblingsmotiven –besser als die Vogelfotos gefallen mir ihre Landschafts- und Detailaufnahmen, die  die besondere Stimmung und den Zauber des Augenblicks einfangen.

Oma gegen rechts

Zunehmender Rechtsextremismus, Rassismus, Hetze gegen Minderheiten und Antisemitismus nicht nur, aber auch in Deutschland, Klimawandel, Krieg in der Ukraine – und ein amerikanischer Präsident, der keine Gelegenheit auslässt, Öl in die überall in der Welt auflodernden Feuer zu gießen und die vertraute Weltordnung zu sabotieren: Selten gab und gibt es so viele Gründe, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. In der ersten Jahreshälfte 2025 habe ich das immer wieder getan. Bei großen Demos wie auf dem hannoverschen Opernplatz oder mit einigen wenigen Omas gegen rechts freitagsabends bei der Solidaritätswache vor der Synagoge der jüdischen Gemeinde. Mein Unfall und persönliche Gründe haben dieses Engagement vorübergehend unterbrochen. Aber ich mache im neuen Jahr weiter, versprochen. Denn gegen rechts sein genügt nicht. Frau muss es auch zeigen. Nie wieder ist nämlich jetzt.

Beruf: Einstieg in den Ausstieg

Seit ich vor gut zwei Jahren Rentnerin geworden bin, nehme ich keine Schreibaufträge mehr an. Zwei monatlich erscheinende Zeitschriften habe ich aber weiter korrigiert. Doch Mitte 2025 hat die KI die Korrektur der einen Zeitschrift übernommen. Wirklich unglücklich war ich darüber nicht – jetzt kann ich meine Zeit freier einteilen, ohne Rücksicht auf Abgabe- und Drucktermine. Irgendwann wird die Künstliche Intelligenz wahrscheinlich auch die zweite Zeitschrift korrigieren. Soll sie – ich sehe es gelassen.

Erste Male – Positives und Negatives

  • Ich habe mir im vergangenen Jahr zum ersten Mal etwas gebrochen, und zwar mein Fußgelenk, leider gleich mehrfach
  • Auch auf die zweite „Premiere“ am gleichen Tag hätte ich gerne verzichtet: auf meine erste Fahrt mit einem geländgängigen Quad. Mit ihm wurde ich vom Hochplateau auf der Insel Runde ins Tal transportiert. Es war ein wilder Ritt im unwegsamen Gelände und einmal haben wir uns so festgefahren, dass wir nur mühsam und mit Hilfe wieder frei kamen.
  • „Challenges“, neudeutsch für Herausforderungen, Aufgaben oder Mutproben, sind spätestens seit der „Ice Bucket Challenge“ sehr populär. Ich habe 2025 zum ersten Mal an einer teilgenommen, nämlich an der Schreibchallenge von Astrid Engel. Meine erste Challenge wird nicht meine letzte sein.
  • Bislang kannte ich nur Adventskalender mit Süßigkeiten oder kleinen Geschenken; digitale Adventskalender waren mir neu. Vor dem 1. Dezember habe ich gleich mehrere abonniert und wenn auch nicht alle, so doch einige Tipps und Empfehlungen umgesetzt. So habe ich mir das in den Kalendern von Frauen im Business bloggen“ oder der SEO-Akademie empfohlene Plug-in Yoast heruntergeladen, um die Auffindbarkett meines Blogs zu verbessern. Ob das gelingt? Ich bin gespannt.

Sieben Ziele für 2026

  1. Ich möchte in diesem Jahr endlich meinen Roman zu Ende schreiben.
  2. Ich möchte 2026 mindestens 60 Blogbeiträge veröffentlichen und meinen Instagramaccount reanimieren. Vielleicht schaffe ich es ja auch endlich, die besten Blogbeiträge aus den vergangenen Jahren und einige (kurze) Essays in einem Buch zusammenzufassen.
  3. Endlich an einem Schreibwettbewerb teilnehmen. Eine Schreibfreundin hat mir von einem Ü-70-Wettbewerb erzählt. In diesem Jahr gehöre ich zu dieser Zielgruppe.
  4. Ich kenne leider nur wenige heimische Pflanzen und Tiere. Das will ich ändern: Ich möchte mehr Zeit in der Natur verbringen und meine Beobachtungen und Entdeckungen in einem Nature Journal dokumentieren – mit Skizzen und Worten.
  5. Im vorletzten Jahr und in den ersten Monaten des vergangenen Jahrs bin ich täglich durchschnittlich mehr als 10.000 Schritte gegangen. Das möchte ich auch 2026 wieder erreichen. Denn ich bin überzeugt, dass Gehen nicht nur meinem Körper und meiner Seele guttut, sondern sich auch positiv auf mein Denken und Schreiben auswirkt.
  6. Ich möchte viel in diesem Jahr wieder mehr reisen und wandern. Geplant sind eine Wanderung auf der Rota Vicentina  in Portugal, eine Reise mit dem Wohnmobil zur Sonnenfinsternis nach Spanien sowie Kurztripps an die Mosel, in die Pfalz und ins Elsaß. Auf meiner Städtewunschliste stehen Kopenhagen, Wien und Brügge weit oben.
  7. Last, but not least habe ich mir fest vorgenommen, mich mehr zu engagieren: politisch zum Beispiel bei den Omas gegen rechts, gesellschaftlich im AutorInnenzentrum in Hannover. Dort organisiere ich nach wie vor den Frauenschreibtreff, außerdem engagiere ich mich in einer Gruppe, die den neu gewählten Vorstand unterstützt. Ich übernehme gelegentlich Cowriting-Termine und habe mich zur Kassenprüferin wählen lassen. Das habe ich noch nie gemacht, aber irgendwann ist immer das erste Mal.

Mein Motto für 2026

Wann, wenn nicht jetzt. Ich werde in diesem Jahr 70, worauf soll ich also noch warten.

Es weihnachtet sehr

Ich gebe es zu, ich bin ein Weihnachstfan. Oder genauer gesagt ein Vorweihnachtsfan. Ich mag die Adventszeit, und meist beleuchte ich schon ab Anfang November mein Schlafzimmer mit einer Lichterkette. Spätestens am 1. Advent hängt dann auch der Herrenhuter Weihnachtsstern, den mir meine Nachbarin vor Jahren geschenkt hat, in meinem Fenster – ganz klassisch in Weiß. Ich mag zwar die Farbe Lila, aber ein Stern in Violett – die Herrenhuter-Sonderedition dieses Jahres – geht gar nicht. Ich tue mich ja schon mit den roten und gelben Sternen im Wintergarten und im Wohnzimmer schwer.

Klassisch mag ich es auch bei Weihnachtsmusik: In der Vorweihnachtszeit starte ich meist mit Bach, Händel, Corelli und Co in den Tag. Ich liebe das Weihnachtsoratorium von Bach, aber morgens früh bevorzuge ich sanftere Töne wie Air von Edvard Grieg oder Georg Friedrich Händel, Siciliano oder Ave Maria von Bach oder das Largo von Antonio Vivaldi. Die Musikstücke habe ich zugegebenerweise nicht selbst ausgewählt – von Musik verstehe ich nämlich leider noch weniger als von Kunst. Aber ich besitze diverse CDs mit Titeln wie Weihnachts- oder Christmas-Meditationen, die ich in der Weihnachtszeit immer wieder höre. Und ja: ich nutze noch CDs, die ich auf altmodischen CD-Playern abspiele. Nur für unterwegs habe ich meine Lieblingsstücke auf dem Smartphone abgespeichert. In diesem Jahr stehen auch drei Live-Konzerte mit weihnachtlicher Musik auf meinem Vorweihnachtsprogramm.

Für den Adventskranz ist mein Mann zuständig: Er kauft jedes Jahr vor dem ersten Advent einen großen Kranz und schmückt ihn dann mit Kerzen und Bändern, so, wie er es als Kind bei seiner Mutter gesehen hat.

Früher musste unser Adventskranz die meiste Zeit im Wintergarten ausharren, nur die Wochenenden durfte er in der Wohnung verbringen. Wahrscheinlich war ihm das sogar recht. Denn im warmen Wohnzimmer verlieren Tannenzweige schnell ihre Nadeln; im kühlen Wintergarten bleiben sie dagegen lange frisch. Wenn dann an Weihnachten die Zeit der Adventskränze vorbei war, waren unsere immer noch so grün wie am ersten Tag. Aber wer braucht nach Weihnachten noch einen Adventskranz, der aussieht wie neu? Dieses Argument war letztendlich schwer zu entkräften. Und so darf der Adventskranz jetzt meist im Wohnzimmer bleiben – dass er schon am zweiten Advent ein wenig nadelt, nehme ich gerne in Kauf.

Der Adventskranz gehört bei uns zum Advent, einen Adventskalender hatte ich dagegen seit Jahren nicht mehr. In diesem Jahr hat mein Mann mir einen zum Geburtstag geschenkt – und er ist nicht der einzige geblieben. In einem Blogbeitrag hat Judith Peters nämlich fast 80 digitale Adventskalender zu unterschiedlichen verlinkt – und ich habe einige abonniert. Jetzt erhalte ich 24 Tage lang unter anderem Tipps, wie ich Ordnung schaffen, meinen Blog für Suchmaschinen sichtbarer machen, achtsamer leben, Neues wagen und entspannter schreiben kann.

Wirklich gespannt bin ich auf die Impulse zu den Sperrnächten, die Denise Fritsch ab kommenden Montag versendet. Die Rauhnächte kenne ich schon lange, die zwölf Nächte „zwischen den Jahren“ sind für mich eine besondere Zeit. Von den Sperrnächten hatte ich dagegen noch nichts gehört. Sie beginnen, so Denise Fritsch, am 8. Dezember und enden am 21. Dezember, am Tag der Wintersonnenwende. Sie stehen wie die Rauhnächte symbolisch für die zwölf Monate des Jahres, allerdings für die des zu Ende gehenden. „In ihnen dürfen wir abschließen, was vergangen ist. ‚Sperren‘ heißt in diesem Sinne: das Alte bewusst beenden, Frieden schließen und Platz schaffen – für das Neue, das kommen darf.“ Die Sperrnächte sind eine Zeit des Loslassens – und das gehört bisher gerade nicht zu meinen Stärken. Aber ich lasse mich gerne überraschen.

To want statt to do

Eigentlich wollte ich bei Judith Peters Blogtoberfest mitmachen. Die Aussicht mehr Bewegung in mein Leben zu bringen und „das 4. Quartal zu deinem besten in 2025 zu machen“ und mehr LeserInnen zu gewinnen, klang einfach zu verlockend. Aber dann hatte ich keine Lust, in einer weiteren To-do-Liste all meine Ziele bis zum 31. Dezember aufzulisten. Denn mit meinen Plänen ist es ja so eine Sache .

Doch als ich über einen Blogbeitrag von Astrid Engel auf einen älteren Blogbeitrag von Judith gestoßen bin, habe ich es mir nochmal anders überlegt. In ihrem Blogbeitrag beschreibt Judith Peters, wie sie mit regelmäßigen Quartals-Listen Berge versetzt .

Nun, Berge versetzen will ich nicht. Ich finde, wir Menschen pfuschen der Natur oft genug ins Handwerk und meist kommt nix Gutes dabei raus. 12-Wochen-Listen kenne ich und schreibe sie auch gelegentlich. Denn es stimmt, dass ich kurzfristige Ziele nicht so schnell aus den Augen verliere wie solche, die in ferner Zukunft liegen. Dann wird aus aufgeschoben doch allzu oft aufgehoben. Aber Judiths Abwandlung des Konzepts „12-Wochen-Jahr“ hat mir gefallen: Sie notiert nicht Dinge, die sie tun muss, sondern Projekte und Ereignisse, auf die sie sich freut, die sie sie erledigen möchte. Schreibt eben keine To-do-, sondern eine To-want-Liste.

Der langen Rede kurzer Sinn. Ich habe mich also noch in der Nacht hingesetzt und habe angefangen, Pläne und Vorhaben zu notieren, die ich nicht umsetzen muss, sondern möchte:

Schreiben

  1. Jeden Tag schreiben. Dank der August-Challenge von Astrid Engel klappt das seit Anfang August ganz gut klappt https://timetoflyblog.com/schreib-challenge-im-august-ich-bin-dabei.
  2. Dabei helfen mir vor allem die Online-Schreibtreffen, die die Textmanufaktur und Denise Fritsch anbieten . An ihnen möchte ich auch bis zum Ende des Jahres regelmäßig teilnehmen.
  3. Aber ich möchte endlich auch eine Schreibroutine etablieren, die mir hilft, mich an den Schreibtisch oder an den Computer zu setzen, wenn ich keine Schreibverabredung habe und nicht sehr motiviert bin.
  4. Den Nanowrimo gibt es nicht mehr – 50.000 Worte in 30 Tagen zu schreiben ist für mich ohnehin illusorisch. Aber ich möchte im November intensiver an der Geschichte arbeiten, die ich vor Jahren begonnen habe: Sie soll nicht unvollendet bleiben.
  5. Außerdem möchte ich bis zum Jahresende mehr bloggen: Ich habe ich in diesem Jahr bislang 40 Blogbeiträge geschrieben und veröffentlicht. Bis zum Jahresende sollen es 60 sein. Ich möchte also in den nächsten Wochen 20 Blogbeiträge schreiben, das sind fast zwei also wöchentlich. Dies ist Blogbeitrag Nr. 41.
  6. Auch Nature Writing möchte ich ausprobieren. Dabei können mir Wanderungen, Spaziergänge und Künstlertreffs in der Natur helfen.
  7. Und dann ist ja auch noch das Projekt 27. September, das Maxim Gorki ins Leben gerufen und Christa Wolf fortgeführt hat. Ich habe Ende Septermber einen Blogbeitrag darüber geschrieben und einige Schreibfreundinnen motiviert aufzuschreiben, was sie an diesem Tag erlebt, getan und gedacht haben. Irgendwann wollen wir uns treffen, uns unsere Texte vorlesen und uns austauschen.
  8. Ich notiere vieles ganz klassisch per Hand – in verschiedenen Büchern. Das hat den Nachteil, dass ich oft mehrere Bücher – Tagebuch, Notizbuch, Bulletjournal, Arbeitstagebuch – mit mir rumschleppe. Außerdem geht mancher gute Gedanke verloren, weil ich deine Notiz oder einen Text nicht wiederfinde. Ich möchte daher ein Notizsystem finden, das mir hilft, den Überblick zu bekommen oder zu bewahren (über Hinweise und Tipps freue ich mich sehr).

Reisen

  1. Früher bin ich oft zur Buchmesse gefahren: zuerst zur Frankfurter, dann auch zur Leipziger. Doch seit Corona hat es nicht mehr geklappt: In diesem Jahr habe ich mir wieder ein Ticket besorgt. Inzwischen bin ich schon wieder zurück und kann diesen Punkt auf meiner To-want-Liste schon abhaken. 
  2. Im November fahre ich zu meiner Freundin in die Pfalz, um mit ihr Geburtstag zu feiern und bei der Gelegenheit auch den Museums-Pass Musées einweihen, den sie mir geschenkt hat. Mit ihm kann ich ein Jahr lang mehr als 350 (!) Museen, Schlösser und Gärten in Deutschland, Frankreich und der Schweiz besuchen. Weitere Besuche sind also vorprogrammiert.
  3. Ich plane Städtetrips in zwei Städte, die ich noch nicht kenne: nach Jena zum Beispiel, das gar nicht so weit entfernt liegt.
  4. Vielleicht kann ich die eine oder andere Städtereise mit einem Abstecher auf einen Weihnachtsmarkt verbinden. Ich bin ein Weihnachtsmarktfan und möchte in diesem Advent zwei neue kennenlernen
  5. Die meisten meiner Freundinnen wohnen leider nicht in Burgwedel – und ich sehe sie auch deshalb viel zu selten. Bis Jahresende möchte ich drei von ihnen treffen. Zwei habe ich schon wiedergesehen: eine befreundete Verlegerin auf der Buchmesse und auf dem Rückweg die Freundin in der Pfalz.

Kulturelle und andere Aktivitäten

  1. Ich lese recht viel, aber nur selten Gedichte. Bis zum Jahresende möchte ich jeden Tag eines lesen. Das Buch „Mit Gedichten durchs Jahr. Ein lyrischer Kalender mit 365 Gedichten“ liegt jetzt neben meinem Bett. Heute Morgen habe ich nach dem Aufstehen Muriel Sparks „Eingetrübt“ gelesen (eine Brille brauche ich dazu zum Glück nicht).
  2. Zwei Konzerte stehen bis Jahresende auf meiner Wunschliste. Für eines – Filmmusiken von Hans Zimmer – haben wir schon Karten, das zweite soll ein Weihnachtskonzert sein, zum Beispiel ein Konzert des Mädchenchors Hannover.
  3. Die Idee ist von Julia Cameron*: Einmal in der Woche soll frau einen „Künstlertreff“ einplanen, also allein etwas unternehmen, was sie interessiert oder fasziniert. Eine gute Idee, die einen Platz auf meiner To-want-Liste verdient.
  4. Die hannoverschen Museen und die Herrenhäuser Gärten besuche ich dank Museums- bzw. Jahreskarte regelmäßig. Im Sealife war ich dagegen noch nie. Das möchte ich ändern.

Sport und Gesundheit

  1. Eigentlich bewege ich mich gerne und viel. Bis zum 13. Mai bin  ich täglich durchschnittlich mehr als 10.000 Schritte gegangen. Aber nach meinem Unfall durfte ich ein paar Wochen das gebrochene Sprunggelenk gar nicht belasten, danach musste ich erst wieder gehen lernen (ein Ziel für das dritte Quartal, das ich erreicht habe). Jetzt setze ich mir ein neues Ziel: 8.000 Schritte am Tag.
  2. Drei Spaziergänge in der Woche – auch das ist eine Anregung von Julia Cameron. Allein und ohne Smartphone, nur mit meinem Notizbuch möchte ich spazieren gehen. Nicht nur der Gesundheit wegen, sondern um Klarheit zu finden und meine Beobachtung zu schulen.
  3. Längere Strecken zu gehen, muss ich erst wieder üben. Eine erste (kurze) Wanderung habe ich Anfang des Monats schon geschafft https://timetoflyblog.com/update-es-geht-weiter, (mindestens) zwei weitere sollen folgen.
  4. Yoga hatte bis zu meinem Unfall einen festen Platz im Tagesablauf, nämlich früh morgens, während ich – noch vor den Morgenseiten – die erste Tasse aufbrühte. Weil ich morgens direkt keinen Kaffee mehr trinke, muss ich einen neuen Platz für meine Übungen finden.
  5. Ich bin ein Saunafan, aber mein letzter Saunabesuch liegt schon Monate zurück. Bis zum Jahresende möchte ich mir zwei Thermenbesuche gönnen.

Last, but not Least

 „Was kann ich der Welt zurückgeben?“ lautete eine der Fragen, die Judith Peters in der Vorlage für den Blogtober stellte. Das klingt mir zugegebenerweise zu pathetisch. Ob ich der Welt etwas zurückgeben kann, weiß ich nicht. Ich möchte mich auf jeden Fall mehr im AutorInnenzentrum Hannover engagieren. Katia, die für den Vorstand des Vereins kandidiert, hat eine Liste mit Aufgaben herumgeschickt, die erledigt werden müssen. Ich werde anbieten, die eine oder andere zu übernehmen.

*Julia Cameron, Emma Lively: Es ist nie zu spät, neu anzufangen. DEr Weg des Künstlers ab 60. Droemer Knauer München 2016

Beim Schreiben nicht allein: Warum ich gerne mit anderen schreibe

Ich habe als freie Journalistin und Autorin jahrzehntelang im Homeoffice gearbeitet – schon, als es dieses Wort noch gar nicht gab. Geschrieben habe ich (fast) immer allein. Wie gut es tut, (manchmal) gemeinsam mit anderen zu schreiben, habe ich erst vor einigen Jahren bei einem Schreibwochenende in Wien entdeckt. Ich habe die Idee dann nach Hannover exportiert und dort einen (Frauen)Schreibtreff initiiert. Seit mehr als fünf Jahren treffen wir uns am ersten Sonntag im Monat, um einen Nachmittag lang gemeinsam – jede an ihren eigenen Texten – zu schreiben.

Inzwischen nutze ich neben dem Schreibtreff auch andere Möglichkeiten zum Cowriting: So logge ich mich, wann immer ich Zeit habe, dienstags bis freitags bei der von der Textmanufaktur angebotenen Schreibzeit am Morgen ein oder am späten Mittwochnachmittag beim Schreibdate von Denise Fritsch. Manchmal verabrede ich mich mit meiner Schreibpartnerin zum gemeinsamen Schreiben – mal treffen wir uns online, mal ganz analog irgendwo in Hannover. Und dann gibt es ja auch noch das Cowriting mittwochs im AutorInnenzentrum.

Gemeinsam Schreiben im AutorInnenzentrum in Hannover

Mein eigenes Schreibzimmer möchte ich auf gar keinen Fall missen. Und nach wie vor schreibe ich meist allein. Aber es gibt (für mich) eben auch gute Gründe, mich (regelmäßig) mit anderen zum Schreiben zu verabreden. Hier die fünf wichtigsten.

1. Schreibverabredungen schaffen Verbindlichkeit

Zeit zu schreiben hätte ich als Rentnerin eigentlich genug. Aber seit Schreiben für mich „nur noch“ Hobby ist, ich keine Abgabetermine mehr einhalten und mit Schreiben kein Geld mehr verdienen muss, nehme ich mir diese Zeit zu selten. Der Wunsch und der gute Willen sind da, aber dann gibt es im Alltag allzuoft Dinge, die zuerst erledigt werden wollen. Mal wartet die Wäsche, das Badezimmer muss mal wieder geputzt, eine Mail geschrieben oder das Unkraut im Garten gejätet werden.

Wenn ich mich mit anderen zum Schreiben verabrede, halte ich diese Verabredung in der Regel ein und sage sie nur ab, wenn es einen wirklich triftigen Grund gibt. Ich nehme mir dann also nicht nur vor, zu schreiben, sondern ich tue es auch – und komme dann mit meinen Texten oder Projekten auch meist voran.

2. Keine Ablenkung durch Alltagsdinge

Scheinbar wichtige Dinge (siehe oben) verhindern nicht nur, dass ich anfange zu schreiben, ich lasse mich von ihnen auch allzugerne unterbrechen. Wenn ich mich mit anderen irgendwo an einem anderen Ort zum Schreiben treffe, bleiben viele alltäglichen Ablenkungen zu Hause. Aber auch bei Online-Schreibtreffs am heimischen Computer hält mich die Anwesenheit der Mitschreiberinnen im virtuellen Raum davon ab, andere Dinge zu tun. Meist lasse ich meine Kamera während der Schreibzeit an, damit alle sehen können, dass ich brav an meinem Platz bleibe und schreibe. Und manchmal klicke ich selbst auf die Videobilder der MitschreiberInnen. Denn es motiviert mich, wenn ich ihnen einen Moment beim Schreiben oder Nachdenken zusehen kann.  

3. Gemeinsames Schreiben inspiriert

Die besondere Atmosphäre, die beim gemeinsamen Schreiben entsteht, hat Judith Wolfsberger in ihrem Buch „Schafft euch Schreibräume“* sehr gut beschrieben. „In diesem gemeinsamen Schreibraum wird frau getragen von der kreativen Energie der Gruppe, dem Klappern der Tastaturen und Teetassen, dem Blättern, Kritzeln, Atmen, dem Kaffeegeruch. Die anderen schreibenden Körper, aktiven Köpfe, kreativen Seelen im Raum schaffen eine Anwesenheit, Gemeinsamkeit, die über so manche Ausflucht oder Selbstzweifel hinwegträgt. Dadurch stellt sich die innere Klarheit ein: jetzt bin ich hier in diesem Schreibraum, also schreibe ich“, schreibt sie auf Seite 209.

Die inspirierende Atmosphäre entsteht, so meine Erfahrung, auch im digitalen Raum – ohne die von Judith Wolfsberger beschriebenen Gerüche und Geräusche. Denn die Mikros sind während der Schreibzeit ausgeschaltet, damit alle wirklich ungestört schreiben können. Allein das Wissen, dass auch andere zur gleichen Zeit konzentriert schreiben, motiviert mich, erhöht meine Kreativität. Und meine innere Kritikerin traut sich meist gar nicht hervor, wenn sie die Anwesenheit und die geballte Kraft der vielen Schreibenden spürt.

4. Feste Abläufe sind hilfreich

SchreibexpertInnen sind sich einig: Feste Schreibzeiten und Schreibrituale helfen, in den Schreibmodus oder gar -flow zu kommen. Mir ist es bis jetzt noch nicht gelungen, in meinem Alltag eine eigene Schreibroutine und feste Schreibzeiten zu etablieren. Beim gemeinsamen Schreiben – ob digital oder analog – gibt es beides: feste Zeiten und bestimmte Abläufe, zum Beispiel eine kurze Mediation, Schreibimpulse oder ein Austausch über die Schreibziele am Anfang, eine ebenso kurze Reflexion am Schluss. Mir hilft’s.

5. Es macht Spaß, gemeinsam mit anderen zu schreiben

Ob singen, laufen, wandern oder malen: Vieles unternehmen wir gemeinsam mit anderen. Nur beim Schreiben bleiben wir meist allein – vielleicht weil viele beim Schreiben Ruhe brauchen. Oder weil das Bild vom Schriftsteller, der allein an seinem Schreibtisch sitzt, in den Köpfen vieler Schreibender spukt.

Dass Frauen ein eigenes Zimmer brauchen, um erfolgreich schreiben zu können, hat Virginia Woolf in ihrem berühmten Essay vor fast 100 Jahren geschrieben. Aber Schreiben war für sie auch eine gemeinschaftliche Sache. „Sie war Teil der von ihr und ihrer Schwester Vanessa Bell initiierten Bloomsbury Group. Ihr Leben lang genoss sie intensiven Austausch mit ihrer community, das gegenseitiges Feedback und tausende lange Briefe, die sich gegenseitig schrieben“, schreibt Judith Wolfsberger auf ihrer Website Virginias Vision.

PS 1: Es sind übrigens meist Frauen, die gemeinsam mit anderen schreiben möchten. Der Frauenschreibtreff im AutorInnenzentrum hat einmal als offener Schreibtreff begonnen – und wurde irgendwann zum Frauenschreibtreff, weil schreibende Männer kein Interesse am gemeinsamen Schreiben hatten. Und auch bei den Online-Schreibtreffen sind die meisten TeilnehmerInnen weiblich. 

PS 2: Dieser Blogbeitrag ist zum größten Teil in der Schreibzeit am Morgen mit Sabine E. Rasch und während des Schreibdates mit Denise Fritsch entstanden.

PS 3: Mit diesem Blogbeitrag habe ich Judith Peters Blog-Empfehlung für die Kalenderwoche 29/2025 aufgegriffen. Sie schlägt vor, darüber zu schreiben, warum ich irgendetwas – z. B. Bloggen, Radfahren, Schwimmen oder Gärtnern – besonders liebe

Allerdings widerstrebt es mir, das Wort „lieben“ in diesem Zusammenhang zu verwenden. Denn hier halte ich es mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der auf die Frage, ob er den Staat denn nicht liebe, geantwortet haben soll: „Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“ (Zitiert von Hermann Schreiber in DER SPIEGEL, 13. Januar 1969 ). Ich finde, Gustav Heinemann hatte recht.

Judith Wolfsberger: Schafft euch Schreibräume! Weibliches Schreiben auf den Spuren Virginia Woolfs. Ein Memoir. Gebundene Ausgabe, Brill Österreich Ges.m.b.H.; 1. Edition (5. März 2018), 29 Euro

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Jahresrückblog 2024: Auf ein Neues

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich den Jahresrückblog beginne, zu dem Judith Peters aufgerufen hat (https://judithpeters.de/jahresrueckblog/). Wieder mit meinem Lieblingssatz aus Hermann van Veens Musical „Ente Jodokus Kwak“: „Ist es schon wieder so weit?“ Mit den ersten Zeilen aus Erich Kästners Dezember-Gedicht (https://www.deutschelyrik.de/der-dezenber.html)?

„Das Jahr ward alt. Hat dünne Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.“

Oder kurz und knapp mit dem Titel des Tagebuchs, das Astrid Lindgren während des Zweiten Weltkriegs führte: „Die Menschheit hat den Verstand verloren“. Das trifft den Zustand der Welt heute meiner Meinung nach ziemlich genau. Und vielleicht ist das die richtige Quintessenz eines Jahres, in dem alte Kriege fortgesetzt, neue begonnen und nur wenige beendet wurden und in dem immer mehr Menschen rechtsradikalen Parteien ihre Stimme geben.

Meine Themen 2024

Reisen

Ich habe Astrid Lindgrens Tagebuch im Spätsommer in Schweden gelesen. Die Fahrt mit dem Wohnmobil durch Schweden war mein Reisehighlight des vergangenen Jahres. Ich liebe es, am Wasser zu sein und aufs Wasser zu schauen – schon allein deshalb ist Schweden, ebenso wie Norwegen, für mich ein Traumland: Überall Seen, Flüsse oder das Meer, außerdem gibt es traumhaft schöne Landschaften mit fast unberührter Natur.

Sehr gut gefallen haben mir aber auch die vielen kleinen Städte in Südschweden – und natürlich Stockholm: Die schwedische Hauptstadt hat ein besonderes Flair und definitiv das Zeug zu (m)einer Lieblingsstadt.

In Deutschland steht jetzt Schwerin auf der Liste meiner Lieblingsstädte ziemlich weit oben: Auch hier Wasser, wohin man schaut. Aber auch die anderen Städte, die ich dank des 49-Euro-Tickets kennengelernt habe, waren eine Reise wert: Gotha zum Beispiel, Mühlhausen, Potsdam oder auch Braunschweig. Sie liegen gar nicht so weit von dem Ort entfernt, in dem ich seit fast 40 Jahren lebe, und doch habe ich sie in diesem Jahr zum ersten Mal besucht. Im neuen Jahr will ich meine Erkundungsreisen fortsetzen. Und auch einige Freundinnen, die weiter entfernt wohnen, will ich im neuen Jahr besuchen, zum Beispiel an der Mosel, in Neustadt, Wien und auch in Berlin .

Schreiben

Auch wenn ich inzwischen Rentnerin bin, spielt Schreiben in meinem Leben weiterhin eine wichtige Rolle. Ich schreibe fast täglich, wenn auch nicht so viel und so regelmäßig, wie ich es eigentlich möchte. Solange ich mein Geld mit Schreiben verdient habe, habe ich alle Abgabetermine zuverlässig eingehalten, bei meinen „privaten Schreibprojekten“ erreiche ich meine selbst gesetzten Ziele leider oft nicht, obwohl ich heute mehr Zeit habe als früher.

So habe ich im vergangenen Jahr nicht wie geplant ein bis zwei Blogbeiträge wöchentlich geschrieben und gepostet, sondern gerade einmal 46 im ganzen Jahr. Im September habe ich sogar drei Wochen Blogpause gemacht – ich brauchte einfach mal eine Auszeit, vom Schreiben allgemein und vom Bloggen besonders. Manchmal überlege ich sogar, ob ich mit dem Bloggen aufhören und mich auf meine anderen Schreibprojekte konzentrieren soll.

Mit denen bin ich 2024 ebenso nicht so vorangekommen, wie ich es gehofft oder geplant habe. Immerhin habe ich mich – auch dank der täglichen Schreibimpulse von Denise Fritsch – der Geschichte, die schon so lange in meinem Kopf spukt, wieder angenähert. Vielleicht gelingt es mir ja im neuen Jahr, sie zu beenden.

Dabei hilft mir sicher der Frauenschreibtreff, den Annette Hagemann und ich vor ein paar Jahren initiiert haben. Er hat sich inzwischen als fester Termin etabliert  (https://hannoverschreibt.de/treffs/frauenschreibtreff/): Immer mehr Frauen kommen am ersten Sonntag im Monat ins AutorInnenzentrum in Hannover-Linden, um gemeinsam mit anderen zu schreiben (https://timetoflyblog.com/aus-wien-nach-hannover).

Außerdem habe ich 2024 endlich eine Schreibpartnerin gefunden, mit der ich mich regelmäßig online oder live zum Schreiben verabrede.

Gelegenheit, gemeinsam mit anderen zu schreiben, gab es auch bei den beiden Schreibauszeiten, die ich mir 2024 gegönnt habe. Im April habe ich am Essayworkshop von Brigitte Helbling im Nordkolleg in Rendsburg teilgenommen, im November dann an der von Henriette Dyckerhoff und Dr. Elisabeth Drimalla geleiteten Herbstakademie der Bücherfrauen in Klappholtal auf Sylt. Es waren gute Tage – mit viel Zeit zum Schreiben, inspirierenden Schreibimpulsen und Anregungen, spannenden Texten, interessanten Gesprächen und Begegnungen mit tollen Frauen. Ich hoffe, dass wir in Verbindung bleiben. Und dass es mir im neuen Jahr auch zu Hause, im Alltag, gelingt, mir mehr Zeit zum Schreiben zu nehmen.

Wandern

Den Harz einmal von West nach Ost auf dem Hexenstieg durchqueren, stand 2024 auf der Liste meiner Wunsch-Wanderungen ganz oben. Doch irgendwie war es verhext mit dem Hexenstieg: Als ich im März losgehen wollte, wurde ich krank, ans Wandern war nicht zu denken. Später im Jahr machten mir mal mein Knie, mal das Wetter oder das Leben einen Strich durch die Rechnung. Und so habe ich im vergangenen Jahr nur die erste Etappe von Osterode nach Clausthal geschafft – und sie hat mir wie auch die anderen drei Teilstrecken, die ich im Laufe der Jahre gewandert bin, nicht sonderlich gut gefallen. Deshalb habe ich den Hexenstieg kurzerhand von der Liste der Dinge, die ich tun möchte, gestrichen und dieses (Wander)Ziel losgelassen. Es gibt einfach viel schönere Wanderwege im Harz: Einige habe ich im vergangenen Jahr entdeckt: den Besinnungsweg bei Bad Harzburg beispielsweise oder den Weg der Steine bei Wolfshagen. Dort habe ich im Oktober sogar Gil-Galad, den letzten Hohen König der Elben aus Tolkiens Welt, getroffen und fotografiert (Kostüm Foe Rodens).

Kunst

Ich habe keine Ahnung von Kunst, aber ich mag schöne Bilder und gehe gerne in Ausstellungen und Museen.

2024 haben mir die Ausstellungen von Paula Modersohn-Becker im Landesmuseum Hannover, die Munch-Ausstellung und die Sammlung impressionistischer MalerInnen im Museum Barberini in Potsdam und dieBilder von Armin Müller-Stahl im Kloster Cismar besonders gut gefallen. Besonders berührt haben mich die beiden Installationen von Thomas Rentmeister im Sprengel Museum. Er hat den Hausrat seiner Eltern zu einem Kunstwerk verarbeitet. Ich habe in dem Berg manchen Gegenstand entdeckt, dessen Zwilling auch im Haus meiner Eltern stand. Und so war dieser Besuch im Sprengel Museum für mich irgendwie auch eine Reise in meine Vergangenheit.

Bewegung

Ich bin früher gerne und viel gelaufen; doch seit einer Knie-OP vor einigen Jahren beschränke ich mich notgedrungen aufs walken und wandern. Mein Ziel, 10.000 Schritte am Tag zu gehen, 2024 im Prinzip erreicht: Durchschnittlich 10.375 Schritte täglich – an manchen Tagen mehr, an anderen leider weniger –summieren sich auf insgesamt 3.797.250 Schritte im ganzen Jahr.

Im neuen Jahr sollen es mindestens ebenso viele werden. Und vielleicht gelingt es mir ja auch, den Kilometerzähler auf meiner Fitnessuhr zu aktivieren, damit ich meine tägliche Sporteinheit aufs Rad verlegen kann, wenn mein Knie mal wieder nicht so will wie ich.  

Im vergangenen Sommer bin ich außerdem mehr und öfter geschwommen als in den Jahren davor – und wenn ich meinen inneren Schweinehund dann überwunden hatte, hat es mir  sogar Spaß gemacht. Und so habe ich mir vorgenommen, im nächsten Sommer eine Dauerkarte fürs Freibad zu kaufen und regelmäßig schwimmen zu gehen.

Omas gegen rechts

Vor einem Jahr habe ich im Jahresrückblog geschrieben: „Seit einiger Zeit beteilige ich mich an Aktionen der Omas gegen rechts. Denn in Zeiten wie diesen genügt es meiner Meinung nach nicht mehr, gegen Antisemitismus und rechtsradikale Parteien zu sein, die unsere Demokratie gefährden – man muss es auch zeigen.“ Dieser Satz ist leider aktueller denn je. Denn bei den bei den Europawahlen gaben mehr Leute, darunter besonders viele junge, rechtsextremen Parteien ihre Stimme als bei den vorangegangenen Wahlen, im Thüringer Landtag ist die AFD mit 32 Sitzen die stärkste Fraktion. Und in den USA wurde mit Donald Trump ein Präsident wiedergewählt, dessen Demokratieverständnis mehr als zweifelhaft ist und dessen finanzkräftiger Unterstützer offen für die AFD und andere rechtsextreme Parteien wirbt.

Es ist also höchste Zeit, Zeichen zu setzen – gegen Antisemitismus, Faschismus und Fremdenfeindlichkeit. Ob es etwas bewirkt, wenn ich an Solidaritätswachen vor der Synagoge der Neuen jüdischen Gemeinde oder an Demonstrationen gegen rechts und gegen Antisemitismus teilnehme, weiß ich nicht. Aber zumindest habe ich es versucht. Im vergangenen Jahr bei Demos in Hannover, Goslar, Großburgwedel und Eschede (https://timetoflyblog.com/wir-sind-viele).

Erste Male

Seit ich lesen kann – also seit mehr als 60 Jahren – lese ich gerne und viel: Im vergangenen Jahr waren es laut meiner sicher nicht vollständigen Liste 57 Bücher (mehr dazu in einem extra Blogbeitrag). Aber im April  habe ich zum ersten Mal an einem Silent Book Club teilgenommen (https://timetoflyblog.com/gemeinsam-lesen). Schreib- und Lauftreffs kannte ich, aber dass Menschen sich treffen, um gemeinsam zu lesen, war mir neu. Erstaunt hat mich, bei der Premiere in der Stadtbibliothek Hannover, wie viele Bücherfans kamen, vor allem junge. Ich habe im vergangenen Jahr nur einmal beim Silent Book Club mitgelesen, aber ich werde 2025 sicher wieder dabei sein. Für alle interessierten HannoveranerInnen: Das nächste Lesetreffen findet übrigens am 30. Januar ab 17 Uhr in der Stadtbibliothek statt. Ab 16.30 Uhr führt Martina zu den besten Leseplätzen (https://www.instagram.com/silentbookclub_hannover/).

Gelesene Bücher beim ersten Silent Book Club in Hannover

Auch an der von Anna Koschinski organisierten Blognacht (https://annakoschinski.de/blognacht/) habe ich 2024 zum ersten und leider auch nur ein einziges Mal teilgenommen. Dass es mir nicht öfter geglückt ist, liegt auch daran, dass ich freitags manchmal mit meiner Kollegin Foe im Harz wandere und nach einer langen Tour oft zu müde bin. Und dass ich eben freitags manchmal während des Shabbatgottesdienstes vor der Synagoge der Neuen jüdischen Gemeinde in Hannover stehe, um Solidarität mit den Jüdinnen und Juden zu zeigen, die drinnen beten und wegen ihres Glaubens immer häufiger beleidigt, bedroht und angegriffen werden (siehe Omas gegen rechts). Frau muss eben manchmal Prioritäten setzen. Aber die Blognächte stehen ebenfalls auf meiner To-do-Liste für 2025.

Premiere waren für mich auch die beiden Blogparaden im vergangenen März. Ob es die Reichweite meines Blogs erhöht hat, bezweifle ich, aber die beiden Themen „Schreiben über das Schreiben“ (https://timetoflyblog.com/die-leichtigkeit-des-schreibens) und „Wo ich mich zu Hause fühle“ (https://timetoflyblog.com/wo-fuehle-ich-mich-zu-hause) haben mich interessiert und zum Mitschreiben animiert. Auch hier soll die Fortsetzung 2025 folgen.

Wichtige Erkenntnis 2024


Eine Frau, die ich schon lange kannte, die ich aber erst in den vergangenen Jahren besser kennen und schätzen gelernt habe, ist im Frühjahr gestorben. Für mich unerwartet, denn sie war jünger als ich und ich wusste nicht, dass sie krank war. Bei unseren gelegentlichen Telefonaten hat sie es mir nicht erzählt. Und weil wir weit voneinander entfernt wohnten, haben wir uns auch nur selten getroffen – zuletzt im Sommer 2023, mehr als ein halbes Jahr vor ihrem Tod. Dass es das letzte Mal sein würde, ahnten wir beide damals noch nicht. Auch wenn wir beide über 60 waren, dachten wir, wir hätten noch viel Zeit. Denn damals waren wir beide noch gesun

Ihr Tod hat mich sehr getroffen und mich daran erinnert, dass ich Dinge nicht auf die lange Bank schieben sollte, sondern direkt tun sollte. Vielleicht sollte mein Jahresmotto lauten: Carpe diem oder besser noch „Just do it“

Fünf  Ziele für 2025

Ich möchte

  • mehr schreiben und ein Buchprojekt beenden,
  • zeichnen lernen und im wahrsten Sinne des Wortes mehr Farbe in mein Leben bringen,
  • reisen, mit dem Wohnmobil, mit dem Zug und zu Fuß,
  • Freundinnen treffen, auch oder vor allem die, die nicht in meiner Nähe wohnen,
  • Ordnung und Struktur in meine Leben bringen.

Enden soll dieser Jahresrückblog mit den ersten Zeilen aus Mascha Kalekos Nekrolog auf ein Jahr (https://www.sommeruni.net/2002/workshops/zeitung/Nekrolog%20auf%20ein%20Jahr%20-%20Mascha%20Kaleko.pdf):

„Nun starb das Jahr. Auch dieses ging daneben.
Längst trat es seinen Lebensabend an.
Es lohnt sich kaum, der Trauer hinzugeben,
Weil man sich ja ein neues leisten kann.“

Jahresrückblog 2024

Und noch einmal Reinhard Mey. Sein Lied „Einundsiebzigeinhalb“ passt nicht nur zur Halbzeitbilanz, sondern auch zum Jahresrückblog am Ende des Jahres. „Was ist aus all dem geworden, was ich mir am Neujahrsmorgen, ganz fest vorgenommen hab?“ Oder, um den König aus Hermann van Veens Musical die Ente Kwak zu zitieren: „Ist es schon wieder so weit?“

Ja, wieder Silvester: Zeit, Bilanz zu ziehen, zurück, aber auch ein wenig nach vorne zu schauen. Zu diesem Jahresrückblog hat mich Judith Peters gleichnamige Aktion inspiriert – allerdings habe ich ihre Vor- und Ratschläge meinen Bedürfnissen entsprechend modifiziert. So habe ich den Beitrag nicht wie die anderen Teilnehmerinnen am 20. Dezember veröffentlicht. Zum einen, weil ich am Morgen dieses Tages zu einer Untersuchung im Krankenhaus war. Zum anderen nutze ich meinen Blog nicht beruflich, er ist rein privat. Und weil ich zwischen den Jahren weder Urlaub noch eine Auszeit vom Bloggen mache, stelle ich diesen Beitrag am letzten Tag des Jahres online.

Leben

Im vergangenen Jahr hat sich für mich einiges geändert. Ich bin seit Ende 2022 Rentnerin, seit Mitte 2023 nehme ich keine Schreibaufträge mehr an. 40 Jahre Lohnschreiberei sind genug. Ich habe gerne und viel gearbeitet – zeitweise wahrscheinlich zu viel. Und oft habe ich es nicht geschafft, das Leben zu genießen. Zu groß war mein Perfektionismus, zu groß die Angst, Aufträge dauerhaft zu verlieren, wenn ich einmal nein sage. Aber jetzt ist Zeit für das Leben nach der Arbeit – und für die Dinge, die ich gerne tue. Wann, wenn nicht jetzt? Denn wer weiß, wie viel Zeit noch bleibt.

Schreiben und lesen

Ich schreibe gerne, und natürlich werde ich weiter schreiben. Blogbeiträge zum Beispiel. In diesem Jahr habe ich nur 51 veröffentlicht, im nächsten Jahr sollen es ein paar mehr werden. Außerdem möchte ich Essays schreiben und mich an Gedichte wagen. Noch beschränke ich mich meist darauf, Letztere zu lesen – vor dem Einschlafen schlage ich oft den Conrady auf, der neben meinem Bett steht. Oder ich lese mich mit dem lyrischen Kalender durchs Jahr.

Apropos lesen: Ein Leben ohne Bücher kann ich mir nicht vorstellen. 60 habe ich in diesem Jahr gelesen – mehr als eins jede Woche. Die Liste der gelesenen Bücher werde ich in den nächsten Tagen in einem Extra-Beitrag posten.

Kunst

Ich liebe Bücher, seit ich lesen kann. Und ich schreibe, seit ich vor fast 50 Jahren Anne Franks Tagebuch zum ersten Mal gelesen habe. Gezeichnet habe ich dagegen nie. Doch jetzt möchte ich es endlich lernen, möchte mehr Farbe in mein Leben bringen. Deshalb habe ich im November mit einem privaten Zeichenkurs angefangen – und ich habe mir wieder einmal fest vorgenommen, im nächsten Jahr mehr zu zeichnen. Vielleicht klappt es ja in meinem neu eingerichteten Schreib-/Malzimmer, in dem ich nicht nur viel Platz, sondern auch viel Licht habe.

Zu der vorläufig letzten Umräumaktion in unserem Haus haben mich die verschiedenen Atelierspaziergänge angeregt, an denen ich in diesem Jahr teilgenommen habe. Ich bin eine Kunstbanausin, aber ich liebe es, Blicke hinter die Kulissen zu werfen und zu sehen, wie und in welcher Umgebung Kunst entsteht.

Außerdem habe ich viele Museen, Ausstellungen und Galerien besucht. Ein Highlight war sicher das Tate in Saint Ives, nicht nur wegen der Bilder im Museum, sondern auch wegen des tollen Blicks aus dem Museum aufs Meer. Sehr gut gefallen haben mir auch die Ausstellungen von Ilon Wikland und Volker Kriegel im Museum Wilhelm Busch. Und die Ausstellung „Nach Italien“ im Landesmuseum hat dazu geführt, dass wir unsere Reisepläne geändert haben und im Frühjahr statt nach Portugal in die Toskana gefahren sind.

Ganz stolz bin ich auf die erste Ausstellung meiner Tochter: Noch bis April sind im Unternehmerinnenzentrum in Hannover Tier-, Natur- und Landschaftsfotos von ihren Reisen und Wanderungen zu sehen.

Reisen

Gereist bin ich im zu Ende gehenden Jahr viel, nicht nur, aber auch dank des 49-Euro-Tickets. Dass es später kam als angekündigt, habe ich den PolitikerInnen längst verziehen, zumindest solange sie es nicht wieder abschaffen. Und auch daran, dass ich bei Kontrollen keine Karte, sondern mein Smartphone vorzeigen muss, habe ich mich inzwischen gewöhnt.

Durch das Ticket bin ich viel mobiler geworden. Ich kann einfach irgendwohin fahren, umweltfreundlich und preiswert. Auf diese Weise habe ich verschiedene Städte erkundet, die schon lange auf meiner To-visit-Liste standen, Wolfenbüttel zum Beispiel, Bad Gandersheim oder Lübeck. Außerdem bin ich jetzt oft in Hannover – gehe ins Museum, in die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, in die Herrenhäuser Gärten oder an den Maschsee. Und manchmal wandere ich ziellos durch die Straßen und lerne die Stadt kennen, in deren Nähe ich seit mehr als drei Jahrzehnten lebe.

Neben den kurzen Fahrten gab es natürlich auch die großen und kleinen Reisen mit dem Wohnmobil. Anders als geplant sind wir nicht nach Portugal und Skandinavien gefahren, sondern nach Italien und England. Aber das ist ja der Vorteil dieser Art des Reisens: Man kann spontan entscheiden, wohin die Reise geht. Man kann bleiben, wo es einem gefällt, und weiterziehen, wenn man oder frau mag. Und oft ist der Weg das Ziel.

Wann immer es geht, schaue ich mir unterwegs Gärten an, nicht selten sind sie besondere Highlights auf den Reisen. So waren der Giardino Bardini und der Giardino delle Roses meine Lieblingsorte in Florenz. In Saint Ives hat mir der Skulpturengarten von Barbara Hepworth sehr gut gefallen und nach Saint Austell sind wir nur wegen der Lost Gardens of Heligan gefahren.

Gewandert bin ich auch, wenn auch nicht so viel, wie ich eigentlich wollte. Immerhin bin ich auf den Calmont bei Ediger-Eller gestiegen, bin zum ersten Mal in den Alpen und auf dem South West Coast Path in Cornwall gewandert. Beides schmeckt nach mehr. Den Hexenstieg habe ich leider auch in diesem Jahr nicht geschafft. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Der Harz liegt ja quasi vor der Tür und ist zudem auch eine ideale Übungsstrecke für Wanderungen aller Art  

Dank meines Fitnesstrackers weiß ich übrigens genau, wie viel ich in diesem Jahr gegangen bin: Es waren durchschnittlich 9.852 Schritte am Tag, also 3.595.980 insgesamt. Das Ziel 10.000 Schritte täglich habe ich also verfehlt, wenn auch nur knapp verfehlt.  

Omas gegen rechts

Seit einiger Zeit beteilige ich mich an Aktionen der Omas gegen rechts. Denn in Zeiten wie diesen genügt es meiner Meinung nach nicht mehr, gegen Antisemitismus und rechtsradikale Parteien zu sein, die unsere Demokratie gefährden – man muss es auch zeigen.

Dass Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder bedroht werden, dass sie Angst haben müssen, mit einer Kippa auf die Straße zu gehen oder in der Öffentlichkeit Hebräisch zu sprechen, macht mich nicht nur wütend, sondern erfüllt mich mit Scham. Und die politische Entwicklung in Deutschland, Europa und der Welt macht mir zunehmend Angst. Immer öfter denke ich an Martin Niemöllers Worte (https://martin-niemoeller-stiftung.de/martin-niemoeller/als-sie-die-kommunisten-holten):

„Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.“

Von 1937 bis 1945 war Niemöller in Gefängnissen und Konzentrationslagern eingesperrt. Sein Schicksal sollte uns mahnen, rechtzeitig aufzustehen und zu verhindern, dass hierzulande die Höckes, Chrupallas und Weidels an die Macht kommen, unsere Freiheit aushöhlen oder gar abschaffen.

Lieblings-Posts

Nennt eure „drei liebsten eigenen Blogartikel des Jahres“, empfiehlt Judith Peters den TeilnehmerInnen des Jahresrückblogs. Ich musste nicht lange nachdenken. Den Beitrag „Nie wieder ist jetzt“ habe ich nach einer Mahnwache vor dem Holocaust Mahnmal auf dem Opernplatz in Hannover geschrieben. Wir wollten am 9. November, am 85. Jahrestag der Pogromnacht von 1938, nicht nur an die Holocaust-Opfer, sondern auch an die Opfer des Massakers der Hamas in Israel erinnern. Und wir wollten ein Zeichen setzen – gegen den wachsenden Antisemitismus in Deutschland und in vielen anderen Ländern (https://timetoflyblog.com/nie-wieder-ist-jetzt).

Die beiden anderen Beiträge gehören eng zusammen: der Text über die Stadt der Tagebücher (https://timetoflyblog.com/die-stadt-der-tagebuecher) und der Beitrag über Orlando Orlandi Posti. Der junge Italiener, dessen Briefe aus dem Gefängnis im Tagebucharchiv von Pieve Santo Stefano aufbewahrt werden, wurde 1944 von den Nazis in den Adreatinischen Höhlen ermordet (https://timetoflyblog.com/in-memorian-orlando-orlandi-posti).

So etwas darf nie wieder passieren. Nie wieder ist jetzt.